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Anzeiger für die Stadt und den Kreis Fulda. AmkNches Krelsblakl.

Freitag, 25. Februar 1927.

Nr. 46.

8n|eigen«Bteife: Aleingeüt (Colonel) lokal 0,15 JUL, auswärts 0,20 XJl. ReHomeieilet total 0,60 JUt, 'Infam R4 auswärts 0,80 JUL Ve« SBlebetboIuttflen 8U6ett JUlJiy. CPt.

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Bevorstehender Rücktritt Selloggs Aus -Washington wird gemeldet: Hier sind erneut Ge­buchte im Umlauf, daß der Gesundheitszustand des Staatssekretärs Kellogg ihn zu seinem baldigen «ucktritt veranlassen dürfte.

Weltwirtschastrkonseren;.

Am 4 Mai dieses Jahres soll in Gens die vom Völkerbund einberufenc Weltwirtschaftskonserenz zusammentreten, für die die Vorarbeiten be- -eits in hobem Maße geleistet worden sind. Diese Konferenz hatte bereits ein Vorbild in der Son- (erenz von Genua, die im Sommer 1922 zu- ammengetreten war. Auch hier standen die welt­wirtschaftlichen Fragen im Vordergründe. Sie konnten ober nicht vernünftig besprochen werden, weil auf Verlangen des französischen Ministerprä­sidenten Poincare das dringlichste Finanz- und Wirtschaftsproblem der damaligen Zeit, die Re- parationssrage, nicht zur Erörterung kommen durfte. Die bevorstehende Konferenz in Genf wird sich von der in Genua vor allem dadurch unter­scheiden, daß ihre Mitglieder keine beauftragten und verantwortlichen Politiker sind, sondern von den Regierungen ernannte Wirtschaftssach­verständige, die ohne Regierungsinstruktion stimmen sollen. 3m ganzen dürfte die Konferenz etwa 250 Delegierte beisammen sehen. Jedes Land soll fünf Vertreter als die Repräsentanten der be­deutsamsten Wirtschaftsgruppen entsenden. Diese Sachverständigen werden nicht in dem Maße an politische Rücksichten gebunden fein, wie die De­legierten der Konferenz von Genua, besonders dann nicht, wenn sie ihren Aufgabenbereich mög­lichst eng abgrenzen. Von einer solchen Beschrän­kung aus die nächsten Möglichkeiten weltwirtschaft­lichen Fortschrittes wird überhaupt das Gelingen dieser Konferenz abhängen.

Ihre Aufgabe ist allgemein dahin zu kennzeich­nen, daß sie eine Etappe bilden soll auf dem Wege der Anpassung des Wirtschaftslebens an die mo­dernen Bedingungen der internationalen Zusam­menarbeit, auf daß der wirtschaftliche Frieden und damit letzten Endes auch der politische Frieden gesichert werden. Reden allgemeiner Art dürften die Besprechungen einleiten, worauf dann die Kom­missionen ernannt werden, die die näheren Richt­linien für die Einzelberatungen entwerfen. Die ganze Konferenz soll beratenden Charakter tragen. Ihre Empfehlungen an die Regierungen werden sich auf wohlgemeinte Ratschläge beschränken.

Bei den vorbereitenden Arbeiten hat sich vor allem die Frage der H a n d e l s f r e i h e i t in den Vordergrund gedrängt, ein Begriff, der den sou­veränen Eigenwillens der Staaten lehr nahe be- ruhrt. Obwohl der Nationalismus der Einzel - Itaaten bei allen Völkern starke Widerstände fin­det, die bereits zu einer weitgehenden Ausmerzung der staatlichen Ein- und Ausfuhrverbote gefiihrt haben, ist der eng-nationale Gesichtspunkt bei der Aufstellung der Zolltarife und Handelsverträge

®Je ,D.or ausschlaggebend geblieben. Es han- delt sich hier um eine europäische Krankheit, die geheilt werden muß, soll sich das System der Schutzzölle mit der ins Unermeßliche anwachsenden Zahl von Einzelpositionen des Handels nicht ins Unmögliche auswachsen. Die Wertzölle, das Dum- plng, die staatlichen Subiden, sind weitere Fragen, die im Bereiche der internationalen Beziehungen heutzutage eine große Bedeutung haben und auf der Genfer Konferenz zur Sprache kommen müs- Jen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Problem der internationalen Kartelle, die einen wachsenden Umfang annehmen. Gewisse Vorteile dieser inter- nationalen Konventionen liegen auf der Hand. Sie gestatten eine rationelle Sparsamkeit und eine er­sprießliche Ordnung der Produktion. Die Metho­den ihrer Arbeitsweise werden sich weiter ent­wickeln, wobei vorausgesetzt werden muß, daß sich nicht, alle Industrien zu solchen internationalen Vereinbarungen eignen. Natürlich sind auch Ge­fahren vorhanden, unter denen vor allem der Kon- sument leiden kann, so in der Monopolisierung und Preistreiberei, die eine staatliche Ueberwachung not- menbig machen. Cs ist anzunehmen, daß sich die Weltwirtschaftskonferenz mit dem Verhältnis sol- ,7e£ internationaler Konventionen zu den Staaten 2^° l^r.en Souveränitätspflichten und Souveräni- SnfwÄ»bJ!falfcll Man betont schon die 'rnt^Hnn.V ' b£6 stch die Wirtschaft mit ihren beHnternatinnor^ar^n?0ffnunflen ""glichst von dak hio 1^nL°(noren Diplomatie loslöse und glaubt, offeneVS-”3 ben Staaten empfehlen wird ?u ber SÄ”?6*1. 3*n den Produzenten m fördern Lnh^ 3°nto[en Jndustrieqruppen

Si e FSbeanü^ feJbft mit einer klugen Kon- zuMeden sein damit aber die Politik

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Man wird gut daran tun mit* ® - vom 4. Mai nicht allzu große binden. Es ist möglich, daß sie eintaen formulierten Vorschlägen kommt, es wird aber kaum erwartet werden können, daß ihr L den Regierungen Europas und ber übriaen Vnn ttnente ohne weiteres befolgt wird. Es nihf Kreise, welche diese Konferenz dazu benutzen mSrfv *en, weitzielende Idealformen der europäischen Wirschaft zur Derwirklichung vorzulegen. Die ^deen der Paneuropa-Bewegung werden sicherlich erneut erörtert werden. Es ist aber auch sicher, daß sich die Konferenz selbst mit solchen Uto- p'en nicht befassen, sondern die Evolution der Re­volution vorziehen wird. Im übrigen ist es au* »ervrdentlich begrüßenswert, daß sich der Völker­bund so intensiv der weltwirtschaftlichen Probleme annimmt Sie sind tatsächlich der Angelpunkt des Weltfriedens.

Zoll- und Handelsprobleme.

Staatssekretär Trendelenburg über die Gefahr des Wirtschaftsnationalismus.

Staatssekretär Dr. Trendelenburg hielt in der volkswirtschaftlichen Gesellschaft zu Basel einen Vortrag über zoll- und handelspoli­tische Probleme. Nach einer kurzen Darstellung der industriellen Entwicklung in der Vorkriegszeit und der damaligen Stellung Europas in der Welt­wirtschaft wies Dr. Trendelenburg insbesondere auf das Umsichgreifen des wirtschaftlichen Nationalismus hin, der sich in erster Linie in einer scharfen Erhöhung der Zollsätze für in­dustrielle Fertigwaren zeige. Gleichzeitig habe die Differenzierung der Zolltarifposi­tion e n in erschreckendem Maße zugenommen. Allerdings sei die Höhe der Zollsätze allein kein zuverlässiger Maßstab für die Stärke des Protek­tionismus der einzelnen Ländern, mindestens von der gleichen Bedeutung sei die Methode der Zoll­erhebung, die in manchen Ländern liberal, in an­deren jedoch sehr handelshinderlich geregelt sei. Dr. Trendelenburg schloß: Die Weltwirtschafts­konferenz findet ein Problem vor, dessen Lösung besonders schwierig ist. Immerhin ist der gegen­wärtige Zustand der internationalen Zoll- und Handelspolitik so unbefriedigend, daß man von einer freien Aussprache freier Persönlichkeiten, wie sie das Programm der Weltwirtschaftskonferenz vorsieht, gewiß einen Fortschritt erwarten kann.

Das neue 5lrbeitszeitgesetz.

Der Gesetzenlwurf zur Abänderung der Arbettszeilnol- oerordnung dem Reichsrai vorgelegt.

Die Reichsregierung hat nunmehr den Entwurf eines Gesetzes zur Abänderung der Arbeitszeit- verordnung (Arbeitszeitnotgesetz) dem Reichs­rat vorgelegt. Der vorläufige Reichswirtschaftsrat ist in Rücksicht auf den nur vorläufigen Charakter der Regelung und aus die große Eilbedürftigkeit mit dem Gesetzentwurf nicht befaßt worden.

Inhaltlich bringt der Gesetzentwurf eine Abänderung der geltenden Arbeitszeitverordnung in denjenigen Punk­ten, die besonders zu Klagen über zu lange Arbeitszeiten Anlaß gegeben haben. Zu § 6 der Arbeitszeitverord­nung wird vorgeschrieben, daß nach Wegfall eines Tarif­vertrages die Behörde noch während dreier Monate keine längere Arbeitszeit genehmigen kann, als sie nach dem Tarifverträge zulässig war. Ferner wird für behördlich zugelasiene Mehrarbeit von Arbeitern ein angemesiener Lohnzuschlag vorgeschrieben, um auf diese Weise entbehr­licher Mehrarbeit entgegenzuwirken. Eine Aenderung des § 9 macht die Verlängerung der Arbeitszeit über zehn Stunden hinaus, die aus dringenden Gründen des Gemeinwohles ausnahmsweise zulässig ist, von einer behördlichen Genehmigung abhängig, während bisher dem Ermessen der Beteiligten nach dieser Richtung freier Spielraum gelassen war. Die wichtigste der im Entwurf vorgesehenen Aenderungen ist wohl die Aufhebung des if 11 Absatz 3 der Arbeitszeitverordnung, der eine an sich ungesetzliche, aber von den Arbeitnehmern freiwillig ge­leistete Mehrarbeit unter gewissen Voraussetzungen für straffrei erklärt. Diese Bestimmung hat die Durchführung der Arbeitszeitvorschriften ungünstig beeinflußt und ist unter den heutigen Verhältnissen nicht mehr haltbar.

AcheWlitW Wirkung

Aus Rom wird uns von einer besonderen Seite geschrieben:

Die italienischen Liktoren-Anleihe ergab bekannt­lich folgende Ziffern: Die Zeichnungen im König­reiche selbst hatten nominell 2 475 790 000 Lire, und effektiv 2164 573 250 Lire. Da in Raten­zahlungen die Zeichnungen von weiteren 601 174 000 Lire angemeldet worden sind, beträgt der nominelle Zeichnungserfolg 3 074 972 000 Lire, oder der effektive Erfolg 2 367 036 250 Lire. Zu dieser Summe sind noch die Zeichnungen im Aus­lande hinzuzufügen, die noch nicht beendet sind. Diese Ergebnisse haben besonders in Iugosla- d i e n nicht unbedeutendes Aufsehen erregt Der italienische Finanzminister habe zwar erklärt» — sagt man in Belgrad — er brauche das Geld für die innere wirtschaftliche- und Währungskonsoli­dierung, doch wisse man, daß Italien zur Konsoli­dierung der Lire die Morgan-Anleche im Betrag von 100 Millionen Dollar erhalten habe, außer­dem habe die italienische Industrie große Kredite in Amerika erhalten, schließlich "sei es Äallen ge­lungen, seine Kriegsschuld an Amerika und Eng­land auf 80 Prozent herunterzudrücken und auch diese Zahlungen auf zehn Jahre zu verschieben. Wozu also das viele Geld? Ohne Zweifel habe es rein politischen und militärischen Zwecken zu dienen; seinerzeit führte Mussolini an der Spitze feiner Schwarzhemden den „Vormarsch gegen Rom", ob jetzt wohl nicht ein „Vormarsch aus Rom" stattfinden solle; in welcher Richtung? Nach Westen, Osten oder Süden--?

So denkt man in Belgrad und wird in dieser Ansicht verstärkt, als man wissen will, daß in einer Zentralkonferenz der „Mazedonier" unter dem Vorsitz des Generals Protegerow Unruhen in Südserbien für Anfang April beschlossen wur­den, daß Vertrauensleute nach Tirana und Rom entsandt wurden, und daß Protegerow selbst sich in Rom aufgehalten haben soll. Dennoch kann festgestellt werden, daß sich Belgrad gerade gegen­über diesen letzten Gerüchten kaum besorgt zeigt. Man wertet sie als Druckversuche Roms, ist fest entschlasftn, jede Unruhe im Keim zu ersticken und hat für die vielfach behauptete Einkreisung an nerantroortli(f)er Stelle nicht mehr als ein Lächeln ™ dem man zu erkennen gibt, daß das hefte Mittel, das Jugoslawen gegen Einkreisungs­versuche zur Verfügung stehe, die juaoslavische Armee fei, Me allein durch ihr Dasein die Nach­barn von solchen Exverimenten abhalte.

Abgelebte IRifjtrauensanträge.

Der preußische Landtag lehnte am Mittwoch dos kommunistische Mißtrauensvotum gegen den Wohlfahrtsminister Hirtsiefer mit 224 gegen 4 7 Stimmen ab. Dafür stimmten Kommuni­sten und Völkische, die Deutschnationalen enthielten sich der Abstimmung. Die Deutsche Volkspartei stimmte mit, gab aber Karten auf Enthaltung ab. Auch das kommunistische Mißtrauensvotum gegen den Kultusminister Becker wurde mit 210 gegen 194 Stimmen abgelehnt. Dagegen stimmten die Regierungsparteien, die übrigen Parteien, also Kommunisten, Deutschnationale, Völkische und Deutsche Polkspartei dafür.

Die Beratung der Gesetzentwürfe, die die Groß-Hamburg-Frage betreffen, wurde in dieser Sitzung mit einer längeren Rede des Mi­nisterpräsidenten Braun eingeleitet, in der er gegen die Rede des Hamburger Bürgermeisters Petersen in dieser Frage polemisierte und erklärte, es handle sich nicht darum, Hamburg in Preußen einzuoerleiben, sondern um Hamburgische Expan­sionsbestrebungen gegen Preußen zurückzuweisen. Nach längerer Aussprache wurde die Vorlage einem besonders gebildeten Groß-Hamburg- Au s s ch u ß überwiesen.

Nachdem noch der Entwurf über die neue Grund- und Gebäudesteuer dem Hauptausschuß überwiesen worden war, setzte das Haus die Be­ratung des Haushalts der landwirtschaftlichen Ver­waltung fort und vertagte sich dann auf Don­nerstag.

Reichstag.

Der Reichstag fetzte am Mittwoch die zweite Le­sung des Haushalts 1927 beim Etat des Reichs- justizministeriums fort. Von den Rednern, die je nach ihrer Parteistellung Lob oder Tadel über die deutsche Rechtspflege ausdrückten, behaup­tete der Kommunist Dr. Rofenberg, daß die Kom­munisten nur wegen ihrer Uebergeugung verurteilt würden. Demgegenüber erklärte Staatssekretär Joel, das Reichsgericht trete den Kommunisten durchaus vorurteilslos gegenüber. Kein Staat könne aber dulden, daß an feinem eigenen Ruin gearbeitet werde. Am Donnerstag wird die Etats­beratung fortgesetzt.

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Die Besprechung im Auswärtigen Au sschuß über die Frage der russischen M u- nitionslieferung an die Reichswehr ergab nach her „lägt. Rundschau", daß es sich um weit zurückliegende Munitionsbestellungen handelt. Daß man damals die Bestellungen in Rußland auf­gab, hangt wohl mit der seinerzeit herrschenden Un­sicherheit der innerdeutschen Verhältnisse zusam­men. Ausgeführt wurden die Bestellungen erst in späteren Jahren, und die letzten Abnahmen sind erst im vorigen Jahre erfolgt. Gegen den Versail­ler Vertrag wurde mit der Abnahme der Lieferun­gen in keiner Weise verstoßen. Die Kontrollkom­mission hat die Abnahme nicht beanstandet. Ir­gendwelche außenpolitische Folgerungen können also aus der Angelegenheit nicht erwachsen.

Ker italienischen Anleihe.

Andererseits aber lege es der jugoslavischen Außenpolitik wieder offen, die Nachbarstaaten dar­auf hinzuweifen, daß sie nur als Prellbock einer Politik fremder Interessen gebraucht würden und daß sie fallen gelassen würden, wenn sie ihre Auf­gaben hätten.» Mit Rumänien bestünden durchaus herzliche Beziehungen und denke Rumänien nicht daran, die beiden Staaten durch die kleine En­tente verbindenden Beziehungen zu lockern. Bezüg­lich Ungarn verweist man darauf, daß einseitige Orientierung Ungarns nach Rom lediglich ein Fest- ziehen der prohibitiven kleinen Ententeverträge be­deuten würde, was sonach Ungarn kaum zum Vor­teil gereichen könne; würden sich jedoch die ge­planten ungarisch-italienischen Besprechungen wirk­lich bloß um die Freizone Fiume drehen, so führe der Weg eben über Jugoslawen. Auch mit Grie­chenland werde man zu einem Abkommen gelan­gen; man wisse, daß Churchill anläßlich seines Aufenthaltes in Athen ein Entgegenkommen Eng­lands in der Frage griechischer Kriegsschulden zü- gefagt habe; man wisse, daß eine neue englische Marmekommistion für See- und Luftfahrkräfte in Athen ein getroffen sei, deren Verträge bis März 1929 liefen; man wisse, daß England Italien den Vortritt am Balkan überlassen habe; doch wisse man auch, daß sich Iugoslavien bereit erklärte, die unter der Regierung Pangalos abgeschlossenen Sa­loniki- und Gevgheli-Konventionen in freunbschaft- sichern Sinn neuerlich zu prüfen, um die baldige Ratifizierung dieser Konventionen der griechischen Kammer zu ermöglichen. Damit aber ergebe sich von selbst eine Annäherung an Griechenland, die den Treibereien der Mazedonier ein Gegengewicht entgegenstelle, das stets noch verfangen habe. Im übrigen vertraue man auf die Loyalität und den gesunden Menschenverstand Piaptschews. der sich entschieden gegen die so oft verunglückte Politik der Mazedonier stellt und auch dem Werben Ita­liens sehr skevtisch gegenüberstehe. Im Zusammen­hang damit sind auch die diplomatischen Revire­ments bemerkenswert, die Belgrad in der letzten Zeit vorgenommen oder über sich ergehen ließ. Jedenfalls sieht man in den Kreisen, die mit dem Belgrader Außenamt gute Fühlung haben, der Entwicklung mit Zuversicht entgegen und gibt der Ansicht Ausdruck, daß am Ende dieser politischen Kreuz- und Ouerzüge eine volle Bereinigung oller zwischen Belgrad und Rom schwebenden Fragen zu erwarten fein werde.

Englische Note an Rußland.

Die am Mittwoch überreichte Note Chamber« Iains an den russischen Geschäftsträger in Lon­don erklärt, daß die Beziehungen Groß­britanniens und Rußlands weiter­hin notorifch unbefriedigend sind. Die Note erinnert daran, daß am 4. Juni 1923 die Sowjetregierung sich durch eine Vereinbarung for­mell verpflichtet hat, in keiner Form Personen oder Körperschaften zu unterstützen, die Unzufriedenheit ober revolutionäre Bewegungen innerhalb des bri­tischen Reiches hervorzurufen suchen und daß die britische Regierung Macdonald im Oktober 1924 bereits sich veranlaßt gesehen hat, diese Ab­machung der russischen Regierung warnend in Erinnerung zu rufen, sowie daran, daß auch Cham­berlain sich mehrfach veranlaßt gesehen habe, den Sowjetoertreter auf Verletzungen dieser Abmachun­gen hinzuweisen. Solange die augenblicklichen Herrscher der Sowjetunion, so fährt die Note fort, mögen sie Mitglieder der Regierung ober Mitglie- ber bes Politbüros fein, bas bie wirklich beherr- fchenbe Autorität in Rußland ist, habet beharren, öffentliche Aeußerungen zurSchmähungEng- l a n b s ober zugunsten einer We11revolu - t i o n zu tun, ist keine Besserung möglich.

In ber Fortsetzung ber englischen Note an ben russischen Geschäftsträger wirb u. a. barauf hinge­wiesen, daß ber frühere Geschäftsträger in ßonbon, Krassin, zwar zu wiederholten Malen es als ben Wunsch ber Sowjetregierung bezeichnet habe, freunbschaftliche Beziehungen mit Englanb herzu- ftellen, daß er aber gleichzeitig an bem Felbzug ber Verleumbung gegen Großbritan- nien teilgenommen habe. Die Note roenbet sich bann gegen bie „fixe Idee, unter ber Herr Tschit­scherin unb viele feiner Kollegen leiben", baß Großbritannien beschäftigt fei, Komplotte gegen Rußlanb zu schmieben unb erhebt Einspruch gegen bie übelwollende Parteilichkeit, mit der die Sowjet­behörden tendenziöse Nachrichten und falsche Ge­rüchte über die englischen Absichten zur Stütze ihrer Politik machten. Die englische Regierung halte es für notwendig, Rußland nachdrücklichst darauf hin­zuweisen, daß die Fortsetzung von Handlun­gen, wie die, über bie hier Beschwerbe geführt werbe,früher ober später bie Aufhebung des Hanbelsabkommens unvermeidlich machen müsse, besten Bestimmungen so offenkundig verletzt worden sind unb baß ebenso bie Lösung ber gewohnten biplomatischen Beziehungen eintre­ten müsse. Die Note enthält bann noch einen An­hang mit Auszügen aus englanbfeinblichen Reben ber führenden Bolschewisten unb aus Artikeln ber „Jswestija'.

Englische Bläfferffimmen.

rotb. London, 24. Febr. (Eig. Funkm.) Die Kommentare ber Morgenpresse zur britischen Pro­testnote an Rußlanb stimmen insofern überein, als keinsberBlättererwartet, baß sie e i n e Aenberung in ber Haltung ber Sow­jet-Regierung herbeiführen wirb. Die Klug­heit bes Schrittes wirb von dem Arbeiterblatt „Daily Herald" bestritten, von ben liberalen Blät­tern angezweifelt unb von ben konservativen Zei­tungen hervorgehoben. „Daily Mail" ist bas ein­zige Blatt, bas bie Note nicht scharf genug findet.

Zur Lage in Schanghai.

Die beiden chinesischen Kreuzer, die am Mitt­woch abend Schanghai beschossen haben, sind, nachdem die Besatzungen sich vorher in Sicherheit gebracht hatten, von den Suntschuansang unter­stehenden Lokalbehörden in Besitz genommen wor­den. Wie verlautet, hat zum mindesten eine Gra­nate in der internationalen Niederlassung einge­schlagen, die aber nicht explodiert ist. Die Hin­richtungen in ber Eingeborenenstadt haben ab ge­nommen, jedoch verlautet, daß im chinesischen Hauptquartier zahlreiche Hinrichtungen im gehei­men ftattfinben. 30 000 Fabrikarbeiter haben bie Arbeit wieber aufgenommen.

Ende des Streiks.

rotb. London, 24. Febr. (Eig. Funkm.) Reu­ter meldet aus Shanghai, der Streik ist beendet. Die chinesischen Behörden haben Agenten in die französische Konzession entsandt, die ohne Misten der französischen Polizei eine große Anzahl von Streiksührern gefangen nahmen.

* Parlamentarischer Abend beim Reichstags- Präsidenten. Der Reichstagspräsident und Frau Löbe hatten zu Mittwoch abend Einladungen zu einem parlamentarischen Abend im Reichstagsprä­sidentengebäude erlassen, denen ungefähr 300 Per­sonen Folge leisteten. Im Saufe des Abends er­schienen Reichskanzler Dr. Marx, ber päpstliche Nuntius Paeelli unb der österreichische Gesandte Dr. Frank. Außerdem waren u. a. mehrere Reichs­minister, preußische Staatsminister, zahlreiche Mit­glieder des Reichsrats, der Reichspressechef, ber Rektor ber Universität Berlin, zahlreiche Mitglie- ber bes Reichstagspräsibiums sowie viele Abgeord­nete ber verschiedenen Parteien erschienen.

* Vertrauensvotum für die belgische Regierung. Die Kammer nahm mit 119 gegen 5 Stimmen bei 10 Enthaltungen eine Tagesordnung an, in der ber Regierung als Abschluß ber Debatte über bie Gel­tungsbauer des Ermächtigungsgesetzes bas Ver­trauen ausgesprochen wirb.

* Ministerrat in Warschau. Der Minister.«, hat am Mittwoch beschlossen, ben Exporttarif für Polen herabzusetzen. Es wurde auch der Antrag des Finanzmittisters angenommen, daß die Herr­schaft Krotoschin des Fürsten Thurn unb Taxis vom parlamentarischen Staat übernommen werben soll.