FuldaerZertung
Anzeiger für die Sfaöf und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblall.
Sonntag, 6. Februar 1927
Ar. 30
staatlichen Paragraphen.
aber nicht
Da« Abstimmungsergebnis
Die Verhandlung am Samstag int Reichstag drehte sich vor allem um die Beziehungen des neuen Innenministers v. K e u d e l l zum Kapp-Putsch. Nach einer Unterbrechung der Sitzung erklärte der Zentrumsabgeordnete v. Guerard, daß die Dorwürfe noch der erfolgten Untersuchung unberechtigt seien und das Vertrauensvotum sich auch auf v. Keudell beziehe.
Die Abstimmung ist namentlich.
Das Vertrauensvotum wurde mit 235 gegen 174 bei 18 Stimmenthaltungen angenommen. (Beifall rechts.)
Dafür haben gestimmt die Deutschnationalen, das Zentrum, die Deutsche Volkspartei, die Bayerische Volkspartei, der Bayerische Bauernbund und die Deutsch-Hannoveraner. Enthalten haben sich die Wirtschaftspartei und einige Völkische. Dagegen stimmten Sozialdemokraten, Kommunisten, Demokraten. die Mehrzahl de-- Völkischen und Abg. Dr. Wirth.
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über das die Smegsqeräte betreffende iSe|e$ ubgeitimmt werden und dieses Gesetz wird abgelehnh wenn di« deutschnationale Regierungspartei nicht bnfür stimmt. Wo eine Burgerblock-Regieruna den Arbeitern geaen- übersteht, stehen wir auf der Seite der Arbeiter Wir werden dieser Regierung das schärf st e Mißtrauen aussprechen. (Lebh. Beifall und Händeklatschen bei den Soz.).
Abg. Dr. L e j e u n e - I u n g (Dn.) betonte den ehr- lichen Willen und die ehrliche Bereitschaft seiner Vartei. an den praktischen Aufgaben der neuen Regierung mit- zuarbeiten. Der Redner geht dann aus die Probleme der Wirtschaft»- und Sozialpolitik ein Dem Ausland müsse klorgemacht werden, daß es Deutschland durch die neuerlichen wirtschgfts- und handelsvolitilchen Maßnahmen feiner meisten Wettbemerbländer unmöglich gemacht wird, einen wirtschaftlichen lleberschuß im Sinne des Dawes-Gutachtens zu erarbeiten.
In einer persönlichen Bemerkung antwortet Reichsinnenminister Dr. o. Keudell auf die Fragen des Abg. Dr Landsberg lSoz.): Die Frage, ob ich mich Herrn Kapp zur Berfüaung gestellt habe, beantworte ich mit Rein! (Hört! hört! rechts.) Es ist richtig, daß die preußische Regierung mich am 1. Juli 1920 zur Disposition gestellt hat. Gin non mir beantragtes Verfahren, in dem ich mich rechtfertigen wallte, ist abaelednt worden, ffiörf! härt' rechts.) Eine An
Unyarn,
Aus Budapest wird gemeldet:
Bei der Beratung des Gesetzentwurfes über die wirksamere Kontrolle der Munizipalen und kommunalen Haushalte verwahrte sich Ministerpräsident Graf Bethlen gegen die in einigen Blättern erschienene Nachricht, als ob er die Munizipien durch die Kontrolle in Fesieln schlagen wolle, um die Königsfrage seinerseits überraschenderweise lösen zu können. Der Ministerpräsident erklärt«, er wünsche sich nicht mit der Königsfrage zu befaßen. Er könne nicht dafür, wenn diese Unterstellung von Zeit zu Zeit wieder auftauche, da er die fix« Idee einiger Tollköpfe nicht beseitigen könne, wie er auch nicht verhindern könne, daß sie mit ihren fixen Ideen hervortreten.
stellung entsprach ebenso den Tatsachen wie der Umstand, daß uns und dem Hohen Hause der Inhalt jenes Beschlusses noch nicht bekannt ist. Selbstverständlich ist, daß die deutschnationalen Minister, nachdem sie Mitglieder des Kabinetts geworden sind, den Beschluß durchzu-
Das Vertrauensvotum angenommen
235 Ja-Stimmen, 174 Nein-Stimmen, 18 Enthaltungen.
maks die früheren Farben Schwarz-Weiß-Rvt verächtlich gemacht worden, während die neuen Reichsfarben von deutschnationaler Seite unzählige Male geschmäht worden sind und noch geschmäht werden. „Wir erwarten von Ihrer Loyalität," betonte v. Guerard mit erhobener Stimme, „daß damit Schluß gemacht wird. Eine andere Haltung würde den Zusammenhang der ge- genwärsigen Regierung gefährden." Auch diese Erklärung wird mit lebhafter Bewegung vom ganzen Hause entgegen genommen.
Bezüglich der Reichswehr wird auf die Ausführungen verwiesen, die vor dem Sturz der Regierung durch Dr. Wirth im Namen der Zen-c trumsfraktion abgegeben worden sind.
Das Zentrum wird w a ch s a m s e i n gegenüber dieser Regierung. Das Zentrum hat keine Zweifel darüber gelassen, daß in demselben Augenblick, in welchem seine Richtlinien, auf denen sich das Arbeitsprogramm dieser Regierung aufbaut, verlassen würden, auch von der Partei als solcher die entsprechenden Schlußfolgerungen gezogen werden würden. Für das Zentrum steht das Vaterland über der Partei, und geleitet von dem Ideal des Rechts und der Gerechtigkeit, vor allem aber auch der sozialen Versöhnung und Verständigung, welche die Zentrumspartei als die Partei der Sozialreform sich besonders angelegen sein läßt, wird das Zentrum in diesem neuen Kabinett Mitarbeiten für Volk und Vaterland.
Das sind die Gedankengänge und Erwägungen, welche die Zentrumsfraktion des Reichstags für ihre Mitarbeit in dieser Regierung leiten. Sie zeigen, daß das Zentrum auch nicht um Haaresbreite von seiner bisherigen politischen Einstellung abgegangen ist, sie lassen andererseits aber auch erkennen, daß das Zentrum, sowie es seither Erziehungsarbeit nach links geleistet hat, nunmehr auch diese gleiche Arbeit nach rechts zu leisten bereit ist. Für das Zentrum kann nur in Frage kommen die Politik der Mitte, die Politik des Ausgleichs nach beiden Seiten, und ebenso, wie das Zentrum niemals Linkspolitik gemacht hat, wird es auch jetzt nicht zu einer einseitigen Rechts- polisik sich verstehen können, sondern für das Zentrum handelt es sich darum, die Flügelparteien auf seine politische Linie zu bringen. Das war auch der Grund dafür, daß dos Zentrum die Führung in diesem Kabinett übernahm, und dieser Umstand ist deshalb auch die Garantie dafür, daß die ruhige Entwicklung nach innen und außen nicht gestört, sondern nur noch gestärkt werde.
| gend. Der Regierungswechsel scheine keinen Dauerzustand zu schaffen, sondern sei vielleicht nur eine Episode im parlamentarischen Betrieb. Eine wirkliche Schwenkung zur deutschnationalen Richtung sei nicht zu erkennen. Solange nicht in Preußen Wandel geschaffen sei, könne von einem Kurswechsel nicht die Rede sein.
führen bereit sind. Die lleberzeugung endlich, daß das Werk der gegenseitigen Verständigung seine Der- wirklichung nicht gefunden hat, solange deutsches Land oon fremden Truppen besetzt ist und unter fremder Herr- schäft steht, ist — wie ich weiß — Allgemeingut. Gerade aus ihr folgt die Notwendigkeit, aus die ich besonders hingewiesen habe, in weiteren Verhandlungen den An- spruch Deutschlands aus endliche Räumung zur Durchführung zu bringen. Damit habe ich das Meinige zur Aufklärung der etwaigen Mißverständnisse getan. Gegen Mißdeutungen ist niemand geschützt.
Von erfreulicher Kürze waren die Ausführungen des Abg. Leicht (B. 23.). Dieser wies auf die zahlreichen freundlichen Bemühungen hin, der jetzt zustandegekommenen Regierungsbildung Steine in den Weg zu werfen. Ueberraschenderweise werde dleier Versuch auch nach der Rede des Abg. Graf Westarp wiederholt. Unsere Stellungnahme zur Regierungserklärung ist einfach folgende: Wir b i l- l i g e n die Erklärung der Regierung und werden sie loyal m der Durchführung ihres Programms unterstützen. (Hetterkeit und Beifall.)
Letzter Redner der ersten Reche war der Abg. Hennig lBölkisch). Er bezeichnete die Regierungserklärung als unzulänglich und unbefrieüi»
Sehr ernste Worte werden noch gesprochen über die Stellung des Zentrums zur S ch u l e und E r- ziehung. Hier handelt es sich für das Zentrum um unveränderliche Grundsätze. Das Zentrum lehnt die von dem Vertreter der Deutschen Volks- partei, dem Abg. Scholz, vertretene Auffasiung ab, wonach die Schule eine Einrichtung des Staates sei. Das würde heißen, dem Staat ein Monopol in der Erziehung zu geben. Die Erziehung macht man
Die Ausfühningen des Abgeordneten v. Guerard fanden beim Zentrum stürmischen Beifall. Sie waren der Höhepunkt der Debatte am Freitag. Und hatten auch ein praktisches Ergebnis. Nachdem der Demokrat Dr. K o ch sich über die Doppelzüngigkeit der Deutschnationalchi verbreitet hatte, gab
Abg. Graf Westarp (Dn).
folgende Erklärung ab:
Auf einige Fragen des Abg. v. Guerard machte ich gewissen Mißdeutungen meiner Rede in der Preße alsbald durch Darlegung dessen, was ich gesagt habe, entgegentreten. Die Politik der Revanche, die — wie mir stets ausgeführt haben — kein deutscher Begriff ist, und den Gedanken an eine solche Politik der Gewalt habe ich — wie es gleichfalls oft von uns geschehen ist — auch wegen Deutschlands Wehrlosigkeit als ausgeschlossen erklärt. Deshalb haben wir uns eine
Weisung des Militärbese'alshabers zur Verbreitung von Plakaten, in denen zur Ruhe und Ordnung aufgeforbert wurde, habe ich befolgt, nachdem ich bei meiner vorgesetzten Behörde angefragt hatte. An der Brücke von Zäckerick habe ich zwanzig Gendarmen ausgestellt, um ein liebergreifen der kommunistischen Unruhen auf den Kreis Königsberg (Rm.) zu verhindern. (Beifall rechts, Lachen links.) In jenen unruhigen Zeitläuften war es Pflicht eines Landrats, nicht Politik zu treiben, sondern zu gehorchen und für Ruhe und Ordnung zu sorgen (Beifall rechts).
Die Novelle zum Krundschulgesetz wird bann nach Ablehnung der Aenderungsanträge der Linken in zweiter Lesung angenommen.
Um 6 Uhr vertagt sich bas Haus auf Samstag 11 Uhr.
Vie Mstimmimas-Vorhersage.
Die Wirtschaftliche Vereinigung beschäftigte sich Samstag vormittag in längerer Sitzung erneut mit der Frage, wie sie sich gegenüber dem Vertrauensvotum der Regierungsparteien verhalten soll. An. der Sitzung nahmen, wie das Nachrichtenbüro des VDZ, hört, zunächst auch Finanzminister Dr. Köhler und Staatssekretär Popitz vom Reichs- finanzministerium teil. Die dem Bayerischen Bauernbund und der Deutsch-hannoverschen Partei angehörenden Mitglieder der Wirtschaftlichen Vereinigung entschlossen sich, für das Vertrauensvotum zu stimmen. Die Wirtschafts- Partei dagegen wird sich bei der Abstimmung über das Vertrauensvotum der Stimme enthalten, da sie erst die Taten der neuen Regierung abwarten will. Don den 21 Mitgliedern der Wirtschaftlichen Vereinigung gehören 4 der Deutschhannoverschen Partei an, 6 dem Bayerischen Bauernbund und 11 der Wirtschaftspartei. Bei vollständiger Besetzung des Hauses und Ausübung des Fraktionszwanges würde also das Vertrauensvotum ungefähr mit 258 gegen 224 Stimmen bei 11 Enthaltungen angenommen werden.
Außenpollttk mit dem Ziel gegenseitiger Verständigung im Einklang mit der Regierungserklärung ju eigen gemacht. Die einfache Feststellung der Tatsache, daß die deutschnationalen Minister an dem letzten Kabi- nettsbeschluß über Ostfestungen und Kriegsgerät nicht teitgenommen haben, well sie teils noch nicht ernannt waren, teils ihr Amt noch nicht angetreten hatten, rief eine mir unverständliche Erregung hervor. Diese Feststellung entsprach ebenso den Tatsache! ......
daß uns und dem Hohen Hause der In
Darauf wird gegen 3 Uhr die Sitzung auf eine Stunde ausgesetzt. Inzwischen versammelt sich der Aeltestenrat.
Pas Vertrauensvotum.
Die Regierungsparteien haben im Reichstag folgendes Vertrauensvotum eingebracht: Der Reichstag billigt die Erklärung der Reichsregierung und spricht ihr das Vertrauen aus. Unterzeichnet ist der Antrag von den 2lbgeordneten Graf Westarp (Dn.), v. Guerard (Ztr.), Scholz (D. Vp.) und Leicht (B. Vp.).
Angriff auf den Innenminister.
Nach Wiedereröffnung der Reichstagssitzung beantragte Abg. Stöcker (Komm.) die fofortige Beratung folgender Interpellation: .Ist der Regierung bekannt, baß der neue Reichsinnenminister v. Keudell auf feinem Schlöffe und Gute eine Abteilung der verbetenen Olympia-Organisation beherbergte (Hört! Hört! links) und sie militärisch ausbitben ließ, u. a. mich im Schießen. (Lebh. Hört! Hört! links.) Ist ber Regierung ferner bekannt, daß die militärische Ausbildung dieser Ha- kenkreuzler mit Wissen des Herrn v. Keudell durch einen aktiven, für diesen Zweck beurlaubten Reichswrhroffizier, Leutnant Sella geleitet wurde? (Hört! Hört!) Hält die Regierung bei dieser Sachlage es für möglich, daß Herr von Keudell ihr weiter als Innenminister angehört? (Bewegung links, Zuruf von rechts: »Soviel Worte, soviel Ouatsch!")."
Präsident Lobe erklärt, die Interpellatton könne erst in der gefchäftsordnungsmäßigen Frist auf die Ta- gesorbnung gefetzt werden.
Als erster aus ber zweiten Rednerreihe erklärte
Abg. Dr. Lands berg (Soz.), trotz Ben Akiba fei es noch nicht bageroefen. daß eine Regierungskoalition mit solchen Auseinandersetzungen beginnt, wie sie heute hier gehört wurden. (Abg. Schultz-Bromberg (Dn.): ..Um so bester wirb sie halten!") Abg. Dr. Landsberg (fort- fahrend): In ber Rede des Abg. Graf Westarp war erfreulich die Versicherung, daß die Deutschnationalen setzt sachlich kämpfen würden. Das soll wohl ein Versprechen für die Zukunft fein. Roch vor einem ?~bre wurde in einem deutschnationalen Blatt dem Außenminister Dr. Strefemann die nationale Gesinnung abgefprochen. Der verstorbene Reichspräsident Ebert wurde in der deutschnationalen Preise mit den übelsten Beschimpfungen und Verleumdungen überschüttet. Als Herr von Hindenburg Reichsvräsibent wurde, mußte die Linke, daß er ihr politisch nicht nahe- stehe. Er aber hat in ber Presse ber Linken mit einer einzigen Ausnahme niemals einen geschmacklosen Anariff erfahren. Wir begrüßen das. Der Pr äfibent ber Deutschen Republik, ganz gleichaültig in welchem Parteilager er steht, ist für uns ber Repräsentant dieses Staates, dem unser Herz gehört. (Lebh. allfeltiacr Beifall.) Die einzige A"s- nahme war ein geschmackloses Gedicht eines kommunistischen Witzblattes Aber dieses kommunistische Blatt wird in der güt deutschnationalen Buchdruckerei Knüppel gedruckt. Abg. Laverrenz (Dn.): .Knüppel ist nicht unser Mitglied!" Wenn Graf Westarp für die Zukunft das Versprechen sachlicher Kampsesweise abgibt, so wird sich keiner mehr darüber freuen, als ber Deutschnationale Abg. v. Lindeiner-Wildau. (Große Heiterkeit links). Es ist weht wahr, daß die Scheidemann-Rede bk Bildung der Großen Koalition vereitelt habe. Schon vor dieser Rede hatte Dr. Scholz erklärt, daß er mit den Sozial- bemotraten zusammen eine Regierung ablehnen würde. Der jetzige Block wird tatsächlich zufammenaehalten durch das Zusammengehörigkeitsgefühl der besitzenden Slaffe. Dieses Kabinett beweist, was Sie Immer ab» leugnen: die Existenz des Klaffenkampfes. (Widerspruch i. Ztr.). Es ist verständlich, wenn die Deutschnationalen bekennen, daß ihre bisherige Feind- fdyaft gegen die Locarnopolitik und gegen die Republik ein Fehler war, daß sie umlernen wollen. Die Gegenleistungen haben sich die Deutschnationalen in Form von Ministersitzen schwarz auf weiß zusichern lassen. Dafür haben die Deutschnationalen die Richtlinien anerkannt, mit denen sie alles das preis» geben, was sie in den letzten acht Jahren gesagt und getan haben. Sie wissen ja, daß so mancher sich durchmanifestiert (Heiterkeit). Es soll auch ein Protokoll existieren, In dem die früheren deutschnattonalen Minister zugeben, bah sie von vornherein der Locarno- Politik zugestimmt hätten (hört! hört! links). Das Protokoll sollte doch veröffentlicht werden. Ueber die Gründung der kleinsten Aktiengesellschaft muß ein Protokoll veröffentlicht werden. Das sollte doch billig sein — bei ber Gründung dieser Koalition, die ich eine politische .Handelsgesellschaft nennen möchte (große Heiterkeit). C s scheint ausgeschlossen, daß alle Mitglieder ber deutschnattonalen Fraktion mit den Richtlinien einverstanden sein können. Warum stehen sie als ehrenhafte Männer nicht auf, um bas zu erhören? Ist etwa Herr Laverrenz damit einverstanden ,der noch vor kurzem erklärte, es fei eine widerliche Unterstellung, daß die Deutschnattonalen um einiger Ministersitze willen die Locamopolittk anerkennen würden? (Große Heiterkeit links). Abg. Dr. Everling hat noch im Januar b. Is. in einer Rebe dem Zentrum Anmaßung vorgeworfen und gesagt, aus Süddeutschtond dürfe man keine politischen Stiftungen erwarten. (Hört! Hört! links). Der jetzige deutschnationale Minister Hergt hat jetzt Gelegenheit zur Einlösung eines Versprechens, das er früher gegeben hat. Damals sagte er: .Wenn die Deutschnationalen in die Regierung kommen, bringen sie in 24 Stun- den ein Au f wertu ngsgesetz zugunsten der Rent- ner und Sparer ein * (Lebh Hört' Hört!) Herr von Keudell wird dazu berufen sein, ein Gesetz gegen die staatsfeindlichen Verbände zu machen. Er selbst aber hat sich seinerzeit dem Diktator Kapp als Landrat zur Verfügung gestellt (Lebh. Hört! Hört! links). Er hat auch damals eine Sammlung veranstaltet zur Abwehr einer gar nicht existierenden Roten Armee, die er bei Zäckerick schlagen wollte (Gr. Heiterkeit). Wir müssen fordern, daß angesichts ber ungeheuren Diskrepanz zwischen der Westarp-Rede und ber Regierungserklärung bie einzelnen deutschnationalen Minister klipp und klar erklären, ob sie der IRegierungsertlärung dieselbe Auslegung geben wie Gras Westarp. Ein Beispiel deutschnatiomiler Vertragstreue liegt ja schon darin, daß Graf Westarp betonte, die deutschnationalen Minister hätten an dem Kabinettsbeschluß über die Ostfestungen nicht teilg^nttnawe. In Verbindung hiermit muß aber
Wie schon berichtet, vertrat in der Fortsetzung der Debatte über die Regierungserklärung der Abgeordnete v. Guerard den Standpunkt der Zentrumsfraktion zu der neuen Regierung. Er tat dies in einer eindrucksvollen, nicht nur sachlich geschickten, sondern auch nach der persönlichen Seite hin vollendeten Form, die alle Zuhörer vom Anfang bis zum Ende in ihren Bann zog. Die Ausführungen des Zentrumsredners wurden gerade diesmal mit außerordentlicher Spannung erwartet. Denn nicht nur die wichtige Position, welche die Zentrumspartei innerhalb der Regierung einnimmt, sondern auch die ganze politische Linie, für deren Gewährleistung innerhalb dieser Regierung das Zentrum Garant ist, rechtfertigte diese» Jn- tereste.
• Und in Erkenntnis dessen stellte der Zentrumssprecher an die Spitze seiner Erörterungen die entschiedene Betonung der absoluten Fe st Haltung en der bisher vom Zentrum nach innen und außen getriebenen Politik. Die These, daß ein Wendepunkt in unserer ganzen Politik nunmehr eingetreten sei, wird vom Zentrum abgelehnt. Ebenso die Forderung der Deutschnationalen, daß nunmehr geg en d'i «Sozialdemokratie regiert werden muß. Das Zentrum wird mit jeder Partei, die den Staat besaht, zusammenarbeiten. Wenn auch gerade von Zentrumsseite kein Zweifel darüber gelassen wird, daß die Sozialdemokraten letzten Endes diese Krisis herbeigeführt haben, so kann andererseits es ober auch nicht die Absicht des Zentrums sein, die Sozialdemokraten von positiver Arbeit a b z u st o ß e n. Die Aeußerungen des Grafen Westarp, wonach die Deutschnationalen es fertig gebracht hätten, das Zentrum von der Sozialdemokratie zu lösen, wird ebenfalls abgelehnt. Unter stürmischem Hört, Hört und großer Heiterkeit erklärt Herr v. Guerard: „Die Zentrumspartei bestimmt selbst ihr Verhältnis zu den Parteien." Ebenso wird entschieden die Forderung des Grafen Westarp abgelehnt, daß nun auch in Preußen und anderen Ländern die Sozialdemokratie ausgeschaltet werden muß. Die Länder allein, so erklärt Herr v. Guerard, haben bte för sie paffende Regierungsform zu bestimmen und wir müssen ausdrücklich feststellen, daß in Preußen und Baden die bestehende Regierung erfolgreich zum Heile dieser Länder gewirkt habe. Wir bedauern daher, so fährt Herr v. G"erard fort, die Einstellung des deutschnationalen Redners in dieser Sache, die nur zu einer Verschärfung der Gegensätze führt, was wir im Interesse des deutschen Volkes nicht wollen.
Bezüglich des Zuftandekonnnens dieser Regierung spricht Herr g Guerard als Auffassung des Zentrum- aus. daß eine Rechtsregierung nicht unter Führung der Deutschnationalen stehen konnte, denn die Rechte mußte an uns, an die Mitte, herangezogen werden, nicht umgekehrt. Stile diese Feststellungen werden vom Zentrum und weit darüber hinaus durch zustimmenden Beifall unterstrichen.
Ganz außerordenttich bedeutsam waren die Ausführungen des Herrn v. Guerard zu der Frage der Festlegung der Deutschnationalen bezüglich der Innen- und Außenpolitik. Lebhafte Bewegung rief die Erklärung des Herrn v. Guerard hervor, daß das Zentrum durchaus bereit fei, auch die erste Fassung der Richtlinien, die in den Verhandlungen mit den Regierungsparteien vereinbart worden sind, bekannt zu geben. Es würde sich dann zeigen, daß irgendwelche grundsätzlichen Unterschiede nicht vorhanden sind. Außerordentlich vermerkt wurde auch der ausdrückliche und wiederholte Hinweis Herrn v. Guerards auf die Tatsache, daß Dr. Wirth der Verfasser dieser Richtlinien sei.
Bezüglich der Außenpolitik stellt« Herr von Guerard sodann ausdrücklich fest, daß das Anerkenntnis zur Fortführung der hisherigen Außenpolitik von den Deutschnationalen durchaus gegeben morden sei, und daß auch die A r t dieser bisheri- hen Führung anerkannt wurde, ferner, daß die Vertrage von Locarno durchaus rechtsgültig zu- nandegekommen feien und zwar werde auch an dem o e r t a , s u n gs m 8 ß i g e n Zustandekommen ~eler .?lertr<$? "icht mehr gezweifelt. Stürmische Hort-Hört-Rufe unterstreichen diese Mttttilunqen, die in völlig eindeutiger Weise den Grasen JBeftarp zur Ordnung riefen und die oon ihm verursachten Unklarheiten und Zweideutigkeiten austilgten.
Bezüglich der innenpolitischen Fragen erklärt 5)err o. Guerard, daß das Zentrum gemäß dem Bekenntnis von Erfurt geschlossen auf dem Boden der republikanischen Verfasjung steht Zu diesen wichtigen Dingen stellt der Zentrums- ' rebner einwandfrei fest, daß eine klare Anerkennung der Rechtsgültigkeit der in der Verfassung non Weimar begründeten republikanischen Staatsform durch die Annahme der Richtlinien durch die Deutschnationalen erfolgt ist. Die Anerkennung, daß diese Staatsform die b e st e sei, wird oon niemandem verlangt. Wohl aber das Opfer der Anerkennung der R e ch t s g ü l t i g k e it dieser Verfassung Sehr geschickt bemerkt hier Herr v. Guerard gegen den Sozialdemokraten daß ja auch von Scheidemann, als er kaiserlicher Staatssekretär wurde, nicht verlangt worden fei, daß er die monarchiftifche Staatsform innerlich anerkenne.
Auch das Zentrum will die Vergangenheit ehren und gedenkt dankbar der Errungenschaften einer Wrf [offenen Zeit. Aber, so spricht der Zentrumsredner unter dem lebhaften Beifall eines weiten Telles des Hauses aus, vom Zentrum sind noch nie-
An,eigen.Preis«: Kleinzeile (Colonel) total 0,18 JU, auSwäri« 0,20 jU Rekla mezeiie- total 0,60 JU, 'TflttVrt RA auswärts 0,80 JU «ei Wiederholungen Rabatt JUyiy.D* x Postscheckkonto Frankfurt e. ®L Rt 4051 **.