Dienstag, 4. Januar 1927.
FuldaerZertung
Anzeiger für die Sfabf und den kreis Fulda. Amtliches Krelsblall.
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Die Kundgebungen zum Jahreswechsel.
Die Empfange beim Reichspräsidenten v. Hindenburg. — Bedeutsame Aussprache des Päpstlichen Nuntius. — Hindenburgs Antwort.
Reichspräsident von Hindenburg empfing am Reujahrstage um 12 Uhr die Chefs der Berliner fremden diplomatischen Vertretungen. Während der Auffahrt der Diplomaten erwies eine Abteilung Reichswehr im Ehrenhof des Reichspräsidiums die militärisck^n Ehrenbezeugungen.
Die Gückwünsche des Diplomatischen Korps brachte
Nuntius Monsignore Pacelli
als Doyen mit folgender Ansprache zum Ausdruck:
„In dem zu Ende gegangenen Jahre, welches seinen Stempel dadurch erhalten hat, daß der große Staat, dessen höchstes Amt Sie so weise verwalten, in den Völkerbund eingetreten ist, hat der Gedanke des Friedens und der internationalen Zusammenarbeit trotz mancher Schwierigkeiten und Hindernisse einen neuen mächtigen Aufschwung genommen. Gleichwie der menschliche Geist in überraschendem Fortschritt immer vollkommenere Mittel der Technik schasst und durch sie die Entfernungen zwischen den Völkern zu Lande, zur See und in der Luft überbrückt, so ist man auch mutig am Werke, um durch umfassende politisch« und wirtschaftliche Abkommen die engen staatlichen Gren- zen zu überschreiten und Probleme, die bisher in schwe- -ren und oft unheilvollen Kämpfen ausgefochten wurhen, ouf dem "lege friedlicher Verständigung zu lösen. Zwar Wht sich u.e tatsächliche, endgültige Auswirkung derartiger Bemühungen noch nicht genau übersehen, aber «cmz zweifellos ist es tröstlich festzustellen, daß der Dedanke der Solidarität der Nationen, -deren Wohl gegenseitige unlösbare Bande wie in einem »gemeinsamen Schicksal vereinen, im Bewußtsein der Völker immer klarer und tiefer geworden ist. Mögen in dem Jahre, dessen Anbruch wir heute begrüßen, diese Keime sich entwickeln, wachsen und reiche, heilbringende. Früchte der Wohlfahrt und Befriedigung tra- gen! So wird es mit Hilfe der göttlichen Vorsehung möglich sein, den durch den furchtbaren Weltkrieg in seinen Grundfesten erschütterten und in seinen lebeswichti- gen Funktionen gestörten wirtschaftlichen und sozialen Organismus auf gesunden, festen Grundlagen wieder aufzubauen und Millionen starker, geschickter Hand«, die sich nach Arbeit sehnen und zurzeit gegen ihren Willen untätig sein müssen, der schaffenden Produktion zurückzu- gebsn; dann wird das Schreckbild der Erwerbs- l o s i g k e i t verscheucht werden können, das für ungeheure Mengen der werktätigen Bevölkerung unsagbare Leiden und körperliches, geistiges und moralisches Elend bedeutet. Möge das neue Jahr die Menschheit vor allem durch die engere Bande der Brüderlichkeit in den hohen Idealen der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Liebe vereinen, auf denen das Glück der Völker ruht.
Diese Gedanken machen es mir besonders angenehm, bei diesem willkommenen Anlaß im Namen des erlauchten Diplomatischen Korps, besten Wortführer zu fein ich wiederum die Ehre habe, Ihnen Herr Präsident, sowie dem gesamten deutschen Volke, dem wir von Herzen Größe, Glück und friedlichen Fortschritt unter Ihrer weisen Führung wünschen, die wärmsten und besten Wünsche barzubringen.'
Der Reichspräsident
erwiderte mit folgenden Worten:
.Mit aufrichtigem Danke nehm« ich die in so warme und herzliche Worte gekleideten Glückwünsche entgegen, die Sie im Namen des Diplomatischen Korps dem Deutschen Volke und mir als seinem Vertreter dargebracht haben.
Sie haben darauf hingewiesen daß das verflossene Jahr durch ein politisches Ereignis, den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, fein besonderes Gepräge erhielt, und daß während seines Verlaufes der Gedanke des Friedens und der internationalen Zusammenarbeit trotz mancher Schwierigkeiten und Hindernisse einen starken Aufschwung genommen hat. Wenn sich auch, wie Sie hervorgehoben haben, noch nicht mit voller Sicherheit übersehen läßt, ob diese Bemühungen um eine gegenseitige Verständigung zwischen den Staaten und Völkern den gewünschten Erfolg haben werden, so bin ich doch mit Ihnen der Ueberzeugung, daß diese Bestrebungen mit allen Kräften fortgesetzt werden müssen, um den Gedanken der Zusammengehörigkeit der Nationen zur Verwirklichung zu bringen. Hieran mitzuarbeiten hat sich das deutsche Reich durch die von Ihnen erwähnten internationalen Abmachungen erneut bereit erklärt. Nach den Spannungen und Erschütterungen der vergangenen Jahre sind die Völker in der Tat zu einer Schicksalsgem eins ch ast verbunden und in
Das Rätsel des Heidegrabes.
Roman von Erne st Becher.
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f .Was willst du tun?' fragte Carstens finster.
.Friedel muß fort! Ich schicke ihn weg und dann steht euch der Weg in sein Haus offen.'
Thorhus lachte höhnisch auf.
„Versuchts! Du hast gehört, welchen Bescheid Götrik erhielt! Und der bot ihm noch Vorteile!' rief er.
,Zch bin nicht Götrik,' antwortete Iänike. „Der Jüngling hält auf mich, er hört auf meinen Rat: auch will ich ihm fein Vaterhaus nicht nehmen, ich will ihn nur auf eine Spanne Zeit aus demselben bringen. Das wird mir gelingen!'
Skive machte eine Handbewegung, durch welche er die Aufmerksamkeit auf sich lenkte.
„Gut, wenn birs gelingt!' sagte er zu dem Lehrer. »Auch ich bin deiner Meinung, daß Götriks Vorschlag nichts taugt, wenn auch aus anderen Gründen als du: Der Großes vor Augen hat, wer feinem Vaterland nützen will, der darf die Mittel nicht scheuen, welche zum Ziele führen und müßte er selber zugrunde gehen! Aber Götriks Mittel führt nicht zum Ziele, denn hinter dein jungen Elfeld steht Föns und der ist ein gefähr- ücher Gegner. Aus diesem Grunde schon verwerfe ich Götriks Vorschlag: ich will aber auch nicht leugnen, daß Er meinem Gefühl widerstrebt. Denn Gottfried hat mei-
Tochter das 2eben gerettet, wie ihr wißt, und ich ihm Dank schuldig.' - "
ihren politischen, wirtschaftlichen und geistigen Lebensnotwendigkeiten mehr denn je aufeinander angewiesen. Jedes Volk hat in erster Linie das Recht und die Pflicht, seine politische Unabhängigkeit, seine Freiheit und seine Eigenart aufrecht zu erhalten. Das soll und darf aber nicht hindern, auf der Grundlage der Gerechtigkeit und der Gleichberechtigung aller Nationen das allgemeine Wohl der Menschheit zu pflegen und zu fördern. Seien Sie Überzeugt, daß das Deutsche Volk in diesem Sinne mit aller Kraft an der Erreichung des hohen Zieles der Völkerverständigung Mitarbeiten wird.
Herr Nuntius! Möge das neue Jahr die Wünsche, mit denen wir heute sein Stammen begrüßen, möge es das tiefe Verlangen der Menschheit nach ruhiger, ge- deihlicher Arbeit und nach einer wahren Friedensgemein- schast der Völker erfüllen. Möge es uns und allen anderen Völkern die wirtschaftliche Gesundung bringen, die der von Ihnen in so warm empfundenen Worten beklagten Not der Erwerbslosigkeit ein Ende setzt. In dieser Hoffnung spreche ich Ihnen, meine Herren, zugleich für Ihre Staatsoberhäupter, Regierungen und Völker, im Namen des Deutschen Volkes und im eigenen Namen meine aufrichtigsten und herzlichsten Neuiahrswünsche ans."
Hierauf begrüßte der Reichspräsident die ein- jelnen Botschafter, Gesandten und Geschäftsträger und wechselte mit ihnen Neujahrswünsche. BÄ dem Empfang waren außer Staatssekretär Dr. Meißner und der Herren der Umgebung des Reichspräsidenten, Reichskanzler Dr. Marx, Reichs^ Minister Dr. Stresemann sowie der Staatssekretär,^ Auswärtigen Amtes Dr. von Schubert zugegen.
Im Anschluß hieran empfing der Herr Reichspräsident den Reichskanzler sowie die hier anwe- fenden Reichsminister und Staatssekretäre der Reichsregierung.
Reichskanzer Dr. Marx
richtete an den Herrn Reichspräsidenten svlgende Ansprache:
„3<fi habe die Ehre, Ihnen, Herr Reichspräsident, zum neuen Jahre die ehrfurchtsvollen und wärmsten Glückwünsche der mit der Weiterführung der Geschäfte betrauten Reichsregierung darzubringen.
Nicht leicht war der Wog, den das deutsche Volk hn Jahre 1926 zurückgelegt hat. Nur ht ersten Anfängen war eine Besserung bet schwierigen Wirtschaftslage bemerkbar und insbesondere die im Mittelpunkt der wirtschaftlichen Nöte stehende Arbeiislosigkelt weist immer noch einen besorgniserregenden Umfang auf. Immerhin darf festgestellt werden, daß die Mahnung zu Arbeit und Sparsamkeit, die Sie, Herr Reichspräsident, vor einem Jlchre hier ausgesprochen haben, nicht unbeachtet «blieben ist. 3m Zusammenwirken von Regierung, Parlament und Wirtschaft, von Reich und Ländern sind beträchtliche Anstrengungen mit dem Ziel der Arbeitsbeschaffung entfaltet worden, lvährend es andererseits gelungen ist, trotz steigender Lasten den Reichshaushalt ohne tatsächliche Anleiheausnahme auszugleichen und den Haushalt des kommenden Jahres in den Grenzen der vorausgegangenen zu halten. Die festfundierte Stabilität der Reichsmark gab dem Ausland volles Vertrauen in die Stetigkeit der deutschen Finanz- und Wirtschaftsentwicklung. Auch auf dem rein politischen Gebiet hat sich Deutschland in wachsendem Matze die Achtung des Auslandes und die Berücksichtigung seiner Lebensinteressen gesichert. Während die deutsche Außenpolitik schon bestehende Freundschaften sorgfältig gepflegt und weitere vertragsmäßig verankert hat, war sie zugleich bemüht, die Beziehungen zu früheren Gegnern immer mehr auf die Grundlage der gegenfeitigen Verständigung und Gleichberechtigung zu stellen. Die Räumung der Kölner Zone, der Eintritt Deutschlands ht den Völkerbund mit ständigem Ratssitz, die Regelung der Jnvestigationsftage und die jitgefagte Zurückziehung der fremden Kontrollorgane kennzeichnen das Fortschreiten ht dieser Richtung. Erfreulicherweise konnte sich dabei die politische Leitung im zunehmenden Maße auf einen die verschiedensten Bevölkerungsschichten und Purteigtuppie-ungen u nfassen- den Willen zum Wiederaufbau der deutschen Weltgeltung mit den Mitteln einer ebensosehr auf die friedliche Verständigung wie auf die Wahrung der nationalen Würde bedachten Politik stützen. Dieser Zug zu ein» heitlicher Willensbildung in den großen Le- bensftagen der Nation, von dem wir wünschen und Ät, daß er sich immer stärker entfaltet, berechtigt
r Erwartung, daß unter ihrer vorbildlichen Leitung Deutschlands Bemühungen um die europäische VerstSn-
„Gefühl, Gefühl!' rief Danske. „Unsere Sache ist verloren, wenn wir uns von Gefühlen leiten lassen.'
„Iänike redet auch gefühlvoll,' sagte Thorhu, spät, ttsch. r . *
„Ich hab« euch einen vernunftgrund genannt, den Ihr nicht widerlegen könnt,' antwortete Skive gelaffen.
„Horckt mir zu!' bat (Siteborn. „Ich hätte einen an. dem Vm schlag. Götrik, du schreibst morgen nach Kopenhagen, wie, wenn sie uns von dort--*
„Auch ich habe daran gedacht,,' unterbrach ihn Skive rasch. „Aber dies muß reiflich überlegt werden, wir wollen die Sache beschlafen und ich rate, wir gehen jetzt heim.'
Zugleich stand er auf und schob feinen Sitz unter den TM f ... äitodl-ie
Di« andern blickten ihn verblüfft an.
„Ader die Sach« drängt," rief Carstens. „Schnelles Handeln ist notwendig.'
„Noch notwendiger ist Ueberlegung," antwortete der Waffenhändler in nachdrücklichem Ton. „Wir find er- regt, das schadet der Ueberlegung; in der Erregung faßt man keine wichtigen Beschlüsse. Ich weiß, was ich rede — und bann allseits gute Nacht!'
Er verbeugte sich unb schritt zur Türe hinaus. Bitter lächelnb sah ihm Iänike nach.
Carstens schüttelte ben Kops, erhob sich aber ebenfalls unb schließlich folgten alle Skioes Beispiel, nachbem sie sich vorher von Danske verabschiedet hatten. Hamsun ließ die Männer aus dem Hause. Götrik, Thorhus unv Eikeborn verließen dasselbe zuerst; nach fünf Minuten folgten ihnen Iänike, Carstens und der Waffenhänbler,
Der Reichspräsident v. Hindenburg wechselte mit dem österreichischen Bundespräsidenten Hämisch, mit dem König von Schweden, dem ungarischen Reichsverweser Horthy und mit hem Schah von Persien Neujahrsglückwünsche.
Der Neujahrsempfang in Paris.
Beim Neujahrsempfang in Paris wies der päpstliche Nuntius, Msgr. Maglione, in seiner Ansprache darauf hin, mit welcher Freude die Bemühungen Frankreichs um die Befriedung der Völker betrachtet worden seien; er fuhr dann fort: .
Wir find sicher, daß die französische Regierung dieses Werk sortsetzen wird. Upfer volles Vertrauen ist noch durch die Gedanken bestätigt worden, die der französische Minister des Aeuhern vor mehr als drei Monaten den Vertretern einer so großen Zahl von Nationen entwickelte. Seine so beredten und so tief empfundenen Worte drückten die Sehnsucht der Völker nach jener Annäherung und vergeistigten Brüderschaft aus, die sie in den Stand
digung zum Wohl des deutschen Volkes und der internationalen Gemeinschaft erfolgreich fortgeführt werden."
Der Reichspräsident
erwiderte hierauf mit folgenden Worten:
, „Für die Glückwünsche, die Sie, Herr Reichskanzler, mir namens der Reichsregiemng dargebracht haben, sage ich. Ihnen meinen herzlichen Dank, ich erwidere Ihre Wünsche in aufrichtiger Anerkennung der Arbeit, die Sie alle im vergangenen Jahre gemeinsam für unser Vaterland und unser Volk geleistet haben. Mit einem besonderen Glückwünsche grüße ich den Herrn Reichsminister der Justiz und das Reichssustizministerium, dnS am heutigen Tage auf ein 50jähriges Bestehen und damit auf ein halbes Jahrhundert wertvoller Arbeit für das große Merk deutscher Rechtseinheit zurückblicken kann. Ich wünsche dem Reichsjustizministerium und allen seinen Mitarbeitern, daß sie, wie bisher, mich in der Zukunft für die Erhaltung und Festigung des Rechtsgedankens im deutschen Volke wie in den Beziehungen der Völker untereinander erfolgreich weiterwirken mögen.
Gerne erkenne ich mit Ihnen, Herr Reichskanzler, an ,daß das abgelmifene Jahr uns auf dem Gebiete der Außenpolitik wie im Innern gewisse Fortschritte gebracht hat. Wer noch harren wichtige Aufgaben der Lösung; sie soll das neue Jahr uns bringen: In erster Linie muß es unser aller gememsames Ziel sein, baldigst die Räumung der immer noch besetzten Gebiete zu erreichen, damit das deutsche Volk überall in deutschem Lande frei und ungestört feine Kräfte in friedlicher Arbeit entfalten kann. Im Bereiche der inneren Politik ist am dringendsten die Behebung der wirtschaftlichen Not der immer noch so überaus großen Erwerbslosigkeit, die täglich für über eine Million deutscher Arbeiterfamilien schwere materielle und moralische Sorgen bringt. Daneben harren wichtige sozialpolitische Fragen, harrt die Neuregelung der finanziellen Beziehungen zwischen Reich und Länder der Lösung.
Wir wollen am heutigen Tage hoffen und wünschen, daß es im neuen Jahre gelingt, alle diese bedeutsamen Aufgaben durchzuführen und Damit eine Grundlage zu schaffen, auf der die weitere Gesundung und der Wieder- aufftieg unseres Volkes sich vollziehen kann. Hierzu ist die erste Voraussetzung, daß in allen Lebensfragen unserer Nation der einige Wille und die zusammengefaßte Kraft aller Teile und Schichten unseres Volkes eingesetzt werden können. Daher richte ich auch an diesem Tage und von dieser Stelle aus an unser Volk, an alle Parteien und alle Berufs stände den dringenden Appell, nicht immer die Verschiedenheit der Weltanschauungen und die Gegensätze der Interessen in ben Vordergrund zu stellen, sondern sich in erster Linie auf das Gesamtwohl oes Vaterlandes leiten zu lassen. 9~7jT darauf kommt es an, das Trennende zu Betonen, .Jjonbcm darauf, das uns allen Gemeinsame zu f" ,en und festzuhalten, das alle persönlichen Gegensätze überbrücken unb alle Deutschen verbinden muß, näinlich die Sorge um Deutschland und seine Zukunft. Nur, wenn dieser Gedanke Gemeingut aller unserer Volksgenossen ist, können wir das Gespenst in unserem Hause, die Zwietracht und die Zerrissenheit, bannen und die ernsten Aufgaben, die unser harren, so lösen, wie es das Wohl des Vaterlandes unb seine Zukunft fordern. Daß dies gelingen möge, ist mein tiefempfundener Wunsch, mit Dem ich an der Schwelle des neuen Jahres alle Volksgenossen von Herzen grüße!
Später übermittelten das Reichstagspräsidium, eine Abordnung des Reichsrats, die Vertreter der Wehrmacht, der Reichsbahn und der Reichsbank dem Reichspräsidenten die Glückwünsche zum Jahreswechsel. .. ,
her im Hausflur auf die andern gewartet hatte.
Die drei Männer schritten schweigend über ben Marktplatz. Als sie zur Seestrahe gekommen waren, in welcher der Arzt wohnte, blieb Iänike stehen unb sagte un- vermittelt zu Skive: -
„Du mißtraust mir!'
Der Waffenhänbler blickte ihm im Mondstchte voll ins Gesicht.
«Ich traue niemandem mehr, seitdem ich Elkeborgs Verrat erlebt habe', antwortete er.
„Herrgott, du bist gerecht!' rief Iänike aus.
Dann schritt er weiter, ohne sich von den beiden an- dem zu verabschieden.
Als seine Gestalt im Schatten der Häuser verschwun. den unb seine Schritte verhallt waren, sagte Skive zu dem Arzt: «g
«Ich mißtraue ihm! Nicht, daß ich ihn für einen Verräter hielte; aber seine Zuneigung für Gottfried Elselb ist uns gefährlich. Er braucht nicht zu wissen, was wir in besten Sache tun werben.'
9.
In dem Garten hinter Friedels Haufe herrschte rege Tätigkeit.
Gottfried stach mit dem Spaten eine Rabatte um, hinter ihm glättete Inge mit dem Rechen die aufgeroob. 'enen Schollen, Jürgen karrte Dünger herbei und Frau Skive verteilte denselben.
„Friedel,' rief Inge, „tiefer stechen! Sonst können unsere Blumen nicht Wurzel fassen und gehen zugrunde. Plag dich ein bißchen, du Faulpelz!'
Auiatmend richtete sich der Jüngling empor
setzen würde, ihre Wunden zu heilen und die sie zu immer größerem moralischen, wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt führen würde. Frankreich kann bei diesem Werk der tätigen und loyalen Mitarbeit insbesondere des Heiligen Vaters versichert sein, der niemals aufgehört hat, mit der Liebe eines Vaters im Namen des Friedensfürstcn die Abrüstung der Geister zu fordern.
Der Präsident der Republik betonte, in seiner Antwort, daß das abgelaufene Jahr in den noch durch den Krieg mitgenommenen Ländern eine große Hoffnung geweckt habe.
*
Der Pariser Korrespondent der „Sundoh Times" schreibt, die Ansprache des päpstlichen Nuntius Maglione beim Neujahrsempfang habe in der französischen Havplstadt einen tiefen Eindruck gemacht. Es werde erwartet, daß seine Rede einen riesigen Einfluß in ganz Frankreich haben werde, denn die Katholiken würden darin die päpstliche Zustimmung zur Locarnopolitik Biiands sehen.
Einer Reulermeldnnq aus Paris zufolge wird der Ansprache des Nuntius in dortigen politischen Kreisen beträchtliche Bedeutung beigemeflen.
Zwei Vriand-Interviews.
Das „Journal" veröffentlicht ein Interview, das Briand einem Mitarbeiter des Blattes gewährte. Briand erklärte, der Politik von Locarno komme das Hauptverdienst zu, den Vertrag von Versailles, von dem man erklärt habe, daß er durch Gewalt erzwungen sei, durch eine freiwillig zustande gekommene Abmachung bestätigt zu haben.
lieber die Annäherung an Deutschland erklärte Briand, daß diese uichtsLeichtes sei. Der ge- ringste Zwischenfall löse eine Polemik aus. Dies gelte auch für den bedauerlichen Zwischenfall von Landau. Aber sobald Frankreich die Begnadigung • der Verurteilten vorgenommen habe, hätten die Polemiken aufgehört. Das sei darauf zurückzuführen, daß in Deutschland und in Frankreich doch manches anders geworden sei. Nach Wiederzusam- mentritt des Parlaments müsse eine klare, präzise Aussprache erfolgen, damit man in Frankreich wisse, was man wolle, und damit man wähle. Die Stunde sei gekommen, vor dem Lande die Verantwortung zu übernehmen. Die Behauptungen über Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und Poin- care sowie anderen Kabinettsmitgliedern seien reine Phantasie. Briand stellte dann ferner eine Entspannung in Europa fest. Ein System der Schiedsgerichtsbarkeit ersetze das System der Gewalt. . . . Um den Frieden zu wahren, genüge es nicht, davon zu sprechen, sondern man müsse ihn energisch wollen und organisieren. Das hindere übrigens nicht, daß alle gewünschten Vorsichtsmaßregeln getroffen werden.
Auch der Außenpolitiker des „Matin" hatte eine Unterredung mit Briand, in deren Verlauf der französische Minister des Aeußeren erklärte, das Jahr 1926 habe in Europa eine Friedensrüstung geschaffen, die ein solides Werkzeug gegen die Gefahr eines Krieges bilde. Den deutsch- italienischen Vertrag bezeichnete Briand als eine Abmachung, die sich in das allgemeine Friedenssystem einfüge, dessen qualifizierter Garant der Völkerbund sei. Die französisch- italienischen Zwischenfälle halte er für vorübergehende Erscheinungen. Briand schloß mit den Worten, daß er mit allen feinen Kräften die Friedenspolitik verfolgen werde, solange er die Verantwortung für die Beziehungen Frankreichs zu den anderen Nationen trage.
Nabmettssitzung.
Das gefchäftsführende Reichskabinett wird laut „Ber>. Lokalanzeiger' voraussichtlich Mitte dieser Wo-che seine Sitzungen wieder aufnehmen. Man rechnet damit, daß die entscheidenden Besprechungen beim Reichspräsidenten am 9. ober 10. Januar stattfinden werden.
* Unglücksfall eines belgische« Konsuls. (Eig. Funkm.j In Rouen wurden am Sonntag nachmittag der belgische Vizekonsul und seine Frau durch eine Gasexplosion in ihrer Wohnung schwer verletzt.
„3d, dachte, es fei tief genug,' sagte «r. „über du mußt es bester verstehen, in eurem Garten hat es immer ausgesehen wie in einem Zauberhaine.'
„Das ist Mutters Verdienst,' lachte Inge. 6te ist eine ©artenfünftlerin.'
«Nun, nun,' rief Frau Skive von ihrer Arbeit herüber, „wir haben beide unser redlich Teil daran! Dte zierliche Anordnung der Blumensorien ist dein Wer-, das hast du prächtig getroffen, die bunten Muster passen vortrefflich zufammen, ihre Farbenwirkung tut dem Auge wohl.'
„Unb erst ber Duft!' schwärmte Friedel. „Ich glaube, in ganz Gjelstedt gibt es keine so wohlriechende Stätte mehr.'
„Willst bu dich etwa beklagen, baß uns hier ber Duft mangelt?' scherzte Inge. ‘ -
3riebet hielt sich mit übertiebenem Entsetzen bk Nase zu unb machte eine abwehrende Geste. Er war in den letzten Tagen sichtlich heiterer geworden.
„Auch bas muß fein,' meinte Frau Skive ernsthaft „Die Pestilenz hält nicht lange an unb wer weiß, ob wk bie. wohlriechenden Düfte schätzen würden, wenn wir nicht auch ab unb zu übelriechende zu verspüren be tarnen."
„Uebrigens kann ich jetzt nicht tiefer stechen', sagte. Friedel zu Inge, bas Kreuz schmerzt mich ganz gehör,c von dem ewigen Bücken, ich will ein wenig rasten. Ober hat bas Fräulein Gärtnerin eine we Niger anstrengende Arbeit für ben gehorsamen Burschen? Sie braucht nur Zu befehlen unb er gehorcht.'
(Sortietiunn fotati