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Anzeiger für die Stadt und den kreis Fulda. AmtNches kreisblalt.

Nr. 13

Dienstag, 18. Januar 1927

6.

Dr. Marx kämpft für die Mitte

budgeis für militärische Zi Linie mit den politischen Ei

Die rumänische Regierung hat eine DerstärkungS- Vortage für RüstungSzwecke in der Nähe von 37 Millionen Lei eingebracht, deren Begründung in einer Geheimsitzung des Parlamentes erfolgen wird; gleich­zeitig wurde angedeutet, daß in absehbarer Zeit noch weitere Rüstvorlagen folgen werden.

Diele neue erhebliche Mehrbelastung deS Staat«. budgetS für militärische Zwecke hängt wohl in erster Linie mit den politischen Ereignissen, in zweiter Linie mit einer Neuorganisation der Armee zusammen, welche einem neu zu ernennenden GeneralstobSchef Vorbehalten sein soll. Bekanntlich trat der bisherige Armeechef General LupeScu einen längeren Urlaub an und wird General Prefsanau als sein Nachfolger genannt.

Bon den politischen Ereignissen steht zweifellos der Mißerfolg der rumänisch-russischen Konferenz in Kamenetz-Podolsk im Vordergrund für diese mili­tärischen Entschlüsse deS Kabinetts AvareScu. Die e Konferenz fand in der zweiten Hälfte des November

d i s k r e t i o n ist ein Teil der Rede, dre der Mr- nister des Aeußern am Dienstag bei der Wieder­eröffnung des Parlaments halten will, der DeffcnL lichkeit vorzeitig bekannt geworden. Danach wird die japanische Regierung erklären, daß sie n e u - trale Haltung gegenüber den Ereignissen m China einzunhmen gedenke, aber zugleich dir 21b= sicht bekunden, Leben und Interessen der lopam- schen Bewohner Chinas wahren zu wollen. Wer­ter wird angeblich Japans Sympathie mit den nationalen Bestrebungen des chinesischen Dol­les zum Ausdruck gebracht und erklärt werden, daß Japan über einen neuen Vertrag se­parat mit den vorhandenen Behörden verhandeln will, um dem Verlangen der Chinesen nach Rem- sion einseitiger Verträge entgegen zu kommen. Fer­ner heißt es angeblich in der Rede, die gegenwär- tlgeLage rechtfertige nicht eine gemeinsameAktion der Mächte bezuglichder chines.Forderungen nach Wieder- Herstellung der Autonomie der Kontrolle über die Niederlassung. "Me diese Forderungen könnten in den neuen Verträgen geregelt werden, über di, mit China zu verhandeln Japan bereit sei.

einer regierungsfähigen Koalition nicht unbedingt erfordern. Auf der Tagesordnung der ersten Si­tzung stehen die ersten Beratungen eines Gesetz­entwurfes über die Regelung des Arbeiterverkehrs an der deutsch-saarländischen Grenze und über eine Reichswohnungszählung.

statt und konnte ein Einvernehmen nur in ganz uniergeordneten Fragen von lokaler Bedeutung erzielt werden; insbesondere blieben die Hauptfragen: Re- pairiierung der politischen Flüchtlinge sowie Sckif- fahrt und Fischerei auf dem Dnjestr teils ungelöst, teils sogar unbesprochen. Wie unbefriedigend die Ergebnisse dieser Konferenz waren, zeigt eine An­fangs Dezember abgegebene Presseerklärung Tschit­scherins schriftlich formuliert die russisch-rumä­nischen Beziehuugensalsu n ü b e r brü ck b a r e KI u ft" kennzeichnete. Inwieweit es gerechtfertigt ist, von einem Fehlschlag der freundschaftlichen Bermittlungs- raischläge Italien« in Moskau zu sprechen, bleibe dahingestellt. Italien ist sich der ouSgeiprochenen Lavierungspolitik Rumäniens wohlbewußt und Der»

Im Reichstage traten Montag vormittag gegen 11 Uhr der Vorstand der Reichstagsfrak- tion der Deutschen Dolkspartei in Ge­genwart des Parteiführers Dr. Strefemann zu einer Sitzung zusammen, um über die Möglichkeit der vom Reichskanzler Dr. Marx zunächst in Aus­sicht genommenen Regierung der Mitte unter An­lehnung nach links zu beraten. Wie das Nach­richtenbüro des VDZ. Höri, beabsichtigt Reichs­kanzler Dr.Marr denVorsitzenden der Franktion, Dr. Scholz, zu emvfangen, um sich von ihm über die Haltung der Deutschen Dolkspartei unterrichten zu lassen. Weiter lind Besprechungen des Reichskanz­lers »*tit dem Führer der Demokraten, Dr. Koch, und dem Führer der Sozialdemokraten, Abg. Mül- l e r-Franken, in Aussicht genommen.

durch allzuschnelle Erfolge derverföhnlichen Rat- schlüge".

Daß für Rumänien auch eine Reihe von Balkan- eniwicklungen aufmerksam zu betrachten sind, ergibt sich aus den Tendenzen der j u g o s l a v i s ch e n Politik, eine Verständigung mit der Sowjetunion und mit Bulgarien herbeizufuhren.

Jedenfalls sind die Verhältnisse im Südosten in den letzten drei Monaten derart entwickelt worden, daß Rumänien die Verstäikung seiner Wehrmacht nicht entbehren zu tosten glaubt.

Die pariser Verhandlungen.

Dlättermeldun en aus Paris zufolge rechnet man in autorisierten Kreisen damit, daß Vas Inter­alliierte Militärkomitee von Versailles, das zu einer* 1 Sitzung zusammentreten wird, um die schriftlichen deutschen Vorschläge zur Regelung der letzten Ent­waffnungsfragen zu prüfen, von den deutschen' Sachverständigen beträchtliche Abänderungen for­dern werde, was aber nicht die Annahme gestalte, daß die Verhandlungen abgebrochen werden tonn-1 ten. Im Gegenteil fei zu vermuten, daß die Be­sprechungen weitergesührt würden und schließlich Ende dieses Monats zu einer Verständi­gung führen werden.

Reichskanzler Dr. Marx hielt, wie das Nach- llchtenbüro des Vereins Deutscher Zeitungsverleger erfährt, am Sonntag nachmittag eine Bespre­chung mit den Vorstandsmitgliedern der Zentrumsfraktion ob. Darauf begab sich der Reichskanzler zum Reichspräsidenten, um mitzuteilen, daß er den Auftrag annehmen und im Sinne des am Freitag gefaßten Beschlusses des Zentrums am Montag mit den Parteiführern we­gen der Möglichkeit der Bildung- einer Regierung her Mitte verhandelt werde. Dabei ist zunächst an -rin Kabinett der Mittelparteien ge- fdacht, das auf die Unterstützung der Sozialdemokra­ten angewiesen wäre. Dr. Marx wird, wie das Machrichtenbüro des VDZ. weiter^ hört, am Mou- >tag mit den Fraktionsführern der Deutschen Dolks- Eartei eine Aussprache darüber herbeiführen, ob g)ie Deutsche Volkspartei die Voraussetzungen er» pulen will, die eine solche Unterstützung der Sozial­demokraten ermöglichen. Der Fraktionsvorstand per Deutschen Volkspartei wird am Montag nach- smittag eine Sitzung abhalten, und es steht zu er­sparten, daß in dieser Sitzung die Entscheidung dar- füber fallen wird, ob die Deutsche Dolkspar- st e i sich an einem Kabinett der Mitte mit Anleh- nung an die Sozialdemokraten oder unter Einbe­ziehung der Sozialdemokraten zu beteiligen beab­sichtigt. Erst nach dieser Entscheidung wird Reichs­kanzler Dr. Marx mit den anderen Parteien der Mitte sowie mit den Sozialdemokraten und den Deutschnationalen in Verhandlungen treten. Die

Rüstungen in Rumänien.

Aus Wien wird uns von einer besonderen Seite mitoeteilt:

Fünf englische Kreuzer, die zurzett ui der Phaleron-Bucht vor Anker liegen, haben Be­fehl erhalten, sofort nach China abzudampfen.

Plünderungen in den Missionen.

Aus Futschau meldet Reuter: In der Nacht ist im Fremdenviertel der Wohnsitz des spanischen Bischofs geplündert worden. Am Tage kam es zu neuen Plünderungen in den Missions­kirchen und in den Niederlasiungen der Missionen.

sitzungen fast aller anderen Parteien, sodaß wenn überhaupt Dr. Marx die Kabinettsblldung gelingt, eine Entscheidung frühe st ens Ende der Woche zu erwarten sein dürste.

Unbeschadet des Ausganges der Kabinettsbil- düng wird der Reichstag am Mittwoch nach­mittag, 3 Uhr, zusammentreten und sich zunächst nut kleineren Vorlagen beschäftigen. Es handelt sich dabei um Vorlagen, die von geringer poli­tischer Schulung sind und daher das Vorhandensein

Der Berichterstatter desManchester Guardian" in Schanghai schreibt, manche Beobachter der Lage hielten es für möglich, daß Japan beabsichtige, sich bei der Erneuerung seines demnächst ablaufen­den Vertrages mit China einen günstigen Abschluß dadurch zu sichern, daß es die chinesischen Wünsche nach Aufhebung der Exterritorialtäts- rechte und ausländischen Konzessionen unterstütze.

rotb. London, 17 .Jan. (Eig. Funkm.).Daily Telegraph" meldet aus Tokio: Durch eine I n-

Neue Welt-Einstellung zu China $ur Lhinas Unabhängigkeit.

Folge haben würde und zu einem industriellen Aufschwung überhaupt führen müßte.

Neben diesen reinsachlichen Erwägungen spielen auch andere Faktoren eine Rolle, die mit dem Cha­rakter der Bevölkerung des Balkans und ihrer Fä­higkeit, die neuen harrenden Aufgaben zu bewäl­tigen, zusammenhängen. Bezüglich der Organi­sation und Ausdauer werden die verschiedenen, ins­besondere leitenden Kreise sicherlich noch manches zu lernen und sich die Erfahrungen anzueignen ha­ben, die eine sachgemäße Verrichtung der Arbeit fordert. Es wird notwendig sein, daß der Westen sie hierbei durch Anleitung u"b tatkräftige Hilfe unterstützt.J,

Die Frage, ob der Balkan für eine Ausnutzung rentable wirtschaftliche Werte in sich birgt, kann somit bejaht werden. Eine große Reihe von Reich­tümern sind in ihm noch nicht erschlossen. Neben der Steigerungsfähigkeit der landwirtschaftlichen Produktion liegt die industrielle Entwicklungsmög­lichkeit durch Ausbeutung der natürlichen Boden­schätze und Kräfte, durch zum großen Teil erst neu zu schaffende besondere Industrien. Es ist beachtenswert, daß kapitalkräftige Kreise des Auslands in letzter Zeit für die Balkanländer leb­haftes Interesse zeigen und an verschiedene von ihnen mit Kreditangeboten herangetreten sind, wie beispielsweise an Rumänien und neuerdings auch an Bulgarien.

Es erbellt daraus der Anfang der Entwicklung, den die Wirtschaft des Balkans nehmen wird: die Entwicklung einer langsamen, ober stetig fortschrei­tenden Industriealisierung neben einer normalen Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion.

hindirt vielleicht ein Wicderabgleiten Rumäniens in I schon mit Rücksicht auf ihre strategische Bedeutung bas Fahrwasser französischer Orientierung leichter dannäckig verteidigen müsse. Hierbei würde die durch Erhallen des russischen Damoklesschwertes als I Festung Königsberg selbstverständlich Dienste leisten.

wtb. New Dort, 17. Jon. (Eig. Funkm.)New Dork Herald" undTribüne" melden aus Washington, gut informierte Kreise seien der Ansicht, daß die Vereinigten Staaten selbständig in China vor­gehen werden und dos SelbstbestimmungSrecht und die Tarif-Autonomie Lhinas anerkennen, sowie für die Beseitigung der Exterritorialität em« treten werden.

Reuter meldet aus Peking: Der belgische Ge- fonbte hat eine Note an das chinesische Ministerium des Aeußern gesandt, in welcher erklärt wird, Bel­gien habe beschlossen, bis zu den bald beginnenden Verhandlungen mit China das beim Haager Schiedsgericht wegen Kündigung des Vertrages von 1885 durch China anhängige Verfahren e i n- ju ft eil en. Die Note spricht die Hoffnung aus, daß bald ein Abkommen geschlossen werden könne, das sich auf Gleichheit und gegenseitige Achtung gründe. In der Antwort des chinesischen Ministe­riums des Aeußern heißt es, China werde fein Aeußevstes tun, um das von Belgien bezeichnete Ziel zu ererichen und schlage den 17. Januar für den Beginn der Verhandlungen vor.

gewidmeten Artikel in der WarschauerRzeczpos- pollla" fest, daß auch den größten Festungen kein offensiver Charakter zukomme. Die strategi- sche Bedeutung der festen Plätze erschöpfe sich zumeist im Schutze ihres Territoriums. Sie könnten auch Aufnahmepunkte für im Felde operierende Kräfte bilden, endlich sogar im Kampf gegen einen Flügel eines feindlichen Heeres tätig eingreifen, sofern sich der Feind in der Nähe des FestungSrahons befindet. Königsberg sei 140 bis 180 Kilometer von der pol' Nischen Grenze entfernt. Die Bedeutung dieser Festung für eine etwaige deutsche Angriffsaktion sei infolgedeffen verschwindend gering. Die Deutschen als Anhänger der methodischen Strategie rechneten eben, wie der polnische General weiter auSführt. mit der Möglichkeit des Eindringens eines polnischen Heeres in Ostpreußen, der Provinz, die Deutschland

Die Wirtschaft der Staaten, die auf dem engen flume der Balkanhalbinsel zusammengedrängt sind, hat seit Jahren mit außerordentlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Diese sind zweifellos die Folge der schweren Schädigungen durch die letzten Kriege, den Balkan- u. den Weltkrieg, die, den besonderen Verhältnissen des Balkans entspre­chend, sehr süark zur Auswirkung kamen. Die Geißel dieser Kriege traf die Balkanvölker in einem Stadium wirtschaftlicher Entwicklung; in welchem M Zwar ihre mannigfachen Kräfte langsam zu regen begannen, eine sichere, durch äußere ober in­nere Erschütterungen unzerstörbare Grundlage aber noch^ nicht geschaffen war. Ferner darf man nicht vergessen, daß auch der Weltkrieg sich historisch auf dem Boden des Balkans selbst obspielte und »icterorts große Zerstörungen anrichtete. Und end-

L - sich der Verlust wirtschaftlicher Werte

-5 ^gemeinen Armut an Kapital, an Mit- ein überhaupt, in um so schwererer Weise auswir- hierdurch bedingten ungewöhnlich Schwierigkeiten, angesichts h!« um Kredit, um Kapital für

brnAb* AEonlander, ist die Frage ange- bracht. Werden die einzelnen Balkanländer über- lebensfähiges sinh m ihnen noch genügend ungenutzte Kräfte, materielle und ideelle vorhanden, daß man auf ihre zukünftige Entwicklung Hoff­nung und Kapital fetzen kann? a "

Der Westen Mitteleuropa und Amerika bot bisher gezögert, große Werte auf dem Balkan .inzulegen. Es mag dies in dem mangelnden Der- Irouen der Festigung der inner- und außenpoliti- scheu Verhältnisse in den Balkanstaaten sowie zur Leistungsfähigkeit ihrer Bewohner begründet gx- wesen fein. Nun aber, nachdem der Westen aus politischen Gründen und auf der Suche nach immer neuen Produktionsgebieten seine Augen wehr als bisher nach Osten richtet, wird er sich unbedingt mit dieser Frage beschäftigen müffen.

Es liegt nahe, daß bei ihrer Entscheidung leis­ten Endes der Umfang der Reichtümer, die im fBoben der Balkanhalbinsel selbst verwurzelt sind, den Ausschlag geben wird.

Dem wesentlichen Charakter der Dalkanländer als Agrarländer gemäß stehen die Werte, welche durch die Landwirtschaft ausgenutzt werden, im Vordergründe des Interesses. In dieser Hinsicht ist zunächst auffallend, daß die Oberfläche des kulti- vierten Landes in den letzten zehn Jahren nicht zugenommen, sondern, wenn man sich auf die stati­stischen Angaben verlaffen darf, merklich abgenem- w.en hat, obwohl noch ausgedehnte Gebiete dafür

zur Verfügung stehen. An Boden für neues Kul­turland fehlt es also nicht. Ferner drängt es sich dem Beobachter geradezu auf, in welch hohem Maße die vorhandene landwirtschaftliche Produk- tion noch entwicklungsfähig ist. Wer einmal mit eigenen Augen gesehen hat, mit welch primitiven Methoden der Bauer gewöhnlich auf dem Balkan arbeitet, wie ihm seine Armut nicht gestattet, sich auch nur die einfachsten Hilfsmittel nutzbar zu ma­chen, die feine schwere Arbeit erleichtern könnten, ja wie skeptisch er andererseits auch allen Neuerun­gen, zum Beispiel der Anwendung von Kunstdün­ger, der rationalen Felderwirtschaft überhaupt, ge­genübersteht, dem wird es unmittelbar bewußt, wieviel Produktionskraft da noch verborgen liegt, die entwickelt werden könnte. Man kann getrost behaupten, daß die landwirtschaftliche Produktion sicherlich noch auf wenigstens das Einundeinhalb- fache gesteigert werden kann, wenn man die Ar­beitsmethoden modernisiert und allen in Betracht kommenden Boden nutzbar macht.

Neben der Steigerungsfähigkeit der landwirt­schaftlichen Produktion ist die Möglichkeit der in­dustriellen Entwicklung durch Ausnutzung der sich darbietenden Möglichkeiten, wie um nur die wichtigsten zu nennen der Bodenschätze (Erze, Kohle, Petroleum), der Waldungen, der Waffer- kräfte, von künftiger Bedeutung. Erze aller Sor­ten finden sich auf dem Balkan in großen Mengen, und eine Reihe von Unternehmungen beschäftigt sich bereits mit der Ausbeutung wenigstens eines Teiles der reichsten Lager. Für die är­meren war an eine Ausbeutung überhaupt nicht zu denken, da diese mit einer ganzen Reihe von Fabrikationen verbunden werden müßte, um sich rentabel zu gestalten. Es sei an die ungeheuren Mengen von Chromerzen erinnert, die sich im ju- goslaoischen Mazedonien finden und imstande wä­ren, den Weltbedarf an Chromerzen zu decke». Eisenerze sind überall vorhanden und würden das Entstehen besonderer Eisenindustrien sicherlich loh­nen. Auch die Förderung der Kohle könnte we­nigstens soweit entwickelt werden, daß der Balkan fernen eigenen Bedarf deckt. Die Ausdeutung der Walder, die sich in allen Dalkanstaaten in großen STom;ke£en finden, verspricht ebenfalls eine große Rentabilität und wird auch mehr oder weniger fchon betrieben. Die Ausnutzung von Wafferkräf- t»n, die auf dem südlichen Teile der Dalkanhalb- insel allerdings nur in beschränktem Maße vorhan- den sind, wird allmählich durchgeführt, könnte aber noch wesentlich beschleunigt und gesteigert werden. Es steht außer Frage, daß die Entwicklung aller dieser Industrien das Aufblühen einer Unzahl von weiteren oder unmitttzlhar damit verbünde» zur

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage: ^Illustrierte Beilage" tmoBuchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Rr. 9.

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. Am SamStag abend wurde zur Regierungs­krise amtlich mitgeteilt: Der Herr Reichspräsident empfing heute nachmittag den geschäftsführenden Reichskanzler Dr. Marx und erteilte ihm den Auf­trag, aufgrund deS gestrigen Beschlusses der Zen­trumsfraktion, durch Verbandluncien mit den in Frage kommenden Fraktionen des Reichstages die parlamen­tarische Lage und die Möglichkeit einer Regierungs­bildung weiter zu klären. Reichskanzler Dr. Marx behielt sich seine Entscheidung bis morgen nachmittag vor.

Der Nationalverband der französischen Front­kämpfer, der in Parks hier eine von Delegierten von 4385 Unteroerbänben mit einer Mitglieder­zahl von 400 000 besuchte Tagung abhielt, hat eine Entschließung zur Frage der deutsch-französischen Annäherung angenommen, die einen aufrichti­gen Friedenswillen auf beiden Seiten als erste Voraussetzung fordert, den Frieden jedoch nicht ohne Sicherung der Rechte Frankreichs für möglich hält. Hierauf wird zum Ausdruck gebracht, daß die moralische Abrüstung in Deutschland durch loyale Erfüllung der eingegangenen Verpflichtun­gen bewiesen werden müßte, wenn von einet deutsch-französischen friedlichen Annäherung die Rede fein sollte. Die Resolution erkennt aber an, daß die deutsch-französische Verständi­gung der Angelpunkt für die Befrie­dung Europas sei. In einer weiteren Re- solution wird gefordert, daß die Frage der inter­alliierten Schulden vollkommen neu geregelt wer­den muffe. Der rechtsstehende Abg. Goy sprach sich sogar gegen eine Ratifizierung der Schulden- abkommen aus, selbst wenn sie Transfer- und Schutzklauseln enthalten sollten.

Die deutschen Ostfestungen.

Aus Warfchau wird gemeldet: Der polnische General und bekannte Militärschriststeller Henning Michaelis stellt in einem den deutschenOftfestungen

DerMontag" schreibt, er höre aus volkspar­teilichen Kreisen, daß die Deutsche Volkspartei es nicht ablehnen werde, in ein Kabinett unter der Leitung von Dr. Marx einzutreten, falls die Pläne von Dr. Marx in ihrer Gesamtrichtung den Wün- schen der Dolkspartei entsprechen, die auf eine große bürgerliche Koalition ober auf ein Kabinett der Mitte unter Anlehnung nach rechts abzielen. Nach den bisherigen Besprechun- gen ober dürste ein solches Kabinett der Mitte mit Anlehnung nach rechts an dem Widerspruch der Deutschnationalen scheitern, die die Bindung wollen. Diese wäre der Dolkspartei mindestens ebenso genehm oder noch lieber als die bloße wohl­wollende Duldung. In der ..Montagspost" heißt es:Für die Bildung einer Regierung der Mitte gibt es drei Möolichkeiten: 1. die reine Mitte, d. h.: eine Minderheitsregierung von der Deutschen Volkspartei bis zu den Demokraten ohne Bindung Gegenüber der Opposition, 2. die Regierung der Mitte in loser Verbindung mit der Linken, 3. die Regierung der Mitte in loser Verbindung mit der Rechten. Auch dieses Blatt teilt mit, daß die Deutsche Dolkspartei die Regierung der Mitte in loser Verbindung mit der Rechten empfehlen werde, ppr *

Der Zentrumsführer Stegerwald betonte in einer Rede in Köln, die Sozia ldemokra- t i e müsse endlich im Reich mit Verantwortung belastet werden. > -

Die wirtschaftliche Znkunstdes Balkans

Don Theodor Blank-Sofia.

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