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Ar. 4.

Anzeiger für die Sfahf und den Kreis Fulda.

Sddieinl sechsmal wüchenllich Wodienbeilage. .Illustrierte Beilaa»' undBuchenvlätter^ BoiationSdruck und Verlag der Rulbaet ?Ictiendr»<kerei In k^ulda Fernsprecher 91t 9. : Mnnatllcher Bezugspreis 1.50 Ml *

Donnerstag, 6. Januar 1927.

Amtliches krelsblalk.

Anzeigen-Preis« Kleinzeil« (Golonel) lutal 0,15 R.M, auSroärt# 0.20 AM Beklamezeile lokal 0,60 AM, auswärts 0,80 AM Bel Wiederholungen Rabatt. < Pnstscheclknnto itranfhirt a 9J1 9h <051

Zahrg.S4.

Die weiimrer Koalition?

Seit dem Sturze des Kabinetts Dr. Wirth im November 1922 ist der Gedanke einer Regierung auf Grund der alten Weimarer Koalition nicht mehr ernsthaft diskutiert worden. Man fand da­mals, daß man zur erfolgreichen Wetterführung der brunchen Außenpolitik die Mithilfe der Den t- schen Dolkspartei nicht entbehren könne und hat tmnrm gerade auch im Zentrum den Gedanken einer Wiederherstellung der Weimarer Koalition in den lohten vier Iahen immer für indiskutabel erklärt. Man muß zugeben, daß diese ablehnende Haltung begründet war und sich als politisch nütz- lich erwielen hat. Es hat zur Beruhigung der po­litischen Verhältnisse in Deutschland außerordentlich beigetranen, daß die Deu"che Volk-partei in die Regierung, und zwar zur Fortführung des von der Weimarer Koalition einoeleiteten außervolitischen Kursus, eingetreten ist. fieute ist Stresemann als Führer der. Deutschen Dolkspartei der R e pr ä . cntant einer Außenpolitik, die in ihrer Opferbereitschaft für die deutfch-französifche Verstän- digung erheblich roeitergegonoen ist ars es je eine Regierung der Weimarer Koalition hätte wagen können. Die Mitwirkung der Deutschen Dolksvar- tei bat außerdem den Vorteil gehabt das Urteil der Deutschnationalen üb»r tmfere 2lußenuolitik et­was obfektiver zu färben, für* und aut. es wird niemand nerhmnen, bah die B-ifeitest-llung der W">marer Koalition in auh»npontif*er Hinsicht große Vo^»lle gezeitigt hat. Eine Volitik, die noch vor vier Jahren das deutsche Volk in zwei scharf pi-schi-dene Poaer getrennt hat. die sich in der hart» <*iaft»n Weste bekämpften, konnte bei der letzten R'esendebatte im R»ich'tag von der Regierung Marr arg ein Dersöhnunasmoment dem Reichstag vorgehalten werden, ohne daß jemand Anstoß nahm.

Ist nun aber hier ein erkennbarer Abschluß ge­funden und sind die Resultate, die erreicht worden sind, von der deutschen Innenpoltik her kaum ge­fährdet, ist also gegenwärtig die Deutsche Volkspar­tei gezwungen, den außenpolitischen Kurs in der gleichen Weise weiter zu stüßen, wie es in den lebten Jahren die Sozialdemokratie getan hat und tun mußte, obwohl sie außerhalb der Regierung Und vorübergehend sogar gegen sie stand, kann in tfafer'fBeriebima eineRmacfüeilint'na der deutschen Politik durch ein Zurückgreifen auf die Weimarer Koalition nicht befürchtet werden.

Wenn die Weimarer Koalition in den letzten vier Jahren nicht mehr zur Diskussion stand, bann war auch daran das Verhalten der Sozialde- mo f r a t i e selbst schuld. Je mehr sie in ihrer Stellung außerhalb der Regierung außenpolitisch positiv bleiben mußte, umfomehr neigte ihr innen­politisches Verhalten zu einer rein negativen Kritik. Man braucht nur einmal denVorwärts" der letz- ten vier Jahre daraufhin nachzuvrüfen, um solche Einseitigkeit der politischen Stellunonahme sofort erkennen zu können. Dies- kritisch- Abseitsstellung hat auf die Führung der Reich^gefchäfte keinen be. sonderen Einfluß gehabt, da die Deutschnationalen immer gern dort einsprangen und die Regierung nach rechts zu ziehen wußten, wo die Sozialdemo­kratie aus varteitaktischen Gründen ihre Mitwir­kung glaubte versaaen zu müssen. Dagegen sind di- Schädia"naen für die politische Denkweise inner­halb der Sozsgldemokraten sehr groß geworden, so daß man wieder von einer betrüblichen Radi­kalisierung der sozialistischen Mas­sen sprechen konnte S-lbft in der sonst gemäßig­ten farialdemokrastschen Pr-sfe stand-n in den letz­ten Jahren Ausführungen über die b-iden anderen Weimarer Koalition«nart-ien. das Zentrum und die Deutfch-demokrat'lche Partei, bi# über das Maß einer vevständsteb-n Kritik an alten Kampfgenosten in D-utfchlands schwerer Zeit weit Hinaus gingen. Die Sozialdemokratie war auf dem b-sten Weg-, sich politisch zu isolieren und in ihren asten staatsfeindlichen Radikalismus zurückzufallen. Daran hat aber das Zentrum wirklich fein In­teresse. Es war aber auch die parlamentarstche Stellung des Zentrums durch die wachsende In- . tranligenz der Soiafbemofratie empfindlich ge- schmacht. Eine Sozialdemokratie, die sich selbst be- wnßt vor jeder Möglichkeit zur Mitregierung aus­schloß, mußte das Zentrum in die Abhängig­keit der Deutschen Dolkspartei brin­gen, solls nicht das Zentrum vorziehen sollte, sich der Milardeit überhaupt zu entziehen und damit den Reichstag überhaupt arbeitsunfähig zu machen, denn mau kann kaum sagen, daß in einer Regierung, der Mitwirkung der Sozialdemokratie entbeh­ren mußte, das Zentrum faktisch die Führung ge­habt hätte.

Som Zentrumsstandpunkt kann es daher nur Jit begrüßen fein, wenn die Sozialdemokratie auf» richtige und energische Ansprüche auf Teilnahme an der Realerung stellt. Und es muß auch die par- lamentansche Stellung des Zentrums stärken, wenn lebt die tooüafbemofratie, was sie vier Jahre lang nicht getan hat. die Wiedererrichtung der Weimarer Koalition verlangt. Das einzige wirkliche gro»- Hemmnis für das Zentrum, dieses Verlangen vosiliv zu würdigen, die Unlicherheit des außenpolitischen Kurses, ist ja roegaefaHen. Das Verlangen nach Wiederherstellung der W-imarer Koalition ist iw .Vorwärts" von d-m soziaststifchen Parteiführer Müller-Franken erhoben und neuer» dinos von Sch-tdemann in einer Reichsbannerrede kn Berlin lebhaft unterstützt worden Aber auch der demokratiscke Parlamentarier, Pfarrer Korell, hat ietzt imBerliner Taoeblast" die Wei- niarer Koalition als den geeignetsten Au-w-a aus «er jetzigen Regierungskrise bezeichnet. Das Thema

Briand im Kampf

Von einem außenpolitischen Mitarbeiter wird uns geschrieben:

Kommt es in Frankreich zu einer Regierungs­krise? Das ist die große Frage, welche in allen Pariser Blättern seit zwei Tagen in ausgiebigster Weise erörtert wird. Es ist schon längst ein offenes Geheimnis, daß im französischen Kabinett hinsicht­lich der Führung der auswärtigen Politik schwer­wiegende Meinungsverschiedenheiten herrschen; insbesondere ist hinlänglich bekannt, daß die Ansich­ten B r i a n d s und P o i n c a r e s sich sehr stark widerstreiten. Seit der- letzten Genfer Tagung bat sich das Verhältnis zwischen diesen beiden Per- sönlichkeiten immer mehr verschärft, und nunmehr fürchten weite Kreise, daß der Konflikt offen zum Ausbruch kommen werde. Den Anlaß zu diesen Befürchtiingen bieten die beiden Interviews, welche Briand dieser Tage den Vertretern des Matin" und desJournal" gewährt hat. Die Ausführungen des französischen Außenministers haben in der Oeffentlichkeit das größt- Aufsehen hervorgerufen, und es wird allgemein die Ansicht ausgesprochen, daß Briand den Intriguen g-aen seine Politik und gegen seine Person ein Ende macht und nicht nur die Kammer ,sondern weit mehr noch die Regierung zu einer unzweideutigen Erklärung in der V-rständigungsvolitik zwingen will. Man faßt die Morte des Außenministers als eine offene Kampfansage auf, die sich gegen feine Ministerkollegen richtet, die nicht eines Sinnes mit ihm sind und zu denen natürlich auch Minist-rvrä- fibent Poincare gehört. Da sich die Oeffentlichkeit jetzt heftig mit den Gegensätzen im Kabinett besaßt, rückt die Gefahr einer Regierungskrise bedenklich näher. Es müssen schon Gründe schwerwiegender Art fein, durch welche Briand zu seinem Husaren- ritt gegen seine Gegner bewogen worden ist, denn der Außenminister ist sich ohne Zweifel bewußt, daß heute eine Kabinettskrise in Frankreich unab­sehbare Gefahren im Gefolge Haden kann, insbe­sondere auf dem Gebiete der noch längst nicht be­festigten Währung und der Staatsfinanzen. Da Briand trotzdem seinen Standpunkt so energisch vertritt, kommt man zu dem Schluß, daß ihm ein anderer Weg zur Durchsetzung seiner Pläne nicht mehr gangbar erschienen ist.

Die Pariser Rechtspresse schäumt natürlich vor Wut, besonders weil Briand eine parlamen­tarische Aussprache über die französische Außen-

steht also zur Diskussion. Dem Zentrum kann es nur recht fein. ,

Im Zusammenhang mit der Regierungskrise steht offenbar eine Reise, die der Führer der Deutschnationalen, Graf W e st a r p, in den letz­ten Tagen nach München unternommen hat. Westarp hat am 4. Januar Dem bayerischen Mini­sterpräsidenten Dr. Held einen Besuch abgestattet. Dem Grafen Westarp liegt, was kein Geheimnis ist. viel daran, die Bayerische Volk spartet für die deutschnationalen Koalitionswünsche im Reiche zu gewinnen und er hat wahrscheinlich mit vroßer Betrübnis gesehen, baß bie Organe ber Bayerischen Dolkspartei in ben letzten Tagen recht wenig Reioung zur Erfüllung biefes Wunsches be­kunden. den Deutfchnationalen vielmehr einige Un­freundlichkeiten oesagt haben. DerR-oensburger Anzeioer", das Organ des bayerischen Ministernrä- sident-n. bestätigt indirekt, daß zwischen Westarp und Held die R-ubilduna der Reichsregierung er­örtert worden ist. Es ist für die Wertschätzung, die man in d-utfchnationafen Kreisen zur Zeit der Banerilchen Volksvartei angedeihen läßt, bezeich­nend, daß in einem ihrer Organe bereits der Ab- aorbnete, der Bamberger Domkapitular Dr. Leicht als künftiger Kanzler bezeichnet worden ist.

Loebe bei Hindenbura.

Die die ter berichten, werden die Verhand­lungen bett Reich-präfiZenten nut den Partei'üh-ern über de Bildung der neuen Reaieruna, die am Montag besinnen, mit ein-m Empfang be$ RuchS- tagsPröfidenten Loebe einreletfet werden. B Sher ha'en lediglich gant interne Votbetprechunaen zwischen einzelnen waßaebeden P-riönlick festen ffatt- elunden. Wie da» ,,B. T." wisien will, m r* der erste Auftrag zur Regierungsbildung voraussichtlich an einen Volksparteiler ersehen.

Oderschlesien.

Ein'kerbnndsbcauiter reift nach Oberschlesien.

Der Seher d»r Sek ion für nationale Minder­heiten im VölkeibiiniZslekretariat, der Rwtwger Ealban, fährt nach einet Breslauer Meldung bet ,Voss. Z'g.' am 11. Januar zum ersten Male nach Kaitonutz zu einem viertägigen @tubienailfenfhalt. Er wird zunächst mit dem schlefüchen Wojwoben konferieren und bann ausführliche Besprechungen mit ben Vertretern bet beutfchen Minderheit in Poluisch-Obetlchlesien und bet polni cheu Minder­heit m Teutfch-Oberschleiien abhalten und schließlich sich auch mit $e,tretet« der Industrie in Verbin­dung setzen.

Marokko.

Uebetsall «panischer Soldaten.

Wie Havas aus Tanner meldet, besagen Ä?el- bungen ans Te nor, daß in der 'panischen Marokko- Zone eine venusse Unsicherheit herrsche und daß 20 'panische Cowoten von *en Teli-Zver in einen Htu'erbalt gelockt und ge'ö'et morgen seien. Außer- Dem würbe ein leb' a ter Waffenschmuggel unter Be­nutzung ber Rishäfen trotz Der Ueberwachung von der Seejette her betrieben.

mit feinen Gegnern.

positik wünscht. Man befürchtet in diesen chauvi­nistischen Kreisen, daß bei dieser Angelegenheit die Frage ber Rheinlanb-Röumung zur Sprache kom­men werbe. Die gemäßigteren Organe versteh-n noch etwas Zurückhaltung zu üben. So versucht zum Beispiel bieHumanste" Poincare urb Brianb gegeneinander aufzuhetzen, indem sie behauptet, Briand wolle die Realerung Poincare stürzen und selbst noch einmal Ministerpräsident werden. An­dere Blätter wiederum glauben, daß die Erklärun­gen Briands nur eine Warnung bedeuten sollen. Briand hat seinen Gegnern gezeigt, daß er seine Politik eneraisch zu verteidigen gedenkt", schreibt Paris Midi".Schon diese eneroische Erklärung wird ihm Ruhe verschaffen." Diese Provh»zeiung wirkt jedoch etwas optimistisch, wenn man die Er­güsse von Haß und Wut lieft, bie sich bie reaktio­nären Zeitungen geaen Brianb leisten. Was in berAction Francaise" und in anderen Hehblät- tern über den Außenminister zu lesen ist. läßt sich nicht einmal in Andeutungen roieb»raeben. Aber auch ernste politische Blätter wieCErfm de Paris". L'Avenir" und sogarJournal des Debats" üben an der Politik Briands eine maßlos scharfe Kritik. Das zuletzt genannte Organ schließt seine lange Polemik mit folgendem Ermiß:

Es hanMt sich nicht darum, wie H-rrBriah glaubt zu wissen, wer für ober gegen Locarno ist, fonbern es geht barum, zu wissen, wie man bie Locarno-Verträge, bie niemand ernstlich in Frage zu stellen wünscht, auss-aen will, d. h. ob sie den gegenwärtigen europäischen Status Z" festigen ober zu zerstören bestimmt sind. Rach ber Räumung bes Rheinlandes, falls eine solche ohne Garantien zuae- standen werden sollte, wird man Deutschland üch von den Verpflichtungen des Dawesplanes entledi­gen sehen."

Diese Haß-Orgien werden jedoch, soweit Briand nach seinen jetzigen Taten auf d-rn Gebiete der Außenpolitik zu beurteilen ist, dies Vorkämpfer für eine Befriedung Europas nicht davon abhalten, auf feiner bisherigen Bahn weiterzugehen, um ge­meinsam mit den deutschen Politikern endlich die theoretischen Erörterungen über die Locarnovolstik zu praktischen Ergebnissen auszugestalten. Das ist auch dringend erforderlich, damit endlich Vorkomm­nisse, wie sie sich in den Reujabrstagen roieb-rum Im Rbeinlanb ereignet haben, in ben Bereich der Unmöglichkeit gehören.

Die nördlichen Ranöjtoatcn.

Zur Außenministerbesprechung in Reval.

Zu den B' preckunaen der Minister der Raufern Estland?, Lettlands und Finlands wird amtlich die vollständige UebeTeinfhmmiing der An­sichten in allen behandelten Fragen festgestellt. Zn polstischen .Kreisen Estlands wi>d den erzielten Er­gebnissen. bie auf dem Gebiet der aiiZwärtigen Politik vollständiae Einigkeit der so zia It ft i leben Negierungen Finlands und Lettlands mit der nicht» 'oüalislstchen Regierung Estlands an den Tag legten, große Bedeutung beigemeffen.

Der ferne Osten.

Die Zuspitzung der Lage in hankau.

mtb. Shanghai, 5. Jan. (Eig. Funkm.) Rach einer Meldung aus Hankau haben gestern abend die in die britische Niederlassung einaedrungenen Chinesen das Zollgebäude und das Gebäude ber Gemeindeverwaltung ber Niederlassung besetzt und die Briten aus der Niederlassung vertrieben." In der Niederlassung wird die Ordnung von chinesi­scher Polizei aufrecht gehalten.

totb. London, 4. Ion. (Eig. Funkm.) Zu den Vorgängen in Hankau meldet Reuter noch, daß dos aus iapanifcher Quelle stammende Gerücht, wonach die Engländer auf der britischen Niederlassung Der. trieben sei-m, sich nicht bestätigt. Jedoch hätten seit dem Einbringen ber Dolksmafsen in bie Nie­derlassungen die erratischen Behörden es für un­möglich gehalten, ohne Waffen ^"brauch tre er­regte Menae aufrechtzuhalten Sie hatten deshalb die Niederlassung unter der Kontrolle ber Konton- truppen gelassen Die zur Berfüguna stabende eng. lisch» Marineabtellung war zu geringfügig und wäre, wenn sie nicht zurückgezogen wäre, voraus­sichtlich unterlegen.

Ablehnung des britischen Lbinamemorandums durch Javan.

Außenminister Baron Ghibefjara empfing, wie aus Tokio gemcld"t wird, den englischen Botschaf­ter, dem er ben Gtanhnuntt her japanischen Re- oierung zu bem englischen Memoranbum über" China zur Kenntnis brachte. Er erklärte, bie To­kioer Regierung glaube nicht, mit ber von her ermstscherr Remerung Dorn»i*iagen»n Kollektlv- erflörunq anfchi.eften zu muffen. Sie könne nur bedau-rn, daß d>e enollfche Reaieruna sich gemei» oert habe, ihrer Anrear.na zu fofaen unh »ine K on. serenz zwilchen h»n Vertretern der Mochte, bie bas Wafbipowner Abkommen unZ»rZeichn»t haben, und den Delegieren oller ck'nesttrb-n Provinzen abzuhalten, um offiziös über die Zollfrei-'N zu per- borfbefr. Es scheine somst. daß in Zukunft bie A"sr»chterbaltung »-»»r Einheitsfront ber 'wöchr- neaen-'ber China schwer burchsÜyr» bar sein werde.

* Gnadenatt des Oän aS von Bntearien. RuS Anlaß deS Neiijabrsfe es baf der Sönta van Bul­garien neun wegen Vergebens »egen das Geietz zum Schutze des Staaies zum Tode Verurteilte begnadigt.

Panamerika und Pet ol um.

Von Dr. W. Brunn er-Berlin.

Das auf Grund ber Monroc-Doklrin geprägte Sch'agwortAmerika den Amerikanern" haiie längst die Bedeutung gewonnen: Amerika den Nordamerikanern. Die mächtigen Vereinigten Staa­ten haben es nicht wie andere Nationen notig, fick, zu- Sicherung ihres Rohstoffbezuges Kolonien m anderen Erbteilen zu gründen, ttxmn sie den genial, tiaen, sich durch alle Zonen hinziehenden amerika­nischen Kontingent beherrschen, der ihnen 'tut Ausnahme von Kautschuk, Seide, Sllcll und Ime alles liefern würde. Die Politik ber Vereinigten Staaf»n ist baher seit Jahren, und vor allem nach dem Weltkriege, darauf eingestellt, ihre fjerrkha-ts» zvne besonders nach Süden aussubebnen. Ihre Fi­nanz- unb Wirtschaftspolitik aibt ihnen bi» Mittel. Mit wenigen Ausnahmen sind beute alle Staaten bes amerikanischen Erdraumes von der Union wirt- schriftlich unb finanziell burchbrungen. Der Gedanke einer panamerikanischen Union hat daher durch die Vereinigten Staaten die aräßte Förderung er­fahren und stillschwei-'-'nd sind sie von den be» teifiaten Ländern clls Führerin anerkannt mo-hen.

Besond»p»» Gewicht legen die Vereiniat-n S'aa- t»n auf Abhänaiamachunn i»n»r am»rifanilch»n Swat»n, in denen sich d»r Rohstoff find-'t. der feit 30 Jahren die höchste M-rfsckäh"na erfahren hat unb um ben die V-m-nnigten Staaten in erfhr Linl» mit b»r anaetföchfi(rhen Schwesternation heiße wirtschaftliche und noststfeh» Kämvf» geführt haben: das Petroleum. Die Rivalität der Amerikaner und Enaländ-r in der E-bätfrage trat auf dem amerifa- Nischen Kontinoent befonhers scharf in M»riko Her. oor. Denn dieses dem Panamakanal unb den, la­teinamerikanischen Vasallenstaaten ooraefagerte Land hatte durch die öorfiaen Petruseumfunde für die panamerikanischen Pläne ber Union eine be« fnnbere Wichtigkeit bekommen. Daher sahen es die Amerikaner, nachdem 1901 DoHeny große Erdöl» konzesiionen in Meriko erworben hatte, nicht oern, daß die enolifche G»selllchaft S. Pearson u. Gons, die schon seit 1884 Ber-chaukonzessionen inne hatte, 1902k beim Bau der Tehudntepec-Bcihn ebenfalls auf Del stieß und sich Reckte daran sicherte. Die Feindschaft der amerikanischen und enalifcken Gefell- f(haften stieg in dem Maße der Delprobuftion. Von einschneidender Bedeutung für die P»troi»umIndu­strie in Mexiko wurde das Jahr 1907. In diesem ftahre wurde durch Dohenn die Merican Petroleum Eomp. of Delaware gegründet, aleichzeitia aber auch die Eompania Merirana be Vetrolo E Aguila von englischer Gelte, welche die Oetinteresien von G. Pearson übernahm. Die Amerikaner behielten aber bie Führung. Im Jahre 1910 hatten sie be­reits 15 Millionen Dollar, bie Engländer nur 10 Millionen Dollar in der mexikanischen Delinbuftrie angelegt; die rasch an die zweite Stelle unter den Weltprobuzenten aufrückte: heute beläuft sich das in ber mexikanischen Delinbuftrie investierte ameri­kanische Kapital auf 606 Millionen Dollar.

1911 wurde der kluge unb energische Präsibent Porfirio Diaz, der feit 1876 ununterbrochen die Geschicke seines Landes geleitet und zu dessen Er­schließung vor allem durch die Petroleuminduftrie fremdes Kapital hereingeogen Hatte, gestürzt. Un­ter seinem Nachfolger löste ein Aufruhr den an­dern nb, und die Dolkswut richtete sich in steigen­dem Maße gegen die landbesitzenben Fremden, be­sondere gegen die Amerikaner, deren Leben unb Eigentum nicht mehr sicher war, was naturgemäß die Petroleumindustrie stark benachteiligte. Da­mals wurde bie Losung ausgegeben: Mexiko den Mexikanern! Nach der Ermordung Maderos trat 1913 Huerta die Regierung an, ohne zunächst von den Mächten anerkannt zu werden. Als ober Großbritannien Gir Lionel Carden, einen alten Gegner des amerikanischen Staatssekretärs Knox, wegen Vorgehens der Union gegen Euba zu Huerta schickte, glaubte Wilson, daß dies ein erster Gchritt zur Anerkennung der neuen mexikanischen Regie­rung durch die Engländer wäre und diese den Amerikanern in der Petroleumfrage zuvorkommen wollten. Wilson setzte es daher durch, daß Earbcn 1914 abberufen wurde. Als die Enoländer den entschlossenen Widerstand der amerikanischen Re­gierung spürten, die unter dem Schutz des Eigen­tums ihrer Bürger in Meriko Förderung ihrer eigenen Erdölinteressen unb Abwendung bes eng« lisehen Einflusses verstaub, zogen sie sich zurück, zumal die Ainerikaner boch schon ben größten Teil der Delselder in den Händen hatten. Der englische Petroleiimkonzern richtete leine weitere Aufmerk­samkeit infolgedessen aus Columbien, wo er neue Konzessionen erwarb.

Da aber Washington der Ansicht war, daß die an Engländer gewährten Konzessionen bie Gelb« Händigkeit Columbiens gefährden konnten, diese» Land sich auch in unbeguemer Nähe des Panama» kanals befindet, so protestierte es in London. Unb nicht vergebens. Die englischen Delgesellschafien wurden aus Columbien unb Nicaragua ganz zurück- gezogen. England rächte sich aber dadurch, daß es die Aufhebung der zollfreien Durchfahrt amerikani­scher Küstenfahrzeuge durch den Panamakanal er­zwang und ferner, daß die Vereinigten G'aaten an Columbien wegen ihres rücksichtslosen Vorgehens in der Panamafrane eine Entschädigung von 25 Millionen Pfund Gierling zu zahlen hatten. Dor der Ratifizierung dieser Derträae gelang es aber der Standard Di, Comp. of Califonia, von Colum­bien eine Konzesiion auf 1.4 Mill- Acres, unb bem amerifanikhen Delprofpeftor Wm. Braden, eine solche in Bolivien auf 5,3 Mill. Acres Petroleum- lanb zu erhalten.

Nach erneutem Umsturz in Mexiko gab Carranza 1917 dem Lande eine Verfassung, welche die natio­nalen Wünsche befriedigte unb bie Eiaentmnsmeit«