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Anzeiger für die Sfabf und den Kreis Fulda.

Nr. 32.

Erscheint sechsmal müchrnllich Wache »bei läge. ^Illustriert» Beilage' und ,BuchenstIStler- «ototinnäbrud und Verlag der Äulbnet Artiendruderei in Fulda Fernsprecher 9U. 9. :* Monnllicher Bezugspreis 1,50 Ml w

Mittwoch, S. Februar 1927.

Amtliches kreisblakk.

ilnjeigen-Preit« kkleinzril» iLolvnel) lokal 0.15 <4,1 auSwürt« 0.20 ÄJl Reklame,eite lokal 0,60 «,» auswärts 0,80 JUt Sei Wiederholung«» fflaMttl •«.. Bastscherkkoniv Rrnnfturl a M Br 4051 * I

Zahrg.54

Arbeitslosenversicherung und Reichstag.

Laßt sie arbeiten!

Und nun laßt sie arbeiten, die neue Regierung! Es ist schwer genug gewcsm, sie zustande zu bringen. Nun muß sie auch zeigen, was sie kann: Dazu müssen wir ihr setzt Gelegenheit geben.

Je mehr diese Regierung, in der sich die Deiittch- nationalen nutt befinden, im Sinne des staatlichen und wirtscha't'ichen Fortschritts leistet, umso me^r wird auch dieser Staat selber samt der Wirtschaft gefestigt. Je größere Fortschritte in der Jnnen- und Außenpolitik gemacht werden, umso stärker er­weist sich die Richtigkeit dieser bisherigen poli­tischen Linie. Es kann gar keinen besseren Beweis für die Berechtimmg der seither getroffenen Maß­nahmen nach innen und außen geben, als die Tat­sache. daß diesenige Partei, die acht Jahre lang in schroffer Opposition zum Staat und- seinen Organen und Maßnahmen stand, nun mit all diesen Faitoren zufammenarbeitrt und das bisher Erreichte noch zu vervollkommnen sucht.

Auf diese Arbeit muß nun das gonge Augen­merk gerichtet werden. Jeder Fehler, den diese Re- gientng machen wird, wird viel schwerer wiegen als bei jeder anderen Regierung zuvor, aber auch ’o'*« wird p'el Wer gewesten werden als früher. Während jeder Fehler als Beweis dafür gedeutet wurde, daß diese Regiernna der imieren Harmonie und der gemeinsamen Zielsetzung eychehre, würde jeder Erfolg die Position der ehemaligen Oppo­sition schrittweise verschlechtern. Man braucht gar kein politischer Vrophet zu fern, um ausznsprcchen, daß diejenige Wahrheit, die die neue Regierung bei der Mstimmüng über das Vertrauensvotum «halten hat, die größte während ihres ganzen Bestehens sein dürfte. Denn bei ieder weiteren 4rt-ftimpiitng n-erben sich, da man sich ja nun mit den realen Problemen selb« ahsinden muß, die Vertrauensziffern mehr und mehr herabmindern. Es ist nicht ganz unwichtig, daß der Punkt, an welchem Ersatz für diese Regierung dann ge­schaffen werden müßte, so beilegt wird, daß dem Wähle'' ganz klar wird, auf welche Se'te er sich bei der borzunehmenden neuen Wahlentscheidung zu stellen hat.

Mer lassen wir nun die Regierung einmal erst arbeiten. Die neuen Partner sollen uns zeigen, was sie können.

Die Deutschnationalen haben auf Grund eines Frakti onszwanges einmütig die Erklä­rungen der Reichsregieruna gebilligt. Da muß man doch noch einmal deutlich unterftrei- chen, was in diesen Erklärnn"en überhaupt gestan­den hat. Bekannt'ich bauten sich diese Erklärungen auf den Richtlinien auf, die nur deshalb nicht mehr amtlich verö'fentl'cht wurden, weil sie borher durch eine Indiskretion bekamst geworden waren, die aber ihrem Jnhall- nach bollkommen bestehen. In der Regiwunaserklärung nun he'ßt es. daß die Re- giernng sich einig ist, daß die Grundlage unserer Politik, die Anerkennung ber Rechtsgültigkeit der in der Verfassung bvn Weimar gegründeten repu­blikanischen Staatsform, auch für die Ar­beit der neuen Regierung volle Geltung behalten h)ll.

Es ist der feste Wille der Reichsregierung, für den Schutz, die Achtung und die Ehre unserer gel­tenden Vertassung in ihrer Gesamtheit, ihrer Or­gane und ihrer Reichsfarben, wie sie in Artikel 3 der Reichsverfassung festgelegt sind, mit Tatkraft einzutreten.

Die Reichsverfassung ist durch Beschluß der Nationalversammlung rechtmäßig zustande gekom­men.

Jeden Versuch gewaltsamer oder sonst ungesstz- Ncher Abänderung wird die Reichsregierung als Hochverrat ahnden. Insbesondere wird sie auch gegen alle Vereinbarungen, die den rerft^ibr-'-'n und gewaltsamen Umsturz der bestehenden Staats- svrm bezwecken, Vorgehen.

Bezüglich der Außenpolitik spricht die Re­gierungserklärung aus:

So versteht sich von selbst, daß die rung die bisherige Außenpolitik im Sinne der gegenseitigen Verständigung weiter bei,v.;,.. wird.

Die. Außenpolitik, welche die ReichLregrerung k °^nc Unterlaß unbeirrt verfolgt

und die schließlich zu dem London« Dawes-?lb- tommen, zum Dertragswnk von Locarno und zum Eimrut m den Völkerbund geführt hat, ist gekenn­zeichnet durch den Verzicht auf den Gedanken der Revanche,, ihre Tendenz ist vielmehr die Herbei- fühmng einer gegenseitigen Verständigung.

Wir können wirklich damit zufrieden Hin daß die Deutschnationalen auf solchem Boden politisch zu arbeiten versprechen, daß sie einmütig diese Er- llärungen billigen und es kommt j«t nur darauf an, scharf darauf acht zu geben, wie sich dir Pro- paganda im Lande daraufhin emstellt. Wir denken gewiß nicht daran, den Deutschnationalen den Ueb«gang schwerer zu machen, als er ohne­hin schon ist ,aber wir haben andererseits auch allen Gnmd dazu, genau aufzupassen, wie sich nunmehr ihre Agitation im Lande gestaltet.

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In dem „Berliner Tageblatt" wird, wie man Ans aus Berlin mitteilt, die Tatsache «wohnt, daß an der Abstimmung üb« den Vertrauensantrag ber neuen Reichsregierung vom Zentrum die Abgeordneten Dr. Dessauer, Dr. Ten Ham­pel, I m b u s ch, Frau Philip p-Baden und der protestantische Zentrumsabgeordnete Röder-Da- ben sich nicht beteiligt hätten. Man kann wohl, so fährt das „Berliner Tageblcttt" fort, bei den Ab­geordneten Dessauer, Jmbusch und Döder-Baden annehmen, daß sie der Wstimmung ferngeblieben feien, weil sie sich zu einem Vertrau ensvc tum für die gegenwärtige Reichsregierung nicht entschließen

Aus dem Reichstag wird uns mitgeteilt:

Das überaus wichtige Gesetz, das eine Zwangs- Versicherung wegen Arbeitslosigkeit vorsieht, ist nunmehr auch Gegenstand der P l e n a r b e r a- tungen des Reichstags geworden, nachdem in unendlich mühsamen Vorberatungen diese Frage für die gesetzgeberische Behandlung in den zustän­digen Reichsstellen, insbesondere dem Reichsarbeits­ministerium, vorbereitet wurde. Die Stellung der Reichsregierung zu. diesem Problem ergibt sich am besten durch die Ausführungen, die der Reichs- arbeitsminifter Dr. Brauns zu einigen grundlegenden Fragen der Arbeitslosenversicherung im Reichstage gelegentlich der ersten Lesung machte. Er führte dabei unter anderem aus:

Dw Arbeitslosenversicherung wird vom Reichstag, von den Regierungen der Länder und von den Arbeitneh- m-rn aller gewerkschaftlichen Richtungen aufs dringlichste gefordert. Auch die Arbeitgeber halten sie in ihrer Mehr- zahl grundsätzlich für einen Fortschritt gegenüber der gegenwärtigen Erwerbslosenfürsorge, vor dem Kriege haben sehr ernsthafte Sozialpolitiker eine über das ganze Reich sich erstreckende und die Gesamtheit der Arbeitneh­mer erfasiende Zwangsversicherung gegen Arbeitslosigkeit für unmöglich gehalten, weil das Risiko der Slrbeitslosig- keit nicht versicherungsfähig sei und weil der ArbeitswAe sich nicht hinreichend kontrollieren lasse. In dem gleichen Sinne wird auch heute noch hie und da verlangt, daß der einzelne Arbeitnehmer selbst die nötige Vorsorge für die Zeit einer Arbeitslosigkeit treffen sollte. Dazu sind die deutschen Arbeitnehmer aber nicht in der Lage.

Auch die Gewerkschaften können die Arbeitslosenver­sicherung nicht übernehmen. Das sogenannte Genter System paßt nicht für Deutschland, weil die Gewerk­schaftsbewegung in Deutschland beruflich und richtungs­mäßig viel zu sehr aufgeteilt und selbst zu sehr von Konjunkturen abhäng'g ist. Deshalb verlangen jetzt auch die großen Svitzenverbände der Gewerkschaften eine staatliche Arbeitslosenversicherung. Diese staatliche Arbeitslosenversicherung muß aber auf dem Boden der Selb st Verantwortung und der S e l b st ver­mal t u n g der Beteiligten stehen. Rur dadurch lasten sich auf die Dauer die Gefahren wirksam bekämpfen, die sich aus einer Fürsorge für Arbeitsfähige notwen­digerweise ergeben.

Stellt nun aber die Arbeitslosigkeit ein versicherungs­fähiges Risiko bar? und lassen sich die Beiträge, die der einzelne Arbeitslose zahlt, und die Leistungen, die er da­für erhält, in ein vernünftiges Verhältnis zueinander bringen? Beides ist möglich, wenn man, wie der Ent­wurf es tut, die Konjunkturarbeitslofigkeit und die Ar­beitslosigkeit aus anderen Gründen voneinander trennt. Die Koniunkturarbeitslosigkeit kann von der Versicherung in der Regel getragen werden, während die sogenannte Krisenunterstützung, die der Entwurf vorsieht, auf breitere Schultern gelegt werden muß. Die besonderen Vorteile ber Versichorung werben auch in Zeiten der Krise einem erheblichen Teil der Arbeitslosen zugute kommen, weil die Fluktuation unter den Arbeitslosen nach den Erfahrungen des letzten Jahres auch in Zeiten ber Krise groß ist und deshalb ein erheblicher Teil ber Arbeitslosen staubig die Voraussetzungen der Versicherung erfüllen kann.

Ist es notwendig wieder -ine n»ue Fo-m ber Sozial­versicherung zu schaffen? Läßt sich bie Arbeitslosenver­sicherung nicht z. E. mit der Krankenversicherung eng verbinden ober zusammenfassen? Dazu ist zunächst sest- zustellen, baß bie Arbeitslosenversicherung nach bem Entwurf die vorhandene Form der Sozialversicherung soweit als möglich benutzt: Einziehung der Beträge durch

fömten, ab« auch nicht, rote Dr. Wirth, dagegen stimmen wollten.

Dazu stellen wir folgendes fest: Die Mgeord- neten Dr. Ten Homp el und Frau Philipp- Baden waren durch Krankheit entschuldigt. Die übrigen Mgeordneten hatten ebenfalls triftige Gründe für ihre Abwesenheit van Berlin. Einige dieser Mgeordneten haben übrigens auch bereits «klärt, daß sie, wenn sie in Berlin gewesen wären, für die Regierung gestimmt hätten. Es ist voll­ständig abwegig, das Fernbleiben dieser Abgeord­neten mit der Abstimmung des Mgeordneten Dr. Wirth in Verbindung zu bringen. Was die Angv- legenheit Dr. Wirth selbst angeht, jo wird darüber eine näh«e Aussprache innerhalb d« Zentrums­instanzen stattfinden.

Der Fall Keudell wird von der Linkspresse noch weiter behandelt. Der Lokal-Anzeiger (Nr. 63) teilt zur Entlastung des Herrn v Keudell mit, daß ihm am 22. Juli 1921, also ein Jahr nach den von Herrn Landsberg besprochenen Vorgängen, der Po­st en eines Regierungspräsidenten in Stettin vom sozialdemokratischen Innen­minister Seoeripg angeboten worden war.

Das Organ des „Iungdeutschen Drben" ver­öffentlicht dagegen Material, wonach v. Keudell an der Achterklärung des Iungdo-Bruders Herrn v. Treskow teilgenommen habe, weil dieser dem Iungdo die Treue hielt.

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Zum Fall Dr. Wirth schreibt die „K. 93.": Es ist selbstverständlich, daß nunmehr e'ne unzwei­deutige Klärung der Berhältntfse der gesamten Hentrumsvartei des Reiches zu Hrn. Dr. Wirth erfolgen wirb. Bei aller Anerkennung seiner gro­ßen Verdienste und seiner bedeutenden Persönlich­keit wird es in der Partei als eine Unmöglichkeit empfunden, daß sich „Extratouren" ständig wieder­holen, noch dazu jetzt in der Gestalt, daß ein Ab­geordneter der führenden Regierungspartei sich zur Opposition bekennt — ein unlösbarer W i - b eriv-r uch tm Snstem der parlarn"Mari'chen Demokratie. Das Recht der Persönlichkeit findet gerade bei den Männern, die zu Führern berufen sind, eine strenge Grenze in dem höheren Maße ihrer V e r a n t w o r t l i ch k e i t, und es ist keine T-übrung mönlich, wenn es Führer gibt,- die der Truppe selbst das Beispiel der Disziplinver- neinnnq neben

Drs Verhalten Dr. Wirths bei der Abstim­mung über das Vertrauensvotum für die Reichs- regieruug wird wahrscheinlich am kommenden

die Krankenkassen, Svruchbehörden ber Sozialversiche­rung auch für die Arbeitslosenversicherung. Aus ber anberen Seite wirb bie Arbeitslosenversicherung aber burch ihr ganzes Wesen genötigt, sich mit ber Organi­sation der Arbeitsvermittlung aufs engste zu verbinden. Nur der Arbeitsnachweis kann bie wichtig­sten Voraussetzungen der Arbeitslosenunterstützung, bas Fehlen geeigneter Arbeit, ben Arbeitswillen und bie Arbeitsfähigkeit ber Arbeitslosen feststellen. Nur er kann eine sachgemäße Kontrolle ausüben. Er kann bie Arbeitslosigkeit durch bas Angebot geeigneter Arbeit be­endigen, und er kann vor allem die Arbeitslosigkeit ver­hüten, solange noch irgendwie Arbeitsgelegenheit vor­handen ist, und das um so mehr, je wirksamer die Ar­beitsnachweisorganisation ihre eigentliche Aufgabe, die Arbeitsvermittlung, durchzuführen versteht. Der Ent­wurf bringt die Träger der Arbeitslosenversicherung, die Arbeitslosenkassen, in eine unmittelbare organisatorische Verbindung mit ben Landesärntern für 'Arbeitsvermitt­lung. Den Arbeitsnachweisen gegenüber steht ihnen aller­dings nur eine sachliche Aussicht zu. 3n diesem Punkte ist der Entwurf vielfach kritisiert worden. Ob es nötig ist, weiter zu gehen und im Interesse der Arbeitslosen­versicherung, aber auch der Arbeitsvermittlung die Or- ganifnfion des Arbeitsnachweises umzugestatten, das ist eine Frage, an ber ber Reichstag bei den Verhanblun gen über ben ooriiegenben Entwurf zweifellos nicht vorbeigehen kann. Eine weitere Frage, bie zweifellos Anlaß zu grunblegenben Erörterungen geben wird, ist die Stellung der Landwirtschaft zur Ar­beitslosenversicherung. Neuerdings wünschen bedeutende Verbände der landwirtschaftlichen Arbeiter, bie früher bie Arbeitslosenversicherung abgelehnt haben, ihre Ausdehnung auf die Landwirtschaft, freilich in ber Form einer Sonderversicherung, und auch bie land­wirtschaftlichen Arbeitnehmer stimmen diesem Gedanken zum Teil zu. Dieser Gedanke ist sicher nicht leicht zu ver­wirklichen. Dennoch ist er grundsätzlich zu begrüßen, weil er aus ber richtigen Erkenntnis entstauben, daß es die Landflucht fördert, wenn die Landarbeiter sozial schlechter gestellt werden als die städtischen.

Die Arbeitslosenversicherung ist gewiß kein Mittel, um bie Arbeitslosigkeit zu beseitigen. Darum bart ihre so­ziale unb wirtschaftliche Bebeutung aber nicht unter­schätzt werben. Sie schützt bie Arbeitslosen unb bamit hie Gesamtheit ber ?triieitnehm'>r vor e'"er Verelendung, insbesondere auch dadurch, daß sie die Hilfe mehr dem sonstigen Verdienst anpaßt, als das die Fürsorge tun konnte. Sie erhält damit zugleich der Wirtschaft weniastens zu einem Teil die Kaufkraft der Arbeitslosen. Sie erhält der Volksgesamtheit die Ar­beitskraft so vieler Tausende und damit das Gut, von dem bie beutsche Zukunft vor allem abhängt. Endlich fügt sie der gesamten Sozialgesetzgebung ein wichtiges, bisher fehlendes Glied ein und ist damit ein weiterer Fortschritt auf dem W»ge zum sozialenRecht, beffen Verwirklichung wir alle erstreben.

«

In der Anssvrache, die sich in der Montags-Sitz­ung des Reichstags diesen Ausführungen des Ar­beitsministers anschloß, verlangte der sozialistische Abg. Brey ein schnelleres Durchsetzen des A r - beitsbeschaffungsproaramms. Die Ge- samtrnterstiitzunn, wie sie die Vorlage vorsehe, sei unzureichend. Abg. Dr. Rademacher (Dntl.) be­grüßte die Vorlage, während sie der kommunistische Abg. Radel namens feiner Fraktion ablehnte. Die Deiterb.ratung wurde daraus auf Dienstag, den ft. ypbrdtr, 3 Uhr nachmittags rertagt.

Sonntag sowohl den Reichsparteivorstand, als auch den Reichsparteiausschuß des Zentrums beschäftigen.

Die Reichsregierung teilt zu dem Gerüchte über Konkordatsverhandlungen mit, daß im Jahre 1920 zwischen dem päpstlichen Nuntius und dem verstor­benen Reichspräsidenten Ebert die Konkordats- frage besprochen worden ist Der Reichspräsident Ebert hat damals erklärt, daß er mit dem Nun­tius die Aufgabe, das Verhältnis zwischen Kirche und Staat in Deutschland neu zu regeln, zu lösen oedenke. Das solle geschehen aufgrund der Verms- fung der Republik, die vollste Gewissensfreiheit verbürge. Auf dieser Grundlage sind die zustän­digen Resiorts feit längerer Zeit in einer Prüfung der einschlägigen staatsrechtlichen und kirchenpoliti- schen Fragen begriffen, ohne daß es aber zu ir­gendwelchen Verhandlungen mit dem Hei­ligen Stuhl bisher gekommen ist.

Die völkische Srafctkn gesprengt.

Infolge des Ausschlußes des Reichstagsabgeord­neten Kube aus der deutschvölkischen Freiheits­partei sind, wie das „B. I.", erfährt, nunmehr auch die Abgg. Graf v. Reventlow, Jür­gens v. Ramin und S t ö h r aus der völkischen Fraktion ausaeschieden. Weitere Austritte sollen folgen. Das Blatt glaubt, daß bereits am Diens­tag oem Aeltestmrat Mitteilung von der Auf­lösung der Fraktion gemacht werde.

volksoarteNicher Nakeniammer.

Mit welchen Sorgen und auch schlecht verhoh­lenem Merger die Deutsche Bolkspartei den Auf­gaben entgegensieht, die das doch von ihr selbst mitgebildete neue Retchskabinett zu erfüllen hat, ist recht deutlich zu ersehen aus einer Rede, die dieser Tage der Reichntagsabgeordnete Dr. Schneider in einer Versammlung der Dresdner Ortsgruppe der Deutschen Volksoartei hielt. Er erklärte zunächst, daß in feiner Partei kaum Zu­friedenheit herrsche und besonders kritisch auch der A.-ß-nminisier Swesemann sei, da sie gerade aus der Regierungsbildung sehr geschwächt hervorge- oono»n fei. Die Ursache fie<ie aber weniger beim Parlament als bei b-n Wählern. Auch sei ja die gewünlchte sichere Mehrheit nicht erreicht worden. Man sei jetzt ganz abhängig von der Wirtschafts- Partei. Dazu gebe es bei den Deutfchnationalen wie b-i bem Zentrum Gruppen, hie sich über die Deutsche Dolksnartei hinweg die Hände reichten. Die Deutschnationalen befänden sich weder in b-mer-

China.

Die Kantontrupven sollen bei Tschutschm eine Niederlage «litten haben.

*

Das diplomatische Korps in Pekin« hat beim chinesischen Außenministerium gegen dr, Entlastung des britischen Genualinspektors der See zölle, Aglen, protestiert.

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rott). London. 8. Febr. (Eig. Funkm.) Rente- meldet aus Hankau: Heute haben zum ersten Ma seit der V«tamrnq der Verhandlungen zwischen den Engländer O' Malley und dem chinesischen Außen Minister Tschen neue Besprechungen stattge funden. Seitens der nationalistischen Behörde!' wurde erklärt, daß man fast ein Nebereinkommer erreicht habe, daß jedoch die Rat-onalisten. bevor sie ein solches Abkommen unt«zeichnen könnten, erwarten müßten, die Absichten Groß-Bri­tanniens in Shanghai zu kennen. Die Nationalisten brachten den Wunsch zum Ausdruck, die britischen Streitkräste sollten in Hongkong oder sogar in Sinqavore gelandet werden, um nicht eine gefährliche Reaktion in Kanton auszu- lösen.

Amerikanische Schille auf dem Jangtse von Chine­sen angegriffen?

rotb. Paris. 8. Febr. (Gig. Funkm.). Nach einer int „Newyork-Hera'^' veröst'entlicktm A^enturmel- düng aus Washin . n sind dem Bericht des Kon­suls der Vereinigten Staaten in Hankau zufolge zwei amerikanische Handelsschiffe auf dem Jangtse von Chinesen unter Feuer genommen worden.

* Die Vereinbarung über die Offbefeffigungcn. Der Notenaustausch unö die Vereinbarungen über die Befestigungen an der Ost- und Südgrenze wer­den veröffentlicht. Die ausgetauschten Noten sind rein formalen Charakters.

* Denkmalbeschädigung in der Siegesallee. (Cig. Funkm.) An'den in der Berliner Siegesallee auf­gestellten Denkmälern Otto HI. und Johann l. sind leichte Beschädigungen festgestellt worden. Die ab- gebri chenen Teile, es handelt sich um Zehen des rechten Adlers, lagen in der Nähe der Denkmäler auf dem Reitwege verstreut. Die Untersuchung ist cinge! eitet.

* Die Straftaten „Prinz" Domelas werden in Köln verhandelt. (Eig. Funkm.) Einer Nachricht aus Gotha zufolge hat die dortige Oberstaatsan­waltschaft dem Anträge des Verteidigers Domelas ftattgegeben, daß die Heidelberger Straftaten in Köln verhandelt werden.

Die Revolution in Portugal.

rotb. Paris. 8. Febr. (Eig. Funkm.) Noch ettK. vom „Motin" wiedergegebenen Meldung find in Lissabon 150 Personen, hauptsächlich Politiker und Journalisten, verhaftet und nach der Festung Monte Santo gebracht worden.

f Das englische Parlament wird am Dienstag mit einer Thronrede des Königs eröffnet.

* Die Beisetzung des verstorbenen Kaisers von Japan erfolgte in Tokio unter Entfaltung japani­scher Feierlichkeiten.

* Schwere Unfälle beim Leichenbegängnisse des Mikados. Während des Leichenbegängnisses des verstorbenen japanischen Kaisers wurden an einer Stelle in dichtem Gedränge ungefähr 100 Personen vernmndet, davon 5 schwer. Eine Person wurde getötet. An einer anderen Stelle des Weges wur­den 20 Personen in einen Graben gestoßen und erlitten Verletzungen.

tenswerter Abhängigkeit vom radikalen Flügel genau so wie die Sozialdemokraten. Innerhalb der Partei bestehe immer noch ein völkischer Aus­schuß, t nfc in nächster Zeit würde wieder die Deutsche konservative Partei tagen. Sehr ernst sei das Auftauchen von Kultur^ragcn. In diesem Zu­sammenhänge bedauerte der Redner lebhaft das Fernbleiben der Demokraten. Auch im Verhält­nis der Regierungsparteien zueinander und in personeller Beziehung habe sich das neue Kabinett gegenüber dem alten nicht verbessert. In der Drücke zn-stchen Deutschnationa'en und Zentrum drohe eine Gefahr für den Libe-a' smiis, wenn auch der neue schwarz-blaue Block .m Ige gewiss« Gegenströmun- gen schon einen Riß habe. Habe doch der deutsch- nationale Abgeordnete Steiniger bereits in beach­tenswerter Weise über die Frage einer Brücken­bildung von den Deutschnationalen zu den Sozial­demokraten geschrieben. In personeller Beziehung werde Schiele auch in den Kreisen der Landwirt­schaft kritisch beurteilt Das Ausscheiden Reinholds, der einer der fähigsten Finanzminister gewesen fei, fei lebhaft zu bedauern.

In diesem Zusammenhänge fiel eine sehr hämische Bemerkung über den n-uen Finanzminister Köhler. Der erzwungene Verlust Kröhnes sei sehr schwer. Der Person Geßlers stehe die Volkspartei mit einer gewissen Reserve gegenüber. Der ruhende Pol in der Krisis fei aber von vornherein Stresemann ge­wesen. Eher werde ein Kabinettswechsel in Frage kommen als eine Störung der Außenpolitik. Das Schönste an der Rede war aber, daß Dr. Schneider freimütig erklärte, das Idea'ste fei eben eine Re­gierung der Mitte. Weshalb dann aber die In­sterburg« Rede, die doch die Grundursache des Sturzes war? Die Rede fand lebhaften Beifall. Ein starker Pessimismus ber Volkspartei über die doch gerade von ihr erzwungene neue politi'cheLage machte sich in allen Ausführungen des Redners deutlich kenntlich.