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AnzefgerMr die Stabt und den Kreis Fulda.

Nr. 1.

$r1d>einl fed)8mal wöchenllich Wochenbeilage .Lllustrierle yeilaqf undi'udjenulätter iRotationSbrurf und -Bctlug bet Rulbaei 9lctienl>tucferei In (Vulba Fernsprecher Nr. 9.

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Samstag, 1. Januar 1927.

Amlliches Kreisblall. _______

Anzeigen-Prelle ttielnzelle (ffolonef) total 0,15 Ä.X, auSwSrlr 0.20 Jul *t t (I o m e |ell c: total 0,60 JLX, nA

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< Pnstiche<ttnniv Frankfurt u M Nr 4051 *.

Auf neue Fahrt.

Wie immer beim Jahreswechsel geht der Blick des Menschen zurück in das Vergangene und mit einem gewissen Bangen gilt sein Denken der kom­menden Zeit. Schauen wir zurück, so wissen wir, daß zwar vieles gewonnen, aber noch viel zu tun übrig bleibt. Und gerade an die Zukunftshoffnun- gen klammern wir uns. Schauen wir in die Zu­kunft, dann ist uns die Vergangenheit nichts, und unsere Hoffnung auf das Kommende alles.

Versuchen wir, eine Ordnuna in die Proble­matik unserer politischen Zukunft zu bringen, so stoßen wir auf vier Grundsätze, die uns Richtschnur für die Gestaltung unserer Dinge in der Zukunft sein können. Diele Grundsätze sind nicht neu, aber sie haben nichtsdestoweniger ihren Wert auch für die zukünftige Gcktaftuna unseres Schicklais heute norb. Unter politisches Denken muß zunächst von christlichem Geist erfüllt fein. Das heißt nun nicht etwa, railen- und klasienmäbiae Unterschiebe machen, vielmehr ailt es, dem Gesetz der christ­lichen Nächstenliebe auch für die Politik Gel­tung zu verschaffen. Für jeden Menschen, den seine christliche Uebeweugung tief aenug in das Innerste des Menschenwesens hat dringen lassen, muß es für selbstverständlich gelten, daß er in dem anderen auch dann noch einen Bruder sieht, wenn er ibn um feiner Meinung willen betämofn muß. Die kommende volitilche Konjunktur wird in diesem Punkte an die (Tharafterftärfe, aber auch an den Takt jedes christlichen Politikers sehr große Anfor­derungen stellen. Es fei hier an da« Schnlae - f e tz erinnert und an die politischen Möglichkeiten, die feine endlich» Gestaltung beeinflussen können.

Der nächste Richtunospunkt für unter politisches Woll-n in h»r Zukunft ist die Forderung einer grundläkssch sozialen Einstellung. Da' deutsche Volk kann sich mit Stolz das foeialemnsindendtte g'.'s her cwnien Welt neunen. Aber sein soziales Wollen erfahrt gegenwärtig, und dies wird in den kommenden Monaten noch wesentlich verschärft wer» d-m. ein» ungeheure Belastung. Denn hart im Raum» stoßen sich die Parh»n. Un,nabar schwer ist es zwilchen den wirtschaftlichen Notwendigkeiten und d»m fo-iolen Woll»n eine Brücke zu tchlaaen, die beiden Teilen da« ?briae zukommen läßt. Der Komnf um das Arhcktsschutzgesek. um die Arbeits- zeslfraoe. um die Fraas der Gestaltung unterer Erw»rh--lnl^?",^lnvn» und die anhereri bevorstehen­den tonalvolititchen Gesetze hrinat Schwierigkei­ten, die in den kommend-n Monaten noch manchen Str»it und noch manche Auseinandersetzung in der Oeftentlichkeit und in d»n Parlamenten zur Folge haben werden. Sozial fein heibt ja durchaus nicht, den Forderungen einteiliger Eiser-r nachzufolgen, sondern sozial fein heißt, ollen Ansprüchen ver­suchen gerecht zu werden ohne Benachteili­gung oder Bevorzugung irgendwel­cher Sonderinteresfen.

Als ein weiteres gilt es für uns. unser deutsches Staatswesen mit demokratischem Geist zu erfüll-n. Zwar heißt es in der Einleitung zur deutschen B»rlassuna, daß das deutsch« Volk sich di»s» Verfassung gea-ben bgb-. aber die politische Wiresschk-if lehrt, daß das Volk nicht die letzte Macht ist, hie die Dinae bei uns in Deutschland gestaltet. Andere Mächte sind stärker geworden, ober find es vielleicht bisher immer gewesen als die Macht, die man als das Volk anlvrech»n kann. D»r Entwickluna unterer wirtschaftlichen Verhält- nille ist e« zuzufchr»ib»n. daß der Kreis unserer Volksgenossen, der sich selbst so gern alsd i e Wirtschaft" schlechthin bezeichnet, heute eine Macht hat, die nicht nur über den Willen des Vol­kes hinweaaeht. sondern auch Neiouna zeigt, sich über b-n P^at als solchen hinw»azus?tz»n. Aus der Wirtscholt. die einen notwendigen Bestandteil des Gemeinschaftslebens darst»llt, ist beinah schon eine Vlutokratie geworden. Hier die Dinge ä*1 eine wirklich demokratisch» Linie wieder zurück- 3Uführen, darf nicht nur Aufgabe des Staates sein, sondern feb»r einzelne von uns hat die Verpflich­tung, sein Augenmerk und sein Mollen barmtf zu richten. Wirtschaftliche Notwendigkeiten dürfen nicht soweit ihr» Ansprüche stecken, daß sie zum kau- dinilchen Joch für das ganze Volk werden.

Den letzten Richtungsvunkt, den wir uns für d>e neue Fahrt errichten müllen, ist die Forderung, t^ das deutsche Volk wirklich national werde. « n~fo- das nationale Wollen nur das Erhstnck einer bestimmten Gruvve in unterem Volke barftent, fonbern wirklich nationales Denk»n um- fort die G»lamtHeit aller unf»rer Volksgenossen,urn- foht den Staat, wie er heute ist, kurz gesagt, na- tlonales Mollen ist heute Bekenntnis zur Republik. Dab-i lenkt sich unser Blick auf zwei Institutionen des Staates, die einen wesentlichen Bestandteil sei­nes Wesens ausmachen, aber dabei durchaus nickst für sich den Ehrentitel beanspruchen können, restlos vom republikanischen Geiste er?üHt gu sein: di? Justiz und die Wehrmacht. Die nächste Zukunft schon wird uns ein» W»hrreform bringen. Die Erfahrungen, di- man bislang mit allen Versuchen, in die Wehrmachtfrage eine arundlegende A»nde- runq zu bringen, gemacht hat, konnten durchaus nicht immer befriedigen. Vielleicht kann man letzt dadurch, daß diese Fnaae mit »u einer Regi»-unas- ftife geführt bat, besserer Hoffnung fein. Mit der Iustizr-storm, die uns das kommend» Jahr bringen wird. st°Ht es nicht viel anders. Die breite Masse b»s Volkes muß zur Rechtlpr»chuna wieder das Vertrauen haben können, daß sie im Einfang steht mit dem Staatswallen, wie es in der Verfassung niedergeleat ist. Aber auch abgesehen von bMen beiden kritischen Punkten in dem nationalen Be­wußtsein unseres Volkes kommt es darauf an. in unserer eigenen Seele Antri»be lebendig zu machen, die dis deutsche Republik nicht betrachten als etwas.

Dr. Strcscmlnm zum Jahreswechsel.

Berlin, 31. Dezember. (Eig. Funkm.) Der deutsche Reichsaußenminister führte derB. Z." zu­folge in einer Neujahrserklärung aus:Trotz gro­ßer Hemmungen und immer wieder einsetzender Rückschläge hat die Festigung der Verhältnisse auf innen- wie auf außenpolitischem Gebiete Fortschritte gemacht. Gewiß ist für einen übermäßigen Opti­mismus über die Weiterentwicklung, namentlich aut wirtschaftlichem Gebiete keinerlei Veranlas­sung gegeben. Das große Problem der Erwerbs­losigkeit ist einer Lösung noch nicht näher geführt, während die finanziellen Leistungen an das Aus­land wachsen. Aber wir können doch feststellen, daß das deutsche Volk die Kraft aufgebracht hat. das, was es zu leisten vermag, für die Rettung sei­nes Staates hinzugeben. Die psychologische Staats­krise, unter der wir lange Jahre gelitten haben, ist mindestens in Bezug auf Staatsform und Verfassung überwunden. Und wenn das par­lamentarische Leben sich krisenloser gestaltete, so würde auch nach außen hin die große Geschlossen­heit des deutschen Volkes in allen Fragen klarer zu Tage treten, die seine Zukunft entscheiden. Eine spätere Geschichtsschreibung wird in erster Linie diejenigen als Träger des Wiederaufbaues nennen, die in schweren Zeiten die Verantwortung für die Führung der Staatsgeschäfte,übernommen haben."

Lrlatz an die Wehrmacht.

rotb. Berlin, 31. Dez. (Eig. Funkm.) Zum Neujahrstage hat der Reichspräsident einen

was nun einmal da ist, sondern in ihr die Lebens­form sehen, in der wir unser Glück als Menschen und Staatsbürger finden müssen.

Diese vier Richtpunkte unseres politischen Wol­lens, christliche Siebe, soziales Empfin' ?n, demo­kratisches Bewußtsein, nationale Hingabe sollen die Wegweiser für unsere neue Fahrt in die Zukunft sein. '

pulschxlan In «Macken.

totb. Paris, 31. Dez. (Eig. Funkm.) Sofioter Meldungen der Morgenblätter berichten Einzel­heiten über den vor kurzem aufgedeckten Putschplan der Kommunisten. Am 17. Januar, dem Weih­nachtstage nach griechischer Rechnung, sollten 300 Kommunisten die Minister gefangen neh­men und die Ministerien, die Banken und den Bahnhof von Sofia besetzen. Gleichzeitig sollten 500 Verschwörer die Kasernen besetzen, während eine dritte Abteilung die Offiziere in ihren Woh­nungen festnehmen sollte. Der König solste zur Abdankung gezwungen werden. Die Führer und zahlreiche Teilnehmer an der Bewegung wurden be­reits verhaftet.

Folge des englischen Streiks.

Der .Vorwärts" meldet ans London: Da der Generalem der Geweckschalten infolge E'scköofung seiner Kaffen durch den Generalstreck außerstande ist, die für die Aufrechterhaltung einer Arbeiter- Universität ei forderlichen Mittel zu beschaffen, hat er sich gezwungen ge eben, ba9 ihm von bet Gräfin Warwick zu diesem Zweck übergebene Schloß Canon Lodge der früheren Eigentümerin zurückzu­geben. _______________________

Chinesisches.

Forderungen chinesischer Dienstboten.

Der Verband chinesischer Dienstboten hat dem britischen Generalkonsul eine Reihe von Forderun- gen unterbreitet, zu denen starke Lohnerhö­hungen, jährlicher Urlaub und ärztliche Fürsorge gehören.

pariser Besprechungen über die postkik in China.

Außenminister Briand hat den japanischen Btt« schafter Vicomte Jshü empfangen und hat sich bereits am Vortage, wie derlemps" berichtet, mit dem englischen Botschafter Lord Crewe hauptsächlich über die Lage in China und über das englische Memorandum mit ihm unterhalten.

Der Streit um die weihnachtsbeihilfe.

Bekanntlich hat in Mecklenburg-Schwerin der Hauptausschuß des Landtags, in dem zurzeit die Linke die Mehrheit hat, die Beamtenbeihilfen nur für die Besoldungsklassen 1 bis 6 bewilligt und für die höheren Gehaltsklassen abgelehnt. Ein glei­ches erfolgte, wie man sich erinnert, in Hessen- Darmstadt. Hier stimmte aber außer den Sozial­demokraten auch der L a n d b u n d gegen die Weihnachtsbeihilfe für die höheren Besoldungsgrup­pen. In Mecklendurg-Sch verin wurde gegen den Entscheid des Hauptausschuls-s jetzt das Plenum des Landtags einberufen. In der Sondersitzung wurde ein Antrag der Deutschen Volkspartei zur Abstim­mung gebracht, welcher die Regierung ersucht, eine Weihnachtsbeihilfe den Beamten, Angestellten und Arbeitern entsprechend der Reichsregelung zu ge­währen. Dieser 2-ntrag wurde mit 28 gegen 20 Stimmen abgelehnt. Gegen den Antrag stimmten mit den Sozialdemokraten und Kommu­nisten die Demokraten und die Wirtschaftspartei. Für den Antrag stimmten außer dem Aickragstel- ler die D e u t s ch n a t i o n a l e n und die Völ­kischen. Darauf wurde der Besckstuß des Haupt­

Erlaß an die deutsche Wehrmacht gerichtet, in dem er feiner Ueberzeugung Ausdruck gibt, daß sie wie bisher auch künftig in selbstloser treuer Arbeit ihre Schuldigkeit tun werde. Der Reichswehr­mini st e r ruft der Wehrmacht in einem Erlaß einGlück auf!" zu. Entsprechende Erlasse haben der Chef der Heeresleitung, General Heye, an das Reichsheer und der Chef der Marineleitung an die Reichsmarine gerichtet.

vricmds Neujahrswunsch.

Berlin, 31. Dez. (Eig, Funkm.) Wie die B. Z." meldet, hat Briand der amerikanischen Presse ein Interview über seine politischen Wünsche für 1927 gegeben, indem es u. a. heißt: Ich wünsche für das Jahr 1927 die Entwicklung der deutsch- französischen Annäherungspolitik, die Herr Stresemann und ich eingeleitet haben. Zum Räumung der Rheinlande erklärt Briand, daß das linke Rheinufer unter den im Versailler Vertrag vorgesehenen Bedingungen geräumt wer­den wird. Er weist jedoch aus die Möglichkeit einer vorzeitigen Räumung vor Ablauf der Höchstfristen hin. Briand betont den durch den Locarnogeist ermöglichten Abschluß einer Dertragsserie zwischen deutschen und französischen Geschäftsleuten. Was die A b r ü st u n g anbelangt, fo versuch» Frankreich das Menschenmögliche. Er hoffe, daß 1927 die ma­terielle Abrüstung einen großen Fortschritt ma­chen wird und die moralische Abrüstung gleichfalls.

ausschuffes, der der bereits verteilten M?ihnach1s- beihilfe entspricht, mit 25 gegen 24 6i nmen an­genommen. Es erhalten also nur die Gruppen 16 eine Beihilfe.

Neue Reichsgesetze.

Inkernalionale Arbeilsübereinkommen.

Nach einer Meldung herPoff. Ztg." legt jetzt h#r rh»jt« Minister dem Reichsioge eine

Reihe von E n t w ü r f e n zu Uebereinfommen vor, die von der 7. Internationalen Arbeitskonferenz im Sommer 1925 angenommen worden find und die Gleichbehandlung der einheimischen und der ausländischen Arbeitnehmer bei der Entschädigung anläßlich von Betriebsunfällen oder Berufskrank­heiten betreffen.

Das Peichsstrafvollzngsgefetz.

Der Reichsjustizminister hat, wie derDemokra­tische Zeitungsdienst" mitteilt, dem Reichskabinett nunmehr den Entwurf eines Reichsstrafvollzugs- gesetzes zur Beschlußfassung zugeleitet. Es sei aber zu erwarten, daß erst die n eu e Regierung zu die- fern Gesetzentwurf, dem erhebliche politische Bedeu­tung zukomme, Stellung nehmen werde.

Der Kampf in Latein-5lmerika.

D'e nord-amerikanischen Blätter berichten aus­führlich über die Lag» in N caragua und versuchen im allgemeinen nicht die Tat acbe zu verheimlichen, daß die Lebenslrage, um die es sich handelt, die ist, ob die Vereinigten Staaten oder Mexiko in Mittelamerika die Vorherrschaft besitzen sollen. Der Außenminister der Regierung Diaz habe erklärt, daß Mexiko den unter Führung von Suca- zaia stehenden titberalen Waffen und Geld liefere; das bedeute eine Herausforderung der Vereinigten Staaten.

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Nach der Pariser Ausgabe derChieago-Tvi- bune" ist die Zurückziehung der nordamerika­nischen Marinctruppen aus Nicaragua angeordnet.

niederträchtige Kampfesweife.

Man schreibt uns:

Der Deutsche Hochschulring, der im neuauflebenden Verfassungskampf in der Deutschen Studentenschaft bereits eine scharfe Absage von ftubentifd)er Seite, die der Deutschen Volkspartei nahesteht. erhielt, beleidigt jetzt in unerhörter Weise die treudeutsche Bonner Studentenschaft. Un­ter der Ueberfdjrift:Die Sonderbündler bei der Arbeit" bringt der Hochschulringpreffedlenst (Iop) einen unerhörten Artikel. Die Bonner Studenten­schaft, welche die in der Deutschen Studentenschaft übliche Iudenhetze ablehnt, soll durch dieses jour­nalistische Machwerk in der öffentlichen Meinung heruntergefetzt werden, indem das Verhalten einer besonnenen Studentenschaft mit dem gewiß ge­rade im ganzen Rheinland mit Schmach bedeckten Namen Separatismus ober Sonderbündlertum be­zeichnet wird. Gegen diese Art von Brunnenver­giftung sich zu wehren, hat die aus der Separa- tiftenzeit rühmlich bekannte Bonner Stubentenfcbaft nicht nötig. Jeder objektiv Denkenden wird eine derartige Beeinflussung und Irreführung der öf­fentlichen Meinung durch den Deutschen Hochschul- ring aufs schärfste mißbilligen.

Soll man es aber für möglich halten, daß es noch kath. Studentenkorporationen gibt, die, allen Mahnungen ihrer Altherrenschaft zum Trotz, am Deutschen Hochschulring heute noch festhalten? Hoffentlich schafft das Vorgehen des Rings gegen die in ihrer Mehrheit katholisch» Bon­ner Studentenschaft nun endlich Klarheit.

Der polnische Na bar.

Havas bringt aus polnischer Duelle eine Mittei­lung, nach der ein Mitglied des Gemischten Kom­mission in Polnisch-Oberschlesien einen Spio­nagedienst organisiert hätte, um der devttchen Regierung Material, zu einer antipolnischen Cam­pagne zu liefern. Wie schon in der deutschen Presse hervorgehoben wurde, handelt es sich be: dieser an­geblichen deutschen Spionage um ein ueues Manö­ver polnischer Spitzel. Schon in dem kürzlich von den polnischen Behörden gegen den Deut chenDolks- bund in Ostoberschlesien aiwestrebten Prozeß be­ruhte die haltlose polnische Anklage lediglich auf dem Material? das sich polnische Spitzel auf un­lautere Weise aus dem deutschen Generalkonsulat m Kattowitz verschafft hatten. Jetzt haben polnische Spit-el dem deutschen Mitgllied der Gemischten Kom­mission, dem Landrat a. D. Lukaschek, Alten aus der oberschlesischen Abstimmungszeit angebeten. Lukaschek ist scheinbar darauf eingegangen, um die­ses neue Spitzelmanöver zu entlarven, was durch­aus gelungen ist. Das ist der ganze Tatbestand, der insofern von erheblichem politischen, Jmeresse ist, als er ein bezeichnendes Licht auf die m Ost- oberschlesien herrschenden polnischen Metooden der Bespitzelung wirft. . ...

1 Aus Kattowitz wird gemeldet: Der stell, vertretende Leiter der Wvjewodfchastspol'.zei, Cber- kommisfar Banzyk, wurde auf Anordnung des Warschauer Oberkommandos plötzlich ans dem Staatsbienstentlassen. * ,

Aiis Königshütte berichtet W.T.D.: Der Haupt­vorstand des Verbandes deutscher Lehrer und Lehrerinnen in Polen hielt qm Mittwoch eilte außerordentliche Tagung zur 6Wedigung verschie­dener interner Angelegenheiten ab. Heber das Ver­hältnis der deutschen Lehrerschaft zum polnischen Staat stellte die Tagung fest, man könne dies zu keiner Spezialfrage machen. Dem Sehter als ge­bildeten Menschen sei die Idee des Staates ver- traut; daher sei ihm die Eriüllung aller staats­bürgerlichen Pflichten die heiligste Pflicht. Man kränke den Stand der deutschen Lehrer in Polen aufs tiefste, wenn man dies in Frag« stelle.

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Nachdem die Schulabteilung der Wojewodschaft, seinerzeit fast 90 Proz. von etwa 10 000 Anträ- gen für die deutsche Minderheitsschule aogeiehitt hatte, weigerten sich trotzdem viele deutsche Eltern, ihre Kinder einer polnischen schule zinusühren. In einigen Ortschaften kam es zu regelrechten Schul­streiks, so besonders in Hohenlind«. Dor der Strafkammer Königshütte wurde im BernsungS- versahren wegen eines derartigen Falles verhan­delt. Obwohl die Verteidigung auf die jüngste Ent­scheidung des Präsidenten der gemischten Kom­mission hinwies, bestätigte das Gericht das erstin­stanzliche Urteil auf Geldstrafen bis zu 38 Zloty bezw. 16 Tagen Gefängnis mit der Begründung, daß zwar nach der Verfügung der Wojewodschaft vom Jahre 1924 erst weitere Entscheidungen ab­gewartet werden mußten, jedoch immerhin die Pflicht zum Schulbesuch bestanden habe.

Borläufige Aussetzung der Memeler Austveisnngen

wtb. Memel, 31. Dez. (Eig. Funkm.) Wie aus Kowno zuverlässig berichtet wird, sind die Auswei­sungen der drei reichsdeutschen Redakteure vorläu­fig ausgesetzt worden, bis die eingeleitete Unter­suchung beenbet ist. Man erwartet, daß dies in 10 Tagen der Fall sein wird.

Die italienischen Emigranten.

Popolo d'Italia" berichtet, daß einige ita­lienische Emigranten, denen die Staatsangehörig­keit aberkannt worben sei, sich an ben Völker- b u n b um Schutz gegen ben Faschismus geroanbt hätten. Dieses Gesuch, so meint bas Blatt, sei von dem Generalsekretär des Völkerbunbes nicht beach­tet worden, weil der Völkerbund keinerlei Befug­nisse in dieser Hinsstbt habe. Nach Demselben Blatt haben diese Emigranten an be«, Völkerbund bas Ersuchen gerichtet, ihnen einen Personalaus- weis auszustellen, wie bies bei den russischen, ar­menisch und persischen Flüchtlingen bereits gesche­hen ist. Das Blatt ist der Ansicht, daß einem sol­chen Begehren nicht ftaftgeoeben werden könne, denn der Dölkerbundsrat hätte entschieden, daß der Völkerbund sich nur um solche Flüchtlinge kümmern sollte, die wegen eines Krieges oder der Kriegs­folgen ihr Land hätten verlassen müssen.

Tschechisch-ungarischer Zwischenfall.

DerBerliner Lokal - Anzeiger" berichtet aus Budapest über einen tschechisch-ungarischen Zwi­schenfall. Vor einigen Tagen hatte die ungarische Grenzpolizei einen Tschechen namens Ripa wegen Spionage verhaftet. Alle Bemühungen der Tlchecho- slon-akei, den Mann freizubekornm-n, blieben er­folgst s. Daraufhin wurde in Kaio-m, das ehe­mals unaarilch war, jetzt aber nir Tschechoslowakei gehört, ein Ungar namens Torst, der sich zum Be­such seiner Verwandten in Kaschan aufbielt, mit der Begründung verhaftet, daß er tschechischer Staatsbürger sei und als solcher seiner militärischen Dienstpflicht noch immer nicht genügt habe. Wie es in der Meldung des genannten Blattes heißt soll diese Verhaftung lediglich tu dem Zweck erfolgt sein, geaen Tausch die Freilassung des tsche­chischen Staatsbürgers zu erzielen. Die ungarische Regierung soll ihren Praaer Gesandten angewiesen Haben, der tschechischen Regierung in dieser Ao- gelegenheit eine Note zu überreichen.