FuldaerZertung
Anzeiger für die Stabt und den Kreis Fulda.
Nr. 47.
Erscheint sechsmal wSchenllich. Wochenbeilage: .Illustriert« Beilage" und „Buchenolätt«?'. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Äctiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Rr. L >: Monatlicher Bezugspreis 1,50 Ml. x
Samstag, 26. Februar 1927.
Amtliches Kreisblatt.
Anzeigen«Preis«! Kleinzeilr (Lolonel) lokal 0,16 JUL, «mswsrü 0,20 JUL Reklame,«il«: total 0.60 JUL, auswärts 0,80 JUL «ei Wiederholungen RefcetL x Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr 4051 x
Zahrg.54.
erteilen, um zu Taten überzugehen.
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Sieg der Arbeiterpartei in Stourbridge.
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ig der besetzten Gebiete nur ein b e- ktes Vertrauen in den Akt von Locarno.
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Zum minde- Landes nicht
Braun über den deutschen Einheitsstaat
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eilten strategischen Vorteil bedeuten, sten wäre der Norden und Osten des
* Gesandter Rauscher in Berlin. Wie die Blätter erfahren, ist der deutsche Gesandte in Warschau, Rauscher, für einige Tage in Berlin eingetragen.
Nun setzen aber die zahlreichen Gegner eine Räumung
sorgt hätte, das ungerechte Urteil von Germersheim zu anullieren, so wäre die Politik der Wiederannäherung vielleicht auf lange Zeit in Frage gestellt worden."
Hier schließt sich also ein verhängnisvoller Kreis: die mißtrauischen Franzosen, von denen wir
habe.
Dadurch sei der politische Einfluß des preußischen Volkes in der Reichspolitik erheblich verfälscht. Auch in der f i n a n z i e l l e n Leistungs- fähigkeit prägten sich diese inkommensurablen Größenverhältnisse aus. 1
Don Preußen werde immer die weitestgehende solidarische Unterstützung verlangt, aber_ an Gegenseitigkeit werde nicht gedacht. Das völlig verarmte und von hohen Kriegslasten bedrückte Deutjchi«- M ößji fixten« eines lo teuren
AusLondon wird gemeldet: Bei der Nachwahl Stourbridge siegte der Kandidat der Arbeiterpartei mit einer Mehrheit von über 3000 Stimmen über den konservativen Bewerber. Bei der vorigen Wahl hatten die Konservativen über eine Mehrheit von fast 2000 Stimmen verfügt.
Das Wahlergebnis zeigt, daß die englische Regierung in ihrem Kampf gegen Moskau alles weniger als sehr festen Boden unter den eigenen Füßen hat.
Die Rutzland-Note.
Der „Temps" über die englische Note an Rußland.
Der Wahlkampf im Memelland.
Nach Blättermeldungen aus Königsberg hat der Kriegskommandant von Pogegen in die Wahlagitation der memelländischen Volkspartei eingegriffen. Als auf einer Versammlung der Partei in Pogegen der memelländische Abgeordnete Iagstaidt in einer Rede das Verhalten der litauischen Regierung kritisierte, verbot der Kriegs- kommandant dem Redner, weiterzusprechen. Die Versammlung wurde darauf als Zeichen des Protestes gegen die Maßnahme des Kriegskomman- danten'geschlossen. Auch die Verteilung des Wahlaufrufes der memelländischen Volkspartei wuridc von dem Kriegskommandanten verhindert.
Notwendigkeit der Rheinlandräumung
Das Urteil eines Franzosen.
**r Bereinigung sozialdemo- ^'scher Studenten hielt der preußische Minister- prasident Braun in Berlin einen Vortrag über den MEitsstaat, m dem er, wie der Amtliche Preu- ßlsche Pressedienst meldet, ausführte, es sei der Nationalversammlung gelungen, gewisse Einrichtungen unseres öffentlichen Lebens für das
Zu der Ueberreichung des Berichts der Re- gierungskoinmifsion des Saargebiets über die Anwesenheit fremder Truppen im Saarlands an den Völkerbund bemerkt die „Tägl. Rundschau", daß die Reichsregierung in dieser Frage den gleichen Standpunkt einnehmen werde, der in dem umfangreichen Notenwechsel schon zu einer Zeit niedergelegt worden ist, als Deutschland noch nicht Mitglied des Völkerbundsrates war. Gegjen die fetzt geplante Umwandlung der französischen Besatzung in einen E i s e n b a h n s ch u tz hat sich die deutsche Regierung schon früher grundsätzlich gewandt, da sie nichts weiter als die dauernde Anwesenheit französischer Truppen im Saargebiet nur unter anderem Namen bedeute. Die deutsche Regierung wird setzt versuchen, in diplomatischen Varverhandlungen ihren Rechtsstandpunkt zu vertreten, damit diesmal in Genf eine endgültige Entscheidung in der Frage getroffen werden kann.
Die Franzosen im baargebiet.
Der Generalsekretär des Völkerbundes hat dem Völkerbundsrat den Bericht der Regierungskommission des Saargebietes vom 18. Februar 1927 über die Fragen der Sicherheit des Transportes auf den saarländischen Eisenbahnen übermittelt. Der Bericht schlägt vor:
1. Die Beibehaltung der gegenwärtigen Eisenbahnkommission, die mit den Militärbehörden des besetzten Gebietes eng Zusammenarbeiten soll. 2. Die Anwesenheit einer Eisenbahnschutztruppe im Saargebiet, deren Zusammensetzung international sein könne und für deren Berellstellung die Regierungskommission sich mit den Besatzungsmächten in Verbindung setzen will. Die Truppe, die ein besonderes Abzeichen erhält, soll ausschließlich dem Bahnschutz, nicht anderen Polizelzwecken dienen. 3. Die Rheinlandskommis- hon soll zwei mit Automobilen ausgerüstete Bataillone, eins in Forbach und das andere in Saargemünd, bereitstellen, die auf Ersuchen der Reglerungskommission des Saargebietes zum Schutze der Bahnlinien intervenieren können. Nach der Inkraftsetzung der vorgeschlagenen Organisation, so heißt es in dem Bericht weiter, besteht kein Hinderungsgrund mehr, daß die ftanzösischeRe- gierung zu einem Abtransport der Garnisonstruppen schreiten kann, den sie am 18. März 1926 angekündigt hat und der ermöglichen würde, eine größere Zahl Kasernen und anderer Lokale zur Verfügung der Bevölkerung zu stellen.
Der kranke Reichstagspräfident.
. Reichspräsident Lobe, der noch Mittwoch zu einem parlamentarischen Abend zahlreiche Gäste im Präsedentenhaus um sich versammelt hatte, ist von einer Blinddarmentzündung befallen worden. Die Erkrankung hatte ihn schon Mittwoch abend genötigt, zeitweise seiner Gattin die Betrauung der Gäste allein zu überlassen. Auch mußte er in den Nachtstunden noch die Hilfe seines Fraktionskollegen Dr. Moses in Anspruch nehmen. Im Laufe des Donnerstags hat sich sein Befinden so verschlechtert, daß die Aerzte eine Operation für notwendig erachten, die nachmittags 6 Uhr von Geheimrat Pros. Borchert in dessen Klinik vorgc- nommen werden wird.
Es handelt sich um Blinddarm-Entzündung und Gallenstein. Die Nacht auf Freitag hat Lobe gut verbracht. Sein Befinden war am Freitag vormittag zufriedenstellend. Gerade vor 2 Jahren mußte Ebert operiert werden, der bann starb.
Der Reichspräsident hat sich Freitag früh durch Staatssekretär Meißner nach dem Befinden des Reichstagspräsidenten Löbe erkundigen und die besten Wünsche für seine Genesung aussprechen lassen. __________________________
* Zum Tod des Armeebischofs Dr. Jöppen. Der Reichspräsident von Hindenburg hat anläßlich des Todes des Armeebischofs Dr. Jöppen an Dechant Wolters in Hüls folgendes Telegramm gerichtet: Zum Tode des Herrn Armeebifchofs Joppen, dessen fegens- retebs Wirken im deutschen Heere unvergessen bleiben «mb, bitte ich Eie, den Ausdruck meiner herzlichen An- reunohme entgegenzunehmen.
vor der Zchlacht um Schanghai.
Rach Reutermeldungen aus Schanghai hat General Lipatschang, der Verteidigungskommissar in Schanghai, eine Proklamation veröffentlicht, die seine Befehle bezüglich der Hinrichtung von Personen, die beim Halten von Reden, Verteilung von Flugblättern und im Besitze aufreizender Schriften betroffen werden, oder Personen verdächtigen Charakters a u f h e b t. Zum Schluß ersucht er die A r b e i t e r, ihre Tätigkeit wieder aufzunehmen. Eine weitere Meldung besagt: Wenn der Vormarsch der Südtruppen andauere, so werde es vielleicht ein Rennen zwischen Tschangtschn anfang und den Ratio- n i l i st e n um Schhanghai geben. Die ausländischen Behörden in Schanghai treffen Vorsichtsmaßregeln. Alle verfügbaren Streitkräfte werden in Bereitschaft gehalten. Die Arbeiterunion in Schanghai hat eine Kundgebung erlassen, in der es heißt, der fünftägige Generalstreik habe einen beträchtlichen Erfolg gehabt. Die Beendigung des Streiks bedeute keineswegs, daß die Bewegung vorüber sei, weil die Union ihre Anstrengungen fortsetzen werde, um ihr Ideal zu erreichen.
-ungeil uuieitv «Iieuuiiyen hebens für das ganze Reich emheitlich zu gestalten. An der Gliederung des Reiches in Einzelstaaten jedoch habe die Verfassung nichts geändert. Der Schaffung eines idealen Föderatiostaats ständen vor allem die Größenunterschiede der deutschen Länder im Wege. Dieser abnormen Gestaltung habe auch im Reichsrat Rechnung getragen werden müssen. Auch in der Weimarer Verfassung blieb die Bestimmung aufrecht erhalten, daß Preußen nicht mehr als zwei Fünftel der Stimmen im Reichsrat
und unzweckmäßigen Staatsaufbaues für die Dauer nicht leisten. Wir hätten in Deutschland außer dem Reichsministerium 18 Ministerien mit insgesamt 58 Ministern, zu denen noch je 42 Senatoren der drei Stadtstaaten kommen, ferner 17 Landparlamente und 17 Reichsratsvertretungen. Das alles kostet dem deutschen Volke etwa 15 Millionen, ferner ein Mehr an Verwaltungsausgaben, das mit dem Zehnfachen dieser Summe fast zu niedrig geschätzt sei. Ob die Länder als Zwischenstufe noch weiter notwendig seien, das sei lixie Frage, die entschieden werden müsse. Als einzig praktüfch durchführbarer Weg schwebe ihm das Folgende vor: Das Reich müsse alle Möglichkeiten, die ihm die Reichsverfassung auf legislativem wie administrativem Gebiete gibt, restlos ausnutzen, was allerdings in einer die Länder finanziell befriedigenden Weife geschehen müsse. Dann würden die Länder allmählich ihrer Eigenstaatlichkeit entkleidet und beträchtlich zu Verwaltungsorganen herabgedrückt werden. Sollte die Umgestaltung Schwierigkeiten machen, so würde eine Volksbewegung gegenüber allen kleinlichen Partikularisten entfach werden können. Das Deutschland der Zukunft müsse nach einem Worte des Reichsministers Dr. Preuß ein deutsches Deutschland fein.
Verhältnissen kaum etwas zu bedeuten gehabt hätte, führte schließlich atm Tode eines Menst wenn die französische Regierung nicht dafür
Weber die englische Note an Rußland schreibt der „Temps": Mau bleibt ziemlich skeptisch hinsichtlich der Wirkung dieser strengen Warnung bei den Diktatoren des Kreml. Diese werden ohne Zweifel vermeiden, einen Bruch heroorzurufen, durch den das Sowjetregime sicherlich an Terrain verlieren würde, das im Laufe der letzten Jahre vom internationalen Standpunkt aus gewonnen hat. Dieser Bruch würde andererseits Rückwirkungen auf die innere Lage der Sowjetrepublik haben, die man um jeden Preis vermeiden will. Moskau wird ohne Zweifel den Schein zu wahren suchen, indem es weniger gewaltsame Mittel für seine Revolutionspropaganda im Auslande wählt. Aber im Grunde genommen wird sich nichts geändert Haden. Da die Organisation der Weltrevolution die Existenzberechtigung der sogenannten proletarischen Diktatur ist, muß man befürchten, daß die gegenwärtige internationale Politik der Sowjetregierung nur dem Sowjetregime selbst ein Ende bereiten wird. Unter diesen Umständen ist die einzige wichtige Frage die, in welchem Augenblick die englische Regierung darauf verzichtet, Weisungen
Rom und Belgrad.
Italienisch-jugoslawischer Zwischenfall.
Die Blätter berichten aus Zara: Vor einer Woche wurden 16 italienische Fischerbarken, die aus Zara ausgelaufen waren, kurz nachdem sie die italienischen Gewässer verlassen hatten, von einem jugoslawischen Zollkutter eingeholt. Als die Fischer, fast sämtlich Faschisten, sich weigerten, behufs Beschlagnahme der Barken zur nächsten jugoslawischen Zollstation zu fahren, versuchten die jugoslawischen Zollwächter, sie mit Gewalt dorthin zu schleppen. Die italienischen Bote suchten nach Zara zurückzufliehen, wurden aber von dem Kutter überholt, dessen Insassen mit angelegten Gewehren die Aufforderung wiederholten. Ein jugoslawischer Zollwächter, der eines der italienischen Schiffe be fliegen hatte, wurde dort gefangen genommen, aber bald wieder freigelassen. Darauf gelang es den italienischen Booten, nach Zara zurückzukehren. Durch diese wiederkehrenden Maßnahmen der jugoslawischen Zollwächter sind mehrere Barken mit 90 Mann in Zara eingeschlossen, für die eine öffentliche Sammlung in Zara veranstaltet wurde. Die Verhandlungen mit der jugoslawischen Regierung sind noch nicht abgeschlossen.
* Das Derufsausbildungsgeseh. Das Reichs- kabinett hat den Entwurf eines Berufsausbildungsgesetzes verabschiedet. Er regelt die Berufsausbildung Jugendlicher und zwar aller Jugendlichen mit Ausnahme derjenigen, die in der Landwirtschaft beschäftigt werden. Es handelt sich um ein Rahmengesetz; vorgesehen ist weitgehende berufsständische Selbstverwaltung auf der Grundlage der Gleichberechtigung der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer. Neue Behörden zu schaffen ist nicht beabsichtigt; die Regelung soll erfolgen im Anschluß an die schon bestehenden gesetzlichen Vertretungen von Handel, Industrie und Handwerk.
Sie sehen in der Anwesenheit französischer Truppen am Rhein eine größere Sicherheit.
Daraus erklärt sich die Erregung gewisser französischer Kreise über die Nachricht, daß in Thoiry zwischen Briand und Stresemann eine vorzeitige Räumung besprochen worden sei. Briand, der in dieser Angelegenheit keine Verpflichtungen übernommen hat und auch gar nicht übernehmen konnte, hat sich im Parlament mit der Erklärung begnügt, daß man in der Erfüllung der Friedensverträge nach und nach milder vorgehen könne. Eine kluge und unbestimmte Anspielung auf die fortschreitende Räumung.
Allerdings dachte man in diesem Augenblick an die finanzielle Wiederaufrichtung Frankreichs, das heißt, an eine vorzeitige Räumung gegen teilweise Ueberlassung der von der Reparationskommission zurückgehaltenen deutschen Eisendahnobligationen. Aber dieser Gedanke fiel und damit trat auch die Räumungsfrage wieder in den Hintergrund.
In Wahrheit ist diese Frage für die französische öffentliche Meinung noch nicht reif, weil man die Rheinbesetzung noch immer für die beste Garantie der Sicherheit hält.
Es ist ja gewiß, daß die Truppen am Rhein im Falle eines neuerlichen Krieges für Frankreich
wtb. London, 25. Febr. (Eig. Funkm.) Ein um Mitternacht abgesandtes Telegramm des Sonderberichterstatters der „Chicago Tribüne" in Schhanghai besagt: Die Tschangtsung-Truppe,: unter dem Befehl des Generals Tschangtsung- tschang haben das Rennen nach Schanghai g e - wonnen. Zwei Tausend von ihnen sind heute abend mit der Bahn aus Nanking eingetroffen. Die Truppen wurden sofort nach Sungkiang gebracht, um Marschall Sunschuanfangs demoralisierte Heere, die sich jetzt vor den Kantonheeren zurückziehen, zu verstärken. Berichten aus Nanking zufolge hat General Tschangtsungtschang endgültig den Befehl der nördlichen alliierten Streitkräfte übernommen und wird mehr als 30 000 Truppen innerhalb der allernächsten Tage zusammen haben, darunter 2000 europäische Russen. Es ist so gut wie sicher, daß Marschall Sunschuanfang jetzt tatsächlich ausgeschaltet ist. Die Ankunft des Generals Tschangtsungtschang in Schanghai beweist seine Absicht, die Stadt zu halten.
abermals der Schauplatz der ersten Schlachten.
Klarblickende Franzosen, die die politischen und militärischen Verhältnisse schärfer ins Auge fassen, sagen sich aber: nach acht Jahern im Jahre 1935 muß die Besatzung auf jeden Fall aufhören. Daher ist aber auch die aus der Besetzung hervorgehende Sicherheit nur eine provisorische. Zweitens ist zu bedenken, daß bei der fortschreitenden Verminderung der Besatzungstruppen auch der strategische Vorteil immer geringer wird. Drittens kann durch eine Besetzung des Rheins weder die Chemie noch die Luftschiffahrt gehindert werden, im nächsten Kriege das entscheidende Wort zu sprechen; Flugzeuge, Bombenwerfer und Stickgase werden sich wenig an räumliche Grenzen kehren.
Soviel oom militärischen Standpunkt. Ader auch die Moral hat ein gewichtiges Wort mitzusprechen.
In der katholisch-sozialen Revue „Politigue" erklärt der Verfasser einer sehr nachdrücklichen und gehaltvollen Studie: „Die militärische Okkupation des Rheinlands bedeutet die Gefahr, bei allen Parteien Deutschlands die Geister im Zustande der Reizbarkeit und Rachsucht zu erhalten. Auch wenn man die Dinge von der besten Seite betrachtet — eine militärische Okkupation wird von der Zivilbevölkerung immer nur mit Ungeduld ertragen. Haben nicht auch die Franzosen ein übles Angedenken an die deutsche Besetzung von 1871 und 1914 bis 1918 bewahrt? . . . Weiter: Die Gefahr von Zwischenfällen mit Bürgern und Militärs ist in besetzten Gebieten immer sehr groß und kann zu schweren Konflikten führen. Das beklagenswerte Ereignis in Germersheim ist ein Beweis dafür. Ein Kaffeehausstreit, der unter anderen
wtb London, 25. Febr. (Eig. Funkm.) „Daily Expreß" berichtet aus Schanghai, daß dort gestern abend große Spannung herrschte. Die Ausländer, die außerhalb der Niederlassungen leben, wurden um 6 Uhr nachmittags durch Boten aufgefordert, sich bereit zu halten, um sich unverzüglich in die Niederlassungen zurückziehen zu können. Vorkehrungen für ihre Unterbringung sind getroffen worden. Es haben umfassende Verhaftungen von Agitatoren stattgefunden, während Panzerwagen außerhalb der Niederlassungen auf den Straßen fuhren, um Kundgebungen zu verhindern. Ein Zusammenstoß mit zurückgehenden Truppen fand an der Südbahnstation, eine halbe Meile südlich der Eingeborenenstadt, statt. Eine Schlacht um Schanghai wird unmittelbar e rw a r t e t. Die Truppen des Generals Sun stehen in Sungkiang 20 Klm. von Schanghai entfernt.
Die Lage in Deutschln::j ist milbestimmend für die Gestaltung des Problems der gesamteuropäi- ichen Politik. Es ist charakteristisch, daß unter bie- fem Gesichtspunkt, insbesondere auch non verständiger französischer Seite die Notwendigkeit der Rheinlandräumung mehr und mehr hervorgehoben wird. Nachstehende Ausführungen stammen von einem bekannten, der Mitte ange- horenden Politiker. Sie haben ihres Inhaltes wegen einen ganz besonderen Wert. Der betreffende Politiker führt aus:
Die Besetzung des Rheinlandes ist der Stein des Anstoßes für die deutsch-französische Annähe- rungspolilik. Es ist in der Tat schwer zu begreifen, wie zwei Nationen einander näher kommen und gemeinsame, vertrauensvolle Arbeit leisten sollen, wenn die eine Nation einen Gebietsteil der anderen besetzt hält.
Man muß den Mut aufbringen, die Dinge zu sehen, wie sie sind. Die Annäherungspolitik fordert die Lösung des Räumungsproblems. Diesen aus- weichen, heißt nichts anderes als die Politik der Wiederannäherung verneinen. Das ist ohne weiteres klar.
Praktisch beurteilen aber viele Franzosen die Sache von einem anderen Standpunkt. Sie sind zwar friedlich gestimmt und wünschen eine aufrichtige Wiederannäherung an Deutschland, aber sie glauben, daß es unklug wäre, die besetzten Gebiete am Rhein vor der verlagsmäßigen Frist, also vor 1933 zu räumen.
Warum? Es ist interessant, ihre Gründe kennen zu lernen. Vielleicht wird es dann auch leichter sein, über die Hindernisse Hinwegzukommen.
Sehen wir zunächst von jenen — heute einflußlosen — Politikern und Militärs ab, die gleich nach dem Kriege von einer Annexion des linken Rheinufers träumten. Das klägliche Scheitern des rhei- mschen Separatismus während der Ruhrbesetzung von 1923 hat die imperialistischen Täuschungen zerstreut und den Leichtgläubigen die Augen darüber geöffnet, daß die Rheinländer an eine Trennung von Deutschland garnicht denken.
Wir wollen uns auch nicht mit den Leuten befassen, die zwar nicht an eine Annexion denken, aber sich in der Vorstellung wiegen, daß im Falle eines neuen Krieges der Besitz der Rheinbrücken gesichert sei, wenn die Besetzung fortdauert. Es sei hier nur von jenen zahlreichen Franzosen die Rede, die sehr gut wißen, daß eine Besetzung über das Jahr 1935 nicht aufrechterhalten werden kann, dabei aber eine frühere Räumung ablehnen.
Der einzige ober_ gewichtigste Grund für diese Einstellung ist die Sorge um d i e Sicherheit Frankreichs.
Vom Rechtsstandpunkte ist dieser Grund w e r t» l o 5. Nach dem Versailler Vertrag Hal die Rheinbesetzung nicht den Zweck, die Sicherheit Frankreichs zu garantieren, sondern sie ist nur ein Pfand ür die allgemeine Durchführung der Vertragsbetimmungen, und demgemäß zeitlich begrenzt. Der ranzösisch-englisch-amerikamsche Garantiepakt, ein Anhang zum Versailler Vertrag, sollte eigentlich das Sicherheitsproblem für Frankreich lösen. Die Sache wurde gegenstandslos, weil sich Amerika aus dem Vertrag zurückzog. Nun ist aber seither der Vertrag von Locarno entstanden, in welchem Deutschland freiwillig die neuen Grenzen anerkannt und sich verpflichtet, diese solidarisch mit Frankreich, England, Italien und Belgien gegen jeden Angreifer zu verteidigen. Dadurch ist das Sicherheitsproblem vom Rechtsstandpunkt aus ge- l ö st. Außerdem ist durch die Londoner Verträge von 1924 das Reparationsproblem gelöst. Der Dawesplan wird pünktlich und reibungslos eingehalten.
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