g\£T E d M MzelMWtt Nk M WMU MU UM
uldaerZertung
Anzeiger für die Stadt und den Kreis Fulda. AmkNches Krelsblakl.
Freitag, 25. Februar 1927.
Nr. 46.
8n|eigen«Bteife: Aleingeüt (Colonel) lokal 0,15 JUL, auswärts 0,20 XJl. ReHomeieilet total 0,60 JUt, 'Infam R4 auswärts 0,80 JUL Ve« SBlebetboIuttflen 8U6ett JUlJiy. CPt.
x Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. <051. K
ffrftfitinl sechsmal wöchentlich. WochenLeilage: Illustrierte Beilage" urw „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag k— c-nldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. ö.
Monatlicher Bezugspreis 1.50 Ml. x
Bevorstehender Rücktritt Selloggs Aus -Washington wird gemeldet: Hier sind erneut Gebuchte im Umlauf, daß der Gesundheitszustand des Staatssekretärs Kellogg ihn zu seinem baldigen «ucktritt veranlassen dürfte.
Weltwirtschastrkonseren;.
Am 4 Mai dieses Jahres soll in Gens die vom Völkerbund einberufenc Weltwirtschaftskonserenz zusammentreten, für die die Vorarbeiten be- -eits in hobem Maße geleistet worden sind. Diese Konferenz hatte bereits ein Vorbild in der Son- (erenz von Genua, die im Sommer 1922 zu- ammengetreten war. Auch hier standen die weltwirtschaftlichen Fragen im Vordergründe. Sie konnten ober nicht vernünftig besprochen werden, weil auf Verlangen des französischen Ministerpräsidenten Poincare das dringlichste Finanz- und Wirtschaftsproblem der damaligen Zeit, die Re- parationssrage, nicht zur Erörterung kommen durfte. Die bevorstehende Konferenz in Genf wird sich von der in Genua vor allem dadurch unterscheiden, daß ihre Mitglieder keine beauftragten und verantwortlichen Politiker sind, sondern von den Regierungen ernannte Wirtschaftssachverständige, die ohne Regierungsinstruktion stimmen sollen. 3m ganzen dürfte die Konferenz etwa 250 Delegierte beisammen sehen. Jedes Land soll fünf Vertreter als die Repräsentanten der bedeutsamsten Wirtschaftsgruppen entsenden. Diese Sachverständigen werden nicht in dem Maße an politische Rücksichten gebunden fein, wie die Delegierten der Konferenz von Genua, besonders dann nicht, wenn sie ihren Aufgabenbereich möglichst eng abgrenzen. Von einer solchen Beschränkung aus die nächsten Möglichkeiten weltwirtschaftlichen Fortschrittes wird überhaupt das Gelingen dieser Konferenz abhängen.
Ihre Aufgabe ist allgemein dahin zu kennzeichnen, daß sie eine Etappe bilden soll auf dem Wege der Anpassung des Wirtschaftslebens an die modernen Bedingungen der internationalen Zusammenarbeit, auf daß der wirtschaftliche Frieden und damit letzten Endes auch der politische Frieden gesichert werden. Reden allgemeiner Art dürften die Besprechungen einleiten, worauf dann die Kommissionen ernannt werden, die die näheren Richtlinien für die Einzelberatungen entwerfen. Die ganze Konferenz soll beratenden Charakter tragen. Ihre Empfehlungen an die Regierungen werden sich auf wohlgemeinte Ratschläge beschränken.
Bei den vorbereitenden Arbeiten hat sich vor allem die Frage der H a n d e l s f r e i h e i t in den Vordergrund gedrängt, ein Begriff, der den souveränen Eigenwillens der Staaten lehr nahe be- ruhrt. Obwohl der Nationalismus der Einzel - Itaaten bei allen Völkern starke Widerstände findet, die bereits zu einer weitgehenden Ausmerzung der staatlichen Ein- und Ausfuhrverbote gefiihrt haben, ist der eng-nationale Gesichtspunkt bei der Aufstellung der Zolltarife und Handelsverträge
®Je ,D.or ausschlaggebend geblieben. Es han- delt sich hier um eine europäische Krankheit, die geheilt werden muß, soll sich das System der Schutzzölle mit der ins Unermeßliche anwachsenden Zahl von Einzelpositionen des Handels nicht ins Unmögliche auswachsen. Die Wertzölle, das Dum- plng, die staatlichen Subiden, sind weitere Fragen, die im Bereiche der internationalen Beziehungen heutzutage eine große Bedeutung haben und auf der Genfer Konferenz zur Sprache kommen müs- Jen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Problem der internationalen Kartelle, die einen wachsenden Umfang annehmen. Gewisse Vorteile dieser inter- nationalen Konventionen liegen auf der Hand. Sie gestatten eine rationelle Sparsamkeit und eine ersprießliche Ordnung der Produktion. Die Methoden ihrer Arbeitsweise werden sich weiter entwickeln, wobei vorausgesetzt werden muß, daß sich nicht, alle Industrien zu solchen internationalen Vereinbarungen eignen. Natürlich sind auch Gefahren vorhanden, unter denen vor allem der Kon- sument leiden kann, so in der Monopolisierung und Preistreiberei, die eine staatliche Ueberwachung not- menbig machen. Cs ist anzunehmen, daß sich die Weltwirtschaftskonferenz mit dem Verhältnis sol- ,7e£ internationaler Konventionen zu den Staaten 2^° l^r.en Souveränitätspflichten und Souveräni- SnfwÄ»bJ!falfcll Man betont schon die 'rnt^Hnn.V ' b£6 stch die Wirtschaft mit ihren beHnternatinnor^ar^n?0ffnunflen ""glichst von dak hio 1^nL°(noren Diplomatie loslöse und glaubt, offeneVS-”3 ben Staaten empfehlen wird ?u ber SÄ”?6*1. 3*n den Produzenten m fördern Lnh^ 3°nto[en Jndustrieqruppen
Si e FSbeanü^ feJbft mit einer klugen Kon- zuMeden sein damit aber die Politik
tische Aufgaben des'V öJ)ie(mef,r po?,i=
Man wird gut daran tun mit* ® - vom 4. Mai nicht allzu große binden. Es ist möglich, daß sie eintaen formulierten Vorschlägen kommt, es wird aber kaum erwartet werden können, daß ihr L den Regierungen Europas und ber übriaen Vnn ttnente ohne weiteres befolgt wird. Es nihf Kreise, welche diese Konferenz dazu benutzen mSrfv *en, weitzielende Idealformen der europäischen Wirschaft zur Derwirklichung vorzulegen. Die ^deen der Paneuropa-Bewegung werden sicherlich erneut erörtert werden. Es ist aber auch sicher, daß sich die Konferenz selbst mit solchen Uto- p'en nicht befassen, sondern die Evolution der Revolution vorziehen wird. Im übrigen ist es au* »ervrdentlich begrüßenswert, daß sich der Völkerbund so intensiv der weltwirtschaftlichen Probleme annimmt Sie sind tatsächlich der Angelpunkt des Weltfriedens.
Zoll- und Handelsprobleme.
Staatssekretär Trendelenburg über die Gefahr des Wirtschaftsnationalismus.
Staatssekretär Dr. Trendelenburg hielt in der volkswirtschaftlichen Gesellschaft zu Basel einen Vortrag über zoll- und handelspolitische Probleme. Nach einer kurzen Darstellung der industriellen Entwicklung in der Vorkriegszeit und der damaligen Stellung Europas in der Weltwirtschaft wies Dr. Trendelenburg insbesondere auf das Umsichgreifen des wirtschaftlichen Nationalismus hin, der sich in erster Linie in einer scharfen Erhöhung der Zollsätze für industrielle Fertigwaren zeige. Gleichzeitig habe die Differenzierung der Zolltarifposition e n in erschreckendem Maße zugenommen. Allerdings sei die Höhe der Zollsätze allein kein zuverlässiger Maßstab für die Stärke des Protektionismus der einzelnen Ländern, mindestens von der gleichen Bedeutung sei die Methode der Zollerhebung, die in manchen Ländern liberal, in anderen jedoch sehr handelshinderlich geregelt sei. Dr. Trendelenburg schloß: Die Weltwirtschaftskonferenz findet ein Problem vor, dessen Lösung besonders schwierig ist. Immerhin ist der gegenwärtige Zustand der internationalen Zoll- und Handelspolitik so unbefriedigend, daß man von einer freien Aussprache freier Persönlichkeiten, wie sie das Programm der Weltwirtschaftskonferenz vorsieht, gewiß einen Fortschritt erwarten kann.
Das neue 5lrbeitszeitgesetz.
Der Gesetzenlwurf zur Abänderung der Arbettszeilnol- oerordnung dem Reichsrai vorgelegt.
Die Reichsregierung hat nunmehr den Entwurf eines Gesetzes zur Abänderung der Arbeitszeit- verordnung (Arbeitszeitnotgesetz) dem Reichsrat vorgelegt. Der vorläufige Reichswirtschaftsrat ist in Rücksicht auf den nur vorläufigen Charakter der Regelung und aus die große Eilbedürftigkeit mit dem Gesetzentwurf nicht befaßt worden.
Inhaltlich bringt der Gesetzentwurf eine Abänderung der geltenden Arbeitszeitverordnung in denjenigen Punkten, die besonders zu Klagen über zu lange Arbeitszeiten Anlaß gegeben haben. Zu § 6 der Arbeitszeitverordnung wird vorgeschrieben, daß nach Wegfall eines Tarifvertrages die Behörde noch während dreier Monate keine längere Arbeitszeit genehmigen kann, als sie nach dem Tarifverträge zulässig war. Ferner wird für behördlich zugelasiene Mehrarbeit von Arbeitern ein angemesiener Lohnzuschlag vorgeschrieben, um auf diese Weise entbehrlicher Mehrarbeit entgegenzuwirken. Eine Aenderung des § 9 macht die Verlängerung der Arbeitszeit über zehn Stunden hinaus, die aus dringenden Gründen des Gemeinwohles ausnahmsweise zulässig ist, von einer behördlichen Genehmigung abhängig, während bisher dem Ermessen der Beteiligten nach dieser Richtung freier Spielraum gelassen war. Die wichtigste der im Entwurf vorgesehenen Aenderungen ist wohl die Aufhebung des if 11 Absatz 3 der Arbeitszeitverordnung, der eine an sich ungesetzliche, aber von den Arbeitnehmern freiwillig geleistete Mehrarbeit unter gewissen Voraussetzungen für straffrei erklärt. Diese Bestimmung hat die Durchführung der Arbeitszeitvorschriften ungünstig beeinflußt und ist unter den heutigen Verhältnissen nicht mehr haltbar.
AcheWlitW Wirkung
Aus Rom wird uns von einer besonderen Seite geschrieben:
Die italienischen Liktoren-Anleihe ergab bekanntlich folgende Ziffern: Die Zeichnungen im Königreiche selbst hatten nominell 2 475 790 000 Lire, und effektiv 2164 573 250 Lire. Da in Ratenzahlungen die Zeichnungen von weiteren 601 174 000 Lire angemeldet worden sind, beträgt der nominelle Zeichnungserfolg 3 074 972 000 Lire, oder der effektive Erfolg 2 367 036 250 Lire. Zu dieser Summe sind noch die Zeichnungen im Auslande hinzuzufügen, die noch nicht beendet sind. Diese Ergebnisse haben besonders in Iugosla- d i e n nicht unbedeutendes Aufsehen erregt Der italienische Finanzminister habe zwar erklärt» — sagt man in Belgrad — er brauche das Geld für die innere wirtschaftliche- und Währungskonsolidierung, doch wisse man, daß Italien zur Konsolidierung der Lire die Morgan-Anleche im Betrag von 100 Millionen Dollar erhalten habe, außerdem habe die italienische Industrie große Kredite in Amerika erhalten, schließlich "sei es Äallen gelungen, seine Kriegsschuld an Amerika und England auf 80 Prozent herunterzudrücken und auch diese Zahlungen auf zehn Jahre zu verschieben. Wozu also das viele Geld? Ohne Zweifel habe es rein politischen und militärischen Zwecken zu dienen; seinerzeit führte Mussolini an der Spitze feiner Schwarzhemden den „Vormarsch gegen Rom", ob jetzt wohl nicht ein „Vormarsch aus Rom" stattfinden solle; in welcher Richtung? Nach Westen, Osten oder Süden--?
So denkt man in Belgrad und wird in dieser Ansicht verstärkt, als man wissen will, daß in einer Zentralkonferenz der „Mazedonier" unter dem Vorsitz des Generals Protegerow Unruhen in Südserbien für Anfang April beschlossen wurden, daß Vertrauensleute nach Tirana und Rom entsandt wurden, und daß Protegerow selbst sich in Rom aufgehalten haben soll. Dennoch kann festgestellt werden, daß sich Belgrad gerade gegenüber diesen letzten Gerüchten kaum besorgt zeigt. Man wertet sie als Druckversuche Roms, ist fest entschlasftn, jede Unruhe im Keim zu ersticken und hat für die vielfach behauptete Einkreisung an nerantroortli(f)er Stelle nicht mehr als ein Lächeln ™ dem man zu erkennen gibt, daß das hefte Mittel, das Jugoslawen gegen Einkreisungsversuche zur Verfügung stehe, die juaoslavische Armee fei, Me allein durch ihr Dasein die Nachbarn von solchen Exverimenten abhalte.
Abgelebte IRifjtrauensanträge.
Der preußische Landtag lehnte am Mittwoch dos kommunistische Mißtrauensvotum gegen den Wohlfahrtsminister Hirtsiefer mit 224 gegen 4 7 Stimmen ab. Dafür stimmten Kommunisten und Völkische, die Deutschnationalen enthielten sich der Abstimmung. Die Deutsche Volkspartei stimmte mit, gab aber Karten auf Enthaltung ab. Auch das kommunistische Mißtrauensvotum gegen den Kultusminister Becker wurde mit 210 gegen 194 Stimmen abgelehnt. Dagegen stimmten die Regierungsparteien, die übrigen Parteien, also Kommunisten, Deutschnationale, Völkische und Deutsche Polkspartei dafür.
Die Beratung der Gesetzentwürfe, die die Groß-Hamburg-Frage betreffen, wurde in dieser Sitzung mit einer längeren Rede des Ministerpräsidenten Braun eingeleitet, in der er gegen die Rede des Hamburger Bürgermeisters Petersen in dieser Frage polemisierte und erklärte, es handle sich nicht darum, Hamburg in Preußen einzuoerleiben, sondern um Hamburgische Expansionsbestrebungen gegen Preußen zurückzuweisen. Nach längerer Aussprache wurde die Vorlage einem besonders gebildeten Groß-Hamburg- Au s s ch u ß überwiesen.
Nachdem noch der Entwurf über die neue Grund- und Gebäudesteuer dem Hauptausschuß überwiesen worden war, setzte das Haus die Beratung des Haushalts der landwirtschaftlichen Verwaltung fort und vertagte sich dann auf Donnerstag.
Reichstag.
Der Reichstag fetzte am Mittwoch die zweite Lesung des Haushalts 1927 beim Etat des Reichs- justizministeriums fort. Von den Rednern, die je nach ihrer Parteistellung Lob oder Tadel über die deutsche Rechtspflege ausdrückten, behauptete der Kommunist Dr. Rofenberg, daß die Kommunisten nur wegen ihrer Uebergeugung verurteilt würden. Demgegenüber erklärte Staatssekretär Joel, das Reichsgericht trete den Kommunisten durchaus vorurteilslos gegenüber. Kein Staat könne aber dulden, daß an feinem eigenen Ruin gearbeitet werde. Am Donnerstag wird die Etatsberatung fortgesetzt.
♦
Die Besprechung im Auswärtigen Au sschuß über die Frage der russischen M u- nitionslieferung an die Reichswehr ergab nach her „lägt. Rundschau", daß es sich um weit zurückliegende Munitionsbestellungen handelt. Daß man damals die Bestellungen in Rußland aufgab, hangt wohl mit der seinerzeit herrschenden Unsicherheit der innerdeutschen Verhältnisse zusammen. Ausgeführt wurden die Bestellungen erst in späteren Jahren, und die letzten Abnahmen sind erst im vorigen Jahre erfolgt. Gegen den Versailler Vertrag wurde mit der Abnahme der Lieferungen in keiner Weise verstoßen. Die Kontrollkommission hat die Abnahme nicht beanstandet. Irgendwelche außenpolitische Folgerungen können also aus der Angelegenheit nicht erwachsen.
Ker italienischen Anleihe.
Andererseits aber lege es der jugoslavischen Außenpolitik wieder offen, die Nachbarstaaten darauf hinzuweifen, daß sie nur als Prellbock einer Politik fremder Interessen gebraucht würden und daß sie fallen gelassen würden, wenn sie ihre Aufgaben hätten.» Mit Rumänien bestünden durchaus herzliche Beziehungen und denke Rumänien nicht daran, die beiden Staaten durch die kleine Entente verbindenden Beziehungen zu lockern. Bezüglich Ungarn verweist man darauf, daß einseitige Orientierung Ungarns nach Rom lediglich ein Fest- ziehen der prohibitiven kleinen Ententeverträge bedeuten würde, was sonach Ungarn kaum zum Vorteil gereichen könne; würden sich jedoch die geplanten ungarisch-italienischen Besprechungen wirklich bloß um die Freizone Fiume drehen, so führe der Weg eben über Jugoslawen. Auch mit Griechenland werde man zu einem Abkommen gelangen; man wisse, daß Churchill anläßlich seines Aufenthaltes in Athen ein Entgegenkommen Englands in der Frage griechischer Kriegsschulden zü- gefagt habe; man wisse, daß eine neue englische Marmekommistion für See- und Luftfahrkräfte in Athen ein getroffen sei, deren Verträge bis März 1929 liefen; man wisse, daß England Italien den Vortritt am Balkan überlassen habe; doch wisse man auch, daß sich Iugoslavien bereit erklärte, die unter der Regierung Pangalos abgeschlossenen Saloniki- und Gevgheli-Konventionen in freunbschaft- sichern Sinn neuerlich zu prüfen, um die baldige Ratifizierung dieser Konventionen der griechischen Kammer zu ermöglichen. Damit aber ergebe sich von selbst eine Annäherung an Griechenland, die den Treibereien der Mazedonier ein Gegengewicht entgegenstelle, das stets noch verfangen habe. Im übrigen vertraue man auf die Loyalität und den gesunden Menschenverstand Piaptschews. der sich entschieden gegen die so oft verunglückte Politik der Mazedonier stellt und auch dem Werben Italiens sehr skevtisch gegenüberstehe. Im Zusammenhang damit sind auch die diplomatischen Revirements bemerkenswert, die Belgrad in der letzten Zeit vorgenommen oder über sich ergehen ließ. Jedenfalls sieht man in den Kreisen, die mit dem Belgrader Außenamt gute Fühlung haben, der Entwicklung mit Zuversicht entgegen und gibt der Ansicht Ausdruck, daß am Ende dieser politischen Kreuz- und Ouerzüge eine volle Bereinigung oller zwischen Belgrad und Rom schwebenden Fragen zu erwarten fein werde.
Englische Note an Rußland.
Die am Mittwoch überreichte Note Chamber« Iains an den russischen Geschäftsträger in London erklärt, daß die Beziehungen Großbritanniens und Rußlands weiterhin notorifch unbefriedigend sind. Die Note erinnert daran, daß am 4. Juni 1923 die Sowjetregierung sich durch eine Vereinbarung formell verpflichtet hat, in keiner Form Personen oder Körperschaften zu unterstützen, die Unzufriedenheit ober revolutionäre Bewegungen innerhalb des britischen Reiches hervorzurufen suchen und daß die britische Regierung Macdonald im Oktober 1924 bereits sich veranlaßt gesehen hat, diese Abmachung der russischen Regierung warnend in Erinnerung zu rufen, sowie daran, daß auch Chamberlain sich mehrfach veranlaßt gesehen habe, den Sowjetoertreter auf Verletzungen dieser Abmachungen hinzuweisen. Solange die augenblicklichen Herrscher der Sowjetunion, so fährt die Note fort, mögen sie Mitglieder der Regierung ober Mitglie- ber bes Politbüros fein, bas bie wirklich beherr- fchenbe Autorität in Rußland ist, habet beharren, öffentliche Aeußerungen zurSchmähungEng- l a n b s ober zugunsten einer We11revolu - t i o n zu tun, ist keine Besserung möglich.
In ber Fortsetzung ber englischen Note an ben russischen Geschäftsträger wirb u. a. barauf hingewiesen, daß ber frühere Geschäftsträger in ßonbon, Krassin, zwar zu wiederholten Malen es als ben Wunsch ber Sowjetregierung bezeichnet habe, freunbschaftliche Beziehungen mit Englanb herzu- ftellen, daß er aber gleichzeitig an bem Felbzug ber Verleumbung gegen Großbritan- nien teilgenommen habe. Die Note roenbet sich bann gegen bie „fixe Idee, unter ber Herr Tschitscherin unb viele feiner Kollegen leiben", baß Großbritannien beschäftigt fei, Komplotte gegen Rußlanb zu schmieben unb erhebt Einspruch gegen bie übelwollende Parteilichkeit, mit der die Sowjetbehörden tendenziöse Nachrichten und falsche Gerüchte über die englischen Absichten zur Stütze ihrer Politik machten. Die englische Regierung halte es für notwendig, Rußland nachdrücklichst darauf hinzuweisen, daß die Fortsetzung von Handlungen, wie die, über bie hier Beschwerbe geführt werbe,früher ober später bie Aufhebung des Hanbelsabkommens unvermeidlich machen müsse, besten Bestimmungen so offenkundig verletzt worden sind unb baß ebenso bie Lösung ber gewohnten biplomatischen Beziehungen eintreten müsse. Die Note enthält bann noch einen Anhang mit Auszügen aus englanbfeinblichen Reben ber führenden Bolschewisten unb aus Artikeln ber „Jswestija'.
Englische Bläfferffimmen.
rotb. London, 24. Febr. (Eig. Funkm.) Die Kommentare ber Morgenpresse zur britischen Protestnote an Rußlanb stimmen insofern überein, als keinsberBlättererwartet, baß sie e i n e Aenberung in ber Haltung ber Sowjet-Regierung herbeiführen wirb. Die Klugheit bes Schrittes wirb von dem Arbeiterblatt „Daily Herald" bestritten, von ben liberalen Blättern angezweifelt unb von ben konservativen Zeitungen hervorgehoben. „Daily Mail" ist bas einzige Blatt, bas bie Note nicht scharf genug findet.
Zur Lage in Schanghai.
Die beiden chinesischen Kreuzer, die am Mittwoch abend Schanghai beschossen haben, sind, nachdem die Besatzungen sich vorher in Sicherheit gebracht hatten, von den Suntschuansang unterstehenden Lokalbehörden in Besitz genommen worden. Wie verlautet, hat zum mindesten eine Granate in der internationalen Niederlassung eingeschlagen, die aber nicht explodiert ist. Die Hinrichtungen in ber Eingeborenenstadt haben ab genommen, jedoch verlautet, daß im chinesischen Hauptquartier zahlreiche Hinrichtungen im geheimen ftattfinben. 30 000 Fabrikarbeiter haben bie Arbeit wieber aufgenommen.
Ende des Streiks.
rotb. London, 24. Febr. (Eig. Funkm.) Reuter meldet aus Shanghai, der Streik ist beendet. Die chinesischen Behörden haben Agenten in die französische Konzession entsandt, die ohne Misten der französischen Polizei eine große Anzahl von Streiksührern gefangen nahmen.
* Parlamentarischer Abend beim Reichstags- Präsidenten. Der Reichstagspräsident und Frau Löbe hatten zu Mittwoch abend Einladungen zu einem parlamentarischen Abend im Reichstagspräsidentengebäude erlassen, denen ungefähr 300 Personen Folge leisteten. Im Saufe des Abends erschienen Reichskanzler Dr. Marx, ber päpstliche Nuntius Paeelli unb der österreichische Gesandte Dr. Frank. Außerdem waren u. a. mehrere Reichsminister, preußische Staatsminister, zahlreiche Mitglieder des Reichsrats, der Reichspressechef, ber Rektor ber Universität Berlin, zahlreiche Mitglie- ber bes Reichstagspräsibiums sowie viele Abgeordnete ber verschiedenen Parteien erschienen.
* Vertrauensvotum für die belgische Regierung. Die Kammer nahm mit 119 gegen 5 Stimmen bei 10 Enthaltungen eine Tagesordnung an, in der ber Regierung als Abschluß ber Debatte über bie Geltungsbauer des Ermächtigungsgesetzes bas Vertrauen ausgesprochen wirb.
* Ministerrat in Warschau. Der Minister.«, hat am Mittwoch beschlossen, ben Exporttarif für Polen herabzusetzen. Es wurde auch der Antrag des Finanzmittisters angenommen, daß die Herrschaft Krotoschin des Fürsten Thurn unb Taxis vom parlamentarischen Staat übernommen werben soll.