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Nr. 35.

Anzeiger für die Stobt und ben Kreis Fulda.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage: .illustrierte Beilage" und Buchenblätter« Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Str. 9 « Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk. y

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Samstag, 12. Februar 1927.

Amtliches Kreisblatt.

Anzeigen.Brette- «leiiqeil, (Colonel) lokal 0.1L ZA, auswärts 0,20 JUL Reklame,eile: lokal 0,60 JUt. auswärts 0,80 JUL. Bei Wiederholungen Rahatl» :< Postscheckkonto Frankfurt a. M. Rr <051. k

Zahrg.54.

Sie SliMldeWkratell gegen die ReiGcegierung. i Eine VMast des nordalnerikanischen Präsidenten

^^?/rirkSverband Groß-Berlin der sozial- über die jetzigen Zustände beklaae babe die Pflicht I tv at. .

^aTtci Deutschlands veranstaltete mitzuschaffen, da^diese ZusAe «^rt Die gbrustUNgSsragS. — $06 UNd Land.

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gaben der Sozialdemokratie. Das wichtigste werde • ihr Bedauern zum Ausdruck gebracht und dadurch sein, die Arbeiterschaft zu einigen auf allen Wegen zu erkermen gegeben, daß sie es für angebracht

Rußland und seine Westfront

wtb. Briand

und in allen Fabriken und Werkstätten Aufklärungs­arbeit zu leisten. Der Redner erinnerte dann an die

Zeit des schwarz-blauen Blockes im Jahre 1912 und mahnte zur Einigung der Massen. Wer sich

und wie Rußland losschlagen will; daß es los­schlagen werde — darin ist man sich einig.

Das aber ist die Hauptsache, wobei lediglich der Zeitpunkt aussteht, den man wohl nicht auf Wo­chen und Monate hin bestimmen kann, aber da­hingehend umschreiben muß: Rußland wird los- schlagen. wenn es militärisch bereit und wenn po­litisch der richtige Augenblick da ist.

len Abkommen zu gelangen, die die Land- und Luftstreitkräfte beschränken, so würde sie doch zö­gern, ausdrückliche Vorschläge über diese Frage an europäische Nationen zu richten. Wenn auch das Problem der Einschränkung der S e e r ü st u n » g e n in seinem Charakter nicht regional oder ge- eignes für eine regionale Behandlung ist, so ist es doch zum Teil erfolgreich behandelt worden durch eine Vereinbarung unter den fünf führenden Seemächten und kann meiner Ansicht nach durch weitere Verhandlungen unter diesen Mächten end­gültig geregelt werden. Es wird ein Beitrag zum Erfolg der vorbereitenden Arbeit, die jetzt im Gange ist, sein, wenn sich die großen Seemächte über die weitere endgültige Minderung der See» rüstungen einigen. Es ist meine Ansicht, daß die

Unterredung Vriand-Hösch.

Wie Havas mitteilt, hatte Außenminister Briand mit dem deutschen Botschafter v. Hoesch Donners­tag nachmittag eine Unterredung über die Frage der eventuellen Verlängerung des provisorischen deutsch-französischen Handelsabkommens.

mitzuschaffen, daß diese Zustände gebessert werden. Er schloß seine Rede mit einem Hoch auf die deutsche Republik. Die Demonstration nahmeinen ruhigen Verlauf.

Vriands Glaube.

Paris, 11. Febr. (Eig. Funkm.) Minister erklärte laut „Journal" einem Vertreter

Abgeordneter Dittmcmn nahm hierauf gegen Minister v. Keudell Stellung. Das Zentrum hätte darauf dringen müssen, daß dieser Minister Don seinem Posten entfernt wurde.

Der Bürgerkrieg in China.

Vorrücken der Rordarmee.

Wie Havas aus Schanghai meldet, kündigt ein Telegramm aus japanischer Quelle an, daß die Nordarmee invierRichtungen nach dem Sü­den vorrücke,

*

Nach einer Meldung der Agentur Indo Pacific aus Peking ist der Befehlshaber der Truppen von Kuei-Tei-Tfchau, General I u a n - T f u-M i n g, von den Kontongenerülen während eines G f f e n s, zu dem er eingeladen war, ermordet worden.

amerikanischen Vertreter in Genf fvrtfahren sol­len, mit den Vertretern anderer Nationen in Genf über das Programm einer Konferenz für eine all­gemeine Rüstungseinschränkung zu beraten. Wenn eine solche Konferenz in Zukunft auf einer allge­mein annehmbaren Grundlage möglich sein sollte, wird die amerikanische Regierung naturgemäß hoch befriedigt sein. Vis zur Formulierung des Pla­nes für eine solche allgemeine Konferenz - glaube ich, daß sofortige und aufrichtige Bemühungen un­ternommen werden sollten, das Problem der Seerüstungen zu lösen, wenn die Lösung , viel dazu beitragen würde, die Bemühungen zu einer allgemeineren Einschränkung der Rüstungen erfolgreich zu machen.

*

In den Kreisen, die dem amerikanischen Kongreß nahe stehen, wird die Botschaft des Prä­sidenten Coolidge über die Abrüstung allgemein gebilligt, jedoch Zweifel darüber geäußert, ob der Plan des Präsidenten auch bei den anderen Mächten eine gute Aufnahme finden wird. Sollte der Plan nicht durchführbar sein, so würden auch die Vereinigten Staaten in ihren Rü st ungen fortfahren müssen. Auch in der gesamten Presse wird betont, daß die öffentliche Meinung in Amerika Coolidge bei seinem Vorhaben un­terstützt.

Das Echo aus Paris.

wtb. Paris, 11. Febr. (Eig. Funkm.) Zu 8er Botschaft des Präsidenten Coolidge hinsichtlich der Abrüstung zur See schreibt der „Matin", daß ge­gen die Erörterung der Probleme der Entwaff­nung auf zwei verschiedenen Konferenzen ernste Einwände beständen. „Journal" bemerkt, die französische Negierung muß größte Vorsicht an den Tag legen. Bevor sie Entschlüsse faßt, wird sie gewiß lange überlegen, die interessierten Sach­verständigen befragen, die Ansichten der anderen Regierungen einholen und besonders Amerika um Präzisierung seines Programms ersuchen. Frank­reich hat umsomehr Grund, sich zurückhaltend zu zeigen als der amerikanische Plan „ein Tor- pedoschuß gegen den Völkerbund" ist, dessen Prestige zu unterstützen Frankreich allen Grund habe. „Gaulois" weist wie viele andere Blätter darauf hin, daß Frankreich nicht zulassen könne, daß die Fragen der Entwaffnung zu La n d e, in der L-u f t und auf dem Wasser voneinander getrennt werden, wie es Amerika vor- sehe.

in Polen oder Rumänien der Anfang gemacht wird, scheint ziemlich gleichgültig. Völkerrechtlich oder besser gesagt: in der Völkermentalität wird Rußland der Angreifer sein; dargestellt aber wird in jedem Land anders, d. h. im Sinne des Eigen­interesses, für welches die Juristen jedes Landes die entsprechende „Formel" finden müssen und finden werden. Ob nun der betreffende Para­graph diese Rechtsbiegung ober jene Rechtsbeu­gung zulassen wird, ist weniger eine Frage des Völkerrechtes als der Völkerpolitik. Nun will es scheinen, daß vom politischen Gesichtspunkt es für Rußland günstiger ist, das absolut frankophile Polen zuerst aufs Korn zu nehmen und das Halb­wegs auf Italien balanzierende Rumänien — anfänglich — aus dem Spiel zu lassen.

Schließlich handelt es sich in diesen Ostfragen um die franko-italienische Rivalität; bezüglich des Durchmarsches von „Völkerbundstruppen" durch das Gebiet des deutschen Reiches wird sich wohl kaum jemand Illusionen machen, wie immer auch Papierpagaraphen geartet sein mögen; es wird ch^uiller darauf ankömmen, daß das deutsche Reich selbstverständlich „Nein" sagt, sondern vielmehr darauf, daß sich „Völkerbundstruppen" d. h. Frankreich nicht gerade übermäßig wünschen wird, Druppen durch das Reichsgebiet zu inftradieren.

Volkerrrechtlich erwächst daher Rußland kein Vorteil, wenn es zuerst Rumänien angriffe, wohl uuer ein politischer Nachteil, daß damit der ita- nemsche (kalmierende) Einfluß in Bukarest auf den Gefrierpunkt herasgedrückt, der französischen (sehr logisihe) Einfluß aber Trumpf wäre. I

... Der Wettlauf zwischen Völkerrecht und Politik durste daher — wie immer im Laufe der Jahr- hiznderte — zugunsten letzterer entschieden sein.

kommt man auch auf die militä­rische Situation. Lieber das Rote Meer kann man denken wie man will, ob es stark ist oder nicht genügend überlegen — das kann erst der Ernst- faU erweisen; ledenfalls aber scheint es ein Ge­bot Politiker Vorsicht, sediglich doch nur mit einem Nachbarn anzubinden, wenn man sich den I zetten unterdessen vom Leib halten kann. Das "^"^rkstc Armee zweckmäßig ho? e5 durchaus im Bereich

der Möglichkeit, daß Polen von Rumänien sitzen I gelaffen wird, was im umgekehrten Fall infolge des französischen, diesfalls präponderierenden Ein- I ?fa^u fein scheint. Anders aus­gedruckt: Im Falle des Angriffs auf Polen wür­den italienische und französische Diplomatie in Bukarest mit Hochdruck im Sinne ihrer Thesen ar­beiten.

f^alle des Angriffs auf Rumänien hätte I die französische These von Haus aus die Oberhand Zufammenfasfend muß daher festgestellt wer­den: Die Abweichungen verschiedener Auflassungen über den Oste« betreffen nur die Ue&rieaun&dDo 1

Der hier angezogene § 8 des Fraktionsstatuts, das für die Geschäftsführung der Fraktion seiner­zeit aufgestellt worden ist, behandelt die Frage der einheitlichen Abstimmung für besonders wichtige politische Fälle. Der Beschluß des Vorstandes wurde von der Fraktion einstimmig gut­geheißen und gebilligt. Die Zentrumsfraktion des Reichstages hat damit als diejenige Instanz, die organisatorisch und politisch durch ben bekannten Vorfall betroffen wird, offiziell gesprochen. Sie in ruhiger und absichtlich abgewogener Weise

Im englischen Unterhaus gab Ministerpräsident Baldwin auf Anfrage eines Mitgliedes der Ar­beiterpartei die Zahl der britischen Staats­angehörigen in Schanghai mit etwa 9300, und die der britischen Untertanen in China einschließlich Schanghai auf 15 247 an und fügte hinzu, es würde nicht im öffentlichenJn- t e r e f f c liegen, den ersten Teil der Anfrage, wie stark die entsandten englischen Streit­kräfte seien, zu beantworten. Kriegsminister Worthington Evans teilte auf eine weitere Anfrage mit, die Frontlänge der internationalen Niederlas­sung in Schanghai betrage etwa 16 Meilen. Es liege nicht im öffentlichen Interesse, die Zahl der Truppen mitzuteilen, die gebraucht werden, um diese Front wirksam zu bewachen. Auf eine Zwi- schenfrage, ob bereits die verschifften Truppen nicht mehr als genügend feien, antwortete Evans: Nein, er glaube nicht. Baldwin beantragte eine Bei- leidsadreffe zum Tode des Mikado. (Er betonte die „loyale Rolle", die „als unser Alliierter" die japanische Regierung während des Krieges gespielt habe und fuhr fort: Später gaben Japan und Großbritannien die alte Form der Allianz aus dem Gefühl heraus auf, daß die mili­tärische Allianz dieser Natur nicht mehr in Ueber- einstimmung mit den Gefühlen der neuen Welt war. Sie ist in das Kernstück eines Systems von reundschaftlichen Beziehungen umgewandelt wor- )en, in dem andere Länder bei Aufrechterhaltung des Friedens im ganzen Stillen Ozean Mitwirken können. Baldwin schloß, England sei stolz auf die langjährige Freundschaft Japans und hoffe, daß sie fortbauern werbe als eine ber Hauptsäulen des Weltfriedens.

Die Lage in Portugal.

Die portugiesische Gesandtschaft in Paris teilt in einem amtlichen Telegramm mit, daß die Re- do Inti on .nledergerungen sei. Die Auf- ständischen hatten sich ergeben. Der Kreuzer „Car- valho Ara njv" habe die weiße Fahne gehißt. Seine Besatzung habe sich an Bord eines deutschen Schiffes begeben. Nach einer Havasmeldung aus Porto haben sich die Aufständischen in Porto am L. Februar um ti Mr vormittags ergeben. Das

demokratischen Partei Deutschlands veranstaltete Donnerstag abend im Sportpalast eine Massen­kundgebung gegen den Bürgerblvck. Als erster Referent sprach Reichstagsabgeordn. Stampfer über die Regierungskrise. Der Bürgerblvck hätte .mir entstchen können, weil das schaffende deutsche Dvlk nicht einig fei. Der Referent gab dann einen Rückblick über die Entstehung des Bürgerblocks. Hinter den Deutschnationalen ständen die großen Kapitalkonzerne. Das Zen­trum hätte vor dem Feldmarschall von Hindenburg kapituliert. Rur einer,Josef Wirth, sei auftccht geblieben. Die Sozialdemokratie habe es sich zugeschworen, diesen Bürgerblock zu zerschlagen und diese Regierung sobald als möglich zu stürzen. Deutschland müsse wieder das freie Land des arbeitenden Volkes werden.

Als Vertteterin der Frauen schilderte die Ab­geordnete Jucharz die Stellung der Frau im poli- tfti^n Leben und chr Verhältnis zur gegenwärtigen Rechtsregierung.

Reichstagsabgeordneter Auffhäuser sprach alsdann über „Rechtsregierung und Sozialpolitik". Er zeichnete in großen Zügen die Lage der Wirt­schaft und der Arbeiterklasse. Lohndruck und zwei Millionen Arbeitslose seien die Voraussetzungen für 'dre Schaffung des Besitzbürgerblocks gewesen. Diese Regierung sei die Regierung zur Stabilisierung des sozialen Elends. Die Schaffung des Bürgerblocks fei die offene Kriegserklärung an das arbeitende Volk Deutschlands.

Reichstagsabgeordneter Rudolf Breit scheid nahm hierauf zum Thema „Rechtsregierung und Außenpolttik" das Wort und sprach die Befürch­tung aus, daß Reichskanzler Dr. Marx nicht der Mann sei, der sich gegen vier deutschnationale Kol­legen durchzusetzen vermöge. Jetzt werde man lange Watten können, bis die Verständigungspolitik die er­matteten Früchte trägt. Der Kabinettswechsel habe uns in der Außenpolitik crußerordenttlich weit zu­rückgeworfen.

Als letzter Redner der sozialdemokratischen Kundgebung gegen die Rechtsregierung äußette sich Reichstagsabg. Scheidemann über die Auf-

Don einem außenpolitischen Mitarbeiter:

Die in den letzten Tagen beobachtete intensive französisch-polnische Fühlungnahme scheint der fran­zösische Gegenzug auf den russischen Protest zu sein, der gegen die Verlautbarung des franko-rumäni- schen Vertrages erhoben wurde. Frankreich ver­sucht demnach — ganz abgesehen vom polnisch- deutschen Grenzproblem — Polen und Rumänien wieder enger zusammenzuführen, nachdem der ita­lienisch-rumänische Vertrag in Polen gewiße Zwei­fel auf die Zuverlässigkeit Rumäniens entstehen ließ, ob Rumänien wirklich geneigt fei, zu mar­schieren, wenn Rußland Polen angriffe.

Es ist nun in letzter Zeit eine Ansichtsdisferenz zweier sehr orientierter Stellen zu vermerken, die wie folgt zu spezialisieren ist: Die eine Ansicht W dahin, daß Rußland den Angriff gegen den Westen in Bessarabien beginnen werde, wodurch eine völkerrechtliche Situation gegeben sei, die es Reiche erlaube, seine Stellung gegen Ae Passierung von Westtruppen einzunehmen. Auf wrunfc des Bundnisfalles werde dann Polen mit» ml» kurz- der Krieg Rußlands gegen Rumä- ntenunb Polen werde unter einem ausgefochten. . E andere Absicht geht dahin, daß Rußland oon Italien Rumänien mit der „Rege- lung der bessarabischen Frage" hinziehen werde, um Zuerst einmal mit Polen seinen Strauß aus» zufechten, wofür ein weiß-russisch-ruthenischer Auf- jtonö in den polnischen Ostgebieten den Anlaß ab» geben werde, deren „Unterdrückung mit Hilferufen Rußland nicht gleichgültig zusehen könne". Dar­aufhin werde Rumänien nicht marschieren, son­dern in der Hoffnung auf italienische Einfluß- nabme eine Regelung der beffarabifdjen Frage auf friedlichem Weg versuchen.

Die Differenz der beiden dargestellten Ansichten ist, summarisch genommen, daher nicht übermäßig groß. Beide Ansichten glauben an einen Ostkrieg, wobei zu bemerken ist, daß die erste Ansicht einer Ausgesprochen pazifistischen Richtung entstammt, «je letztere aber einer zumindest für die künftige Haltung des deutschen Volkes als unbedingt die Position der Neutralität das Wort redenden Stelle.

Die Abweichung beider Ansichten kristallisiert sich daher lediglich auf die in Sowjet-Rußland vorherrschende taktische Ueberlegung, ob es besser sii, entweder der völkerrechtlichen Situation oder oer militärischen Beurteilung den Vorzug zu geben.

Cs ist gewiß ein Vorteil, wenn die Völkerrecht!, eituation klappt; vor allem für die innere Krieas-

Do Rußland bezüglich dessen heu- 3n e^lflen3 ausschließlich durch zensurierte ttJr^e"Unternd?tet ">rd die „Kriegsbegei- genau so da sein wie damals, als Däter- Q„£;')ar 3Ur Verteidigung des heimischen Bodens in, hJ„ '5ni Ausland wird sich niemand darüber W unklaren seiy, daß Rußland an greift; ob dabei

In der französischen Kanfmer wurde die For­derung des kommunistischen Abgeordneten Vail- lant-Couturier auf Streichung der Kredite für die Marokkoarmee abgelehnt. Ebenso der soziali­stische Antrag auf Streichung der Kredite für die Levantearmee in Höhe von rund 21 Millionen Franks.

In einer Botschaft an den Kongreß hat Prä­sident Coolidge bekannt gegeben, daß er in einer Rote an die Mächte vorgeschlagen hat, die Mächte sollten ihre Delegierten auf der Genfer vorberei­tenden Abrüstungskonferenz mit Vollmachten zur Beratung und zum baldigen Abschluß eines Ab­kommens über eine weitere Einschrän­kung ber Rüstungen zur See ausstatten.

In der Botschaft heißt es dagegen über die Land rüftungen:

Unsere Delegierten in Genf haben ständig die Ansicht aiisgedrückt, daß unter den Umständen, wie sie heute in der Welt gegeben sind, die Probleme der Land- und ßuftrüftungen am geeignetsten für eine Lösung durch regionale Verein­barungen sind, die sich auf Gebiete beziehen, innerhalb deren die Land- ober ßuftrüftungen eines ßandes eine eventuelle Bedrohung für ein anderes Land darstellen würden. Geographische Kontinente sind als Regionen vorgeschlagen wor- dc.i, die geeignet sind für Vorträge betreffend Ein­schränkungen zu Lande und in der Luft. Die amerikanischen Land- und Luftstreitkräfte stellen für niemand eine Bedrohung dar. Sie sind auf der Mindestsiärke gehalten. Ihre Herabsetzung ist von niemand als notwendige Vorbedingung für bie allgemeine Rüstungseinschränkung vorgeschla- gen worden. Diese Einschränkung unserer Lust- streitkräfte ist möglich geworden durch die uns gün­stige geographische Sage. Ich bin mir klar dar­über, daß die Probleme der Rüstungen zu Land und in ber Luft in Europa voller Schwierigkeiten sind, bie wir gerechterweise anerkennen müssen. Unb wenn auch bie amerikanische Regierung stets bereit sein wirb, in jeder angemessenen Weise ihren Beistand bei ben Bemühungen seitens europäischer ober anberer Regierungen zu leihen, zu —:— len Abkommen zu gelangen, bie bie ßi

hält, ben Zwischenfall beizulegen, ohne baß er zu weiteren Folgerungen führt. Auf Grund die­ser Stellung der Fraktion darf der Vorfall als erledigt angesehen werden.

Der $all v. Ueudell.

Der Germania zufolge dürfte nach der am Frei­tag im Reichstag erfolgenbeii Erklärung des Reichs­kanzlers über bas Ergebnis der Untersuchung wegen der gegen den Reichsminister des Innern v. Keu- bell erhobenen Vorwürfe Herr v. Keudell seiner­seits bas Wort ergreifen, um seine Gebundenheit an bie Regierungserklärung und fein Bekennt- nis zur Verfassung zmn Ansbruck zu brin­gen. In der Debatte über bie kommunistische In­terpellation wird nach ber Tägl. Rundschau von den Regierungsparteien nur bas Zentrum das Wort nehmen. Die Abstimmung über bie Miß­trauensanträge gegen Keudell (auch die Sozial­demokraten haben einen Mißtrauensantrag! gegen v. Keudell eingebracht) wird voraussichtlich schon am Freitag stattfinden.

Der $aU Wirth.

Der Vorstand der Zenttumsfraktion des Reichs­tages hat sich Mittwoch mit der Haltung beschäf­tigt, bie Dr. Wirth bei bet Abstimmung für das Vertrauensvotum zum Kabinett eingenommen hat. Der Vorstand entschied sich dahin, der Fraktion folgenden Beschluß zur Annahme zu unterbrei­ten:

Unter Hinweis auf Paragraph 8 der Richtlinien für bie politische und parlamentarische Arbeit der Zentrums- frattion des Reichstages bedauert der Vorstand, daß Herr Dr. Wirth sich bei der Abstimmung vom 5. Februar von der Fraktion getrennt und mit Rein gestimmt hat.

det „Gazette del Popolo": Ich glaube fest, daß die Wiederher st ellung Europas nur erfol­gen kann durch eine enge Entente zwischen ben vier Großmächten Deutschland, Eng­land, Frankreich und Italien. Das sind die vier Säulen, auf denen der Palast des euro- päifdjen Friedens aufgebaut werden muß. Jch kenne die Bedürfnisie und die Wünsche Italiens. Ich glaube, daß es möglich ist, sie mit den Rech­ten unb Interessen Frankreichs, die ich zu vertre­ten habe, in Einklang zu bringen. Mit Ver­gnügen habe ich die Unterzeichnung des im Geiste des Völkerbundes abgeschlossenen deutsch- italienischen Schiedsgerichtsvertra- g e 5 zur Kenntnis genommen. Er entspricht der europäischen Polltik, die der Auffassung ist, wenn man Verträge vervielfacht, arbeitet man für die Stefejtifiuiiä b£s Friedens,

Das „Echo de Paris" glaubt feststellen zu kön­nen, baß die Frage ber Rückkehr zu denArron- b i ss c m c n t sw ah len im Laufe des letzten Mi- nisterrates einen Zwiespalt innerhalb des Kabinetts gezeigt habe. Namentlich Louis Marin stehe 'm Opposition zu seinen Ministerkol­legen, weshalb man beschlossen habe, den Präsi­denten ber Republik aufzufordern, eine Art Schiedsrichteramt zu übernehmen, um den Konflikt zu beseitigen. Nach dem „Echo de Paris" spricht man angesichts der Unstimmigkeit der Par- teien über bie Rückkehr zu den Avondissementwahlen von der Möglichkeit einer Verlängerung der im Mai 1928 ablausenden Legislatur-Periode.