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M 12.

Do«»tag, 16. Januar 1927.

Die neuen Arbeitsgerichte.

Bon Rechtsanwalt Dr. Riese, Borfitzender am Geweibeoericht der Stadt Berlin. Jahrelang tobte der Kampf um die Schaffung der Arbeitsgerichte. Wohl waren die Regierung, die politischen Parteien und die wirtschaftlichen Verbände der Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich darüber einig, daß die Zersplitterung der Recht- sprechung auf dem Gebiete des Arbeitsrechts be­seitigt werden muß, zumal sich dieses Gebiet immer mehr zu einer wirtschaftlich bedeutenden Disziplin herausbildete, aber bei der Bestimmung der Struk­tur der Arbeitsgerichte waren Gegensätze von er­heblicher Natur auf dem Gebiete der Weltanschau­ung zu überwinden. Umso erstaunlicher ist es, daß der Reichstag mit so großer Schnelligkeit das Ge­setz verabschieden konnte.

Das Arbeitsgerichtsgesetz berührt den größten Teil der deutschen Bevölkerung, ist also von allge­meiner Bedeutung.

Die Streitigkeiten aus dem Dienstverträge mür­ben bisher von den Gewerbegerichten bzw. In- nungsschiedsgerichten, sofern es sich um Streitig­keiten aus einem gewerblichen Dienstverhältnisse, von den Kaufmannsgerichten, sofern es sich um Streitigkeiten zwischen Kaufleuten und ihren Hand­lungsgehilfen und Lehrlingen handelt, im übrigen von den ordentlichen Gerichten entschieden.

Dom L Juli 1927 ab entscheiden lediglich die Arbeitsgerichte über alle Ansprüche aus dem Ar- beits- und Lshrlino^-erhältnisse, aus Verhandlun­gen über die Eingehung eines Arbeits- oder Lehr- verhältniffes, sowie über die Ansprüche aus un­erlaubter Handlung, soweit sie mit dem Arbeits­oder Lehrverhältnis zusammenhängen. Zuständig sind die Arbeitsgerichte ferner für die Ansprüche aus dem Detriebsrätegesek, die bisher schon den sogenannten vorläufigen Arbeitsgerichten zugewie- fen. waren. Darüber hinaus haben die Arbeils- genchte auch über Streitigkeiten zwischen Arbeit­nehmern aus gemeinsamer Arbeit, über Ansprüche aus unerlaubten Handlungen, soweit sie mit denk Arbeits- oder Lehrverhältnis im Zusammenhang stehen und über bürgerliche Rechtsstreitigkeiten der Tarifvertransparteien aus Tarifverträgen zu. ent- scheiden. Alle Strei Siokeiten aus dem Arbeits- Verhältnisse werden also ohne Rücksicht auf den Wert des Streitgegenstandes unter Ausschluß der ordentlichen Gerichte von einer Behörde, den Ar­beitsgerichten, entschieden.

Die ausschließliche Zuständigkeit der Arbeits­gerichte kann lediglich durch ein nach den Bestim­mungen des Arbeitsgerichtsgesetzes vereinbartes Schiedsgericht ausgeschaltet werden.

Die Arbeitsoerichtsbehörden bilden einen Jn- stanzenzug für sich. In erster Instanz sind die A r- beitsgerichte, in zweiter Instanz die Lan- desarbeitsgerichte und in dritter Instanz das Reichs arbeitsgericht tätig.

Die Arbeitsgerichte werden als selb­ständige Gerichte errichtet, und zwar in der Regel für den Bezirk eines Amtsgerichtes. Jedes Arbeits- gericht besteht aus der erforderlichen Anzahl non Kammer». Es müssen für Arbeiter und Ange- ^Ae*Mreuule Kammern gebildet werden. Im Bedurfnisfalle können für bestimmte Berufe und Gewerbe besondere Kammern eingerichtet werden. Die einzelnen Kammern werden in einer Besetzung mit einem Borstbenden und je einem Beisitzer der Arbeitgeber und Arbeitnehmer tätig sein. Die Vor­sitzenden sind reglmäßig ordentliche Richter, die von der Landesjustizverwaltung im Einvernehmen mit ber Obersten Landesbebörde für die Sozialverwal- werden. Die Beisitzer werden aus den Vorschlagslisten der im Gerichtsbezirk bestehenden wirtschaftlichen Bereinigungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer durch die höhere Verwaltungsbehörde des Landes im Einvernehmen mit dem Präsidenten des Landgerichts auf di« Dauer von drei Jahren berufen. In die für Arbeitnehmer und Angestellte getrennt einzurelchenden Listen haben die wirt­schaftlichen Verbände nur solche Personen aus ihren Reihen aufzunehmen, die das 25. Lebensjahr vol­lendet haben, im Bezirk des Arbeitsgerichts seit Mindestens einem Jahr als Arbeitgeber oder Ar- beitnshmer tätig und im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte und der Fähigkeit zur Bekleidung öf- sentlicher Aemter find. Auch diejenigen Personen dürfen nicht in die Vorschlagsliste ausgenommen werden, gegen die das Hauptoerfahren wegen ei­nes Verbrechens oder Vergehens eröffnet ist, das die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte und der Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter zur Folge haben kann, und die infolge gerichtlicher Anordnung in der Verfügung über ihr Vermögen beschränkt sind.

Die Landesarbeitsgerichte sind im Gegensatz zu den Arbeitsgerichten nicht selbständig, sondern werden bei den Landgerichten errichtet. Jede Kammer eines Landesarbeitsgerichtes wird

Frankfurter Theaterbrief.

Hasenclever - Uraufführung im Schauspielhaus. eine Neuinszenierung von Shakespearesf furm. »Die Lästerschule" eine vpern-llrausführung.

Heilere, Theater. - Sutturfilm in Frankfurt.

sa"ste Uebergang vom alten in das neue Jahr brachte m den Frankfurter Theatern eine Fülle neuer Emstudierungen, deren wichtigster hier em kurzes Wort gewldmet sein soll. Die erste Ur- Führung des jungen Jahres sah das städtische Schauspielhaus. Em neuer H a s e n c l e v e r, also ein Ereignis. Gänzlich au »-verkauftes Haus.' fest­liche Stimmung, der aus Paris kommende Dichter ist anwesend, um den ersten Schritt seines Musen- kindes auf den weltbedeutenden Brettern zu über­wachen.Ein besserer Herr" heißt es und nennt sich im übrigen Komödie in zwei Teilen. Eine Komödie der neuen Sachlichkeit, die leider zum Schlulle ins Possenhafte abbient. Aber ein amüsanter Abend. Dialoglichter blitzten, der Dich­ter wirst uns alltägliche Wahrheiten an den Kopf tmb wir dürfen ihm nicht bös fein, weil er recht hat. Dieser beffere Herr, der in einem großen Büro den Heiralsschwindel oroanisiert, diele Tochter, die aus der Ebe und der Hochzeit ein Geschäft macht «leich dem Vater, der irgendein Aktienpaket erwirbt, find uns irgendwo, irgendwann einmal begegnet. Sie sind Typen unserer Zeit, grellbeleuchtet viel­leicht, aber immerhin lebenswahr. Und das Ganze Drum und Dran, jener neue Komödienstil, der alle Mittel der Bühnentechnik vom Lichtbild bis zum

Fuldaer Zeitung

Druck bet Salbaet «cttendrvckerel. 35tatbe

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Kopfschmerz Migräne Neuralgie Zahnschmerz

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Die reichlichen Niederschläge der letzten Tage haben das Hochwasser der O d e r erneut zum Stei- qen gebracht. Don überall her treffen alarmie­rende Nachrichten ein. In Küstrin ist das Wasier der Oder und der Warthe bis cm tne Mauern der Stadt herangetreten. Im Warthe'bruch steht das Wasier zum Teil über einen Mester hoch Die Aecker sind vollständig überschwemmt.

aus der Nrieysopserbeweouna.

Auszahlung ber Renlenerhöhung und des »rttlchen Sonberzuschlaqs auch bei kavila'iNei-na unb Ruhen ber Rente. Der Verband der Kriegsbeschödl'gten und Knegs- hlnterbliebenen des Deutschen Reichskrtsgerbunbes Knff- hüufer teilt mit: Nach einem neuen Erlaß des Reichs­arbeitsministers sollen hinfort die RenOenerhdhung (zur Zeit 19 Prozent) und gegebenenfalls her örtliche Son- bmutotafl auch an diejenigen Dersorgungsberechtigten lausend zur Auszahlung kommen, bereu Rente kapitali­siert ist oder ruht. Dies gilt naturgemäß nur msowect als Rentenerhöhung und örtlicher Sortderzuschlag nicht schon berücksichtigt waren.

Wie wird das Wetter?

Der westliche Tiedruckwirbel bat Ri'b eiwaS südwärts verlagert, sodaß sein Einfluß aus unsere Witterung zu- genommen bat. Gleichzeitig beginnt im Westen und Nordwesten der Lu'.druck erneut zu Haven, sodaß auch weiterhin mit unbändiger, zu Niederschlagen neigen­der Witterung gerecknet werden kann.

WitterungZanSsichten für Sonntag: Fortdauer der unbeständigen, zu Niederschlägen neigenden Witterung.

Lautsprecher spielen läßt, gehört eigentlich auck) dazu, wie der Punkt zum i. Erfolg auf der gan­zen Linie, doch Hasenclever nicht ohne Weichert. Der geniale Frankfurter Regisieur-Jntendant schien mir an diesem von donnernden Beifallsstürmen be. gleiteten Uraufführungsabend der größere Künst­ler. Er hat der Komödie eine Form gegeben, die packt, er hat streng sachliche Bühnenbilder hinge- zaubert, die in ihrer Einfachheit erfreuen, er hat auch in sorgsamer Auswahl seiner Spieler all die Feinheiten aus der Komödie hervoryeholt. Seine Regie batte Tempo, das Tempo der Zeit und doch kluge Zurückhaltung, wenn es einmal galt, dem Wort zu geben, was auch auf dem fachlichen Theater noch des Wortes ist. Eine Meisterleistung fürwahr, für die sich in elfter Linie Herr Hasen­clever bedanken darf, denn er wird die Früchte ernten.Ein besserer Herr" wird die Komödie des deutschen Nachwinters werden.

Leider hat der Chronist auch die Pflicht von einer Neueinstudierung zu berichten, die ihm nicht fo ganz gelungen erschien. Es war Fritz Peter Buchs Nachlchöpfung des Shakespearischen Sturm". Diese überhaupt etwas vom Pech verfolgte Aufführung blieb vor allem im Szenischen stecken. War es schon schwer, in den ersten Auf­tritten das Sckiiff zu erkennen, so langweilte nach­her das öde Einerlei der Insel, das der Lichter entbehrte. Robert Taube, ein an sich gutdurch­dachter Prospero, sprach wie ein braver Quartaner ins Leere, die feine Poesie des Werkes wurde tot« geschlagen in einer Aufführung, die sich den rei­chen, aus der Phantasie des Dichters entsprungenen Gehalt nicht zu Nutzen zu machen wußte. Auch

Wahrhaftig, wir werden ewig das Volk her Professoren und der Theoretiker bleiben. Wenn man sich diese endlosen gelehrten Artikel und Auf- Aufsätze über die Politik von heute, samt Abend­land und Völkerbund, so ansieht und diese wissen­schaftlichen Versuche, recht praktisck)« Probleme zu lösen man könnte schier verzweifeln, wenn man es nicht vorziehen sollte, es lustig aufzufassen. Ich denke immer bei solchen Gelegenheiten an die <30 Professoren in jener vor etwa 25 Jahren roieber» entdeckten Ziegelei aus der Römerzeit. Es waren da nämlich auf jedem Backstein, den das alte Rom in feinen Bauhütten fabrizierte, merkwürdige ge­heimnisvolle Zeichen. Auf der einen Seite sah man vier eiförmig geweitete Linien, auf der an­deren eine ebensolche Linie und auf der dritten Seite noch einmal eine gleiche Figur. Was mochte das wohl bedeuten? Wie kam man nur zu diesem sonderbaren Stempel? Sechs ist zweimal bret und drei eine mystische Zahl. Und diese sonder­bare Verbreiterung der Linien in der Mitte, so als stellten sie einen Menschen dar, der um das Bäuch­lein herum ein wenig erhaben ist und einer Zwie­bel gleicht, die oben spitz ist und unten auch nicht viel hat und alles in die Mitte drängt. Sie stu­dierten die Symbole der antik-klassischen Welt, sie sannen nach über Figuren des Pythagoras und sie vergäße»' auch nicht die neuplatonische Mystik, während einige an die Kaballa und ähnliche myste­riöse Schriften dachten. Während nun die 660 ge­lehrten Herren da philosophierten und dabei wun­dervoll ernste Amtsmienen aufsetzten, griff ein Maurermeister kräftig in den Lehmdreck hinein und schien dann, die Hände auf dem Rücken, etwas zu drehen und zu kneten. Dabei setzte er ein gar hoch­mütiges Gesicht auf, das aber durch feinen Humor gemildert wurde. Es war ein so richtiges Maurer, meistergesicht, dem man es ansehen konnte, daß der Mann schon mehr gebaut und andere Herrlich­keiten aufgeführt hatte, als etwa einen Ziegenstall. Als nun die Profesioren gar nicht zu Streich ta­rnen, da erbarmte sich dieser Meister endlich und sagte: Nun schauen Sie her. ... Er zeigt ihnen den Ziegelstein, den er hinter seinem Rücken in oller Ruhe geformt hatte. Sehen Sie und das war in dem nassen Lehm wirklich zu sehen auf der einen Seite, auf der zweiten und auf der drit­ten die mystischen römischen Zeichen. Es waren nämlich unten die Abdrücke von vier Fingern, auf der einen Seite d<»r vom Daumen und auf der drit­ten der von der Maus, d. h. dem Muskel, aus dem der Daumen wächst. Backen Sie doch selber jeder einmal einen solchen Ziegelstein, und nehmen Sie ihn naß in die Hand, und Sie werden sogleich verstehen, warum aus den Backsteinen der römi­schen Republik die sechs Fingerabdrücke sein müs­sen .. . Darauf ein schallendes Lachen der ver­sammelten Meister, verdutzte Gesichter der Pro- fefforen, ein getrenntes Auseinandergehen und wohl auch ein Nachspiel in der Zeitung oder in der Illustrierten oder im Stadtklatsch. Zum Bau des Staate«! gehört ein Meister und kein Gedanken­drechsler. Praktisches Können ist erforderlich, aber nicht unpraktische Schulweisheit. Napoleon und Bismarck haben zwar allerlei geschrieben, aber doch immer nur schneidige Worte, die sozusagen bas Echo schneibiger Taten waren. Oder auch Reben und Proklamationen, bie Taten zu wecken wußten. Das ist bie Schwäche bes Parlamentarismus, baß er zu viel redet. Diese Schwäche muß er über­winden, sonst wird eines Tages ein Tatmensch ihm bas Munbstück wegnehmen. Und durch wel­chen Mund soll bas Volk bann noch sprechen? . .

Haben wir Gebuld! Rom ist nicht an einem Tage gebaut worben, unb die Deutsche Republik

Recht-anwälte vertreten lasten. Zu den Landes- Ä fmb !-d°ch ->,»Ä tiate Mitglieder und Angestellte von Arveugeoer und Arbeitnehmerverbände zugelasten.

Die mündliche Verhandlung beginnt mit einer Verhandlung vor dem Vorsitzenben allem Mn unter freier Würdigung aller Umstände zu erörtern ünd zm Aufkläruna alle Hanblungen oorzunehmem die sofort erfolgen können. Er hat weüerhin alle Handlungen vorzunehmen, bie erf0J\b*rTermin die Verhandlung vor der Kammer in einem Termin zu Ende zu bringen.

Das Arbeitsgericht entscheidet rechtskräftig bis zu einem Streitwert von 300 Mark. Bei einem höheren Streitwert ist die Berufung an dasLan d-sarbeitsaericht zulässig, ferner dannl menn ba« Arbeitsgericht wegen der grundsätzlicher> «eDeu tung des Rechtsstreites bie Berufung zulaßü Di Berufungsfrist unb die Frist zur Begründung der Berufung betragen je zwei Wochen. Neue Tat fachen und Beweismittel können nur im ersten Ter­min noch geltend gemacht werden.

Gegen die Urteile des Lande-arbeit sgenchts im Berufungsverfahren ist die Revision an das Reichsarbeitsgericht statthaft, wenn ber Streitwert 4000 Mark übersteigt, ober wenn dcis Landes­arbeitsgericht die Revision zuaelasten hat. Für die Revisionseinlegung unb Begründung ist eine »rift von je zwei Wochen vorgesehen. Neue Tatsachen unb Beweismittel können in der Rernsionsinstanz nicht mehr vorgetragen werden. Die Nemswn kann nur darauf gestützt werden, baß ^-tzliche oder tarifliche Bestimmungen nicht oder nicht richtig an­gewandt worden sind. , .

9 ftür das Gebiet der Arbeitsstrertigkelten hat das Arbeitsgerichtsaesetz die Bestimnmnaen über die Schiedsoerichte besonders geregelt. Schiedsge­richte zur Entscheidung von Arbeit sstreitt gleiten können nur noch im Tarifverträge ohne jede Be­schränkung und zwischen dem einzelnen Arbeit- geber und Arbeitnehmer nur bann m^ch vereinbart werben, wenn ber Arbeitnehmer ein Angestellter ift unb sein Jahresarbeitsverbienst Die im Ange- stelltenversicherungsaesetz vorgesehene Grenze für Me Dersicherungsvflicht übersteigt. ?«ur tn Men Fällen kann die Arbeitsgerichtsbartert ausgeschloj. sen werden. .

Vie wasser sinken.

wtb. Koblenz, 14. Jan. (Eig. Funkm.) Da ber Regen nachgelassen hat und bie Temperatur etwas gesunken ist, ist in dem Steigen der Fluste em Stillstand elinaetrrten. Der Rhein geht langsam zurück. Auch für bie Mo'jel würbe aus Trier ein Fallen des Masters gemeldet. Aehn- iich lauten die Meldungen über bie Lahn. Die Hochwafler-Gefahr ift als beseitigt onzusehen.

Wer auch Mr Heiterkeit war in den letzten Frankfurter Theaterwochen gesorgt.

Das Künstlertheater für Rhein und Main ent- fesselte tosende Lachsalven mit Laufss altem Schwank »Pension Schotter" und im Neuen Operettentheater findet allabendlich K a l m an» s melok>nreiche, aber textlich schwachatmigeZir­kusprinzessin- dank einer glänzenden Dar- stellung volle Häuser.

Noch ein kurzes Wort über den. Film In Frank­furt. Er ist in Frankfurt a. M. genau so gut oder genau so schlecht wie in allen anderen deutschen Großstädten. Nur das Lichtspielhaus im Zoolo­gischen Garten macht hier eine Ausnahme, denn dank der unermüdlichen Initiative Direktor Prie­me l s, des ungemein vielseitigen Leiters des Zoologischen Gartens, hat sich hier der Gedanke des Kulturfilmtheaters nach anfänglichen Schwie­rigkeiten durchgesetzt. Zwar ist das Programm, das als Ergänzung des im Zoologischen Garten Gesehenen gedacht ist, vorwiegend biologisch, zoolo­gisch und völkerkundlich eingestelll. Sein wertvoll­stes Moment darf man aber darin erblicken, daß es Dinge an den Beschauer heranbringt, die er sonst nie im Leben kennen lernen dürfte. Da die Zoo- Kulturlichtspiele auch von Schulen stark besucht werden, ist immerhin die Hoffnung nicht von der Hand zu weisen, baß bie bort gestreute Saat auf- gehen wird unb Früchte trägt. Dann wird die an sich noch etwas kleine Kulturfilmgemeinbe wachsen und zu einer Phalanx werben, die den Kampf ge­gen Kinoschund und Schmutz siegreich aufnimmt.

Robert Mösinger.

in ber Besetzung mit einem Vorsitzenben unb je einem Beisitzer ber Arbeitgeber tmb Arbeitnehmer tätig fein. Die Vorsitzenden des Landesarbeitsge­richts sind aus den Direktoren und ständigen Mit­gliedern des Landgerichts, auch des am Sitze des Landesarbeitsgerichts befindlichen Oberlandesge­richts zu berufen. Die Beisitzer müssen das 30. Lebensjahr vollendet haben. Ihre Berufung er­folgt in gleicher Weise, wie die der Beisitzer des Arbeitsgerichts.

Das Reichsarbeitsgerichts wird beim Reichsgericht errichtet. Jeder Senat wird in ber Besetzung mit einem Vorsitzenden, gewöhnlich einem Senatspräsibenten, zwei richterlichen Bei­sitzern unb je einem Beisitzer ber Arbeitgeber unb Arbeitnehmer tätig sein. Die Beisitzer werben vom Reichsarbeitsminister im Einvernehmen mit bem Reichsminister ber Justiz den Vorschlagslisten der Spitzenoerbände der wirtschaftlichen Vereinigungen

der Arbeitnehmer berufen; sie müssen das 35. Le­bensjahr vollendet haben.

Für das Urteilsverfahren vor den Arbeitsge- richtsbehörden gelten die Bestimmungen entspre­chend der Zivllprozeßordnung. Ausgenommen sind die Vorschriften über den Urkunden- und Wechsel­prozeß und das Güteverfahren. Anstelle des letz­teren treten die besonderen Güteverfahrensvor­schriften des Arbeitsgerichtsgesetzes.

Die Verhandlung mit den Parteien soll mög­lichst unmittelbar sein. Der Vorsitzende kann daher jederzeit das persönliche Erscheinen der Parteien anortmen. Aus diesem Grunde sind auch Rechts­anwälte oder Personen, die das Auftreten vor Ge­richt geschäftsmäßig betreiben, bei den Arbeits­gerichten nicht zugelasten, wohl aber Syndici der Arbeitgeberverbände unb Gewerkschaftssekretäre. Vor den Landesarbeitsgerichten unb bem Reichs­arbeitsgericht müssen jedoch bie Parteien sich burch Ellen Daüb (Ariel), Otto Walbis (Caliban), Toni Impekoven (Stephans) unb Theodor Danegger (Trinkulo) vermochten tia nicht viel zu retten. Der Beschauer folgte wohl ben Vorgän­gen, doch blieb er kalt.

Auch im Frankfurter Opernhaus gab es ein» Uraufführung. Paul von Rienau, ber Kom­ponist bes entzückenben BallettKlein Idas Blumen", kam mit seinerL ä st e r s ch u l e" zu Wort, deren besondere Aufgabe es ist, bem Gesang­lichen in ber Oper wieder die ihm gebührende Stel­lung zurückzugeben. Das starke Üeberwiegen des Orchestralen, das man in fast allen Opernkomposi­tionen der letzten Jahre beobachten kann, macht hier einer leichten, ungemein melodiösen und flüssigen Untermalung der Gesänge Platz, bie in ziemlich strenger Gliederung, Rezitativ unb Arie herrschen vor, von jebem Sänger ein Höchstmaß von Stimm­kultur verlangt. Die textliche Unterlage ber Oper, von Rudolf Stephan Hoffmann nach Sheri­dansLcistsrschule" geschaffen, erreicht leider das große Vorbild nicht. Sie wäre sogar langweilig, wenn nicht die Musik immer wieder neues In- tereste beanspruchen dürfte. Professor Clemens Krauß war der Partitur ein Sachverwalter et- genster Art. Er ließ die wundervoll schmiegsamen Melodien dezent erklingen, von ganz besonderer Feinheit war der SEßaljer im zweiten Akt. Die szenische Aufmachung durch Dr. Lothar Waller- stein im Verein mit einer Sängerschar, bie stch bem Stil bes Werkes sehr leicht anzupasten wuß­ten, war Bürgschaft für den Erfolg. Man fei­erte ben Komponisten und alle die bei seinem Werk geholfen hatten.

Rund um die Woche.

60 profesioren und ein Ziegelstein. Politik und Tatmenschen. Staatszwang und freie volkskrast. 3azz, Fox, Charleston, Witwen und Asien.

wird das bestimmt auch nicht. Wir leben einst­weilen in einem Haus, wo es noch zu viele Ecken gibt, an denen man sich den Kopf einrennen kann. Ein großer Mann hat einmal gesagt, der Staat habe sich vor allem die Aufgabe zu setzen, möglichst entbehrlich zu fein. Darin liegt etwas Wahres. Der regiert am besten, dessen Regierung am wenig­sten gespürt wird, weil sich alles natürlich dem Menschen anpaßt. Nicht die Lehrer halten am besten Ordnung, die jede Minute rufen müssen: Hans, bitte ben Munb halten . . . Peter, iptelft bu schon roieber mit Bleikugeln? . . . Moritz, bat benn bas Träumen kein Ende? . . . Max, was lachst bu schon mieber? . . . Johann, zieh deine Beine zurück . . . Nein, die Lehrer sind bie besten, bie begleichen zu sagen gar nicht nötig haben, weil es in ihrem Unterricht keinem Jungen ein­fällt zu schwätzen, mit Bleikugeln zu spielen, zu träumen, zu lachen ober mit ben Deinen Gymnastik zu treiben ... Die Regierung ist bie beste,, bie alles möglichst durch bie richtig geebneten Kräfte des Volkes besorgen läßt. Aber bie Sozialisierung, bie ganze Paragraphenhäufung, bie ewige Hinein- regiererei, bas verbirbt alles unb lähmt bie Tat­kraft. Zur Zeit bes englischen Kohlenstreiks sah man an irgenbeinem Sonntag in irgendeinem Ka­nal Kahn um Kahn vorüberziehen, nur einige feierten. Glaube aber nicht, daß sie des Sonntags wegen gefeiert hätten. Nein, es waren staatliche Kähne. Die anderen war»n in Privathänden. Wo Privathö^be noch eine Verpflichtung fühlen, in großer Not auch einmal am Sonntag noch etwas zu schaffen, da führten staatliche Hände diese Der- nssicl^ung eben nicht mehr. Ich habe oft ben Einbruch als merkten viele Leute in Deutschland oar nicht,, wie sehr sie bereits in ganz undeutschen Staatsauffassungen befangen sind. So merkt ein Kanarienvoael auf die Dauer ja auch nicht, daß er im Käsig sitzt . . .

Ach, ich dummer Kerl, was mache ich mir da roieber Gebauten. Diese Nacht träumte ich, der Panamakanal sei burch ein Erdbeben zerstört wor­den, und darum seien die klugen Amerikaner, die alles voraus wisien, jetzt nach Nicaragua gekom­men. Dann sah ich auf einmal bie Grippe wie den Tob int Totentanz durch bie ßanbe gehen. In ber Mandschurei herrscht bie Best. Wenn sie sich nur nicht auf bie sibirische Eisenbahn setzt! Ach, ich dummer Kerl, was kümmere ich mich um Pest, Hunger unb Krieg. Fox, Jazz unb Charleston, tinke, tinke, pinke, pinke, hoppsassa ... alle Wit­wen ftnb schon ba . . . nun, unb so weiter. Gott. | sch Dank, baß wir in Berlin keinen Mussolini haben, sonst würh» er am Ende wie jetzt in Rom bas Tanzen am Abend verbieten. Unb was finge das arme deutsche Volk bann an! Richtig, wir könnten ben Derjüngungsprosesior, Herrn Voro- noro von ber Reviera, herbestellen, wo er sich au­genblicklich eingerichtet hat, unb sich seine Affen, bie ihre Drüse ber greifen Menschheit testamenta­risch zu vermachen gezwungen werben. Diese Af­fen haben es bcrsür auch gut, leben in gleichmäßig bis 20 Grad geheizten Zimmern und im übrigen in freier, warmer Lust. Meist gehören sie ber uralten Familie ber Orang-Utan an, bie sich näch­stens, nachdem auch die russischen Bolschewiken­führer in ben Gothaer Hofkalenber gekommen sind, ebenfalls dort eingetragen lassen werden. Also beste Nora das ist nämlich der Kosenamen eines dieser Affen also beste Nora, kommt nach Berlin. Schenk uns die verlorene Jugend zurück. Tinke, tinke, pinke, pinke, hopsassa . . .

Der Mann im Monde.