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Anzeiger für die Stadt und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.

Dienstag, 8. Februar 1927.

Nr. 31.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage; .Illustrierte Beilage' und „BuchenolStter" Rotationsdruck und Verlag der Rulboet Artiendruckerel In Fulda Fernsprecher 91t 9. :« Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk x

Wr eine engliich-MerikWWe AnheNsront. | Die russische und die chinesische ^rage.

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Nach der Kdft mmung. I

Die Umstände, unter denen die Annahme des Vertrauensvotums im Reichstag mit einer ftaticn Mehrheit von 61 Stimmen erfolgt ist, verstärken die (Sjrünbc derjenigen, die nickst an eine lange Dauer der neuen Koalition glauben wollen. Die Angelegenheit des Innenminister v. K e u d e l I wird wohl noch eine Zeit lang die Öffentlichkeit beschäf­tigen, da das Material gegen v. Keudell aus sozial­demokratischen Kreisen weiter fließt. Nebeir der Frage des Herr v. Keudell wird auch die Frage Dr. Wirth eingehend erörtert. Wer die Stellung weitester Kreise im Zentrum zu dem fraktischell Verhalten des Herrn Dr. Wirths kennt, wird die Bedeutung der Haltung des Herrn Wirths nicht überschätzen. Der „Badische Beobachter, das füh­rende Blatt in Dr. Wirths badischer Heimat, schreibt: Man kann dafür Versttindnis haben, wenn ein Zentrumsabgeordneter den deutschnationalen Er­klärungen gegenüber Bedenken hat, tnamt kann im äußersten Fall allenfalls noch verstehen, daß er es unter solchen Umständen nicht über sich bringt, einer •Regierung, der Deutschnationale angeboren, früher das Derttauen auszusprechen als sie den Tatbe­weis erbracht hat, daß sie es in allen ihren Mit­gliedern verdient. Wenn daher der Zenttumscch- geordnete Dr. Wirth sich bei der Abstimmung über das Berttauensvotum der Stimme enthalten hätte, so hätte man darüber vielleicht hinwegsehen können. So aber muß man seine Mstimmung unter dem Gesichtspunkt der Parteidisziplin ganz entschieden mißbilligen."

Bemerkenswert ist auch die Aufnahme der Ab­stimmung in der französischen Presse. Das „E cho d e P a r i s" schreibt, die Nationalisten hät­ten, nachdem sie über Nacht die maßvolle Ansprache annahmen, die Leuten, die für die Regierung ver­antwortlich seien, gezieme, sehr laut und sehr nach­drücklich einige ihrer alten Losungsworte erklingen lassen müssen. Dies erkläre die Rede des Grafen Westarp ganz natürlicher Weise, und besonders unter Berücksichtigung ihres Temperaments hätten die Leute des Zentrums angesichts der Ausführun­gen, die ihnen gegenüber wie eine Herausforde­rung klangen, regieren müssen. Beide aber hätten nicht einen einzigen Augenblick die sehr mächtige Begründung außer acht gelassen, die der Ursprung ihres Bündnisses seien. Das „Petit Journal" ist der Ansicht, man müsse nunmehr feststellen daß die Deurschnatinnalen, die gereifte formale Zuge­ständnisse gemacht hätten, wirklich ihre Ueberzeu- gung geändert hätten. Ihre Wandlung sei nach ihrem Eingeständnis nur vorübergehend und nur non dw Sorge um das Wohl des Landes eingege­ben. Alles hänge von der Haltung der Katholiken ab. Das „Oeuvr e" schreibt, man müsse den Männern wie Marx und Stresemann das Ver­trauen bemahren. Man könne grundsätzlich be­dauern, daß Deutschland eine Rechtsregierung an­nehme, aber es fei gewiß, daß man mit dieser Re­gierung auch für den europäischen Frieden werde arbeiten können.

Der „Duotibien" vertritt den Standpunkt, daß die gestern vom Kabinett Marx erzielte Mehrheit stärker fei, als man habe voraussehen können. Trotzdem will das Blatt den Erfolg nicht sehr hoch einschätzen.

Der „Figaro" schreibt, man wisse angesichts des neuen Reichskabinetts über einen Punkt Bescheid, nämlich daß Deutschland darüber einig sei, die Räumung der zweiten und dritten Rheinland­zone zu fordern. Das Blatt glaubt nicht, daß Deutschland Aussicht habe, diese Forderung durch­setzen zu könn°n. Könne die Anwesenheit der mi­litaristischen Partei in der Regierung auf diest Weise eine Garantie für die Sicherheit Frank­reichs bieten? so fragt das Blatt zum Schluß.

Auch die „Vietoire" vertritt den Standpunkt, baß der Einigungsgedanke des neuen Rechtsministeriums die Räumung der R h e i n-- lande fei. Das Blatt gibt zu, daß Frankreich sich in eier schlechten Stellung befinde, um sie zu verweigern, und zwar angesichts der Politik von Locarno, die im wesentlichen doch eine Politik der deutsch-französischen Berständigung fei. Denn ob man wolle ober nicht, die Räumung der Rhein- lande liegt in der Logik der Politik von Locarno.

„Le Peuple" zweifelt an einem langen Bestand der Rechtsregierung. Auf alle Fälle wäre es aber klua. so zu handeln, als ob sie lange Zeit bestehen würde.

•

Die „Soff. Ztg." weiß aus unterrichteten Krei­sen zu berichten, daß im Zusammenhang mit der Regierungsbildung auch unter den leitenden Stel­len der Reichsministerien noch Veränderungen be­vorstehen. U. a. soll die Ministerialdirektorstelle in der Bildungsabteilung des Reichsministeriums des Innern mit einem Zentrumsmann, dem Mini­sterialrat Selengar, besetzt werden.

Stresemann erholt sich.

Amtlich wird mitgcteilt: Der Reichsminister des Auswärtigen Dr. Stresemann trat am 'Sonntag einen mehrwöchigen Erholungsurlaub an. In seiner Vertretung fnljrt der Staatssekretär Dr. von Schubert die Geschäfte des auswärtigen Amts.

v. Hösch in Berlin.

Der deutsche Botschafter in Paris, Dr. v. Hösch, ist in Berlin ein getroffen und hatte am Sonntag eine längere Aussprache mit dem Reichs- außenminister und Saatsfcfretär des Auswärtigen Amtes.

Der Montagspost zufolge gilt die Reise des deutschen Botschafters in Paris v. Hösch nach Ber-

Iu einem Arlikel im Dbierocr gibt Garoin of­fen feiner Enttäuschung über den Mangel an Zu­sammenwirken zwischen Amerika und Großbritan nien in Weltsragen, vor allem in der r u s fisch e n und der ch i n e s i s ch e n Frage Ausdruck. Er be­tont: Der Völkerbund ist heute, was Asien und Nord- und Südamerika, das heißt den grö­ßeren Teil der Welt betrifft, machtlos. Der Friede ist in Europa und in Asien noch nicht end­gültig gesichert. Ein Krieg im großen. Maßstab kann in keinem der beiden Länder ansbrechen, ohne daß das andere gleichfalls in ihn hineinge- zcgen wird. Das riesige Sowjetreich hat mit die­sen beiden Konkurrenten gemeinsam, große Ver­änderungen bewirken zu können. Erschütterun­gen in Europa bei einem Abseitsstehen der Ver­einigten Staaten könne» indirekt wieder ver­änderlich über die Herrschaft im stillen Ozean entscheiden. Wie tarnt sich Amerika da zuruckhai ten? Eine Vereinbarung zwischen Washington und London in Bezug sowohl auf das chinesische, als auch das russische Problem vor Monaten wurde die augenblicklichen Schwierigkeiten und Gefahren abgewändt haben. Rußlands Einfluß in der Welt behandelnd bemerkt Garoin: Der Traum der Weltrevolution wird nur am Leben gehalten durch die Hoffnung, daß Großbritannien schwer verletzt wird, während Amerika zusieht. Er fragt: Weshalb läßt man die Fanatiker der Weltrevolu­tion hoffen, wie wir es tun, daß Wallstreet sie finanzieren wird? Die kommerzielle Zukunft der Harriman-Konzessionen und anderer, die noch hin- zukommen, würden in Rußland sicherer fein, wenn Rußland ein für allemal mitgeteilt würde, daß Amerika niemals einen Cents leihen würde, bis die Verschwörung zur Herbeiführung der Welt­revolution in China und überall aufgegeben wor­den fei.

Zur Lage in China betonte Garoin, daß die Washingtoner Konferenz ein Beispiel der Zusam- menarbeit und nicht der Isolierung gegeben habe. Bei Fortsetzung gemeinsamer Aktionen unter Füh­rung der Vereinigten Staaten würde jetzt im Fer­nen Osten eine weit weniger beunruhigende Loge bestehen als jetzt. Chamberlains Politik habe jede topur non wirklicher Meinungsverschiedenheit zwi­schen Downing Street und dem Staatsdepartement beseitigt. Großbritannie n stehe im Fern"» Osten nur dadurch allein, daß es das Bund- n i s mit Japan opferte, und dies hat es nur deshalb getan, um den natürlichen Wünschen Amerikas entgegenzukommen und Pfänder guten Willens zu geben. Eine englisch - amerikanische Vereinbarung würde die „bolschewistische Verschwö­rung töten" und China retten. Weshalb gehen die englisch sprechenden Mächte nicht gemeinsam vor? Auch aus Europa und den Weltfrieden würde die Frage zurückwirken. Wenn Washington und London im wesentlichen meiner Ansicht sind, schließt Carvin, in Fragen von höchster Wichtigkeit wieder russischen und der chinesischen, so scheint es wider­sinnig und unvernünftig, daß sie sich nicht offen einigen sollten, um ihren Zweck zu erreichen.

Lh!na und-der Völkerbund

wtb. London, 7. ifcbr. (Gig. Funkm.) In der „Daily News" schreibt Wilson ffarris in einem Artikel über „Der Völkerbund und China": „Der Völkerbund ist. geschaffen worden, um die Welt vor Krieg zu bewahren. Er wurde geschaffen für die Regelung von Streitigkeiten zwischen Nationen auf der Grundlage der Vernunft und Gerechtigkeit. Seine Satzung enthält mindestens zwei Artikel, die erlauben, die chinesische Frage in Genf aufzuwer­fen. Es würde einen schweren Schlag für das Prestige des Völkerbundes bedeuten, wenn beide Länder, die Mitglieder des Völkerbundes und des Rates sind, nun'etwas unternehmen würden, was

lin der Erörterung aller Fragen, die in der näch­sten Zeit zwischen Deutschland und Frankreich akut werden, vor allem den Vorbereitungen für die An­fang März inGenf st att finde ndeTagnng des Völkerbundsrates. Botschafter von Hösch wird noch mehrere Tage in Berlin bleiben und nach Dr. Strefemanns Abreife mit dem Ge- famtfabinett und Staatssekretär v. Schubert alle schwebenden Einzelfragen erörtern. Dazu gehört in erster Linie der Abschluß der Entwaff­nungsverhandlungen.

Veuisch-Hmerikanisches.

Die Reparatiinsforderungen Nordamerikas.

Die Meldung über eine deutsch-amerikanische Vereinbarung wegen Ablösung der ameri­kanischen Reparationsansprüche ist da­hin zu ergänzen, daß der Anteil der Vereinigten Staaten an den deutschen Reparationszahlungen von 21/i Prozent auf Grund des Austausches wirt­schaftlicher Verbindlichkeiten in Amerika verfügbar gemacht wird. Die deutschen Zahlungen für die Kosten der amerikanischen Besatzrmgstruppen am Rhein sind in diese Abmachung nicht einbegriffen. Auf _ Grund dieses Konvertierungsplanes werden deutsche Firmen bei der Federal Reserve-Bank in Rewyork gewisse Summen aus dem Erttägnis ihrer Geschäfte in den Vereinigten Staaten deponieren.

Die Gesamtsumme der so hinterlegten Bettäge wird der Höhe des Kredtts entsprechen, der sich für die Vereinigten Staaten in Deutschland in Mark­währung ansammelt, abzüglich des Bettages, der im regulären Wege durch den Reparationsaaenten

auch nur von ungefähr einem Krieg ähneln würde, ohne vorher die Organisation des Völker­bundes in Anspruch zu nehmen. Am besten fei d i e Vermittlung einer neutralen Macht. Deutschland, das unter dem Versail­ler Verlag seine exterritorialen und anderen Vor­rechte in China aufgegeben habe, stehe besonders gut mit allen Teilen der Chinesen. Stresemann habe in der Vergangenheit Beweise für seinen Mut in der Diplomatie abgelegt. Was hier nötig sei, fei Takt und Urteilsfähigkeit.

Die Reise des chinesischen Gesandten in Italien.

Schweizerische Depeschenagentur meldet: Der chinesische Gesandte in Italien, ChaoHsinChu, der einige Tage in Paris zubrachte, wird sich auf seiner Rückreise nach Italien auch in Genf auf­halten. Man nimmt an, daß seine Anwesenheit in Genf in Zusammenhang mit den Ereignissen in China steht und feine Besprechungen nicht ohne Rückwirkungen auf die Sage seines Landes blei­ben werden. In der ständigen chinesischen Kom­mission ist man über die Absichten Chacs nicht un­terrichtet.

Die Lage in ffanfau.

Die Ruhe in Hankau ist nach wie ve. >: »ge­stört. Die Bereitwilligkeit der Entfernung aller englandfeindlichen Plakate im Konzessionsgsbiet wird als Zeichen dafür angesehen, daß die amtlichen chinesischen Streife entschlossen sind, den Frieden aufrechtzuerhalteil.

Bereitstellung weiterer indischer Truppen für China. - •

wtb. London, 7. Febr. (Gig. Funkm.) „Daily Expreß" berichtet aus Allahabad, da ßeine weitere indische Brigade wieder für den Dienst in China mobilisiert werden wird.

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Japanische Berichterstatter in China berichten pessimistisch über die Sage in Peking und Hankau.

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Nach einer vom „New Jork-Herold" wieder- gegebenen Agenturmeldung aus Peking soll sich Tschanatsolin mit Kellogs Vorschlag, die Shang­haier Zone zu neutralisieren, vollkommen einrerstanden erklärt haben.

*

Renier meldet aus Hankau: Der Außenminister der Kantonregierung, T s ch e n, erklärte dem briti­schen Vertreter O'malley, die nationalistischen Ar­meen wurden nicht den Versuch machen, Shanghai mit Gewalt zu besetzen.

Wettwirtschaft.

Internationale Jndustriellenbesprechungen.

„Sunday Times" erfährt, daß angesichts der Konferenzen, die zwischen Führern der Industrie und Finanz E n g l an d s und Deutschlands stattgefunden haben, und angesichts der geplanten ähnlichen Zusammenkunft zwischen englischen und französischen Industriellen, der Verband britischer Industrieller von den Vertretern Italiens, der Schweiz und Schwedens aufgefordert worden ist, entsprechende Zusammenkünfte mit ihnen zu ver­einbaren. Es wird erwartet, schreibens Blatt, daß Ende März britische und französische Indu­strielle in London zusammentreffen werden. Vor Beendigung dieser Konferenz und der englisch-deut­schen Zusammenkunft, die in Berlin im April statt- sinden soll, ist es unwahrscheinlich, daß weitere internationale Zusammenkünfte vereinbart werden. In industriellen Kreisen wird Befriedigung ge­äußert, daß der Wunsch besteht, diese interna­tionalen Besprech u n g e n auszudeh­ne n.

überwiesen wird. Die Ansprüche der deutschen Firmen werden dann in Mark angeglichen.

Die Rückgabevorlage im amerikanischen Senat.

In Jemen Erläuterungen zu den vom Finanz­ausschuß an der Rückgabetw rlage vorgenommenen Aenderungen erklärte Smoot: alle Ansprüche bis 100 000 Dollar einschließlich sollen innerhalb 2 Jahre nach der Annahme der Vorlage bezahlt werden. Der Endtermin für die Anmeldung der Ansprüche ist der 1. 1. 1928, falls Deutschland das gleiche Zu­geständnis macht. Niemand erhält über 100 000 Dollar, damit nicht verschiedene Ansprüche in Höhe dieses Betrages von der gleichen Person eingereicht werden können. Die verkausten Patente und Nach­druckrechte haben einen Wett von 1650 000 Dollar. Diese Summe wird von dem Treuhänder den Eigen- tüment gezahlt werden. In schwebenden Pwzessen ist der Treuhänder zu Kompromissen ermächtigt. Der Schätzungswert der Schiffe ohne Kapitalsver­zinsung ist: „Vaterland" 7020260 Dollar, „Ameri­ka" 1588 390 Dollar, „George Washington" 2357000 Dollar, „Kaiser Wilhelm II" 1178160 Dollar, „Kronprinzessin Cecilie" 1765960 Dollar.

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* Ausscheiden des Ministers Am Zehnhof? Wie das „B. T." von gut unterrichteter Seite hört, soll der preußische Justizminister Am Zehnhof, der der Zentrumspartei angehört, beabsichtigen, demnächst endgültig seinen Posten zu verlassen. Am Zehnhof sei seit längerer Zett schwer leidend und habe wiederholt geäußertz daß er zurücktreten wolle. Wie das Blatt weiter gehört haben will, beabsichtige die preußische Zentrumsfraktion des aLndtages, anstelle Am Zehnhofs den Abg. Kam- meraerichtsrat Schmitt in Vorschlag zu bringen.

Deutschlands Waffenlofigkeit.

wtb London, 7. Febr. (Gig. Funkm.) Der diplo­matische Berichterstatter des „Daily Telegraph veröffentlicht eine Uebersicht über die ungefähre Zahl von Geschützen, über die die verschiedenen Länder auf dem Kontinent augenblicklich verfügen und bemetrt dazu: „Was können Deutschlands 288 leichte Geschütze umnd Haubitzen gegen die Gesamt­zahl von etwa 9000 Geschützen tun, die Frankreich und seine direkten Alliierten besitzen?"

* Aus der Dentschvölkisckien Freihritsparti aus- sefchlffscn. Von der Deutsch-Völkischen Freiheits- bewedung wird mitgcteilt: Der Reichstagsabgeord- nete Wilhelm Stube ist durch Beschluß deS Ehrenhofs der Deutsch Völkischen Freihettsbe- wegung aus der Partei ausgeschlossen wor den, weil er trotz dreimaliger Ladung durch Zücht erscheinen die Klarstellung der gegen ihn erhabener Vorwürfe verhinderte.

♦ Stahlhelm-Demonstrationen. Bei einer De­monstration des Stahlhelm in Berlin tarn es ar. verschiedenen Stellen zu Reibereien mit den poli tisch anders Denkenden, wobei vier Zwangsgestel- lungen erfolgten. Um 3 Uhr nachmittags mußten in der Hardenbergstraße vor der Hochschule für Musik wegen einer Schlägerei zwischen Stahlhelm­leuten und polit. anders Denkenden acht Zwangs- geftellnngen vorgenommen werden.

Die Revolte in Portugal.

Havas meldet aus Lissabon, der Kriegsminister habe die Zivilbevölkerung aufgeforberi, Porto zu räumen und gleichzeitig nitgeteilt, daß Porto be­schossen werden würde. Die ausständigen Trup­pen hätten sich unter bestimmten Bedingungen er­geben wollen. Der Kriegsminister habe dies je­doch abgelehnt.

Die Aufständischen in Porto wurden von den Regierungstruppen nach heftigem Artille­rie k a m p f aus dem Zentrum der Stadt ver­drängt. Der gleichzeitig in Tavira ausgebrochene Aufstand ist völlig niedergeschlagen.

Spanische Schlappe im Biff.

Die Rifleute sollen eine spanische Abteilung tu einen Hinterhalt gelockt und völlig vernich­tet haben. ___________

Syrien. .

Französische Kundgebung für Beibelzaltung des syrischen Mandats.

Die französische Akademie für Kolonialwissen- schäft hat zur Frage des syrischen Mandats Stel­lung genommen und in einer Entschließung die Beibehaltung des Mandats in Syrien gefordert Frankreich, st) heißt es in der Entschließung, habt in Syrien bereits ein Vettrauen erweckendes Wett des Friedens und der Organisation, das vom Völ­kerbund gebilligt worden sei, durchgefühtt, sodaß kein ernster unb stichhaltiger Grund vorgcbrachr werden könne, um eine Mission aufzugeben, die bis zum Ende durchzuführen eine Ehrenpflicht für Frankreich fei. Die Regierung wird ersucht, durch eine feierliche und Rare Erklärung allen ten­denziösen Gerüchten entgegenzutteken.

* Erhöhung der Einfuhrzölle in Mexiko. Durch einen Erlaß des Präsidenten Calles werden die Zollsätze auf so gut wie sämtliche Einfuhrwaren um einen Zuschlag von 5 Prozent auf den Wert erhöht. Diese Zuschläge roefben bereits nach 30 Tagen in Kraft treten.

* Beginn der Verhandlungen des deulsch-srun zöfijchrn Studienkomitees. (Gig. Funkm.) Mom tag vormittag trat das deutsch-französische Studieu- komitees im Berliner Hotel „Adlon" zu feiner an­gekündigten Tagung zusammen. Den Vorsitz führt der Präsident der internationalen Rohstahlgemein- schaft, M a y r i s ch.____________________

= Rückgang der Großhandelsindex nn Januar gegenüber dem Vormonat. Die auf den Stichtag des 2. Februar berechnete Großhandelsindexzif­fer des Statistischen Reichsamtes beträgt 135.4 unb ist gegenüber der Vorwoche um 0.4 v. ch. gesunken. Die Indexziffer der Agrarstoffe ist um 0.8 auf 138.8 zuriick- gegapqen. Die Indexziffer der industriellen Rohstoffe und Halbwaren hat leicht auf 129 nachgegeben, während die Preise der industriellen FSettigwaren eine leichte Erhöhung auf 141.6 verzeichnen. Im Monatsdurch- schnit Januar ist die Gesamtindexziffer gegenüber dem Vormonat um 0.9 v. H. auf 135-9 zurückgegange». Einen durch das Nachgeben der Preise für Vieh und Viehcerzeugnisse saisonmäßig bedingten Rückgang der Agrarstofse um 2.4 v. f). auf 140.3 steht eine Steigerung der Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren um 0.3 6. f). auf 128.8 gegenüber. Gleichzeitig ist die Indexziffer der industriellen Fertigwaren nm OL v. auf 141.6 im Durchschnitt Januar zurückgegangen.

Die Unfälle im Ruhrbergbau.

Eine Statistik des Oberbergamtes Dortmund

wtb. Dortmund, 7. Febr. (Gig. Funkm.) Nach einer Aufstellung des Oberbergamtes in Dort­mund betrifft die Zahl der gesamten Unfälle im 4. Vierteljahr 1926 im Steinkohlenbergbau des Oberbergamtes Dortmund 21388. Das sind auf 1000 Beschäftigte 58,341. Hiervon verliefen tödlich 231 (0,630). Die vorläufige Gesamtzahl für das Jahr 1926 beträgt 73 644 (217,918), davon töd­lich 828 (2,450). Die Vergleichszahlen für das Jahr 1925 sind folgende: 74 196 (195,855), davon tödlich 1092 (2,8831