&SQH & ^iSQnrodrGätiedQr Art.
verbe und #Rindvir}$chcift frdgeri IfaumateriaHeti, Dytkor/rqf- Cattert
•XntdÄÄaMw
cfemruf- 265 -264 -265
Fuldaer Zeitung
M 48.
r. Blatt.
Druck der Fuldaer Actieadruckerer, Fulda
Sonntag, 27. Februar 1927.
Es brauchte einige Zeit, bis sich ihre Natur mit diesem nun einmal notwendigen Hundeschicksal ab* fand. Und da kam denn in ihre brautjungferliche Liebe etwas Mütterliches. Sie beaufsichtigte ihn gewissermaßen, st« scheuchte schlechte Gesellschaft von ihm fort und suchte ein gehobenes Standes* bewußtsein in ihm zu wecken, so daß denn nach einiger Zeit Männe wirklich nur auf ebenbürtige Kameraden etwas hielt und alles andere unerbittlich aus feiner Nähe wegbiß . . .
Auch diese Geschichte fand ich ebenso lustig wke rührend und dachte, daß doch kein Menschenwitz aufkommt gegen den feinen finnigen Humor, den das Leben selbst ohne Masken und Firlefanz uns immerfort anbietet .... Und so habe ich Fastnacht gefeiert, und weil einmal ein Affe dazu gehört, so habe ich zum Mschluß das Lichtlein ange- steckt, das ein putziger Gorilla, der traurig lächelnd auf meinem Schreibtisch steht, auf dem Kopfe trägt, lieber diesen Gorilla abA ein anderes Mal. Der Mann im Monde.
♦ Eine traurige Folge der Hungerblockade. In diesem Jahr hat die Pfarrei Eisenschmitt (Bez. Trier) nicht einen einzigen Erstkommunikanten aufzuweisen. Die Kinder, die in den Jahren 1917 und 1918 geboren wurden, sind infolge der Hungerblockade ausnahmslos cm Unterernährung gestorben. Eisenschmitt zählt nahezu 700 Einwohner. Als Ersatz für die fehlenden Erftkommunikanten sollen nun die Erwachsenen, die vor fünfzig Jahren ihre erste hl. Kommunion feierten, mit dem goldenen Sträußchen geschmückt an die Kommunionbank treten.
* Nach Veruntreuung von 100 000 Mark sich selbst gestellt. Der Assistent der Kölner Straßenbahn Georg Friedrich wurde feit Oktober wegen Veruntreuung von 100 000 Mark und wegen gewinnsüchtiger Urkundenfälschung steckbrieflich verfolgt. Der Gesuchte hat sich in der Nacht zum Dienstag völlig mittellos freiwillig der Kriminalpolizei gestellt. Er erklärte, nur 19 000 Mark mitgenommen zu haben. Das übrige Geld, das nach seinen Angaben weniger sei, als behauptet werde, will er im Laufe mehrerer Jahre durch Urkundenfälschung an sich gebracht und verbraucht haben.
* Tod eines Scharfrichters. Im biblischen Alter starb in Zuffenhausen der Fettchändler Siller, in seinem „bürgerlichen" Berufe viele Jahre als Scharfrichter für Süddeutschland beamtet.
Alleinverkauf;
Feinkosthaus Conrad Hein, Lindenstraße 11.
♦ Ein weiblicher Mehgergeselle. Ein ISjähriges Mädchen, die Tochter eines Metzgermeisters in Solin- g en hat vor der zuständigen Prüfungskommission die Gesellenprüfung mit vollem Erfolg bestanden. Man hatte es dem wackeren Mädchen nicht leicht gemocht, als Gesellenstück hatte es ein Stück Großvieh regelrecht zu schlachten und für den Verkauf fertig zu machen.
von -en Hochschulen.
= Erweiterung der Heidelberger llniversitätskllnik. Der badische Staat hat die Zeebsche Prioatklinik cm gekauft. Sie soll der Frauenklinik der Universität angegliedert werden.
Schriftleiter: Dr. phiL Johannes Kramer, Fulda. Verantwortlich für die Anzeigen: Direktor der Fuldaer Actiendruckerei 3. Parzeller.
Haarsärbungsmethode aufoe verurteilte den W. zu 2
BiitiiiHii!iinnniiiiniiiiiiiiiiiiiuuiiiinn!!iiii]iiuiiiiiiiiniiiniiiuniiiinniiininunnHiiNwuu!iifiiiiuH
Das Cafe
Die Conditorei
Täglich Künstler Konzerte
Die älteste Sparkasse des Regierungsbezirks
Gemeinsamer Einkauf mit 400 ersten Fachgeschäften.
Besitzer: Gustav Hesse, Bahnhofstrasse II, Tel 222.
Mündelsicher -----
Sernruf--
Km Haare kamen zum Vorschein und schließlich wurde direkte Rückfrage bei dem Vorbesitzer die ganze ' geklärt. Das Schöffengericht lonaten Gefängnis. K., der
Mische Masse
1825 FUldlf 1825
Bahnhofstrasse 5
aus dem Htiidaer Land.
•= Eichenzell. Der 86jährige Knecht eines hiesigen Landwirts glitt am Mittwoch morgen, als er Futter vom Heuboden herabwarf aus und fielindieTiefe. Die erlittenen Verletzungen waren derart, daß er auf ärztliche Anordnung dem Landkrankenhause zugeführt werden mußte.
— Eichenzell. Die Grippe, die während der letzten Wochen als Hals- und Darmgrippe unter den Kindern der Grundschule herrschte und an de» beiden kritischsten Tagen im 1. und 2. Schuljahre 57 Proz., im 3. und 4. Schuljahre 52 Proz. erfaßte, ist erfteulicherweise wieder erloschen. Die Krankheit nahm in den meisten Fällen einen raschen Verlauf und forderte keine Opfer. Auch die Säuglinge, die an Lungenentzündung erkrankt waren, sind wieder außer Gefahr.
~^Dorfborn. Spitzbuben räuberten nachts die Räucherkammer eines hiesigen Einwohners fast gemz aus. Heber einen Zentner Wurst- und Fleischwaren hießen die Diebe mitgehen. Von den Langfingern fehlt noch jede Spur. —■■* «- »dfcf.ii»';.:. le
— Schotten. Der Pferdehändler K. hatte kürzlich in Weichelsheim in der Wetterau ein Pferd, einen alten Rappen, für 150 Mark erstanden und an seinen Kollegen für 170 Mark weiterverkaust. Der Rappe war etwa 16 bis 18 Jahre alt und hatte statt schwarzer schon recht graue Haare auf dem Kopse. Dies gefiel dem W. nicht und er machte seinen. Kollegen auf den Schönheitsfehler aufmerksam. K. hals dem schnell ab: er holle in der Apotheke übermangansaures Kali und nun bepinselten beide den Kops des Tieres so lange, bis er tief schwarz war. W. wiederholte später noch einmal diese Verjüngungskur. Und da er es nicht länger behalten wollte, verhandelte er es für 640 Mark an einen Landwirt in Eichelsdorf, der es an feinen Schwiegersohn in Laubach weitergab. Durch Regen oder Schweiß löste sich das Schönheitsmittel auf und die
eine Jugend, die Lust hat an bösen Strsichen, glücklicher als jener Elfjährige, der sich neulich totgeschosien hat wegen einer mißlungenen Schularbeit, oder wie jener Sechzehnjährige, der das Gleiche tat, weil er zu Ostern nicht versetzt werden sollte. Ich hatte einst einen Geschichtsprofeffor, dessen Haare schon ganz weiß geworden waren. Der las jedes Jahr wenigstens einmal Max und Moritz, und darum blieb er jung wie der alte Blücher und wußte zu allen unseren bösen Streichen herzlich zu lachen.
Ja, dachte ich, wie ich das Bild sah, unter dem die Berslein stehen: „Von dem ganzen Hühnerschmaus schaut nur noch ein Bein heraus": So werden wohl manche in den Aschermittwoch hinein- schlafen. Dann wieder nehme ich meine zwei Püppchen her, die auf der Telephonklingel stehen und sich auszeichnen durch einen wundervoll sorglosen Kinderblick. Wie oft haben sie mich schon davor bewahrt, dem Fräulein an der Zentrale, wenn ihr einmal die Drähte etwas durcheinandergingen, Grobheiten zu sagen. Wie oft habe ich sie heruntergenommen, wenn ich auf ein Ferngespräch warten mitßte, und sie auf das MiucUein gedrückt wobei sie dann quitschen wie ein nicht geölter Kinderwagen. Oft schon habe ich eines von den Ham- pelmünnchen verschenkt, wenn einmal ein Junge kam und um Briefmarken bettelte. Aber dann war entweder das Mädel allein oder das Bübchen, und so habe ich gedacht wie der Herrgott im Paradiese und wieder einen kleinen Adam oder eine kleine Eva dabeigetan. . .
Richtig, da ist ja noch so ein schönes Blättchen, das aus der Zeit ftanunt, wo ich noch lyrische Gedichte schrieb und Pläne für Novellen schmiedete. Ich stellte mir das Ganze wieder vor. Helen« hieß sie ja wohl, die treue Köchin, die, wie nur je eine liebe Alte, zur Familie gehörte. Alle Kinder hingen an ihr, die mit den Unarten eines jeden vertraut war und sie oft am singenden Herde in der Küche vor dem elterlichen Zorn geschützt hatte. Helene war nun schon alt geworden und fing in bedrohlicher Weise an, Grillen zu fangen. Dergleichen ist ja nicht selten bei bejahrten Jungfern, womit ich doch nicht sagen will, daß es in diesem Falle vom Alter her kam. Nein, vielleicht kam es gerade von der Jugend, die aus der letzten Station des Lebens noch nach irgend einer Erfüllung schrie. Und da kam denn das große Ereignis, das auf einmal die ganze Lage rettete. Der Herr des Hauses nämlich erwarb einen wunderbaren, klugen, rassereinen, glänzenden, hellbraunen Dackel. Das hättet ihr sehen sollen, was sich nun angesponnen hat zwischen Helene und dem Dackel. Sie hatte ihn natürlich oft in der Küche, was bei dem nie ruhenden Appetit eines Dackels weiter nicht verwunderlich ist. War Männe nicht da, so stand Helene horchend an der Türe oder wartend am Fenstert. Die Grillen waren fort und statt ihrer god es in ihrem stillen Dasein nur eben diesen Dackel. Wenn sie mit ihm spazieren ging, dann zog sie ihr Sonntagskleid an und setzte dazu einen Hut auf, dessen schwarze Bänder mit bunten Frühlingssar- ben nach und nach übernäht wurden. So ein Spa- ziergang war immer wie ein Hochzeitsausflug in den Flitterwochen, auch wenn das Ziel nicht Venedig war oder Neapel, sondern das nächste So* lonialwarengeschäft oder ein Delikatesscnladen. Unbegreiflich war es für Helene, daß Männe, wie er denn heranwuchs, offenbar noch anderen Neigungen seines sonst so getreuen Dackelherzrns nachging.
non Butzbach, wo er eine Strafe verbüßte, vorgeführt würbe, erzielte Freispruch, da das Haarfärben nicht bestraft wird, wenn es mit Einverständnis mit dem Besitzer geschieht.
= Cid). Die Lungenseuche, die bisher im vergangenen Jahre bekanntlich stark verheerend gewirkt hat und breioiertel aller Rinderbestände unserer Stadt angefordert hat, scheint jetzt erloschen zu sein. Nachdem in letzter Zett nochmals Blutproben unter den Restle estönden oorgenommen worden waren, hat sich ergeben, daß nirgends mehr Krankheitserscheinungen bestehen.
— Bieber. Ein größeres Schadenfeuer, das seinen Ursprung in einem Kaminbrand hatte, suchte das Anwesen des Fuhrhalters und Bäckermeisters Senzel hier heim. Das Wohnhaus nahm größeren Brandschaden. Es verbrannten auch beträchtliche Mehl-, Brot- und sonstige Vorräte. Infolge mißlicher Umstände konnte die rasch erschienene Feuerwehr erst geraume Zeit nach ihrem Eintreffen mit den Löscharbeiten beginnen. Der Materialschaden ist nicht unerheblich.
— Langenschwalbach. Da der Preußische Staat kürzlich Mittel zum Ausbau der hiesigen Badeeinrichtungen zur Verfügung gestellt hat, ist man hier gegenwärtig mit beträchtlichen Um- und Erweiterungsbauten irn Stahlbadehaus beschäftigt. Die Arbeiten am Stahlbadehaus zerfallen in zwei Abteilungen: die inneren werden im Laufe dieses Winters ausgeführt, während die äußeren nach der Kurzeit 1927 in Angriff genommen werden sollen.
.. — Wiesbaden. Wie aus Leipzig gemeldet wird, verhandelte der fünfte Strafsenat des Reichsgerichts unter Ausschluß der Oeffentlichkeit gegen den Polizeiwachtmeister Heinrich K e u ( von hier. Keul war beschuldigt, im Herbst 1925 auf Veranlassung von französischen Rachrich- lenofsizieren an den Manövern der Reichswehr in Thüringen teilgenommen und versucht zu haben, Nachrichten, die im Interesse der Landesverteidigung geheim zu halten waren, dem französischenSpionagedienst zu übermitteln. Er wurde wegen versuchten Verrats militärischer Geheimnisse, versuchte Spionage und Vergebens nach § 348 des Strafgesetzbuches zu 7>4 Jahren Z u ch t h a u s, 10 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt.
Rund um die Woche.
'lach Aschermittwoch. — Familienfreuden. — Aus ehemaligen Majestälsgesuchen. — Die Püppchen auf der Telephonklingel. — Helene und der Dackel. — Affe.
Unsere Schaufenster
überzeugen auch Sie von den aussergewöhnlich billigen Preisen unserer bekannten Qualitätswaren.
M. Kalb Sohn, Buttermarkt
Glas, Porzellan, Haushaltungsartikel
Mein Aschermittwoch ist gekommen wie deiner auch. Aber die Tage vorher, da haben wir wohl nicht das gleiche Leben geführt. Du hast dir vielleicht einen Bart angelegt, bist mit einem Maskenzuge durch die Stadt gezogen, hast toll gekneipt, hast allerlei Theater mit angesehen und am Ende gar einen schweren Kopf gehabt, einen rebellierenden Magen und ein leeres Portemonaie. Früher ging es mir gerade so, aber jetzt bin ich klug geworden. Ich höre alles auf meinem stillen Bau aus der Ferne an. Im Traum werden nämlich alle diese Dinge viel schöner, und böse Folgen treten nicht em, so wenig für das Portemonnaie wie für den .Hopf, wie für den Magen, noch fo wenig wie für jenes junge Mädchen, das wie eine wei^e Blume in den Rosenmontag ging und dann beim Aschenkreuz wahrlich Grund hatte zu Drüben Gedanken .... ,
Also, ich setze mich vor meinen Schreibtisch und hole alte Mappen heraus. Auf die Weise verbringt man überhaupt ganz gut einen Nachmittag. Man greift zu einem Album, in dem etwa die Namen der Gaste stehen, die im Hause zu Besuch gewesen sind. Bei den verschiedenen Namen tauchen die Bilder der Vorübergegangenen wieder auf. Der eine hat ein Verslein hineingeschrieben und der andere einen Spruch. Stimmen auch die Reime nicht immer, und ist auch Weisheit nicht neu, es macht doch Eindruck, weil es verbunden ist mit einer so lebendigen, poesievollen Erinnerung. Manche haben auch die Gewohnheit, auf Reisen durch Italien, Spanien oder Aegypten oder auch nur durch den nächsten deutschen Gau recht viele Photographien anzufertigen und sie nachher schön geordnet zusammenzufügen. Dann wiederholt man mit der ganzen Familie die Reise, und auch die Kinder, die noch kaum taufen können, bekommen schon eine Ahnung von der herrlichen Gotteswelt, und sie fahren nach Paris fo hurtig wie der zweijährige Hans auf Großpapas hopsenden Knien.
Ich blättere in alten Geschichten herum und finde da zum Beispiel ein Blatt, das mich in die grüßte Heiterkeit versetzt. Es sind Stilprvben aus ehemaligen Mafestätsgesuchen, die an den verstorbenen Kaiser Franz Josef gerichtet waren. Nur einige setze ich hierher, zum Beispiel: „Gestützt auf das edle Herz Eurer Majestät wanke ich zum Thron." Oder: „Mein Sohn hat mich und meine morsche Gattin durch seinen Tod den Begräbniskosten ausgesetzt." Oder: „Nun bin ich ein achtzigjähriger Greis unfähig zu arbeiten und überschüttet von einer Unzahl Verwandten." Oder: „Ich bin mit meiner täglichen Notdurft hauptsächlich an die Mildtätigkeit fremder Personen gewiesen." Und noch ein Letztes: „Drei Söhne habe ich aufgezogen mit dem mir von Eurer Majestät alfer- gnädigst verliehenen Stelzfuß. So lustig ist das und so rührend. Wie ist doch ein Zeitalter, das für uns alle noch mittaghelle Wirklichkeit gewesen ist, so bald in abendliche Romantik versunken.
Dann blättere ich etwa in Roda und Etzels Welthumor und erquicke mich an morgenländischer Weisheit. Die Eitelkeit spielt mir einen Gedanken an Goethe hinein, der in den Gärten des Hafis spazierte, während der Kanonendonner über Europa brüllte. Auch Max und Moritz kommt an die Reihe, von dem manche Pädagogen sagen, es taugte dieses Bilderbuch nicht für die lieb^ Ju- । «end, die daraus nur böse Streiche ferne. Ach, I sie fernen es vielleicht auch so, und am Ende ist
Alfer deui|( her Weinbrand
Sherer Original
Extrafeine Tafel Liköre.
ts.
S.
m
0N ch-
tr- »er nt
e"
tri
8« en
in
»1
ng an
bei
um en. hrt ki 6.
ld in
ng >z- irj
Das Glück in der Heimat.
Roman von A. Seyffert-Klinger.
3] -----------
Doch in derselben Minute bereute er seine Voreiligkeit. Ellinor wandte sich ihm zu und sah ihn mit maß- fefem Staunen an. Offenbar hatte der leidenschaftliche Ton feiner Stimme si« erschreckt. Sie wich vor ihm zuruck. f- 'fft
■ cr folgte ihr. Und nun war er nicht mehr tms ande, seine Leidenschaft vor ihr zu verbergen.
Ellinor vermochte seinen brennenden, beschwörenden Blicken nicht auszuweichen, sie hätte ihn an, hilflos, fassungslos. ' ' ' 1
„Geliebte," raunte er, „du Einzige, du Süße, haft du es denn nicht langst bemerkt, wie ich dich liebe, daß .ch nur in d.r nur m der Hoffnung, dich mein zu nen- nen, lebe? Du siehst nach entgeistert an, mein Lieb- l.ng, und das .st natürlich, denn ich ftabc erfd)rfrf{ ebne Dorbere.tung d.ch aus deinem süßen Jungmädchen- ttoum aufgescheucht! Aber nun der Damm durchbrochen nun ich dir verraten, wie es um mein Herz steht nun frage ich dich, Liebling, wie es um dich selb« h'efMit st. Vielleicht wird dir plötzlich klar, was du bisher nur dunkel ahntest, daß auch du mir zugetan bist, m« gan,cr Seele. ... O, Ellinor, wende dich nicht ab von mir ’oube nicht alle Hoffnung einem Herzen, das nur für dich rllein glüht. Gib mir deine kleine Hand, Ellinor, fQge laß du versuchen willst, mich lieb zu gewinnen, wenn lu jetzt noch nichts für mich fühlst."
Ja, er hatte sie wirklich aufgeschreckt aus ihrer kindlichen Harmlosigkeit. Ihr Blick war dunkel und fremd, als derselbe jetzt Scheeles Gesicht streifte, in dem es heftig arbeitete.
„3d) habe Sie immer für meinen besten Freund gehalten, und der waren Sie wohl auch. Mein Vettrauen iu Ihnen ist ein unbegrenztes und so soll es bleiben. Das andere schlagen Sie sich aus dem Sinne, Scheele."
Ellinor atmete tief auf wie erlöst, daß fie über die Sippen gebracht, was sie ihm sagen wollte, sagen mußte. Das, was sich jn ihr kurz und stark aufgebäumt, war überwunden, die Tiefen ihres jungen Herzens glätteten
wieder.
, „Bleiben Sie immer mein Freund, Scheele, darum bitte ich Sie von ganzer Seele, ebenso wie ich Ihnen stets eine Schwester, ein lieber Kamerad sein will."
Und zögernd fügt sie und mit gesenktem Blick hinzu: ,Jhre Frau könnte ich-nicht werden, nie, niemals: Ich werde überhaupt nicht heiraten. Denn die Lieb«, welche die Dickster besingen, und die in Romanen so vielgestaltig beschrieben wird, kann ich nicht nachfühlen. Und wenn ich nachgrübele, so fühle ich, daß mein Herz leer ist- Mit der Natur bin ich verwachsen, und wenn ich auf meiner Arabella dahinjage, so weitet sich mein Herz und ich fühle mich wohl."
Jetzt fand sie auch ihr übermütiges Lachen wieder.
„Mich lassen Sie nur, Scheele, an mir ist Hopfen und Malz verloren. Ich bin zur Amazone geboren."
Scheeles Züge hatten sich längst geglättet, der Ausdruck bitterer Verzweiflung war daraus gewichen.
Sie ist ein Kind, dachte er, es war unvernünftig von mir, so mit der Tür ins Haus zu fallen. Aber einesteils war es doch gut. Mein holdes Mädchen kann nicht ewig ein Kind bleiben. Jetzt wird sie nachdenken und dabei werden sich neue Empfindungen einstellen. Ihr Herz wird erwachen und sich der Liebe öffnen. Ich war der erste, welcher ihr von Liebe sprach, mich wird Ellinor lieben, mich allein. Jetzt kommt es nur daraus an, daß ich keine neue Unklugheit begehe, sie nicht von neuem erschrecke, sondern mich gedulde und auf der Hut bin. Dann kann noch alles so werden, wie ich es ersehne und erhoffe, wie es meines Lebens Glück und Seligkeit bedeutet.
Sein langes Schweigen machte Ellinor unruhig und befangen. Aus eigenem Antriebe legte sie nun ihre braunen Hände auf feinen Arm: „Sind Sie mir jetzt böfe? Habe ich meinen besten, meinen einzigen Freund verloren?"
Wie lieb und schüchtern ihre Stimme klang und wie ihn dieselbe überwältigte! Doch er hatte sich in der
•’ »as Feuer in feinen Augen war erloschen yn E'" Ton gelassen, als er antwortete: „Ich werde immer Ihr treuester Freund bleiben, Ellinor! Bisher konnten Sie meine Freundschaft recht wohl entbehren,
»n Ihrem Vater haben Sie Ihren natürlichsten und fursorgllchsten Beschützer. Aber vielleicht ist der Tag nicht mehr fern, wo S:e rat. und hilflos Ihre Hand nach einer Stütz« ausfiMÄuu dann dgrf ich Ij^en meine Ergeben- 1
heft beweisen, bann werden Sie fühlen, was es heißt, von unwandelbarer, selbstloser Liebe behütet zu werden.
Vor Ellinors Blicken verschwamm alles in nebelhaftes Grau. „D Gott, Sie deuten auf Papas Zustand hin? Sie glauben doch etwa nicht, daß ihm ein elendes Krankenlager und Siechtum bevorsteht?" _______
„Kein, das glaube ich ganz bestimmt nicht —"
„Ja, was dann aber? O, spannen Sie mich nicht fo auf die Folter! Papa sieht so zum Sterben müde aus. Aber er wird sich aufraffen. Die Reise nach Europa schwebt ihm vor wie das Paradies, auf das wir alle hoffen. Diese Fahtt nach seiner lieben Heimat wird ihn retten, nicht wahr? . . . Und — wenn er sich in Sehnsucht verzehrt, so müßte man die Reise beschleunigen, ein Opfer bringen, so müßte ich —" fie breitete inbrünstig beide Arme aus — „mich trennen von meiner herrlichen, grünen Wildnis, die ich so bitter schwer vermißen werde! Papas wegen bin ich zu allem, zu allem bereit."
„Einen todkranken Mann schleppt man nicht aufs Schiff. Erst muß Ihr Vater sich wieder kräftigen, damit er den Strapazen einer so weiten Reise gewachsen ist. Darüber dürften Monate vergehen. Alsdann steht der Winter vor der Türe, der mit seinen Stürmen erst recht zur Ueberfahrt ungeeignet ist. Im besten Falle würden also mindestens noch 8 Monate vergehen, ehe man dieser Frage ernstlich näher treten kann."
„Um Himmelswillen, bis dahin verzehrt sich mein Vater in der heißen Sehnsucht nach seiner Heimat."
„Er braucht es ja nicht zu wissen, daß sein Wunsch so bald nicht erfüllt werden kann. Die Hoffnung wird ihn aufrichten und die Freude am Leden wieder in ihm wecken. Nichts soll unversucht bleiben, ihn dem bösen Feinde, der heimtückisch ihn beschleichen will, zu entreißen."
Wieder tastete Ellinors braune Hand nach der fei- ntgen. „O, Sie lieber, unschätzbarer Freund! Wie klug und sorglich Sie alles überlegen! Nicht der Arzt, Sie werden der Retter meines Vaters fein! Und wenn Sie das Werk vollbringen, wenn es Ihnen wirklich gelingt, Papa gesund zu machen, dann weiß ich nicht, wie ich so viel Hingebung Ihnen danken und lohnen soll!"
,I)och, Sie wissen es, Ellinor, Sie wissen es ganz genau!“
Er wandte ihr sein Gesicht zu, es war ernst und entschlossen. Aber aus seinen dunklen Augen strahlte sie ein starker, fesselnder Wille an, der befahl und des Gehorsams im voraus sicher war.
Ein Seufzer zitterte von Ellinors Lippen. Sie kam sich plötzlich wie ein armer, hilfloser Vogel vor, der sich auf Gnade und Ungnade einer fremden Gewalt ergeben muß.
Ein heimliches Stoßgebet gitterte von ihren Lippen. ,O Gott, laß mir meinen geliebten Vater, damit ich nicht ganz verlassen bin. . .'
Sie wußte, daß es ein Kampf auf Leben und Tod werden würde, wenn sie ohne den Beistand ihres Bakers diesem Manne widerstrebte.
Eine dumpfe Schwüle lag zwischen ihnen. Sie empfand, daß er mit Herz und Sinnen nach ihrem Besitz fieberte.
Welch ein schrecklicher Abend, der fie fo jäh aus ihrem Kindheitsparadies vertrieben, in dem fie glückselig geträumt hatte, trotz ihrer 20 Jahre.
Wie schreckhaft verändert ihr alles vorkam!
Der Mond stand voll, mit gleißendem Goldglanz am Himmel. Fast taghell war die Nacht. Im hohen Grase nisteten Vögel, deren kreischende Stimmen ertönten. Jn der Ferne sah man Tapire zur Tränke traben. Käfer summten und der Wind sang ein schwermütiges Lied.
Sie ritten schweigend dahin. Ellinor war es recht so; fie mochte nicht zur Umkehr mahnen. Die Bewegung und auch die Weite um sie her taten ihr wohl und beschwichtigten den Aufruhr in ihrem Innern.
Da fragte Scheele plötzlich: „Haben Sie nie daran gedacht, Ellinor, daß das Leben Ihres Vaters von einem Geheimnis umgeben ist?"
Ellinor sah erstaunt auf: „Nein, niemals!"
„Ich bin jedoch überzeugt, daß er damals aus zwingenden Gründen übers Meer ging und sich hier eine neue Heimat gründete. Es ist doch fast immer derselbe Grund bei den auswandernden Deutschen: sie werden entweder von der Schuld oder von der Not ober infolge widerwärtiger Familienverhältnisse hinausgetrieben."
„Papa hat über solche Dinge nie gesprochen, auch niemals nur eine Andeutung gemacht."
kForstetzung folgt.)