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uldaerZertung

Anzeiger für die Stabt und den kreis Fulda. AmMches firetsbtaft

Nr. 57.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage: „Illustrierte Beilage- mto „Buchenblätter-. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Acttendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 8.

•x Monatlicher Bezugspreis 1.50 Ml. x

Donnerstag, 10. Mär; 1927.

Der deutsche Liberalismus.

Don parlamentarischer Seite schreibt man uns:

In den „Deutschen Stimmen", die Strese- mann nahe stehen, findet sich ein Aufsatz, der die Stellung der Volkspartei innerhalb der heutigen Koalition im Reiche auf das Tiefste beklagt und der, um es kurz zu sagen, wieder eine selbstän­digere Politik der Partei verlangt und ihre Los­lösung von den Deutschnationalen. Am Schlüsse findet sich das Bekenntnis, die Partei müsse sich wieder mehr auf chren „liberalen" Gedanken besinnen und es werden stilturpolitische Bestrebungen, wie sie Martin Spahn vertrete, aus­drücklich abgelehnt. Sollte ihnen, so heißt es fast drohend weiter, das Kabinett die Zustimmung geben, so bliebe nichts anderes übrig als Aus­tritt aus der Koalition.

Diese Auslassung ist aus vielen Gründen in­teressant. Sie zeigt einerseits die Unzufriedenheit mit der anscheinend als Aschenbrödel aufgefaßten Stellung im Reichskabinett, von der man aber ge- rochterweise doch nur sagen kann, daß die Volks­partei sie mit allen Mitteln gesucht habe, an­dererseits die betoyte kulturpolitische Unterschei­dung von den Deutschnationalen. Das Zentrum wird nicht genannt, aber die Ablehnung von Herrn Spahn — ob mit Absicht gerad ein katholisches Mitglied der deutschnationalen Reichstagsfraktion genannt wird, lassen wir dahingestellt — bedingt implizite natürlich eine noch schärfere Ablehnung . des Zentrums!

t Weiter erfährt man, daß die Dolkspartei auch bezeichnenderweise nrtt ihrem Namen nicht mehr zufrieden sei. Sie begeht demnächst in Hannover das Fest ihres 60 jährigen Bestehens, und bei die­ser Gelegenheit beabsichtigt sie auch, ihren alten „nationalen" Titel wieder aufzunehmen, den sie zu ihrem Schaden allzusehr habe in den Hinter- grnnd treten lassen. Bedenkt man, daß schon auf den: Parteitage der Vollspartei in Dortmund Sttesemann unter dem besonders lebhaften Beifall der Versammlung damals einen ähnlichen Gedanken ausgesprochen hat, so wird man die neuerliche Wen­dung nicht weiter verwunderlich finden!

Unseres Erachtens bedeutet das eine entschie­dene Klärung. Das deutsche Parteiwesen hat nach der 'Revolution cm Gesicht angenommen, das nur verständlich wurde unter der allgemeinen Kata- strophen-Stimmung, die damals herrschte. Schon die übermäßige Betonung des Wortes „Volk" in allen Parteien mußte auffällig sein. Alle bürger­lichen Parteien machten es freilich mit Ausnahme des Zentrums. Aber es waren eben Revolutions­erscheinungen, die offenbar heute von denselben Parteien nicht mehr so wichttg genommen werden.

Auf jeden Fall haben weite Dolkskreise sich in den letzten Jahren gewöhnt, in der Volkspartei eine .„Rechtspartei" zu sehen. Und wie man in den ^positiv chrfftllch eingestellten Kreffen diese auch ? immer kulturell im christlichen Sinne als zuver- 'lassig zu bettachtcn meinte, so ging auch die Volks- partel im großen Rahmen mit durch als Partei einer positiven chrfftlichen Einstellung. Das ist sie garnicht! Und es ist gut, daß sie wieder den «liberalen Gedanken betont und dadurch ihre Son­derstellung: denn Liberalismus und Christentum in dem Sinne, wie es die gläubigen Kreise in Deutschland vertreten, sind keineswegs Freunde.

• Aber die Einstellung der Volkspartei ist ganz klar. Sie will mit der Betonung des liberalen Gedankens Eroberungen nach rechts undnach links machen. Einmal bei den Deuffchnationalen. Es ist bekannt, daß diese kulturpolmsch nichts weniger als einheitlich sind, und nur die Beson­derheiten der Lage Deutschlands brachten cs mit sich, daß diese heterogenen Elemente sich an die deutschnationale Seite schlugen. Warum sollten, so rechnet man in der liberalen Partei, dort nicht wieder fteikonservattve Ideen auskommen? Sicher­lich ist diese Spekulatton nicht schlecht,- denn mit dem Schwinden des außenpolitischen Drucks und der allgemeinen Angleichung an die gegenwärtigen Politischen Verhältnisse sind die Aussichten nach rechts nicht übel und die Notwendigkeit der Un- terscheidung wird je länger desto wichtiger, wenn die Volkspartei sich überhaupt auf die Dauer hal­ten will. Hier soll eben das „Liberale" im Gegen­satz zu der deuffchnationalen Orthodoxie entschei- -£enb sein. Nach links hofft man ebenfalls aus den Meihen der zerfallenen Demokraten auf Zuzug. Die Liberalen sind immer Optimisten gewesen, und so doffen sie gerade für die Zukunst auf einen neuen «Mchwung.

Für die christlichen Kreise ergibt sich er- At, wie schmal die parlamentarische Basis in Wahrheit ist, auf der wir kämpfen müssen. Wer ^besser man die wahren Freunde und Gegner Trennt, desto geringer die Illusionen. Unsere kul» politischen Ziele können nur durch kluge und ge- wandte Tattik zum Siege geführt werden, und wir vollen die Mehrheit nehmen, wo wir sie be- -plen; von einer „christlichen" Rechten fetrtf Vn Deutschland jedenfalls keine Rede mehr

Zentrum und Bayerische Volkspartei

te" schwebenden Verhandlungen über die %anP •(un8 e*ner Arbeitsgemeinschaft zwischen der drx Wshen Volkspartei und dem Zentrum schreibt soll l'^gensburger Anzeiger": „Dieses Bündnis §Intt1 Sinn haben, daß die Idee der Welt- rn ?u unasp artet überhaupt gestärkt wird, len .L. die Annäherung einen Sinn. Wir wol- ober eine Richtung im Zentrum stärken fieftär», andere schwächen. Das Fundament soll bigen i werden. Die Idee einer durchaus stlbstän- iehfen P bfn Inhalt einer eigenen Geistigkeit ge- iti fjÄ sptik, die auch die Kraft des Ausgleichs

** eine Politik der Mitte, d. h. der zen- i

Genf und die deutsch-polnischen Fragen.

Versailler Vertrag und HMM-Mumling

Sowohl in dem Programm der Ratstagung wie in den politischen Besprechungen der führenden Staatsmänner nehmen die deutsch-polnischen Fra­gen in Genf den ersten Platz ein. Diese Tat­sache wird, wie der Sonderberichtefftatter des N.D.Z. erfährt, auch nicht verwischt dadurch, daß Chamberlain in einer Besprechung mit Pressever­tretern den rumänisch-ungarischenKon- f l i k t als den einzigen ernsten Punkt der Tages­ordnung bezeichnet hat. Mit der erfolgten Ankunft des deutschen Gesandten in Warschau, Ulrich Rau­scher, dem die des Leiters der Abteilung für die Fragen der Wanderarbeiter im preußischen Mini­sterium des Innern, Ministerialrat R a t h e n a n , vorangegangen war, und mit der ersten Behand­lung der oberschlesischen Schulfrage in der Rats­sitzung am Dienstag ist der Auftakt für die Erörte­rung dieser Angelegenheiten gegeben. Man weiß jetzt von Bemühungen, die deutschen und polnischen Vertreter an einen separaten Verhand­lungstisch zu bringen, und man darf vielleicht prophezeien, daß diese Bemühungen von- Erfolg ge­krönt sein werden. Ob es darüber hinaus zu ei­nem sachlichen Ergebnis kommt, steht bei der bisher beobachteten Intransigenz Polens keineswegs fest. Abschließendes darf mit Rücksicht auf die Vielheit und Kompliziertheit des Problems für Genf nicht erwartet werden, wo höchstens die Wiederauf­nahme unterbrochener Verhandlungen vereinbart und vielleicht gewisse Richtlinien abgesprochen wer­den könnten. In der Angelegenheit des Handels­vertrags und des Niederlassungsrechts, die beide nicht als politisch angesehen werden dürfen, würde eine etwaige Verständigung bei einsichtsvollem Ver­halten Polens allenfalls denkbar sein. Dagegen ist in der Schul frage ein reiner Rechtsfall Zu entscheiden» dessen Regelung dem Rat auch dann obliegt, wenn die übrigen d«uffch-polnischen An­gelegenheiten aus dem Genfer Interessenkreis, dem sie offiziell nicht angehören, wieder auf das Gebiet direkter Verhandlungen getragen werden sollten.

Das Finanzkomitee des Völkerbundes hat in der Danziger Angelegenheit in einer Voll­sitzung die noch ausstehenden sechs Punkte behan­delt, deren Erledigung entsprechend der Dezember­entschließung des Rats für die Empfehlung der in­ternationalen Anleihe für Danzig notwendig ist. Die Arbeiten des Finanzkomitees sollen Mittwoch­abend zum Abschluß gebracht werden, so daß bei günstigem Ausgang seiner Bemühungen die Dan­ziger Frage am Donnerstag im Rat behandelt wer­den konnte.

In der Saarfrage ist bisher im Rate selbst noch nichts geschehen. Dagegen ist, wie der Son­derberichterstatter des V.D.Z.-Böros erfährt, von deutscher Seite denjenigen Ratsmitgliedern, die sich für die Frage besonders interessieren, der deutsche Standpunkt des näheren bekannt gegeben worden. In Völkerbundskreisen entwickelt sich die Auffassung, daß wohl n i ch t m e h r mit einer An­nahme des Kompromißvorschlages der Regierungs­kommission des Saargebiets in feiner vorliegenden Fassung zu rechnen fei. Die Entscheidung wird hier in einer der letzten, wenn nicht in der Schlußsitzung fallen, die ihrerseits kaum vor Samstag zu erwarten ist.

Das Pariser Abendblatt „£e Soir" setzt seine Kampagne zu Gunsten der baldigen Räumung des

In einem Leitartikel betont der „Manche­ster Guardian", daß die 2l(Iiierten den Frie­den von Versailles auf einer Grundlage aufgebaut haben, die augenscheinlich u n ft a b i l ist. Niemand konnte sich vorstellen, oder gar wünschen, daß Deutschland einen solchen Status f ü r i m m e r an­nimmt. Aber keine der schwierigen übrig bleiben­den Fragen seien unlösbar, solange der Geist von Locarno vorherrsche und der Völkerbund als Ret­tungsanker Europas angesehen werde. Das Ver­bot der Vereinigung mit Oesterreich könne nicht für immer oder sogar für lange be­stehen. Die Abrüstung Deutschlands würde ein an­deres Aussehen erhalten, wenn die Abrüstungen durch Vereinbarungen allgemein seien. Die Haupt- gefahr sei jetzt vielleicht, daß törichte Erwägungen die britische Regierung veranlassen, einen Streit mit Rußland vom Zaune zu brechen, denn es sei klar, daß die Schwierigkeit, Deutschland zu voll­kommen normalen Beziehungen mit Westeuropa zu bringen, riesig vergrößert werde, wenn zu den Schwierigketteo Europas noch dieser Streit hinzu- trete. ...

Das wichtigste politische Ereignis in Genf war am Dienstag vormittag die Mitteilung des italieni­schen Delegierten S c i a l o j a, daß die italienische Regierung das Abkommen vom Oktober 1920 über Bessarabien ratifiziert habe. Damit ist dieser Ver­trag, der damals zwischen der rumänischen Regie­rung und den vier Hauptmächten des Versailler Vertrages: Frankreich, England, Italien und Ja­pan, abgeschlossen worden war, in Kraft getreten.

In dem Abkommen vom Oktober 1920 war von den vier Hauptmächten Rumänien der Be­sitz oonjBeffarabien, der ihm im Vertrag von Versailles zugesprochen worden war, erneut garantiert worden. Die Rechtsgültigkeit des Abkommens wurde aber davon abhängig gemacht, daß von den vier Hauptmächten drei es ratifizie­ren. Bisher tagen lediglich die beiden Ratifikations- unterfchristen der französischen und der englischen

Regierung vor. Die Verhandlungen mit der ita­lienischen Regierung haben sich jahrelang hinaus- gezögert. Nunmehr hat auch Italien seine Unter- schrfft unter das Dertragsinstrument gesetzt. Es hat dadurch bindende Kraft erlangt. Äe vier Hauptmächte garantieren Rumänien den beffara- bischen Besitz.

Zu dieser Angelegenheit wird aus London ge­meldet: Der Genfer Berichterstatter der „Mor- ning Post" sagt: Italiens Aktion ist der erste Schlag, der in Genf seit Errichtung des Völkerbundes gegen die Bolschewisten ge­führt worden ist.

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Außenminister Chamberlain hat Dienstag nachmittag die internationale Poesie empfangen. Nachdem er einleitend allgemein darauf hinwies, daß die englische Weltpolitik sich absolut von ürriebensgebanfen tragen lasse, erklärte er, durchaus bereit zu sein, die chinesische Ange­legenheit vor den Völkerbund zu brin­gen, wenn nur einmal die innerchinesischen Ver­hältnisse so weit abgeklärt seien, daß man wisse, mit wem man im Namen Chinas im Völkerbund verhandeln könne. Dann verbreitete sich Chamber­lain ziemlich scharf über die Haltung derrus- fischen Regierung, von welcher die englische Regierung unbedingt eine Aenderung erwarten müsse.

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Reichsministerr Dr. Stresemann gibt in seiner Eigenschaft als Präsident des Völkerbundsrats Mittwoch abend den übrigen Mitgliedern des Rats ein Diner.

Rheinlandes fort. „Wir, die wir nicht gehalten sind, unsere Meinung zu beschönigen ober Vor­sichtsmaßnahmen zu ergreifen, die wir die Ge­wohnheit haben, immer mit der weitestgehenden Offenheit unsere Gedanken zum Ausdruck zu brin­gen, wir bleiben bei der Annahme, daß der Augen­blick gekommen ist, unsere Worte mit unseren Handlungen in Einklang zu bringen. Briand er­kennt nicht an, daß die Deutschen das Recht haben, die Räumung des Rheinlandes aufgrund des Ar­tikel 431 des Versailler Vertrages gu fordern. Die­ses Recht ist unantastbar. Man kann jede Diskussion verweigern, man kann trotz der Ansicht Englands die militärische Besetzung aufrechterhal­ten, man kann den Irrtum, den man im Ruhrge­biet begangen hat, wiederbegehen, aber wenn man diese Haltung einnimmt, verzichtet man zu gleicher Zeit auf die deutsch-französische Annäherung und da man eines Tages doch räumen muß, so versagt man es sich, wenn man jetzt nicht räumt, aus der Räumung irgendwelchen Nutzen zu ziehen. Wer über die vorzeittge Räumung verhandelt, tauscht illusorische Sicherheiten gegen positive Vorteile ein. Er arbeitet also für den Frieden durch die Beseitt- gung des Hasses."

Gist-Sar als Waffe.

Aus Paris wird gemeldet: Im Verlaufe eines von der Vereinigung für Handel und Industrie un­ter dem Vorsitz des Abg. Louis Dubois einberufe­nen Kongresses hielt Herr Michelin eine Rede über das Gas als Kriegsmittel. Er stellte die Frage, ob Frankreich sich für einen Gaskrieg vor­bereite. Er hoffe, daß die militärischen Sachver­ständigen sich bereits jetzt damit beschäftigen, ein Gas zu finden, das die gegenwärtigen Gasmasken durchdringe und eine wasserdichte Gas­maske herzustellen, die gegen alle Gase Schutz ge­währe. Sämtliche zur Herstellung geeigneten Fa­briken mühten organisiert, mit Rohstoffen versehen und ihr späterer Betrieb sichergestellt werden. Un­terirdische Lokalitäten seien vorzubereiten, um so­wohl der Zivilbevölkerung, als auch dem Militär Schutz zu gewähren und ebenso seien Abwehrappa­rate zu schaffen, kurz alles Notwendige für einen Angriff solcher Art vorzubereiten. Man müsse fer­ner darauf sehen, daß Frankreich mit möglichst vie­len Ländern Bündnisse einginge, damit, wenn eine Nation, die sich verpflichtet habe, die Gase nicht als Kriegsmittel zu gebrauchen und überraschender­weise eine von Frankreichs großen Städten an­greife, eines der gewaltigen französischen Vertei­digungszentren bereits in der folgenden Nacht als Repressalie Flugzeuge absenden könne, die mit großkalibrigen Kanonen jenes Land angriffen, um einen Teil feines Gebiets zu vernichten.

Die Franzosen, soweit sie an den dämonischen Vernichtungsmitteln Geld verdienen wollen, schei­nen mit Zähigkeit solche großkalibrigen Pläne den Völkern einzuhämmern.

Amerika für eine Dceimächte-Konferenz.

Die Vereinigten Staaten haben Großbritannien und Japan endgültig vorgeschlagen, daß über die Frage der Einschränkung der Flotten- r ü ft u n g en eine Dreirnächte-Konferenz, und zwar frühestens am 1. Juni, in Genf ftattfinben soll.

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Die zweite Niederländische Kam­mer hat den sozialdemokratischen Antrag auf Ab­rüstung der Niederlande ungeachtet des Vorgehen­der anderen Mächte a b ge l e h n t.

Der Reichstag.

Der Reichstag nimmt am Mittwoch seine Voll­sitzungen wieder auf. Da Reichstagspräsident Löbe vermutlich vor Ostern seine Amtsgeschäfte nicht auf­nehmen wird, und gerade in den nächsten Wochen zur Beratung des Reichshaushaltplanes Sitzun­gen am Vormittag und am Nachmittag abgehalten werden sollen, wird laut „Tägl. Rundschau" in Parlamentskreisen erwogen, den drei Vizepräsi­denten des Reichstages einen weiteren Vize­präsidenten für diese Zeit zur Seite zu stellen. Der Aeltestenraf wird in seiner nächsten Sitzung darüber entscheiden.

* Am Grabe Zeppelins. Anläßlich des zehn­jährigen Todestages des Grafen Zeppelin fand am Dienstag nach einer Blättermeldung aus Stuttgart an dem Grabe des großenDeuffchen eine Gedenk­feier statt. Die Stadtverwaltung ließ einen Kranz niederlegen, ebenso der Württembergische Luftfahrt­verband, der eine Abordnung entsandt hatte, lieber dem Grabe kreisende Flieger ehrten den Toten durch Abwerfen von Kranzspenden.

Die Wahl in Oesterreich.

Kommunisten und Sozialdemokraten in Oesterreich.

Die Reichskonferenz der kommunistischen Partei Oesterreichs hat einen offenen Bries an die Sozialdemokraten gerichtet, in dem sie fich erbütig macht, bei den kommenden Wahlen für die sozialdemokratische Lffte zu stimmen, wenn sich die sozialdemokratische Partei durch ihren Parteivor­stand öffentlich und bindend verpflichtet, im Falle der Gewinnung einer Parlamentsmehrheit eine Reihe von lebenswichtigen Forderungen der werk­tätigen Massen sofort durchzuführm.

* Vertrauensvotum für poincare. In der fron- zösischen Kammer forderte Poincar^ die Wlehnung des Antrages Auriol zur Schuldenregelung mit einem unbedingten und unzweideutigen Ver­trauen. Der Antrag Auriol wurde mit 351 gegen 180 Stimmen abgelehnt.

traten Interessen von Volk, Nation und Mensch ist es, was im Bewußtsein der beiden Parteien unbedingt notwendig fein muß. Nur im Rahmen eines deutschen Staatswesens föderativen Charak­ters kann die bayerische Frage als wichtige Teil- frage des Ländersproblems ihre Lösung finden. Wir wollen uns nicht abtapfeln, wir wollen einge­schaltet fein. Wir sind Bayern und keine R e a k ti o n ä re, als die uns gewisse Leute immer gern hinstellen.

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Noch eine andere Stimme aus Bayern oer« ment Beachtung. Die „Augsburger Post- trifft den Kern der Sache, wenn sie organisatorischen Fragen, sondern die der g e i st i gen Beziehungen in den Vorder­grund ruckt. Sie schreibt: „Gewiß, die Arbeits­gemeinschaft der beiden Fraktionen im Reichstag neben der Vereinigung der Verhältnisse in der.Pfalz zunächst die einzige Auswirkung der Verhandlungen auf dem Gebiete der Organisation der beiden Parteien fein. Es handelt sich nicht um eine Wiedervereinigung. Diese kann vielleicht spa­ter kommen. Aber wichtiger als diese organisato- rischen Maßnahmen sind die g e i ft i a e n

Beziehungen! Nicht in äußeren For­men kann sich die politische Einigung der deutschen Katholiken erschöpfen. Ohne innere Gemeinschaft sind die Formen und Organisatio­nen leer und wertlos. Diese innere Gemeinschaft aber zu schaffen, muß das hohe Ziel unserer Ar­beit fein. Die „Augsburger Postzeitung" hat seit langem ihre Aufgabe darin erblickt, für diese Ge­meinschaft den Boden zu bereiten. Nicht alle Brük- ken abzubrechen, schien uns oft wichtiger als hef- tiger Kampf um Tagesmeinungen. Auseinander­setzungen, wie die um die Präsidentenwahl, waren gewiß wichtige Angelegenheiten, aber der Ausgang dieser Kämpfe war nicht so wichtig, wie die B e- wahrung des deutschen Katholizismus vor endgültiger Zerklüftung, die nicht mehr hatte überbrückt werden können. Darum begrüßen wir heute mit warmem Herzen die Wiederannähe­rung der beiden Parteien. Der unfruchtbare Streit um die Vergangenheit muß begraben werden. Als Politiker, die in der Wirklichkeit des Lebens etwas erreichen wollen, müssen wir uns um die Gegen­wart und Zukunft und ihre Aufgaben kümmern. Und diese sind zu groß, als daß wir uns noch den ßueus der Rechthaberei erlauben dürsten!"

Spanien hat Geld.

Aus Madrid wird gemeldet: Auf einem vom Verband der Wechsel- und Börsenmakler von Mad­rid zu Ehren des Königs gegebenen Bankett, dem auch Primo de Rivera und der Finanzminister Calvo Sotelo beiwohnten, wies letzterer in einer Rede auf die günstige Lage des Schutz­amtes hin und sagte, die Staatskasse verfüge heute über 1700 Millionen, sodaß man die Mög­lichkeit ins Auge fassen könne, den lateinamerika­nischen Ländern, die eine Anleihe aufnehmen müßten, eine solche zu gewähren. Der Maklerver- band bot dem König 25000 Peseten für den Bau einer Universitätsstadt an. Gleich hohe Summen wurden von den Maflerverbänden vou Barcelona und Bilbao angeboten.

Regen in China.

Wie Havas aus Schanghai berichtet, ist in­folge der andauernden Regengüsse die Lage an den verschiedenen Fronten vollkommen ruhig. Es werden Attentate zweier Arbeiter gegen zwei Aufseher gemeldet, bei welchen der eine Auffeber getötet der andere verletzt worden sei. -