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Samstag, 19. Dezember 1925.
Fuldaer Zeitung
2. Blatt.
Druck der Fuldaer Ackiendruckerel, Fulda.
Die nationalen Minderheiten in Deutschland.
Einblicke in bie WerfeWte Der feudalen Diplomatie.
Der neue rheinische Provinziallandtag.
WEIHNACHTS ANGEBOT
WEIHNACHTS ANGEBOT
FRANZ
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' In den Veröffentlichungen des Reichsamts ist als fünftes Heft über die Reichstagswahlen vom '4. Mai und 7. Dezember v. I. soeben die angekündigte Zusammenstellung der für die nationalen Minderheiten Deutschlands abgegebenen Stimmen erschienen. Ein Vergleich der Ziffern führt zu kommenden Parteien: P o l n i s che Volkspartei, Wendische Volkspartoi, Schleswigscher Verein und Masurische Vereinigung im Mai noch 119 736 von insgesamt 29 281798 abgegebenen gültigen Stimmen entfielen, sind im Dezember v. I. von 30 290 092 gültigen Stimmen nur 92 961 für die nationalen Minderheiten abgegeben worden. Der Rückgang verteilt sich auf alle vier Parteien.
Die Polen sind von 100 260 auf 81700, die Wenden von 10 827 auf 5585, die Schleswiger (Dänen) von 7620 auf 5134, die Masuren von 1029 auf 542 Stimmen zurückgegangen. Von den 35 Wahlkreisen waren im Mai 11, im Dezember 13 ohne irgendwelche Minderheitsstimmen, und zwar im Mai die Wahlkreise Breslau, Hessen-Nassau, Koblenz, Trier, alle weiteren vorgenannten und Hamburg und Mecklenburg.
Auch der Wahlkreis, in dem die meisten Minderheitsstimmen abgegeben wurden, Oppeln, hat im Mai mit 36 079 von 457 210 und rm Dezember mit 42 051 von 540 708 gültigen Stimmen weniger als 8 Prozent Stimmen auf diese Minderheitsliste erbracht. Im ganzen beträgt die Zahl der Minder- heitswähler rm Mai 0,4, im Dezember 0,3 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen.
An die
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--- Eine nette Röhrenart. In den letzten Jahren ist im Ausland ein neuer Baustoff für Röhren angewandt Morden, der sich außerordentlich bewährt hat. Es ist dies der sogenannte „Eternit" und besteht aus einer Mischung von Zement und Asbest. Normale Eternit- Rohre werden für einen Betriebsdruck von 2,5 bis 10 Atmosphären hergestellt, werden sedoch auf den doppelten Druck geprüft. Bel diesen Prüfungen zeigte sich niemals ein Bruch oder ein Durchschwitzen des Wassers. Die Rohre widerstehen allen Witterungseinflüssen, werden auch nicht durch Rost angegriffen und sind viel leichter als Eutzeisenrohre. In Italien sind schon viele Eternit-Rohrleitungen verlegt worden. Die dortige Fabrik arbeitet mit einem Minimum von Arbeitskräften Tag und Nacht und ist noch auf viele Monate hinaus mit Aufträgen versehen.
Wenige haben sich bisher über die eigenartige Tatsache Rechenschaft gegeben, daß das Oberhaupt der Kirche, der Papst, den lateinischen Namen Pontifex führt, ein Wort, dessen Sinn so ganz abseits von der üblichen Auffassung vom Amt des Papstes zu liegen scheint; es heißt nämlich auf deutsch Brückenbauer. Und dennoch drückt dieses Wort so rechts eigentlich die hohe Aufgabe aus, die dem Papste gestellt ist, Brücken zu schlagen von Gott zu den Menschen, von der Kirche Christi zu den Außenstehenden, von Volk zu Volk, von Klasse zu Klasse, ja von Mensch zu Mensch, so wie es das Gebot der Nächstenliebe will. So betrachtet, bietet die Beobachtung des Wirkens des Hl. Vaters, ob es sich auf rein religiösem Gebiete oder auf politischem oder sozialem vorziehe, eine treffende Illustration des ihm in Petrus erteilten allerhöchsten Auftrages. Brücken zu schlagen vom Herzen Jesu Christi hinüber zu den Seelen der Heidenwelt ist die hehre Aufgabe des katholischen Missionswerkes, über das der Papst bei den Friedensverhandlungen zur Liquidierung des Weltkrieges seine schützende Hand gehalten hat. Es ist auch zugleich müheselige, unter schweren Opfern an Menschenleben zur Blüte gebrachte deutsche Arbeit, die in den bedrohten Missionen von Rom geschützt wurde. Man hat vergessen, daß der Papst von den Friedensverhandlungen ausgeschlossen war und nur mittelbar sich Gehör und wenigstens soviel Einfluß zu verschaffen mochte, wie zum Erftlge eben nötig war. Wie unendlich viel Geduld und Vorsicht dazu aufgebracht werden mußte, möge man in dem eben ausgegebenen vierten Hefte von „Papst und Kurie" verfolgen, dessen erstes Kapitel davon handelt.
Der Völkerbund ist so, wie er ist, nicht das Ideal, sondern ein recht mangelhafter Notbehelf, der schon in feinen jungen Jahren Anzeichen der Entartung aufweift. Er ist ein politisches Instrument in der Hand von Fall zu Fall sich bildender Mehrheitsgruppierungen, aber keine unabhängige Körperschaft mit einem autonomen Gewissen. Das Kriterium seiner Tätigkeit ist ein politisches, daher von äußeren Einflüssen bestimmtes, schwankendes. Damit sind allein schon jene Gegensätze ausgesprochen, die jene Bindung verhindern, welche durch den Beitritt einer souveränen Macht ipso facto sich vollzieht. Kurzsichtige, die im Papsttum nur eine irdische Macht zu erblicken vermögen und deswegen, weil es sich auch politisch zu betätigen gezwungen ist, für sein Wirken keinen anderen als den politischen Maßstab finden, ober denen der Blick für die Wirklichkeit, d. h. die Beschränkungen, die der Wirkung des Willens des Heiligen Vaters durch den freien Willen der Menschen gezogen sind, abgeht, mögen vom Beitritte des Papstes zum Völkerbunde besten Aufstieg zur Höhe einer wahrhaft übernationalen Instanz, einer Art bewaffneten Völkerge- wiffens, erhoffen, die nüchterne Wirklichkeit, die ich im zweiten Kapitel des erwähnten Heftes zu schildern gezwungen war, stellt sich anders bar. Ist es die Pflicht des Papstes, stets das Recht zu vertreten, so vertritt der Völkerbund die Macht; das zeigt sich am allerdeutlichsten in seinem vollkommenen Versagen gegenüber den kulturellen
Rechten der Minderheiten. Es dürfte wohl praktisch sehr wenig Fälle geben, in denen sich der Hl. Stuhl als Mitglied des Völkerbundes im Einklänge mit der Völkerbundsmehrheit sähe, aber um so mehr solche, bei denen sich zwei Welten gegenüberstehen. Wie wenig hier die Anschauungen erst geklärt sind, zeigen die wichtigen Kundgebungen katholischer Lnteressentengruppen, die ich zur Illustrierung des allmählichen Wandelns und der Klärung der Frage zusammenstellte.
Ein Brückenschlägen aber im vollsten Sinne des Wortes schildert das dritte Kapitel, Frankreichs Rückkehr in den Vatikan. Wie von dem jeder Annäherung widerstrebenden Glemenceau bis hinüber zum Kabinett Briand, das die Vertretung beim Vatikan wiederherstellte, die Brücke geschlagen wurde, die Verbindung, um einander so nahe zu kommen, baß es Rom möglich würbe, sich nur überhaupt in Paris Gehör zu verschaffen, das war ich in all seinen Einzelheiten zu schildern bemüht. Inmitten dieser Zusammenhänge verliert denn auch das so viel mißbrauchte Wort vom „Franzosen dem Herzen nach" jenen auf das Gebiet der Politik übertragenen Sinn, den es tatsächlich nicht besitzt. Es spukt noch heute selbst in den Kreisen des deutschen Klerus, wie ich aus Zuschriften weiß.
Aktuelle Bedeutung gewinnt jetzt das vierte Kapitel, Deutschland bis zum Tode Papst Benedikts Xv., denn hier treten die Anfänge der direkten Beziehungen zwischen Reich und Vatikan hervor und hier müßten sich die Anzeichen für jene (fälschlich) behauptete Förderung französischer Reichs- sprengungsversuche finden, die heute nicht einmal der Evangelische Bund zu wiederholen wagt, lieber« Haupt muß gesagt wenden, daß das Erscheinen von „Papst und Kurie" bereits die eine Wirkung gezeigt hat, daß man davon mehr und mehr absieht, sich die Waffen im Kampfe gegen Rom aus besten Nachkriegspolitik zu holen. Es ist eben jetzt die Möglichkeit einer Konttolle an der Hand der Tatsachen und Dokumente angeben und jedermann zugänglich, während ehedem all die zahllosen Fälschungen und Lügen teils unwidersprochen zirkulierten, teils aus Mangel an Material nicht jene gründliche und schlagende Widerlegung sanden, die nötig ist, um ihr Gift wirkungslos zu machen.
Holland hat durch die Verweigerung des Kredits für die Beibehaltung der Vertretung beim Batt- kan von sich reden gemacht und wenn gerade das Kapitel Holland, bas sich dann anfchließt, sich wie em harmloses Zwischenspiel lieft, so tritt gerade dadurch die Grundlosigkeit, mit der dieser Konflikt inszeniert wurde, um so stärker in Erscheinung.
Und noch einmal schlägt dann der Pontifex eine Brücke, die zwischen den bis zum blutigen Kriege entzweiten Ländern England und Irlands Es ist das volle Verdienst Roms, von beiden Seiten her die Annäherung soweit durchgeführt zu haben, daß es möglich wurde, einander die Hand zu reichen und die Waffe zu senken. Es war die letzte große Tat, der letzte große Erfolg der Diplomatie Papst Benedikts Xv.
Friedrich Ritter von Lama.
In einer Sitzung in Düsseldorf hat der Pro- vinzialausschuß das Ergebnis der Provinzialland- tagswahlen vom 29. November 1925 wie folgt fest- gestellt:
Regierungsbezirk Aachen: Zenttum 10, Sozialdemokratische Partei 1, Deutsche Volkspartei 1, DeutschnaOonale Volkspartei 1, Kommunistische Partei 2, Wirtschaftspartei 1 — 16.
Regierungsbezirk Koblenz: Zentrum 9, Sozialdemokratische Partei 3, Deutsche Volkspartei 2, Deutschnationale Volkspartei 2, Kommunistische Partei 1, Wirtschaftspartei 1 = 18.
Regierungsbezirk Düsseldorf: Zentrum 32, Sozialdemokratische Partei 12, Deutsche Volkspartei 10, Deutschnativnale Volkspartei 10, Kommunistische Partei 15, Deutsch-Demokratische Partei 2, Sparerbund (Aufwertungspartei) 2, Wirtschasts- partsi 3 — 86.
Regierungsbezirk Köln: Zentrum 14, Sozialdemokratische Partei 6, Deutsche Volkspartei 2, Deutschnationale Volkspartei 3. Kommunistische Partei 3, Deuffch-Demokratische Partei 2, Bund für Aufwertung 1, Wirtschaftspartei 1 ----- 32.
Regierungsbezirk Trier: Zentrum 7, Sozialdemokratische Partei 1, Deutsche Volkspartei 1, Rhein. Dauern und Winzer 2, zusammen 11.
Zusammen in der Provinz: Zentrum 72, Sozialdemokratische Partei 23, Deutsche Volkspartei 16, Deutschnationale Volkspartei 16, Kommunistische Partei 21, Deutsch-Demokratische Partei 4, Bund für Aufwertung 1, Rhein. Bauern und Winzer 2, Sparerbund lAufwertungspartei) 2, Wirtschaftspartei 6 — 163.
Der Provinzialausschuß der Rheinprovinz hat beschlossen, der Staatsregierung die erstmalige Einberufung des neuen Provinziallandtages z u m 2 6 Januar vorzuschlagen.
Dom Handwerk.
Der Vorstand des westdeutschen Handwerkskammer» tages, der in Düsseldorf tagte, sprach sich in scharfen Worten gegen die Absicht der ReichSregierung auS, den Organisationen des Handwerks die Einflußnahme auf die Preisbildung durch eine gesetzgeberische Maßnahme zu untersagen. ES sei die alte Ersah, runa, die man nun schon seit Jahren mache; die wirtschaftlich schwachen Mittelständler müßten in allen kritischen politischen Situationen als Prügelknaben herhalten. Wenn in der Begründung zu dem Vorgehen gesagt werde, daS Ziel der vorgeschlagenen Aenderung der Gewerbeordnung sei, „alle Wirtschaftskreise in Bezug auf die Einwirkungsmöglichkeiten des Staates gleichzustellen", so sei das angesichts der bisherigen Haltung gegenüber einzelnen Kartellen geradezu unverständlich. Der Vorstand betonte wiederholt, daß daS Handwerk bereit sei, alles zu tun, um an der Vreissenkung mitzuwirken, es muffe aber auch von der Oeffentlichkeit beachtet werden, daß daS Handwerk als Letztverarbeiter nur einen ganz verschwinden- den Einfluß auf den Preis einer Ware ausüben könne. Die organifatorischen Folgen des Vorgehens der Reichsregierung seien unabsehbar und eS bestehe die Gefahr, daß alles, was in mühevoller Arbeit in 25 Jahren aufgebaut sei, nunmehr zerschlagen werde.
Schriftleiter: Dr. phil. Johannes Kramer.
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