Neue Mussolini-Diktate.
Aus Rom wird gemeldet:
Rach dem „Irnpero" tritt demnächst in der Rechtslage der Universitätsprofessoren eine Aen- derung ein. Ein neues Dekret erfordert Befugnisse des Unterrichtsministers bei der Lehrstuhlbesetzung. Ferner wird verlangt, daß die Professoren einen Eid leisten, durch den sie sich verpflichten, geheimen Gesellschaften auch in Zukunft fernzubleiben, ebenso politische Parteien zu meiden, welche faschistenfeinlich sind. Endlich wird bestimmt, daß
Nr. 15
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Donnerstag, 20. Januar 1927
Reichskanzler Ir. Marx Beim ReichsprSDelltea
Der Brandherd im Nordosten
wtb. Derlm, 19. Januar. (Eig. Funkm.) Der Herr Reichspräsident empfing heute vormittag den Reichskanzler Dr. Marx, der über seine bisherigen Verhandlungen Bericht erstattete.
Universitätsprofessoren aus politischen Gründen entlassen werden können.
Das „Giornale d'Italia" teilt eine Verordnung mit, nach der Matrosen der Handelsmarine, die durch ihre Haltung das Nationalgefühl verletzen, aus den Registern der Handelsmarine gestrichen werden.
Finanzminister Bolpi brachte in der Kammer einen Gesetzentwurf ein, nach dem Geldstrafen, die durch die Finanzintendantur verhängt werden, im Nichtbeitreibungsfalle in Gefängnisstrafen umgewandelt werden.
Kaiserin Charlotte t-
wtb. Brüssel, 19. Ian. (Eig. Funkm.). Kaiserin Charlotte, die Witwe des Kaisers Maximilian von Mexiko, ist nach Empfang der heiligen Sterbesakramente und in Gegenwart ihres Neffen, des Königs von Belgien, im Alter von 86 Jahren gestorben.
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Mit dem Tode der Kaiserin Charlotte vollzieht sich das Ende eines ungemein tragischen Lebens- schickials, das einmal die Teilnahme der gesamten zivilisierten Welt auf sich gezogen, aber längst der Vergessenheit anheim gefallen ist. Kaiserin Charlotte war eine belgische Prinzessin, eine Schwester des verstorbenen Königs Leopold von Belgien. Sie war mit dem Erzherzog Maximilian von Oe st erreich verheiratet, der auf einen Vorschlag Napoleons HL, des Kaisers von Frankreich, im Juli 1863 von der mexikanischen Nationalversamm- lung zum Kaiser von Mexiko proklamiert wurde. Maximilian und seine Gemahlin kamen am 29. Mai 1864 in ihr Kaiserreich, wo die französische Partei mit inländischen Aufständischen noch im schweren Kampfe lag. Wie auch heute noch mir damals Meriko von starken inneren Gegensätzen erfüllt. Zwar wurde das Kaiserpaar "anfangs umjubelt. Maximilian verstand es jedoch nicht, zielklar die richtigen politischen Entscheidungen zu treffen, wodurch er immer abhängiger von Napoleon wurde. Als er die Abhängigkeit brechen wollte, kam er dadurch auch in Gegensätze zu seinem Protektor und war nun ganz wehrlos den
Vie Kommunisten in polen.
Verhaftungen.
wtb. Warschau, 19. Ian. (Eig. Funkm.). Ge stern nacht wurden in Wilna sämtliche Mitglie der des dortigen Bezirksausschusses der kommu nistischen Partei verhaftet. Das den polnischen Behörden in die Hände gefallene Material soll angeblich den Beweis einer Zusammenarbeil der Kommunisten mit der weißrussischen H r o m a da ergeben haben. Die weißrussische Bank in Wilna hat ihre Tätigkeit einstellen müssen, da ihre sämtlichen Direktoren und Prokuristen von den polnischen Behörden verhaftet roortvn sind. _____
Parlamentsreform in Frankreich.
wtb. Poris, 19. Ian. (Eig. Funkm.) Die republikanische interfraktionelle Vereinigung der Kammer beabsichtigt, „Journal" zufolge, eine Verlängerung des Abgeordnetenmandats auf sechs Jahre zu beantragen. In diesem Zu- sammenhang wird auch der Gedanke erörtert, un= ter 5Ber3i(f)t auf allgemeine Neuwahlen nach Ablauf dieser sechs Jahre die Erneuerung eines Drittels der Deputierten alle zwei Jahre oder der Hälfte alle drei Jahre oorzunehmen.
Auslegung des vawes-planes.
Aus dem Haag wird gemeldet:
Das Internationale Schiedsgericht für die Auslegung des Dawesplanes, das gemäß den Bestimmungen der Anlage 2 zu dem zwischen der deut» 'wen Regierung und der Reparationskommission abgeschlossenen Londoner Abkommen vom 9. 8.1924 eingesetzt wurde, wird Freitag im kleinen Gerichtssaal des Friedenspalastes zusammentreten, um zu der Frage Stellung zu nehmen, die aufarund des am 25. 3. 1926 zwischen der deutschen Regierung und der Repko abgeschlossenen Abkommen dem Auslegungsfchiedsgericht zur Entscheidung übertragen wurde. Es handelt sich hierbei um die Frage, eb die Daweszahlungen, die Deutschland aufgrund des Dawesplanes an den Generalagenten für Reparationen zu bezahlen hat, auch die Schaden- erfatzleistungen umfassen, die das deutsche Reich an seine Untertanen für die im Ausland aufgrund des Versailler Vertrages erfolgten Enteig. nungen, Defchlaanahmungen usw. von deutschem Eigentum zu leisten hat. Das Schiedsgericht setzt sich wie folgt zusammen: Thomas Nelson, Perkins- Boston, Präsident Mare Wallenberg-Stockholm, o. Mendelssohn-Bartholdy-Hamburg, Dr. Kröller- Haag, Ch. Rist-Paris.
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Außenminister Briand erklärte, er würde im Einvernehmen mit dem Ministerpräsidenten Poin- rarK und dem ganzen Kabinett am Mittwoch vor dem Kammerausschuß für auswärtige Angelegen- beiten und in einigen Tagen vor dem Senatsaus- fchuß für auswärtige Angelegenheiten das Ex p o fe über die auswärtige Lage abgeben.
Unverständlich ist es nut, wie es Polen in der Jungstzeit ebenfalls meisterhaft versteht, seinen beut- wirtschaftspolitisch (Zollkrieg) und »litisch (Rede Zaleskis) immer wieder von neuem vor den Kopf zu stoßen.
Eine Annäherung Polens — sowie es innen, und außenpolitisch besteht - an Rußland ist ein Phantom,' Polens Bund mit Rumänien ist ein über Nacht zerbrechbares gläsernes Gebäude!
Die Diktatoren Polens und Lftauens haben ihre Staaten politisch vereinsamt, damft treiben sie Wasser auf die Mühle her Diktatoren in Rom und Moskau, deren innere Gegensätzlichkeit durch ge- rnemsames außenpolitisches Interesse mehr und mehr verbunden wird.
Man sagt, daß zielbewußt vom Zaun gebrochene
--! "un im Dreieck A?!?"u°MosUiu-Warschau und im Dreieck Rom- ^,'^"a-Parrs sind die Gesichtspunkte so ähnlich, daß es schwer ist, an kein Einvernehmen zwischen Rom und Moskau ru alaubenl...
Korridor" macht, sodaß es sich sogar mit einem Anfall des Memelgebietes an Polen abfinden würde, zumal, da die Memelländer den gegenwärtigen hinterlandslosen Zustand wirtschaftlich schwer ertragen können.
Die Verwirklichung dieser Pläne würde Moskau in eine entscheidende Lage versetzen, und es toürbe' zunächst alles daran setzen, in Litauen einen neuen Umsturz herbeizuführen, der schließlich zu einem weißrussischen und ruthenifch-ukrainifchen Aufstand, sowie zur Beseitigung des polnischen Dünakorridors, der Litauen von der Union trennt, führen tonnte.
Diese Kraftprobe suchte die polnische Regierung durch Anknüpfung ihrer Verhandlungen mit Moskau zu paralysieren. Wer wird aber Moskau so reichlich entschädigen können» daß es Litauen fallen läßt? In Moskau fühlt man zwar, daß i,*e Kraftprobe ein Risiko wäre, da sowohl eine siegreiche als eine besiegte rote Armee schwere Gefahren, für das Regime in sich birgt.
Aber ein politischer Ausweg scheint kaum mös sich. Eine Polonisierung Litauens wäre für Mot kau nur dann nicht unleidlich, wenn ganz Pol, in die sowjetische Sphäre gezogen werden tonnt! d. h. selbst als Sowjetrepublik der Union der Sow jetstaaten beitreten würde.
Diese Möglichkeit aber ist zur Zeit nicht g, geben. Deswegen verzichtet Moskau auf sie aller dinas noch nicht von vornherein. Es wäre viel« leicht zu einem Provisorium bereit, indem es Pole» falls chm Zeit gelassen wird, allmählich dem Ww kungsbereiche der Westmächte zu entziehen strebe würde. Es hat kein Interesse an einem „faschistr schen" Litauen und tonnte auch em polnisches Li tauen schließlich als Unruhenmoment in seine Plan einer Revolutionierung Polens einstellen. Aber dieser Weg wäre nur ein Notpfad, dem Moskau andere Methoden vorziehen würde.
Jedenfalls tonnen Ueberraschungen über Nacht hereinplatzen!
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Polnische Nationalisten träumen von einem Zu- sarnrnenschluß Polens und Litauens, zu dem noch die gesamte Ukraine kommen soll. Sie sollten habet angeblich die Unterstützung des französischen Botschafters Laroche finden, der auf die Bildung eines ovlnisch-baltischen Blocks ausgeht, ohne in Riga und nach Reval allzu großes Verständnis zu finden.
In Moskau verfolgt man die Vorgänge in Litauen mit gespannter Aufmerksamkeit. Der Vorsitzende des Zentralkomitees der Litauischen Kommunistenpartei und Mitglied der Komintern Mickie- wicz-Kapsukas klärt die Sowjetöfsentlichkeit in ihrer Presse über die Vorgänge mit größtem Eifer auf, aber auch ohne ihn weiß man un Kreml, worum eS 8tf)t. Fallt Litauen an Polen, so ist das französische und auch das englische Ideal erreicht; dann irennt polnisches Gebiet die Sowjetunion von Deutschland und dem übrigen Euwpa, und dann grenzt Polen lückenlos an Lettland.
Von englischer Seite hofft man (so heißt es m Moskau), Deutschland mit dieser Neuerung dadurch auSzusöhnen, daß man ihm mehr oder weniger weitgehende Zugeständnisse im ,polnischen
Sßon einem besonderen Wiener diplomatischen Mitarbeiter:
„ Die Moskauer Oesfentlichkeit mißt den Vorgängen m Litauen derart große Bedeutung bei, daß auch außerhalb der Sowjetunion alle Aufmerksamkeit am Platze ist.
neue litauische Regierung Sme- lana-WoldemaraS hat meisterhaft verstanden, sich glerch bei ihrem ersten Auftreten in feindliches Verhältnis nicht nur zur großen Mehrheit der Bevölkerung ihres Landes, sondern ausnahmslos auch zu ihren sämtlichen Nachbarn zu setzen: zu Polen, Sowietrutzland, Deutschland, Lettland und auch zum Memellande. Es ist unter diesen Umständen be- greiflich, daß man sich in den genannten Staaten nrcht gerade klar darüber ist, bei wem von ihnen die neue litauische Regierung mit der Zeit Unter- swtzung und Anschluß zu finden aedenkt, b^n ohne solche kann bet Staat am Njemen nicht existieren.
... Die Männer der litauischen Offiziersliaa hatten überraschend losgeschlagen. Sie konnten nicht mehr warten, weil bte Regierung Schlaschewicius her Verhaftung des Obersten Glowatzki auch die her ubnqen Faschisten" folgen lassen wollte. Diese wußten sich nicht anders zu helfen, als daß sie den langst vorbereiteten Putsch in Szene fetzten. Es war ein spontaner Akt des Gegenangriffes der nach außenpolitischen Rücksichten nicht fragte: die M das kleine Häuflein her Diktatoren keme Rucksicht auf all die fremden Interessen nahm, die sich ttt Kowno zusammmknäueln, beweist, daß es chnen wohl ausschließlich auf die eigene Haut ankam. Sie sind zudem noch uneins untereinander DlE Ofsiziersliga spaltet sich da in die Völkischen (Taitunmkai) unter Daukantus, die Smctona und Woldemaras stellten, und die Christlich-Demokraten unter Glowatzki und Ladyga. Woldemaras mag dem diplomatischen Korps m Kowno die schönsten Versprechungen machen, die Soldaten „pfeifen auf das Ausland", sodaß kein Mensch mehr sagen kann, wer denn eigentlich in Kowno regiert.
Unter diesen Umständen ist Litauen zu einem Gefahren- und Brennpunkt geworben.
Am Dienstag abend trat der Vorstand der Reichstagsfraktion des Zentrums zu einer Sitzung zusammen. Reichskanzler Dr. Marx wohnte der Sitzung bei. Der Fraktionsvorstanb gab so- «dann nach Prüfung der gegenwärtigen Lage folgendes Kommuniquee aus: Das Zentrum fetzt mrt besonderem Nachdruck die bisherigen B e m ü - hun gen um das Zustandekommen einer R e g i e r u n g d e r Ai i 11 e fort. Alle gegenteili- bung^i“5 trCUUn9en finb ""wichtige Tendenzrnel-
In den Auseinanderfetzungen in der Presse mmmt die Frage des künftigen Reichswehr- Ministers einen großen Raum ein. In staats- -politisch denkenden Kreisen würde die Wiederkehr des bewährten Geßler begrüßt werben. Die Linksparteien glauben aber Geßler nicht dulden zu kön- jnen. Don ihrer Seite stammen wohl Meldungen, ndaß der Zentrumsmann v. Guerord Wehrminister , werden solle. Das Zentrum weiß davon nichts. .Bezüglich Geßlers hat sich die Lage verschlechtert, 'weil ein höchst überflüssiger Briefwechsel in der kPresse eine Rolle spielt, der zwischen dem derno- xkratifchen Führer Dr. Koch und Dr. Geßler stattge- lifunben hat und an einen ebenso überflüssigen Zei- ftungsartikel des Reichswehrgenerals Reinhardt an- ftnüpst, in dem dieser sich mit den Demokraten auf ttten gefährlichen und fruchtlosen Streit eingelassen chatte, wer den „allein echten Patriotismus" habe.
In mehreren Blättern wird zu der Frage Stellung genommen, ob die Besetzung des Reichswehrministeriums für das Zustandekommen einer Regierung der Mitte mit Tolerierung durch die Sozialdemokraten von ausschlaggebender Bedeutung ftei. Der „Lokalanzeiger" will wissen, daß die s o - zialdemokratischen Führer, wie sie es in Unterredungen mit Zentrumsvertretern zu verstehen gegeben haben, gegenüber dem Reichswehr- minster Dr. Geßler die „Wanzentaktik des Sichtot- stellens" beabsichtigen.
e bemerkt in einem Kom-
mentarM dem Briefwechsel Geßler-Koch, baß es Sache der demokratischen Fraktion sei, wie sie sich mit dem Vorgehen des Reichswehrministers abfinden wolle. Die anderen Fraktionen würben keine Veranlassung haben, dazu Stellung zu nehmen. Man könne annehmen, daß auch das Zentrum auf diesem Standpunkt stehe. Die Frage der Person des künftigen Reichswehrministers nennt die „Ger- mania" eine große Schwierigkeit, die durch den veröffentlichten Briefwechsel nicht einfacher geworden sei. In verantwortlichen parlamentarischen Kreisen könne man sich aber dennoch nicht vorstellen, daß an einer einzelnen Personenfrage das ganze Werk der Rekonstituierung der Regierung scheitern könnte. Dem Zentrum sei es jedenfalls ernst um dis Arbeit an der Regierungsbil- düng, was das Communiguee des Fraktionsvorstandes des Zentrums beweise.
Der „Vorwärts" berichtet über eine Stellungnahme der Berliner fozialdemokrati- fchen Parteifunktionäre gegen Geßler. Nach einem Referat des Reichstagsabgeordneten Dittmann und einer Diskussion sei einstimmig eine Resolution angenommen worden, in der von der sozialdemokratischen Reichstagssraktion gefordert wird, daß sie unter allen Umständen der Bildung Diner Regierung, der Reichswehrminister Geßler angehört, den schärfiten Widerstand entgegensetzt.
Der Reichstag.
wtb. Berlin, 19. Januar. (Eig. Funkm.) Da Idas Plenum des Reichstages heute nachmittag um 3 Uhr zum ersten Mal im neuen Jahre zusammen- Sitt, halten die meisten Fraktionen im Laufe
S Mittags Sitzungen ab. Mit Interesse sieht man den Fraktionsfitzungen der Sozialbemokraten wtb der Deutschen Volkspartei entgegen, bie bereits für 12 Uhr angesetzt finb. In parlamentarischen Kreisen rechnet man bamit, daß bte Verhanblungen des Reichskanzlers über bie Regierungsbildung erst weiter gehen, wenn diese beiben Fraktionen ihre Entschließungen gefaßt haben.
preußischer Landtag.
In der ersten Vollsitzung des Preußischen Landtages nach der WeihnachiSPauie gedachte vor Eintritt in bie Tagesordnung Präsident Bartel« in längeren warm empfundenen Ausführungen des am zweiten Weihnachtsfeiertage verstorbenen Vizepräsidenten und volksparteilichen Abg. Geheimrat Garnich.
ES wird bann an die sofortige Behandlung eines kommunistischen Antrages bezüglich der Durchführung einer Amnestie für politische Gefangene gegangen, zu dem der Abg. Pieck (Kom.) eine au«, sührltche Begründung gibt. Der Antrag wird dann gegen bie Stimmen der Deutschnationalen und Wrrt-
uldaer Zeitung
Anzeiger für die Skadk und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage: Illustrierte Betlage" und „Buchendlätter*. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Rt 9.
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schaftlichen Vereinigung dem RechtSauSschuß über- wiesen, ebenso ein kommunistischer Antrag auf Zurückziehung der Verordnung über die Herausnahme der gewerblichen Räume aus der Wolmungszwangs- wirfichaft. _ Bet der zweiten Beratuna des Gesetzentwurfes über bie Bereitstellung von Staatsmitteln zur verstärkten Förderung des Baues von Land- arbeiierwohnungen wird nach kurzer Debatte der Entwurf nach den Vorschlägen des Ausschusses angenommen.
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Ter Aeltestenrat des Preußischen Landtages beschloß, daß in den Plenarberattlngen Paulen ein» treten sollen vom 27. Januar bis zum 14. Februar sowie vorn 27. Februar bis zum 14. März.
Strefemann spricht.
Der Reichsklub der Deutschen Dolkspartei veranstaltete Dienstag abend im Marmorsaale des Zoo seine diesjährige Reichsgründungsfeier, zu der zahlreiche Parlamentarier unb Parteifreunde aus Berlin unb auch aus dem Reiche erschienen waren. Die Festrede hielt Reichsaußenminister Dr. Strefe- mann.
Saut „Tägl.. Rundschau" sagte der Redner, die nationalliberale Partei sei die Partei der Reichsgründung gewesen. Die Deutsche Volkspartei habe sich die R e i ch s e r h a l t u n g zum Ziele gesetzt unter der Devise: „national-libe- ral-sozial, das Vaterland über die Partei". Partei darf nicht selbstisch sein. Die Deutsche Volkspartei sei nicht nur Erbin, sondern die Fortsetzung dieser nationalliberalen Partei, die am 27. Februar in Hannover ihr sechzigjähriges Bestehen begehen werde. National unb liberal, eines unb das andere unb eines nicht ohne das anbere. „Wer nicht liberal ist, gehört nicht zu uns". (Stürmischer Seif.)
Das Nationale werde sich durchsetzen, je weniger es mit dem Gedanken des Reaktionären verbunden ist. Hindenburg sei ein hohes Vorbild der Verbindung vom alten zum neuen Staate. National fein heißt nicht, sich an Phrasen berauschen, son» dem nüchterne Tagesarbeit leisten. An die Parteien richtete Dr. Strefemann die Mahnung: „Hände weg von der deutschen Reichswehr. „Die Reichswehr wird umso volkstümlicher sein, je- mehr sie a l l e Teile des Volkes umfaßt. Wir wol- l»n keine rechte und keine linke, sondern eine deutsche Reichswehr". (Stürmischer Beifall).
Der Minister widmete sodann dem Auslands- deutschtum anerkennende Worte für seine zähe Aufbauarbeit und die von ihm geleisteten Dienste am Deutschtum. Zum Schluß brachte der Minister unter dem Jubel der Versammlung das Hoch auf Volk und Reich aus.
„Infame Zefuiten".
Vor einigen Tagen hat der deutschnafionale Reichstagsabgeorbnete Dr. Everling in Schwe- rin in Mecklenburg in einer beutschnationalen Parteiversammlung eine Rebe gehalten, in welcher er in ben schroffsten unb beleidigendsten Ausdrücken gegenüber dem Zentrum polemisierte. Er sprach von einer „u n e r t r ä g l i ch e n A n m a ß u n g" des Zentrums, daß sich diese Partei Entscheidungen an- maße, bie ihr weder nach Größe noch nach Leistung zustänben. Außerbem hat er auch gegen Persön- lichkeften bes Zentrums, Tot« sowohl wie Lebenbe, Beschimpfungen ausgesprochen.
Diese übereinftimmenben Berichte hat nun Dr. Everling burch bie beutschnationale Pressestelle als „bemokratische Lügen" hingestellt. Er hat aber wohlweislich vermieben, zu sagen, was er überhaupt ausgesprochen hat.
Darauf gibt nun bie „Vosflsche Zeitung" (Nr. 15) folgcnbc zutreffende Antwort, der wir uns anschließen:
„Daß chm, — unb seiner Partei —, in biefem Augenblick seine Ausführungen über das Zentrum unangenehm unb unbequem finb, ist ja begreiflich. Steht boch seit Tagen in allen Rechts- blättern zu lesen, daß bie Entscheidung beim Zentrum liegt, wenn der Bürgerblock scheitert. Da ist es also peinllch, wenn ein deutschnationaler Reichstagsabgeordneter im Lande herumreist unb Reden hält, bie allen mecklenburgischen „nationalen" Blättern bas Stichwort gibt, ut allen Abtönungen über „Infame Jesuiten" (soll heißen Zentrums- führer) zu schimpfen.
Unser Korrespondent hat sich seine Notizm wäh. rend bet Rede gemacht. Es besteht wirklich Feiner» fei Veranlassung, dem Ableugnen Everlings mehr Vertrauen zu schenken als dem Bericht eines Ohren- zeugen.
Wozu überhaupt bas ganze Ableugnen? Es gibt wohl innerhalb ber Zentrumspartei feinen denkenden Politiker, ber nicht weiß, baß bie Ausführungen Everlings — besonbers auch bie über Süddeutsch- land unb Oesterreich (Everling erklärte, bie Süb> deutschen könnten zwar Gedichte, aber keine Politik machen) — typisch deutschnattonal finb. Sv benft man bort immer, unb so spricht man bort, wenn man glaubt, ganz unter sich zu sein, z. B. in Mecklenburg.
i . .Zrmikreich ist fern unb im Süboftcn von Italien I selbst bedroht. England wird feinen Finger für Polen rühren, wenn Rußland sich nach Westen orientiert, d. h. ben Engländern daher im fernen Cften freie Hand unb in Zentralasien daburch eo ipso Sicherheit bietet.