FuldaerZertung
Anzeiger für die Skadk und den Kreis Julda. AmkNches Krelsblakl.
Nr. 45.
Donnerstag, 24. Februar 1927.
lllassenkampfl
Ein Reichstagsabgeordneter schreibt uns:
„Wäre er nicht da, man mühte ihn erfinden", so schreibt das sozialistische Zentralorgan, der „Vorwärts" (Rr. 82, 1927). Wir sind anderer Auffassung. Deutschlands Zukunft ist nicht dadurch gesichert, dah der Klassenkampf zum herrschenden Prinzip erhoben wird. Es ist falsch, den Aufstiegskampf des arbeitenden Volkes zum Klassenkampf zu stempeln. Wäre der Stmrdpunkt des „Vorwärts" richtig, dann mühten mich alle anderen Volksschichten sich nach Klassen im engsten Sinne des Wortes zusammenschliehen. Die stärkste Gruppe würde dann die anderen Gruppen beherrschen. An die Stelle des Rechts würde ausschließlich die politische Macht, die nackte Zahl treten. Ein derartig gestaltetes Deutschland würde zu einem unüberwindlichen Hindernis für den politischen und gesellschaftlichen Fortschritt werden.
Unser Ziel ist nicht die Klassenzersplitterung, sondern die Einordnung des arbeitenden Volkes in die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung. Der Proletarier soll zum Bürg er werden: er soll nicht nur formell gleichberechtigt sein, sondern mit zu einem verantwortlichen Träger von Staat und Wirtschaft werden. Der Äremokratische Standpunkt führt dahin, dah nur noch Klassenmenschen einander gegenüberstehen, die ein und dieselbe Sprache reden und die einander doch nicht mehr verstehen; eine Klasse, die herrscht und eine Klasse, die beherrscht wird; zwei Klassen, die einander fürchten und hassen! Wehe dem deutschen Volke, wenn ihm diese Entwicklung bevorstehen sollte.
Aufgabe der Zentrumspartei ist es, dieser Entwicklung entgegenzuarbeiten, em besseres Verhältnis von Unternehmer und Arbeiter herzustellen und die deutschen Menschen wieder einander näher zu bringen. Die deutsche Sozialdemokratie würde sich um den heutigen Staat, seine innere Festigung und dauernde Zukunftssicherung ein grohes Verdienst erwerben, wenn sie die Idee des Klassenkampfes zurückstellen und helfen würde, das deutsche Volk in seine Stämmen und Wirtschastsgruppm möglichst zusammen zu führen.
Reinhold wehrt sich.
Im „B. X.* führt der frühere Reichssinanz- minister Dr. Reinhold in einer umfassenden Rechtfertigung seinerFinanzpolitik unter anderem aus: Worum geht der Streit? Als ich im Februar 1926 me deutsche Steuerlast um eine halbe Milliarde erleichterte, stellten das die Deutschnationalen als e'ne Bankerottpolitik hm, die spätestens im Herbst 1926 zum Zusammenbruch der Reichsfinanzen füh- r?n und uns in eine heillose Defizitwirtschaft hin- duttretben müßte. Seit das prophezeite Defizit nicht emgetreten ist, hat man ein neues Schla»- n>ort gejunben: Ich hätte nur deshalb das Budget 'm Gleichgewicht halten können, weil ich die an- gelammeiten Reserven von 500 Millionen aufqe- M^chtr-Hütte. ®ine völlig unwahre Behauptung! Wenn sie wiederholt werden sollte, werde ich vom ichskabinett Befreiung von meiner amt- nnA? Schweigepflicht erbitten, um Mark für Mark nachzuweisen, welche Reserven ich vorgefunden k ™te,€S bei meinem Ausscheiden aus dem 'f' S stand. Für heute fei nur das eine * hLbe keinen Pfennig dieser stillen Deckung von Ausgaben des öffent- StrJ8^13 b-nuszt. Dagegen habe ich etwas der hi! Ä; b?be die angesammelten Gel- unh fehinH* h5 Kapitalmarkt entzogen waren m« ÄnlÄ" KlbmE in durchaus nicht im- mieber ^rn^rH^iL*ur Verfügung standen, führt Alles in »gastlichen Kapitalmarkt zuge-
das Investigationsprogranm,
politische Schlägerei.
wtb. Berlin, 23. Febr. (Gig. Funkm.) Im Zentrum der Stadt kam es gestern abend zu einer Schlägerei zwischen Angehörigen der K. P. D. und politisch Andersdenkenden. Die Kommunisten holten ihre Gegner aus einem Straßenbahnwagen heraus, zertrümmerten mit Stöcken die Scheiben des Wagens und griffen die Leute tätlich an. 7 Kommunisten wurden festgenommen.
L
UM Dienstag fortgesetzte» Beratung des hält»Qls !ür $erforgung und Ruheg Rackw»^ kündigte ein Regierungsvertreter bi._ mäbrenhVub®r die Beförderung von Offizieren fer Krieges an. Im übrigen wurde die-
ratuna erledigt. Bei der dann folgenden Berichteten"!' ®töts des Reichspräsidenten den Reicb4n^??mmunisten heftige ArMiffe gegen Hergt qe^z.Ä^n^n, sodaß sich Retchssusttzrninister daß die D-E es aie unerhört zu bezeichnen, * r|On des Reichspräsidenten in einer so
Der auswärtige Russchuh.
D.D.Z. Berlin, 23. Febr. (Eia
Auswärtige Ausschuß des Reichstages tra? bente vormittag 10 Uhr zu einer Sitzung zusammen „nh beschäftigte sich zunächst mit dem den t sch . tauischen Handelsverträge. Ist, m«uV «n Verlauf der Sitzung wird eine allgemein- Aussprache über die d e u t s ch - r u s s i s ch e n B -- ö'eHungen stattfinden. Die Derhandlunaen °n denen auch Reichswebrminister Dr. Keßner rennimmt, werden einen streng vertraulichen Cha- arter tragen.
Reichstag.
unerhörten Weise in die Debatte gezogen worden ist. Einen größeren Raum in der Sitzung nahm die darauffolgende Debatte über den Ha ushalt d e s R eichsjustizministeriums ein. Hier ergriff auch der Reichsjustizminister das Wort, um bie gegen die Justiz erhobenen Angriffe zurückzuweisen. Die Weiterberatung erfolgt am Mittwoch.
Preußischer Landtag.
Der Preußische Landtag verabschiedete in seiner Dienstagssitzung zunächst die Gewerbesteuer- Vorlage für 1927. Hierauf setzte das Haus die gestern abgebrochene allgemeine Aussprache zum Landwirtschaftshaushalt fort. Landwirtschaftsminister Dr. Steiger teilte u. a. mit, daß er beim Reich beantragt habe, daß der G e r st e n z o l l am 31. März nicht erhöht wird, sondern seinen gegenwärtigen Stand beibehält. Der Minister äußerte sich auch über Siedlungsfragen und teilte mit, daß mit Reichsmitteln bereits 44 Objekte in einer Größe von 104 112 Morgen und zu einem Kaufpreis von rund 22,3 Mill. Mk. für landwirtschaftliche Siedlungszwecke gekauft worden feien. Mit preußischen Mitteln seien 47 Objekte in einer Größe von 48 452 Morgen gekauft worden.
Die Weiterberatung wurde auf Mittwoch vertagt. _______________________
* Dr. Trendelenburg nach Rom abgereift. Wie das WTB erfährt, ist Staatssekretär Dr. Trendelenburg zur Teilnahme an der Sitzung des Wirtschaftskomitees des VölkerbU- des nach Rom abgereist.
Einladung an polen.
Wie die „Voss. Zig." erfährt, hat das pol- Nische Eisenhüftensyndikat soeben eine offizielle Einladung des Präsidenten Mayrisch zur Teilnahme an der Vollsitzung des Rohstahlkartells am 4. März nach Düsseldorf erhalten und diese Einladung bereitwilligst angenommen.
Mit der tschecho-slowakischen Eisen- in b u ft r i e als Führerin der mitteleuropäischen Märkte glaubt man gleichfalls nunmehr eine Verständigung erreichen zu können.
Das polnische Eifenhüttensyndikat glaubt, daß es gelingen muß, im Rahmen der Rohstosfstahl- gemeinschaft bezüglich des eigenen Inlandsabsatzes und Verbrauchs eine besondere Behandlung zu erfahren, ferner, daß es sowohl nach Deutschland, wie auch nach den südöstlichen Absatzmärkten hinreichende Kontingente zugestanden erhält. Die deutschen und französischen Kapitalien, die in der polnischen Eisenindustrie investiert sind, sollen zu einer solchen Lösung der Frage treiben.
... * Der König von Schweden beim Papst. Der König von Schweden wurde in Privataudienz vom Papst empfangen. Anschließend begab sich der König zu Kardmalstaatssekretär Gasparri, mit dem er eine kurze Besprechung hatte.
* Rücktritt der estländischen Regierung. Aus Reval wird gemeldet: Das Kabinett Teemant ist zurückgetreten, da das Parlament die Maßnahmen des stellverttetenden Innenministers betreffend die Gemeindewahlen als nicht mit der bisherigen Wahlpraxis in Einklang stehend erklärte.
OffentlicheGeldersürdieFilm-Jndustrie?
Vorgänge, die Beachtung verdienen.
Mit sehr gemischten Gefühlen hat man in der „Provinz" vernommen, daß die Film-Industrie in aussichtsreiche^ Verhandlungen zwecks Erlangung weiterer Subsidien aus Reichsmitteln eingetreten fei. Jeder christliche Kulturpolitiker weiß, daß der Film heute das Mittel ist, um gelockerte sittliche Auffassungen aus der Großstadt auch in jene Stabte und Bezirke zu tragen, die für sittliche Reinhaltung des öffentlichen Lebens noch Verständnis haben. Erschwert auch die Regelung der Zensur, ihre Zentralisation in Berlin und München, die Abwehr des Schlimmsten, so wird zurzeit doch noch von zahlreichen Idealisten in den Klein- und Mittelstädten gegen die größten Ausschreitungen des Lichtspielwesens gekämpft. Aber die Filmindustrie macht diesen Kampf nicht leicht. Es gehört Energie und Zähigkeit dazu, um die von der Film- Industrie herausgebrachten Filme wie Kreuzzug des Weibes, ein Film, der für die Aufhebung des Abtreibungsparagraphen dos Strafgesetzbuches Propaganda macht und ähnliche fernzuhalten. Selbst der einflußreichen Bayerischen Staatsregierung ist es nicht gelungen, die Reichszensur zum Verbot dieses Films, der auch in Fulda aufgeführt werden sollte, zu bewegen. Bei der Filmprüfung ist das Filmkapital nicht ohne Einfluß. Aber jetzt wollen die Film-Produzenten aus den öffentlichen Kaffen Geld haben. Geld, das der Steuerzahler aufbringt, auch der, der in feiner „provinzlerifchen Enge" in zahlreichen Filmerzeugnissen eine Gefahr für die sittliche Gesundheit des Volkes sieht! Parlamentarier, a u f g e p a ß t! Die Provinz erwartet, daß Ihr in Berlin Euch über die Tragweite der Sache im Klaren seid.
Von geschätzter Seite wird uns zu der Angelegenheit noch geschrieben:
In seiner Etatsrede vom 16. Februar sagte der neue Reichsfinanzminister Dr. Köhler u. a.:
... --2m Haushaltsgesetz scheint mir die Bestimmung über die Ermächtigung des Reichsfinanzministeriums zur Aufnahme von Garantien recht wichtig. Eie ent- dem Ergebnis der Beratungen, die im Unteraus- !chuß für die Subvention über die Frage derReichs- ttedlte und -garantien geführt worden sind, und deren Ergebnis auch die Billigung des Haushaltsausschusies gefunden hat. Die Fassung ist von drei Gesichtspunkten diktiert, einmal von dem $ erlangen auf möglichste B e- s ch r a n f u n g der Subventionspolitik überhaupt, fer- HEr von der Forderung, daß Garantien in der Regel durch Gesetz, also durch das Plenum des Reichstages ve- wMGt werden sollen, und endlich von dem Verlangen, daß bei Gewährung von Krediten und Uebernahme von <8aranhen durch das Reich eine ausreichende Sicherung ""d em ausreichendes Entgelt für das Reich gefordert wird. Ich kann mich diesem Gesichtspuntte in vollem umfange anschließen. Eine Subventionierung einzelner notleidender Unternehmungen, die praktisch auf Kosten und zu Lasten der wirtschaftlich gesunden Unternehmungen geht, sehe ich für eine verfehlte Wirtschaftspolitik an. Ich ftimme mit den Kundgebungen der deutschen Wirtschaft darin durchaus Überein, daß die öffentliche Hand sich nicht wahllos in der Privatwirtschaft betätige."
Als der Reichsfinanzminister Dr. Köhler diese Erklärung abgab — es war am 16. Februar — proch sich bereits das Gerücht um, daß das Reich & Us."i^rr!um F'lrn A.-G. (Ufa) sanieren olle, tue sich schon seit Jahren in schweren Geldsorgen befindet und ihren Banken, insbesondere der ® ® u l f chen Bank mit ihren Kreditansprüchen ^chi lästig fällt. Die Ufa ist an das Reich heran- getreten, um einmal eine Wirtschastsbeihilfe zu be- rommen dann hat sich die Spitzenorganisation ^.^."eutschen Filmindustrie, die in der Hauptsache au^ au3 bcr Ufa besteht, ans Reich gewandt, um Konk..^"redite zu erhalten, um besser die mirb hn« m ^[agen 8« können. In der Hauptsache JÄ* «ach einer Wirtschaftshilfe da- e r n zu amfc r b5& b,e Vergnügung s st eu- aebuna V-??’ ba& «"h abw sonst die Gesetz- Mmmdustri^'^EnzfähiK«it und Rentabilität der erst- Mi.«^^°^b°ntlich stark beschneide. ?'VL^M?ftshilfe soll zunächst 20 Millio- »en Reichsmark betragen. Die Filmindustrie weist
bezüglich der Exportkredite auf das Vorbild der Russenkredite hin, die im vorigen Jahre eingerichtet worden sind und der deutschen Industrie die Ausfuhr nach Rußland erleichtert haben, insofern das Reich eine Garantie bis zu 300 Millionen übernahm. Man kann gespannt fein, wie sich der Reichsfinanzminister zu diesen Wünschen der Filmindustrie im allgemeinen und der Ufa im besonderen stellen wird. Wir sind der Ansicht, daß er gut daran tut, g r ö ß t e Z u r ü ck h a l t u n g zu üben, wenn man auch im R e i ch s w i r t s ch a f t s- minifterium anscheinend bereits zu einem weitgehenden Entgegenkommen die hilfreiche Hand ausgestreckt hat. Wir halten es für nötig, angesichts der von Dr. Köhler als sehr wenig günstig hingestellten Finanzlage des Reiches, daß eine solche Unterstützung außerordentlich sorgfältig erwogen und vor allem an Bedingungen geknüpft wird, welche das Interesse des Reiches sicherstellen und eine Rentabilität der unterstützten Unternehmungen gewährleisten. Wir möchten wünschen, daß die Richtlinien, welche der finanzpolitische Ausschuß des Reichstages für die Suboentionspolitik des Reiches aufgestellt hat, hier in sorgfältigster Form zur Anwendung kommen, denn kein Geschäft läßt sich in seinen Ausgaben so schwer übersehen und in seiner Rentabilität so schlecht im voraus kalkulieren wie das Filmgeschäft. Zum mindesten mußte sich das Reich die Perträge vorlegen lassen, welche zwischen der Ufa und der amerikanischen Paramount-Gesellschaft, mit der sie in Interessengemeinschaft verbunden ist, abgeschlossen sind, und die für die Ufaindustrie sehr ungünstig sein sollen.
Es ist außerordentlich merkwürdig, daß die Banken, die immer wieder lauten Protest gegen die Beteiligung des Reiches, der „öffentlichen Hand" an wirtschaftlichen Privatunternehmungen erheben, jetzt plötzlich so große Eile zeigen, daß die deutsche Filmindustrie unter die g e s ch ä ft- liche Kontrolle des Reiches genommen wird. Allerdings sind jetzt die Kredite, die sie selbst gegeben haben, i n G e f a h r, und da ist die öffentliche Hand alsRetterininderNotnatür- lich sehr willkommen.
Die ganze Angelegenheit hat aber noch eine retn politische Seite. Bei der jetzt so hartnäckig betriebenen Transaktion hat die Deulig A.-G. ihre Hand sehr stark im Spiele, die bekanntlich ern Hugenberg-Unternehmen ist. Man wird jetzt vergebens in der Hugenbergpresje Prote st r u f e gegen bie „kalte" Sozialisie- r u n g suchen. Umsomehr ist größtes Mißtrauen am Platze. Das fehlte ja noch, daß die heutige Regierung sich mit einem Kredit bis zu 40 Millionen an einem Unternehmen beteiligte, das in seiner Art außerordentlich kompliziert ist, damit es letzten Endes in die Kontrolle des deuffchnati- onalen Hugenberg hineingefpielt würde.
Es wird auch die Vermutung ausgesprochen, daß außer dem Reichswirtschaftsministerium das Reichswehrministerium an der Sanierung der Ufa Interesse genommen habe, und zwar wegen der Herstellung von Marine-Propa- gandafilmen. Doch ist es wohl kaum anzunehmen, da der Etat des Reichswehrministeriums nach dunklen Anforderungen sehr stark untersucht wird.
Die schwierige Lage der deutschen Filmindustrie darf dem Gesetzgeber Anlaß geben, nachzuprüfen, ob der Steuerdruck und die sonstigen finanziellen Belastungen, die auf diesen Unternehmungen ruhen, einer grundsätzlichen Revision bedürfen. Don da ab bis zu einer Finanzsanierung durch das Reich ist aber bei diesen komplizierten Unternehmungen hoffentlich noch ein recht weiter Schritt, zumal hier die Parteipolitik der Reaktion ein so merkwürdiges Geschäftsleben zu machen sich anschickt. Der Herr Reichsfinanzminister möge an seine grundsätzlichen Ausführungen in feiner Rede vom 16. Februar denken.
Der Schanghaier Hexenkessel.
Vor Schanghai liegen bekanntlich Kriegsschiffe aller Rationen. Es ist deshalb nur in der Reporterphantasie ein überwältigendes Ereignis, wenn eines der kleinen chinesischen „Kriegsschiffe", die zwischen den großen europäischen Kähnen liegen, einige Schüsse in Richtung auf die Stadt abge-, feuert hat. Pon einer Beschießung Schanghais kann man wohl kaum sprechen. Rach den vorliegenden Meldungen hat die Besatzung eines chinesischen Kriegsschiffes gemeutert und die Außenbezirke von Schanghai beschossen. Ein Dutzend Granaten ist im französischen Konzessionsgebiet eingeschlagen. Die Freiwilligen in den Fremdenkonzessionen sind mobilisiert worden. Als die französischen Kriegsschiffe ihre Kanonen auf die Chinesen richteten, hörten diese zu feuern auf.
Gefährlicher als diese Schießerei ist der Gen e- r a t ft r e i f in der Stadt. Die Zahl der Streikenden beläuft sich noch auf 100 000. Der Dienst bei der Post ist teilweise wieder ausgenommen worden. Die S ch i f f a h r t ist lahmgelegt. Es finden noch weitere Hinrichtungen statt, doch sind sie weniger zahlreich. Die französischen Behörden haben Marinetruppen mit Maschinengewehren in allen Straßen, die zur Chinesenstadt führen, auf- gestellt. Die Verluste durch die Beschießung können noch nicht festgestellt werden, es steht aber fest, daß keine Ausländer getötet oder verletzt worden sind. Eine allgemeine Mobilisierung der Polizei- und Verteidigungskräfte in der französischen Konzession ist angeordnet worden
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Suntschuanfang hat fein Amt n i e 0 ergo I e g t und den Befehl über den Rest feiner Streitkräfte General Linksiangting übergeben.
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Der chinesische Vizepräsident der chinesischen O st bahn, General Pang-Tscho, wurde unter der Beschuldigung, Geld von Moskau empfangen und eine Revolution geplant zu haben, kriegsgerichtlich erschossen.
Neue Truppentransporte nach China.
wtb. Hongkong, 23. Febr. (E!g. Funkm.) Das englische Truppentransportschiff „Minnesota" ist mit 1000 Marinesoldaten hier angekommen.
Absolut ruhig.
wtb. Hamburg, 23. Febr. ((Fig. Funkm.) Beim Hanseatischen Verein von Hamburg und Bremen traf ein von der deutschen Handelskammer in Shanghai aufgegebenes Telegramm ein: Der G e- neralstreik ist nur teilweise eingetreten. Shanghai ist absolut ruhig. Zu Besorgnissen ist zurzeit keinerlei Veranlassung.
Die angeblich geplante englische Note an Rußland.
„Star" zufolge ist eine neue Note an Moskau vom Kabinett festgestellt worden und steht vor derAbsendung. Die Rote protestiere in energischen Worten gegen die englandfeindliche Sowjetpropaganda und weise die Sowjetregierung warnend darauf hin, daß die Propaganda mit dem Handelsabkommen im Widerspruch stehe.
(Looliöge spricht.
Aus Washington wird gemeldet: In einer gemeinsamen Sitzung beider Kongreßhäuser hielt Coo- lidge eine Ansprache, die den Anstatt zur Verwirklichung der Pläne für eine großzügige Feier von Washingtons 200. Geburtstage int Jahre 1923 darstellt. Die Rede wurde durch Rundfunk in allen Landesteilen verbreitet. Coolidge pries Washington als Selfmademan, tüchtigen Geschäftsmann, Idealisten, Patrioten, Staatsmann, Heerführer und von Nationalgeist erfüllten Kämpfer. Weil Washington ein hervorragender Amerikaner war, wurde er, so sagte Coolidge, für die ganze Welt eine hervorragende Persönlichkeit. Seine Feldherrnkunst wankte niemals. Sie siegte über ein auf der Höhe seines Ruhmes stehendes Volk, das 700 Jahre lang keinen Besieger anerkannt hatte. Wenn torr bedenken, daß die von ihm mit- begründete Regierungsform im Laufe der Zeit in sich erstarkte und den Anforderungen von nahezu 120 Millionen Menschen entspricht, die einen halben Kontinent einnehmen, und die größte Macht darstellen, die die Welt je sah, so können wir den Umfang und die Kraft von Washingtons Staatskunst ermessen.
Die Rede des Präsidenten Coolidge vor dem amerikanischen Kongreß in Washington wurde in Königswusterhausen und Zehlendorf auf Welle 22 vernommen. Sie wurde anfangs allerdings nur undeutlich gehört, wurde mit fortschreitender Dunkelheit jedoch immer besser und war im Schlußteil der Ausführungen ausgezeichnet zu verstehen. Auch die Beifallskundgebungen und das Spielen der Nationalhymne waren gut zu hören. Coolidge sprach etwa 20 Minuten. Er schloß feine Rede 7,11 Uhr nach Berliner Zeit.
* Nach dem Ausstand in Portugal. Wie Havas aus Lissabon berichtet, hat der Dampfer Lurenco- Marques, der die bei dem letzten Aufstand gefangen genommenen Personen an Bord hat, den Hafen von Lissabon verlassen. Die Gefangenen werden bis zu ihrer Aburteilung nach den Azoren und nach anderen Kolonien übergeführt.
* Die südafrikanische Flaggenfrage. Aus Kap- stadt wird gemeldet: Eine aus 18 Mitgliedern gebildete Kommission, in der alle Landesteile ver- treten sind, ist zusammengetreten, um unter den 5000 vorliegenden Entwürfen ur die neue Flagge Südafrikas einen auszuwählen.