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FuldaerZertung

Anzeiger für die Sfabf und den Kreis Aulda. Amfilches Kreisbiait.

Nr. 5.

Erscheint sechsmal wdchentlich Wachenbeilage: .Illustrierte Beilage'" undBuchendlätter' RolationSdruck und Verlag der Fuldaer Actiendriickerei In Fulda Fernsprecher Nr. 9. : Monatlicher Bezugspreis 1.50 Ml «

Samstag, 8. Januar 1927.

Anzeigen-Dreis» tkleinzeil» (Colonel) lokal 0,15 XX, auswärts 0,20 XX Neklomezeile lokal 0,60 XJl, auswärts 0,80 XX Bei Wiederholungen (Rabatt .« PostscheckkaMo Frankiurt a M Nr 4051 #.

Zahrg.S4.

Die Kabinettsbrife.

Der «eichretat sür 1927.

Die Deutsche Dolkspartei stellte es zeitweilig v Jor, als ob ihr Mitglied, der bisherige Wirt- Mastsminister Dr. Curtius, den Auftrag für die Kabinettsbildung schon in der Tasche habe. Nach­dem aber seht das Zentrum seine Ansprüche auf den Kanzlerpvsten anaemeldet hat, hält seht der Lokalanzeiger die Möglichkeit einer Kandidatur Curtius für außerordentlich geschmälert. Offenbar, so heißt es in dem Blatt, hat das Zentrum mit feiner Erklärung eine neue Sachlage geschaffen. Der Vorwärts beschäftigt sich mit der außenpo- .itischen Regierungsfähigkeit der Deutschnationalen und verlangt, anstrüpfend an eine Reihe von deutschnationalen Erklärungen, wonach sie die Locarnopolitik nicht anerken- iien, daß die Deutschnationalen diesen Standpunkt »ategorisch widerrufen müßten, wenn sie regierungs­fähig sein wollten.

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Der dteutschnationale Graf Westarp wollte be­kanntlich, um das Zentrum für ein Rechtskabinett Pi gewinnen, den Führer der Bayerischen Volks- sartei im Reichstag, den Bamberger Domkapitular Dr. Leicht, als Reichskanzler berufen sehen. Lu­dendorff, der Führer der völkischen Anti-Ultramon- tanen, ist über den erwähnten Plan sehr in Soroe geraten. In derDeutschen Wochenschau" hat er seinem Herzen Lust gemacht und erklärt: Tas Zentrum sei weiter nichts als eine römische Partei und dasselbe gelte auch von der Bäue­rischen Dolkspartei. Man svreche schon von einer Kanzlerschatt des Domkapitulars Leicht und da auch kn Oesterreich der Prälat Seivel herrsche, so wären die deutschen Lande auch äußerlich in der Herrschaft des römischen Papstes.

Ein kommunistischer Antrag auf sofor­tige Einberufung des Reichstageswurde vom Reichstagspräsidenten abgelchnt.

Vie Militärkontrolle.

Nach einer Mitteilung des Demokratischen"Zei- cungsdienstes ist m Aussichtt genommen, die in Berlin stattfindenden Verhandlungen mit der Inter­alliierten Militärkonttollkommisfion über die noch sttiüige Frage des Kriegsgeräts Mitte Januar zu beenden. Sollte man jedoch nicht zu einer Einigung in Berlin kommen, so werde der Schwer- punn l« :r weiteren Verhandlungen wohl bei der Dotschafterkonferenz in Paris liegen.

Das Reichskabinett trat Freitag vormittag unter Vorsitz des Reichskanzlers zu einer neuen Sitzung zusammen, um die abgebrochene Erörterung über die noch ausstehenden Puntte der Entwaffnungs- stagen fortzufetzen. In der Sitzung wurden diese Beratungen zu Ende geführt und die Jn- struttionen für General von Pawels und Geheim­rat Förster festgelegt.

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. . Der ftanzösische Außenminister Briand bricht seine Erholungsreise ab und wird voraus-, sichtlich am Sonntag wieder in Paris fein.

Nach demEcho de Paris" ist das Mitglied des Quai d' Orsay, Labonne, nach Moskau abge­reist. Das Blatt nimmt an, daß er versuchen solle, >ie französisch-russischen Verhandlun­gen, die trotz verschiedener Vorbesprechungen bis- )er nicht wieder ausgenommen worden sind, aus der Sackgasse, in der sie anscheinend geraten sein* dürsten, herauszuziehen.

Titel und Orden.

Wie das Wolfsbüro aus Berlin erfährt, Ist das Gesetz über Titel und Orden, das in einem Ber­liner Blatte angekündigt wurde, bereits vom Reichskabinett verabschiedet worden. Das Gesetz wird alsbald dem Reichs rat zu­gehen und dann zur parlamentarischen Beratung gelangen. Es behält die Regelung des Titel- und Ordenswesens der Zuständigkeit desRei- ch e s vor. Wie in parlamentarischen Kreisen oer- lautet, bedeutet diese Beschränkung jedoch keines­wegs daß das Reich die Verleihung von Titeln und Orden ausschließlich für sich in Anspruch nimmt Vielmehr dürfte es auch den Wünschen und Bedürfnlsien der Länder nach Möglichkeit eut- gegenkommen. * ... --------------ntj,

. Demnach erscheint also die erfreuliche Möglich, reit zu bestehen, daß man demnächst wiederWal- deckischer Geheimer Kommerzien-Rat" oderLippe- Detmold'scher Oberkommissions-Rat" werden kann. Dann hätte das Dasein für manche Leute wieder unen Zweck.

Das deutsche wunder. itS. toitb gemeldet: In der Monat«, ibersicht Midland-Bank heißt e« u. a.: Deutsch. landS Erholung in den letzten zweieinhalb Iahten unerklärliches Wunder. Der erziel,« Fort- ?,beirtlfft alle?, was selbst die optimistischsten B obachter erwartet haben. Zweifellos steht der britischen Industrie eine Periode scharfer Kon­kurrenz bevor und man kann nur hoffen, daß die Kaufkraft der Welt so zunimmt, daß loroobt der brtlt chen alS auch der deutschen Industrie uneinge- schrankle Beichastigung ermöglicht wir--

Weiter heißt eS ln der Uebersicht, Deutschland «erde den Ueberschuß feiner Ausfuhr im Lause der »achsten zwei bis drei Jahren mehr als verdoppeln pusien, wenn die 120 Millionen P'und jährlich für *t."e Gläubiger verfügbar sein sollen, andern,alls w'.ßien die Zahlungen auS Anleihen bestrilttn Werden, was lediglich bedeuien würde, daß Privai. ?erIonen an Stelle der Regierung.n zu Gläubigern "uychlands werden wurden.

Der Reichshaushaltsplan für das Rechnungs­jahr 1927 wurde dem Reichstag unterbreitet. Er schließt ab -mit 8 526 479185 Rmk. für die all­gemeine Reichsverwaltung und mit 1976 903 207 Rmk. für die Kriegslasten, zusammen also mit 10 503 382 392 Rmk. in Einnahmen und Ausgaben. Davon entfallen auf den ordentlichen Haushalt der Reichsverwalttmg 7990 019 685 Rmk. und auf den außerordentlichen Haushalt 536 459 500 Rmk. Zur Bestteitung dieser einmaligen außerordent­lichen Ausgaben soll eine Summe von 528318 300 Rmk. aus Anleihen flüssig gemacht werden. Tie Summe der fortdauernden Ausgaben beläuft sich auf 7520635215 Rmk. oder 317145183 Reichsmk. mehr als rm Vorjahre. Der Etat für die Kriegs­lasten erfordert für das Jahr 1927 an Ausgaben insgesamt 486 460102 Rmk. mehr als im Vorjahre. Auf der Einnahmeseste wird aus den fortdauernden Steuern insgesamt eine Mehreinnahme von 534 Millionen Reichsmark erwartet. Der Mehrertrag der Zölle ist auf 310 Millionen Reichsmark veran­schlagt.

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Don den Blättern wird als Kuriosum des Reichsetats für 1927 die Tatsache bezeichnet, daß Rerchsregierung und Reichsrat in der Festsetung einzelner Etatsposstionen nicht zu ei net Eini­gung gelangt sind, was schon in der äußeren Form des im Druck vorliegenden Haushaltsplans zum Ausdruck komme. Den Voranschlägen verschie­dener Ressorts sind einige Blätter beigesügt worden, auf denen die abweichenden Beschlüsse des Reichs­rats und die Einwände der Reichsregierung bar eg en verzeickmet sind. Der Reichsrat hat sich als die Vertretung der Länder zugunsten dieser als sehr gebefreudig erwiesen. Um 128,1 Millionen Mark hat er die Ausgabenseite erhöht. Davon entfallen 112 Millionen auf die Ueberweisung an die Länder aus der Em kommensteuer, der Körper- schastssteuer und der Umsatzsteuer.

Mehr Glanz und Schimmer.

Aus Berlin wird uns geschrieben:

. Der Reichspräsident Hindenburg hat den dies­jährigen Neujahrsempftmg der Botschafter, Diplo­maten und Minister mit ganz besonderen Aeußer- lichkeiten ausgestattet. Die Beamten und Diener des Reichspräsidenten-Pakais sind in neuen, dem ausländischen Vorbild angepaßten Bekleidungen er­schienen. Insbesondere hat man die sogenannten Escarpins, die fteilich schon am kaiserlichen Hofe vorherrschend waren, eingeführt. Außerdem ist das Amt d es Marschalls mit dem Stabe wieder aufge­lebt. Daneben war diesmal eine besondere Reichs­wehrwache aufgezogen, die den ankommenden Gästen eine feierliche Ehrenbezeugung darbrachte.

Damit hat Reichspräsident Hindenburg eine neue Staatsetikette eingeführt, und man kann es nur begrüßen. Der erste Reichspräsident Ebert war bescheiden und er hielt sich reserviert. Für Anre­gungen, das Amt des obersten Chefs im neuen Staate mit gewissen Aeußerlichkeiten auszustatten, hat er immer ab gelehnt. Sein Haushalt war ein einfach bürgerlicher, in dem er sich allerdings mit vollendeter Würde zu geben und bewegen wußte.

Es entspricht nut internationaler Gepflogen­heit, daß der oberste Repräsentant eines Staates auch über einen gewissen äußeren Glanz verfügt, den er insbesondere dahin geltend machen und zur Schau tragen muß, weim es gilt, das Amt und das Volk, das dieses Amt verliehen hat, würdig zu repräsentieren. Es ist gut so, daß auch in unserem neuen Staat nunmehr eine derartige äußere Feierlichkeit zur Uebung wird. Wir hätten nur gewünscht, daß das schon früher der . Fall ge­wesen wäre. Aber man muß es doch auch wohl sagen, daß diese einfache Selbstverständlichkeit, wäre sie von einem Reichspräsidenten Ebert verlangt ober vollzogen worden, bie schärfste Kritik, nicht nur Hohn und Spott, fonbetn auch leiben» schastlichen Kampf entfacht hätte. Ebert wußte das und darum hielt er sich zurück. Diejenigen, die zu Ebert damals die eben geschilderte Stel­lung eingenommen haben, finden das, was der Reichspräsident Hiydenburg jetzt getan hat, als die natürlichste Sache von der Welt. Es ist nicht unnötig, den Wandel in den Anschau­ungen aufzuzeigen und sestzustellen.

ES ist einfach eine Notwendigkeit, daß der oberste Staatschef, der mit seinem Amte dasganze Volk repräsentiert, auch nach außenhin diese Würde mit einer nachdrücklichen und betonten Feierlichkeit zur Schau trägt. Man soll solche Aeußerlichkeiten nicht unterschätzen; sie sprechen auch sehr viel mit der Ordensfrage, bie bisher vom neuen Staate noch ungelöst ist. Wer immer an bet Spitze des deutschen Reichspräsidenten-Arntes steht, ist in dem Augenblick, in dem durch bie freie Wahl des Volkes dieses Amt chm übertragen wird, der erste Deut­sche, der oberste Führer und Dieter des Volkes, das chn erwählt hat, und mit diesem Augenblick steht ihm auch das Recht, ja die Pflicht zu, die Würde und Größe dieses Volkes nach außenhin zu verfinnbilden. wate

* General v. Seetff in Davos. Blättermeldun- gen zufolge ist der frühere Chef der deutschen Hee­resleitung, General von Seeckt, zu längerem 2Iu- enthalt in Davos, dem bekannten Kurort in ber Schweiz, eingetroffen.

* Zur Vierpreiserhöhung in Bayern. Wie ber Bayrische Kurier" mitteilt, sind denjenigen bayeri- chen Zeitungen, die wegen der letzten Birr- weiserhöhung die Partei der Konsumenten ergrif» en haben, von den Brauereien die Inserat« entzogen worden. Traurige Zeitungen, die ich durch solche Maßrahmen abhalten ließen, der Wahrheit die Ehre zu gebei.. ____

vom Kriegswesen KanKreichr.

Von Franz Geiger -Kronshagen.

Schon in den letzten Jahren des Krieges bil­deten sich durch den Stellungskrieg beeinflußt in der Gefechtsführung Formen aus, die zu einer Schematisierung des Kamvfes führen konnten: das starke Uebergewicht der Waffenwirkung, besonders der Artillerie, ließ die Ansicht entstehen, daß die Last des Kampfes dem Material aiifzubürden fei, das beißt die weitreichende tote Waffe zerschlägt den Geaner, und dann erst ergreift der lebendige Mann kampflos von dem Gelände Besitz. Es war eine strenge Systematik, die dem Frontsoldaten nicht viel Gelegenheit zum Denken und Handeln geben wollte: das wabre Soldatenrittertum schien durch die Technik der Waffen überholt zu sein.

Besonders Frankreich neigte diesen Gedanken­gängen zu und verarbeitet sie auch heute stärker in feinen Dienstvorschriften als irgend ein anderes Land So muß es als folgerichtige Weiterentwick­lung angesehen werden, wenn dieses taktische Sy­stem auf eine Rückwirkung in Ausbildung und Heerwesen finden soll. Die beabsichtigte Heercs- reform gibt Anlaß zu einer Reihe von Vorschlägen: einer davon stammt vom Unterstaatssekretär im Kriegsminist-rium und ist in der ZeitschriftFrance miftfatre" veröffentlicht. Er verdient besondere Aufmerksamkeit.

Die Entwicklung van Handel und Industtie fei so außerordentlich, daß sie unbedingt die Aufmerk­samkeit jedes Organisators auf sich ziehen müsse. Die dort herrschenden Grundsätze und Arbeits- method-n sollten auch auf das Heer übertragen wer­den. Ms die drei wesentlichsten werden Zentrali­sation, Ausschaltung des Zwischenhandels und Se­rienarbeit genannt.

Wie die kleinen Werkstätten unter dem Zwang der Großindustrie fallen müssen, müssen auch die vielen kleinen Garnisonen verschwinden. Heute sind überall nur kleine Einheiten untergebracht, die Verwaltungskosten vervielfachen sich, und die Ar­beitsleistung nämlid) die Ausbildung der Sol­daten und die militärische Schulung aller Bürger, besonders der Jugend muß zu kurz kommen. Da die vielseitigen und zahlreichen Mittel, die heute zur Ausbildung notwendig sind, starke Verbände gemischter Waffen erfordern, werden große Stand­arte vorgeschlagen, wo olle Mittel zur Schulung der Truppe verfügbar sind. Derselbe Gedanke findet sich auch in dem Reformvorschlag von Fabry-Du­val: zur Erleichterung der Ausbildung großer Ver­bände sollen die Standorte aller Teile einer Divi­sion nicht weiter als zwei Tagemärsche voneinander entfernt fein.

Die Wirtschaftlichkeit eines solchen Verfahrens mag bei der Finanznot des Landes entscheidend mitgewirkt haben, die mit dieser Maßnahme ver­bau dene schnellere Kriegsbereitschaft mag unaus­gesprochen im Hintergrund stehen, die Art ge- lchäftlich-loaischer Berechnung, mit der dieser Dor- schlag begründet wird, zeigt aber doch eine tief­greifende Wandlung der Anschauungen: die Einzel- ausbildung des Mannes soll gegenüber der Zusam­menarbeit in den Hintergrund treten, man legt we­niger Wert auf Erziehung des Einzelkämpfers als auf das Zusammenarbeiten des Kriegsapparates.

Das zweite Merkmal kaufmännischer Organi­sation, die Ausschaltung des Zwischenhandels soll auf das Heer in Form der Verringerung der zahl­reichen Zwiscbenbehörden übertragen werden. Damit nimmt man eine geringere Zahl weniger gut geschul­ter Unterführer in Kauf, wohl eben deshalb, weil die Materialschlacht weniger intellektuell und mo­ralisch hochwertige Kampfgruppen zu fordern scheint als vielmehr eine genügend große Zahl von militärisch gut einexerzierten Kolonnen, die hinter dem Artilleriefeuer und den Tankgeschwadern nach­marschieren können.

Als dritte Arbeitsmethode wird die Serien­arbeit genannt und dabei folgender Vergleich ge- braucht. Ein Automobil ist aus verschiedenen Stücken hergestellt. Die Fabriken lassen jeden ein­zelnen Teil von besonders ausgebildeten Arbeitern anfertigen, dann setzen andere Arbeiter diese Ein­zelteile zu größeren Bestandteilen zusammen, und dann kommen wieder andere und machen den Wa­gen fertig. Aehnlich ist auch die militärifdje Aus­bildung gedacht: Der Rekrut ist Rohstoff und wird zu einem Spezialisten Einzelteil ausgebildet: dann kommt dieser Teil mit anderen Teilen an­deren Spezialisten zusammen usw., bis die Ar­mee das fertge Automobil vor uns steht. Hier haben wir ein starkes Maß unpersönlicher Sy­stematik vor uns. Jeder Mann soll nur ein Spe­zialist, ein Maschinenteil fein, kein denkendes und handelndes Glied in einem lebendigen Körper. Der Kampf soll ja auch wie eine Maschine ablau'en Was aber, wenn ein solcher Teil ausfällt? Blcibt dann nicht die ganze Maschine stehen, weil keiner der andern Teile imstande ist, denkend die Lücke zu ersetzen? Ist denn der Krieg nicht das Gebiet der stärksten Reibungen, die nicht so leicht und sicher zu beseitigen sind wie bei der Maschine?

Uns Deutschen scheinen diese Gedanken fremd­artig, wir find auf ein persönliche Erziehung zu disziplinierten, ober denkenden Kämpfe"« eingestellt. Die ans aufgezwungene geringe Stärke der Armee erlaubt uns hierin weit zu gehen. Je«, seits der Vogesen zwingt nur die Wirtschafts- läge zur Sparsamkeit. Die notwendige Folge der Verkleinerung der Armee möchte man ober aus dieser Tatsache nicht ableiten. Es scheint aber berechtigt zu fragen, ob es für Frankreich nicht Selbftaufgabe bedeuten würde, wenn es vom Grundsatz der persönlichen, auf die Materialwucht gestützten Masse abginge. Frankreich steht heuie vor der ernsten Gefahr eines wirren Rassengemi- sches aus Romanen, Polen und Farbigen, i

Die Kan pfgebiete.

Lateinamerika.

Aus Washington wird gemeldet: Sechs weitere amerikanische Kriegsschiffe, darunter drei Kreuzer, haben Befehl erhalten, nach Nicaramia auszulaufen. An Bord der Schiffe befinden sich 400 Mann Marinetruppen. Wie das Marinedevartement mit­teilt, verfolgt die Entsendung weiterer Truppen nach Nicaragua den Zweck, Admiral Latimer in den Stand zu setzen, das Leben und Eigentum der amerikanischen Staatsangehörigen unter allen Um­ständen zu schützen.

Wie Associated Preß aus Managua meldet hat das Staatsdepartement in Washington dem Führer der Konservativen in Nicaragua, Diaz, die Erlaubnis erteilt, aus den Vereinigten Staaten 1000 Gewehre und 160 Maschinengewehre sowie einige Millionen Patton en zu beziehen.

Aufstand in Mexiko.

Reuter meldet aus Mexiko: In Handelstce.ieii ist die Nachricht eingegangen, daß Zacatecas, das Zentrum der Silberbergwerke,' von 2000 Aufstän­dischen unter General Gallegos besetzt worden ist. In anderen Teilen des Landes sollen eben­falls Revolten ausgebrochen sein.

Der Aufstand in West-Sumatra.

Aus Pandang (Westsumatra) wird gemel­det: Der ganze Aufstandsbezirk von Silvengkong ist von der Bevölkerung so gut wie verlassen. Man erwartet eine Wiederherstellung des Eisen­bahnverkehrs. Aus Sawahloento sind vorsichts­halber alle Frauen und Kinder unter star­ker militärischer Bedeckung nach Solok gebracht worden.

China.

Die englische Admiralität soll beschlosien haben, 9 weitere Torpedobootzerstörer nach China zu schicken.

Der Minister des Aeußern der Santonregierung, sprach dem britischen Generalkonsul das tiefste Be-' dauern seiner Regierung für die Beschädigung des britischen Kriegerdenkmals aus.

Noch amtlichen Meldungen aus Hankau wird dort die Lage immer bedrohlicher. Am Montag wurde ein deutscher Staatsangehöriger in der briti- schen Konzession von einem chinesischen Agitator durch Dolchstiche schwerverletzt.

politisches Attentat.

Wie die Presse aus Trient meldet, wurde in Roguso der Orjuna-Führer Dr. Bartolowic über­fallen und durch Revolverschüsse ge­tötet, während einer seiner Freunde schwer ver­letzt wurde. Dieses Attentat wird mit der Ermor­dung des Orjuna-Füb«rs Zie in Verbindung ge­bracht. Man befürchtet Repressalien seitens der Orjuno und Unruhen beim Leichenbegängnis Zies

Mussolinis Feinde.

Anarchistenverhaftung bei Como.

Wie aus Como berichtet wird, hat in der Röhe des Ortes eine Carabinieri-Patrouille drei Leute festgenommen, die ohne alle Ausweispapiere wa­ren, dagegen verschiedene italienische und ausländi­sche Geldbeträge sowie anarchistische Pro­pa g a n d a s ch r i f t e n bei sich hatten. Sie wa­ren aus der Schweiz in der vorhergehenden Nacht heimlich über den Monte Canerose nach Italien gekommen und hatten in einer Garage vergeblich versucht, ein Auto zu bekommen. Die Behörden bewahren über den Fall strengstes Stillschweigen,

Die polnische Außenpolitik.

Der polnische Außenminister ZaleSki äußerte sich im Auswärtigen Ausschuß dcS Sejm ausführlich über die Außenpolttck Polens. Bei dieser Gelegen- heit glaubte er bie Behauptung aufstellen zu müffen, daß sich in Deutschland gewisse beunrubicenbe Tendenzen bemerkbar machen, bie eine Verschärfung Bet Begehungen zu Polen anstrebten. Er könne bleie Tatsache nicht «ftt Schweiaen übergeben mit Rücksicht auf die ernste Gefahr, bie darin für Pole« läge.

Obwohl «8 keinen großen Zweck bat, gegen pol­nische Herzensergüsse anzulämpien, wollen wir doch nicht unterlaßen, mit aller Schärf« daraus binzu- toeijen, daß bte Ausführungen des polnischen Außen­ministers vollkommen aus der Luft gegriffen sind. Minister Zoleski hat einfach Behauptungen gemocht, ohne auch nur den Schimmer eines Be- wei es zu erbringen. Tas wäre ihm auch schwer gefallen, denn in Deutschland denkt niemand an bie Verschlechterung bet Beziehungen zu Polen. Im Gegenteil: allgemein wird bedauert, daß an der unnachoiebigen Haltung Polens alle Veriuche, zu einet Besserung zu gelangen, bishcr gescheitert sind. Nicht an Deutschland liegt es, den guten Willen zu zeigen, sondern an Polen. Darüber ist sich alle Welt klar, nut Herr Zoleski anscheinend nicht.

* Neun Personen durch Kohlenoxydgas ver­giftet. Zn einer Berliner Metallwaienfabnk in ot-r Ritterstraße brachen neun Arbeiter plötzlich be­wußtlos zuwmmen. Sie waren durch KohlenoxtdgaS vergiftet worden. Der alarmierten Feuerwehr ge­lang eS, acht Arbeiter durch <s aueiftoffapparate wieder zum Bewustsein zu bringen, während bet neunte Leninist tickte ins Krankenbaus gebracht werden mußte. Die Gase sollen einem tchadhaften Ofen ent» fnömt sein. Die Polizei hat eine Untersuchung em» geleitet.