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Anzeiger für die Sfabf und den kreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Mittwoch, 16. Dezember $925.

Nr. 290.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochcnbeilagen: .Illustrierte Bet' läge" und .Buchenblättcr". Rotationsdruck und «erlag der Fuldaer $ (tienbruderei in Fulda. Fernsvrecher Nr- 9.

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Berl. Tageblatt" ebenfalls erfährt, hc zialdemokratie die Wiederkehr Dr. Geß

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wie vor für untragbar.

Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspar- tei trat am Montag abend nach der Plenarsitzung des Reichstages zu einer Fraktionssitzung zusam­men, in der der Abgeordnete Dr. Scholz über den Stand der politischen Lage und über seine Be­sprechungen mit dem Abgeordneten Koch-Weser be­richtete. Die Fraktion erklärte sich mit der Haltung ihres Vorsitzenden einverstanden, der bekanntlich sich dem Abgeordneten Koch gegenüber zu weite­ren Verhandlungen bereit erklärt hat. Cs wurde, wie wir hören, der Meinung Ausdruck ge­geben, daß nun endlich in eine Diskussion über die sozialdemokratischen Programmpunkte eingetreten werden müsse.

Wie wir aus Zentrumskreisen hören, hatte am späten Abend des Montag der Abgeord­nete Fehrenbach (Z.) eine längere Besprechung mit dem Abgeordneten Dr. Scholz (D. Vpt.). Fehren­bach wies erneut auf die Notwendigkeit der BildungderGroßen Koalition hin und erklärte, daß das Zentrum sich an keiner anderen Regierung beteiligen werde.

Dr. llochr Bemühungen.

Durch die am Montag bereits geführten Bespre­chungen des Reichsministers a. D. Koch mit den Parteiführern wurde die Grundlage für die gemeinsamen interfraktionellen Verhandlungen geschaffen, die für Dienstag vorgesehen sind. Auch die Personenfragen sind be­reits gestreift worden. Genannt werden für das Amt des Vizekanzlers Hermann Müller, während als Außenminister Dr. Strefemann wiederkehren dürfte, Postminister S t i n g l und Verkehrsminister Dr. Kröhne, voraussichtlich auch Dr. Brauns als Arbeitsminister. Für das Innenministerium wird der Sozialdemokrat Dr. Köster, der deutsche Gesandte in Lettland, in Er­wägung gezogen. Offen wären demnach noch das Finanz- und das Reichswehrministerium. Wie das

deren ihre andersgearteten Auffassungen zu be­streiten, was wir verlangen, ist aber, daß unse­ren Auffassungen ebenso Rechnung getragen wird.

Das Zentrum kann sich heute nicht erneut in­nerlich zerklüften lassen. Gerade die Tatsache, daß wir uns immer wieder zur Verfügung gestellt haben, wenn die Not des Vaterlandes uns rief, bat uns nicht nur nicht Dank, sondern grimmige Fehde und Kampf oft genug gerade von denen eingetra­gen, denen wir mit der llebernahme der Verant­wortung die Kastanien aus dem Feuer holten, und selbst im eigenen Lager haben wir mit dieser Hal- tung nicht immer volle Zustimmung gefunden. Die Einheit und Geschlossenheit der Zentrumspartei als eines ausgleichenden Faktors in unseren ver­worrenen politischen und parlamentarischen Ver­hältnissen ist aber gerade heute ein unbedingtes Erfordernis. Im Interesse des Vaterlandes liegt die Erhaltung und Stärkung dieser Partei, der auch Hindenburg in seiner Eigenschaft als Reichspräsident nach seinem eigenen Zeugnis die stärksten Fähigkeiten für die ruhige Beordnung unserer gegenwärtigen Verhältnisse zuschreibt.

Luthers plan.

Reichskanzler Luther hat sich der Beauftra­gung seiner Persönlichkeit mit der Bildung der neuen Regierung entzogen. Die Begründung, die für dieses Verhalten gegeben wird, ist sehr merk­würdig. Sie geht nämlich dahin, daß er sich setzt nicht in die Gefahr des Scheiterns bringen lassen könnte, wenn er ja am Ende der Regierungskrisis doch noch als endgültiger Kanzlerkandidat auf­taucht. Luther fürchtet wohl in den Verhandlun­gen mit den Demokraten sich zu verbrauchen. Daß aber unter den obwaltenden Umständen jeder an­dere, der an Luthers Stelle treten sollte, nur in die Rolle eines Lückenbüßers kommt, den man bei­seite schiebt, wenn er seine Aufgabe erledigt hat, um Luther wieder Platz zu machen, ist eine nicht gerade erfteuliche Wirkung dieser eigenartigen Taktik.

Luthers Plan geht, wie in parlamentarischen Kreisen beharrlich verlautet, auf die Schaffung einer bürgerlichen Mitte mit Auslegern noch rechts und links. Aber selbst Hindenburg hat als seine Ueberzeugung ausgesprochen, daß eine Min- derhektsregierung im jetzigen Augenblick keinen Bestand haben könne und daß das Ziel, die Zu­sammenfassung aller positiven Kräfte in einer möglichst großen Koalition sein müsse, sa Hinden­burg hat sogar zum Ausdruck gebracht, daß, wenn sich dieses Ziel im jetzigen Augenblick nicht erreichen lasten sollte, doch spätestens im Frühjahr der Ver­such nach derselben Richtung wieder ausgenommen werden müsie. Jedenfalls geht das Bemühen des Parlaments dahin, schon jetzt gerade mit Rücksicht auf die ernste Wirtschaftslage wirklich alle schaffen­den Kräfte zu einem großen Arbeitsblock zusam- menzuscklließen.

Aus den Parlamenten.

_ Der Reichstag setzte die Beratung der An­träge über Besoldungsaufbesserungen der Reichsbeamten fort. Der Hausha'saus- schuß ersucht in seinem Antrag die Regierung, den allgemeinen Teuerungszuschlag für die Beamten der Gruppen 14 auf 25 Proz. und der Gruppen 5 und 6 auf 20 Proz. zu erhöhen. Diesen Antrag bezeichnet Reichskanzler Dr. Luther in ei'- ner Erklärung als unannehmbar für die Re- gierung, da er ehe Festlegung für die Zukunft enthalte. Die Regierung sei dagegen einverstanden mit dem inzwischen von der Bayerischen Volkspartei gestellten Antrag, wonach als einmalige Notmaß- nähme der Beamten und Angestellten der Gruppen 14 noch vor Weihnachten ein Viertel, der Be­amten der Gruppen 5 und 6 ein Fünftel eines Mo­natsgehaltes ausbezahlt werden soll. Diese Bei­hilfe, die auch den Wartegeldempfängern, Ruhege­haltsempfängern und den Beamtenhinterbliebenen gewährt wird, soll mindestens betragen für Ledige 80 Mark, für Empfänger eines Frauenzuschlags 35 Mark, für Empfänger von Kinderzuschlag für jedes Kind außerdem fünf Mark, für Vollwaisen 10 Mark für Kriegsbeschädigte und Kriegerhinter­bliebene ein Viertel der ihnen für Dezember zu- stehenden Bezüge.

Den größten Teil der Montagssitzung des Preußischen Landtages nahm bei der Be­ratung des Kultushaushaltes die Besprechung der fristlosen Entlassung des ehemaligen Intendanten der Berliner Staatsoper Professor Max v. Schillings ein. Kultusminister Dr. Becker recht- fertigte das Verhalten des Ministeriums des Innern in einer sehr ausführlichen Rede. In der Debatte traten die Redner der Deutschnationalen, der Deut­schen Volkspartei, der Wirtschaftlichen Vereinigung und der Völkischen Arbeitsgemeinschaft für ihre Anträge ein, die die Zurücknahme der fristlosen Entlassung deS Intendanten v. Schillings und Streichung der Referate für Kunst und Theater im Etat für 1926 fordern. Von den übrigen Par­teien wurde den Standpunkt des Ministeriums gebilligt. Dabei kam aber das Verlangen zum Ausdruck, daß, nachdem der Staatsautori­tät Genüge geschehen sei, man dem Künstler und Menschen Schillings die Hand reichen müsse. Der Landtag erledigte vorher noch die dritte Bera­tung des Haushaltes der landwirtschaftlichen Ver­waltung. Dabei erklärte zur Frage der Landbank ein Vertreter der Regierung, daß die Gefahr des Zusammenbruchs durch satzungswid­rige Geschäfte heraufbeschworen worden sei. lieber eine Stützungsaktion des Staates sei es noch nicht zu einer Einigung gekommen. Die Siedler­interessen wolle der Staat aber auf jeden Fall bei der Landbank wahrnehmen. Am Dienstag wird die dritte Etatsberatung von 11 Uhr vormittags ab fortgesetzt. - *

Die für Dienstag vorgesehene interfraktionell« Besprechung aller der für die Große Koalition in 'Nage kommenden Parteien wird sich mit einem vrn dem Reichstagsabgeordneten Koch ausgearbei- Men Arbeitsvrogramm für die Große Koalition beschäftigen. An die Stelle der sozial­demokratischen Programmpunkte will lautVoss. Ztg." Abgeordneter Koch eigene Vorschläge treten lassen. Bei ihrer Formulierung, insbeson­dere hinsichtlich der sozialpolitischen Fragen werde sich Koch der Sachkenntnis der bisherigen Reichs­arbeitsministers Dr. Brauns bedienen.

Der Standpunkt des Zentrums.

Aus parlamentarischen Kreisen wird uns ge­schrieben:

Für die Haltung des Zentrums zu den gegen­wärtigen Verhandlungen über die Schaffung einer neuen Regierung hatten unsere Wähler im ganzen Lande das v o l l st e Verständnis. Das Zen­trum hat es von Anfang an abgelehnt, den ihm schon wiederholt unter der Hand angetragenen Posten eines Kanzlers in der kommenden Regierung zu übernehmen. Und diese Erklärung ist auch schon bei der ersten Fühlungnahme des Reichspräsidenten mit den Fraktionsvorsitzenden abgegeben worden. Wenn trotzdem der Reichs­präsident in diesen Tagen erneut den Fraktions- sührer zu sich kommen ließ, um ihm nicht nur das Amt eines präsumtiven Kanzlers, sondern auch die gesamten Regierungsbildung und die Führung des neuen Kabinetts anzutragen, so legt dieses Ver­fahren das beste Zeugnis ab für die Achtung, die der Reichspräsident der Zentrumspar- t e i als politischem Faktor zollt, aber auch für die Bedeutung, die er der Zentrumspartei bezüglich ihrer Aufgabe des Ausgleichs beimißt.

Das Zentrum aber konnte den Auftrag nicht annehmen. Seit dem Jahre 1919 hat das Zen­trum immer mit in vorderster Reihe gestanden. Die Zentrumspartei hat sich dabei ganz gewiß nicht von Ehrgeiz ober ähnlichen Motiven, sondern ein­zig und allein von den Geboten leiten lasten, die eine Weltanschauung ihm vorschreibt. Es ent- pricht unserer christlichen Weltauffaffung, auch an politische Dinge und politische Entscheidungen mit >em stärksten Verantwortungsgefühl heranzutre» ten. Wir sind der Ueberzeugung, daß nur auf ®tcfe Weiss unser Volk und unser Vaterland ge­rettet werden kann.

Das Zentrum steht auch jetzt keineswegs beiseite und es stellt feine Mitwirkung durchaus zur Ver- ftgung. Diese Bereitschaft ist auch dem mit den Verhandlungen um die Regierungsbildung betrau­ten Demokratenführer Koch ausdrücklich erklärt worden. Slber in diesem Augenblick führend heroorzutreten, hält das Zentrum aus persönlichen und sachlichen Gründen für nicht angängig.

Vor allen Dingen kommt hier in Frage, daß das Zentrum bei j e d er Regierungsbildung mit in allererster Linie feine kulturpolitischen Forderungen anmelden muß. Nun haben die Sozialdemokraten unter anderen auch die Zu­rückziehung des Reichsschulgesetzentwurfs verlangt. Wir brauchen nun gewiß nicht mit jeder einzelnen Bestimmung dieses Entwurfs einverstanden zu fein. Aber wir können nie und nimmer von un­serer Auffassung abgehen, daß wir in der reli­giösen Erziehung unserer Jugend das beste, ja das einzige Mittel für die Gesundung des deutschen Volkes sehen. Wir verlangen die kon- ftssionelle Schule, wir verlangen für Eltern und Kinder das Recht, in ihrem Glauben erzogen und gebildet zu werden. Wir denken nicht daran, a n-

Knsprache des heiligen Vaters.

Kardinalsernennungen.

Am Montag fand in Rom ein Geheimes Kon­sistorium statt. " Der Papst ernannte zu Kardinalen: Mons. Ceretti, Nuntius in Paris: Mons. Gasparri, Nuntius in Brasilien: Mons. V e rde, Sekretär der Kongregation der Riten und O'D o n» nel, Erzbischof von Armagh. Der Papst drückte seine Freude aus über den Erfolg des Heiligen Jahres, über die Kanonisierung der neuen Heili­gen, über die 1600-Jahrfeier des Konzils von Ni- zäa und von vielen Staaten in dem von ihm emp­fohlenen feierlichen Sinne abgeschlossenen Bünd­nisse. Trotz der Anerkennung der organisatori­schen Leistungen Italiens für das Jubeljahr gip­felte doch die Papftrede hinsichtlich der Möglichkeit einer Beendigung der Vatikan ischen Gefan­genschaft in einem kategorischen non pofsumus. Der Papst hob hervor, daß trotz der schwierigen Zeiten die Pilger sich über die Beamten nur lo­bend äußern könnten und daß die Ordnung auch nach dem verbrecherischen Attentat auf Mussolini ungestört gewesen sei. Ueberdies äußerte der Papst seine Befriedigung über die faszistische Kultuspolitik, welche früheres Unrecht frei­lich nur teilweise ausgleiche. Jedoch hob der Papst kräftig hervor, daß er unter den jetzigen Verhält­nissen die vatikanische Gefangenschaft nicht auf­geben und daher auch nicht gleich den PilgerH-ie übrigen Basiliken besuchen könne und er erwähne schließlich unter der Versicherung des Schmerzes, welcher seine Jubiläumsfreude beeinträchtige, aus­drücklich das jüngste faszistische Gewerkschaf ts- Gesetz, das bekanntlich den christlichen Gewerk­schaften den Boden entzieht. Bei mancher Aner­kennung der faszistischen Politik zieht die Ansprache dock einen deutlichen Grenzstrich gegenüber dem Faszismus. Er äußerte weiterhin sein Bedauern über die Lage der katholischen Kirche in Mexiko, über die Trübung der Beziehungen mit Argen­tinien, der Tschechslowakei und Südslawien und äußerte seine lebhafte Genugtuung über die von den Katholiken in Frankreich entfalteten Tä­tigkeit und über die dort erfolgte Schaffung eines höheren katholischen Unterrichts nach all den Ver­wüstungen ,die 50 Jahre des Laicismus dort an­gerichtet hätten. Der Pcwst schloß, indem er seine Befriedigung über den Abschluß der Konkordate in Bayern und Polen ausdrückte und die Aus­dehnung des JubiläumsfaHres auf die ganze Welt und auf das nächste Jahr ankündigte, in dem der 700. Todestag des Hl. Franz von Assisi durch große Festlichkeiten gefeiert werden würde.

Die Wiederaufnahme der deuksch französischen Handelsverkragsvrrhandlnngen.

wtb Paris, 15. Dez. ((Eia. Bunds.-Meld.) Handelsminisker Vincent verhandelte gestern abend mit der französischen Wirtschaftsdelegation über die Wiederaufnahme der Handelsvertrags- Verhandlungen mit der deutschen Delegation, die heute in Paris eintrifft. Rach dem «Petit parisien" wird Vincent heute nachmittag wahrscheinlich eine Unterredung mit Dr. Trendelenburg haben. Ulan erwartet im französischen Handelsministe­rium, daß alsbald die deutsche Antwort aus die französische Rote vom 25. Oktober überreicht wird, in der die französischen Vorschläge über die Tari­fierung niedergelegt waren.

Amerika und Rußland.

wtb Moskau, 15. Dez. ((Eig. Rundf.-Meld.) Einem Rewyorker Berichterstatter zufolge ist noch für diese Session im Kongreß ein neuer Ver­such zu erwarten, die Anerkennung Ruß­lands durch die Vereinigten Staaten zu errei­chen.

(Ein nordisches Loearno?

Eine Meldung der Tel.-Agent, der Sowjet­union aus Moskau besagt: Anläßlich des Vor­schlags des finnischen Dölkerbundsvertreters Erich, ein nordisches Locarno zu veranstalten, weift die Prawda" darauf hin, daß Erich zwar beabsichtige, die Sowjetunion zur Teilnahme an einem v3a* rantievertrag mit den Randstaaten aufzufordern, jedoch nur in der Hoffnung, daß die Sowjetunion infolge ihrer ablehnenden Haltung dem Völker­bund gegenüber eine Absage erteile. , Dadurch würden dann die baltischen Staaten d>e Hand­lungsfreiheit für den Abschluß eines selbständigen Vertrages erlangen. Das Blatt betrachtet ein nor­disches Locarno unter Hinwei« auf b;e unfreund­lichen Besprechungen der baltischen Presse als die Erneuerung des Versuches, unter Leitung und mit Unterstützung Englands ein Bund Estlands, Lettlands und Litauens zu schaffen,, der sich gegen die Sowjetunion richtet. Prawda" hofft, daß die Randstaaten sich von der Fruchtlosigkeit und Abenteuerlichkeit solcher Ideen, die ihren wahren nationalen Interessen nur scha­den, überzeugen werden.

Rutztand und Japan.

Wie Reuter au? Tokio meldet, teilte der Sowjet- gesandte Kopp dem javanischen Außenminister, mit, daß die Sowjetunion in Ostasien keineaggressiven Pläne verfolgt und die Interessen Japans in keiner Weise zu besprechen beabsichtige.

Spanien vor dem Abschluß von Schiedsverträgen?

Der spanischeDelegiertebeim Völkerbund, Quincnes de Leon, hat vor dem Völkerbundsrat auf Verhand­lungen angespielt, die Spanien eingeleitet habe, um Schiedsgerichtsverträne nach dem Muster von Locarno abzuschließen. Der Sonderberichterstatter der HavaSagentur in Gens will in der Lage sein, mitteilen zu können, daß Spanien mit Frankreich, England, Portugal und der Schweiz verhandle.

Die Flotte Amerikas.

Aus Washington wird gemeldet:

Aus dem soeben dem Präsidenten Eoolidae über­reichten Jahresbericht des amerikanischen Marine- fekretärs Curtis D. Wilbur geht hervor, daß die Mannschaftsstärke. deren Höhenzahl auf 86 000 fest- gesetzt ist, aus Sparsamkeitsrücksichien auf etwa 82000 Dermin t: er t wurde. Die Zahl der Offi- ziere beträgt 4945 gegenüber einer zulässigen Höchst- zahl von 5499. Der Bericht enthält kein neues Bauprogramm, weist jedock darauf bin. daß die Brauchbarkeit fast aller Schisse durch entsvre- chende Aufwendungen bedeutend gesteigert werden könnte. Derartige technische Verbesserungen, für deren Gesamtheit 40 Millionen Dollar erforderlich wären, werden näher beschrieben, mit dem Bemer­ken, daß ihre Ausführung nach Bereitstellung Der Mittel erfolgen soll.

Eine Reihe von im Bau befindlichen Schiffen sollen als Flugzeugmutterschiffe ausgebaut werden. Mehrere Unterseeboote sind im Bau begriffen und sollen spätestens im Februar 1926 fertiggestellt fein Im ersten Halbjahr 1927 soll ein weiteres Untersee, boot mit Minenlegervorrichtung in Dienst gestellt werden. Anfang 1926 sollen wiederum zwei Unter­seebote und zwei leichte Kreuzer aufgelegt werden, ebenso 6 Flußkanonenboote für den Dienst in China. Besondere Sorgfalt soll, wie der Bericht des Ma- vinesekrekärs ausführt, der Frage der taktischen Zusammenarbeit von Schlachtschiffen, llnterfeebotcn und Flugzeugen gewidmet werden. Durch d:e Flottenmanöver bei den Haweiinseln sei erwiesen worden, daß die Flotte durch entsprechenden Aus- bau unt> das zweckmäßige Zusammenwirken der drei Waffengattungen eine bedeutende Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit zu erwarten hat.

Vor Der Abstimmung über die SiMllaMabemie.

Erklärung des Abgeordneten wildermann über die Stellung des Zentrums

Wie uns aus Berlin berichtet wird, beschäftigte sich der P r e u ß i s ch e L a n d t a g in seiner Mon­tag-Sitzung bei der 3. Beratung des Kultushaus­haltes u. a. auch mit den Anträgen der Deutschen Dolkspartei und der Demokraten auf Errichtung einer pädagogischen Akademie auf simultaner Grundlage in Frankfurt a. M.

Aba. Wildermann (Zentr.) gibt namens seiner Fraktion eine Erklärung ab, in der es heißt:

Dis Zentrumsfraktion erbllckt In dem Anträge auf Errichtung einer simultanen pädagogischen Akademie in Frankfurt a. M. einen Versuch, die Grundlage der Bekenntnisschule zu unterhöhlen und die simultanen Schulen in Nasiau zu verewigen. Die Be­kenntnisschule ist nach Ueberzeugung der Zentrumspar­tei die Schule, die die Gewissensfreiheit und die berech­tigten Ansprüche aller Erziehungsberechtigten sicher- fteltt. Die Bekenntnisschule sichert religiöfen Frieden unter dcn Volksgenossen und gibt der Vaterlandsliebe der Schüler die religiöse Grundlage. Das setzt aber eine Vorbildung der Lehrer voraus, die n u r a uf beten nt« nismäßig eingerichteten Lehrerbil­dungsanstalten erworben werden kann. Ein« simultane Lehrbildung zerstört die notwendigen Voraus­fetzungen der bekenntnismäßigen Volksschulen.

Wenn besonder« Verhältnisse ausnahmsweise zur Einrichtung von Simultanschulen führen, so ist auch für die Lehrer und Lehrerinnen an diesen Schulen eine si­multane Ausbildung weder nötig noch angezeigt. Mögen auch die Schulen simultan sein, d. h. Kinder verschiede, dener Bekenntnisse unterrichtet werden, die einzelnen Männer und Frauen, die an dieser Schule wirken, ge­hören doch einem bestimmten Bekenntnis an und müssen die religiösen Gefühle der anderen achten. Eine simultane Akademie kann solche Lehrerpersönlich­keiten nicht hervorbringen.

Daß man die simultane Akademie für Frankfurt am Main verlangt, muß noch besonders stutzig machen.

Ist doch offen ausgesprochen, daß Frankfurt sich deshalb eigne, weil in Nassau die simnltane Schule die Regel sei und vergißt dabei, daß die katholische Bevölkerunz Nassaus von jeher die Bekenntnisschule verlangt hat. 34 Jahre lang von 1817 bis 1851 hat Nassau bereite einmal ein simultanes Lehrerseminar gehabt. Es war eine Quelle des Unfriedens und der Unzufriedenheit, so­daß man sich entschloß, an seiner Stelle zwei bekennt» müßige Seminare in Montabaur und Usingen zu errich­ten. Jetzt will man, was sich nicht bewährt hat, wieder einrichten. Schärfster Protest macht sich in allen Tei­len der katholischen Bevölkerung Nassaus bemerkbar en Erklärungen und Protestversammlungen, und es sei hin- gewiesen auf die von tiefstem Ernst getragene Kund­gebung des Bischofs von Limburg, Dr. Augustinus Ki­lian, in der er dem Herrn Minister n. a. schreibt:In Erwägung der Früchte, die eine solche Anstalt zeitigen muß für die Lehrer sowohl als für das ihnen zu über­liefernde Heranwachsende Geschlecht, würde ich den ar einer simultanen Lehrerakademie gebildeten Lehrern die Mifsio canonica zur Erteilung von Religionsunterricht nicht erteilen können."

Die Zentrumsfraktion lehnt aus allen diesen Erwä­gungen heraus die Gründung einer simultanen Aka­demie a b, die außerdem der Reichsverfassung widerspricht. Dieser Ansicht hat die Staatsregie­rung im Ausschuß mit großem Nachdruck Ausdruck ver­liehen. Wir treten dieser Ansicht vorbehaltlos bei und lehnen jede Verantwortung für die äußerst bedenklichen Folgen, die sich unter diesen Umständen aus der Grün­dung einer simultanen Akademie unvermeidlich ergeben müssen, ab.

Sollte der Antrag angenommen werden, so he* hält sich das Zentrum vor, mit allen gesetzmäßigen Mitteln die Gründung der Akademie zu verhiw dem.

Die entscheidende Abstimmung wird am Diens­tag stattfinden.