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52. Jahrgang

Fulda, den 25. Dezember 1925

Nr. 298

Don Friedrich von Hardenberg.

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Greife dreist nach

seinen Händen,

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wurde. In älterer Zeit war das auch in nur gewesen. Doch finden wir in unserem

Alle Herzen, Geister Werden einen neuen

und die Sinnen Tanz beginnen.

Deutschland Vaterlande

Unser ist sie nun geworden;

Gottheit, die uns oft erschreckt. Hat im Süden und im Norden Himmelskeime rasch geweckt. Und so laß im vollen Gottesgarten Treu uns jede Knosp' und Blüte warten!

Ueberall entspringt aus Grüften Neues Leben, neues Blut;

Ew'gen Frieden uns zu stiften, Taucht er in die Lebensflut, Steht mit vollen Händen in der Mitte, LiebevÄl gewärtig jeder Bitte.

schon frülje Zeugnisse der Christbescherung unter dem Weihnachtsbaum, wenn auch nicht immer so üppig, wie fle uns der Pfarrer zu Wolkenstein 1571 schildert: „Ge­meiniglich finden die Kinder sünfflerlei Dinge in ihren Bündlein vor. Erstlich Geld. Darnach finden sie auch in denselben Dinge als Christstollen, Zucker, Pfeffer­kuchen und aus allen diesen mancherley Konfekt und Bilde. Daneben Aepfel, Birnen, Nuß und mancherlei;

Fern im Osten wird es helle, Graue Zeiten werden jung;

Aus der lichten Farbenquelle

Einen langen, tiefen Trunk!

Alter Sehnsucht heifige Gewährung, Süße Lieb' in göttlicher Verklärung!

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Präge dir sein Antlitz ein,

Mußt dich immer nach ihm wenden, Blüte nach dem Sonnenschein!

Wirst du nur das ganze Herz ihm zeigen, Bleibt er wie ein treues Weib dir eigen.

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* Laste feine milden Blicke Tief in deine Seele gehn, Und von seinem ew'gen Glücke Sollst du dich ergriffen sehn.

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bürget Prediger Dannhauer schalt: „Unter anderen Lap­palien, damit man die alte Weihnachtszeit oft mehr als mit Gottes Wort begeht, ist auch der Weihnachts- oder Tannenbaum, den man zu Haufe ausrichtet, denselben mit Puppen oder Zucker behängt und hiernach schüttelt oder abblumen läßt. Wo die Gewohnheit Herkommen, weiß ich nicht. Ist ein Kinderspiel". Ein Kinderspiel! Der fromme Herr befürchtete, durch das Zusammensein unter dem Weihnachtsbaum in der Familie werde die allgemeine kirchliche Feier beeinträchtigt. Und mit die­ser kleinlichen Auffastung stand dieser Prediger nicht allein. Bei genauerem Zusehen findet man nämlich, daß der Weihnachtsbaum unseren Vätern wohl schon — wenn auch nicht überall in Deutschland — in den früheren Jahrhunderten bekannt war, aber besonders durch die neue Lehre unbeliebt gemacht wurde. Man empfand da nämlich seine heidnische Herkunft wegen der vielen mit ihm verknüpften abergläubischen Sttten wieder stär­ker drrrch das stnnenftohere harmlose Mittelalter.

Zugeben muß man ja, unser Weihnachtsfest ist aufs öngft« verstunden mit dem germanischen Heidentum, so eng, daß die Kirche 354 zugleich mit Rücksicht aus ähn- liche Vorstellungen und Bräuche im heidnischen Rom den bis dahin am ». Januar gefeierten Geburtstag Christi auf den 25. Dezember verlegte, also in die „wihen", d. h. heiligen Nächte der Wintersonnenwende. Was diese „Zwölften" unseren Vorfahren bedeuteten, vermögen auch mir von he.ue noch nachzuempfinden: wie sie in diesen Tagen, wo der Natur der Atem stockt, sich ängstigten, die Sonne möchte einmal ganz ausblei­ben, wie sie da beteten und seufzten als bei einer Son- nenfinsternis. Da verbürgte neben der immergrünen Mistel, der Stechpalme, der Eibe oder auch dem Bux-

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ganz ausgestorben war, wissen wir etwa aus dem Leben Goethes, der den Heil. Abend 1765 zu Leipzig in der Familie des Kupferstechers Stock verlebte und da „ein Bäumchen nicht bloß für die Kinder, sondern auch eins für den Joli, ein Windspiel, aufgestellt fand". Aehnlich so kommt Werther am Sonntag vor Weihnachten zu Lotte, als sie mit den Weihnachtsvorbereitungen für die Kinder beschäftigt ist, und er spricht von den Zeiten, da ihn „die unerwartete Oesfnunz der Türe und die Erscheinung eines aufgeputzten Baumes mit Wachs­lichtern, Zuckerwerk und Aepfeln in paradiesische Ver­zückung setzte". In den katholischen Gegenden war der Weihnachtsbaum dagegen vornehmlich durch das Krip­penbauen verdrängt worden und er fand erst nach 1815 wieder seinen Eingang in das Rheinland wie Westfalen durch die protestantischen neuen Beamten, die aus dem Osten kamen. Um die gleiche Zeit findet der Weihnachts­baum auch die Liebe der Dänen und um 1840 der Eng­länder, die bis dahin nur den Mistelzweig als Weih­nachtszeichen aus ihrer heidnischen Vorzeit beibehalten hatten.

Damit hängt es zusammen, daß auch in jenen Län­dern der Weihnachtstag der eigentliche Geschenktag

»achtswunder . . .

Es ist ein Ros' entsprungen. Aus einer Wurzel zart « s«

Endlich kommt zur Erde nieder Aller Himmel sellges Kind, Schaffend im Gesang weht wieder Um die Erde Lebettswind, Weht zu neuen, ewig lichten Flammen Langst verstrebte Funken hier zusammen.

denen ein echtes Stück Thüringer Waldpoesie heraus- strömt, das sich unvergeßlich in eines jeden Herz ein­prägt, der einmal ein solches Lied mit angehört hat.

Die Arbeit ist genau verteilt, ein jeder hat seine fest vorgeschriebene Tätigkeit, die mechanische Geschicklichkeit und Behendigkeit der Menschenhand erzeugt kleine Wun- der, und Hand und Auge arbeiten so blitzschnell inein- ander, daß der Laie, der zum ersten Male dem Ent- stehungsprozeß dieser Hausindustrie beiwohnt, staunen muß, wie es möglich gemacht werden kann, eine solche Fülle von Kleinarbeit nach einer derarttg geschickten Verteilung der Arbeitsleistung auf den einzelnen Kopf zu verrichten.

Der schwierigste Teil, bei dem auch die Gesundheit des Arbeiters auf dem Spiele steht, ist das Blasen dieser gläsernen Gegenstände mittels der Stichflamme. Diese Arbeit besorgen meist Männer in mittleren Jahren, die es darin zu einer künstlerischen Fertigkeit gebracht haben, indem sie mit überraschender Schnelligkeit durch Blasen, Wenden, Drehen und Formen der Glasmasse die Grund­gestalt geben. Bei den billigen Artikeln ist der eigent­liche Glasfluß bereits bunt getönt, bei den besseren tritt noch zu dem Eintauchen in die sogenannte Stärkefarbe die Arbeit des Anmalens. Mit flinker Hand trägt bann der Maler mit dem Pinsel seine Farben auf. Nun folgt bas Verspiegeln und Trocknen, wobei verschiedene Hand­reichungen, wie das Ausstülpen der frisch gefärbten Ge­genstände auf die sogenannten Trockenstäbchen, bas An­bringen ber Oesen und Haken, von Kinderhänden besorgt werden. Diese vollziehen auch die Arbeit des Aus­sortierens, Kartons nehmen die einzelnen Sorten, auf, diese werden in große Kisten verpackt, und jene wieder auf den berühmten thüringischen Frachtwagen verstaut, dessen Pferde, von ihrem Fuhrmann im blauen Kittel gelenkt, den Wagen mit dem kläffenden Spitz unter ber Plane, nach dem nächsten Bahnort ziehen, von dessen Güterstelle aus die Verladung und Versendung in die Welt hinaus erfolgt.

Hauptsächlich ist es das Meininger Oberland und die Gegend von Sonneberg, in der die Herstellung des Christbaumschmuckes zuhause ist. Der Schwabe Grei­ner und ber Böbme Müller waren es, welche die Kunst der Glasbläserei auf den Höhen des Thüringer Waldes einführten. Sie begründeten im Jahre 1597 im Orte Lauscha die erste Glashütte, die in der Folge dann die Stammhütte aller weiteren geworden ist. Außer Lauscha sollte vor allem der Ort Steinfeld ein Hauptsitz für die Herstellung des Christbaumschmuckes werden. Dieser einst völlig verarmte Flecken wurde durch die Einführung jenes Industriezweigs von Jahrzehnt zu Jahrzehnt größer und wohlhabender. Der Wanderer, ber broben am berühmtenRennsteig, dem uralten Kamm- unb Grenzpfade des Thüringer Waldes dahinpilgert, sieht von weitem schon die in sanftem Silbergrau schim­mernden Häuschen des Marktfleckens Steinhaid, die auf einer freien Hochfläche unterhalb der Kuppe des düsteren „Kieferle", des höchsten Berges im Meininger Lande, gelegen ist. Wer an einem schönen Sommertage über die weiten Bergwellen Thüringens von jenem Rennsteig aus den Blick in die Lande schweifen läßt und wer jene rauschenden Hochwälder des Fichtelgebirges, ber Rhön unb der Saalberge sieht, ber ahnt meist nicht, daß, während noch die Welt im zitternden Glast der Sommersonne atmet, in jenen unscheinbaren Häuschen Steinhaids all die entzückenden, niedlichen Glasgebilde hergestellt werden, die an unseren hohen Festen Tau­sende von Kinderherzen und Kinderhändchen erfreuen sollen.

vom heiligen Abend

Noch flutet, hastet, brandet, quirlt und strudelt das Leben und Treiben in der Großstädten in voller Kraft, X es verdichtet sich, überstürzt sich gewissermaßen in den letzten Abendstunden. Und im Lärm und rasendem Ge­triebe erstickt fast der feierliche Dreiklang der Glocken, die den Heiligen Abend etnläuten.

In den Warenhäusern und in den Geschäften ein star­kes Drängen, ein übereiltes, hastvolles, letztes Einkäu­fen. Da sind ganze Abteilungen fast leer — an anderen Verkaufstischen herrscht ein wirres Durcheinander. Und dieses aus Gleichgültigkeit oder Not heraus zu Rest- käufern gewordenen Leute mästen zugreifen, wenn sie von den meist begehrten Dingen überhaupt noch etwas erwischen wollen.

Und in all dem Gehaste, dem Gedränge da draußen in den Straßen wirken die ersten, vom Licht der Weih- nachtskerzen erhellten Fenster wie stille Inseln über dem gurgelnden, zischenden Strom der Großstadthast.

Wie ganz anders das Bild in den Kleinstädten. Da atmen die Straßen, die Gasten und versonnenen Winkel schon die weihevolle Stimmung, die sich da draußen in ber freien Landschaft wie ein erdgeborenes, himmelsge­segnetes Wunder über Wald und Feld breitet feierlich- andächtig durchschauert.

Wie ganz anders klingen hier die Glocken — es ist, als ob jeder Giebel, jedes Fenster, jeder Baum und Strnuch lauschte der großen Verkündigung:

Euch ist heute der Helland geboren . . . .!

Cs ist, als hielle diese Welt hier den Atem an--.

Durch stille Straßen zieht ein feiner Duft von Tannen- grün, von Wachskerzen und würzigem Backwerk. Aus kleinen Fenstern strahlen die ersten Lichter in da« Däm- merdunkel aufkommende Nacht — die lieben, alten Weih­nachtslieder klingen durch die Gasten unb ber Wind wiegt sich und summt andachtsvoll mit.

Man ahnt hinter blühweisen Gardinen weißgedeckte Tische — um liebgewordene Bllder windet sich Tan­nengrün, in hohen Vasen stehen die zackigen, rotbeeri« gen Stechpalmen — alles blitzt und blinkt, ist von einem eigenem, feierlich-frohem Nimbus gleichsam durch­drungen.

Hier und da in den Straßen noch ein eiliger, patet» beladener Mensch — am kleinen Bahnhof ein paar Leute, die irgend ein Familienmitglied, einen lieben Bekannten für die Feiertage erwarten.

Da prüftet er nun heran, der Zug, taucht herauf aus schweigender, festlich gestimmter Landschaft Fährt ein in die Halle — Menschen steigen aus den Abteilen, man wünscht dem ganz fremden Mitreisenden frohe Weih­nacht. Alles und jeder ist irgendwie versöhnlich ge- stimmt, freundlicher gesonnen — alle sind irgendwie Schenkende unb Beschenkte.

Kinderjubel bringt durch erleuchtete Scheiben heraus . auf die Gasse. Man verhält den Schritt, lächelt beglückt, denkt zurück an die eigene Kindheit. . . <

In möblierten Zimmern, in Lokalen, die flch khret- • mitten auch ein wenig weihnachtlich geschmückt haben, sitzen sie nun, die tausend Einfamen. Von den anderen aber, die selbst aus diesen Tagen einen Rummelplatz machen, wollen wir nicht reden .....!

Nun breitet die heilige Nacht ihre Schwingen über die feierliche Welt. Der Wind wandert in den Wald und har ft im Tannendickicht das Lied vom großen Weih-

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Der Weihnachtsbaum.

Von Dr. Paul 3. von Sone.

Mein Großvater gehörte zu den gar seltenen Alten, die nicht immer das Lied von der „guten" alten Zeit singen mögen. Er meinte, auch die neue Welt habe ihr Gutes, ja Besteres gezeitigt, als seine Jugend es gekannt. Dazu rechnete er stets und nie ohne eine gewisse Rüh- rung den — C h r i ft b a u m. Jawohl, in den 30er und 40er Jahren des vorigen Jahrhundert habe man ihn im südlichen Westfalen noch nicht gekannt! Sie hätten jedoch nur einmal bei jenen vornehmen, zugereisten Be­kannten mit „unter dem Baume" zu sitzen brauchen, und schon im folgenden Jahre hätten zehn, zwanzig Familien den weihnachtlichen Lichterglanz auch in ihren Häusern gehabt!

Das klang mir als Jungen so unglaublich: Weih­nachten ohne Christbaum! Bis ich dann später wirklich fand, daß selbst in Berlin erst 1815 der erste Weih­nachtsbaum von Karoline von Humboldt angezündet wurde, wie für Wien Grillparzer 1866 ein früher Zeuge ist. Und die Franzosen geben zu, daß den Christbaum vor allem die deutschen Soldaten 1870-71 erst in ihr Land gebracht haben, die — wie im letzten Kriege — ihn auch tin Felde nicht misten mochten. So wurde erst jn der letzten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts der deutsche Weihnachtsbaum in allen Dolkskreisen und frei- lich zugleich auch der ganzen Welt bekannt und so be­liebt, daß in Rußland „jelka" (Tannenbaum) sogar die Liebesgaben bezeichnet, die den Truppen an die Front geschickt wurden.

Und doch liegt der Ursprung ber hiernach ungeahnt jungen Sitte des Weihnachtsbaumes weit, weit zurück. „Auf Weihnachten richtet man Dannenbäume zu Straß­burg in den Stuben auff; daran henket man Rotzen aus vielfarbigem Papier geschnitten, Aepfel, Oblaten, Zisch­gold, Zucker usw. Man pflegt darum einen viereckigen Namen zu machen" — diese Erwähnung des Weih­nachtsbaumes 1680 in den „Memorabllia quaedam Ar- Ientoratt obferoata" ist durchaus nicht, wie vielfach zu sten, die ättefte. Cs deutet vielmehr auf ein hohes Alter tiefer Sitte, wenn schon 1640 der ebenfalls prot. Straß-

bäum, vor allem das Tannenreh die Hoffnung auf neues Leben wie der „Iulblock", der im Kamine flackerte und schwelle. So wurde die Tanne Gegenstand der Ver­ehrung wie im Mai die Birke; man betete in ihr die Kraft an, die dem harten Winter ftandhielt und die Schrecken des Todes überwand. O Tannenbaum, du edles Reis, wie „treu" sind deine Blätter! Mit ihnen bekränzten noch in Spanien die wandernden Sueven im 6. Jahrhundert ihre Häuser, was für unsere Heimat etwa Bischof Burchard von Worms im 11. Jahrhundert bezeugt ober Sebastian Brant für bas 15. Jahrhundert. Diesem Tannenbaum wurden die gleichen Opfer dar­gebracht wie dem Maibaum: Aepfel und Rüste, und den Stamm selbst, als den Sitz der geheimnisvollen Kraft, bewirtete und speiste man durch einen Umguß von Teig, woraus die sog. „Baumkuchen" entstanden.

Das Bestecken des Tannenbaumes mit Lichtern l-raucht da eigentlich garnicht mehr erklärt zu werden. Ion Arnason erzählt in seinen Isländischen Volkssagen von-der heiligen Eberesche, die in der Iulnacht erstrahle, auf allen Zweigen voller Lichter, die ber Wind nicht auszulöschen vermöge, wie denn auch in den französi­schen Dichtungen des 12. und 13. Jahrhunderts ber strah­lende Deihnachtsbaum wiederholt erwähnt wird mit dem auf der Spitze thronenden Kindlein. Zudem hatte das Licht ja eben zu Weihnachten feine besondere sinn- bildliche Bedeutung, so daß selbst in Bethlehem und Je- rusalem die kirchttche Wechnachtsfeier in früher Zeit bei Lichtergkanz begangen wurde. In Böhmen steckte um 1400 „auch der ärmste Mann" seinen Angehörigen zum Christfest „ein Lichtlein" an.

Daß gegen diese nun doch durchaus verchristlichte Sitte des weihnachtlichen Lichterbaumes der roeltfeinb- liche englische Puritanismus wetterte, willens, mit dem Weihnachtsbaum auch das „heidnische" Weihnachtsfest wieder abzuschaffen, das kann man leichter verstehen, als einen solchen deutschen Prediger nach Art des oben genannten Straßburger Theologen. Infolge dieser Feindschaft konnte sich ber Weihnachtsbaum nur noch in ber kahlen Form ber sog. „Pyramide" behaupten, ber toten, künstlichen Tanne, mit grünem Papier beklebt unb mit Papierschnitzeln umwunden, sieht man sie bei den Armen im Erzgebirge noch heute wie auf einer, „Weihnachtsfest" betitelten Radierung von Chodewiecki. Daß indes in dem Bürgertum ber Weihnachtsbaum nicht

Gattungen allerley Bestes. Zum dritten finden ste er- getzliche und zu Freuden gehörige Dinge als Puppen und mancherley Kinderwerk. Zum vierden finden sie nötige und zur Bekleidung und Zier des Lebens dienst­liche Dinge, gar manche und hübsche Kleidlein, von gutem Gezeug und Seyden, Gold und Silber unb rein­licher Arbeit gefertigt. Zum letzten finden sie auch, was zu Lehre, Gehorsam, Zucht und Disziplin gehört, als ABC-Täfflein, Bibeln und schöne Bücherlein, Schreib­und Federzeuge, Papier usw.", freilich auch „die ange­bundene Christrute".

wie und wo der Christbaumschmuck entsteht.

Von Eva Wittern.

Wer hat schon einmal die Heimat des Christbaum­schmuckes besucht? Jene Thüringer Dörfer und Städt­chen, in denen eine betriebsame Hausindustrie in emsi­gem Schaffen dafür Sorge trägt, daß zum lieben Christ­fest an unseren Tannbäumen in deren strahlendem Lich­terglanze jene zierlichen bunten Dingelchen hängen, sich schaukeln und spiegeln, jene Sternlein und Engel, Blu­men und Früchte, Kugeln und Trompeten, kurz, jenes Heer phantasievoller Glaserzeungisse, wie sie der große Thüringer Wald als Christbaumschmuck alljährlich in vielen Hunderten von Kisten und Kistchen über die Lande verschickt. Es ist ein harmloser, schillernder, aber für das deutsche Kinderauge unb Gemüt wohl unentbehr­licher Tand, der in diesen fleißigen Dörfern durch eine nimmermübe Heimarbeit in großen Mengen erzeugt wird.

Während draußen ber Wintersturm mächtige Wälle um bie kleinen Häuser türmt unb während nur ber Post­schlitten als einzige Verbindung mit der Welt den Ver­kehr mit dem nächsten Bahnort vermitteln muß, sitzen im engen Stübchen friedlich aneinandergereiht beim knatternden Holzfeuer im traulichen Kachelofen die Alten wie bie Jungen, bie Großmutter wie bas Enkelkind, und arbeiten oft nur um einen kargen Lohn, mit blitz­schnell dahingleitender Hand alle bie niedlichen Sächel­chen. Ihre Arbeitszeit verkürzen sie sich durch bas An­stimmen unb Singen alter, traulicher Volkslieder, aus

„Stille Nacht, heilige Nacht . . ."

Ivie das Iveihnachlslied entstand und wer es dichtete

Von Emil Herold, München.

Cs gibt wenig Lieder, die so volkstümlich sind, wie bas „Stille Nacht, heilige Nacht", keines, bas — wie Sphärenmusik vom Funkturm — zur gleichen Stunde durch bie ganze Welt klingt. Und es gibt selten ein Lied, das ein so seltsames Geschick gehabt hat, wie dieses holzschnittschlichte Weihnachtslieb. So echt war bas Sieb unb feine Weife, so gut hat es ben Ton des Volkes ge­troffen, daß alle Welt jahrzehntelang geglaubt hat, das Volk selbst habe Sieb unb Melobie selbst erfunben. Man hielt es für ein Tiroler Volkslieb, unb in ben ersten Lie­derbüchern, in denen es zu finden ist, wird es bald als „Tiroler Volkslied", bald als „Volkslied aus dem Ziller­tal", bald als „Steierisches Volkslied" bezeichnet. Hi< und da wurde Michael Haydn, ber Bruber des Be­rühmten, als Komponist genannt. Sogar Beethoven hat man bie Melodie zugeschrieben. Manchmal auch wurde ein einfacher Schulmeister als Komponist bezeichnet, besten Namen der Vergestenheit verfallen fei. Im Jahre 1854 — 36 Jahre, nachdem bas Sieb entstanden war — forschte die königliche Hoskapelle in Berlin nach dem Ursprung des Siebes.’ Sie roanbte sich an bas Stift St. Peter in Salzburg, in bem Haydn gestorben war. Und seltsam, Haydn war nicht der Komponist des Sie­bes, aber gerabe hier wußte man zufällig Bescheid. Der damalige Chorregent von St. Peter konnte bestimmt versichern, daß die Melodie nicht von Haydn stammte, sondern von dem Dorfschulmeister Franz Gruber, der Text aber von bem früheren Vikar von Obernbors an ber Salzach, Josef Mohr, gebichtet worben sei. Ein Sohn Grubers, ber bamals Singknabe in bem Stift war, gab auf bie Frage, ob er wisse, von wem bas Sieb sei, sofort bie Antwort: „Von meinem Vater!" Der alte Gruber lebte bamals noch in Häklein. Er teilte ber Berliner Hofkapelle mit, daß das Sieb im Dezember 1818 von bem Oberndorfer Vikar Mohr gedichtet worden sei, und daß er selbst es auf ben Wunsch bes Geistlichen rn Musik gesetzt habe. Die Hoftapelle behielt aber leider diese Wissenschaft für sich und legte bas Dokument ins Archiv. So konnte es geschehen, daß noch zwei litera­rische Fehden über ben Ursprung bes Liedes entstanden.

Fröhliches Christ-Fest!