Eine Rede Dr. Stresemanns.
Anläßlich des Parteitages der Deutschen Volks- rwrtei für den Wahlkreisverband Berlin sprach der Ncichsaußenminister Dr. Stresemann in einer von kr Partei einberufenen öffentlichen Versammlung.
In seiner Rede führte Dr. Stresemann u. a. folgendes aus, es sei eine Verkennung des parlamentarischen Systems, wenn einer Partei Vorwürfe darüber gemachl würden, daß sie im Laufe der politischen Entwickelung m i t v e r s ch i e- denen Parreien zusammenarbeite. Eine andere Kombination als die der Zusammenarbeit verschiedener Fraktionen bei den heutigen Parteiver- bältnissen sei nicht möglich. Wenn wir zu gesunden Verhältnissen kommen wollten, so müßten alle Parteien Gelegenheit haben, im Laufe der Entwicklung in der Regierung mitzuarbeiten. Es sei deshalb völlig verfehlt, wenn der Deutschen Volkspartei Vorwürfe darüber gemacht würden, daß sie darauf bestanden habe, die Deutschnationale Partei an der Regierung zu beteiligen. Ebenso verfehlt sei es aber auch,' ihr vorzuwerfen, wenn sie die Konsequenz aus der heutigen Lage zöge, nachdem die Deutschnationalen nicht nur durch Ablehnung der Locarnoverträge, sondern darüber hinaus noch durch ihre Anzweifelung der Rechtsgültigkeit dieser Verträge sich selb st von der weiteren Mitarbeit ausgeschlossen hätten.
Anlaß zu der Aenderung der politischen Lage habe die Außenpolitik gegeben. Der Reichsaußenminister gab ein Bild der Außenpolitik der letzten Jahre, indem er dabei von dem Grundgedanken dieser Politik ausging. Diese Politik habe zum Ziel gehabt, die Wi e d e r e r r i ch t u n g der d e u t- schen Souveränität. Sie habe ihrerseits
wirtschaftliche Leistungen in der Stellung von Pfändern für die Reparationen geboten. London war die Lösung der Reparationsfrage, Locarno soll die Lösung der politischen Fragen bringen, die zwischen der früheren Entente und uns bestehen. Die gegen uns in der Nachkriegszeit geführte Politik war eine Politik der Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitein, Die Verträge von Locarno sollen dieser Politik ein Ende machen und eine Politik des Rechts und des wirklichen Friedens sowie darüber hinaus eins Politik der Verständigung und des gegenseitigen Zusammenwirkens sichern.
Der Reichsminister 'ging ausführlich auf die Grundgedanken dieser Politik ein und erklärte, daß die Deutsche Volkspartei in ihrem Eintreten für diese Politik vom ersten bis zum letzten Schritt vollkommen einmütig gewesen sei und sich in der künftigen Regierung nur mit Parteien beteiligen werde und beteiligen könne, die gewillt seien, aus der Grundlage dieser Politik weiterzubauen. Das Wort „Rückwirkungen" in Bezug auf das Rheinlandregime sei vielleicht falsch gewählt, wenn es so verstanden würde, als wenn die Folgerungen der Verträge von Locarno sich in ihm erschöpfen. Die auf Locarno aufgebaute Politik habe selbstverständlich die Herstellung der völligen Freiheit und Souveränität Deutschlands zum Ziele, bedeuten aber darüber hinaus auch die aktive Beteiligung Deutschlands, namentlich in den großen europäischen Fragen und soll den Ausdruck unbedingt friedlicher, aber ebenso auch unbedingten aktiver Politik bedeuten.
Aus den Parlamenten.
Im Reichstage wurde die 3. Beratung des landwirtschaftlichen Etats fortgesetzt. Die Abgg. Blum (Zentr.), Gramm (N. Dp.) und Lang (Bayr. Dolkspartei) erörterten die Notlage der Landwirtschaft. Ueber die Getreidebewegungsvorlage der Regierung waren die Meinungen geteilt. Während der Zentrumsabgeordnete ihr mit kritischem Wohlwollen gegenübertrat, lehnte der Redner der Bayerischen Volkspartei sie als Erneuerung der Zwangswirtschaft ab. Der Vertreter der Deutschen Volkspartei erklärte, daß ein Teil seiner Fraktion ihr zustimme, ein anderer Teil sie ablehne. Am Freitag nachmittag wird die Weiterberatung fortgesetzt.
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Der preußische Staatsrat beschäftigte sich mit den Entwürfen eines Gesetzes zur Aenderung der preußischen Steuernotverordnung und eines Gebäudeentschuldungssteuergesetzes. Der Berichterstatter Jarres begründete den Antrag der Ausschüsse, die Behandlung des Gebäudeentschuldungsteuergesetzes bis nach der Januartagung zurückzu- telleii. Zu dem Entwürfe eines Gesetzes zur Aenderung der preußischen Steuernotverordnung (Hauszinssteuer) beantragt der Ausschuß folgenden Beschluß: Der Staatsrat hält bei der heutigen wirtschaftlichen Notlage die vorgeschlagene E r h ö h u ng der Hauszinssteuer von 700 auf 800 Prozent nicht für tragbar und spricht sich deshalb grundsätzlich gegen das ganze Gesetz aus. Für den Fall, daß im Landtag diese Erhöhung trotzdem beschlos
sen werden sollte, empfiehlt der Ausschuß gewisse Aenderungen der Sätze sü: die Verteilung des Ertrages auf die Neubautätigkeit ein.-rscits und auf Länder und Gemeinden andererseits. Der Staatsrat beschloß entsprechend dem Ausschußantrag.
Der Preußische Landtag konnte am Donnerstag die 3. Etatsberatung in der Generaldebatte noch nicht zu Ende führen. Ministerpräsident Braun wies bei Betrachtung der wirtschaftlichen Lags darauf hin, daß es auch der unter dem entscheidenden Einfluß der Deutschnationalen stehenden letzten Reichsregierung nicht gelungen sei, die Lage der deutschen Wirtschaft zu bessern. Man dürfe eben die Schuld an der schlechten Wirtschafts- läge nicht Politikern zuschreiben oder über- Haupt einzelnen Personen, sondern müsse sie auf den verlorenen Krieg zurückführen. Alles käme darauf an, daß die Kaufkraft der Bevölkerung gehoben würde, denn die größten Teile der Kredite für die Landwirtschaft würden nutzlos sein, wenn kein Absatz vorhanoen ist. Hierauf vertagt das Haus die Wetterberatung auf Freitag.
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In der Donnerstag-Sitzung des hessischen Landtages wurde ein von sämtlichen Parteien mit Ausnahme der Kommunisten kingebrachter Antrag angenommen, in dem es u. a. heißt: Der Landtag wolle beschließen, die Regierung zu er- suchen, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln daraufhin zu wirken, daß dre nach Annahme des Vertragswertes von Locarno zu erwartenden E r - leichterungen im besetzten Gebiet in . möglichst weitem Umfange eintreten.
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Anzeiger für die Stabt und den kreis Fulda. Amkliches Areisblakk
52. Zahrg
Samstag, 12. Dezember 1925
Nr. 287
Ilm die neue Reichsregierung
Nachdem die Reichstagsfraktionen von der Deutschen Volkspartei bis zu den Sozialdemokraten am Freitag dem Reichspräsidenten die erbetenen schriftlichen Erklärungen übergeben haben, dürfte, wie die Blätter annehmen, Reichspräsident v. Hindenburg eine Persönlichkeit und voraussichtlich Dr. Luther mit der Kabinettsbildung beauftragen. Der „Lokalanz." will allerdings wissen, daß der Erteilung des Auftrages noch eine Besprechung sämtlicher Führer der für die große Koalition m Betracht
wtb. Paris, 11. Dez. (Eig. Runds.-Melks.) Zu den Verhandlnugen deutscher und französischer Luft- schiffahrts-Sachverständiaer in Paris teilt „9Ratm“ mit, daß die deutschen Sachverständigen nach zwei Sitzungen mit ihren französischen Kollegen nach Berlin zurückgekehrt seien, um ihrer Regierung Bericht zu erstatten. Man nehme an, daß sie m einigen Tagen wiederum nach Paris kommen werden und über die Frage des Ueb erfliegens deutschen Gebietes durch französische Flugzeuge einerseits und des Ueberfliegens des Rheinlandes von deutschen Flugzeugen andererseits noch vor Maus dieses Jahres geregelt werden. *
wtb Paris, 11. De;. (Lig. Rundf.-Meldg.) Zu der gestrigen Sitzung der Bokschaster-Konferenz, die sich mit Luftfahrt-Tran.'n beschäftigt, teil« „Petit Parisien" heute mit, die Botschafter hätten sich sowohl von gewissen technischen Erwäg rngen als auch vom Geiste von Locarno leiten lassen und entschieden, Deutschland eine Rote zu über- senden, in der die Bedingungen für den Zusammentritt einer deutsch alliierten Sachverständi- gen-konseren; auseinandcrgesetzt würden, die damit beauftragt würde, die Maßnahmen zu studieren, die an Stelle der gegenwäciig in Kraft befindlichen Beklamanlierung reden sollen. Man würde außerdem über die Aufrechterhaltung oder Abschaffung des Garantiekomitees verhandeln.
Aus dem besetzten Gebiet.
Augenblicklich befindet sich eine deutscheAb> orbnung in Koblenz, die seit Mittwoch mit der Rheinlandkommission über die Haftentlassung der in den Gefängnissen der nörlichen Zone festgehaltenen deutschen Staatsangehörigen verhandeln soll. Es soll erreicht werden, daß mit der endgültigen Räumung der nörlichen Zone die wegen politischer Vergehen in den Gefängnissen der Zone sitzenden Deutschen nicht in andere Äesetzungsgebiete überführt werden, da bei der Räumung der Zone die Verfolgung politischer Delikte hinfällig wird. Diese Verhandlungen sind vorläufig streng vertraulicher Natur und werden bis Ende der Woche dauern. Wie verlautet, sollen sie keinen abschließenden Chrakter haben. Es werden nur Vorschläge formuliert, die zur endgültigen Annahme den beteiligten Regierungen vorgelegt werden. Erst mit der Ratifizierung dieser Vorschläge treten die beabtzch- tigten Amnestieerlasse in Kraft.
Am Donnerstag hat in Sachen der Vorbereitung ter neuen Kabinettsbildung die Sozialdemokratie «inen wichtigen Schritt getan. Sie legte ihre Auf- iaffung in einer Entschließung nieder, die noch am gleichen Abend mit einem Begleitbrief dem Reichs- »räsidenten übermittelt wurde. Die Entschlie- ; u n g hat folgenden Wortlaut:
Die sozialdemokratische Fraktion macht ihre endgültige Entscheidung von der weiteren Klärung der politischen Situation abhängig und ermächtigt ihre Vertreter durch Verhandlungen mit den in Betracht kommenden Parteien die nötigen Grundlagen für Die Entscheidung der Fraktion zu schaffen. In diesen Verhandlungen legen wir Wert auf die E r- örterung folgender Punkte: Offenes Eintreten für die Republik, Abwehr aller monarchistischen Restaurationsversuche, Ratifizierung des internationalen Abkommens von Washington, Verabschiedung eines Arbeitszeitgesetzes unter Wiederherstellung des achtstündigen Normalarbeitstages, schleunige Verabschiedung des Gesetzes über die Erwerbslosenversicherung, Verbesserung der Er- werbslosenfürsprge, Verschiebung der Mieteerhöhung, Erhöhung des Betrages für gemeinnutzi- gen Wohnungsbau, keine Senkung der Besitzsteuern, Zurückziehung des Reichsschulgesetzentwurfs, reichsgesetzliche Regelung der Fürstenabfindungen mit rückwirkender Kraft, baldiges Eintreten Deutschlands in den Völkerbund, lieber die persönlichen Garantien ist nach Einigung über das sachliche Programm zu verhandeln.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: »Illustrierte Beilage" und „Vuchenblätter". Rotationsdruck und Serio« ”CI guldarr V rtiendruckerei in slulda. giernivrecher Rr. 9.
«wimnMrber Bernasvreir: 1.50 d-_____________
Zur gbrüstmgsfrage.
Wtb London, 11. De;. (Eig. Rundf.-Meldg.). Der Derichkerstakker des Reuter-Büro in Gens meldet zur Abrüstungssrage, er erfahre, daß die Frage der Einladung der verschiedenen Staaten zur Teilnahme an dem vorbereitenden Ausschuß so gut wie geregelt sei. 3m Rat sei einer Vereinbarung über die Abrüstung fast in allen Punkten erzielt worden.
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wtb Londo n, 11. Dez. (Eig. Rundf.-Meldg). Der diplomatische Berichterstatter der „Mornina Post" schreibt zur Abrüsiungssrage: Man ist der Ansicht, daß A m e r i k a selbst, wenn es sich weigern sollte, eine Stellung im vorbereitenden Ausschuß anzunehmen, sicher einen Beobachter entsenden werde. 3n Rußland wird sicher, so schreibt das Blakt weiter, eine starte Strömung entstehen, die irgend eine Form der Annahme der Einladung des Völkerbundes als Mittel anschen wird, um Rußland wieder in Fühlung mit Europa zu bringen. Es verlautet, daß die Einladung offiziell vom Völkerbund ausgehen wird und nicht durch diplomatische Kanäle.
VotschafterKonferenz und deutsche Luftfahrt.
wtb. Paris, 11. Dez. (Eig. Rundf.-Meldg.) „Motin" berichtet zur gestrigen Sitzung der Botschafter-Konferenz, die sich mit den Luftfahrtfragen beschäftigt, die Konferenz habe, die 9 Bestimmungen geprüft, die bisher für die deutsche Luftfchiffahrt galten und habe die Absicht, diese Bestimmungen, was die Verkehrs-Flugzeuge anbertreffe, zu mildern. Die Botschafter-Konferenz werde außerdem die Frage studieren, unter welcher Form die Kontrolle der zivilen und militärischen Luftfahrt in Deutschland durchgefiihrt werden soll. Schließlich werde die interalliierte Kommission von dieser Aufgabe entlastet und die Kontrolle gemäß dem Versailler Vertrag durch den Völkerbund ausgeübt werden.
Schieles Pension.
Ende Oktober schieden die deutschnationalen Minister Neuhaus, v. Schlieben und Schiele nach neunmonatlicher Ministertätigkeit aus ihrem Amt. Daß die Herren Neuhaus und v. Schlleben als langjährige Beamte 'Ministerpension erhalten, ist selbstverständlich. Zum allgemeinen Erstaunen er- fuhr man aber, daß auch Herr Schiele mit Der Pension eines Reichsministers ausgesckneden ist. Nach den gesetzlichen Bestimmungen hat ein Reichs- Minister nur dann Anspruch auf Pension, wenn er einschließlich seiner Ministertätigkeit zehn I ah re Beamter war. Herr Schiele war neun Monate Minister. Sonst ist er, wie feine Angaben im Reichstagshandbuch ergeben. „Ritterguts- Pächter und Fabrikant". Von unternch- teter Seite ist jetzt zu der Angelegenheit, die im Hinblick auf die führende Rolle des Herrn Schiele in der Partei „gegen die Futtergrippenwirtfchaft allgemeines Interesse findet, folgendes erklärt worden: m ,
„Minister Schiele hat gemäß § 35 des Reichsbeamten. aefeßes bei feiner Entlastung eine Pension erhalten, weil er sich über zehn Jahre im Dienst befunden hat. Bei der Berechnung der pensiansberechtigten Dienstzeit ist nach § 47 des genannten Gesetzes die Zeit des aktiven Milii ärdt :>.> es z> ter Zirildirnftzrit als Munter hinzugerechnet morden. Dabe> mußte weiter beachtet werden, daß nach den Vorschriften der Militiirver- sorgungsgesetze die Zeit des Kriegsdienstes im Kampfgebiet dopp eltgercchnet werden muß. Unter Beachtung dieser zwingenden Gesetzesvorschriften ergab sich für Schiele eine Gesamtdienstzeit von zehn Jahren 62 Tagen. Er hatte hiernach auf eine Pension von 35 Prz. des pensionssähigen Diensteinkommens einen voll begründeten, klagbaren Anspruch."
Freut Euch, alte Krieger! Wenn Ihr mal zeit- weilig Minister werdet, seid Ihr alle pensionsberechtigt, — Herrn Schiele wird, um seine neun Monate Ministerzeit auf die erforderlichen zehn Beamtenjahre zu strecken, der aktive Militärdienst angerechnet und zwar die Zeit des Dienstes im Kampfgebiet doppelt. Nun hat der Krieg im ganzen vier Jahre drei Monate und einige Tage gedauert. Wenn also Herr Schiele die ganze Zeit vom 1. August 1914 bis zum 9. November 1918 im Kampfgebiet dienstlich verbracht haben sollte, so würden sich immer erst acht Jahre und etwa sieben Monate ergeben, was immer noch nicht reicht. Die „Franks. Ztg." teilt mit, daß Herrn Schiele auch seine Dienstzeit als E i n j ä h r i g f r e i w i l- l i g e r und vermutlich auch die Reserveübungen im Frieden auf die Beamtenlaufbahn angerechnet worden sind, mittels welcher Zählungsmethoden sich für ihn sogar noch volle 62 Tage über die un- bedingt notwendigen zehn Jahre hinaus ergaben, Kommentar ist überflüssig!
kommenden Parteien beim Reichspräsidenten vorausgehen soll.
Der oben mitgeteilte Beschluß der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion wird von einer Reihe von Blättern kommentiert. Die „Deutsche Tagesztg. spricht von einem kaudinischen Joch der Sozialdemokraten und glaubt nicht, daß aufgrund der sozialdemokratischen Forderungen noch irgendwie aussichtsreiche Verhandlungen über die Bildung der großen Koalition geführt werden können. Während die „Tägl. Rundschau" keine redaktionelle Aeuße- rung zur Frage der Regierungsbildung enthält, beschäftigt sich die „G e r rn a n i a" in einem Leitartikel ausführlich damit, in welchem die tfrage als ein Führerproblem bezeichnet wird. Es bestände nicht nur ein politischer, sondern auch ein wirtschaftspolitischer Zwang zur großen Koalition. Jetzt komme es auf einen Willen und auf ein Programm an. Derjenige, welcher ein solches wirtschafts- und sozialpolitisches Programm der Versöhnung und des Ausgleichs schaffe, habe die Unterstützung des Zentrums. Die geborenen Bundesgenossen des Zentrums seien dabei alle diejenigen, denen es nicht in erster Linie darum zu tun ist, vermeintliche Vorteile für die eigenen Wirtschaftsgruppen oder für die eigene Partei zu ergattern, sondern die sich bemühten, st a a ts p o l! t i s ch zu denken.
Die „Voss. Ztg." nennt es beachtenswert, daß es sich bei allen in dem sozialdemokratischen Frak- tionsbefchluß enthaltenen Punkten nicht etwa um ultimative Forderungen handelt, sondern um Punkte eines gemeinsamen Arbeitsprogramms, die von der Sozialdemokratie zurErörterung gestellt werden, also lediglich die Basis non Verhandlungen bilden sollen. Der Weg zur großen Koalition sei in nichts durch die bisherigen Beschlüsie der einzelnen Fraktionen verbaut worden. — Der „Vorwärts" betont, daß das von der sozialdemokratischen Fraktion ausgestellte Arbeitsprogramm sich auf einige Punkte von entscheidender Bedeutung habe beschränken müssen und daß nicht alle berechtigten Wünsch» hätten ausgenommen werden können, für ' deren Erfüllung die Partei eintrete.
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' Rücktritt des Braunschweigischen Finanzministers. (Eig. Rundf.-Meldg.) Finanzmimster von Crome ist von seinem Amte zurückgetreten. Er hatte sich kürzlich einer Blinddarm-Operation unterziehen müssen, die es ihm unmöglich machte, seinen Posten in absehbarer Zeit wieder zu übernehmen.
• Ein Fried'ensangebot Abd el Reims? Der Kapitän Gordon Cunning traf in Tanger ein. Er behauptet, Ueberbringer eines offiziellen Briefes von Abd el Krim, der einige Friedensbedingungen Vorschläge, zu sein. Havas erfährt, Abd el Krim erkenne die religiöse Oberhoheit des Sultans an, beanspruche aber die volle politische Selbst- ständigkeit des Rifs, die namentlich das Recht umfasse, ein Heer zu unterhalten. „ .
* Vor der Thronbesteigung des neuen Sonias von Persien. (Eia. Rundf.-Meld )_ Die öffentliche Einsetzuna von Riza Khan Pähläwi zum König wird am 14. Dezember vorgenommen werden.
* Tie Tacna-Arica-^rage. Havas berichtet auS Santiago de Chile, der Delegierte Chiles soll gefordert haben, daß die Volksabstimmung in der Tacna-Arica- Angelegenheit früher als am 15. April 1926, wie General Pershing bestimmt hatte, stattfinden werde.
wirtschaftliche Kampfbewegungen.
— Der rohnkonflikt in den Saargtuben. Die Loh n- Verhandlungen zwischen den Vertretern der fron- zösischen Bergwerksdirektion und den Vertretern der Bergarbeiterorganisationen sind gescheitert. Die Beraarbeitervertreter haben sich sofort telegraphisch an den "französischen Arbeitsminister de Monzie gewendet, der bkkannllich seine Vermittlung zugesagt hatte für den Fall, daß eine Einigung nicht zustande komme.
• Ein deutscher Heringslogger mit der ganzen Besatzung untergegangen. Der Herings logget A. E. 92 von der Gesellschaft Großer Kurfürst ist, wie fetzt festgestellt ist, bei dem Orkan am 25. 11. bei der Einfahrt in die Wester Ems gesunken. Dabei hat die ganze Besatzung van 14 Mann den Tod gefunden.
* Rücktritt des belgischen Iustizministers. Z .stiz- Minister Tschoffen iit aus Gesundheitsrücksichten von seinem Amte zurückgetreten. Der bisherige Wirt- schaftsminister Poullet übernimmt das Justizministerium, der Abgeordnete de Liedekerke wird Wirt- schaftsminister.
* Einberufung der tschechischen Nationalversammlung. Der Präsident der Republik hat die Nationalversammlung für den 17. Dezember nach Prag einberufen.
* Die Subvention für den englischen Kohlenberg, bau. Das Unterhaus hat die Vorlage über die Nachtragsforderung zur Subventionierung bet eng» Irschen Kohlenindustrie im Betrage von 9 Millionen Pfund ohne Abstimmung angenommen.
* Die irische Grenzregelung. DaS Gesetz über die irische Grenzregelung ist vom König von England genehmigt worden.
* Ruhe in Syrien. Havas berichte^ aus Bei tut: Hier herrscht vollkommene Ruhe. Said Atrasch soll vergeblich um Verstärkung gebeten haben. Er habe nur 200 Mann für den Libanon erhalten. Im Dschebel-Drus nehme die Kampfmüdigkeit zu. In Homs bemühten sich einige Fanatiker antichristliche Propaganda zu entfachen. Nach einer weiteren Meldung sollen die Auto-Transporte zwischen Bag» dad uno Homs wieder verkehren können. — Der französische Generalkommissar de Jouvenel hat an die Bevölkerung von Syrien und des Djebel Druse eine Proklamation erlassen, in dem et olle aufruft, ihm bei bet Schaffung friedlicher Zustande zu helfen.
* Zunehmende Spannung in Mulden. Nach einet Depesche aus Mulden hat das Konsularkoips den japanischen Generalkonsul ersucht, im Notfälle die Ausländer mit japanischen Truppen zu schützen. Der japanische Generalkonsul hat die- zugesagt.
* Aus der Mandschurei. Nachrichten des japanischen Kriegsministeriums behaupten, daß die tut st sch en Truppen an der chinesischen Grenze anschetnend verstärkt werden.