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FuldaerZertung

Nr.S.

Anzeiger für die Skadk und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage: .^Illustrierte Beilage" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. S. x Monatlicher Bezugspreis 1.50 Mk x

Mittwoch, 12. Januar 1927.

Anzeigen-Preis«: Kletnzeil« (Colonel) total 0,18 XX, auswärts 0,20 XX Reklamezetle: total 0,60 XX, auswärts 0,80 XX Bei Wiederholungen Rabatt, x Postscheckkonto Frankfurt a. M Nr 4051 x

Zahrg.54

Diskontherabsetzung der Reichsbank. wieder Normalsatz der Vorkriegszeit.

mW. Berlin, 11. Ja«. (Eig. Junta.) Die sieichsbank hat den Wechseldiskont von > auf 5 Proz. herabgesetzt. Der Lombard- «insfuß ist unverändert geblieben.

In der Zentralausschuß-Sitzung serReichsbank gab der Präsident Dr. Schacht )en Beschluß des Reichsbankdirektoriums bekannt, -en Zinssatz für Wechsel-Diskontierungen von 6 Prozent auf 5 Prozent zu ermäßigen, während der Lombardsatz auf 7 belassen bleibe. In der ersten Januarwoche sind die R ü ck fl ü s s e an die Reichs- )ank sehr erheblich gewesen, obgleich die Bean- pruchnahme der Reichsbank am Jahres-Ultimo bei peitern nicht so sehr wie im November durch kurz­fristigen Lombard, sondern durch Diskontierung -on Wechseln erfolgte, deren Berfallzeit zum weit- xus größten Teil über den 7. Januar hinaus liegt, gleichzeitig haben sich die Zinssätze am offe­nen Geldmarkt, die während eines großen Teiles »es Dezembers eine gewisse Versteifung aufwiesen, in verhältnismäßig raschem Tempo gesenkt. Das fteichsbank-Direktonum glaubt deshalb, die seit Ängerer Zeit erörterte und im Rahmen der ganzen ßinssenkungs-Politik der Reichsbank liegenden viskontberabfetzung nunmehr vornehmen zu tön­ten. Mit dem Satze von 5 Prozent wird ein

Niveau erreicht, das auch vom Standvunkt der Friedenszeit aus gesehen, als ein verhält­nismäßig normales angesehen werden kann. Die weitere Entwicklung innerhalb der deutschen Wirt­schaft wird lehren, ob wir dieses Niveau bereits jetzt als ein für längere Zeit gesichertes ansehen können. Z>i# Herabsetzung des Diskonts auf 5 Pro­zent wird, wie wir annehmen, die Anziehungs­kraft des deutschen Marktes für ausländische Gelder kurzfristigen Charakters h e r a b m i n - d e r n. Wir werden damit noch mehr als bisher auf die Notwendigkeit heimischer Kapitalbil­dung und zweckmäßiger heimischen Kavitalnutzung verweisen. Wir erwarten, daß die private Kre­ditgewährung der von uns vorgenommenen Zins­herabsetzung in vollem Umfang folgen wird.

Eine Herabsetzung des Lombard-Zins- f u ß e s haben wir nicht vorgenommen. Maß­gebend für diese Entscheidung war insbesondere der Umstand, daß die erhebliche und dazu noch sehr stoßweise eintretende Inanspruchnahme der Reichsbank im Lombard an den Stichtagen des Zahlungsverkehrs, wie sie in den letzten Monaten » zu beobachten war, weder im Sinne der Noten- deckungs-Borschriften des Bankgesetzes, noch int Sinne einer gleichmäßigen Liquidität der Privat­banken liegt.

A. kuM versucht die MinettMlW.

Verhandlungen über einen Vürgerblock.

Die angekündigte Betrauung des Herrn Dr. Curtius mit der Kabinettsbildung durch ' den Reichspräsidenten ist am Montag abend erfolgt. Der Reichspräsident hat Dr. Curtius empfangen und ihm den Auftrag zur Neubildung erteilt. Dr. Curtius nahm den Auftrag entgegen, behielt sich aber seine endgültige Entschließung über die Kabinettsbildung vor, bis sich das Ergebnis der sofort einzuleitenden Verhandlungen mit den Fraktionen des Reichstages übersehen läßt.

Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius teilte dem Vertreter des Wolff-Büros über die Ausführung des vom Reichspräsidenten 'entgegengenommenen Auftrags zur Regierungsbildung Folgendes mit:

Der Plan der G r o ß e n K o a l i t i o n, der vor dem Sturz des Kabinetts Marx die parlamenta­rische Lage beherrschte, ist durch die bekannten Er­eignisse zerschlagen worden. .Stetigkeit der deutschen Politik fegt aber nach wie vor die Bil­dung einer Mehrheitsregierung voraus. Infolgedessen müssen Brücken nach rechts ge­schlagen werden. Graf Westarp hat vor der Ab­stimmung über das sozialdemokratische Mißtrau­ensvotum erklärt, daß es sich bei der Stellung­nahme der Deutschnationalen Volksvartei nicht um die Regierungspolirik handele, sondern lediglich um die Klärung der parlamentarischen Mehrheitsver- hältnisse. Es gilt, auf den Grundlagen der bis­herigen Politik der Mitte Gemeinschaftsarbeit mit der Deutschnationalen Volkspartei, zu ermöglichen. Die Presseveräffentlichungen in der letzten Zeit dürfen vor diesem Plane nicht abschrecken. Die Lö­sung der Krise erfordert Verhandlungen der verantwortlichen Instanzen der Parteien. Solche Verhandlungen von der Mitte n a ch r e ch t s zu führen, bin ich von dem Herrn Reichspräsiden­ten beauftragt. Wenn sie gelingen, werden sie nicht zu einemB e s i tz b ü r g e r b l o ck" führen. Auch eine Regierung mit den Deutschnationalen wird das Gemeinwohl und die sozialen Notwendigkeiten schützen, wie die bisherige Regierung der Mitte.

Ein Vertreter derTägl. Rundschau" hatte mit Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius eine Unter« .redung, in der Dr. Curtius u. a. sagte: Seit mei­ner ersten Besprechung bei dem Herrn Reichspräsi­denten habe ich an dem Plan festgehalten, eine Regierung von den Demokraten bis zu den Deutschnationalen zu ermöglichen. Ich habe keinerlei Verhandlungen nach links singe- leitet oder geführt. Abweichende Gerüchte, die darüber sogar unter Nennung einer angeblichen Ministerliste in die Presse gebangt sind, entbehren der Grundlage. Ebenso unbegründet sind die Mut­maßungen und Aeußerungen über angebliche Mei­nungsverschiedenheiten zwischen mir und dem Fraktionsvorstand der Deutschen Volkspartei. In dessen Sitzung, an der Reichsaußenminister Dr. Stresemann und ich teilnahmen, wurde eine ein­mütige Auffassung der Lage festgestellt. Der Frak­tionsvorstand hat alle bisherigen Schritte, die sein Vorsitzender und ich unternommen haben, einmü­tig gebilligt.

Die Deutschnationalen.

. Zu der Beauftragung des ReichswirtschaftS- Nnnisters Dr. Curtius mit der Kabinettsbildung er» Pärt die Deutschnationale Volk spart ei, - Ach der Auftrag, durch Verhandlungen mit der TEutschnationalen Volkspartei eine feste Regie- zu bilden, den einzigen Wug tottfe, auf dem die Lösung der Regierungskrise Möglich fei. Denn Zentrum liege nunmehr die Entscheidung.

v DieTägliche Rundschau" teilt übrigens noch daß es sich bei der angeblichen Besprechung sMschen Dr. Scholz und Dr. Curtius auf Ar einen und dem Grafen Westarp und dem Lindeine r-W ildau auf der andern Seite um eine zufällige Begegnung gehan­

delt habe, bei der Verhandlungen irgendwelcher Art über die Regierungsbildung nicht geführt wor­den seien.

Uebet die Haltung des Zentrums gibt dieGermania" keinen Aufschluß, sondern weist darauf hin, daß, wie angekündigt, der Fraktions­vorstand des Zentrums am Dienstag zu den. Ver­suche des Reichswirtschastsmmisters Dr. Curtius Stellung nehmen werde.

Die 5oziaidemokraten.

Der Parteiausschuß der Sozialdemokrat. Partei faßte, wie das DDZ-Bürv erfährt, nach dem Be­richt des Reichstagspräsidenten Löbe und nach längerer Aussprache folgende Entschließung:

Der Parteiausschuß billigt die Haltung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, die bereit war, mit dem auf dem Boden der republikanischen Verfassung stehenden Parteien in die Reichsregie­rung einzutreten. Der Parteiausschuß hält mich heute an dieser Bereitschaft fest. Er wird da­bei zunächst geleitet von der Erwägung, daß die Politik von Genf und Thoiry fortgeführt wer­den muß mit dem nächsten Ziele der Befrei­ung der Rheinlande. Er betont des weite­ren die Notwendigkeit gerade nn Interesse der Reichswehr selbst, ihre Entpolstisierung, ins­besondere durch vollständige Unterbindung aller Zu­sammenhänge mit den vaterländischen und Wehr- verbänden durchznführen, und die unter Verzicht auf jede selbständige Politik auf ihre militäri­schen Aufgaben zu beschränken. Der Partei­ausschuß weist auf die dringende Notwendigkeit hin die Sozialpolitik fortzuführen und insbesondere durch schleunige Verabschiedung des Arbeitszeitnotgesetzes den Achtstundentag zu sichern.

Curtius verhandelt.

wtb. Berlin, 11. Jan. (Eig. Funkm.) Wie das Wolff-Büro aus parlamentarischen Kreisen erfährt, hat Dr. Curtius seine Besprechungen über die Bildung der Regierung heute vormittag nn Reichs­tag begonnen. Er wird im Laufe des Tages die Fraktions-Führer nacheinander empfangen. Diese Besprechungen dürften den ganzen Tag in Anspruch nehmen, zumal die Unterredung mit dem Führer der Zentrums-Fraktion vereinbart ist. Der Fraktions-Vorstand des Zentrums wird erst im An­schluß an diese Unterredung gegen Abend zu- sammentreten.

wtb. Bersin, 11. Ian. (Eig. Funkm.) Wie im Reichstag verlautet, empfing Dr. Curtius gegen halb 12 Uhr die Führer der Wirtschaftlichen Vereinigung, Abg. Dr. Drewitz und Professor B r e d t. Im Anschluß daran hat Herr Dr. Cur­tius den Grafen Westarp zu sich gebeten. Die Besprechung mit Herrn Dr. G u e r a r d (Ztr.) findet um 4 Uhr statt. Nach Informationen aus parlamentarischen Kreisen handelt es sich bei die­ser ersten Fühlungnahme vorerst nur um die Fest­stellung der Anschauung der Fraktionsführer nach der faktischen und programmatischen Seite hin. Personenfragen können in diesem Stadium der Unterhaltungen natürlich noch nicht erörtert wer­den.

Die Reichswehr.

Der Demokratische Zeitungsdienst sagt zum Schlüsse einer Betrachtung über die Reichswehr: Die Freunde der Rechtsregierung rechnen allem Anschein nach mit dem Verbleiben des Reichswehr­ministers Dr. G e ß l e r in einer Rechtsregie­rung. Das heißt die Rechnung ohne G- l e r gemacht .zu haben. Es darf daran erinnert werden, daß der Reichswehrminister schon bei der Bildung des zweiten Kabinetts Luther vor einem Jahr erklärt hat, daß er an einer Rechtsregierung nicht teitnehmen würde. Soweit wir unterrichtet sind, hat sich an dieser Auffassung des Reichswehr­ministers Geßler nichts geändert.* "

Papst und völkerver!öhnung.

Aus Rom wird uns von einer kirchenpolitischen Seite geschrieben:

Es ist kein Zufall, daß in diesem Jahre die päpstlichen Nuntien, einerseits in Berlin, anderer­seits in Paris, die Neujahrsansprachen hielten und dabei Ausführungen machten, die auf den gleichen Ton gestimmt waren: Versöhnung und Verständi­gung der Völker. Die sehr freimütigen, aber auch sehr herzlichen Worte der Vertreter des Heiligen Vaters in Deutschland und in Frankreich sind auf Grund einer ausdrücklichen Vereinbarung gespro­chen worden, die sich ihrerseits wieder auf die Ini­tiative des Heiligen Vaters selbst stützen.

Daraus ergibt sich die ganz außerordentliche Wichtigkeit dieser Aktien. Der Heilige Vater selbst hat durch den Mund feiner Vertreter dem Gedan­ken der Zusammenarbeit der Völker Ausdruck ver­liehen. Nichts liegt dem Heiligen Vater naher am Herzen, als die Versöhnung und Verständigung der Völker und nichts hat mehr im Laufe der letzten Jahre feine Aufmerksamkeit und seine Fürsorge er­fahren, als das große Problem der deutsch- französischen Versöhnung und Ver­ständigung. Darum hat der Heilige Vater alle Schritte begrüßt, die zu der Politik von Genf, ins­besondere zu dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund führten. Wenn auch der Vatikan als solcher, wie es ihm gebührt, dem Völ­kerbund nicht angehört, ihm auch nicht angehören kann, es sei denn in absoluter und unbestrittener Führung und in ebenso unbestrittenem Vorsitz, so ist es andererseits doch absolut richtig, daß der Hei­lige Vater durch die päpstliche Divlomatie eine Po­litik einschlagen ließ, und eifrigst auch persönlich tatkräftig fördert, die dem Ziele der Versöhnung der Völker dient und die ganz darauf abgestimmt ist, die Zwistigkeiten und den politischen Sjtreit un­ter den Mächten auszutilgen. In vatikanischen Kreisen mißt man deshalb dieser Politik und ihren jetzigen Auswirkungen in Paris wie in Berlin eine ganz außerordentliche Bedeutung bei. Und man zeigt sich auch über das Echo, insbesondere über die eindrucksvolle Antwort des Reichspräsidenten H i ri­tz e n b u r g sehr befriedigt. Man ist in der päpst­lichen Diplomatie überzeugt von dem ehrlichen Friedenswillen des deutschen Volkes und auch von der ehrlichen und zielbewußten Arbeit des deutschen Parlaments und der deutschen Oeffentlichkeit und insbesondere auch des deutschen Reichspräsidenten Hindenburg, die darauf gerichtet ist, dieses Ziel zu erreichen.

Der Heilige Vater wird, wie man in vatikani­schen Kreisen annimmt, in ebenso klarer und ziel­sicherer Weise wie bisher, den Gedanken der euro- väischen und Weltbefriedung, ausgehend von dem Streben nach einer Annäherung insbesondere der­jenigen Völker, die miteinander jahrelang in schwer­stem kriegerischem Ringen lagen, betreiben, und der Heilige Vater wird auch durch seine persönliche Initiative fernerhin alle diejenigen Schritte yfrigft unterstützen, die dazu angetan sind, dieser Politik zu einem Ergebnis zu verhelfen.

* Eröffnung der Oesterreich-woche in München. Die Oesterreich-Woche, die von der Deutsch-Oesterreich- 'lchen AbeiiSgemeinschast veranstaltet und vom 1.15. Januar in München abaebalten w'rd, ist nach einem Bearüßungsabend im Richard Wagner»Saal de- bayrischen Hosts eröffnet worden, wom zahlreiche 'ertiorraaenbe Per önlichkesten des öffentlichen Lebens, iet Wissenschaf', Wirtschaft und anderer Berufs­zweige erschienen waren.

Deutschlands Entwaffnung.

General Pawelsz und Geheimrat Forster haben ihre Tätigkeit, die auf die Regelung der beiden noch strittigen Fragen abzielt, damit begonnen, daß sie in private Verhandlungen mit den einzelnen Mitgliedern der Botschafterkonferenz eingetreten sind. Auch der Vorsitzende der Botschafterkonferenz empfing die deutschen Vertreter,

*

Wie Havas berichtet, mit» Briand im Mini­sterrat über die auswärtige Lage Bericht erstatten. Es sei wahrscheinlich, daß die Frage aufgeworfen werden wird, ob es angebracht sei, eine Parla­mentsdebatte über die auswärtige P o- l i t i k zuzulaffen. Eine derartige Aussprache müßte notwendigerweise auch die deutsch-französi­schen Beziehungen berühren, was gegenwärtig ziemlich unangebracht wäre, da einerseits die deutsche Ministerkrise noch nicht gelöst fei, und an- dererseits die Verhandlungen des Generals Pa- welsz mit der Botschafterkonferenz bevorständen. Havas vermutet, daß der Ministerrat nicht so­fort eine Aussprache über die auswärtige Politik annehmen werde. *

Havas teilt mit, daß die Bürgermeister der Ge- meinben des Loire-Departements, sowie die Ver­treter verschiedener Bergarbeitervereinigungen und anderer Vereinigungen beschlossen haben, Außen­minister Briand in einer Adresse ihren Dank für fein Friedenswerk zum Ausdruck zu bringen.

* Empfänge beim Reichspräsidenten. Der Herr Reichspräsident nahm Dienstag die Vorträae des Reichspostministers Dr. Stingl und des Reichs- ba nforäfibenten Dr. Schacht etngegen. Ferner empfing er ben Botschafter Dr. Sols zur Abmel» bung vor besten Rückkehr auf feinen Posten in Tokio.

» Reichsminister Dr. Curtius empfing Diens­tag vormittag außer den Führern der Wirtschaft­lichen Vereinigung und dem deutschnationalen Parteiführer, Grafen Westarp, auch ben Demokra­ten Dr. K och, um mit ihm die Möglichkeit einet Regierungsbildung zu besprechen.

* 3n der sächsischen Regierungsfrage ist eine Einigung zwischen der alten sozialdemokratischen Partei Sachsens, der Wirtschafts-Partei, der Dolks- rechts-Partei, den Demokraten und der Deutschen Volkspartei erzielt worben.

Zurückziehung der memelländischen Auswei­sungen? Die litauische Regierung beabsichtigt, wie derTägl?Rundschau" zufolge verlautet, irn Laufe dieser Woche die Ausweisung der deutschen Redak­teure zurückzuziehen.

Aus Marokko.

Wie $W>a8 aus Tetuan berich et, sind immer heftigere Handstreiche der Dissidenten und An­griffe "auf Berpflegungszüge festzustellen. In der unterworfenen Zone herriche eine große Ueberreizung, und zahlreiche Familien würden abtrünnig. Der spanische Generalstab soll eine Intervention p'anen. In Aidir fei ein Aussehen erregender Waffenschmuggel entdeckt worden. Einzelheiten hierüber seien jedoch noch nicht bekannt.

Außenpolitische Probleme Amerikas.

Die Zonderbotschaft Coolidges an den Kongreß.

In einer Sonderbotschaft an ben Kongreß schil- bert Coolidge bie amerikanische Politik gegenüber Nicaragua als eine Politik bes vollen Schutzes ber amerikanischen Interessen im Einklang mit ber traditionellen Haltung der Ber­einigten Staaten. In der Botschaft heißt es:

Die Eigentumsrechte der Vereinigten Staaten an der nicaraguanischen Kanalroute, zusammen mit den Verpflichtungen, die aus den Kapitalanlagen aller Klassen unserer Bürger in Nicaragua fließen, versetzen uns in die Lage der besonderen Verant­wortlichkeit. Die Botschaft gibt einen Rückblick auf die Ereignisse, bie zu ber gegenwärtigen Lage in ben Angelegenheiten von Nicaragua geführt haben unb führt frühere biplomatische Aeußerungen aus Washington zur Unterstützung bes jetzt in bie Wege geleiteten Vorgehens an. Die amerikanische Re­gierung, sagt bie Botschaft, hat n i ch t ben Wunsch, sich in bie inneren Angelegenheiten Nicaraguas einzumischen, aber bie Vereinigten Staaten haben gegenwärtig ein sehr bestimmtes, besonderes In­teresse an der Aufrechterhaltung der Ordnung und einer guten Regierung in Nicaragua. Die Ver­einigten Staaten können nicht umhin, jede ernste Bedrohung der Stabilität der verfaffungsmäßigen Regierung in Nicaragua mit Sorge zu betrachten, besonders wenn zu einer solchen Sachlage außer­halb stehende Einflüsse ober eine fremde Regie­rung beigetragen haben ober wenn sie von ihnen herbeigeführt würbe. Ich habe, sagt Coolidge in der Botschaft weiter, den schlüssigsten Beweis, daß bei verschiedenen Gelegenheiten feit August 1926 Waffen und Munition in großen Mengen an die Revolutionäre in Nicaragua verschifft wur­den. Die mit dieser Munition beladenen Schiffe sind in mexikanischen Häfen ausgerüstet worden und ein Teil ber Munition hat, wie offensichtliche Merkmale zeigen, ber mexikanischen Regie- xung gehört. Es scheint auch, daß biefe Schiffe

mit vollem Wissen unb in einigen Fällen mit ber Forderung mexikanischer Beamten ausgerüstet würben unb wenigstens in einem Falle von mexi- kanifchen Marineoffizieren ber Reserve befehligt würben.

In seiner Sonberbotschast gibt ber Präsident noch die Versicherung ab, baß neutrale Zo­nen in Nicaragua erst nach wiederholten Ge­suchen um Schutz seitens ber amerikanischen Bür­ger sowie seitens bes britischen Geschäftsträgers in Managua unb bes italienischen Botschafters in Washington errichtet worden seien.

Amerikanische Marinetruppen be­setzten den Hafen Prinzapolca in Nicaragua als neutrale Zone.

China und Amerika.

Das Washingtoner Marinedepartement teilt mit, daß 300 Marinefüsiliere unverzüalich nach China befördert werden würden.

Reuter meldet aus Peking: Die Lage im Inne­ren verschlimmert sich stufenweise. Frembenfeind- liche Unruhen brachen in Tschunkian aus, wo die Menge den Friedhof der Ausländer schändete. Der Dormarsch der mandschurischen Truppen in nord­westlicher Richtung gegen die Nationalisten des Nordens, der darauf abzielt, die Verproviantierung Fengyusiangs von Rußland her zu verhindern, geht weiter.

Der Kulturkampf in Mexiko.

Haft über sechs mexikanische Bischöfe verhängt.

Nach einer Meldung der Associated Preß aus Mexiko ist über Pascual Diaz, Bischof von Tabas­co und Sekretär des mexikanischen katholischen Epis­kopats, und über fünf andere Bischöfe die Hast verhängt worden.