Anzeiger für die Sfatif und den Kreis Fulda. AmkNches Krefsblafk.
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Freitag. 14. Januar 1927
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Die Zentrumdfroktivn des Reichstages faßte am Mittwoch abend nach 2V2 stündiger Beratung einstimmig folgenden Beschluß: „Die Zen- trnmsfraktion des Reichstages teilt die schweren außen- und innenpolitischen Bedenken des, Frak- twnsvorstandes hinsichtlich der von Dr. Curtius beabsichtigten Kabinettsbildung. Der Vorstand wird beauftragt, diese Bedenken Herrn Dr. Curt.us und dem Vorsitzenden der Deutschen Dolks^artei, Herrn Dr. Stresemann. erneut darzulegen.
* Bolschewistische Soldaten griffen mit Ma» schinenuewevrseuer uns Hansgranaten eine rumänische G-enzwache an, wobei ein rumänischer Soloat getötet wurde.
Vs!sckkwisten-5urcht in Amerika.
Aus Washington wird gemeldet: Senator Borah gab das Dokument bekannt, das vom Staatsekretär Kellogg dem Senatsguschuß für auswär- ige Angelegenheiten unterbreitet wurde. Sn ine» em Dokument lagt Kellogg:
Latein-Amerika und Mexiko sind als Basis für die kommunistische Tätigkeit geoen die Vereinigten Staaten ins Auge ge» aßt. Die bolschewistischen Führer haben als eine hrer grundlegenden Aufaaben die Zerstörung tiefen aufgestellt, was sie den amerikanischen Imperialismus nennen als Voraussetzung für eine erfolgreiche Ausbreitung der internationalen revolutionären Bewegung in der Welt. Kellogg gibt in dem Dokument weiter einen Auszug aus dem Bericht, den Tschitscherin auf der tirilten Taaung des Zen- tral-Erek"tiv-Ausschusses der Sowjetunion im März 1925 erstattete. In d'elem Bericht heißt es: Die Sowietrevublik ist in Mexiko äußerst volkstümlich. Meriko 'ibt uns daher eine sehr bequeme politische Basis in Amerika, von wo aus wir weitere Verbindungen anknüpjen können.
Nicaragua.
Aus San Diege (Kalifornien) wird nemelbet: ES geben ein Unter eekrenzer von 10000 Tonnen, ein Rettun-sdampfer, sowie vier Torpedoboolszer- ftörer nach N caragua ab*
Präsident Coolidge hat den Kongreß um die Bewilligung eines Ergänzungskredites von 4495000 Dollar zum Ankauf von Flugzeugen und Flugzeugrüstungen ersucht.
auswärts 0,80 JU! »ei Wiederholungen s PoMcheckknnlo Rrantturt a. 911 91t <051
China und England.
Aus London wird gemeldet: Die hauptsächlich utr Erörternng der Lage in China einberufene Kabinet'ssitzung dauerte etwas über Ihr Stunden. Chamberlain erstatiete Bericht über die Lage in Hankau rind anderen britischen Niederlassungen in Chino. Wie verlau'et, ist keine „eintchneidende Entscheidung" üoer die zu befolgende Politik gelt offen worden.
LinUhrung von Iuschlagszöllen in China.
wtb Peking. 13. Jan. (Gig. Funkm.) Die Regierung hat drei Verordnungen erlassen, durch bie ein allgemeiner Zuschlagszoll von 2l4 Prozent und für Luxusartikel ein weiterer Zuschlag von 5 Prozent einaesührt wird. Außerdem wird ausoespro- chen, daß China vom 1. Januar 1929 an Zoklaut o n o<m i e erlangt». Der Minister des Auswärtigen ist angewiesen worden, bei den Mächten auf eine baldige Wiedereröffnung der Zollkonferenz hinzuwirken. In einer weiteren Verordnung wird bestimmt, daß der Ertrag der Zuschlagszölle erstens zur Ablösung der Likins-Zölle, 2 für Zwecke der inneren und äußeren Anleihen und 3. zum Ausbau der Verwaltung verwendet werden soll.
Dr. Stresemann hat das Wort.
Wie denkt der Außenminister über die Negierung8sah:gkeit der Deutsch- nationalen Volkspartei?
Vie Bewegung auf Java.
Aus Batavia wird gemeldet: Die Polizei b ang in eine im Sem-rang abgehobene Versammlung der chinesischen Arbei'eiprrtei Konz Tong ein, an bet auch 12 Mitglieder der chinesiichen Kuoiningt- schun teilnahmen. Aufgeiunvene Schrift tücke beweisen, daß die genannte Bereinigung mit.Kanton in Verb ndung steht.
ilnzeigen-Pretse Kleinzell, «Colonel» lokal 0,15 XJt. \ auSwärtS 0.20 Jut R e 11 a m e j e 11 e: lokal 0,60 JUL , s
Wirtschaftliche Uampfbeweaungen.
— Massenkündlgungen in bet Lausitzer Tnchlnbuflr'e. (Eig. Funkm.) Nachdem die Gewerkschaften auf bie Aufforderung der Arbeitgeber, die Kampfmaßnahmen zurückzuzlehen nicht geantmortet haben, wird nunmehr am Donnerstag, den 13. Ian., der Kündigungsbeschl iß des Albeitgeberverbandes der Lausitzer Tuchindustrie mit Wirkung vom 20. Januar in Kraft gesetzt. Von der Kündiauna werden ca. 30000 Arbeiter betroffen.
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Der (Eingangs mitgetellte Beschluß der Zen- trumsfraktion des Reichstags findet in den Blättern je nach der Parteirichtung eine verschiedenartige Auslegung. Während in den demokratischen und sozialdemokratischen Blättern von einem Scheitern der Mission Dr. Curtius' gesprochen wird, seh-n die deutschnatlonalen, und volksparteilichen Blätter keine unbedingte Absage an Dr. Curtius. In der „Deutschen Tageszeitung" heißt es: Einstweilen kann man den Zentrumsbeschluß nur dahin auslegen, daß mit ihm die Tür zu V-r. Handlungen nicht zugeschlagen werden soll. Auch schwere und schwerste Bedenken brauchen in keiner Weise unüberwindbare Bedenken zu sein.
Die „D.A.Z." schreibt: Wenn im Reichstage bereits davon gesprochen wurde, daß Dr. Curtius' Mission erledigt sei, so erscheint das zum mindesten verfrüht.
Die „Tägl Rundschau" erklärt allerdings, daß ein von Zentrumsseite zu dem Fraktionsbeschluß gegebener Kommentar darauf hinauslaufe, daß damit die Abneigung des, Zentrums ausgesprochen fein soll, sich an ernsthaften Verhandlungen über die Bildung einer gesamtbürgerlichen Regierung zu L beteiligen.
Die „Germania" schließt ihre Betrachtung mit fe den Worten: Was den äußeren Fortgang der Ver- Handlungen anbetrisft, so nimmt man in pariamen- Utorischen Kreisen an, daß Curtius feinen Auftrag Hdem Reichspräsidenten zurückgeben wird.
' Die „Voss. Ztg." versieht ihren Kommentar mit | bet Uedetschrift: „Curtius ist gescheitert"-
Der Empfang der Wirtschafts- verbänüe.
Wtf> Berlin, 13. Ian. (E'g. Funkm.) Die «st erfaßen hat de- Empfang der Vertreter der Spitzen- verbände der Wirschaft bei Dr. C irtinS, der ur‘ sprünglich bis zur weiteren Klärung der pariamen- lori eben Lage verschoben werben sollte, gegen Mit tag ftattgefunben. Die Vertreter bet Wirtschaft unterrichieien Dr. Curtius übet ihre Anschauungen zu den aktuellen Problemen der Wirtschaft-- und Sozialpolitik.
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D.D.Z. Bersin, 13. Jan. (Eig. Funkm.) Der Beschluß der Zentrums-Fraktion des Reichstages zu den Bemühungen des Ministers Dr. Curtius, eine Bürgerblock-Regierung zu bilden, ist, wie das Nachrichten-Büro des Vereines deutscher Zeitungs- verleget hört, am Donnerstag vormittag offiziell vom Fraktionsvorstand dem Minister übermittelt worden. Dieser hat daraufhin Besprechungen mit den Führern der Zentrums-Fraktton und denen bet deutschnationalen Reichstags-Fraktion für ben Nachmittag in Aus- sicht genommen. Um 10 Uhr vormittags fand im Reichswirtschastsministerium der Empfang der In- dustrievertreter durch Dr. Curtius statt, zu dem bet Reichsverbanb, bet deutsche Industrie- und Handelstag und die Vereinigung der deutschen Ar- beitgeberverbänbe bereits vorgestern eingelaben worden war. Zu dieser rein informatorischen Besprechung erschienen u. a. bie Herren Frohwein, Krämer und Geheimrat Kastl vom Reichsverbanb, Minister a. D. Hamm vom Jndusttie- unb Handelstag, Präsident Braunweiler unb Geheimrat Borsig von der Arbeitgebervereinigung.
Parlamentsbeginn.
Die erste Sitzung des L a n b t a g e s hn neuen Jahr findet ebenso wie die des Reichstages in der nächsten Woche statt, und zwar bereits am 18. Januar, nachmittags um 1 Uhr. Es sollen lediglich kleinere Vorlagen beraten werden.
Ae Mnörau der englische» HMMMungen
Von G. Buetz-Dessau.
Erschein! sechsmal wöchentlich Wocheiibeilage; .Illustrierte Beilage' unb „Buchenvlätter" Rotationsdruck und Verlag der Fulda« Artiendrnckerei in Fulda Fernsprech« Nr. 9. :* Monatlicher Bezugspreis 1.50 Ml •*.
Man hat vor dem Kriege die Behauptung auf- gestellt, daß England kein europä i s ch e r Staat mehr sei, weil 85 Prozent seiner politischen wie wirtschaftlichen Beziehungen au ß e r h a l b Europas lägen. Heute beginnt das britische Reich eine engere Fühlungnahme mit Europa zu suchen. Der Grund hierfür beruht auf der Veränderung der englischen Handelsbeziehungen. Sein Absatzgebiet ist in den eigenen Dominien verkleinert, auch in sonstigen Ueberseeländern durch die wechselnde Konkurrenz Amerikas sowie durch polttische Konflikte rote in China behindert worden. Die eng- lische Ausfuhr flieg in der Zeit von 1860 bis 1913 nach Afrika von 6,68 auf 49,74 Millionen Pfund, nach Asien von 27,48 auf 132,47, nach Amerika von 42,21 auf 113,34. Don 1913 bis 1924 ging nun der Prozentualanteil an der Gesamtausfuhr nach Asien von 25,2 auf 19,7 zurück, von Afrika von 9,8 auf 8,7 nach Südamerika von 9,5 auf 6,6. Der Handel mit Europa wuchs von 34,6 auf 42 Prozent. Im Gegensatz hierzu steigerte sich die Einfuhr aus Asien von 9,6 auf 12 Prozent, aus Afrika von 4,9 auf 75 Prozent und aus Mittelamerika von 1,2 auf 2.4 Prozent. England hatte vor dem Kriege auf Grund feiner Preissätze von 1913 einen Einfuh- rungsüberschuß in Höhe von 1339 Millionen Pfund, im Jahre 1923 237,3, 1924 347.9. Die Verhältnisse haben sich in der Folgezeit sehr verschüchtert, betrug doch im ersten Vierteljahr 1925 die Ausfuhr nach Europa 34,7 und 1926 nur 30.2 Prozent. Der Anteil der Fremdländer betrug 1914 29,2 unb 1926 26,6 Prozent Die Einfuhr aus Europa stellte sich 1925 auf 30,9 und 1926 auf 33,7 Prozent. Die
Die pariser verhandlmitzen.
wtb. Varis. 13 Jan. (Eig. Funkm.) „Petit Parisien" berichtet, daß der deutsche General von Pawelsz und Geheimrat Forster a-fftern auch mit alliierten, d. h. nichtfranzösischen Mitgliedern des Internationalen Militärkomitees Fühlung nber ne Restvnnkte der Entwaffnung-Frage g-ngmm-n rotten unb daß diese mit ihren französischen ScfWen mehrere Besprechungen über die t-chnnmen Einzelheiten der zur Erörterung stth-nden Fxaaen ge- nflogen hätten. Allgemein könne man erklären, daß der Meinungsaustausch fei* "est-rn prazt - f e r werde unb einen gewissen Fortsw > gegenüber den früheren Unterredungen bedeute.
Keine Verlänaeruna d"s dm'ttch-srauzösischen Kandelsvro-itoriums.
In einigen Berliner T>oraeuwtuna»n mürbe öemetbet, baß *a« dentlch-frgnzösifche Handelsnro vifori"m vorn 5 Aug"st v. I. rrit-
sei. Don zuständiger Stelle tntrb dem WTB. n u geteilt, daß diese M-ld"na nW mtrifft.
^mdenburg und die völkischen.
Die Neujahrsaussprache, die der Reicl'svräsibent v. Hindenburg a's Antwort auf d''e Ausb'hrnng n des Dövstlichen Nuntius gehörten bat unb tn - er sich aukerortientuch ,tort für den Getianken Der Völkerversöhnnna unb der Gememsmastsattdeit d Völker ausge'nrochen hat, tst von ton 'e
größter Un zufriede" tzeit ausgenommen werden Co schreibt unter anderem das Völkische Tagebla.t.
„Man könnte ja die politische Un^"nh<-tt des bebeutenoen Soltiaten, tite große Vertrauens. seliakeit seines reinen Snnetn mildernd m Rechnung setzen, aber wie man sich auch dreht unb wendet: es bleibt ein Rest, der peinlich ist, zu tragen .
Krasser kann die Enttäuschung, die diese Steife über Hindenburg und seine politische Haltung empfinden, wohl kaum ausgedrückt werden.
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Der frühere verantwortliche Schriftleiter bet Bundeszeitschrift des Stahlhelms, Heinz,öet schon im 2btauft letzten Jahres wegen Verdachtes der Mordanstiftuna bei einem Femeanschtag der Organisation Consul verhaftet worden war, ist, einer Blättermeldung zufolge, in gleicher Sache neuetbtnej^ oetböftet unb betn ©erlebt in Gießen zugeführt worden.
* „Slaaklicher Ehrensold". Um bildende Künstler, Dichter und Musiker von allgemein anerkannter Bedeutung, die sich — bei vorgerücktem Lebensalter — in schwieriger wirtschaftlicher Lage befinden, vor äußerster Not zu schützen und ihnen damtt ein Zeichen des Dankes und der Anerkennung des Staates zu geben, hat. wie der Amtltche Preußische Pressedienst mitteilt, der pr-ußische Kultus- Minister Dr. Becker mit Unterstütz /' der Finanz verwattuna den „ft gütlichen Ehre n s o l d geschaffen. Der Ehrenlold wird zunächst lahrltch 2000 Mark für die Person betragen und auf Grund von Vorschlägen der Preußischen Akademie der Künste vom Kultu^n-tv'ster an eine beschränkte Anzahl hervorragender Künstter, Dichter und Musiker verliehen werden.
* Der Direktor der Maderheilsseksion beim Vö'ckerbundsrat. Sir Eric Colban, empfing Vertreter bet beuilchen Minberheit tn Polnisch - Ober schlelie n.
• Die „Emden" vor Kapstadt. Der deutsche Kreuzer „Emden" ist als erstes dem iches Kriegsschiff nach dem Kriege in der Hgfenbuchk von Kavstadt vor Anker gegangen. Die von der „Emden" abgegeben m Saluischüsse wurden von einem englischen Schiffe erwidert.
Das „D.T." findet es ebenso wie mehrere an- iiere Blätter äußerst bemerkenswert, daß der Zentrumsfraktionsvorstand beauftragt worden ist, die Bedenken des Zentrums neben Dr. Curtius auch Dr. Stresemann als Vorsitzenden der Deutschen Dolkspartei, und nicht etwa dem Fraktionsvorsitzenden Dr. Scholz, darzulegen.
Der Sozialdemokratische Pressedienst glaubt den Zentrumsbeschluß dahin auslegen zu können, daß die Gesamtfraktion des Zentrums ebenso wie ihr Vorstand als die beste Lösung der Krise die Bildung einer Regierung von der Dolkspartei bis zur Sozialdemokratie, oder wenigstens mit deren Unterstützung, betrachtet.
Der Empfang der Gewerkschaftsführer der verschiedenen Richtungen, der am Mittwoch stattfand, hat Dr. Curtius keinen Gewinn gebracht. Die Führer betonten mit Nachdruck, daß die Besprechungen keinen politischen Charakter haben, da die politische Seite der Regierungsbildung den par- lamentarischen Instanzen zufällt. Die Vertreter der Gewerkschaften trugen die Forderungen vor, die sie an die künftige Reichsregierung stellen. Wie das Wolff-Büro aus gewerkschaftlichen Kreisen er« fährt, wurde besonders die Notwendigkeit einer tragbaren Zwischenlösung der Arbeitszeitfrage unterstrichen, da das Arbeitsschutzgesetz bis zu seiner Verwirklichung noch längere Zeit in Anspruch nehmen dürfte. Die bisher bekanntgewordenen Absichten der Parteien über die Aenderung der Arbeitszeitverordnung gehen den Gewerkschaften nicht weit genug. Vor allem verlangen sie die dreigeteilte Schicht in der Schwerindustrie. Der Kanzler empfing später auch Vertreter des R e t chs- landbundes, derjenigen Wirtschaftsorganisation im deutschnationalen Lager, der wegen Erlangung hoher Agrarzölle die Beteiligung der Deutschnationalen an der Regierung auf das schärfste verlangt.
Die Uebermittlrmg der Zentrums» Bedenken,
wtb. Bersin, 13. Jan. (Eig. Funkm.) Wie das Wolffbüro aus parlamentarischen Kreisen erfährt, sind die Besprechungen, in denen der Vorstand der Zentrumsfraktion dem gestrigen Beschluß entsprechend Herrn Dr. Curtius und Herrn Dr. Strese- mann die Bedenken der Fraktion gegen die von Dr. Curtius beabsichtigte Regierungsbildung übermittelt, erst für den heutigen Spätnachmittag vorgesehen. In parlamentarischen Kreisen nimmt man an, daß die informatorischen Besprechungen mit den Vertretern der Spitzenverbände der W i r t« schäft verschoben werden, bis sich nach dem Empfang des Vorstandes der Zentrumsfraktion ein Bild der weiteren Entwicklung gewinnen läßt.
Einfuhr aus dem britischen Reiche steigerten fi^ von 28,72 auf 32,1 gegen 25,1 Prozent im Jahr«. 1914. Infolge dieser Veränderungen betrug der Einfuhrüberschuß für Zoll nur bis Oktober 1925 298,8 Millionen Pfund Sterling und 1926 377,4 Millionen Pfund Sterling. Die Aufnahme Eng- lands in die europäische Wirtschaftspolitik, wie sie die Industrieverhandlungen mit Deutschland, die Konventionen mit Frankreich und Belgien, die Be- mühungen um Rußland darstellen ist umso bemerkenswerter, weil England das europäische Geschäft seit Jahren längst vernachlässigte.
Amerikas Ausfuhr nach England bezifferte sich 1925 auf 1031,877 Millionen Pfund bei einer englischen Einfuhr nach den Staaten in Hohe von 412,316 Millionen Pfund, wies also einen lieber- schuß von 601,561 Millionen Pfund auf. Man vergegenwärtige sich die englische Kriegsschuldenlast gegenüber Amerika, und man wird begreifen, daß England bedacht sein mußte, seine Zinsendeckung durch Handelsüberschüsse in den Staaten erreichen 3u können. Wie notwendig Englands Handel einer Belebung, die man nun in Europa sucht, bedarf, kennzeichnen auch die folgenden Ziffern. Der Pro- zentsatz der Einfuhr aus England betrug für 1913 unb 1923 in Amerika 16 30 gegen 10.66, in Italien 16,23 aeaen 12,73, gegenüber Südafrika vollzog sich ein Rückgang von 56,04 für Ceylon von 28,96 auf 21,96, für Kanada von 31.36 auf 17,21, Neuseeland von 61,08 auf 51,93, Argentinien von 31,06 auf 22,63 unb Chile von 30,02 auf 23.09. Bei diesen Zahlen ist zu beachten, daß es sich um frühere Monopolgebiete des englischen Handels handelt.
Der Beschluß zwingt die Deuttche Dokksvartei zum Sprechen, und nimmt Dr. Stresemann, ihrem Führer, die Möglichkeit, sich weiterhin hinter das Zentrum zu verkriechen. Heraus, Herr Außenminister: fetzt geht es um die Fortsetzung der bisherigen Außen- und Jnnenvolttik. Denkt Sstese- mamk anders Über die Deutschnationalen als das Zentrum? Das soll er uns sagen.
Wir haben mehrfach auseinandergefetzt, daß die Deutschnationalen in keiner Weise eine sichere Gewähr bieten für eine klare, rielbewußte Fortführung unserer bisherigen Außen- und Innenpolitik. Die Deutschnationalen haben den Locarno-Pakt abge- lebnt, und sehen in seiner Annahme durch den Reichstag heute noch einen ungültigen Akt. Nichts, aber auch rein garnichts, kann als Beweis angeführt werden, daß sich der Sinn der Deutsch- nationalen in eine andere Dahn gewandt hatte: sie bekämpfen beute noch genau so wie in der vergangenen Zeit die von Zentrumskanzlern ein» geleitete und von Stresemann fortgeführte Verständigungspolitik, was sie auch von jeher, getan haben. Oder betrachten wir die wirtschaftspolitischen und sozialpolitischen Gesetzesvorlagen, welche in den nächsten Monaten imbebinot erledigt werden müssen. Man muß an diele Probleme nur erinnern, um sich sofort darüber im Klaren zu sein, daß mit den Deutschnationalen keiner dieser Entwürfe zu einem den Erfordernissen der Zeit entsprechenden Abschluß gebracht werden kann.
.Man. hat daher im Zentrum, die Ueberzeummg, daß das von Dr. Curtius ersttebte Kabinett zur Lösung all dieser Fragen nicht geeignet sein dürfte. Da man auf der rechten Seite die kühle Schulter des Zentrums fühlt, wird natürlich sofort von .^Quertreibereien" des Zentrums gefaselt. Wir wollen es uns an dieser Stelle versagen, zu untersuchen, wo die Quertreiber sitzen. Wir könnten darüber manche interessante Einzelheit berichten. Wer will gegen das Zentrum einen Vorwurf erheben, weil es zur Bewältigung der bereits vorhandenen und der noch kommenden Schwierigkeiten ein Kabinett für richttg ansieht, das sich auf das Zusammenwirken der Parteien von bet Sozialdemokratie bis zu der Deutschen Volkspartei stützen kann. Hätte man die Gewähr dafür, daß die Deutschnationalen in Bezug auf die Regelung der innerpoli- tkschen Fragen demokratisch und sozial zu handeln betest seien, und wäre eine Sicherheit gegeben, daß die Herren um den Grafen Westarp die Verständigungspolitik nach außen nicht zu sabotieren versuchten: läge überhaupt nur ein Beweis dafür vor, daß die Deutschnat'onalen die Weimarer Verfassung ohne Umschweife als^Staats- Edgesetz anerkennen, dann wäre die Situation t geklärt. Da aber die Dinge ganz anders rt, so ist das Zentrum verpflichtet, in Ruhe jeden einzelnen Punkt zu prüfen, dann aber auch mit Entschlossenheit den als notwendig anerkannten Schritt zu tun. Von heute auf morgen wird das voraussichtlich nicht geschehen. Die Kabinettsftage braucht nicht zur Auflösung des Reichstags zu führen, denn nur die in Frage stehenden Parteien, welche für ein dem Staatswohl zur Zeit am besten geeigneten Kabinett in Bestacht kommen, nicht durch überspannte Sonderwünsche dem Zentrum letzten Endes eine Entscheidung aufdrängen, zu der es nur schweren Herzens kommen könnte.
Fuldaer Zeitung