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uldaerZertung
Anzeiger für die Stabt und den Kreis Fulda. Amkliches kreisbialt.
Nr. 24.
irfdwinl fed>6mal wScheiillich IBodienbeilage. Illustriert» Beilage' und „J'uchenulfltter* iRotafion6bru(f und Verlag der Rulbaei Actiendruckeret in itulba Fernsprecher Nr. 9. :* Mnn.illlcher NeznqSvrei» 1.50 Ml w
Sonntag, 30. Zanuar 1927.
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Dao drille Kabinett Dr. Marx
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MW der interalliierten MilitärkantlMWNiWail
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Sozialdemokraten Kommunisten Demokraten . . Völkische . , .
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'W:';w»snewntF*' —i ..-«rerwur- 27Q
In der Opposition dürften stehen:
Am Sams^aq vormittag fehlte nur noch die endgültige Bestätiguna des neuen Kabinetts Dr. Marx durch den Reichspräsidenten, weil die Deutsche Bolkspartei bisher noch nicht in aller Form den Abmachungen zugestimmt hatte.
Die neuen Minister sind:
Reichskanzler und Minister für die besetzten biete: Dr. Marx (Ztr.)
Auswärtiges: Dr. S t r e s e rn a n n (D. Vp.)
Inneres und Vizekanzler: flgrgt (Dntl.)
warten zu müssen, und enthält baßer auch keinen Kommentar zu dem neuen Kabinett.
Tie „Eerman'a" verrät, bah die Präsentation Herats durch die deutschnationche Fraktion mit nur zwei Stimmen Mehrheit erfol-t sei. betont, baß von den vier bei'tschn-ft>nalen Ministern 5>erat und Gräf zum rechten Flüael der Partei gerechnet würden. (Ter Aba. Lindeiner-Wildau ist in der Frak- ttonssit-unq mit nur 2 Stimmen.^er"t unterle"en. v. Linde'ner, der auch in den deutschnot:vn"len Kroiftn des Fuldaer Landes Freunde hat, ailt als An- hänaer des iungkonservativen Proaramms.)
Das ,.B. T." sagt: Das Uebergewicht der Deutschnationalen gibt der neuen Remerunq einen ausgesprochenen reaktionären Cbarakter, an dem auch die Tatsache pralt'sch nichts ändern kann, daß ein so entschiedener Republikaner wie Köhler in .das Kabinett neu eintritt.
Die „Dass. Ze'tunq" nennt das Kabinett eine Herausforderung für jeden Republikaner zur starken, unabbängmen Opposition.
Ter „Vorwärts" nennt den Gerst, aus dem die Regierung aeboren wurde, den Geist des Kampfes und des Unterdröckunasmillens gegen die Arbeiterschaft. Genen diesen Geist wird die Sozialdemokratie den schärfsten Kampf führen.
Die „Rote Fcrlme" ruft aus: Die Einheit der Reaktion ist heracstellt die Einheit des Proletariats noch nicht. DaS ist jetzt die entscheidende und wichtigste Aufgabe.
Finanzen: Dr. Köhler (Ztr.), bisher badischer Staatspräsident. . ,w.
Wirtschaft: Dr. Curtius (D. Dp.)
Arbeit: Dr. Brauns (Ztr.)
Justiz: Graef (Dntl.)
Reichswehr: Dr. Gehler (parteilos). .
Reichspost: Schätz! (Bayer. Vp.)
Verkehr: Dr. K o ch-Düsseldorf (Dntl.).
Ernährung und Landwirtschaft: Schiele (Dntl.).
Die Mehrheit.
Die Abgeordizetenzahl, auf die sich die neue Regierung stützen kann, setzt sich aus folgenden Fraktionen zusammen:
teilt, schreibt „Petit Journal" : Ist dieses Ministerium beunrubiaend? Ja und Rein! Ja, tr.etl wir in volle n Umfang die lebendigen Kräfte des alten Regimes sich wieder regen leben Das neue Schift dessen wahrer Bftot Strelemann ist ist start rechtsseitig beladen. Man muß abwarten und das neue Ministerium nach seinen Taten beurteilen. Der sozialistische „Popolaire" schreibt: Collen wir, die Politiker des gesunden Menschenverstandes und des Vertrauens, die zwei Jahre an der französisch- deutsch-n Annäherung gearbeitet haben, durch das neue Kabinett ein»n Gegenstoß erleiden? In Deutschland ml? in Frankreich befürchten da? viele Leute Dr. Stresemann bezweifelt es. Auf alle Fälle scheint die Atmosphäre beunruhigend und bedrohliche Wolken steigen am inn-ren und äußeren Horizont der deutsche Republik auf. Das G> werklchaftsblatt „Le Peuple" zieht einen Vergleich zwischen dem Kabinett Poincars und dem neuen Kabinett Marx und erklärt. daß all dos, was man über da? n’ue Reichskabinett <üge, nicht geeignet sei. die Stellungnahme des Blattes ui ändern. Fahren wir fort mit allen unseren Kräften zu zeiaen dost Europa verloren ist, wenn es auf die Friedenspolitik verzichtet. die seit zwft Jahren getrieben wird, und daß Frank'-eich insbesondere nur in der B-i-stänfti- gung mit Deutschland das Ende sein-r Beuruhi- aung und die praktische und ideale Befriedigung finden kann. Erinnern wir 00- Parteien und alle Männer, die Männer des Volkes sein wollen. daß sie noch olle Anstrenauna-n unternehmen müssen, denn man ist am entscheidenden Punkte angelangt. Die Sache des Friedens zu verraten, wäre ein unverzeihliches Verrat. ne»
Hm Samstag vormittag.
Di? Reichstaqsfraktion h»r deutschen Bolkspartei trat Samstag vormittag 10 Uhr im Reichstage zu einer Sitzung unter Vorsitz des Abg. Dr. Scholz zusammen. Ter Mmister des Aeußern. Dr. Stresemann, wohnte der Sitzung bei. Der Zweck dieser Zusammenkunft, zu der die Mitglieder zum Teil telegraphisch aus dem Reiche herbciaerufen worden waren, ist die Genehmigung des Verhandlungs-Ergebnisses, über das die Untethändler der Partei berickten.
Die FraltionSsitzimg der deutschen Dolkspartei dürste, so wurde gegen 11 Uhr mitgeteilt. voraussichtlich ihre Z u st i m m u n g zu der Bildung der neuen Regierung in einer formuliertenEr- klärung aussprechen. Reichskanzler Dr. Marr erwartet, wie das Nachrichtenbüro des D. D. 3' erfährt, den Bescheid der deutschen Voftspartei bis 12 Uhr mittags, um sich dann zum Reichspräst. deuten zu begeben.
Durch die tönenden Worte der Linkspresse darf man sich n'cht irremachen fallen. Hätten die Sozialdemokraten das Kabinett Marr nicht gestürzt, so brauchten wir jetzt n'cht über Reaktion zu zetern. Und wären die Demokraten in die neue Regierung gegangen, wozu sie eingeladen waren, so wären mehr entschiedene Republikaner Minister geworden.
Äie Stimme des Auslands.
Oesterreich.
Zur Reglerunnsbildung in Deutschland schreibt die Reichspost: Die Tatsache, daß das Zenftum eine Brücke zum rechten Flügel gebaut hat, könnte den Eindruck erwecken, als habe sich ein Ruck nach rechts vollzogen. Tatsächlich aber hat sich die Mitte nicht mehr nach rechts abdrängen lasten, sondern der rechte Flügel ist mit einer Wendung ge- aen die Mitte eingerückt. Allerdings ist die Stellung der Deutschnationalen einerseits und der Koalitions-Parteien andererseits überaus schwierig und kann über Nacht eine neue Krise herbeiführen.
England.
wtb London. 29 Ian. (Eig. Funkm) lieber das neue deutsche Kabinett schreibt der Berliner Korrespondent der „Times": Niemand habe ange. nnmmen, daß die Deutschnationalen ihre älteren Führer und reaktionären Mitglieder au«wählen würden wie es tatsächlich oeschehen sei. In dem meisten Kreisen sei zuversichtlich erwartet worden, daß der jüngere und fortschrittlicher gesinnte Flügel varankommen werde. Es sei ober unwahrscheinlich, daß in auswärtigen Angelegenheiten die deutschnationalen Minister Stresemann dazwischen fahren werden der zweifellos die erforderlichen Garanti-n erhalten habe und eine etwaige Obstruktion rasch ab hm werde. Die Anücht herrsche jedoch vor, daß das Leden der neuen Regierung nur als prekär angeseh-»n werden könne, außer. w"nn sie sehr greifbare Beweise vom Gegenteil ablege. , . , ,
Frankreich.
wtb. Paris, 29. Jan. (Eig. Funkm.) Die Zusammensetzung der neuen Reichsregierung wird erst in einem Teil der Morgenblätter kritisch gewürdigt. Während „Echo de Paris" von dem reaktionären Kabinett, daß Deutschland jemals gehabt hat, spricht und die Zukunft sehr skeptisch beur-
Deutschnationale Zentrum . . . . D. Volkspartei . . Bayer Volksp . . Wirtsch. Vereinigung
Lh'na.
Ueberreichung brilischer Vorschläge In Peking.
Reuter meldet aus Peking: Der britische Gesandte überreichte dem chinesischen Premierminister und Minister des Aeußern „weitreichende Dor- I schlage ähnlichen Charakters, wie die von dem bri* ! tischen Vertreter in Hankau dem kantonesischen i Außenminister überreichten". Es wird angenom- ' men, daß diese Vorschläge die Umwandlung der britischen Konzessionen in Hankau und Tientsin in internationale Niederlassungen vorsehen, in denen die Chinesen einen erheblichen mit- bejiimmenben Anteil in der Gemeindeverwaltung und in der allgemeinen Kontrolle haben würden. Ein spanischer Kreuzer nach Schanghai unterwegs.
Havas meldet aus Madrid: Der spanische Kreuzer „Blaz Lezo" ist mit Bestimmung nach Schangha' uusgelausen.
Der Sons«! der Vereinigten Staaten in hankau angegriffen.
wtb. Paris. 29. Jan. (E.q. Funkm.l Die Chicago ZubumV berichtet aus Shanghai, daß der Koniul der Vereinigten Staaten in Hankau von der Menge angegr ffcn woiden träte. Man nimmt an, daß Ote Chinesen ihn für einen Engländer ge»
Die Regierungsparteien verfügen demnach über eine Mehrheit von 4,7 Sitzen Ueber eine Zweidrittelmehrheit, wie sie zu einer Verfassungsänderung notwendig ist, verfügt die kommende Regierung nicht; sie würde sie übrigens auci) bei einer Beteiligung der Demokraten nicht gehabt haben.
Aus dem Reichstag wird uns geschrieben:
Der vom Zentrum als F i n a n z m i n i st e r präsentierte badische Staatspräsident Dr. Köhler ist in der Sitzung der Zentrumsfraktion am Freitag erschienen, nachdem er auf den Ruf der Zentrumspartei sofort die Reise nach Berlin angetreten batte. Der stellvertretende Vorsitzende der Zentrumsfraktion, Geheimrat v. G u e r o r b, begrüßte in warmen Worten den Präsidenten. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß Dr. Köhler bereit ist, dieses schwere Amt anzunehmen. Die Fraktion wisse, daß Dr. Köhler persönlich und beruflich bei seiner Stellung, die er in Baden eingenommen bat, ein großes Opfer bringe, das er aber im In- terepe der Sache gern leiste. Herr v. Guerard versicherte den Präsidenten Dr. Köhler des einmü- "gen Vertrauens der Fraktion.
Präsident Dr. Köhler sprach seinen herzstchsten ^ank für diese Begrüßung aus. Er gab zu, daß recht schwer loslöse aus einer Stelle und aus ?tn,em Lande, in dem er sich so wohl fühlte. Er r;* sm S-laubt, gerade in der jetzigen Situation
P°^ei und dem Daterlande zur Verfügung L,,ln s muffen- Er gab seiner Hoffnung Äus- h»« s- 1 es. stur ein einhelliges Vertrauen gibt, norhi s Fraktion und den Minister miteinander leo.^-^^^onsangehörigen nahmen diese Dar- gegen9*” ”” eb^aften Beifallskundgebungen ent- tftcke Notn^I- ’f* Origen« eine aufrechte demokra- sich unseres Ero^"rSftige Persönlichkeit, auf den !rum”voll*^nd^g^nz”^erl^lle^*?”^^^o"^^ 3«” n.he, verlosten können.
Zeitung", die ^bst die „Frankfurter
Kabinett ist: ..E>n Gegengewicki”?^r das neue tritt von vier beutfthnatiXu?U,-eß.c,n Öen Uebertragung bes Finanzminifn.^^' ?ie difchen Staatspräsidenten Dr Köbl^ ÖCn sentiert den linken Flügel des Zentr..»^ politische Erfahrung wird ihm geftattP!?15’ ®?’nc die Finanzen der Republik verwaltet unb^rb bei personellen Entscheidungen mitzuwirken kat ^ib-r den Bereich seines Ressorts hinaus auf «beJ schliche der neuen Regierung Einfluß zu erla^aen und so vielleicht manches zu verhindern, was innft geschehen würbe. Aber, da er nur wenig mLr;„ stungsgenossen im Kabinett hat, wird er "sich L ’ «ann durchsetzen können, wenn er seine ganze >°n für das als richtig Erkannte einsetzt." — si» letzterem zweifeln wir n i ch tl
htinsr0^ am heftigsten gerungen wurde in den $er- de-st^u über bie Kabinettssitze um ben Posten fehrcLt n.a nzministerS, wie um ben bes Der- Nlltinn «"'^Ers. Selbe f o r b e r te n die Deutsch- Fir, n, r.N- Das Zentrum beanspruchte aber ben Neben s weil es barauf begehen mußte, schez Kanzler auch noch ein grö'.eres politi- zu bef»b„n,'tel!um durch einen feiner Angehörigen National^"' Schließlich fügten sich auch bie Deutsch- anerkennt diesem Anspruch, ben sie als berechtigt ben Bail." niußten. Noch härter rangen sic um S e u t f *n be3 Verkehrsministers, ben sie der Wäre es h ” Volkspartei abjagten. Hierbei
vernähe zwischen ben Deutschnationalen
Graef ist der Vertreter ber rabikalen Richtung. Graef ist wiederholt durch feine sehr radikale Einstellung ausgefallen. Es ist bekannt, daß Graef seinerzeit demonstrativ sich geweigert hat, den Höflichkeitsbesuch beim Reichspräsidenten Ebert als Mitglied des Reichstagspräsidiums zu machen, er hat auch ferner im Feme-Ausschuß in München eine schroffe Stellung eingenommen, ist damals aus der Sitzung herausgegangen und hat im übrigen sehr rauhe Reden gehalten. Allerdings muß man andererseits auch wieder feststellen, daß sich Graef im Geschäftsordnungsausschuß als Mitglied des Reichstagspräsibiums ziemlich maßvoll verhalten hat.
Was die presse sagt.
Zur Zusammensetzung deS neuen Reichskabi- netts bemerkt bie „Deutsche Zeitung": Mr fürchten, dah bie deutschnationalen Minister bas, was sie anscheinend zu erreichen und durchzusetzen hoffen., kaum werden erreichen können.
Tie „Kreuz-eitunq" schreibt: Das Märchmvom Bürgerbwck wird bald zerstört fein, denn in der neuen Koalition sind aste staatserhaltenben Kräfte und Berufe vertreten, bie mehr oder weniger ein staatliches Prinzip zusammcngeMrt hat.
Tie „Deutsche Tageszeitung" bezeichnet es als einen großen nationalen Gewinn, daß die starken politischen und wirtschastlichen Kräfte der Deutsch- nationalen Dolkspartei nicht länger von der Teilnahme an der Reichsleitung ausgeschlossen sind. Bei den langwierigeir Verhandlungen habe es weder Sieger noch Besiegte gegeben, sondern nur Parteien, bte sich von ihrem verschiedenen Standpunkt and sürlich auseinandergesetzt und schließlich ehrlich zu- lammengesunden haben.
_ Der „Loka'anzeiger" hebt hervor: Aste wahrhaft national gesinnten Kreise des Volkes werden die annlc?”9 bci ibrcr schweren Arbeit mit ihren Wunscheu bereiten.
te* 3", die anerkennende Worte für
nrnnfthithu bei geleisteten Arbe't bei der Regie- ^spr-cht. erinnert an das bei der auigesteNte Ziel: Es soll keine fe:n' sondern vielmehr soll sieaus- l ^.i?r'r?"^ssungstreu, national und sozial fein.
>>2031x^0 Rundschau" glaubt erst das Ergebnis der vvlkspartestrchen Fraltionssitzung ab»
schehen, als bie mit Deutschland geführten Verhandlungen ohne Zweifel vor der festaeseften Zeit zu einer Einigung führen werben. 2) stellt Briand feit, daß zwischen ben Erklärungen Chamberlains im Unterhause und seiner jüngst erteilten Antwort kein Unterschied bestehe. Der britische Außenminister habe nicht Bezug genommen auf die Genfer Besprechungen, sMdern nur ganz allein auf das Problem der Rheinlandräumung angespielt, unter dem Hinweis, daß ein Meinungsaustausch hierüber bereits unter ben Mächten stattgefunden habe, ohne den Zeitpunkt zu präzisieren. Rach Zeitungsberichten habe Chamberlain hinzugelügt, 1) daß, wenn das Rheinland vor der im Vcrs.ister Vertrag festgesetzten Frist geräumt werden müßte, das nut das Ergebnis einer Vereinbarung zwischen den Besatzungsmächten und Dcut'ch'and sein könne, zu bet bie beutsche Regierung ihren Anteil würde bei- tragen müssen, 2) daß es, um eine Lösung zu finden, notwendig sein würde, daß die interalliierten Regierungen zusaminenarbeiten müßten. Im übrigen wiederholt Briand nochmals gegenüber dem Abgeordneten Des.'ardin, daß in Eens über die Räumungsfrage im Verlause der letzten Sitzung des Völkerbundsrates nicht gesprochen worden sei. Im übrigen könne auf dem Wege der schriftlichen Antwort nicht über die Beratungen eines internationales Organismus Auskunft erteilt werden. Auch könne et über die Beratungen des Obersten Kriegsrates, wenn er Stellung zu der Räuw'-ngssrage genommen habe, keine Äuslunjt ertelle«.
, Gemäß ben in Genf getroffenen Vereinbarungen wirb bie Interalliierte Militärkontrollkommission bis zum 31. Januar ihre Tätigkeit eingestellt und Berlin verlassen haben. Wie der Demokratische Zeitungsdienst erfährt, wird die Interalliierte Militär- kontrollkommiffion die Einstellung ihrer Tätigkeit durch ein besonderes Schreiben ber Reichsregierung mitteilen. Die Erledigung etwaiger Restpunkte bleibt, wie vereinbart, dem Militäfat'achees ber alliierten und affocierien Hauptmächte überlassen. Auch tritt bie Heeres- friedenskommission am 1. Februar in Liquidation. Die Liquidationsarbeiten sind bereits feit längerer Zeit vorbereitet.
Wie verlaitet, hat Japan zu erkennen gegeben, daß es auf die Schaffung des Postens eines "Mili- täratlacheeS zu dem genannten Zwecke zu. verzichten gedenke.
Brianö über die Bhemlandraumung
Im „Journal Ofsieieste" hat Außenminister Driand auf erneute Anfragen des reaktionären Abgeordneten Des'ardin Antwort erteilt. Briand stellt fest, 1) daß die deutschen Verfehlungen nicht zwischen Frankreich und Deutschland allein, sondern zwischen Deutschland und den alliierten Mächten verhandelt würden. Die französische Regierung könne keine Antivort auf die gestellten Fragen betreffend die noch zu regelnden 6r.iT affnungSfragen erteilen. Dies könne augenblicklich umsoweniger ge-,
und der Deutschen Dolkspartei zu einer ernsten Krisis gekommen. Andererseits aber zeigte sich das merkwürdige Bild, daß aus der Beamtenschaft des Verkehrsministeriums selber gegen die von ben Deutschnationalen vorgeschlagene Kandidatur des Dr. K o ch-Düsseldorf (ein Gewerkschaftler) als Der- kehrsminister Sturm gelaufen wurde. Diese Art der Einmischung von Beamten eines Ministeriums in die Kabinettsbildung mußte der entschiedensten Gegenwehr begegnen, und dos Zentrum hat mit ben Deutschnationalen die Auffassung vertreten, daß dieser Versuch scharf abgelehnt wird und daß gerade die Bestellung eines Gewerkschaftlers für dieses Amt gebilligt werden müsse. Der Deutschen Dolkspartei, die sich noch am Tage zuvor stolz als den Vater dieses Kabinetts bezeichnete, bleibt nicht anderes übrig, als sich in das Unvermeidliche 3 u fügen. ,
Dr. Geßler, der Reichswehrminister bleibt, ist aus der Demokratischen Partei ausgetreten. Er hat an den Vorsitzenden ber Deutschen Demokratischen Partei das nachfolgende Schreiben gerichtet:
Sehr verehrter Herr Koch! Die politische Ent- Wicklung, bie zur Bildung eines neuen Kabinetts geführt hat, stellt mich vor die Wahl, entweder mich dem Rufe des Herrn Reichskanzlers zu versagen, oder in Konflikt mit den Grundsätzen der Parteidisziplin zu geraten, die ich stets hoch gehalten habe. Aus dieser Zwangslage glaube ich, gibt es nur den einen Ausweg. Sie zu bitten, meinen Austritt aus der Deutschen Demo- kratischen Partei zu bewilligen. Ich habe Ihnen mündlich die Gründe auseinandergesetzt, die mich im gegenwärtigen Zeitpunkte zwingen, diese Entscheidung zu treffen, und ich glaube Sie überzeugt zu haben, daß sie rein sachlich sind und in der Lage'meines Ressorts begründet liegen, nicht aber in grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten mit der Parteileitung oder gar mit Ihnen. Ich habe Ihnen auch dargelegt, wie schmerzlich mir diese Trennung von politischen Freunden ist, mit denen m'ch eine mehr als fünfundzwanzigjährige Arbeit im Kampfe für eine freiheitliche Ausgestaltung unseres Vaterlandes verbindet.
Kochs Antwortbrief besagt: '
„Sehr verehrter Herr Geßler! Mit schmerzNckiem Bedauern nehme ich von Ihrem Entschluß, aus der Partei auszutreten, Kenntnis. Ich würdige die Gründe, die Sie bei ber Entschließung des Austrittes geführt haben. Ich gedenke in dieser schweren Arbeit am Wiederaufbau unseres Vaterlandes, die Sie vereint mit uns in ben ersten Jahren nach der Revolution geleistet haben. Ich denke auch an bie Zeit, wo wir während bes Kapp-Putfches für Vaterland und Republik in ge- meinfamer Abwehr gestanden haben. Unsere politischen Wege sind nachher nicht immer dieselben gewesen. Aber an Ihrer vaterländischen und republikani- schen Gesinnung habe ich niemals gezweifelt. Die freundschaftliche Gesinnung, die, wie viele unserer Freunde, auch mich mit Ihnen verbindet, wird durch hiesen Schritt nicht erschüttert werden."
In Dr. Geßler, ber übrigens gläubiger Katholik ist, verliert bie Demokratische Partei wieber eine wertvolle Persönlichkeit.
Dr. Stingl, ber schon im Kabinett Cuno Reichspostminister war, hat im Hinblick auf seine geschwächte Gesundheit barauf verzichtet, wieber in bas Kabinett einzutreten. Jnfolgebessen ist Staatssekretär Schätzt- München berufen worben.