jvo48. ^iilhnor ^pitnnn *** 2.Blatt.
Sonntag, 27. Februar 1927. U Ul V VI V I 1V V I I VI II y Dcud öec 3u,bacr «-«-ndruck-rel, Fulda
Grosser Turner-HosMolI 4
Fastnachts -Sonntag in den Stadtsälen
| Tum- u. Fechtklub 1888 e. V
S- M... o
i.
S- 2->
6. denen, welche sich die Kost für den ganzen Tag auf ihre Arbeitsstätte mitnehmen müssen.
' IV. Die Pfarrer und Geistlichen mit eigenen Seelsorgebezirk sind befugt, in besonderen Fällen und aus triftigem Grunde einzelnen Personen oder einzelnen Familien, die zu ihrem Seelsorgebezirk gehören oder sich darin aufhalten, Dispens vom Fasten- und Abstinenzgebot zu erteilen. Den Beichtvätern steht Dispensoollmacht für ihre Beichtkinder zu.
V. Mit Rücksicht auf den Ernst der heiligen Dußzeit werden die Gläubigen ermahnt, sich freiwillig kleinere Abtötungen aufzuerlegen, sowie eines besonderen Gebetseifers, namentlich auch des Besuches der Fastenandachten und des gemeinsamen Gebetes in der Familie, sich zu befleißigen
chen und tüchtig Freibier bezahlen. In besonders krassen Fällen ging die Sache nicht so feucht-fröhlich aus. Dann wurde nämlich die schlagfertige Ehefrau auf einem Esel zum Gespött der ganzen Stadt durch die Straßen geführt. Auch in Fulda scheint dieser Brauch in alter Zett üblich gewesen zu sein. Wenigstens berichtet Hof- rat Thomas in seinem Buch „System aller fuldaischen Privatrechte' von einem uralten fuldaischen Gewohu- heitsreckste, das noch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von den fürstlichen Dienern ausgeübt wurde und sich in der ausgeübten Form in ollen Einzelheiten, Umzug der Ehefrau auf dem Esel ausgenommen, mit dem oben angeführten Vorgänge deckt. Höchst wahrscheinlich war in Fulda im Laufe der Zeit das Narrengericht, an Eheleuten mit vertauschten Rollen den fürstlichen Dienern übertragen worden, um größeren Unfug zu verhüten.
Sehr beliebt waren die F a st n a ch t s s p i e l e. Auch sie waren in ihrem Kern nicht selten regelrechte Rllge- gerichte. Oftmals glich das Fastnachtsspiel einem Prozeß, bei dem Ankläger, Verteidiger und Richter auftraten und in witzigen, vielfach aber auch recht derben und anstößigen Worten die verschiedensten Uebelstände und Sitten geißelten und verspotteten. Selten fehlte dabei das Auftreten der Frau Venus, die ihre schmachtenden Verehrer am Narrenseil mit sich führte. Stellten die Spieler Bauer und Bäuerinnen dar, so erging man sich in den ungeschminktesten Ausdrücken und den rohesten Späßen. Verfasser derartiger saftiger Fastnachtsspiele waren im 15. Jahrhundert in Nürnberg unter den Meistersingern der Büchsenmacher Hans Rosenplüt und der Barbier Hans Foltz. Bekannter sind die zahlreichen Fastnachtsspiele, die Hans Sachs im 16. Jahrhundert schrieb. Wie in Nürnberg, so wurden auch in Augsburg, Lübeck und anderwärts Fastnachtsspiele abgehalten. In Lübeck veranstaltete man sie auf fahrbaren Gerüsten, die durch die Stadt gezogen wurden. Erst im 17. Jahrhundert schwanden sie völlig. /
Der Zall des Zreiherrn v. Stauffenberg
In den Kreisen der Zentrumsfeinde, auch bei den Fuldaer Völkischen, hat kürzlich ein Brief des württembergischen Freiherrn von Stauffenberg, eines deutschnationalen katholischen Adligen und Reichstagsabgeordneten, viel Beachtung gefunden und Freude erregt. Der Brief, der an den würt- tembergischen Staatspräsidenten Bazille gerichtet war, erging sich in heftigen Beschimpfungen gegen die Zentrumspartei.
Von unterrichteter Seite wird jetzt dem Seufr* schen Volksblatt (Nr. 44) mitgeteilt: Dr. Freiherr Schenk von Stausfenberg-Rißtissen hat in einer Aussprache mit den der Zentrumspartei angehörenden Mitgliedern der Verwaltungskommisson des Bezirksverbandes Oberschwäbische Elektrizitätswerke, im Beisein der beiden Direktoren der OEW, folgende Erklärung abgegeben:
Ich wiederhole, daß ich mit meinem Briefe an den Herrn Staatspräsidenten vom 18. April 1925 die Anhänger des Zentrums und die auf feinem Boden stehende oberschwäbische Bevölkerung nicht beleidigen wollte, gebe aber zu, daß ich sie allerdings tatsächlich g r ö b l i ch st beleidigt habe. Ich nehme keinen Anstand zu erklären, daß dies ein Unrecht war, das ich aufrichtig bebaute und das ich leider nicht ungeschehen machen kann.
Ich erkläre allen Ernstes und in aller Ehrlichkeit, daß die in meinem Schreiben vom 18. April 1925 enthaltenen Beschimpfungen des Zentrums, der Zentrumsanhänger und der auf feinem Boden stehenden oberschwäbischen Bevölkerung meiner inneren Einstellung nicht entsprechen, vielmehr nur der Ausdruck einer augenblicklichen Erregung in Zeiten politischer Hochspannung gewesen sind, mit veranlaßt durch falsche Mitteilungen des Studienassessors Schrey von Biberach. Ich hätte diese Ausdrücke und Gedanken bei ruhiger Ueberlegung schon damals nicht aufrechterhalten können und wollen, wie ich denn auch heute nicht daran denke, sie auch nur im entferntesten zu billigen.
Sämtliche anwesenden Herren haben von diesen Erklärungen zustimmend Kenntnis genommen.
Kopfschmerz. Migräne Neuralgie Zahnschmerz
sanübunq anzuraten. Verboten sind in der ge- schlosienen Zeit öffentliche Lustbarkeiten und Tanz- vergnügunqen. Auch von privaten Veranstaltun- gen dieser Art sich zu enthalten, ist dringende Mahnung der Kirche.
VII. Während der heiligen Fastenzeit soll nach der Pfarrmesse das Evangelium des Tages verlesen und darauf das Gebet um Vergebung der Sünden und das „Allgemeine Gebet" für Kirche und Staat verrichtet werden.
VIII. Die österliche Zeit, in der alle Gläubigen streng verpflichtet sind, die heilige Kommunion zu empfangen, beginnt mit dem 4. Fastensonntag und dauert bis zum 3. Sonntag nach Ostern einschließlich. Es ist der Wunsch der Kirche^ daß alle Gläubigen die österliche Kommunion "n der eigenen Pfarrei empfangen: wer sie anderswo empfängt, möge seinem Pfarrer davon Mitteilung machen.
XI. Die Scheine über den Empfang der Öfter« kommunion sind an den betr. Pfarrer bzw. Pfarrgeistlichen abzuliefern.
Fulda, den 21. Februar 1927.
t Josef Damian, Bischof von Fulda.
Mitglieder, Freunde und Gönner unseres Vereins herzlich willkommen. Eintrittskarten im Vorverkauf bis Samstag abend 7 Uhr im Kaufhaus Heller & Co. Marktsti ässe. Am Sonntag in der „Alten Post“ vorm. von 11 bis 1 Uhr und nachm. von 2 V,—4 Uhr.
Der Vorstand.
Auch sonst liebte man es, sich durch luftige Streiche und Veranstaltungen Kurzweil und Vergnügen zu schas- fen. Wer in Ulm während der Fastnacht ein Haus betrat, ohne zu sagen: „Ich gehe mit Verlaub ein und aus", dem wurden, war es Mann ober Weib, die Hände auf dem Rücken zusammengebunden, worauf man ihn mit Paukenschall durch die Stadt herumführte. Anderwärts salzte man die jungen Mädchen, die vor Fasten nicht geheiratet hatten und nun mit der Hochzeit wenigstens bis Ostern warten mußten, ein, damit sie sich bester hielten. Erfinderische Köpfe ersannen ganz besondere Lustbarkeiten. So berichtet die Chronik in ausführlicher Breite und mit großem Behagen von einem Schein- karnpfzwischenBlinden, derirn Jahre 1386 auf dem Marktplatz zu Lübeck veranstaltet wurde. Zwölf Blinde, nach Ritterart in Helm und Panzer, sollten auf einem umfriedigten Raum des Marktes ein Schwein mit Keulen erlegen. Das erlegte Schwein sollte ihnen gehören. Bei dem eigenartigen Kampf bekamen die Blinden zum größten Gaudium der zahlreichen gaffenden Volksmenge mehr Hiebe zu spüren als das Schwein. Aber die Blinden waren unermüdlich. Mehr durch die Hetze als durch die Hiebe wurde das Schwein hingestreckt und getötet und so das Spiel geendet. Ein ganz ähnliches Spiel, bei dem fünf gewappnete und bewaffnete Blinden ein Schwein zu erlegen hatten, wurde Fastnacht 1498 in Frankfurt a. M. auf dem alten Markt abge- halten.
In damaliger Zeit redete man noch nicht von Fastnacht, sondern von Fasennacht oder Fasnacht. Das bebrütet soviel wie Schwärmnacht, Possennacht. In der Bezeichnung Faselhans wenden wir heute noch das alte Stammwort der Fasennacht in der ursprünglichen Bebrütung an. Im Verlause des 17. Jahrhunderts steckte sich die luftige Fasennacht eine ernftausfdjauenbe Maske vor bas Gesicht als Nacht vor bem großen Fasten, also Fastnacht. Wenn auch fchon, unter ber ernsten Maske ist der alte Schelm geblieben bis in untere Zeit. ehw.
Fastnachtshof, den der Nürnberger Kaufherr Anton Tu- cher 1516 veranstaltete, tränten die geladenen Frauen und Jungfrauen 38 Maß Wein. Geschlossene Vergnü- gungsgesellfchosten, die miteinander sreundschaftllchen Verkehr pflegten, besuchten sich gegenseitig in ihren Der- einshäusem. So berichtet ber Frankfurter Patrizier Rohrbach, der der Gesellschaft ßimburg angehörte, von ber Fastenzeit im Jahre 1466 : „Am Dienstag aßen Männer unb Frauen im Haus ßimburg. Gleich nach bem Esten gingen sie in einer Prozession nach Sachsenhausen in bas Deutsche Haus. Dort tanzte man breimaL Na chbem ersten Tanz gab man alten Wein zu trinken, nach bem anbern Tanz gab man Konfekt unb neuen Wein, nach bem brüten Tanz schied man und gab jeglicher Person, Mann wie Weib, ein paar Br ötchen. Danach ging man nach St. Johann, wo man ebenfalls tanzte. Dort gab es gebratene Heringe mit Kohl und darauf Braten zu essen mit altern und neuem Wein. Don dort begab man sich nach St. Antonius. Dort tanzte man wieder dreimal. Nach dem ersten Tanz gab man Konfekt und Weißwein und nach dem zweiten Tanz Lebkuchen und Rotwein. Nach dem dritten Tanz schied man und gab jeder Frau und Jungfrau ein paar Brötchen unb ein Mester. Von bort ging man wieder auf die Stuben von Haus Limburg." Wie dort der Fastnachts- hof weiter verlief, verschweigt der Chronist. Es ist zu vermuten, daß hier nach der kleinen Exkursion die Triole Tanz—Essen—Trinken noch lange unb oftmals weiter gespielt mürbe.
Ueberall wurden zur Fastnachtszeit Narrengerichte abgehalten. Sie waren in der Form fröhlich und scherzhaft, bargen aber oft im Kern bitteren Ernst. Hebet spielte man jenen Ehemännern mit, die nicht Herr im eigenen Hause waren unb vor dem Stock der angeblich schwächeren Ehehälfte zu Kreuze krochen ober gar unter den Tisch. Ihnen deckte man die Ziegel vom eigenen Dache ab. Um bem tollen Treiben Einhall zu gebieten, trpjfow die also ©efojyrteu öffentlich Besserung verspre-
$aftnad)tsbeluftigungen in alter Zeit.
Wenn man in den alten Chroniken nachliest, was dort von dem übermütigen Treiben zur Fastnachtszeit berichtet wird, so erkennt man, daß damals vor dem Beginn ber großen unb heiligen Fastenzeit bie Narrenkappe noch luftiger wiegte unb Mummenschanz sowie Narretei noch toller die Welt regierten als in unseren Tagen. Die Menschen jener Zeit nahmen die Fastenzeit viel ernster unb strenger, erschauerten, bis ins Mark hinein getroffen, wenn bas Aschenkreuz auf ihre Stirn gezeichnet warb, unb verließen mit büftcren Todesbefürchtungen das Gotteshaus. Für viele Wochen war es nun vorbei mit aller Geselligkeit unb Lustbarkeit, sowohl in ben öffentlichen Gasthäusern unb Tanzhäusern als auch in den Familien. Das Leben floß für sie bis Ostern dahin in Arbeit, Gebet und Kirchgang — bei karger, sehr karger Fastenspeise. Fleischgenuß war völlig untersagt, Enthaltsamkeit von geistigen Getränken verlangten alte Familientradition unb ber Ernst unb bie Heiligkeit ber Fastenzeit.
Je ernsthafter sie die Fastenzeit als Tage der Einkehr und Buße, der Stille und Zurückgezogenheit, der Abtötung und Enthaltsamkeit ausfaßten und übten, umso toller strzten sie sich vorher in den Strudel der Narretei und des Schelmentums. Das entsprach ihrer ungezügelten, kraftvollen Natur, der weises Mahhalten als Schwäche vorkam und deswegen verachtet wurde. Die Menschen des Mittelalters waren stark im Haffen und Sieben, leidenschaftlich in der weltlichen Minne sowohl als auch in ber Gottesminne, leistungsfähig bis zur Un- filaublidjteit im Genuß von Speise unb Trank.
Innerhalb ber Familien unb ber Vergnügungsgesellschaften ber mittelalterlichen Hanbelsstäbte feierte man sogenannte Fastnachtshöfe, bei denen wacker geges- fen unb getrunken unb, wenn genügenber Raum bazu ttvkiMdes rpar, Mch ftott getanzt wurde. Auf dem
unb überdies ein sogen. Fastenalmosen (für die Kommunikantenanstalten) zu entrichten, zu dessen Aufnahme in den Kirchen besondere Opferstöcke aufzustellen sind.
VI. Die „geschloffene Zeit" dauert vom ersten Adventssonntage bis zum ersten Weihnachtstage einschließlich und vom Aschermittwoch bis Ostersonntag einschließlich. Verboten sind in dieser Zeit feierliche Hochzeiten, also die feierliche Einsegnung der Ehe während der hl. Messe und alle jene Veranstaltungen, die zum Ernste der geschlossenen Zeit nicht stimmen, wie feierliche Einholung der Braut- leute, geräuschvolle Festgelage, Tanz und dergleichen. Erlaubt sind stille Trauungen. Können aber die Brautleute die Trauung unschwer auf andere Zeit verlegen, so ist dies gemäß der alten Diöze-
nitrovanille
Jn Anothek
nert Teil kann nicht recht lachen, wenn ich folgende Todesanzeige finde, die der Wildhegering Zeitz und Umgegend hat drucken lassen: „Kurz vor Vollendung unseres ersten Vereinsjahres wechselte unser hochverehrter 1. Vorsitzender Herr Fabrikbesitzer Richard Opel in die ewigen Jagdgründe hinüber. Wir stehen trauernd an seiner Bahre" usw. ... Es ist vielleicht nicht bös gemeint, aber zu der Ziffer von jenen Fünfzehntausend wollen solche Antzeigen doch nicht passen.
Und nun etwas Freundliches. Freue dich, guter Heidenmissionär und zündet ein Freudenfeuer an, ihr kleinen Negerkinder, und tanzt euren Ringelreigen um einen Kokosbaum, denn die Spenden aus dem ganzen Lande sind nun schon auf 85 Mark angelaufen. So schickt jemand aus der Osnabrücker Gegend wohl, der mir die Ehre antut, mich für einen Pfarrer zu halten — aber die Pfarrer sind doch nicht auf dem Monde, während Monde auf würdigen Pfarrhäuptern wohl schon vorkommen, und jedenfalls und leider und Gott sei Dank oder wie du willst bin ich nun einmal kein Pfarrer und nicht einmal ein Kaplan und nicht einmal ein Vikar — also er schickt eine schöne Gabe, das heißt s i e schickt, denn sie unterschreibt „Das Mädchen aus der Fremde". Dann bringt ein Westerwälder Bauersmann 10 Mark in die Redaktion, zwei arme Dienstmädchen in Schlesien senden 3 Mark, und weiter schreibt mir Marianne aus Europa" aus der Pforzheimer Gegend so freundlich auf du und du — sie hält mich "also nicht für einen Pfarrer — ihre Gabe solle für ein paar Tragtücher für Negermütter sein. Sie fragt auch, ob es auf dem Monde schöner sei als auf der Erde, worauf ich antwortete, daß die Träume schöner sind als die Wirklichkeit, und daß durch die Träume so gern der Mond zieht, der Freund aller Liebenden und aller Dichter. Auch in Säckin- gen gibt es noch gute Leute. Ein schwerverdienter Zehner kommt von da mit allerlei Weisheit. „Wahre Tugend bringt sicher kein Geld ein, aber geheuchelte wohl. Ich versichere Ihnen, auch die Religion muß zum Geldverdienen herhalten . . . Von der Verlogenheit machen Sie sich keinen Begriff. Recht hast du, Mann! Nieder mit dem Pharisäer und die Geißel wider die Tempelschän- der! Und dann noch ein Brief von Bruchsal — bort scheint eine gute Ecke zu sein: — 10 Mark. Ein guter Mensch. Unter anderem schreibt er: Wenn Sie aber jemand wissen, der ein Paar Schuhe brauchen kann, teilen Sie es mir bitte mit; ich habe ein Paar ganz neue, Größe 39 ober 40, die mir aber zu eng sind." Wer sie haben will, wende sich also an den Mann im Mond, der hiermit ein Paar neue Schuhe in sein Schaufenster stellt. Und endlich noch die ..kranke Großmutter", einen schönen Dank und Gruß.
Der Mann im Monde.
Verordnung über Lasten u. klbstinenz
Iber die geschlossene Zeit und die Osterkommunion.
Aus Grund der allgemein geltenden kirchlichen Vorschriften, sowie der von Sr. Heiligkeit Papst Pius XI. durch Indult vom 14. Februar 1922, bzw. 20. Januar 1927 für die sämtlichen Diözesen Des Deutschen Reiches gewährten Milderungen wird verordnet, was folgt:
I. Fasttage sind solche Tage, an denen man nur einmal eine volle Mahlzeit und außerdem nur morgens und abends eine kleinere Stärkung genießen darf. Die volle Mahlzeit darf auch am Abend gehalten werden.
Lßrstinenztage sind solche Tage, an denen jeglicher Genuß von Fleischspeisen untersagt ist. Eier und Milch, geschmolzenes Fett (Schmalz), Grieben, Kunstbutter sind dagegen erlaubt. Auch der Genuß von Fleischbrühe ist an allen Tagen mit Ausnahme des Karfreitags gestattet.
Fast- und Abstinenztage sind solche Tage, an denen sowohl das Fasten als auch die Abstinenz beobachtet werden muß.
II. Solche Fast- und Abstinenztage sind 1. der Aschermittwoch, 2. die Freitage der 40tägigen Fastenzeit, 3. der Karsamstag bis 12 Uhr mittags, 4. bie Freitage der Quatemberwochen.
Bloße Fasttage sind: 1. die übrigen Wochentage ber 40tägigen Fastenzeit, 2. die Mittwoche unb Samstage der Quatemberwochen, 3. die Vigil- tage vor Weihnachten, Pfingsten, Mariä Himmelfahrt und Allerheiligen.
An diesen bloßen Fasttagen ist außer bei der Hauptmahlzeit auch bei der abendlichen kleineren Stärkung der Fleischgenuß gestattet. — Diejenigen Gläubigen, welche wegen ihres Alters (nicht vollendetes 21. Lebensjahr bzw. vollendetes 59. Lebensjahr) nicht verpflichtet sind zu fasten oder welche aus einem wichtigen Grunde, wie schwere Arbeit oder schwache Gesundheit, vom Fasten entschuldigt sind, dürfen an diesen Tagen nicht nur zweimal (bei der Hauptmahlzeit und der abendlichen Stärkung wie die zum Fasten verpflichteten Gläubigen), sondern auch außerhalb dieser Mahlzeiten unbeschränkt Fleisch genießen.
Bloße Abstinenztage sind alle Freitage außerhalb der Fasten- unb Ouatemberzeit.
Trifft ein gebotener Feiertag ober auch ein Tag, der von ber ganzen Gemeinde wie ein gebotener Feiertag begangen wird (z. B. Fest des Kirchenpatrons, Tag einer althergebrachten Flur- prozession, Tag der feierlichen Prozession zum Grabe des hl. Bonifatius für die Teilnehmer, an- gelobter Feiertag) auf einen Fast- oder Abftinenz- tag, so fällt das Fasten- und Abstinenzgebot ganz fort; dasselbe gilt, wenn eine der genannten Vigilien auf einen Sonntag fällt.
in. Zum Fasten sind alle verpflichtet, die das 21. Lebensjahr zurückgelegt haben unb nicht durch ihr Alter (angefangenes 60. Jahr) oder durch einen anderen wichtigen Grund entschuldigt sind. — Entschuldigt sind kranke, genesende und schwächlich» Personen, sowie alle, die entweder schwere Arbeit zu verrichten haben oder durch Fasten gehindert würden, ihre Berufspflichten zu erfüllen. Im Falle eines Zweifels wende man sich an den Pfarrer ober Beichtvater.
Zur Abstinenz sind alle verpflichtet, die das 7. Jahr vollendet haben und nicht durch einen wichtigen Grund, wie Krankheit oder Armut, entschuldigt sind. — Erlassen wird die Abstinenz für alle Tage mit einziger Ausnahme des Karfreitags: 1. den Wanderern und Reisenden, auch dem Fahr- personal aller Verkehrsmittel, 2. ben Gast- unb Speisewirten, Kostgebern unb deren Hausgenossen, sowie allen, die in Gast- ober .Kosthäusern speisen ober aus solchen regelmäßig ihre Kost beziehen, 3. den Personen, die in nichtkatholischen Haushaltungen leben unb dort beköstigt werden, 4. den Militärpersonen unb Familien, bei denen Mtlitär- personen Wohnung unb Verpflegung haben, 5. allen, die sehr schwere Arbeit zu verrichten haben,
Einiges Traurige 'und Aergerliche gleich zu Anfang, weil ich für den ScAuß heute etwas sehr Freundliches habe. Ich mache es also um- cstkehrt wie ein Bittsteller, ber zunächst.lauter Freunblichkeiten sagt und bann auf ber vierten Seite unten um tausend Mark bittet. Traurig lst das schreckliche Erdbeben in Bosnien, was mich auf böse Ahnungen bringt, als sollte es ber Anfang sein zu einem neuen Kriegsbeben um bas Mittelmeer herum. Strefemann und Mussolini werden schon mehr davon wiffen. Traurig stehen die Dinge in Polen, wo England im Spiele ist. Nicht so sehr ben Franzosen, als vielmehr ben Engländern haben wir jenen Korridor zu verdanken, in bem die Kriegsgefahr ständig hin unb her geht. John Bull kam es auf die b a 11 i s ch e n Häfen an. Darum suchte er Deutschland im Osten zu schwächen. Das ist gelungen und es ist nur der andere Feind noch übrig geblieben, nämlich der russische Bär, ber hinter feinten Sümpfen unb Wäldern sitzt unb seine Tatze bald nach China, halb nach Polen streckt, selber unnahbar unb wohlgesichert. An unseren Ostgrenzen beginnt es gefährlich zu werben unb bann . . Ich halt' > einen Kameraden ... Die Vöglein im Walbe, die singen gar so wunderschön . . . Siehst du sie noch, wie sie singend auf bie Schlachtfelder zogen?
Im Jahre 1926 ist die Rekordziffer in Selbstmorden bei uns erreicht. 15 000! Drei Nullen, es ist kein Druckfehler. Das ist eine ganze Stadt, unb nicht einmal bie kleinste. Sie haben nicht mehr den Mut zum Leben gehabt, zu bem schweren, kummervollen Hungerleben, wie es heute Millionen von Menschen führen müffen. 15 000. Es finb meistens Menschen über 60 Jahre. Sie haben alles verloren durch die Kriegsfolgen. Sich ein neues Haus zu bauen, dazu reichte die Straft nicht aus. Unb so find sie hinübergegangen, verloschen wie eine Kerze ober wie ein müder Docht . . . Gott wirb wissen, wie viele von ihnen, als sie Schluß machten, schon nicht mehr ganz zurechnungsfähig waren. Not unb Einsamkeit zerrütten wohl die Nerven. Gott wird es wissen. Die meisten von ihnen werden die Kraft eines lebendigen Glaubens nicht gehabt haben. Wer nämlich glaubt, der findet das Leben immer noch des Lebens wert. Er weiß, daß sein Erlöser lebt.
15 000 . . . Unb daneben diese Tanzvergnügen, diese Festivitäten mit bem endlosen Pokulie- ren, dieses geile Lachen, diese Putzsucht, diese mitleidlose Geschästsmanier... Ich bin am sparen für Menschen, die nichts haben als Luft und die Sonne und dazu eine Schwindsucht. . . Aber was hilft es? Der Ernst ist aus ber Menschheit gewichen. Der Tod ist eine luftige Sache geworden wie zur Zeit der Totentänze, die gemeinsam mit der Pest durch Europa tanzten: Dor allem ist die Heiligkeit vom Tode gewichen. Ich für mei-
Rund um die Woche.
John Bull, polen, die Baltischen Häfen und der russische Bär. — Rekordziffer 15000. — Eine seltsame Todesanzeige. — Blei Fünfer für die armen Rege.linder. — Die kranke Großmutter.
Gottesdlenftordirnng.
Montan, 28. Febr. Stadtpfarrkirche kV, Aus. fehunq und Spendung der hl. Komm. &*/« hl. Messe. 6’/« HI. Messe. 8 Amt. 9 hl. Messe. Die hl. Komm, wird jedesmal vor und nach den Gottesdiensten pe. spendet. Betstunden: 10 1. Fronl.-And., 11 Bruder, schäft von der Todesanast des Herrn, 12 Krone Christi, 1 1. Fronl.-And., 2 2. Fronl.-And.. 3 3. Fronl.-And., 4 4. Fronl.-And., 5 5. Fronl.-And.. kV, Schlußandacht.