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Verlage zur Fuldaer Zeitung

Für unsere Frauenwelt.

Nr. 45 vom 24. Februckr 1927.

heilige Ehe!

Don Hanns Herbert Vesper- Erfurt.

Cs ist von mir zu dir ein wunderbares Schreiten

In dieser Tage arbeitsreichem Land,

Es ist von mir zu dir ein feltg-stilles Gleiten

An unsrer Nächte goldnen Sterncnstrand.

Wir wandern wie Erwählte durch Zeit zur Ewigkeit, Wir segnen unsre Freude und segnen unser Leid.

von privatschulen.

Die große Anzahl von Privatschulen, die einen we­sentlichen Anteil an der Bildung katholischer Mädchen trägt, steht in Schulfiagen stark im Mittelpunkt des In­teresses. Es ist darum zu verstehen, daß immer wieder in den Parlamenten Einzelgebiete dieses großen Fragen­komplexes zur Diskussion stehen. Ein viel umstrittener Gegenstand ist die private Vorschule, vor allem ihr in Aussicht stehender Abbau. Nach dem Grundschul- gesetz der Reichsoerfassung sollen alle Kinder die ersten vier Schuljahre die Grundschule durchlaufen. Infolge- dessen bestehen an öffentlichen höheren Schulen seit eini- ger Zeit keine sog. Vorschulklassen mehr. Die Privat­schulen ledoch erhielten die Genehmigung, diese Klassen noch bis zum Beginn des Schuljahres 1929 3U führen. Mit dem Abbau dieser Klassen werden na­turgemäß eine Reihe Lehrkräfte brotlos. Es handelt sich dabei im wesentlichen um Oberschullehrerin,,en, die wegen der Akademisierung der Lyzeen einerseits und des großen Lehrerüberflusses für Volksschulen anderer­seits nur sehr geringe Aussicht auf Wiederbeschäftigung haben. Es würde eine große Härte bedeuten, wollte man diese Lehrkräfte, die doch nicht penstonsberechtigt im Sinne einer staatlichen oder städtischen Pensionierung sind, ohne jede Entschädigung aus dem bisherigen Dienst entlassen. Da sie aber auch in den Privatschulen für die Allgemeinheit gearbeitet haben, müßte die Allgemeinheit — also der Staat — für ihre weitere Versorgung auf­kommen.

Die Schulen selbst haben durch den Abbau der Vor­schule aber gleichfalls einen finanziellen Nachteil. Viel­fach helfen die Unterklassen, für die ja geringere Aus­gaben bestehen, das Defizit der Oberklassen decken. Rech­nerisch kann der Gesamtausfall dieser Abbauverordnung nicht genau ermittelt werden. Das würde sich erst fest- stellen lassen, wenn die Klassen bereits einige Jahre aus dem Gesamtbild dec Schule verschwunden wären. Privat- schulen. in denen der Abbau bereits seit einigen Jahren vollzogen ist, klagen jedenfalls zum Teil sehr über die schwierige finanzielle Lage, in die sie dadurch tarnen.

Aus diesen Gesichtspunkten heraus ist es zu verste­hen, daß am 10. November 1925 das Zentrum, das ja stark auch für die Erhaltung der Privatschulen ein­tritt, im Reichstag den Antrag stellte, man möge mit dem Abbau der Vorschulen so lange warten, bis die in Paragraph 2 Abs. 2 Saß 3 des Reichsgesetzes vorgese­hene Entschädigung der Lehrkräfte und der Unterhalts­träger an privaten Vorschulen geregelt und durchgeführt sei.

Dieser Antrag wurde am 27. Januar 1927 ange­nommen als »Gesetz zur Aenderung des Reichsschul­gesetzes . . .*

Sein Wortlaut ist im wesentlichen folgender:

»Für private Vorschulen und Vorschulklassen gelten die gleichen Vorschriften, doch kann da, wo eine baldige Auflösung oder ein baldiger Abbau erhebliche wirtschaft­liche Härten für die Lehrkräfte oder die Unterhaltsträger mit sich bringen würde, oder aus örtlichen Gründen untunlich ist, die völlige Auflösung aufgeschoben werden.

Ergeben sich durch den Abbau erhebliche wirtschaft­liche Härten für Lehrkräfte oder die Unterhaltsträ­ger, so ist aus öffentlichen Mitteln eine Entschädigung ZU gewähren oder durch sonstige öffentliche Maßnah­men ein Ausgleich zu schaffen."

Bevor diese gesichert sind, dürfen Abbau oder Auf­lösung nicht erfolgen.

Das Gesetz trat am 1. Februar 1927 in Kraft. Die Bereitstellung der öffentlichen Mittel und die Entschei- düng werden nun Sache der Länder sein. Preußen hat bereits die Vorarbeiten dafür geleistet. Dement­sprechend sind auch die Anträge an die Länder zu richten.

Um die Stellung der Lehrkräfte an Privatschulen überhaupt zu regeln, wird weiterhin nachdrücklich ver- langt, daß ihr dienstliches Verhältnis zu ihrer Schule auf gesetzlichem Wege zu regeln sei, die bisherigen Schritte der Reichsregierung in dieser Frage können nicht als ausreichend bezeichnet werden. Es wäre im Interesie der Erziehung unserer Mädchen und der ruhi- gen Entwicklung der Privatschulen zu wünschen, daß auch in dieser Frage bald eine glückliche Lösung gefun­den würde. R. P.

Die amerikanischen Frauen!

Bu61 und Anstrich. — Tollelke. — Tanzen. — Auftreten in der Oeffentlichkeik.

Don Dr. Paul W e i l b ä ch e r.

Unsere deutschen Damen wollen auch etwas über ihre Geschlechtsgenossinnen von jenseits dem großen Wasser hören. Wer dürfte da widerstehen?

Also — um die Hauptsache vorweg zu nehmen: Den Bubi tragen sie drüben alle. Ob sich draußen auf dem Land jenseits des Mississippi, wo neben vielen modernen Florftrümpfen hie und da noch ein bäfttger Wollstrumpf in einem derben Lederschuh erschien, unter etnem weniger modernen Frauenhut sich auch noch der eine oder andere Zopf verbarg, vermochte ich nicht zu ergründen. Was ich gesehen habe, war immer nur kurz geschnittenes Haar, selbst bei den Farmersfrauen.

Nur ein einziges Mal in Chikago begegnete ich einer hingen Dame, der prachtvolle goldglänzende Locken über di° Schultern fielen Aber fie trug auch eine Musik- mappe und war wohl Künstlerin, füllt also nicht unter die gewöhnliche Menschheit.

Was ich sonst gesehen habe, war stets nur kurz geschnittenes Haar. Bei den älteren Damen regelmäßig der gewöhnliche „Bubi", in Nackenhöhe horizontal abge­schnitten und je nach Fügsamkeit des Haares schlicht anliegend oder auch öfter recht bauschig und wirr sich in die Breite spreizend. — Bei jüngeren Damen sah jH «ruch vielfach den richtigen Herrenschnitt, öfters mit einer Konsequenz durchgeführt, daß man aus Gesicht und Haar nicht entscheiden konnte, ob man ein (Bit! ober einen jungen Mann vor sich habe.

Die Damen reden auch gern darüber, mehr noch als Ober die Toilette. So oft ich eine neue Bekanntschaft machte, wurde ich gefragt, ob auch die deutschen Damen kurzes Haar trügen. Ich konnte erwidern, daß es in den Großstädten, besonders bei den Kindern und den Künstlerinnen anfange, sich aber sonst noch wenig ein» geführt habe.

»Ob auch meine Töchter Kurzhaar trügen?"

»Das hat noch keine gewagtl"--

»In Amerika aber wird es bleiben,“ so wurde mir

«widert. ...... ...

Das neue Milchverkehrsgesetz.

Eines der vielseitigsten und bekömmlichsten Nah­rungsmittel ist bekanntlich die Milch. Sie enthält die wichtigsten Lebensstoffe Eiweiß, Kohlehydrate und Fett in besonders leicht verwertbarer Form. Außerdem aber besitzt Frischmilch, besonders wenn sie von Weidekühen gewonnen ist, noch die bedeutsamen antirachitischen Vita- Mine, die unseren Kindern Wachstum und Gesundheit sichern. Immer mehr kommt man zur Auffassung, daß rohe Milch an sich der gekochten vorzuziehen wäre. Aber da mit dem Genuß roher Milch gewisse Gefahren, namentlich die der Typhus- und Tuberkuloseübertra- gung verbunden sind, werden sich die meisten Verbrau­cher für die kurz ausgekochte und schnell gekühlte Milch entscheiden. •

Immerhin aber ist es wichtig, daß dieses wertvolle Nahrungsmittel in gutem Zustande in die Hände der Verbraucher gelangt. Längst schon hat daher die Gesetz- gebung sich der Milch angenommen und namentlich ein gewisses Mindestmaß von Reinheit und von Fettgehalt verlangt. Aber die Prüfung erfolgte erst beim Verkäu­fer und war gelegentlich. Man hatte keine Handhabe, um einem unredlichen Milcherzeuger dauernd das Hand­werk zu Igen. Wohl stehen auf der vollendeten Tat der Milchfälschung beträchtliche Strafen, aber ein Ver­bot des Milchhandels gab es nicht. Während des Krie­ges ergingen die ersten Verordnungen über den Verkehr mit Milch. Sie wurden wiederholt geändert und sahen schon die Möglichkeit der Konzessionierung des Milch­handels vor. Nun wurde im Dezember v. 3s. vom Reichstag das Geefetz zur Regelung des Ver­kehrs mit Milch angenommen. Es stützt sich auf die früheren Verordnungen und gibt den Gemein­den über 50 000 Einwohnern das Recht, den Milchhan­del von einer besonderen Erlaubnis abhängig zu machen. Gemeinden unter dieser Einwohnerzahl bedürfen zu sol­chen Anordnungen der staatlichen Zustimmung.

Die Erlaubnis zum Milchhandel kann nunmehr ver­sagt werden, wenn u. a. der Antragsteller nicht die erforderliche Sachkenntnis ober Zuverlässigkeit besitzt, ober wenn seine Räumlichkeiten und Einrichtungen nicht den polizeilichen Vorschriften entsprechen. Gerade der letztere Grund ist außerordentlich wichtig, denn eine Milch, die nicht in sauberen, luftigen Räumen aufbe­wahrt wird, leidet nicht nur an Geschmack, sondern sie wird auch durch Aufnahme von schädlichen Bakterien gesiindheitsgefährlich.

Eine gewisse Sicherheit will das Gesetz der Käufer- schäft auch in bezug auf Käse geben, indem es den ober­sten Landesbehörden das Recht zuspricht, über den Fett­gehalt der einzelnen Arten und dessen äußere Kennzeich­nung Anordnungen zu treffen. Die Hausfrau geht bann sicher, ben Käse zu erhalten, besten Fettgehalt seinem Preis unb ihren Wünschen entspricht.

Älara Philipp, M. d. R.

Kronfte Kinder.

Die kann man sie beschäftigen.

Jetzt ist so richtig die Zeit, wo fast in jedem kinder­reichen Haus irgend ein kleiner Patient erkältet unb ‘«uftenb im Bett liegt unb getröstet unb unterhalten sein will. Das ist auch bie rechte Zeit, wo die Mutter sich auf die Märchen besinnt und auf allerlei kleine Gedulds­spiele, die sich in langer Praxis bewährt haben. Aber wir wissen doch alle: immer soll der kleine Kranke gar- nicht unterhalten werden, ja, es gibt sicher in der Ruhe einen ganz ausgesprochenen Heilfaktor, der sich, wenn bie eigentliche Erkrankung vorüber, zum besten bes Kin- bes auswirken soll, damit es, einmal zwangsweise auf sich angewiesen, bie für sein ganzes späteres Leben so wichtige Fähigkeit erwerben, nicht immer auf „Zerstreu­ung" unb „Anregung" zu warten. So sollte sich auch die besorgte Mutter manchmal daran erinnern, daß die erzieherische Beeinslussung auch in Krankheitszeiten ebenso wichtig sein kann, wie die rein körperliche Pflege. Wir wissen doch, wie nötig es ist „Geduld zu lernen", also nehmen wir solche Tage der Kinderkrankheit und besonders die langwelligen Stunden der Genesung als Lehrzeiten für unser Kind — und für uns selber: denn nichts kann man weniger ohne Beispiel lehren! Wenn wir erst mit der eigenen nervösen Unruhe und Ungeduld fertig sind, bann können wir auch unfern kleinen ringe- duldige Kranken viel bester beeinflußen.

Welche Beschäftigung sollen wir unferm kleinen Patienten nun geben? Kleine Kinder unter drei Jah­ren haben, auch wenn sie nicht krank sind, selten die Fähigkeit, längere Zeit ruhig an einem Spiel zu blei­ben. Da muß man also öfters für Abwechselung sor­gen: am beliebtesten werden einfache feste Lauklötzchen

„Es ist zu bequem, die Reinhaltung und Frisur zu sehr erleichtert, als daß noch jemand sich je wieder das Haar stehen lasten würde."

So lautete das Urteil, gegen das ich mit einem Hin­weis auf die bekannte Unbeständigkeit und Unberechen- barteit der Frauen-Mode kein Eindruck machen konnte. Also müssen sich die deutschen Damen, welche schon ein Abnehmen der Bubikopsbewegung glaubten konstatieren zu können, einstweilen getröstet.

Ob zum Bubi auch das Schminken gehört? 3n Newyork unb Chicago sah ich die Damen fast aus­nahmslos in der scheußlichen Weise angestrichen, welche uns bei den Damen der französischen Besatzung so anekelte. In den anderen Städten war es weniger, aber auch noch genug. Fast nur die Schulkinder und ganz alte Weibchen waren davon frei — und die Siege­rinnen. Für sie ist wohl die passende Farbe noch nicht erfunden, aber dafür behängen sie sich um so mehr mit goldenem und silbernem Zierrat, Steinen und Per­len — echten wie unechten.

Im übrigen will ich auch einen mildernden Umstand nicht verschweigen, den ein männlicher Amerikaner sei­nen Landsmänninnen zubilligte: Die Schminke soll nämlich die Haut schützen gegen den Kohlenstaub, der in der Tat die amerikanischen Städte — mit Aus­nahme der Bundeshauptstadt Washington, in der keine Fabrik geduldet wird — so schmutzig macht wie bei uns die verrufensten 3nbuftriegegenben. Die amerikanische Kohle rußt nämlich ungemein stark, und es wird Über­all, besonders auch auf der Eisenbahn, drauf los gefeuert, wie ich es fönst nicht gesehen habe, ohne Ruß­verbrenner und ohne Sparsamkeit. Das Material ist ja in Hülle und Fülle vorhanden.

Der zweite wichtige Punkt: die Toilette. Per­sönlich bin ich in diesem Punkte vielleicht etwas groß­städtisch und international abgebrüht und stand der Frage deshalb Anfangs allzu blasiert und gleichgültig gegenüber. Ich wurde für die Sache erst interessiert, als ich auf der Fahrt nach dem wilden Westen mit- einem deutschen Geistlichen ins Gespräch kam, und dieser sagte: „Finden Sie nicht, daß die Amerikanerinnen viel dezenter angezogen sind als unsere deutschen Mädchen und Frauen?" Ich stutzte etwas und sagte: »Sie haben

aus glattem Holz sein (farbige nur, wenn der Anstrich sicher farbecht und ungiftig ist!), die auf einem Tablet aufgestellt und bei ' einem normal-phantasiebegabten Kinde einfach alles vorstellen können. Die Mutter muß nur, wenn die gedachte Eisenbahn anfängt an Reiz zu verlieren, vorschlagen: „Nun hauen wir einen Stall" — und schon ist m.t dem Stichwort ein neuer Spiel begonnen.

Was geben wir dem älteren ,1tmb, wenn es noch nicht lesen kann ober doch nicht zu viel die Augen anstrengen soll? Die Auswahl ist hier leichter, dafür ist aber die Phantasie nicht mehr so rege. Hier find all die alten Geduld- und Geschicklichkeitsspiel.', am Platz: Ab- ziehbilder, Ausschneidebogen, Falt- "unb Legespiele, Buntstifte unb Modellierwachs. Ich glaube, daß es auch für Schulkinder besser ist, sie so zu beschäftigen, als sich und das Kind mit dem Nachholen der Schul- arbeiten zu plagen. Was hier versäumt wird, läßt sich leichter nachlernen, wenn die Kräfte wieder ganz zurück­gekehrt sind und die Reizbarkeit des kleinen Kranken nicht mit der Nervosität der müden und überarbeiteten Mutter zusammenstößt. Die ruhige Beschäftigung der Hand kommt indirekt auch den Schularbeiten zu gute. Vor allem also: Geduld unb immer wieder Geduld — bet Mutter und Kind. Dann können diese Tage „von denen wir sagen, sie gefallen uns nicht" mit zu den schönsten und gesegnetsten Er nnerungen werden, die unser Kind später einmal an seine Jugendzeit hat. D. E.

Süße Speifen.

Von Magda Trott- Misdroy.

Zu einem Ananaspudding sind erforderlich: 3 Sigelbe, die geriebene Schale einer Zitrone, zwei Eßlöf­fel voll Zitronenfaft, 50 Gramm Zucker eine Brise Salz, Zwei Drittel Tasse geriebenen Konservenananas, eine Drittel Tasse kaltes Wasser, eine halbe Taste Sahne. 3 Eiweiß, ein Eßlöffel Gelatine. — Die Eigelbe werden leicht geschlagen, Zittonenschale, Zitronensaft, Zucker und Salz hinzugeben, alles unter ständigem Rühren solange gekocht, bis die Mischung dick geworden ist. Jetzt nimmt man den Topf vorn Feuer und gibt die vorher 5 Minuten in kaltem Wasser eingeweichte weiße Gelatine und die geriebene Ananas hinzu. Beginnt die Masse steif zu werden, gibt man die steif geschlagene Sahne unb das gleichfalls steif geschlagene Eiweiß daran und mischt durcheinander. Eine mit kaltem Wasser aus- gefpütte Schüssel wird mit der Masse gefüllt; dann läßt man sie erstarren. Der Pudding wird gestürzt und mit Ananas garniert. Man reicht Schlagskchne dazu.

Orangen-Eharlotte. Eine Tasse voll Apfel­sinensaft und Fruchtfleisch, zwei Weißeier, zwei Eßlöffel Zitronensaft, eine Tasse Zucker, eine halbe Tasse kochen­des Wasser, eine Viertel Taste kaltes Wasser und ein Eßlöffel Gelatine sind die Zutaten. — Man weicht die Gelatine 5 Minuten lang in kaltes Wasser ein unb löst sie darauf in heißem Wasser auf, bann fügt man Zucker hinzu unb ist er aufgelöst, den Zitronensaft. Jetzt gießt man alles durch ein Haarsieb, läßt die Flüssigkeit abkühlen, gibt den Apfelsinensaft unb bas Fruchtfleisch daran; beginnt die Masse fest zu werden, schlägt man sie mit dem Schaumbesen, bis sie locker geworden ist. Nun fügt man das gleichfalls zu Schnee geschlagene Weißei hinzu unb bearbeitet beides zusammen noch eine zeit­lang mit dem Schneeschläger. Die fertige Maste wird in eine mit haltern Wasser ausgefpülte Form geschüt­telt. Wer die Orangen-Eharlotte noch feiner Herstel­len will, der verwende statt der drei Weißeier etwas Rahm.

Sellerie-Pudding. Eine Tasse kleingeschnit- tener Sellerie, drei säuerliche Aepfel, eine halbe Tasse Zucker, eine halbe Taste kleingeriebene Haselnüsse, eine halbe Tasse Zitronensaft, anderthalb Tassen kochendes Wasser, eine Tasse kaltes Wasser, ein Eßlöffel Gelatine. — Man weicht die Gelatine 5 Minuten lang in kaltem Wasser ein und läßt sie darauf in kochendem Wasser ganz auflösen. Nun gibt man den Zitronensaft und den Zucker hinzu. Beginnt die Mischung fest zu werden, fügt man die Heingefdjnittenen Aepfel, Sellerie und Haselnüsse hinzu. In einer mit tattern Wasser ausge- spülten Form wird die gut vermischte Masse abgekühlt. Nun werden recht rotbackige Aepfel ausgehölt, die Mischung in die Höhlung gefüllt, die Aepfel zwischen Salatblättchen auf eine Platte gestellt und serviert.

Die Frau in der Küche.

f. Schellfisch oder Kabeljau mit Mostrichsotze auf Hamburger Art. Die Fische werden geschuppt, ausge­nommen unb gewaschen. Dann reibt man sie stark mit Salz ein, läßt sie eine Stunde damit durchziehen und

aber doch auch nicht mehr an, weder oben noch unten. Alle Moden kommen von Paris unb sind gleich, einerlei ob es sich um Berlin, Wien ober Rom handelt." Von da an war ich aber scharf auf diese wichtige Angelegen­heit und hatte später sogar das Glück, von einer gebore­nen Wienerin, die einen bedeutungsvollen Posten in der amerikanischen Damenkonfektion bekleidet, authentisch aufgeklärt zu werden.

Also auch die amerikanischen Moden stammen aus Paris. Die Vorsteherin des Ateliers meiner Wiener Gewährsmännin fährt zu jeder Saison dorthin und bringt die ersten Modelle von dort herüber. In New­york werden dann diese Modelle dem amerikanischen Geschmack angepaßt und erst dann geht es an die Aus- fiihrung, die ebenfalls noch steter Kontrolle untersteht. Meine Gewährsdame hatte in ihrer Stellung nichts anderes zu tun, als diese Anpassung an ben amerikani­schen Geschmack vorzunehmen, mit dem Verkauf unb der Kundschaft tarn sie dabei gornicht in Berührung.

Man sieht: es beruht nicht auf bloßem Zufall, wenn die amerikanischen Frauen als bester angezogen gelten als die unfrigen, sondern auf ernster, sorgfältiger Arbeit bei der Anfertigung.

Ich muß beifügen, daß auch das männliche Geschlecht da drüben sehr darauf hält, gut angezogen zu sein, abge­sehen vom Arbeitsanzug, wo man sich ganz von der Bequemlichkeit und dem Bedürfnis leiten läßt. Wer wenn der Amerikaner ausgeht, muß alles schick sein, und ich, der ich immer etwas für das Bequeme war, mutzte mir z. B. von meinem Begleiter in Chicago mehr als einmal eine Lektion geben lasten, daß meinem Schneider daheim wohl die Ohren geklungen haben mögen —- mehr als bei einem militärischen Montur-Appel seligen Angedenkens. Ein Wunder ist es also nicht, daß wo bie Männer so auf das Aeutzere sehen, auch die Frauen- wett nicht zurückbleiben will.

Das technische Geheimnis, weshalb die Kleider der amerikanischen Damen bester sitzen und zugleich „anftän- biger* sind, wurde mir später von einer Dame, der ich die Frage des Herrn Pastors vorlegte, verraten: die Amerikanerinnen tragen nämlich nur den schmalen Halsausschnitt, während die Deutschen und überhaupt bie Europäer ben wetten runden Halsausschnitt haben.

setzt sie mit kaltem Master aufs Feuer. Sobald das Wasser kocht, sind bie Fische gar und müssen vom Feuer gezogen werben, können aber, ohne zu zerfallen, noch im Salzwasser liegen. Sie müssen recht heiß zu Tisch gegeben werben. Man reicht Salzkartoffeln unb fol> genbe Mostrichsoße dazu: Man macht eine hochbraune Einbrenne, gießt etwas Fischwaiser und einige Lössel recht klar gequirlten Mostrich daran, tut etwas Essig unb Zucker unb, wenn man es liebt, auch einige Zitronen­scheiben hinzu und schmeckt bie Soße nach süß ober sauer ab. Zuletzt mischt man einige Tropfen Maggi's Würze darunter.

f. Gebackenes Rindfleisch. (Sehr gute Resteverwen- dung). Uebrig gebliebenes Rindfleisch (auch sonstige Bratenreste sind hierzu verwendbar) schneidet man in schöne Scheiben und bestreut diese mit Salz und Pfef­fer. Dann läßt man in einer Kasserolle, besser aber in einer etwas tiefen Stielpfanne cigroh Butter heiß werden, gibt die Fleischscheiben hinein unb läßt sie einen Augenblick burchschmoren. Unterbeifen zerklopft man 2—3 Eier mit 3 Eßlöffeln Milch, fügt 1 Eßlöffel gehack­ten Schnittlauch und 1 Teelöffel Maggi's Würze hinzu, verrührt nochmals gut und gießt dies über das Fleisch und läßt nun auf beiden Seiten zu schöner Barbe baden.

Erste Hilfe bei Unglücksfällen in der Küche.

Henriette Davidis war eine prachtvolle Frau, und ihr Buch ist ost der Bewahrer des ehelichen Frie­dens. Teilnahmsvoll nimmt sie Antanger und Fort­geschrittene unter ihre mütterlichen Arme, selbst bei einer dreißig prozentigen Rabattgewährung auf das Lakonische: „Man nehme . . liefert fie immer noch eine qualitativ hochwertige Speise.

Nirgendwo aber findet man erste Hilfe bei Unglücks­fällen. Was soll die Frau machen, wenn das Beefsteak so zäh ist wie das Geschäftsgebahren eines Sttahen- händlers in Tanger? Wohin soll sie sich wenden, wenn der Reispudding den Geschmack einer ausgebrannten Scheune hat? Und wenn die Bouillon so schmeckt, als habe man den ganzen Golf von Biskaya im Mund, wo findet sie in einem Buche der Welt einen Hinweis, wie dem abzuhelfen sei?

Das zähe Beefsteak empfehle ich wiederholt und innig durch die Wäschemangel zu drehen, den Reis- pudding schenke man mit einem schonen Gruße der Fron Nachbarin unb die Bouillon oermange man mit essig­saurer Tonerde, benutze sie zum Gurgeln bei Halsent- zündung und zum Begießen erfrorener Alpenveilchen.

Aber schließlich ist es nicht meine Aufgabe, erste Hilfe bei Unglücksfällen zu leisten; laß die Frauen sehen, wie sie allein fertig werden. Meine Beispiele sollten nur ein Hinweis fein, wie bas Kochbuch der Zukunft inhaltlich gehalten sein muß. Killy.

Praktische winke.

Salmiak ein treuer Freund der Hausfrau.

Der Nutzen des Salmiakgeistes ist noch lange nicht genug anerkannt, und doch sollte er in keinem Haus­halt fehlen. Er nimmt Staub und Schmutz fort und bient zur Entfernung von Säure, Punsch, Wein, Obst und auch roter Tintenflecken. Fettflecke werden mit Was- fer, dem einige Trapsen Salmiakgeist beigefügt werden, ebenfalls entfernt. Man muh aber sofort die feuchten Stellen, nachdem man sie mit Löschpapier unterlegt und auch bedeckt hat, recht heiß überbügeln. Selbst An­strichfarben lassen sich aus ben Kleidern entfernen, mögen sie auch bereits hart unb trocken geworden sein, wenn man zu Terpentin bas gleiche Quantum Salmiak­geist fügt und damit die Flecken ausreibt. Flanell und Wolldecken reinigt man am besten durch Einweichen und sorgfältiges Pressen in ’inem Eimer warmen Wassers, dem man etwas Seifenbrühe und 1 einhalb Eßlöffel Salmiakgeist zugab. Um Teppiche vom Staub zu befreien unb zugleich aufzufrischen, bürstet man sie mit einer sauberen Bürste, die stets von neuem in sauberes, warmes Wasser getaucht wird, dem für den Eimer zwei Eßlöffel Salmiakgeist beigefügt werden. Fettige Kra­gen an Herrenröcken bestreicht man mit einem Brei von Seife und Salmiakgeist, reibt bann bie Kragen gut damit ab und spült mit klarem Wasser nach. Haarbürsten befreit man durch gründliches Waschen mit Amoniak» waessr. Nach sorgsältigem Spülen legt man bie Bür­sten in bie Sonne. Messinggegenstände reibt man mit einem mit Salmiakgeist befeuchteten Tuch ab unb poliert sofort mit einem Trockentuch nach. Ebenso reinigt man leicht und schnell Fenster, aus ben Eimer Wasser zwei Eßlöffel Salmiakgeist.

wobei bie Kleider bald rechts, bald links auf die Schul­ter rutschen, was in der Tat nicht gut aussieht.

Ob's mit dieser Feststellung besser werden wird, weiß ich allerdings nicht.

Noch eines ist mir ausgefallen: der vielfältige und kostbare Pelzbesatz an ben Kleidern, ganz abgesehen von den vielen Pelzen, die auch im heißen Sommer beim Ausgang umgeworfen wurden. Besonders Affen und Füchse sah ich von einer Länge unb Zartheit ber Haare unb in Farben, die ich noch nicht kannte. Sie gefielen mir so, daß ich in Chicago einmal den Plan äußerte, eine Probe zu kaufen und mit nach Europa zu nehmen." Hast Du auch die Preise schon gesehen?" [ragte mein Begleiter, unb ba wir gerabe vor einem der zahlreichen Pelzgeschäste vorbeigingen, studierte ich die Zettel an drei mittelgroßen, unbearbeiteten Füchsen von märchenhaften Farben: 85 Dollar, 90 Dollar und 95 Dollar; also 350 bis 400 Goldmark für ein Tierchen! — Ich habe ben Plan nicht weiter verfolgt. —

War bas dritte Hauptstück, nämlich das Tanzen angeht.... Wer lacht da? ... . Weil ich vom Tan­zen spreche? ....

Nun, so sei zunächst bemerkt, daß mir ein Deutsch­amerikaner, der über 20 Jahre drüben ist, sagte: „Wer in Amerika vorankommen will, muß zwei Dinge können: erstens jede Arbeit anpacken und zweitens tanzen — um »Beziehungen" und Eingang in die Familien finden zu können." Also der Fall ist wichtig genug, um hier darüber zu verhandeln, und zwar um mehr als über die amerikanischen Tanzgewohnheiten - und Künste die allertollsten Ansichten im Schwünge sind.

Bekanntlich sind die sogenannten „modernen" Tanze, Onestep, Towstep, Foxtrott und neuestens der „Charle­ston" von Amerika herübergekommen. Unb nun meinen manche Leute, daß man da drüben in der Gesellschaft nichts anderes sähe als die deinverrenkenden Zitter- und Schlotterbewegungen, die uns hie unb ba im Kino unb im Varietee vorgeführt werden. Die Veranstalter von Gesellschaftsreisen führen auch die ihnen anvertrauten Schaflein drüben in eines der riesigen Vergnügungs- lokale, wo ihnen von bezahlten Tänzern und Tön- zerinnen dieses Schauspiel gebeten wird. Unb von Europa herüber bekommen dann die Amerikanerinnen