Beilage zur Fuldaer Zeitung
Für unsere Frauenwelt.
Ur. 9 vom 13. Januar 1927.
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Frauentreue.
Von Henriette Brey.
mrm Sehnen und mein Denken geht tuf deinen Wegen Tag für Tag und meine Hände falten sich für dich bei >edem Stundenschlag.
Und wenn — mir selber unbewußt — die Träne mir im Auge steht: Sie ist ein stumm Gebet für dich, das zag um deine Heimkehr fleht.
Doch kommt ein Bries von deiner Hand in meine bange Einsamkeit, dann fühl ich deiner Nähe Trost und bin bei dir trotz Raum und Zeit.
„Die alle Jungfer".
Von Dina Ern st berge r>Neunkirchen am Brand.
Unter hundert Menschen stnd e, sicher fünfunbneun- zig, die bei den Worten »Alte Jungfer" nicht» andere» vor sich sehen al» eine verkümmerte Frauenfigur mit lieblosen Augen und tückischem Wesen, oder auch ein alte» Mädchen, mit dem unvermeidlichen Strickstrumps im altertümlichen Pompadour, da» von einem Kaffee- klatsch zum andern eilt, überall Neuigkeiten zusammentragend ober Klatschereien stiftend. Ein einziger aber nur vielleicht von all den hundert Menschen glaubt es bestimmt, daß es Mädchen gibt, die wirklich aus freier Wahl bas Leben einer verachteten alten Jungfer bem einer verehrten Frau vorzogen. Die Mehrzahl ber M--»schen sind ber Meinung: jede will einen Mann! Und Me keinen hat, ist eben übrig geblieben: sitzen geblieben — keiner hat sie gewollt. Das ist wohl un- wahr, daß ein junges Mädchen einfach keinen Mann bekommen kann. Jede findet einen, wenn sie es anstrebt, und wenn sie ihre Ansprüche nach ihren Ber» hältnissen stellt. Manche Mädchen sind eben nie jung. Man zählt sie schon in der frühesten Jugend zu den allen Jungfern, weil das Leben sie frühzeitig dazu gemacht bat Sie haben dem Ernst des Lebens schon bald ms Auge fchatien müssen ober ihr Auge war durch Charakterveranlagung darauf eingestellt, in die Tiefen des Lebens zu schauen. Das ist die Gattung von alten Jungfern, von denen hier gesprochen werden soll. Das Wort „Alte Jungfer" drückt jedem Weibe in den Augen der Menschen den Stempel der Minderwertigkeit auf, und alle kleinen Fehler, die man sonst bei Frauen über- sieht, erscheinen an solchen allen Mädchen riesengroß Was sonst an den Frauen gefällt, erscheint uns bei dieser Klasse von Frauen lächerlich. Und doch kennen wir alle solche verachtete Wesen, die das Glück ganzer Familien sind. Wir alle werden uns noch aus unserer Jugendzeit einer Figur erinnern, die stets aus irgend einer Versenkung erschien, wenn es zu helfen gab; die niemals eine Bitte abschlug, wenn sie erfüllt werden konnte» und deren Aufopferung wir als etwas ganz selbstverständliches Hinnahmen. Es war dies die ledige Tante!
Sie erschien immer da ,wo zu helfen war. Und Ihre Hilfe war sehr bequem, denn sie wollte für sich nichts, alle» aber für die anderen. Um ein gutes Wort gab sie alles gern hin, war stets bereit, helfend einztigreifen, wenn man sie rief. Alle Zurücksetzung und Spott war vergesien in der Stunde des Unglücks. Solche Wesen sind für die Mitwelt von großem Segen. Es gibt ja auch vertrauenswürdige weibliche Hilfen, denen man um Lohn den Haushalt ruhig anvertrauen kann, aber ledige Tanten sind da» nicht. Es ist ein gewaltiger Un- terfchied zwischen der Hilfe, die die Liebe spendet, und der, Lie um Geld geschieht. Und dann: Eine gekaufte Hilfe geht und läßt uns einfach in der Not sitz-n, wenn ihr der Lebenston in unserem Hause nicht gefüllt. Bei der Tante ist dies ausgeschlossen. Sie hält aus, selbst wenn wir sie gekränkt haben sollten und zieht sich höchstens schnell zurück, sobald sie entbehrlich scheint, um nicht eher wieder auf der Bildfläche zu erscheinen, bis abermals ein dringender Hilferuf an sie ergeht.
E» ist nicht zu leugnen, es gibt alte Mädchen genug, die sich unglücklich fühlen, ehelo» zu fein, und die des- halb alle jene Chara ktereigenschaf ten besitzen, die ein verbitterte» Leben mit sich bringt Es sind aber sicher solch« verbitterte Wesen unter den Frauen ebensoviel zu finden, wie unter den Mädchen. Man würde auch über diese Frauen weniger lieblos urteilen, wenn man oft den Kreuzweg kennte, den sie gehen mußten, bis das Gemüt so verdüstert und Hari und lieblos wurde. Meist fehlte es solchen Frauen unb Mädchen an Lebenssonne Allzuviel Bdjattcn zeitigt herbe Früchte. Es ist darum doppelt beklagenswert, wenn gerade Sonnenkinder, die auf der Hähe de» Lebens standen, fo gefühllos über ihre hn Schatten stehenden Mikschwestern urteilen. Oft würde ein liebes Wort die Eisrinde zum Schmelzen bringen, die bas Leben um bas Herz solcher Frauen gelegt hat und die oerschlosiene Seele würde sich öffnen und Liebe spenden unb der Mitwelt nutzbringend werden. Wir vergehen uns schwer an bem Gesetz der Nächstenliebe, wenn wir über verbitterte ftrcnienherien so scharf urteilen und über sie nichts zu sagen misten wie Spott. Ost waren es Kreuzträgerinnen ein Leben lang. Ein Dom Lebenskamps schwer getroffenes Menschenherz muß uns aber heilig sein, gleichviel ob es das Herz einer alten Jungfer ober einer verbitterten Gattin wäre E» gibt allerdings noch eine andere Sorte von alten Jungfern, über die weniger Schöne» gesagt werden kann. Es stnd jene, die da» Urteil der Menge fo, wie es zu Beginn des Aufsatzes geschildert wurde, verdienen. Der Lebensinhalt solcher Frauen war aber dann sicher schon in der Jugendzeit die Jagd nach dem Manne, verbunden mit Einbildung und Ueberschätzung der eigenen körperlichen unb materiellen Verhältnisse Gefallsucht, Putzsucht, Neigung zu Tändeleien, das sind Eigenschasten. die wir bei ber Jugenb natürlich finden, anekelnd jedoch wirken diese Eigenschasten beim alternden Mädchen.
Jede Berufskiaffe hat krankhafte Auswüchse, die häufig den ganzen Stand in üblen Ruf bringen. So ist ts auch bei der Klasse der alten Jungfern Doch nicht von solchen alten Mädchen sollte hier gesprochen werden. Diese Zeilen sollen nur den selbstlosen gellen, Urnen, die, obwohl im Schatten stehend, dennoch fegen- I «endende Früchte geben, denen, die Sonne und Men
schenliebe tn sich tragen und von ihrem Uebersluß auch noch anderen geben. Es stnd jene alten Mädchen, denen das Schicksal schon in der Jugend ihren Beruf Borge- zeichnet hat, es sind die selbstlosen, lebigen Tanten.
Kinderstube.
Von Julius Weisweiler.
Wir sagen von einem Menschen, der sich in den ver- schiedenen Lebenslagen nicht zu benehmen weiß, ber sich Verstöße gegen die gute Lebensart zu schulden kommen läßt, ihm fehle die Kinderstube. Damit meinen wir die häusliche Erziehung durch die Eltern. Doch in den wenig- ft en Fällen denken wir daran, daß diese Erziehung der Eltern auch ihre Grenzen hat. Denn die Seele des Kindes ist schon geprägte Form, und die Kunst der Charakterbildung vermag niemals Neues zu schaffen, sondern stets nur Geschaffenes zu entfalten. Nicht nur körperliche und geistige, sondern auch seelisch« Anlagen ber Eltern und Ahnen werden auf Kinder unb Enkel vererbt. Denn Unedles und Unschönes im Charakter des Kindes «rnporrankt, fo Ist die Schuld nicht immer der Erziehung des Elternhauses deizurnesten, sondern liegt oft begründet in bem geheimnisvollen Weben ber Vergangenheit in bet Seele bes Kindes.
Doch in der Kinderstube fordert auch die Gegenwart ihre Recht«, der Zeitgeist geht nicht an ihr vorüber. Seiner Macht vermögen wir unsere Kinder nicht zu entzie- hen. Wir können sie nicht ganz von der Mitwelt ab- schließen. Mannigfache Faktoren, besonders fremde Kinder, sind unsere einflußreichsten Miterzieher. Darum muffen wir auf den U rn g a n g unserer Kinder ein sorg- faltiges Auge haben, nicht nur in der ersten Kinderzeit, da sie noch ganz im Elternhaus ihre Erziehung genießen, sondern auch in der folgenden Schulzeit, wo die bestell- ten Lehrer die Erziehungstätigkeit unter schwierigeren Verhältnissen fortsetzen.
Der Zeitgeist bringt nicht nur Schlechtes an unsere Kinder heran. Wir Alten sind zu sehr gewöhnt, an dem Neuen kein gutes Haar zu lassen. Wir dürfen nicht glauben, daß unsere eigne Jugendzeit gleichsam das Paradies der Menschheit gewesen sei. Wir müssen auch bas Neue, sofern es wirklich gut ist, anerkennen. Wir dürfen die Jugend nicht in unsere Anschauungen hinein« zwängen wollen, wir dürfen nicht verlangen, daß sie mit uns all werden. Doch auch das andere Extrem wäre falsch. Um jeden Preis mit der Zeit gehen, ist auch vom Uebel, ist Zeichen von Charakterschwäche unb Gedanken- losigkeit. Wir dürfen uns und damit die unserer Er- ziehrmg Anvertrauten nicht von jeder Zeitströmung treiben lasten, sondern sollen mit kühlem Verstände urteilen unb mögen.
Denn gerade im letzten Jahrzehnt hat sich der Zeit- geist auch mst verderblichem Einfluß in ber Kinderstube breitgemacht. Die Kriegs- unb Nachkriegsjahre mit ihren Wirrungen und Irrungen sind auch an unserer Jugend nicht spurlos vorübergegangen. Das materielle, eg o i ft i f d) e Denken, bas falsche Freiheitsgefühl, bas auch in sonst folibe Bürgerfamilien eindrang, ist vielfach auf di« Kinder übergegangen. Familienbewußtsein, Nächstenliebe und Gemeinsinn haben auch bei ihnen einen schweren Stoß erlitten. Inflation, Bermögens- zerfall, Abbau, Wohnungsnot sind auch der Charakter- bilbtmg ber Kinder von höchstem Unheil gewesen. Wir merken es tagtäglich, daß sie nicht mehr fo leicht zu erziehen sind wie früher, und manchmal sind wir Erzieher, Eltern wie Lehrer» da allzuschnell mll Strafen bei der Hand.
Das muß anders werden. Wir msisten lernen, die Unvollkommenheiten und Fehler unserer Jugend als das zu nehm n, was sie sind: als Krankheitserscheinungen, die sich am ganzen Bolfsförper zeigen. Bei ihnen hilft nicht fo sehr Rächen und Strafen als Heilen unb Borbeugen. Der Familie, bem Elternhause gebührt hier die Führung. In ber Kinderstube muß die Erziehung roirf- säm einsetzen. Die Eltern müssen wieder mehr Z e i' haben für ihre Kinder, und solange ihnen noch irgendeine Frei- und Feierstunde zur Berfügung steht, haben die Kinder daraus bas größte Anrecht. Denn in ber Äinberftube wird der Grund gelegt zu Menschen mit wahrem Familiensinn, mit warmem Herzen für die Mitmenschen, mit treuer Gesinnung für den Staat.
Die Tapete im kaum.
Bon Wolfgang Greise r-Elbing.
Alle Wohnräum« sprechen zu uns durch ihre Lage, durch ihre Maße, durch ihre Lichtbegrenzung, durch ihre Ausstattung unb den dadurch gegebenen mehr ober minder großen Grab ihrer Behaglichkeit. Von ganz wesentlicher Bedeutung hierfür ist aber auch ber Eindruck ber Tapete im Raum.
Heutigentags ist bie Tapete nicht mehr Ornament, sie ist unmittelbar Wcmbbekleibung geworben. Damit hat sie sich selbst klare Grenzen gezogen, sowohl in Farbe unb Form, wie in Muster unb Güte. Sie ist stilstcherer geworben, als sie es noch vor zehn Jahren war, unb wenn man heute neben bie Genre-Tapete unb ihre Einfachheit bie Gediegenheit kunstvoller farbechter unb ab- waschbarer Tekkoiopeten treten läßt, so bevorzugt heute schon selbst ber Einfachste di« in vornehm gewählter Farbgebung ungemein gefälligen Künstlertapeten Die Wohnungsnot der Gegenwart nötigt ja dazu, die Beengtheit ber Raummaße durch eine lebendig wirksame Wand- bekleidung zu heben und so zu gestalten, daß selbst der bescheidenste Raum dabei an Lebhaftigkeit und Freudig- kell gewinnt. Vor allen Dingen hilft die Farbwirkung in einem Wohnraum mehr al» vieles andere mit ein Zimmer größer und höher, wärmer unb lichter, gemütlicher und anheimelnder auszugestallen und die uns täglich umgebenden Räume als dem Begriffe bes Langweilig- werden» zu lösen. Darum soll man bei Tapeten zu- nächst tn der Farbwahl ein ganz besonderes Verständnis zeigen und z. B- für ein nach Norden gelegenes Zimmer nicht auch noch im Wandschmuck falte Farben wählen. Hier gehören Sonnenfarben hinein. Ein zur- tes Gold, ein sattes Drange, ein Gelbbraun, wie es gegerbtes Leder zeigt, schließlich auch Rosa, nie aber Blau ober fröstelndes Grau. Für Zimmer, die nach bem Osten liegen, kann man tn ber Farbwahl ber Tapete schon unbedingt etwa» freier fein, weil dort bie
Sonne Zutritt hat unb ihre Lichtflut an sich die Farben zu heben vermag. In Dfträumen ist eine Grauschattierung und Tauberblau beliebt Auch eine Farbwahl in Elfenbein ober rot-braun-dunkel ist für Dfträume unbedingt zu empfehlen In südlich unb westlich gelegene Zimmer, die oft ein Zuviel ber goldenen Sonnenstrahlen empfangen, gehören kühlende Farben. Dann wählt man gern ein olives Grün, Tiefblau, Lavendel, Rost, arbe. Weißgold-Tapeten erhellen ungemein. Sie wer- en bis zu 80 Prozent an Licht zurück, wogegen gelbe etwa 60, smaragdgrüne 20, dunkelbraune aber nur 10 Prozent ihrer Cidjtaufnahme zurückgeben. Kleine Räume erscheinen größer, wenn sie in Blau gehalten sind. Rot, Rostbraun und alle Mischfarben erwecken das Gefühl des Behaglichen unb geben das Empfinden einer besonderen Wärme im Kaum. Dieser Eindruck steigert sich in einem niederen Zimmer durch gewählte Groß- musterung, während das Kleinmuster den großen Raum einengt.
Ein Mädchenzimmer verlangt freudige, helle, klare Farben, indes ein Schlafzimmer in Muster und Farbe stiller unb ruhiger gehalten fein soll. Schwere unb Wucht wird ein ausgesprochenes Herren- unb Studierzimmer verraten müssen, aber in den Speiferaum kann Gold unb Sonne fluten.
Das Muster mobemer Tapeten ist neuerbinas falt burchweg bas Großmuster geworden. Es belebt und gliedert den Raum und bewahrt vor bem Eindruck ber Ueberlaftung, die bas Kleinmuster oft Hervorrufen kann. So wird die Tapete zur Ausdruckskraft bes Besitzers des Baumes. Wie man leben will, so umgibt man sich mit ihr: mit Ruhe unb Stille, mit Freude und Licht, mit Phantasie ober Sonne, mit Engigkeit ober Weitbehagen, mit Feingefühl ober mit Aufdringlichkeit. Alles bringt die Tapete zum Ausdruck, sie ist ber treueste Begleiter von Raum zu Raum, durch Häuslichkeit unb Heim.
Aus dem Frauenleben.
f. weiblich« Leuchtturmwächler. Die amerikanische Regierung hat zwei Schwestern Austin als Wärterinnen bes Leuchtturms von Los Angeles in Kalifornien angestellt. Beide Schwestern sind verhältnismäßig junge Mäbchen.
f. 160 Millionen Work Mitgift in Farm eines Schecks über 40 Millionen Dollar erhielt Mistreß Marjorie Baume an ihrem Hochzeitstage ausgehänbigt. Die Dame ist bie Tochter des Präsidenten ber Singer-Nähmaschi- nengesellschaft in Philadelphia, Commodore Frederic G Bourne. Dieser starb schon vor mehreren Jahren unb hatte letztwillig bie Höhe ber Mitgift bestimmt, ohne daß seine Tochter davon Kenntnis hatte. Noch mehr „freudig überrascht" als bie Braut war ber Bräutigam, ein simpler Versicherungsagent Alexander Thayer.
Frau und Wirtschaft.
f. Die Frage der Anschaffungskredife behandelt Margarete Caemmerer im ersten Januarheft der „Prakttschen Berlinerin". Soll man Kredite in Anspruch nehmen, sich also in Schulden stürzen, ober barf man erst an Neuanlchafsungen denken, wenn man bas Geld dafür erspart hat unb zahlen kann. Die Berfafierin kommt zu bem Ergebnis, baß man sich zu einem Einkauf unter» Inanspruchnahme bes Kredits nur entschließen sollte, wenn bie Neuanschaffung ein wirklich bringendes Erfordernis zur Weiterexistenz barftetlt. „Der junge Arzt, der sich «icirichtete, die ausgebildete Stenotypistin, die eine Schreibmaschine braucht, die Schneiderin, die ohne eine Nähmaschine nicht existieren kann," dürsten im Notfall Kredit ausnehmen, weil er in diesem Fall nichts anderes bedeutet als ein Sparen im voraus. Die Anschaffung von Luxuswaren dagegen sollte feines» falls mit geborgtem Geld erfolgen.
Frau und Mode.
f. Der Bubenkopf wird weiblicher! Nachdem ber Bubenkopf der Herrenfrisur immer ähnlicher wurde unb sich zuletzt bis zu einer emanzipierten Form verstieg, die eine direkte Nachahmung des männlichen Haarschnittes war, scheint sich jetzt eine neue, ber Frau gemäßere Tendenz durchsetzen zu wollen. Wie die maßgebende Autorität auf diesem Gebiet, der Weltmeister im Damen- frisieren, Hermann Böste, im ersten Januarheft der „M o b e n ro e 11" ausführt, ist bie Neigung zum Herrenschnitt vollkommen im Abflauen begriffen unb gilt in keiner Weise mehr als vornehm. Statt besten wird für biefe Saison eine Haartracht zur großen Mode erklärt, die am Lido bei Venedig entstand, und sich an die Werke bes großen italienischen Malers Botticelli anlehnt. Der neue Bubenfopf, ber bementsprechenb „Botticelli- schnitt" heißt, wirb wieder sehr viel länger getragen, teils halb über dem Ohr teils ganz über bem Ohr unb gestattet eine einfachere Wellensührung für den Tag unb eine lockigere Frisur für ben Abend.
Die Frau als Erzieherin.
f. Hilfe bei Schularbeiten muß mit Vorsicht geleistet werden Unter Umständen kann die Hilfe jede Selbständigkeit untergraben, was für das ganze spätere Leben von großem Nachtell ist Das Beaufsichtigen des Kindes bei seinen Arbeiten ist andererseits aber insofern wichtig, wenn aus die richtige Haltung beim Lesen unb Schreiben unb auf die Ordnung unb Sauberkeit ge- sehen wirb. Auch die Zeitdauer muß tontroliert werben.
Die Frau als Hausarzt.
f. Magenasthmalstch« Anfälle stellen sich nur nach Doraufgegangener Nahrungsaufnahme ein. In ber Magengegend ist bie Ausgetriebenheit unb Empfindlichkeit vorhanden, auch sonst sind Zeichen gestörter Magen- unb Darmtätigkeit zu beobachten. Di« Pattenten sind durch bte große Atemnot gewöhnlich hinfällig. Bei der Behandlung der Krankhett muß die Grundursache de» Uebel» bekämpft werden. Tut der Verdauungsapparat erst wieder seine Schuldigkeit, bann schwinden auch Me Anfälle. Hier ist besonders Milchdiät am Platze. Auch
leicht«, gemischte Kost wird gut vertragen. Aber die Mahlzeiten dürfen nie zu reichlich sein und müssen langsam eingenommen werden. Zweckmäckig ist es, vor der Mahlzeit eine kalbe Stunde zu ruhen; ein Schläfchen nach Tisch ist nicht zu empfehlen, da es leicht zu Atem- beschwerden Beronlassung gibt. Fettreiche, stark saure, gewürzte und zuckerhaltige Speisen, sowie Nahrungsmittel, die zu Gasentwicklung im Darm führen, wüsten vermieden werden. Ob es angezeigt ist, die Kur durch Arzneimittel zu unterstützen, bas muß ber Arzt von Fall zu Fall bestimmen.
Die Frau in der Küche.
f. Gespickte Kalbskeule. Eine gut abgehangene, von den oberen Knochen befreite Keule wird geklopft, gehäutet unb mit Speck reihenweise recht schön gespickt. Gehörig gesalzen, wirb sie in die Pfanne mit steigender Butter gelegt. Die Keule wird fleißig begossen und etwa, wenn sie nicht schwerer als Ich Kilo ist. 1% Stunde in geschlossener Röhre gebraten. An die Sauce gießt man zuletzt einen großen Tassenkops gequirlter, saurer Sahne, mit ber sie ausgekocht unb bie Keule be- schöpft wird.
f. ftaroftenpüree (französisch). Man nimmt je nach Bedarf 1 ober 2 Bund junge Mohrrüben, schneidet sie in Streifen und tut sie in eine Kasserolle mit Butter, einer Zwiebel, etwas Petersilie und ein wenig Sellerie in Scheiben. Das Ganze mutz etwas kochen, bann gibt man 200 Gramm zerschnittenen Speck daran. Wenn alles weich gekocht ist, wird es durch ein Sieb getrieben und mit einem Rande gebratener Zuckerkartoffeln garniert. Sellerie unb Rüben können ebenso gekocht rott- ber
praktische Winke.
Arisches vrol leichter zu schneiden.
Frisches Brot ist für viele geradezu eine Delikateste. Leider hat es den Nachteil, daß es sich recht schwer schneiden läßt, ja es ist mitunter einfach ein Ding der Unmöglichkeit, eine manierliche Scheibe davon herunterzuschnei» den. Fingerdicke Brotscheiben sind nicht jedermanns Geschmack.
Will man nun auch bei frischem Brot dünne Brotscheiben Herstellen, so tauche man das Brotmesser vor dem Beginn des Schneidens in kochend heißes Wasser unb gehe bann mutig an bie Arbeit, sie wird von Erfolg gekrönt fein. -
wie soll t ebenes Geschirr behandelt werden)
Feuersestes, irdenes Küchenaefchirr hat die Industrie in solcher Vielseitigkeit auf den Markt gebracht, daß wm Kochen, Braten und Backen allerorten die passenden Gefäße zu kaufen sind. Die in irdenem Geschirr hergerich- teten Speisen zeichnen sich durch erhöhten Wohlgefchmack aus. Das Fleisch wird erheblich saftiger als in eisernen ober Emailletöpfen. Aber nicht nur das sogenannt« feuerfefte Geschirr ist im Gebrauch denkbar, auch die gewöhnlichen, unter dem Namen Brmzlauer Geschirr bekannten Töpfe unb Schüsseln gewöhnen sich bei richtigem sachgemäßen Gebrauch an recht beträchtliche Hitze unb können bie heiße Herdplatte gar bald gut vertragen. Hat man neues irdenes Geschirr, so füllt man die einzelnen Stücke mit kaltem Wasser an unb läßt sie während 48 Stunden in einem großen Behälter, der gleichfalls mit kaltem Wasser gefüllt ist, stehen. Noch Bertaut dieser Zeit werden bie irdenen Gefäß« mit neuem kalten Wasser gefüllt und während drei Tagen am Rande einer heißen Herdplatte ausgestellt. Hier gewöhnen sie sich langsam an Hitze. Das derart präparierte, irdene Geschirr muß stets offen, auf Brettern stehend, aufbewahrt werden, nicht in festschließende Schränke kommen. Irdenes Geschirr reinigt sich sehr leicht und hält die darin besinbl'chen Speisen lange Zeit warn».
ein praktischer Bezug für bas Aermel-Plättbrett.
Hier sind es wieder die Strumpflängen, Me ein ganz treffliches Material für den Bezug bes Aermelbrettes a6- geben. Natürlich wählt man hier nur weiße Längen aus, da bunte beim Plätten färben könnten. Es genügt als Bezug für bas kleine Plättbrettchen eine einzige Strumpflänge, Me, nachdem ber Fuß abgeschnitten wurde, oben mit der Maschine rund abgenäht wird, jetzt streift man bie Strumpflänge über bas Brett unb steckt sie passend in der Weite ab. Was zu reichlich an Stoss vorhanden ist, wird wiederum abgenäht. Am Ende des gewonnenen Bezuges näht man zwei Bänder an, mit denen man den Bezug feftbinbet. Die Naht muh an ben unteren Teil bes Brettes kommen, darf auch nicht ganz zusammengenäht werden, da das Brett eine Stütze hat. Das probiert man beim Anpasten der Strumpflänge aus. Man bereite zwei Bezüge» damit man abwechseln kann.
Helleres.
Einfache Lösung. Frau (gegen 12 Uhr von ber Nach- barin kommend): „Ach Gott, es ist schon so spät, was soll ich denn noch kochen?" — Mann: „Jetzt essen wir halt den Kohl, ben bu ber Frau Itmbermann oorge- schwatzt hast!" (Heimat unb Welt.)
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Grund znm vertrauen. Dame (beim Einkauf eines Mantels aus Kanin): „Glauben Sie, daß ich den Mantel bei Regenwetter tragen kann, ohne ihn zu ruinieren?" — Berfäufer: „Aber sicherlich, gnädige Frau, Sie haben doch gewiß noch kein Kaninchen mit einem Regenschirm gesehen!" (Heimat unb Wett.)
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