Für unsere Frauenwelt.
Nr. 15 vom 20. Januar 1927.
Junge Mutter.
Von Franz Cingia-Schramberg.
Sie wiegt mit leisem Singen Das Kindlein zart und fein, Ein wundersames Klingen Hüllt ihre Seele ein.
Und tausend Wünsche stehen In ihrem Innern auf.
Es nimmt ein tiefes Flehen Zum Himmel seinen Lauf.
„Laß' mir dies Kind am Leben O guter Vater du, Was segnend du gegeben, Beschütze immerzu."
Sie hält mit leisem Singen Das Kindlein auf dem Schoß. Der Liebe sanftes Klingen Wird unermeßlich groß.
Bischöfliche Worte.
Anläßlich der Tagung des Nord-Ost-Deutschen Aus- schusses im Kathol. Frauenbund, die Ende November in Hamburg stattfand, sprach hr der Festversammlung der H. H. Bischof von Osnabrück, Dr. Wilhelm Berning. Der hohe Herr anerkannte in seiner Ansprache die segensreiche Arbeit der „Elisabeth, und Fürsorgevereine, der JlNgfrauen- und Müttervereine" und wies dann hin auf die ungeheuer große Bedeutung des „Kathol. Frauenbundes" gerade in der jetzigen Zeit. Der Gedanke, die Frau gehört ins Haus, ist sicher sehr wertvoll und gut, doch erfordert die Jetztzeit, daß auch die Frau im öffentlichen Leben sich betätigt und sich dort für die katholischen Ideen einsetzt. Daß dies für die katholische Frau nicht immer leicht ist, darüber besteht kein Zweifel, und hohe Bewunderung erfüllt den hochwürdigsten Herrn über den Mut und die Klarheit, mit der Frauen aus unseren Reihen im Parlament sich einsehen. Er richtete zum Schluß einen warmen Appell an die Geistlichen, mitzuhelfen, daß der Katholische Frauenbund sich immer mehr ausbreite, und er schloß mit den Worten: „Ich wünsche, daß in jeder Pfarrei meiner Diözese oder wenigstens in jedem größeren Orte, sich ein Zweig- verein des Katholischen Frauenbundes befindet, um dort seine notwendige und segensreiche Tätigkeit auszuüben."
Gesetzlicher Jugendschutz.
Bon Helene Weber, M. d. R.
Man hat in den letzten Monaten wiederum lebhaft darüber gestritten, ob die Jugend überhaupt gesetzlich zu schützen ist. Diejenigen, die dafür eintraten, kamen in Verdacht, die wichtigsten Mittel des Jugendschutzes, die Erziehung, Bewahrung und Volksbildung zu unter- schätzen. Ein leidenschaftlicher Kampf setzte im deutschen Reichstag in dem Augenblicke ein, als das Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Sck)und- und Schmutzschrif- ten endgültig verabschiedet werden sollte. Noch heftiger waren die Kreils der Literaten, der Verleger und der liberalen und sozialdemokratischen Tagespreise im Kampfe gegen das Gesetz entbrannt. Man spürte aus einmal, daß das deutsche Volk aufgerüttelt werden muß, um zu er- kenpeu lebcps- und volksfremd gewiße Kreise sind. Rie'.ncns W>e'tch stärker vermißt, daß auch die Schaffung einer öffentlichen Meinung durch katholische Frauenkreise noch ganz in den Anfängen steckt. Wir sprechen dauernd von ihr, aber wir haben sie noch nicht. Wo sind die Millionen Mütter geblieben, die die Gefahren der Schund- und Schmutzschristen in ihren Sintern beobachtet haben? Wo war der leidenschaftliche Ansturm der Jugend- und Volksbildner? Wo bot die Jugend selber mit lauter Stimme gesprochen? Gewiß, es sind Eingaben gemacht worden. Hie und da ertönten Stimmen; aber sie waren viel zu vereinzelt und viel zu matt. Katholische Frauen müssen endlich die Sehnsucht und den Willen haben, eine öffentliche Meinung zu gestatten.
Das Gesetz sicht vor, daß Schund- und Echmutzschrif- ten in Zukunft in eine Liste ausgenommen werden und bann verschiedenen Beschränkungen im Reiche unterworfen sind. Die P r ü f st e l l e n, die darüber entscheiden, ob eine Schrift auf die Liste zu setzen ist, werden von ganz besonderer Bedeutung fein. Unter den Vertretern der Jugendwohlsahrt, der Jugendorganisationen, der
Lehrerschaft und der Volksbildungsorganisationen werden auch hoffentlich Frauen bestimmt. Sie haben durch chre verantwortungsvolle Aufgabe jener feindseligen Richtung, die das Gesetz mit allen Mitteln bekämpft hat, zu beweisen, daß diese Prüfstellen nicht kulturfeindlich, sondern kulturfreundlich sind, daß die verschiedensten Kreise und Richtungen miteinander arbeiten können, wenn es sich darum handelt, die schlimmsten Verführungen von unserer Jugend abzuhalten. Die Landes- Zentralbehörden und die Landesjugendämter sind berech- tigt, A n t rä g e an die Prüfstellen einzureichen. Aber es wird vor allem darauf ankommen, daß von dieser Stelle aus unseren Aolkskreisen genügend Anträge zu- geschickt werden. Die Wachsamkeit aller Volkskreise gehört zur Durchführung dieses Gesetzes.
Man hat noch bis zur letzten Stunde heiß darum gestritten, über „Schund- und Schmutzschriften" eine klare Begriffsbestimmung aufzustellen. Man hat sehr darum gekämpft, daß die Prüfstellen nickst bei den Ländern, sondern beim Reich einzurichten sind. Man hat auch dem Buch- und Kunsthandel und der Kunst und Literatur einen größeren Einfluß in den Prüfstellen gewähren wollen. Schließlich kam es darauf an, daß das Gesetz im besten Sinne des Wortes wirksam werden kann, und daß es nicht nur solche Bestimmungen enthalte, die es zur papiemen Wirklichkeit verurteilt hätten.
Der politische Kampf ist nun vorbei. Er war langwierig und wenig erfreulich. Er zeigte die tiefe Kluft zwischen den Literaten und dem Volk, zwischen den verschiedenen Weltanschuungsgruppen und politischen Mei- nungen. Wenn die Prüfstellen errichtet worden sind, beginnt das eigentliche Leben wirksam zu werden. Dann erst wird sich zeigen, ob unser Volk den leidenschaftlichen Willen und das hohe Verantwortungsbewußtsein hat, die Giftblase der Schund- und Schmutzliteratur energisch auszuscheiden. Das ist ernsthafte katholische Frauenarbeit im öffentlichen Leben für das Wohl der Jugend und des ganzen Volkes._____________
Kunft im Rinderzimmer.
Immer wenn ich in Frauenblättern die vielen Forderungen lese, die da an ein ideales Kinderzimmer gestellt werden, muß ich denken, warum man den jungen Müttern denn das Herz so schwer machen soll. Um ein recht sonniges und gesundes Kinderzimmer zu haben, würden sie schon das ominöse „gute" Zimmer opfern — wenn sie das noch hätten! Heute erfordert es schon viel Nachdenken, um immer noch etwas verhältnismäßig einwandfreies zustande zu bringen — wie es fein sollte, weiß man schon — „doch hart im Raume stoßen sich die Dinge".
Die Kinderzimmer unserer Jugend, wo die schonen alten Möbel der Grohellernzeit schlecht und recht „verbraucht" wurden, gab’s schon vor dem Kriege kaum noch in den Wohnungen des gebildeten Mittelstandes; aber was sich damals mit wenig Schulung und Geld leicht beschaffen lieft, ist heute vielen der gleichen Schicht unerschwinglich, und nur notgedrungen behilft man sich! Aber in einem Punkte — und das ist der Zweck dieser Zeilen — ließe sich vielleicht ohne große Mittel etwas verbessern: Als etwa um 1905 die „Kunst im Leben des Kindes" modern wurde, kamen in alle Kinderzimmer grellbunte Friese von ausgesprochener Plakatwirkung, und trotz aller Sparsamkeit werden die heute immer noch gekauft, weil keine junge Mutier ganz auf Schmuck in ihrem noch so bescheidenen Kinderzimmer verzichten will. Und sicherlich prägen sich diese Bilder, die so genau betrachtet roetben wie wohl nie mehr welche in späteren Jahren, ganz besonders tief ein! An der Wand gegenüber von meinem Kinderbett hingen zwei pompös gerahmte Photographien einer Fabrik, die irgendwelche Beziehungen zu unserer Familie hatten; über dem Bett aber hing unter Glas und Rahmen, eine Ansicht von Newyork aus der Vogelschau, die ich — da die Fabrikansichten der Phantasie doch keine rechte Anregung gaben —, so lange ansah, bis aus der mir gänzlich unverständlichen, landharten-ähnlichen Darstellung die phan- tastischsten Formen sich heraushoben. Und dabei erfuhr ich, was ich später bei meinen eigenen und anderen Kindern oft noch bemerkte: die einfachen, plakathaften Dar- ftellungen wirken nur auf ganz junge Kinder und werden später als gewohnte bunte Flecken überhaupt nicht mehr „gesehen". Ganz anders verhalten sich Kin- der zu Wandschmuck, der nicht so rasch übersehbar ist bei dem immer wieder neues zu entdecken ist. Sind solche Blätter auswechselbar, so sind sie eine unerschöpfliche Anregung für die Phantasie. Ich denke da an „alt- modische" mattgetönte Zeichnungen von Ludwig Richter,
Blätter von Dürer, wie etwa die „Madonna mit den Dielen Tieren", an Lukas Cranachs „Ruhe auf der Flucht" — Kunstwerke, die eine ganz kleine Welt umschließen und deren liebevoller andächtiger Kleinarbeit nur der liebevolle und geduldige Betrachter gerecht wird.
Nicht nur ästhetisch können wir unsere Kinder beeinflußen, wenn wir sie zu solch geduldiger Betrachtungs» weise anregen, sondern wir können auch ihre Beobachtungsgabe und Kombinationsfähigkeit ganz anders schulen, als an den allbeliebten bunten „Kinderfriesen", die. und das ist doch sicher heute auch ein sehr wesentlicher Punkt, weit teurer sind als etwa die .Reichsdrucke" und andere gut farbige Reproduktionen, denen ich gern weitere Verbreitung in unfern bescheidenen heutigen Kinderzimmern verschaffen mochte! Dr. D. E.
Das Taschentuch.
Kulturgeschichtlicher Rückblick von Anna Blum-Erhard.
Was uns fest langem unentbehrlicher Gebrauchsgegenstand geworden, das Taschentuch, landauf als Zierrat in der Hand der Frau, und begann das Marderfell zu verdrängen, das zuvor wie gleichzeitig der Fächer als Schaugepränge diente. Die Frau in der Gesellschaft wollte ihrs Hände entweder anmutig beschäftigen oder deren schone Form zur Geltung bringen. Ein Gegenstand in der Hand erleichterte dies Bemühen. Sv zeigen alte italienische Abbildungen und deutsche Trachtenbilder des 16. Jahrhundert sehr oft die stattlich angetane Dame mit dem am Gürtel vermittels einer goldenen Kette gehaltenen Marderfell, das mit goldenen Köpfen und Tatzen verziert und mit rotem Saffianleder gefüttert war. Ein solches Stück war Bestandteil des herzoglich bayerischen Schatzes um 1546, und häufig verließ es selbst die Tote nicht und lag der marmornen Gestalt über die gefalteten Hände gebreitet, wie man es in der Certosa bei Pavia am Grabmal der Beatrice d'Este, der Gemahlin des Herzogs Ludovica, noch heute sehen kann.
Es blib nicht das Vorrecht des Adels, sondern bürgerte sich gegen Ende des 16. Jahrhunderts auch in den mittleren Ständen bei Frauen und Jungfrauen ein, diente als Schmuck der weiblichen Tracht in Sachsen und in Lothringen, in Ungarn und Oberitalten, am Rhein und Oder.
Ungefähr um die gleiche Zeit tauchte das Taschentuch auf. Es ist noch etwas Erlesenes und Seltsames; denn die Bräute der besseren Stände machen damit ein feierliches Angebinde dem Verlobten, verzieren es mit Quasten an den Ecken, oder mit seiner Stickerei, mit kostbaren Spitzen. Cs sollte auch „Privileg" der oberen Klassen bleiben und erregte Aergernis, wenn die unteren wagten, es zu beschaffen. Als „ungeziemender Luxus" verbot die Dresdener Kleiderordnung 1595 den unteren Stünden die Verehrung eines „Fazenetleins" an den Bräutigam.
Wackere Hausväter, wie der Herr von Scheuri zu Nürnberg, notieren in ihren sorgsam geführten Haus- haltt'.ngsbüchern, wenn einer der Besucher am Christtag einem der größeren seiner Kinder ein „Fazenetlein" zum Geschenk brachte.
Nicht selten wurden Verse, die die Tugend des Beschenkten verherrlichten, in das für ihn bestimmte Taschentuch gestickt.
Die Taschentücher der Damen aber wurden „gebeizt und getunkt" — siebenmal mußten sie gebeizt und wieder getrocknet werden, um ihre Wirkung nicht zu verfehlen, diese so sehr beliebten „mouchoirs de Venus"! Denn sie sollten das Antlitz ihrer Trägerin weiß und wohlgefärbt erscheinen lassen, wie aus der 1575 veröffentlichten „Weiberzier des Alessio" heroorgeht. Der Verfasser gewährleistet darin eine sechsmonatige Haltbarkeit seines Mittels, dessen Bestandteile auf ihre Schädlichkeit kaum geprüft waren. Mußte doch dazu außer fünfzig Schnecken und einer feisten gerupften Henne, außer Zuckerkandei und Zitronen, außer Malvasier und Gummi Tragant, Essig, Stlcidn, Dieiweiß und Quecksilbersublimat genommen werden.
Was für wunderbare Düfte mögen diesen Tüchern enftrömt und den Männern zu Kopf gestiegen sein, wenn sie ihre Angebeteten bei Festlichkeiten trafen! Minder gefährliche Bestandteile nennt später der Nürnberger Hans Weigel in seiner Anleitung zur Herstellung von Duftwasser, die man durchaus nicht aus den Apotheken zu beziehen nötig hatte, sondern sehr wohl selbst bereiten konnte. Man nahm Aloeholz, Lavendel, Bisam. Ambra und Rosen oder Näglein, während zu den wohlriechenden „Kissen", zu Pomaden und Seifen außer Jris-
pulver ein Pulver aus Rosenwasser und — Kuhdünger empfohlen ward!
Im Orient pflegten anfangs nur die Fürsten und ihre hohen Würdenträger sich des Taschentuches, das sie am Gürtel trugen, zu bedienen, nicht selten, um es al» Ausdruck ihrer Neigung und Huld einer Schönen zuzu- werfen.
Unter Ludwig XIV. von Frankreich verzierte man die Taschentücher, ausschließlich dem Gebrauch als Frauenschmuck dienend, mit schmalen echten Spitzenkanten oder Quasten an den vier Ecken, und verfehlte dadurch sicher nicht den Zweck, die Aufmerksamkeit der Männerwelt im töteten Spiel auf die Trägerin zu lenken. Durch die Revolution völlig verbannt, begann das Taschentuch erst nach 1806 wieder zur Mode zu werden, und zwar nicht mehr als bloßer Zierrat, sondern der neueren Kultur entsprechend als wirklich unerläßlicher Gebrauchsgegenstand, der in keiner Mitgift fehlen durste.
Die $rau als Hausarzt.
Die Bedeutung der berechneten Ernährung bei Stoff- wechselkrankheilen Die moderne Heilkunst stellt bei Er- trantungen die Ernährung in ihren Dienst. Früher kannte man nur eine kräftige Kost als Heilsaktor, heute steht die in ihrer Zusammensetzung genau ausgerechnete Nahrung im Vordergrund. Für den Zuckerkranken wird durch Versuche festgestellt, wieviel Kohlehydrate er verträgt, und wieviel Fett den Mangel an Zucker und Stärke zu der notwendigen Kalorienzahl ersetzen muß. Der heute so vielfach auftretende hohe Blutdruck wird durch Einschränkung der Einweißzusuhr bekämpft, gegen übermäßigen Fettansatz dient eine allgemeine Einschränkung der Kalorienzahl in der Ernährung. Die Erfolge dieser Heilweisen sind sehr gute. Bei Zuckerkrankheit z. B- wurde nach einer strengen Ernährung über ein Vierteljahr hin festgestellt, daß der Kranke doppelt soviel Kohlehydrate ertrug als beim Beginn der Behandlung. Einschränkung der Eiweißzufuhr, also hauptsächlich des Fleischgenusses, auf eine fest vorgeschriebene Menge milderte bedeutend die Beschwerden des hohen Blutdruckes, und eine Verminderung der täglichen Kalorienzahl brachte in einem besonders gewissenhaft und scharf durchgeführten Verfahren bei völligem Wohlbefinden innerhalb eines Monats eine Gewichtsabnahme von annähernd zehn Pfund. Nun wissen viele Hausfrauen nicht, was Kalorien sind, und wie man Eiweiß, Kohlehydrate und Fett berechnet. Bei der großen, gesundheitlichen Bedeutung der Ernährung für Gesundheit und Wohlbefinden der Familie aber lohnt es sich schon, daß die Familienmutter sich mit diesen Dingen vertraut macht. Es ist auch gar nicht so schwer, da es dafür ausgezeichnete Tabellen gibt, die teils die fertigen Speisen, teils die einzelnen Zutaten nach ihren verschiedenen Gehalten aufführen. Am besten und übersichtlichsten sind die von Schall-Heiß, die in jeder wissenschaftlichen Buchhandlung zu erhalten sind. Wenn man natürlich auch bei lauter gesunden Familiengliedern nicht ängstlich und engherzig zu verfahren braucht, so ist es doch zur Verhütung von Krankheiten wertvoll, in großen Zügen wenigstens die Ernährung nach den Erfordernissen der Gesundheits- lehre zu gestalten. K. Philipp
Die Frau in der Rüche.
f. Krautwickel. Die Blätter eines Krautkopfes werden in Salzwasser abgewellt, mit einer Farce aus Fleisch, Semmel, Ei und Sahne gefüllt, zusammengewickelt und in einer mit Speck belegten Pfanne weich gedämpft. Nach dem Garwerden entfernt man die Fäden, mit denen sie zusammengehalten waren, und serviert sie mit einer Kapernsauce und Salzkartoffeln.
Praktische Winke.
f. Gummischuhe. Wer nicht gut in ganzen Gununi. schuhen gehen kann, der kaufe sich wenigstens solche, die den Vorderfuh schützen, denn er ist es doch, der vornehmlich dem Schnee und Regen und der daraus ent- stehenden Nässe ausgesetzt ist. Wenn die Gummischuh» rauhe Sohlen haben, so geht es sich auch besser darin, als wenn sie vollkommen glatt sind.
f. Bei Verbrennungen und Verbrühungen mit heißem Wasser ist als sehr gutes und leicht erreichbares Hausmittel Mehl zu empfehlen. Man streue sofort auf die verbrannte Stelle recht dick Mehl. Es werden dadurch Brandblafen verhütet und die Schmerzen gemildert.
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Rußlands Presse.
Von Johannes v. Haustein.
Di« gesamte russische Presse steht unter scharfer Kontrolle des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei, deren Presseobteilung sich in di« Unterabteilungen für das Zeitungswesen, das Buch- und Zeitschriftenwesen, die nationale Preise, d. h. die fremdsprachige Presse der, nationalen Minderheiten, gliedert und außerdem ein Generalsekretariat und ein Pressebüro für die inländische kommunistische Presse unterhält. Die natürliche Folge dieser Bevormundung ist eine gewisse Gleichförmigkeit in der Behandlung politischer Fragen, zumal die Erziehung der breiten Massen zur fommuni- stischen Weltanschauung der Presse von der Regierung zur ersten Pflicht gemacht wird. Breiten Raum nimmt daher die ausführliche Wiedergabe der in Räteversammlungen sowie bei Parteiveranstaltungen und ähnlichen Gelegenheiten gehaltenen Reden der Parteiführer ein. Die sehr hohe Auflageziffer — speziell der großen Moskauer Blätter — dürste hauptsächlich darauf zurückzuführen sein, daß ein großer Teil der Abonnenten aus Zwangsabonnenten bestehl.
Ihrem Charakter entsprechend kann man di« Zeitungen gruppieren in a) Tages- resp. Arbeiterzeitungen, b) Bauernzeitungen, c) fremdsprachige Zeitungen der kleineren Nationen, d) Jugendzei- tungen, e) Gewerkschastszeitungen, f) Genossen- schaftszeitungen.
Als bedeutendste Tageszeitungen sind die „Js- westisa" („Nachrichten"), das Organ des Rates
der Volkskommissare, die „Prawda" („Wahrheit"), das Zentralorgan der kommunistischen Parteien Rußlands, und „Ekonomitscheskaja Shisn" („Wirt- schastliches Leben"), dos Organ des Rates für Atbeit und Landesverteidigung, zu nennen.
Von den Arbeiter- und Bauernzeitungen besitzen die größte Abonnentenzahl die „Rabotschaja Easeta" („Arbeiter-Zeitung"), „Eudok" (als Gudok wird eine Art dreisaitiger Geige bezeichnet), „Kre- stianskaja Gaseta" („Bauern-Zeitung") und „Bjed- iTOta" („Armut").
Tas Bestreben der Presse, daS Interesse der Leser rege zu erhalten, hat zu der Einrichtung der „Rabkory" und „Selkory", der Arbeiter- und Bauernkorrespondenten geführt, deren Zahl auf 250 000 im Herbst 1926 gegen 15000 im Herbst 1924 geschätzt wird. Man bat darunter einfache Arbeiter uno Bauern *zu verstehen, die über Geschehnisse und Mißstände in ihren Betrieben resp. über Leben und Treiben der Bauern auf ihrem Dorfe berichten, kritische Bettachtungen einflechten, ja sogar Erzählungen und Gedichte einsenden, in erster Linie aber unbedingte Anhänger der kommunistischen Partei sind und durch chre Berichte den Parteiführern Jnformationsmaterial zu liefern suchen. In Anbetracht der wertvollen Dienste, die sie in dieser Hinsicht leisten, hat bereits im Jahre 1924 der 13.' Parteikongreß die Forderung des Ausbaues der Institution der A.- und B.-Korre- spondenten gestellt. Ihre Ausbildung soll in kurz- fristigen Kursen gefördert und chr Parteiinteresse in Klubs gesteigert werden.
Wenig einverstanden mit der Tätigkeit der Rabkory und Selkory sind in vielen Fällen die lokalen
Dvrfbehörden, die Betriebsleitungen und Arbeitskollegen, die darin hauptsächlich ein Spitzeltum sehen, und blutige Auseinandersetzungen sind häufig die Folge veröffentlichter Berichte. Der Oberste Gerichtshof hat daher durch ein Zirkular vom 31. Januar 1925 die strenge Geheimhaltung der Namen solcher Korrespondenten angeordnet, auf deren Berichte hin ein behördliches Einschreiten gegen die Beschuldigten erfolgt ist.
Als ein wirksames Propagandamittel der Parteileitung ist die „Wandzeitung" anzusehen, die — — ursprünglich ein Brett, auf das kurze Mitteilungen aufgeklebt wurden — technisch dauernd vervollkommnet wird. In allen öffentlichen Gebäuden, Universitäten, Schulen, Fabriken, Kasernen usw., ja sogar in den Gefängnissen, findet man die zur Wandzeitung umgebildete Anschlagtafel. Der Kopf mit dem Namen der Zeitung („Lenins Morgenröte", „Di« Trommel" u. a.) wird sorgfältig auf gemalt und häufig mit Emblemen und allegorischen Figuren geschmückt, die Artikel und Berichte werden in Schönschrift oder Maschinenschrift abgeschrieben und sauber aufgeklebt. Auch an Illustrationen, die zuweilen künstlerisch sind, fehü es nicht, und wo keine geeigneten Mitarbeiter vorhanden sind, behilft man sich mit aus Zeitschriften ausgeschnittenen Bildern.
Neben Besprechimgen interner Angelegenheiten des Betriebes, des Dorfes u. a. bringt die Wand- zeitung auch Abhandlungen über politische Themen und schöngeistige Beiträge. Jede eingereichte Arbeft wird von einem Redakfionskollegium geprüft, das der kommunistischen Parteileitung ün-
| tersteht, so daß Verstöße gegen das Parteiinteresse ausgeschlossen sind.
Von den zirka 145 Zeitungen der nationalen Presse der fremdsprachigen Völkerschaften verfügen die ukrainischen, turkotatarischen und Wolgadeutschen über die am besten vorgebildeten Mitarbeiter. Bei den anderen nationalen Blättern fehlt es nicht nur an bieten sondern auch an Lesern, die an besser Kost Geschmack finden, vor allem in den östlichen Gouvernements. Gibt es doch im Sowjet- staat noch immer zirka 70 Prozent Analphabeten unter der LandbeiÄkkerung, so daß manche Zeitungen nach Art der Fibeln in großen Lettern gedruckt werden müssen, um den Ungeübten das Lesen zu erleichtern.
In der Wolgarepublik der Deutschen waren die wenigen bestehenden Zeitungen während der Kriegs - zeit infolge der Deutschenhetze eingegangen. Erft seit dem Jahre 1922 kann man wieder von einer aufblühenden Presse reden, und jetzt erscheinen in der Hauptstadt Pokrowsk fünf Zeitungen, deren verbreitetste die „Nachrichten" und die Jugendzeitung „Seid bereit" sind. Besonders hervorzuheben ist die erfolgreiche Arbeit des Deutschen Staats Verlages der Wvlgarepublik, der nach dem im Herbst 1926 erschienenen Katalog während seines dreijährigen Bestehens em« Million deutsche Bücher verbreitet hat, teilweise auch in anderen Gebieten mit deutscher Bauernbevölkerung, und sich damit um die Stärkung des Deutschtums große Verdienste erworben hat.