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uldaerZertung
Anzeiger für die Stabt und den Kreis Fulda.
7lr. 12.
Ekscheinl sechsmal wSchenilich Wochenbeilage: ^Illustrierte Beilage' und ..Buchendlätlett' Rotationsdruck und Verlag der Rulboei Artiendruckerei In Fulda Fernsprecher Nr. 8. x Monatliche» Bezugspreis 1,50 Mk w
Sonntag, Iß. Januar 1927.
Amtliches Kreisblakk. _______
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polen.
Allem Anschein nach herrscht im Warschauer Auswärtigen Amt eine fieberhafte Nervo- .ität. Die Reden des Außenministers Zaleski tnb das äußere Symptom dafür aewesen. Die gründe liegen klar zu Tage. Der Gedanke schreckt Sie polnischen Deutschfeinde, daß mit dem 31. 9a- nuar die Militärkontrolle der Alliierten tn Deutschland ihr Ende nehmen soll und dre Aufgaben, die für die militärische Beaufsichtigung Deutschlands bisher der Pariser Botschafterkonfe- enz oblagen, an den Dölkerbundsrat in Genf über- gehen. Geflissentlich wird die Meinung verbreitet, ils ob ein Deutschland, das nicht mehr unter der scharfen Ueberwachung der alliierten Kontrollkom- lnission stehe, polnisches Land überfallen werde, um mindestens den Korridor und Danzig wieder völlig In den deutschen Besitz zurückzuführen. Die Polen kennen sich selbst ja recht genau und wißen, wie man fremde Gebietsteile durch Ueberfälle annek- leren kann. Sie glauben, daß andere Länder zu ebensolchen Friedensbrüchen und Raubüberfällen fähig sein würden, wie sie es selbst sind und mehrfach durch die Tat bewiesen haben. Sie wißen auch, daß Deutschland wirtschaftlich stark ist und d'e Colnische Heeresmacht trotz der zwei Millionen Sol- aten, die mobil gemacht werden können, in gewisser Beziehung ein unsicherer Faktor bleibt, da enter diesen zwei Millionen Soldaten fast 40 Prozent Angehörige von nationalen Minderheiten sich befinden. Das Erlebnis der österreichisch-ungarischen Armee im Weltkrieg ist ihnen nicht ganz unbekannt. So erheben sie denn ein großes Geschrei über den angeblichen offensiven Charakter der deutschen Ostfestungen und suchen sie als ein Zeugnis dafür hinzustellen, daß Deutschland nur auf den Tag der Aufhebung der Militärkontrolle warte, um Polen zu überfallen. Man ist in der offiziellen deutschen Politik anscheinend sehr geneigt, die jetzt mit der Botschafterkonserenz verhau, delten Entwaffnungsfragen mehr als Fragen j u • ristischer Natur zu betrachten, dis lediglich zwischen Deutschland und der Entente schweben. 3n Wirklichkeit sind diese Fragen doch politischer Natur, well sie von der polnischen Politik dazu in ganz offenkundiger Weise gemacht werden.
Es kommt aber noch hinzu, daß auch die e n g» l i s ch e Politik an der politischen Aufbauschung der unbereinigten Streitfragen ein gewisses Interesse zu haben scheint. Es bestehen ohne Zweifel Strömungen in der englischen Politik, die das gesamte Westeuropa einschließlich Deutschland und Pole» zu einem militärisch - politischen Block zusammen- schweißen möchten, um auf R u ß l a n d einen Druck ousüben zu können und dieses Land den alliierten Wirtschaftsinteressen mehr zugänglich zu machen Dieses Moment wird von der polnischen Politik ausgenützt, um die englische Unterstützung in dem Kampfe gegen Deutschland zu bekommen und tatsächlich hat das Interesse Englands an den deut- f*en Ostfestungen in letzter Zeit erheblich zugenom- tnen.
Das Interesse der französischen Politik an der deutsch-französischen Verständigung scheint ebenfalls in den letzten Wochen einem vorsichtigen diplomatischen Kalkül Platz gemacht zu haben. Man befürchtet wohl in Pari, — und dieser Gedanke lugt hin und wieder aus französischen Preßeerörterungen hervor, — daß ein Deutschland, dessen nationale Jntereßen, soweit sie das deutsch-französische Verhältnis berühren, erfüllt wären, sich von Frankreich abwenden und mit Frankreichs diplomatischen Gegnern schnelle Geschäfte machen könnte. Man denkt hier vor allem an eine Annäherung von Deutschland und Italien. So liegt es denn nabe, daß man die Forderungen, die Deutschland an Frankreich stellt, möglichst als Trümpfe in der Hand behalten will, um sich die deutsche Unterstützung für die französischen Aspirationen im übrigen Europa zu sichern und mit ihnen nach Belieben spielen zu können. Im offi- zielten Frankreich ist man gewiß überzeugt, daß *ie Gründe, die man für eine weitere Besetzung
Rheinlandes ins Feld führt, haltlos und innerlich widerspruchsvoll sind. Aber die Rheinlandbesetzung ist ein Moment im gesamten diplomatischen Kalkül Frankreichs. Sie hat für Frank- reich politische Bedeutung im Gesamtrahmen seiner europäischen Politik. Und deshalb wird man in Deutschland noch lange die Befreiung des Rheln- landes vergebens fordern, wenn es nicht der beut- sthen Politik gelingt, Segen t rümpfe in die Hand zu bekommen, die ein französisches Interesse an einer schnellen Rheinlandräumung wachrufen Was die französische Politik andauernd.behauptet, daß eg nämlich Deutschlands Aufgabe sei, Vorschläge zu machen, das ist das Angebot eines listigen Fuchses, auf das Deutschland nicht eingehen kann. Frankreich wird wahrscheinlich alle vorteilhaften Angebote, die Deutschland macht, mit freundlichem Lächeln entgegennehmen, ohne deshalb die geringste Miene für eine weitere Befreiung des Rheinlan- ’beg aufzusetzen. So scheint es uns denn, daß wir uns mit Geduld wappnen müßen und vor allem gut daran tun, die französischen Preßemanöver nicht besonders ernst zu nehmen. Ein Gegengewicht gegen diese Manöver liegt für Deutschland im Osten, in R u ß l a n b. Es ist allerdings sehr beklemmend, daß die rußische Politik augenblicklich an einer Art »on Derfolgungswahnsinn leidet, von dem sie offensichtlich durch eine psychische Rückwirkung ihrer Weltrevolutionsmanöver befallen worden ist. Sie sieht jetzt in ganz Europa nur noch Feinde. Daß jetzt ein wichtiger Teil der polnischen Nationaldemokraten, also der politischen Rechten in Polen die Parole ausgibt, ein Bündnis mit Rußland ge- Sn Deutschland zu finden, ist ein grotesker Witz dem Gewirre des europäischen diplomatischen Spiels. Allerdinas hat es leit Jahren bei den val-
Duesterberg, Abwehrmaßnabmen zu ergreifen. Danach soll der D rkebr der (Einheiten des Jung- deutschen Ordens mit denen drS SiahlhelmS ein • gestellt werden. Die O'denShiüner bleiben den SiahtbelmS-Beronstaliungen fern. Gegen Verlache Außenstehender, jungdeulicke Kundgebungen zu stören rode ,u iprengen, sollen en! sprechende Anoronungeu genoßen toeroen.___________________
3m Zeichen der Äbrüftuno.
Der Botschafter der Vereinigten Staaten in London, Houghton, ist von Newyork auf der „äquitania" nach London aboereift. Eine Washingtoner Korrespondent erklärt hierzu, daß Houg- thon mit der englischen Regierung die Frage der größeren Tragweite der Geschütze auf den amerikanischen Schlachtschiffen erörtern wolle, die der Tragweite der englischen und japanischen Geschütze angevaßt werden soll. Aus Kongreßkreisen verlautet, daß die gegenwärtige Tragweite der amerikanischen Geschütze 17 000 Bords betrage gegenüber 30 000 Yards' bei den G-schüKen auf ausländischen Schiffen derselben Klasse. Es wird auch daran erinnert, daß der Kongreß vor vier 3-ihren ein Gesetz betreffend die Herabsetzung der Tragweite der Geschütze angenommen hat und daß Großbritannien dagegen Einwendungen erhoben hatte, weil eine solche Maßregel dem Geiste des Washingtoner Abrüsttmgsabkommens zuwider- lanfe. Der damalige Staatssekretär Hughes habe dieser Ansicht bei gestimmt. Diese Mgßregel sei deshalb nicht zur Ausführung gelangt. Es werde nicht angenommen, daß Japan gegen den Vorschlag betreffend die Heraufsetzung der Tragweit- Einwendungen erheben werde.
nischen Nationaldemokraten eine Strömung gegeben, die in der Fortführung des französisch-rußi- schen Dündnißes, das während des Krieges bestanden hat, das Heil aller künftigen polnischen Außen- Politik sehen. Der Warschauer Außenminister Zaleski, der '(ein Vertrauen auf die Hilfe Eng- l a n d s setzt, soll von einer solchen Parole sehr wenig entzückt sein. „
* Iungdeukscher Orden gegen Stahlhelm Die Zeitung des Jungveuttchen Ordens teilt mit, daß sie sich gezwungen sieht, infolge der Angriffe des zweiten Bundesvorsttzendeu des Stahlhelms^ Oberstleutnants
Frankreich.
Doumer Senalspräsidenk.
Der sranzöiiiche Senat hat Senator Paul Doumer mit 238 St mmen zum Präsidenten gewählt.
Sitzung der Reparallonskommißion.
Die ReporationSlommtjfion bat in Baris eint Sitzung abgehalteu.
Kem Verzicht auf die Politik der Mitte
Dr. Lurtius gescheitert. — vor bedeutsamen Entscheidungen des Reichspräsidenten. — Gibt es Reichtagsauflösung und Wahlkampf?
von der Reichswehr.
(Eine Verordnung des Reichspräsidenten.
Die vom Reichspräsidenten von Hindenburg unter Gegenzeichnung des Reichswehrministers erlaßene Verordnung über ungesetzliche Einstellungen in die Reichswehr hat folgenden Wortlaut:
„Auf Grund des § 11 des Wehrgesetzes vom 23. März 1921 verordne ich:
1. Es ist v e rb o t e n:
a) jede Aufnahme Junger Leute, die nicht gesetzmäßig eingestellt sind, in die Kasernen, Ausbildungslager und in die Truppenteile, sei es auf Probe oder für frei werdende Stellen, fei es für einen Ausbildungslehrgang oder zur zeitweiligen Erhöhung der Mannschaftsbestände,
b) die Vorbereitung und Ausbildung von R e • ferne flämmen im allgemeinen sowie von Re« serveoffizieren im besonderen.
Sollten Heeresdienststellen Verfügungen erlassen haben, die dahin mißverstanden werden könnten, als ob Zeitfreiwillige, Ausbildungslehrgänge, Vorbereitung von Reservestämmen ufw. statthaft wären, so werden solche Verfügungen hiermit auf- gehoben.
2. Wegen des ordnungsgemäßen Ersatzes der jährlich 5 vom Hundert vorzeitig Entlaßenen wird ausdrücklich auf § 13,2 der Verordnung über die Ergänzung des Heeres (H. E. B.) vom 4. Juni 1921 hingewiesen, wo der Svielraum der vorzeitigen Entlassungen zwischen den einzelnen Divisionen und Kavalleriedivisionen genau geregelt ist." __________________________________
Die Berufung des Reickstags.
Der Aeltestenroi des Reichstages hat getagt und beschloßen, aus alle Fälle die erste Plenarsitzung nach den Weihnachtsserien am kommenden Mittwoch, dem 19. Januar, nachmittags abzuhalten, und zwar foll auf die Tagesordnung Entnahme der Erklärung der neuen Regierung gefetzt werden. Wenn aber bis dahin die Bildung einer neuen Negierung noch nicht voll-ooen lein tollte, so wird sich der Reick-taa am 19. Januar mit kleineren Vorlagen beschäftigen.
Botschafter Houghton hat nach einer Funkmeldung im letzten Augenblick seine Abreise nach Lon, don verschoben. Als Grund hierfür werden die Unstimmigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten einerseits und Mexiko und Nicaragua andererseits angesehen. ___________
Die Ostfestungen.
Günstiger Verlauf der Vesvrechungen über die Reslpunlte.
Aus Paris wird gemeldet: Bei der Unter» rednng, die General b. Paweliz und Geheimrat Forster mit General Beradier gehabt haben, haben, wie die Habasaaen'ur nunmehr fes stellt, beide deutsche Delegierten die schriftlich nieder gelegten Vor- schlöße überreicht. Diele Bottckläge würden von den allüer'en Mtlstärsachverständigen eingehend geprüft. Sie seien bereits jetzt fton bet Ansicht, daß sie e’ne Verhandlungsbasis bilden könnten.
HavaS berichtet ferner, waS den Pw'kt der Her», stellung von Kriegsmaterial betreff, so wiestn die für die Doilchaficrkonferenz aus Berlin ein getroffenen Nachrichten bgranf hin, dgß die Besprech» ungen günstig fortfcbreVen. Eine ergänzende Er» klärung wird bezüglich der Einzelpunkte noch erwartet.
„Daily Telegraph" über die Seffpunfte.
wtb. London, 15. Jan. (Eig. Funkm.) Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" schreibt, in britischen Kreisen werden die in Paris zur Verhandlung stehenden Restvunkte als sehr untergeordnete Fragen angesehen, die niemanden ernste Beunruhigung zur verursachen brauchten. Je eher sie erledigt würden, um fo besser sei es. ____________ «<•
Am Freitag hat Dr. Eurtius nach Schluß feiner Besprechung?» mit den Deutschnationalen das Ergebnis schrifllich niedergelegt und es in einem Schreiben dem Vorstand der Zentrumsfraktion mitgeteilt. Wie das WTB. aus dem Reichstage erfährt, ist der wesentliche Inhalt des Briefes, den Dr. Eurtius an Dr. v. Guerard geschrieben hat, folgender: Dr. Eurtius skizziert auf der Grundlage der Verhandlungen mit den Vertretern der Zentrumsfraktion auf der einen, der Deutschnationalen Dolkspartei auf der anderen Seite für diejenigen Fragen, die den Hauptgegenstand dieser Besprechungen bildeten, Richtlinien für ein Koalitionsprogramm. Er drückt dann die Annahme aus, Laß die Deutsch- nationale Volkspartei diese Richtlinien als eine geeignete Grundlage für Verhandlungen über ein vollständiges Programm akzeptieren würde und bittet die Zentrumsfraktion ihrerseits zu erklären, ob sie bereit fei, diese Grundlage für weitere Verhandlungen anzunehmen. Schließlich erklärt Dr. Eurtius zur Beseitigung eines Mißverständnißes, daß er zunächst nur die Aufgabe übernommen habe, sachliche Verhandlungen zum Zwecke der Bildung einer Koalition zu führen, und daß noch seiner Auffassung bei sachlicher Einigung das Zustandekommen der geplanten neuen Regierung nicht an der Frage der Führung scheitern dürfe. Das habe er dem Herrn Reichspräsidenten gegenüber auch bereits vor der Entgegennahme des Auftrages wiederholt betont
Die Zentrumsfraktion des Reichstages hat sich in kurzer Sitzung mit dem Schreiben des Dr. Eurtius beschäftigt. Sie nahm den Bericht ihrer Unterhändler entgegen und beschloß einmütig, ohne daß sich eine Aussprache als nötig erwies, folgendes Schreiben an den Herrn Minister Dr. Eurtius sofort zu übermitteln:
Sehr verehrter Herr Mlnkster! '
Ich bestätige dankend den Empfang Ihres Schrei, den» t>om 14. Januar diese» Jahre». Dasselbe ist De- aenstand eingehender Würdigung gewesen. Aus diesem Schreiben haben wir ersehen, daß Sie, Herr Minister lediglich die Ausgabe übernommen haben, sachliche Verhandlungen zum Zwecke der Herbeiführung einer Äoatltion zu führen.
Unter den gegenwärtigen politischen Derhältniisen unterliegt die von Ihnen beabsichtigte Regierungsbildung für uns nach wie vor den schweren Bedenken, die Ihnen von unseren Beauftragten und auch namens unsere» Parteivorsihenden Dr. Marx dem Herrn Nelchsoußenminister 6tre|emann bargelegt worden sind. Wir halten den Versuch der Bildung einer Regierung der Mitte nach Lage der Dinge für den gegebenen Weg zur Beilegung der Krise.
Wir können uns daher von einer Fortführung Ihrer Derhandlimgen auf der Grundlage Ihres Schreibens vom 14. Januar fein en Erfolg versprechen. Ein Eingehen aus die in diesem Schreiben mitgeteilten Richt- linien dürfte sich danach erübrigen.
Mit verbindlicher Empfehlung und ausgezeichneter Hochachtung
! gez. v. DuSrard, «' " ' WW stellv. Vorsitzender der Zentrumsfraktion des Reichstags.
Der Brief wurde alsbald dem Reichswirtschafts- minister Eurtius und dem Reichspräsidenten mitgeteilt. Der Reschspräsident empfing alsbald Herrn Eurtius, der ihm seinen Auftrag zurück g a b mit der Erklärung, daß der von ihm angestrebte Gedanke der Bildung einer gesamt- bürgerlichen Negierung gescheitert sei.
Was nun kommen wird, läßt sich nicht voraussagen. Das Zentrum empfiehlt, wie aus seinem Schreiben an Eurtius zu ersehen ist, wieder die Bildung einer Regierung der Mitte. Eine solche Regierung hätte, da sie eine Minderheitsregierung ist, die Unterstützung von den beiden Flügelparteien nötig um existieren und regieren zu können. Die Deutschnationalen haben aber wiederholt mit aller Deutlichkeit erklärt, daß sie eine Minderheitsregierung nicht tolerieren würden. Don dieser Seite könnte also eine Regierung der Mitte keine Unterstützung erwarten. Und was die Sozialdemokratie angeht, fo hängt die Frage der Mehrheits- bildung nach dieser Seite von der Bereitschaft der Sozialdemokratie und der De u t s ch e n Dolkspartei ab. Nach beiden Richtungen hin sind aber die größten Zweifel am Platze. Die Sozialdemokratie müßte sich zu Konzessionen bereit finden, die für sie sehr vieles bedeuten, z. B. zum Verzicht auf die Beseitigung Geßlers. Die Deutsche Dolkspartei ihrerseits müßte sich mit einem Zusammengehen mit der Sozialdemokratie bereitfin« den, was sie bisher entschieden abgelehnt hat.
lieber die Möglichkeiten, die jetzt bestehen, wird viel gesprochen. Nach der einen Version wird wie- der Eurtius, nach einer anderen der Zentrumsabgeordnete Stegerwald oder ein anderer Po- litiker des Zentrums mit der Bildung eines neuen Kabinetts betraut werden. Dieses Kabinett soll
bann nach parlamentarischer Meinung ein ausae- I sprochenes Kampfkabinett fein, das heißt, I es soll aus den Kreisen der Mitte zusammengesetzt I werden und ohne vorher mit den beiden groben I Flüqelparteien, den Deutschnationalen und den Sozialdemokraten, Fühlung zu nehmen, vor den Reichstag treten. Da es ausgeschlosstn ist. daß ein I solches Kabinett eine parlamentarische Mehrheit I finden würde, soll das Kabinett sofort vom Reichspräsidenten die Ermächtigung zur.I Reichstags au flösung erhalten. Anderseits ist es aber möglich, daß der nächste Kanzlerkandidat doch noch versuchen wird, eine Mehrheitsregierung zusammen zu bekommen.
Blatterftimmen.
Die Entscheidung liegt nunmehr beim Reichspräsidenten — bas ist das Gemeinsame an den Kommentaren ber Blätter zu der Entwicklung des Freitags. Daß die Mission Dr. Eurtius', was seine Person anbetrifft, als erledigt gelten kann, kommt in fast allen Blättern zum Ausdruck, während der Erfolg seiner Bemühungen in sachlicher Beziehung von den Blättern verschieden beurteilt wirb.
Die . Deutsche Tageszeitung" schreibt, baß der Auftrag des Reichspräsidenten an Dr. Eurtius, eine sachliche Einigung zwischen der Rechten und der Mitte herbeizuführen, nicht gescheitert sei. Die Deutschnationalen haben niemals ihre Bereitschaft zur Mitarbeit nach sachlicher Einigung verweigert. Sie werden es auch unter anderer Führung nicht tun, wenn die Basis die gleiche bleibt
Der „Lokalanzeiger", der die Betrauung eines Zentrumsmannes für das Wahrscheinliche hält, nennt die Namen Dr. Stegerwald, Dr. Brauns und v. Guerard.
Die „Töaliche Rundschau" glaubt über die Haltung ber Deutschen Dolkspartei sagen zu können: Man kann sicker sein, daß ber am Montag zusam- mentretenbe Fraktlonsvorstanb ben Gedanken der Großen Koalition ebenso a b l e h n en wird wie den Gedanken einer Koalition der Mitte mit Bindung nach links. Sollte in dem weiteren Verlauf der Ereignisse bas Bestreben zutage treten, die Entwicklung nach dieser Richtung zu drängen, fo würde die Reickstagsfraktion ber D.D.P. ihr sicher Widerstand leisten.
Die „Germania" kommentiert ben Brief bes Fraktionsvorstondes bes Zentrums, in welchem ein Kabinett der Mitte als das erstrebenswerte Ziel bezeichnet wird, babin. baß sich ein solches Kabinett, bas eine Minberheitt 1 gierung sein würbe, nur an die Sozialbemokratie anlehnen könnte, ba bie Deutschnationalen mehrfach zum Ausdruck gebracht hätten, daß sie ein Mittelkabinett nicht tolerieren würden.
Die demokratischen Blätter haften es nach Lage ber Dinge für das Gegebene, daß ein Mitglied der Zent rum--partei mit der Kabinettsbildung beauftragt wird. Nach Ansicht des „B. T." könne ein solches Kabinett unter Zentrumsführung nur ein Minderheitskabinett fein, bas Anlehnung nach links suchen müsse.
Der „Vorwärts äußert sich: Selbst wenn sich bk Sozialbemokratie zur Unterstützung eines solchen Kabinetts entschließen könnte, müßte sie biefen Entschluß von ber Zusammensetzung biefes Kabinetts und von seinem Programm abhängig machen.
Empfang bei Hindenburg.
DDZ. Berlin, 15. Jan. (Eig. Funkm.) Der Reichspräsident empfing heute vormittag um halb 11 Uhr als ersten Parteiführer den stellvertretenden Vorsitzenden der Zentrumsfraktion, von Guerard. Aus diesem Grunde vertagte der Hauptausschuß des Reichstages, in dem Abg. v. Guerard ein wichtiges Referat halten sollte, den Beginn seiner Sitzung um eine Stunde. Dor dem Abgeordneten von Guerard hatte der Reichspräsident noch ben Abgeorbneten Grafen Westarp von ben Deutschnationalen zu einer kurzen Besprechung empfangen.
DDZ. Berlin. 15. Jan. (Eig. Funkm.) Wie bas Nachrichten-Büro bes Vereins deutscher Zeitungsverleger aus parlamentarischen Kreisen hört, hält man die Mission bes Ministers Dr. Eurtius für endgültig erlebigt. Eine rasche Lösung ber Krise erscheint zweifelhaft, ba bie Zentrumsfraktion des Reichstags erst am Dienstag wieder zusarn- mentreten wird und auch ein Teil der Parteisüh- rer, z. B. der Abg. Stegerwald, der in den parlamentarischen Kombinationen zur Regierungsbildung eine Rolle spielt, über Sonntag 33er» linverlassen hat.
• B(e Pullmanngefellschaff und die Neger. Aus .. Z‘i I Washington wird gemeldet: Der Ausschuß für In- Voß sie | nenhandel hat eine Entscheidung der Pullmannge- sellschaft gutgeheißen, nach der keine Sabrtarten an Neger verkauft werden bürfezä v