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Fuldaer Leitung

Sonntag, 23. Januat 1927,

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* Verhaftung eines Schwindlers. Die Kriminal­polizei nahm in Halle einen 27jährigen Kauf» mann wegen Betruges fest. Der Verhaftete, der in Tageszeitungen in Hamburg, München, Dres­den, Halle ufw unter äußerst günstigen Bedingun­gen Personen aller Berufe und beiderlei Geschlechts zur Teilnahme an einem antarktischen E x - peditionskommando aufgefordert hatte, strich das den zahlreichen Meldungen beigefügte Rückporto ein. Nach den bisherigen Feststellungen ist der Verhaftete bereits vorbestraft.

sammenhalten. weil der Süden froher ist und, wenn man will, musikalischer. Auch von Oesterreich her, das ja nun docb einmal au uns kommen muß, wir­sen wir einen starken Zustrom von der herrlichen Lebensfreude erwarten, die feit den Tagen Wal­thers von der Dogelweide bis heute noch dort le­bendig ist Es hat in diesen Tagen in verschiedenen protzen Städten bei uns Profesior Dr. Eibl aus Wien gefvrochen. Es ist das Io ein richtiger Wie­ner, dem die humorvolle Ueberlegenheit einer alten Kultur im Antlitz steht, so ein wandelnder Bund von gelassener Vornehmheit und offenherziger Menschlichkeit, boxu übriaens ein grotzer Künstler. Er hat uns über die deutsche Fraoe gesprochen, und es geschah einmal noch einem Vortrag, daß ein einfacher Arbeiter zu ihm hintrat und sagte:Ich bin zrvar nur ein fchlichter Mann, aber bei Ihren Worten habe ich doch zum ersten Mal im Leben richtig gefühlt, was eigentlich deutsch ist." In Man­chen sah man nach dieser Rede Tränen in den Au­gen ergrauter Männer. Das war eine Begeisterung, die noch von einem Manne ausgina. der noch an Deutschland glaubt, der in allen Wechselfällen des Schicksals den Gang der Idee spürt, aus dem einfach der Genius der Geschichte spricht.

Das hier im Großen so wie in einem mäch­tigen Rausch geschah, da^ zeigt ein Anderer in einer stillen, von heiliger Begeisterung getragenen, wahr­hast deutschen Kult,,rarbeit. I» denk- hier an die Ostdeutschen Werkstätten in Reitze. Dort ist das Reich des berühmten Vrofesjors Zutt. Vergiß nur nicht, wenn du nach Reitze kommst, und es lohnt sich wahrlich, diese prächtig«, an Kunstd-nkmälern so reiche Stadt einmal anzul-hauen, den Herrn Pro­fessor Zutt zu besuchen. Frag nur einfach nach Profesior Zutt. Jedermann kennt den Meister, der, von einem wallend-n Talar umweht, so wie ein Magier, durch die Räume seiner Kunst wandelt. Es geht ihm darum, das Volk selber schöpferisch zu machen. Wenn er iraendwa einen Bauernjungen sieht, der sich einen feinen Spazierstock zusammen- fchnitzt, fo wird er ihn mitnehmen und ihm Arbeit geben. Man sieht dort alle möglichen jüngeren und älteren Menschen aus dem Volke, die ihr Talent fortbilden, verschiedenartiges Gerät ansertigen und sehr veranngt dabei sind. Bald formen sie an einem Hirten für eine Weihnachtskrippe, bald an einem Aschenbecher, bald sind es Zierteller, bald kleine Weihwasserbecken, bald Madonnen. Von Zeit zu Zeit besucht sie chr Meister, gibt klein« Winke, macht ihnen wieder Mut, fchenkt vielleicht auch eins neue Idee, und so haben wir den dort eine wirk­liche Künstlergemeinschoft. Wenn du Interesse zeigst, so wird dir Profesior Zutt auch seine geheimsten Absichten enthüllen. Er will aus den Häusern den Kitsch verdrängen und ibn durch Schönheit ersetzen. Das haben allerdings schon manche vor ihm ge­wollt, haben es aber nicht richtig angefaßt. Der Hauptbundesgenosse der schlechten, unkünstlerischen Ware ist die Billigkeit. In dem Augenblick, wo man eine wirklich schöne Madonna bllliger kaufen kann als eine geschmacklos zusammenfabrizierte, wird die Kunst anfangen, ihren Weg in die ärmsten Hütten zu finden. Professor Zutt gibt seine besten

Die erste Meerschaumpfeife.

In der ungarischen Hauptstadt Pest lebte 1728 em Schuhmacher nomen? Karol KowoteS, dessen Geschick ichkeit im Schnitzen von Solz und anderen Sloffen ibn in Verbindung mit dem Grafen An« d.asiy brachte, dessen Günstling er wurde Bei feinet Rückkehr von einer Mission in die Türkei bracht« der Graf ein Stück ivc'ßen Ton« mit, das man ihm des leichten ip-z fstchen Gewicht- wegen als Knrio- sität zum Geschenk gemacht te. Da es Porös war, kam dem Schuhmacher der Gedanke, ob es sich nicht etwa gut für eine Pfeife eignen würde, da eS ta das Nikotin aufsaugen'de. Er mähte de» V riuch und schnitzte eine P'eife für sich und eine für den Grasen. Bei seiner Beiussardeit konnte ei natürlich die Hände nicht sauber halten, und so kam manches Stück hen SchusterwachS in Berührung mit der Pfeife. D ch anstatt schmutzig zu werden, als Karol die Pfeife abwllchtz, zeigte der Ton überall einen klaren braunen Glanz, wo Wachs darin ein« gedrungen war, statt des ma'ten Weiß. Nachdem er die Ursache des Glanzes festgeftellt, wamste et die ga' ze Oberfläche und polierte sie. Als er sie nun ran ite, nahm sie eine wunderbare Farbe an, und es fiel ihm auf, wie mild die Pfeife nach dem Wachsen schmeckte. Als andere Aristokraten von den wunderbaren Eigenschaften dieses sonderbaren Tones hör.en, ließen sie solchen in angemesienen Menaen zur Herstellung von Pfeifen kommen. Der natürliche Mangel an diesem geschätzten Material und ine Hohen Importkosten jener Zeit beschränkten ihren Gebrauch auf die reichsten Aristokraten, bis eS um 1830 zu einem allgemeinen Handelsartikel wurde. Die erste von Äaiol Kowates herqestellte IVeer« schaumpfeise befindet sich im Pester Mujeum. dpk

wird nicht vergeblich sein und das Gewünschte findest du schnell durch eine kleine Anzeige in der »Fuldaer Zeitung*.

S. vlatt.

Dnuf öet Anldaer Actiendruckeret, Julis

Modelle an diese oder jene Fabrik, dann vervielfältigt werden. Willst du einmal eine Prob« ichen so schreib ihm nur und leg einen Zehnmark- schein' dazu weil das Werk im Anfang noch der Unterstützung bedarf. Es ist das ja auch ein Opfer ft? das Deutschtum im Osten. Er wird dir dann eine wunderschöne Probe schicken. Mrr hat er je­denfalls eine große Freud« beredet, als «ES To­nes «in Poketchen von ihm ankam, das eine Über­aus zarte ganz volkstümlich empfundene Madonna hell und glücklich in meinem Besitz brachte. Das ist wirklich deutsche Kulturarbeit, schönste For - setzung jener Zeiten, in denen der Geselle noch mit Stolz sein Meisterstück vorlegte und zugleich um bie Hand der lieblichen Meistertochter anhielt. Also fahr einmal hin nach Neiße und grüße Herrn Pro­fessor Zutt vom , .

Mann im Monde.

Turnen und Spott

= 1 600 000 Turner und Turnerinnen in Deutsch­land. Am 1 Januar 1926 zählte die Deutsche Turner« schäft 12 400 Vereine in 1777 Bereinsorien. Die Gesamt« mitgliederzohl betrug 1600 025 Vereinsangehörige, dar­unter 1069 741 Männer und 173 327 Frauen, 219343 Knaben und 137 612 Mädchen. Der größte deutsch« Turnkreis war der sächsische (Freistaat) mit insgesamt 257 637 Vereinsanaehörigen. Ihm folgten der Grüß« nach der Mittelrheinkreis, Bayern, Thüringen und Brandenburg. Der kleinste deutsche Turnkreis ist der Nordosten-'. Unter den Großstädten weist die Reichs­hauptstadt Berlin mit 37 541 Vereinsangehörigen die größte Zahl von Turnern und Turnerinnen auf. Es folgen Leipzig, Dresden mit rund 28000 bezw. 20 000 Turnern.

Schon hatte ich in einem bösen Traum all« f ü n f S 8 r g e, in die der Mikado zur letzten Ruhe gebettet wurde, nach Europa überführt und einen neben dem anderen unter der mächtigen Reichs­taaskuppel in Berlin aiifasstellt Es schien ja wirk­lich fo, als ob die Barteien nun ort und müde ge­worden feien. So hätte ich denn für die fünf wich­tigsten von ihnen eine Ruhestätte bereitet. Wie froh war ich, als ich erwachte und nun hörte, daß doch Aussichten b-stehen, die Politik wieder In Gang zu bringen. Sorgen wir bann dafür, daß nach und nach ein geebneteres Wahlrecht kommt, und es werden die alten Parteien wie ein verjüngter Phö­nix sich daraus erheb-n. Die Särge aber mögen als Warnuna stehen bleiben.

Eines möchte man Deutschland wünschen in die­sem Augenblick. Ich meine einen richtig frohen Enthusiasmus, die Freud« des Scknllerwortes: Seid umschlungen, Millionen!" Es ist ja nun ein­mal so. wir sind in ein schweres Jahr einoetreten. Die Ziffern der Arbeitslosen steiaen beängstiaend, und hie böse Grippe schwingt stellenweise wirklich die Hivp«. Dazu dieses erotae Reqenwetter, wo feder Tropfen zu saaen scheint: Wartet nur. aus dem Regen in die Traufe ... In solchen Zeiten muß man fene Kratt lebendig mach-n, ick meine die große Begeisterung. In seiner Art hat kein Staatsmann in Eurona das in jüngster Zeit fn verstanden wie b-r berühmte oder her berüchtigte Mussolini. Man erzählt von ihm, wie er eines Taaes zu ftchzigtausend Römern gesprochen habe. Aber her Schwung wollte nicht recht kom­men. Die M"ffen schienen ihm zu entgleiten. Und was tut her Diktator? Er zerreißt has vorsichtiae Blatt, ans das er seine Rede »«schrieben hat. wirft es im Anaesicht der ganzen Menge ckerächtlich fort und ruft über die breite schwere Masse hin die Worte:M-ine Programmrede lest in euren Zei­tungen; ich fühle: ihr wollt mehr, ihr wollt anderes von mir; »hr wollt meine Ueberzeugnng, ihr wollt mich!" Und siehe da, es war. al« würde dieses Meer von Köpfen von einem Windstoß ge­packt. als würde der Windstoß zum Orkan und die W»lle zur gewaltigen Wog«, und sie fährt jubelnd auf. und aus fechzigtaisiend Menschen bricht es her­vor: Evviva il Duce! Natürlich ist mit diesem Tri- umpfaeschrei nicht viel a«sch»h«n. Das Brot wird davon nicht billiaer und die Steuer nicht geringer. Keine europäische Frage wird dadurch gelöst und keine Kolonie gewonnen, und doch hat es seine Be­deutung. Die Seele der Gemeinschaft ist lebendig geworden. Ein una-h-uerer Druck ist von mir ge­wichen. Der starke Mann wächst empor zu einer Art Schicksal, dem man sich blind hingibt. Man fühlt sich doch trgenhaie glücklich und geborgen.

Uns Deutschen liegt diese Begeisterung nicht recht. Wir haben den Schwung der Seele nur in seltenen Auaenblicken erlebt. Wir sind ein nüch­ternes Volk. Pünktlichkeit, Pflichterfüllung und der« gleichm mehr steht auf jeder Seite unseres nationa­len Wörterbuches. Das sind gute Eigenschaften, aber auch etwas langweilige, wenn nichts anderes hinzukommt. Gerade unter diesem Gesichtspunkt ist es so wünschenswert, wenn Nord und Süd zn-

Rund um die Woche.

3ünf Särge und bie Parteien. Politik tmb Begeisterung. vr. Eibl und bie deutsche 3bee. Volkskunst und Volksknltur. wer ist Professor Zu«?

Der Engel auf dem Briefkasten.

Noch immer hat er fein fragendes Gesichtchen: »Ist eine Wohlfahrtsbriefmarke draus?". Wohl war es ihm eine gvoße Freude, in den letzten Wochen b manchen Brief mit den farbenvrächtigen Marken der Deutschen Nothilfe in die Kästen wandern zu sehen. Ader ach,. solch ein kleiner Enael, der da bei Schnee und Regen auf dem Briefkasten hockt, um uns ein wenig auf unsere Pflichterfüllung hin zu kontrollieren, ist nicht leicht zufriedengestellt. Roch zählt er die unendlich vielen Briefe ohne Wohlfahrtsbriefmarken, und immer gibt es ihm einen Stich ins Herz: Wieder ein Teller Suppe weniger für die Notleidenden, wieder ein Seufzer einer armen Mutter... Er überrechnet sich, wie­viel Not zu llndern wäre, wenn alle, die es noch nicht taten und doch könnten, mit Wohlfahrtsbrief- narken ftankieren wollten. Die Mehrausgabe ist doch ft» gering! Die 5 Pfg.-Marke muß mit 10 Pfg., die 10 Pfennig-Marke mit 20 Pfennig, und wenn man ins Ausland schreiben will die 25 Psg.-Marke mit 50 Pfennig bezahlt werden. Außer­dem gibt es die 50 PA-Marke, die mit dem Sife von 1 Mk. 50 Pfennig Wohlfahrtserlös gt. Der Engel findet wirklich keinen stichhal- haltigen Grund, daß noch ft» wenig Briefe mit Wohlfahrtsbriefmarken Tag für Tag in die Kästen gleiten. Um her Notleidenden willen ist zu hoffen, daß ihm sein Wächterarnt in den kommenden Wochen ans allen Kreisen der Bevölkerung recht erfreu­lich gestaltet wird, und daß er auf feine gespannte Frage: ,Zst eine Wohlfahrtsbriefmarke drauf?" rocht, recht oft mit einem freudigen ,Za, selbstver­ständlich!" antworten kann.

Anmerkung der Redaktion: Der ..Engel ruf dem Briefkasten", das eigenartige und wirkungs­volle Plakat der Deutschen Nothilfe hängt an allen Pvstanftalten, Bahnhöfen und vielen öffentlichen Stellen aus. Der Vertrieb der Wohlfahrtsbrief­marken wird auch in Fulda von den bekannten Wohlfahrtsstellen durchgeführt, ferner sind die Mar­ken bei den Postämtern zu haben. _

. MWLW

MN

A. M. Festem f Sohne, TTresdet» Grändungsjahr 1842 O*utschl»nri» älteste selbständige Zigarettenfabrik

Vortreffliche Neuerungen bet der Kartonnagen* Herstellung bringen solche Einsparungen, «lass auch zu diesem geringen Preise eine Zigarette milden, erlesenen Geschmacks geliefert werden kann. ,

Eckstein Gold

erscheint daher in einer Qualität und Auf- machung, dass auch der anspruchsvolle Raucher an ihr volle Befriedigung findet.