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Anzeiger für die Skadk und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblalk.

Ar. 21.

$rfd)einl sechsmal wüchenllich Wochenbeilage: ^Illustrierte Beilage' undBuchenvlätter^ Rotationsdruck und Verlag der Hulda« Nrtiendruckerei in ftulba Fernsprecher Rr. 9.

* Monatlicher Bezugspreis 1.50 TOI *t

Donnerstag, 27. Januar 1927.

41 nzei gen«Drei i«! Kleinzeile (Solonel) total 0,15 JUl, auswärts 0,20 JUl R e kl a m e,«i Ilokal 0,60 JUl, auswärts 0,80 JUl Lei Wiederholungen Rabatt. :< Vostschecklonto Frankfurt a TO Nr 4051 *

Zahrg.54.

Dr. Marx beim Reichspräsidenten.

mtb. Berlin, 26. Jan. (Eig. Funkrn.) Wie das Wolff-Büro aus parlamentarischen Kreisen er­fährt, empfing Reichspräsident von Hindenburg heute vormittag 10.15 Uhr Reichskanzler Dr. Marx, der ihm aus dem gegenwärtigen Stand seiner Be­mühungen um die Regierungsbildung Bericht er­stattete. Rach seinem Besuche beim Herrn Reichs­präsidenten begab sich Dr. Marx dann, wie das Nachrichtenbüro des Vereins deutscher Zeitungs­verleger hört, in den R e i ch s tag, um mit den Füh­rern der für die Koalitions-Bildung in Betracht kommenden Parteien eine Besprechung abzuhalten

Die Verhandlungen Dr. Marr am Dienstag mit den deutschnationalen Unterhändlern über die Rich^inien des neuen Kabinetts haben bis auf drei Restpunkte zu einer Einigung geführt. Die noch unerledigten Vunkte sollen Fragen der For­mulierung der außenpolitischen und Derfasiunas- probleme b°freffen. Aber auch in diesen Punkten dürfte bi? Mittwoch eine Einigung erzielt worden sein, so daß die fachliche Seite der Derhandlunaen über die Regierungsbildung dann beendet sein dürfte. Zu der dann zur Erörterung stehenden Personenfrage bemerkt dieDeutsche Tages- yitunrr", daß die Deutschnationalen nach Stärke ihrer Fraktion einen Anlnruch nicht auf drei son­dern auf vier Miuistervosten haben. Es fei zu er- .warten, daß die Deutschnationalen ihre Ansprüche eneraiich vertreten werden, um nicht in entscheiden­den Fragen an Einfluß zu verlieren.

*

f'ie Wirtschaftliche Vereinigung wird sich Mittwoch nachmittaa nochmals in einer Fraktionssitzunq mit der Reaierungs-Bilduna be- schäfUaen. Wie das Rachrichten-Büro des D D.Z. erfährt besteht noch nicht die Möglichkeit, daß die Wirtschaftliche Vereinigung an der neuen Regie­rung teilnimmt.

Du Demokraten.

Wie dasD. I." hört, wird die Demokratische Reichstagsfraktion nicht in die Regierung eintre­ten, jedoch wird D r. Reinhold für seine Person bereit fein, das bisherige Amt des Reichefinanz­ministers auch in der neuen Regierung zu behal­ten.

Die Demokraten handeln sehr unklug, wenn sie der Reaierung fern bleiben. Sie würden inner­halb der Regierung bedeutend mehr erreichen tön- inen, als wenn sie in der Opposition stehen und in dieser Opposition doch nicht mit Sozialisten und Kommunisten in Wettbewerb treten können.

Strefemanns Ansicht.

In einem Interview mit dem Berliner Vertre­ter derTimes" sagte Dr. Stresemann unter an­dern!: Wenn setzt die Deutschnationalen i wieder in die Regierung eintreten, so bedeutet dies ,in außenpolitischer Hinsicht nichts an­deres als daß auch in weiten Kreisen, die hinter der deutschnationalen Partei stehen, das Ver­ständnis für die Locarnopolitik le­bendig geworden ist, und daß sich diese Politik in Zukunft sowohl im Parlament als auch in der lOeffentlichkeit auf eine ganz überwiegende Mehrheit stützen kann.

ttonfessions-Hetze und Nrise.

Aus der Pfalz wird derKölnischen Volkszei­tung" geschrieben:

Der von Oberkirchenrat Dr. Th. Hoffmann sti Speyer herausgegebene Evangelische Kir­chenbote, das offizielle Sonntagsblatt der pc- sttiven (!) Protestanten der Pfalz, hat in feinen letzten Nummern auch Stellung genommen zur Re­gierungskrise, und zwar in einer Weise, die ge­radezu Erschrecken macht Man lese, was dieses

DieUnglücksfällebei der Reichsbahn

Nach bet Zusammenstellung im Jahresbericht der ckteichsbahn-Gesellschaft ertlngneten sich im gan en Jahre 1926 die Ziffern deS Vorjahres sind in Klammem daneben gesetzt 2947 (3086) Unfälle und zwar 470 (415) Entgleisungen, 187 (213) Zusammenstöße und 2290 (2458) sonstige Betriebsunfälle. Die Zahl der getöteten Reisenden betrug 174 (148). Durch eigene Unvorsichtigkeit verunglückten tödlich 96 (118) Reisende. Verletzt wurden insgesamt 1268 (796) Reisende, davon durch eigene Unvorsichtigkeit 317 (359). Von Bahn­bediensteten fanden den Tod 318 (409), davon durch eigene Unvorsichtigkeit 314 (393). Verletzt wurden 1063 Bahnbedienstete (1042), davon durch eigene Unvorsich. tigteit 972 (939). Die Gesamtzahl der getöteten oder verletzten Personen betrug 3354 (3042), davon durch eigene Unvorsichtigkeit 2161 (2349). Die folgenschwer­sten Unglücke waren der Zusammenstoß auf dem Bahn­hof Wülknitz (Reichsbahndirektion Dresden) am 22. März mit drei Toten und 11 Verletzten: der Zusammen­stoß auf Bahnhof Münchcn-Ost am 24. Mai mit 28 Toten und 355 Verletzten, die Entgleisung auf Bahn­hof Langenbach (Reichsbahndirektwn München) am 13. August mit 12 Toten und 76 Verletzten und der Bahn­frevel bei Leiferde am 19. August mit 21 Toten und drei Verletzten. Dadurch hat sich die Zahl der verun­glückten Rttsenden gegen das Vorjahr erhöht. Wäh­rend die Zusammenstöße weiter abgenommen haben, weisen die Entgleisungen eine Zunahme auf. Trotz dieser unerfreulichen Erscheinungen muß aber festgestellt wer­den, daß, im Ganzen betrachtet, die Unfallstatistik auch im Jahre 1926 eine weitere Annäherung der Betriebs- sicherh-nt an den Vorkriegsstand austoeist, sie teilweife

Sonntagsblatt am 16. Januar dieses Jahres schrieb:

Der Jahresanfang brachte dem evangelischen Deutschland einmal wieder zum Bewußtsein, wie vieles bei uns anders geworden ist. Die meisten lasen von dem Neujahrsempfong beim Reichspräsi­denten v. Hindenburg in den Taqesblättern, aber sie denken nicht viel dabei. Und doch ist die Tatsache, daß dabei der päpstliche Nunzius P a c e l l i als Wortführer des diplomatischen Korps aufgetreten ist, allein schon bezeichnend für den Wandel der Dinge . . . Daß beim Reichsprälldenten des Deut- schen Reiches, das doch zu zwei Dritteln evangelisch ist, die römische Kurie einen Nunzius unterhält und ihn als Sprachrohr ihrer politischen Wünsche benutzt, 'ist ein Beweis dafür, daß das Papsttum wieder in einem Umfang eine politische Macht geworden ist, wie man es seit dem Westfälischen Trieben nicht mehr für möglich gehalten hätte. Still, zäh, zielbe­wußt schiebt diese Macht ihre Grenzen immer wei­ter vor. Ein hohes Ziel schwebt ihr vor: alle Völker sollen zu einer großen Gemeinschaft unter dem Papst als Oberhaupt zusammenge- schlosien werden. Im Dienste dieses Zieles stehen mich die beiden Nunzien, in Berlin und München. Wenn sie bei uns reden, aefchiehts im Sinne der Gegenreformation. Gefährlicher ifts, was sie im Geheimen tun. Mit ihren Wandlungen im Zentrum tmb der Bayerischen Dolkspartei suchen lle ihre Hand an das Steuer des deutschen Staats- fchiffes zu legen und feinen Kurs zu bestimmen. Aus ihre Weisung entsteht Bollwerk auf Bollwerk in den deutschen Landen. Reue Bistümer werden aegrünbet. Eine Art Ordensüberschwemmung mit all ihren trü­ben Begleiterscheinungen hat eingesetzt. lieberen werden neue Klöster aegrünbet, neue Ordensnieder­lassungen aemeldet. Deutschland llt fetzt das kloster- reichste Land der ganzen Welt. Man fragt sich, wo zu dem großzü-'igen Einkreisungsp Ian Roms denn das Geld herkommt: haben die Klo- fter, als das Vaterland um fülle im Kriege geworben irnd die arme Witwe ihren Spargroschen brachte, um Kriegsanleihe zu zeichnen, ihren Mammon für sich behalten und im neutralen Ausland in Sicherheit ae- bracht, um ihn jetzt hervorzuholen und aus chm heimlich Waffen zu schmieden gegen den Pro- teftantismus, dieweil man öffentlich mit Friedensschalm-ien ibn einzulullen sucht? Wie dem mich sei. die Gefahr ist groß . . . Wenn dock, die Evangelischen in allen Parteien erkennten, der Feind strbt nicht rechts und nicht link«, sondern im Zentrum! Dann würden sie demselben sein eien- des Schgcherhandwerk legen, wie es derselbe fetzt wieder bei der ütemerungsneubilbung in selbstsüchti­gem Interesse ausübt.

In feiner Rümmer vvm 23. Januar ergänzt der Kirchonboie feine Ausführungen, indem er, den Versuch Dr. Cursius' zur R-gieninasbildung be- sprechend, die Befürchtung äußert, dieser werde am Zentrum scheitern.Dann" fährt das Blatt fort, gibt es nur eine doppelte Möglichkeit: entweder erneut als Regierung der Mitte vor den Reichstag zu treten . . . ober Auflösung des Reichstages. Denn ein dritte«, das möglich märe, daß näm­lich die E v a n o e li f ch e n unter den Sozial­demokraten stark genug waren, um den Kurs ihrer Partei herumzuwerfen und sie in eine E i n» heitsfront mit d-n anderen Parteien gegen Ven römischen Feind mit seiner Gegen- reformation im Zentrum zu bringen, daran ist bei dem gegenwärtigen Stand der Entwicklung noch nicht (!) zu glauben."

Diese wirklich sehr bedauersichen Ausführungen eines Oberkirchenrates in einem protestan­tischen Sonntaasblatt. das auf Tausende von Fa­milien. besonders auf dem Lande, einen starken Einfluß a"«übt. zeigen nicht nur eine staunens­werte Unfähiokest zu objektiver Würdigung her tatsächlichen Porbaltnisse, sond-rn auch einen sol­chen blinden Haß geoen alles Katholische, daß man tatsächlich darüber erschrecken kann. Wir verzichten natürlich auf eine Klarst°llung und Widerlegung her einzelnen Vorwürfe. Gegen solche konfessionelle Blindheit ist mit Dernunftaründen doch nicht an- zukämpfen. Selbst die Einheitsfront mit den So­zialisten würde man begrüßen! Die Parolel i e- b e r rot a l s schwarz", die früher schon manch­mal ausaegeben wurde lebt also wieder auf. Aus allem geht klar hervor, wie notwendig die Ein­heitsfront aller Katholiken ist!

(Einwanderung in Kanada.

Rach einem Privatbericht des niederländischen Generalkonsuls in Montreal ist die Zahl her Ein­wanderer nach Kanada während der ersten neun Monate des vergangenen Jahres bedeutend höher als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahre? Gegenüber etwa 67 900 Einwanderern 1925 stan­den 112 800 für die ersten drei Vierteljahre 1926. Hiervon waren 41 400 (29 400) Briten, 16 776 (13 928) stammten aus den Vereinigten Staaten und 54 600 (24 500) aus b?n Staaten des eure- päischen Kontingents. Die Vermehrung war also bei der letzten Gruppe am stärksten, etwa 66 Pro­zent. Für die einzelnen europäischen Staaten be« truoen die Zahlen: Holländer 1476 (918) Dänen 1322 (878), Norweger 2088 (739), Schweden 1852 (997), Schweizer 443 (244), Deutsche 7305 (3282), Belgier 1681 (865), Polen 4921 (1705) und Ita­liener 1601 (1228). Für das letzte Vierteljahr sind offizielle Zahlen noch nicht erhältlich.

* Der neue norwegische Heeresetal bewilligt. Aus Oslo wird gemeldet: Das Storting nahm eine Gesetzevorlage an, nach der die Kosten für die neue Heeresordnung auf etwa 40 Millionen Kronen jährlich festgesetzt werden. Das Storting bewilligte außerdem VA Millionen Kronen für einmalige Ausgaben für Neuanschaffungen gemäß der neuen Verteidigungsordnung,

Die tage in China.

Gegen die Entsendung indischer Truppen nach China.

Die nationalistischen Zeitungen Indiens wenden sich scharf gegen den Transport indischer Truppen nach China.Bombay Chronicle" und andere Blätter geben ihrer Sympathie für die chinesischen Rationalisten und die Kantonregierungin ihrem Kampf zur Befreiung ihres Landes von der Fremdherrschaft" Ausdruck. Die in Kalkutta erscheinende ZeitungPatrika" begrüßt bje Erklärung des Arbeitsausschusses des Nationalkongresies, die sich gleichfalls gegen die Verwendung indischer Truppen in China aus­spricht.

Amerika und China.

Aus Washington wird gemeldet: Nach Ansicht des Präsidenten Coolidge bestehen wesent­liche Unterschiede zwischen den britischen und den amerikanischen Interessen in China, da Amerika in China keine Konzessionen habe. Aus diesem Grunde können, so erklärte der Wortführer des Weißen Hauses, nach Ansicht Coolidges Mei­nungsverschiedenheiten zwischen den beiden Regierungen über die Frage der allgemei­nen Politik mit bezug auf China entstehen.

Der japanische Außenminister über die Politik in China.

Auf verschiedene an ihn gerichtete Fragen er­klärte der japanische Minister des Aeußern, Baron Shidehara im Parlament zur japanischen Politik in China: Obgleich Japan nicht in allen Punkten, der britischen Politik in China folgen kann, so bleibt doch die japanisch-eng l. Freund­schaft unverändert bestehen. Japan erblickt nur geringe Anzeichen dafür, daß die Kanton­truppen bolschewistisch gesinnt sind. Ihre Haltung gegenüber den Japanern ist nicht unfreundlich. Japan sucht mit den anderen Mächten die gemein* ame Plattform in China zu finden. Jedoch ist lies wegen der verschiedenartigen Interessen n i cht eicht. ___________

* Der Reichsanzeiger veröffentlicht eine Be­kanntmachung des Reichsbankdirektoriums über die für die Aufbewahrung und Verwaltung von Wertpapieren ab 1. Februar 1927 geltenden Be­dingungen. _______

* Oesterreichs Einnahmen im Jahre 1926. -Aus Wien wird gemeldet: Nach einer Aufstellung der Neuen Freien Presie" waren die Staatseinnah­men im Jahre 1926 um 210 Mill. Schilling höher als vorgesehen. Sie übersteigen die Einnahmen im Jahre 1925 um 7 Prozent und im Jahre 1924 um 17 Prozent. Die Zolleinnahmen waren um 7 Prozent höher als im Jahre 1925 und um 50 Pro­zent höher als im Jahre 1924. Die Einnahmen aus den Monopolen waren um 10 bzw. 27 Pro­zent höher.

* Srehone im Konstantinopeler Hafen. Der türkische Ministerrat hat die Bildung einer Frei­zone im Hafen von Konstantinopel gebilligt.

Der amerikanische Senat für ein Schiedsge­richt in der Mexiko-Frage. Der Senat in Washing­ton nahm die Resolution des Senators Robinson, die die Verweisung des Konfliktes mit Mexiko vor ein Schiedsgericht fordert, an.

Poincards Zinanzprogramm.

In dem Finanzauslchuß der französischen Kam­mer gab Ministerpräsident Poincarä ein Erpostz über die Finanzlage. Aus den vorliegenden Be­richten ergib* sich, daß Poincare in D-cintwortung einer sozialistischen Anfrage erklärte, daß nach An­sicht aller zuständigen Persönlichkeiten eine le­gale Stabilisierung des Franken nur nach längerer Dauer der. tatsächlichen Sia- bilifierunq möglich sei. Die Bank von Frankreich werde alles tun, um den Franken auf der Pari- tät non 122 Pf. St. zu halfen, um der Indu­strie die Möglichkeit zu geben, sich auf diefeo Wert­verhältnis einulftellen. Hinsichtlich des Zündholz­monopols fei eine Entscheidung bisher nicht getrof­fen worden. Das Porfawent werde rechtzeitig un­terrichtet werden. Die Regierung habe nicht die Absicht, in dieser Frage die Vertrauensfrage zu stellen. Bezüglich der Ratifnieruna d-r Schul­denabkommen von London und Washington erklärte PoincarS, die Regierung werde nicht dar­auf begehen, daß der mit dieser Frone sich befas­sende Ausschuß d-r Kammer diele Angelegenheit mit besonderer Eile behandele, da infolge der amerikanischen Snatserfafroahen keine besondere Dringlichkeit oorsj-ae und das Problem der Schul­denabkommen-Ratifizierung jetzt nicht mit der fi­nanziellen Wiedererhebung verbunden sei.

Die $rage der Ostfestungen.

Wie Havas berichtet, verliefen die Verhandlun­gen über die deutschen Dftfeftunoen günstig, und man glaubt, daß sie bis zum 31. Januar zu einem Ergebnis führen werden.

lieber die Pariser Verhandlungen rowen der deutschen Dftfeftunoen verbreitet auch die Pariser Morgenpresse am Mittwoch o p t i rn i st i s ch e Be­rich t e und kündigt den Z u f a m m e n t r itt der Botschafterkonferenz für Freitag oder Samstag an._______

* Das Berliner Stadkparlament gegen die Frei­gabe gewerblicher Räume. Die Berliner Stadt­verordnetenversammlung beschäftigt sich mit der Herausnahme der gewerblichen Räume aus der Zwangswirtschaft, und nahm die Anträge auf so­fortige 'Aufhebung der betreffenden Verordnung des preußischen Wohlfahrtsministers an.

* General Hoffmann an Mahraun. General Hoffmann, einer der führenden Generale im Osten, bat an den Hochmeister des Jungdeutschen Ordens ein Schreiben gerichtet, das unter scharfen Aus­fällen auf den Bolschewismus für die Verständi­gung mit den Weftmächten, insbesondere mit Frankreich, eintritt. In dem Schreiben heißt es unter anderem:Ich habe die Führer des Bolsche­wismus, die gleichen, welche heute noch Rußland beherrschen, bei den Verhandlungen in Brest-Li- towsk tennengelernt. Ich weiß daher, daß sie mit uns nur verhandeln, um uns zu betören und um Deutschland in Abenteuer zu locken, die eine furchtbare Katastrophe über unser Vaterland heraufbeschwören würden." Zum Schluß bedauert General Hoffmann die Angriffe .auf Mahraun durch Offiziere der alten Armee,welche die Zu­sammenhänge nicht durchschauen".

Aus den Parlamenten.

Re'chstag.

3n der Dienstags-Plenarsitzung kommen nur kleine Vorlagen zur Behandlung. Rach Erledigung kleinerer Vorlagen wird gegen die Stimmen der Demokraten, Sozialdemokraten und Kommunisten ein Antrag abgelehnt, der einen Fürsorgege» setzentwurf verlangt. Hierauf wird noch ein Antrag des Ausschusses für Oftfragen anoe« nommen bezüglich der durch die neue Grenzziehung notwendig gewordenen Dahnbauten. Das Haus vertagt sich daraus auf Mittwoch 3 Uhr: Dritte Beratung des Gesetzentwurfes zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten.

preußischer Landtag.

Das HmiS fetzte am Dienstag die Aussprache beS WohlfahrtSetats beim AbschnittAllgemeine Wohl- fahrt" fort, der nach kurzer Debatte, die nichts toefent« licheS ergibt, die allgemeine Aussprache über den dritten Teil deS Etats,WohnungS- und Siedelungswesen" folgt

Minister Hirtsiefer

führte u. a. aus, daß McchnungSneubauten nach den be­stehenden Gesetzen für fünf Jahre von der Erundver- mögenSsteuer befreit seien. Eine Ausdehnung dieser Frist auf zehn Jahre halte die Regierung bedenklich. Es kann festgestellt werden, daß die Bestrebungen, die Woh­nungsnot zu lindern, nicht ohne Erfolg geblieben sind, 1926 wurden bis zum 1. Oktober 117 000 Wohnungen bezugsfertig, von denen 99 000 mit Hilfe öffentlicher Mittel errichtet worden find. Im ganzen Jahre 1926 dürften etwa 130 000 Wohnungen bezugsfertig gewor­ben fein. Der Ant-il der HauszmSsteuer für den Woh­nungsbau beträgt für 1927 wiederum etwa 430 Millio­nen Rm.

Die gesetzliche Miete, die z. Zt. 100 Prozent der Fri-denSmiete beträgt, darf nach der reichsgesetz- lichen Vorschrift bis zum 31. März 1927 nicht üoer- schritten werden. Der Zinssatz für die aufgewerteten Hypotheken erhöht sich nach den reichsgesetzlichen Vor­schriften vom 1. Januar 1928 ab von drei Prozent auf fünf Prozent. Das bedingt zwangsläufig eine Erhöhung der Miete vom 1. Januar 1928 ab um etwa Prozent.

In Ausführung eineS Landtagsbeschlusses hat die Staatsreai rung in Aussicht genommen, eine Woh- nungSbauanleihe in Höhe von voraussichtlich80 Millionen Rm. aufzunehmen.

Es ist bekannt, daß ich für stärkeren Wohnungs­bau eine entsprechende Mietssteigerung vom L April

1927 vorgeschlagen habe. Eine Entscheidung in dieser Beziehung wurde bisher jedoch noch nicht getroffen, zumal die z. Zt. lediglich die Geschäfte führende Reichs- regi ring nicht in der Lage ist, ent cheidende Beschlüsse wegen einer einheitlichen Erhöhung der Miete zu fassen. Eine ausschlaggebende Senkung der Neubaumie­ten, bezw. eine Angleichung ait die Altmieten, kann jedoch erst eintreten, wenn es gelingt, die Baukosten hn Wohnungsbau, die z. Zt. etwa das i,6 fache der Frie­densbaukosten betragen, wesentlich zu vermin­dern. Günstige Ergebnisse auf diesem Gebiet halte ich für unzweifelhast. Der Minister wandte sich hierauf den Wirkung der Verordnung über die Lockerung der WohnungSzwangswirtschast vom 11.11.1926 zu. DaS gegen die Verordnung vorgebrachte Material halte zum weitaus größten Teil einer genaueren Nach­prüfung nicht stand. Die Svitzenoraanisationen der Wirt­schaft verträten durchweg den Standpunkt, daß wei­ter abgebaut werden müsse. Beim Ministerium seien 441 Beschwerden eingegangen. Selbst diese Zahl würde bei der großen Menge gewerblicher MietSverhält- nisse in Preußen nicht ins Gewicht fallen. Bei dieser Sachlage gäbe es für eine verantwortliche Verwaltung, ast nur den einen Weg, die weitere wirtschaftliche cklung auf diesem Gebiete abzuwarten, denn die Ueberwindung der Schwierigkeiten erfolgt am besten durch die Einigung zwischen Vermietern und Mietern und einer den derzeitigen Verhältnissen entsprechenden angemessenen Grundlage (Beifall in der Mitte).

Abg. Sonnenschein (Dn.) billigt die Ausfüh­rungen des Ministers. Die Verordnung des Ministers sei notwendig und auch zeitgemäß. Einmal mußte der Schritt getan werden. Die Zwangswirtschaft fei eine Notmaßnahme, die schleunigst verschwin­den müsse. Der solide Hausoesitz stemme sich mit allen Mitteln geoen Elemente, die die Verordnung mißbrau­chen. Hier könne ruhig der Staatsanwalt vorgehen. Das Verlangen nach Hinausschiebung der Wirkung der Ver­ordnung solle die Uebergangszeit erleichtern.

Abg. Dr. G r u n d m a n n (D. Dp.) erklärt, die Deutsche Dolkspartei fordere, daß die Regierung einen Plan aufstellen muß. Die Hausbesitzervereine haben selbst Mietsteigerungennuri nunausweich- lichen Fällen und bis zu 120 Proz. erlaubt. Leider sind Steigerungen seitens großer kapitalkräftiger Gesell­schaften bis zu 500 Proz. vorgekommen. Wir ver­langen, daß der Staatsanwalt brutal gegen Wucher ein­greift.

Abg. Hoff (Dem.) forirrt die Zurücknahme der Be­freiung der gewerblichen Räume von der Zwangswirt­schaft.

Um V- 6 Uhr vertagt das Haus die WeiterberatunL auf Mittwoch 11 Uhv.