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M 6.

Sonntag, 9. Januar 1927.

Sulöütr Leitung

W

Ä

Hessischer Landsturm.

I Son Fr. Donatus Psannmüller.

56] ---------

Um 2 Uhr mußte der Radfahrer fort. Mit ihm ka­men dann von jeder Korporalschaft ein paar Mann zu- rück, denen ich chre Lebensmittel zuteilte. Es war so- gar eine Korbflasche mit Rum vorhanden. Ich füllte daraus ein Fläschchen für uns ab und schickte die Korb- flasche hinaus; sie mochten draußen selbst teilen. Wieder war eine Stunde der Nacht geopfert. Die Lebensmittel» Haler erzählten, daß dort draußen ein verwundeter Russe liege. Der Sanitätsunteroffizier fuhr sie an: „Warum habt ihr ihn denn nicht mitgebracht?"

„Wir haben doch nichts, um ihn zu tragen."

„Ihr habt doch Zeltbahnen, ihr Schafsköpp."

Da meinte einer schnippisch: „Ach, was sollen wir UNS mit dem Kerl plagen! Schlagt ihn doch tot!"

„Pfui Teufel!" schrie ich ihn an. „Schämen Sie sich! — Wenn der Verwundete in einer Stunde nicht hier ist, ^nnen Sie was erleben."

Dann brachten sie ihn angeschleppt. Es war ein Mann von etwa 26 Jahren mit einem Schuß durch den Oberschenkel. Er war gut verbunden, aber zunächst ziem» lich apatisch. Wundfieber und wenigstens zwölfstündiges Liegen im Freien und im Regen hatten ihn arg mitge­nommen. Wir tränkten ihn mit Rum und fütterten ihn mit Marmeladebrot. Da kam wieder Leben in ihn. Eine Derständigung mit ihm war unmöglich, da er nur Rus. sisch sprach. Im Bemühen, sich uns verständlich zu ma- chen, zog er aus dem Stiefelschaft ein Notizbuch und schrieb Morsezeichen hinein, Punkte und Striche. Aber selbst, wenn wir einen Telegraphisten bei uns gehabt hätten, so nützte uns das doch nichts. Auch die Morse- reichen geben in diesem Fale nur russische Worte wieder. Wir steckten ihm noch ein Stück Brot in die Tasche und der Sanitätsunteroffizier ließ ihn hinaus an die Hauptstraße tragen, damit er von einem rückwärts 'ährenden Wagen mitgenommen werde.

Nun war es 4 Uhr morgens und wir suchten, auf dem «öden liegend, noch ein wenig Schlaf zu erhaschen. Nach

einer halben Stunde traten zwei Männer ins Zimmer. Schlaftrunken, wie ich-war, erkannte ich sie nicht sogleich. Es waren unser neuer Bataillonskommandeur und sein Adjutant. Unser berühmter Hauptmann, der das Ba­taillon eine Zeitlang führte, war nämlich vor kurzem men­gen allzugroßer Taubheit wieder heimgewandert.

„Ja, Kinder," sagte der Bataillonsführer, „es tut mir ja sehr leid, daß ich euch wecken muß: aber wir ha­ben auch noch nicht geschlafen. Dies ist das einzige anständige Haus im Dorf und da dürft chr es uns nicht verübeln, daß wir es für das Bataillon beschlagnahmen."

Wir trappelten uns in die Höhe, trugen das, was wir mit hereingenommen hatten, wieder hinaus auf den Wagen und waren wieder obdachlos. Jetzt war es hell, und Grünebaum machte sich auf die Suche nach einem anderen Quartier. Bald kehrte er wieder. Die im ®e- schirr stehenden Pferde wurden angespannt und bald landeten wir in einem Gehöft am westlichen Dorfrand, das für unsere Zwecke günstig war. Hier war auch Platz für die Feldküche und den Feldwebel.

Nur 2 oder 3 Tage blieben wir hier in Weiwery, aber es war eine harte Zeit für die Kameraden im Gra- ben. Nach der ersten arbeitsreichen Nacht zeigte es sich, daß die Stellung ungünstig angelegt war. Daran trug freilich die Führung keine Schuld. In dunkler Regen- nacht kann man nicht sehen, ob nicht eine meterhohe Bodenwelle die Aussicht hindert und aus der Karte läßt sich das auch nicht ersehen. Die Arbeit der ersten Nacht war umsonst, es mußte eine neue Stellung angelegt wer­den. Und es eilte damit, eilte gar sehr. Dor uns, nur 13 Werst entfernt, lag eine der stärksten russischen Re­ttungen; die Außenforts muhten noch um 5 bis 6 Kilo- meter näher liegen. Die große Heerstraße, die Kowno mit Warschau und auch mit Deutschland verbindet, ging mitten durch unser Bataillon. Es war fast wie ein Wunder, daß der Russe noch nicht zum Gegenstoß vor- gegangen war. Der Landsturm mußte arbeiten, arbei­ten trotz schlechter Verpflegung, trotzdem er wegen Man- gel an Schlaf am Zusammenbrechen war. Diese kritische Lage mußte auch die Oberleitung erkannt haben, denn plötzlich, nachmittags um 5 Uhr, kam der Befehl: Das Bataillon wird nachts um 12 Uhr abgelöst, steht um 1 Uhr am Westausgang des Dorfes marschbereit und wird

morgen in Koslowa-Ruda verladen. Also wieder eine schlaflose Nacht.

Wir waren gerade dabei, beim Feldwebelguartier einen Unterstand auszuheben, als der Befehl eintraf. Sogleich erinnerte ich mich meiner vielen Munition, die ich nun glücklich beisammen hatte. Die konnten wir un­möglich alle mitnehmen, denn ich kannte den fürchter­lichen Sandweg, der durch den Wald nach Koslowa- Ruda führte. Ich ging in die Stellung und klagte dem Leutnant meine Not. „Nun ja," meinte er, „die Kästen, die hier stehen, können wir ja „vergessen". Sehen Sie zu, daß Sie irgendwie großes Schanzzeug auftreiben. Das ist beinahe so wichtig, wie Munition. Ich habe es hier eingefehen."

Die 3 Kästen, die der Leutnant vergessen wollte, reich» ten noch nicht. Ich mußte noch 5 weitere Kästen „ver­gessen". Und obwohl ich bas halbe Dorf nach Schippen und Pickeln absuchte, die Russen hatten alles mitgenom­men. Nachts um 11 Uhr rückte unsere Ablösung, das Reserveregiment 166 an. Wir hatten keine Ahnung, daß da viele Kameraden aus der Fuldaer Gegend in der Dunkelheit an uns vorüberzogen und unsere Gräben be­setzten. Auch zwei liebe Mitbrüder von mir waren da­bei, die 6 Wochen später in der Gegend von Wilna ihr Grab fanden.

Am nächsten Vormittag erreichten wir die im Walde liegende Station Koslowa-Ruda. Der Russe hatte sie als Truppen-Verladestation ausgebaut, was uns sehr zustatten kam. Aber für unsere Pferde mar der Marsch unsäglich schwer gewesen; bis zu den Achsen wühlten die Räder durch den Sand. Das ist das Schreckliche bei solchen Fahrten, daß es kefli Erbarmen mit den armen Geschöpfen geben kann und darf. Man muß eben mit- kommen um jeden Preis.'

Dann lag das Bataillon wie tot unter den Bäumen des Waldes. Alles schlief. Um 2 Uhr begann das Ver­laden der Fahrzeuge, aber erst um 5 Uhr fetzte sich der Zug in Bewegung. Wohin es ging, wußten wir nicht. Aber wir waren froh, wieder einmal in einem Eisen- dahnzug zu sitzen, der gen Deutschland fuhr, wenn es auch nur Viehwagen waren mit schmalen Sitzbänken.

Wir fahren bei Pillwischki über die große von unfern Pionieren aus Tannenstämmen gebaute Eisenbahn­

brücke, sehen von Ferne Wilkowischki liegen und kommen gegen 7 Uhr nach Wirballen. Es ist gut, daß der Zug langsam fährt und zuweilen einmal hält. Die Viehwa­gen haben ja fein Klosett, und es ist so mancher im Zug, dessen Eingeweide revoltieren, der oerzweiflungsvoll und mit zusammengebissenen Zähnen auf den nächsten Halt wartet. Auch wir haben einen solchen Unglücklichen in unserem Wagen.

Wir fahren weiter durch ein Land, in dem das von den Rusten erstickte Leben sich wieder zu regen beginnt. Dann steigt die Nacht langsam vom Himmel, und der Landsturm auf seinen schmalen Sitzen nickt ein. Gegen 1 Uhr nachts steht der Zug. Wir sind auf einem größe­ren Bahnhof und sollen ausfteigen, um unser Mittag­essen zu empfangen. Wir klettern hinaus. Draußen stehen russische Kavalleristen mit brennenden Fackeln In den Händen. Ein Fackelzug bewegt sich mit uns nach einer Speiseküche mit langen Hallen, unter denen wir abgefüttert werden. Ein Offizier lieft uns die neuesten Meldungen vom Kriegsschauplatz vor, auch etwas von unseren eigenen Taten. Aber wir sind müde und haben wenig Interesse dafür. Dies schwere Leben, das wir feit langem führen, stumpft so sehr ab. Man möchte einmal ganz weit fort fein, sich ausfchlasen können und nichts mehr vom Krieg hören und sehen.

Nach einer Stunde fahren wir weiter. Ms der Tag eben zu grauen beginnt, halten wir bei einer zerschossenen Stabt. Es ist Lyk. Ein paar große Zelte mit dem Genfer Kreuz sind in einem Garten aufgeschlagen, ganz in der Nähe. Da tritt der Unglückliche, der sich diese Nacht so oft nach einem einsamen Ort gesehnt hat, zum schlafenden Feldwebel und sagt: „Herr Feldwebel, ich möchte hier ins Lazarett gehen." — „Es ist gut," mur­melt dieser und nickt weiter. Der Mann nimmt seinen Tornister und das Gewehr und klettert hinaus. Aber nach Tagen, in der neuen Stellung, sucht und sucht der Feldwebel nach einem abhanden gekommenen Mann. „Mir fehlt em Mann, und ich weiß nicht, wo er hinge- kommen ist." —

„Der ist in Lyk ins Lazarett gegangen, damals, als wir am frühen Morgen vorbeifuhren."

„Gott sei Dank! Nun habe ich meinen Mann wieder, und wenn er mich im Lazarett ist." (Schluß folgt.)

mit Ehefrau

Rm.

Bei

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Arbeitnehrnern ohne Kinder

4 5

6 7

8

Kind Kindern Kindern Kindern Kindern Kindern Kindern Kindern

mit 1 mit 2 mit 3

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cohnsteuererstattung für 1926.

Nach dem Willen des Gesetzgebers soll jährlich eine bestimmte Summe des Einkommens als soge­nanntes Existenzminimum von der Besteuerung freibleiben. Da bei den Arbeitnehmern der Steuer­abzug nach Wochen bzw. nach Monaten berechnet wird, fo sind an sich diejenigen Arbeitnehmer im Nachteil, die infolge Arbeitslosigkeit, Streik, Aus­sperrung, Saisonarbeit, Kurzarbeit oder Krankheit einen Teil des Jahres nicht gearbeitet haben. Zur Beseitigung einer solchen ungerechten Ungleichheit

steht. Wer etwa im August 1883 geboren ist, wird vom 17. Februar bis 2. März und vom 5. bis 30. Oktober vorsichtig sein müssen, denn es droht ihm Unheil. Bom 9. April aber bis zum 12. Mai wird er Glück haben ... Du brauchst gar keine Zeitung mehr zu halten, denn du kannst in diesem Lorcher Kalender alles schon im Einzelnen lesen, was in Ehina, im Kaukasus, in Amerika und in Rußland und wo auch immer geschehen wird. Ein findiger Redakteur kann in einer einzigen Januarwoche Vie ganzen Zeitungen fürs laufende Jahr zusammen- stellen und dann an die Rivera gehen, wo er unter Palmen ruht, bis ihn etwa sein Horoskop von dort vertreibt . . .

Dieser Kalender dürfte eine Derbreitungsziffer von etwa 80 000 haben und ist nicht einmal der einzige seiner Art. Daraus ermesse den Bildungs­stand des deutschen Volkes. Es sind zwar auch die Wilden darauf, in den Sternen zu forschen, aber sie sind der Natur noch zu nahe, um mit Horoskopen Hokuspokus zu treiben. Sie haben keine Uhr im Armband und müssen darum häufiger nach der Sonne sehen. Sie wissen nicht aus der Presse, wann der Frühling anfängt und der Winter aufhört und müssen sich demgemäß am Himmel informieren. So werden die uralten Sternbilder und ihre poetischen Namen eine tiefe und doch wieder nüchtern faß­bare Bedeutung haben. Den Wilden und den ein­fachen Naturmenschen dienen Sonne, Mond und Tierbilder, aber der gebildete Europäer macht sich zum Sklaven der Sterne, die über sein Schicksal bestimmen läßt. Leugnet nur tapfer den Schöpfer der über den Sternen wohnt, und ihr werdet bald auf Uranus, Jupiter und auf jedem Planeten und Fixstern einen klein, a Gott sitzen haben, der euch mit der Peitsche des Schicksals traktiert, und ihr werdet den Rücken beugen und euch mit Skorpionen prügeln lassen, weil ihr die Hand des Vaters nichc greifen wollt. Hundert Seiten barsten Unsinns ent. hält dieses seltsame Volksbuch, das nebenbei die Heiligen Gottes aus dem Kalender streicht, um die Viehzucht dafür einmsetzen. Hier wäre die Schmutz- und Schundkommission am Platze, die leider bis heute noch nicht zu wissen scheint, was eigentlich Schund ist . . . Wenn sie endlich eingreifen wollte wird dieser Lorcher Kalendermann allerdings sein geschäftliches Schäfchen im Trockenen haben, denn etwas müssen die goldenen Sterne doch einbringen

Deutsches Volk, statt dich mit Schicksalsträumen und muselmanischem Fatalismus abzugeben, er­manne dich lieber zur frischen freien Tat. Wir brauchen eine starke Regierung und nicht eine, die morgen wieder geht und für die kurze Zeit ihrer Existenz wie eine Nußschale auf den Wogen des Parlamentarismus tanzt. Man lese einmal, wie Fürst Bismarck seinerzeit mit Parlamenten umzu- getjen wußte. Aber er war auch ein Mann und ein Politiker, der wußte, was er wollte. Seine Zeiten sind nicht mehr die unfrigen, und feine Stützen, die« Dynastien, sind nicht mehr da. Aber was bleiben muß, ob wir nun Monarchie oder Republik sind, das sind starke Regierungen und nationale Ziele. Fürst Bismarck klagt in seinen Erinnerungen über das deutsche Volk und meint, es gäbe fein zweites auf der Welt, das fo geneigt wäre, feine Partei­interessen über die des Ganzen zu setzen, wie eben wir Deutsche. Da hat er sehr recht gehabt bis auf den heutigen Tag. In Frankreich regieren einmütig die großen Feinde im Parteifinne, aber sie werden zusamn n gehalten, solange der Alp einer

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ohne Ehefrau 2,40 Rm.

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Wie wird das Wetter?

lieber der Nordsee bat sich ein Teilwirbel ansge bildet, der wahrscheinlich südostwärts durch Deutschland abziehen wird. ES wird daher vorüberaehend auch bet uns zur AuSbtlduna einer Norditrömnng kommen, dte faltete Luft heransühtt. Sehr wahrscheinltck stellt stch jedoch bald wieder auch bei nnS die Weststromung wieder her, sodaß der Temperaturrückgang nur letcht bleibt. .

WitterunaSauSsichten für Sonntag: Bet nach Nord- osten zuruckaehenden Winden Niederschläge zunehmend, erneuter Temperaturanstieg.

nationalen Geiahr über dem Volke liegt. Und so in England und überall. Nun werde ich wieder wütend, und dann hört man immer am besten auf zu reden.

Also noch die kleine Erzählung am Schluß von jenem Fünfmarkschein. Diese Scheine liebe ich un!> haste ich. 3d) hasse sie. weil ich sie so schnell wieder los werde und liebe sie, well ich der Versuchung nicht widerstehen kann, sie einem armen Mann m irgendeinem Bries beizulegen. Und so hatte tch auch vor Weihnachten getan. Und da war eine Witwe und ihr Kind, die nichts mehr haben als dte Liebe zu einander, sonst nichts und feinen Freund. Das letzte Geld war auf die Zähne gegangen, die gerade vor Weihnachten anfinaen zu schmerzen. Die arme Mutter, das arme Kind. Da ist mein Fünfmarfschein gerade am Tage vor Weihnachten angefommen, und er war das Einzige, was unter dem ärmlichen Taunenbaum lag. Man soll diese Scheine nicht abschaffen. Und nun bin ich froh denn ein Kindlein betet für mich.

Der Mann im Monde.

Kurzarbeitern und Arbeitnehmern, bei _ nen ein Zeitraum, für den der Arbeitslohn gezahlt worden ist, nicht feftgeftettt werden fann, werden

Kaspar, Melchior und Balthasar sind nun mit Mohr und Kamel aud) eingetroffen, und einen Augenblick verblaßt alles in der Weihnachtskrippe vor diesem mv-.gemdno |ct)e;t Prunk. Diese Weifen und Könige hatten es richtig erkannt, welchem Stern die Herrscher und Philosophen zu folgen ha­ben, wenn es ihnen und den Völkern gut gehen soll. Es war nicht leicht, denn der Weg durch die Wüste war lang und beschwer' tb, und es hat gewiß Herr Balthasar so gelegentlich seinem Nachbarn in einer Anwandlung von Verzweiflung zugeflüstert: „Kas­par, dreh's Kamel herum. . . Gehn wir wieder nach Hause ..." Aber sie hoben durchgeholten, und so fam auch nach dieser Wüste uas gelobte Land. Kein König der Erde ist so populär gewor­den und geblieben, wie diese drei, die mit den armen Hirten zusammen das Knie vor Gott ge­beugt haben. Es gibt Gegenden, in denen man über allen Türen das E. M. B. geschrieben oder gezeichnet sieht, und die Leute meinen, das bedeute Glück. Der Gebildete lädjelt darüber und nennt das Aberglaube, während sich doch etwas sehr Ver­nünftiges bei dieser Sitte benten läßt, und sei ein bißchen Aberglaube dabei, es steckt doch noch mehr Frömmigkeitdarin. Und man soll in Deutschland nur nicht lacken über den Humor der Einfältigen, hätten diese Einfältigen doch wahrscheinlich Ver­stand genug, einen Herrn Domella nicht für Melchior oder Balthasar zu halten, und sich nicht in der unmittelbaren Nähe des Gothaer Hofkalen- ders fo unsterblich zu blamieren . . .

Aberglaube, ja, der steht um Neujahr herum in Blüte. Dor mir 'liegt eben der Lorcher Astrolo­gische Kalender. Des neuen Jahres Regent ist Venus, was ich dem Kalendermann aufs Wort glauben will. Es heißt dann weiter: „Venusjahre sind mehr feucht als trocken, und wenn man alle Teile des Jahres zusammennimmt, auch schwül und ziemlich warm." Daß Venus durch die Lande geht, das weiß ich schon lange ohne Horoskop. Die Schwüle und Wärme verstehe ich demgemäß auch. Nun soll Venus gar regieren, und das zeigt sich schon darin, daß zwar die Zahl der Verbrechen feit dem Kriege dauernd zurückgegangen, die Zahl der Sittlichkeitsverbrechen aber beständig gestiegen ist. Was dieser Kalender alles aus den Sternen er- fährt, ist geradezu fabelhaft. Man sollte ihn nicht nur in jedem Bauernhaus, sondern auch auf den Tischen der Regierungen auslegen. Am 31. März 1927 betritt Uranus das Widderzeichen, merk es dir, denn Uranus ist der Anführer und der Brin­ger plötzlicher Ereignisse. So prophezeit denn der Prophet von Lorch: „Es wird im deutschen Staats­wesen, in der Regierung, Aenderungen geben, deren Tragweite enorm ist. . . Kriege in vielen Län­dern . . . Aber da ist noch Jupiter, der Retter. Auch Jupiter wird in den Widder eintreten, und bann geht eine große nationale Welle über Deutsch- (an hin, etwa vom 6. Juni ab. Jupiter wirb herr­lich wirken. Es wirb etwas ganz Neues als Re­gierung kommen — Baron von Korff hält sich schon bereit — cs wirb technische Erfindungen, energische Tätigkeit in der Industrie geben, Landwirtschaft, Arbeiterschaft, Bauernhandwerk, alle werden es gut haben, und wenn England aud) an Macht gewinnt, fo werden Frankreich und Italien dafür nur unter­geordnete Rollen spielen . . . Aber nicht nur da, Schicksal der Staaten steht in den Sternen geschrie­ben, sondern auch das jedes einzelnen, der aus diesem Kalender erfahren kann, was ihm bevor-

nicht die vorstehenden Pauschbeträge, sondern der Unterschied zwischen der einbehaltenen Steuer und derjenigen Steuer erstattet, die sich berechnet, wenn die im § 70, Abs. 1, 2 des Einkommensteuergesetzes bezeichneten steuerfreien Beträge und Familien­ermäßigungen vom Arbeitslohn abgesetzt werden.

Ausgeschlossen von der Rückerstattung sind nur solche Arbeitnehmer, die nach Abzug von 1200 Mark und der Familienermäßigung ein Reineinkommen aus Arbeitsverdienst von mehr als 8000 Mark im Steuerjahre gehabt haben, sowie alle Arbeitneh­mer, die außer ihrem Arbeitseinkommen noch ein sonstiges Einkommen von mehr als 500 Mark ge­habt haben, da sie ja regelrecht veranlagt werden und dadurch die Differenz ausgeglichen wird.

Eine Erstattung erfolgt nur für volle Wochen. Es müssen also mindestens sechs Tage Lohnausfall vorliegen und an Lohnsteuer insgesamt mindestens 4 Mark gezahlt sein.

, Dis Lohnsteuer kann auch wegen „besonderer wirtschaftlicher Verhältnisse" erlassen werden in­folge Krankheiten in der Familie mit ungewöhn­lichen Kosten, Sterbefälle, Unterhaltungspflichten usw. Zuständig ist hier das Finanzamt, das nach pflichtmäßigem Ermessen zu entscheiden hat.

Bei Kriegs- und Zioilbeschädigten mit minde­stens 25 Prozent Erwerbsbeschädigung wird der Erstattungsanspruch aus Derdienstausfall um den Hundertsatz der Erwerbsbsschränkung erhöht, bei einem 50-Proz.-Kriegbeschädigten also um 50 Proz.

Der Erstattungsanspruch muß in der Zeit vom 1. Januar 1927 bis 31. März 1927 gestellt werden bei dem Finanzamt, in dessen Bezirk der Arbeit­nehmer am 31. Dezember 1926 gewohnt hat. Er­stattungsoordrucke sind vom Finanzamt anzufor­dern und vom Arbeitnehmer bzw. bei Sammel» anträgen vorn Arbeitgeber auszufüllen. An Unter­lagen ist beizufügen die Steuerkarte 1926 eventuell nebst Einlegebogen, die Durchschrift des Lohnsteuer- überroeifungsblatbed, bet W.'rdienftausfall infolge Krankheit eine Bescheinigung der Krankenkasse, bei Verdienstausfall infolge Erwerbslosigkeit, Aussper­rung, Streik die Erwerbslosenkontrollkarte ober Bescheinigung eines Berufsverbandes, beim Vor- liegen „besonderer wirtschaftlicher Verhältnisse" I Rechnungen oder sonstige geeignete Belege.

Rus der Zentrumsvartei.

= Aus dem Nassauischen Zentrum-warteitaa am 6. Januar sprachen in einer öffentlichen Versammlung, dte van Rechtsanwalt Dr. Dillmann eeleite wurde, Vizepräsident des Reichstags Thomas Ester und A g. Dr. Erone-Münzebrock. Die Redner forderten Bet dl aunq des Zentrums an der neuen Regierung. Er dürfe keine einseitige Politik noch Kraftegruvpen betrieben werden, sondern eine Wirtschafts- und Soualnositik al» gemeinsame Volitik für jeden Volksgenossen. Die Versammlung billigte zwei Entscksießungen zur^age der Simultanschule. Der Part-ltaave-anatvon den Anhängern des Zentrums einmütige Stellungnahme geaen die Simultan-Akademi em F ■ n M.. die als Mittel zur Erhaltung der Sunul an ckute in Nassau ebenso scharf zu hekämvfen sei w,e sie selbst, ferner fordert die Partei, daß m der bevorstehenden Schulaesetzgebung die nick' mehr ertraalicke Sonderstel­lung Nasiaus aus dem Sckulaehiet beseüiat und auch lhm die Möglichkeit der Errichtung von Konfession faulen soeben wird. Aus den weiteren Ausführungen der Redner Esser und Dr. Erone, seien nach erwähnt die Forderungen nach Vereinfachung des Steuersnstems bek Entlastung der Wirtschaft, nach Regelung des ^manzaitt- aleicks derart, daß Länder und Gemeinden durch »■ „ünftige Anteilnahme an den Reickssteuern dahm kam- men ihre Etats in Ordnung zu bringen, ohne die Wirk- schast in dem heutigen Ausmaß zu belasten Ferner suen vriwendig eine gesetzlicke Regelung der Ueberstunden, rine Nachprüfung der Pensionen der ehemaligen hohen echtere und ihre Rückschraubung aus ein für das Do >». moht erträgliches Maß. Z"w Schluß befürwortete Dr. (frone die Wiederkehr der Großen Koalition. Ein Festlegen der Partei nach rechts oder links mache da. Zentrum nur zum bedeutungslosen Anhängsel oder zum Prügelknaben. __

Wissenschaft und Zorsckung.

= Ein romanisch-» Wörterbuch. Die in Chur versammelt gewesenen D-rtreter der roman,fck->n Geaen- ben des Kantons Graubünden haben beschlossen, alle-- zu tun, um em vollständiges romamsches Wörterbuch zusammenzustellen, damit die romanische Sprache vor aufrecht erhalten werden könne.

Rund um die Woche.

Kaspar, dreh'» Kamel herum .... — Der Kalendermann von Lorch. — Z^hrerregent Venus. — prophezeihungen — Etwas ton Bismarck. — Der Fünfmarkschein unter dem Lhristbaum.

werden nach den nunmehr ergangenen Anordnun- ?en des Reichsministers der Finanzen die zuviel ezah'ten Lohnsteuern für das Jahr 1926 nach fol­

gender Tabelle zurückerstattet:

Für jede volle Woche des Derdienstausfalles bei

ßeiseartikel - feder- Koffer-,

^raukdussSssed^n®^

dlacjante und £ gediegene Schukwaren aller /Irl,

luderia Keemt

Eisen, Eisenwaren, Kolonial-u tlanufahiur^f waren, futterartikef^

Stoheisen, faepneisen Werkzeuge und Eisenwaren-s> Hehl, Kleie. Hais, Koch-u Viehsalz. Düngen fiel, Dränrohre, Tonrohre, Steinkohlen, fenster-u. Spiegelglas, Lacken, färben ffanufak/urwaren, Kurz-tVeiss-u. Wollwaren~u Schirme, läpetenu. Borden.