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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

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Mittwoch, 9. Dezember 1925,

Nr. 284

Sei Modrrbolmlaen Rabatt- Boltkckieckkonto l?ranknrrt a. M. 408 t.

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Erscheint leibSmal wöchentlich. Wocheubeilasen: UMuftrierts Bei­lage" und .Buchenblätter". Rotationkdruck und Berlag der Fuldaer Bctikndruckerei in Fulda. Fernlvrecher Nr. 9.

Monatlicher Be;u9$fcrci$: 1.50 Ml.

Hindenburg und die Zentrumspolitik

Das gemeinsame Ziel ist die Große Kpalition.

Aus dein Reichstag wird uns mitgeteilt:

Der Reichspräsident hat im Rahmen der Bera­tungen mit den Parteifiihrern zur Besprechung der durch den Rücktritt des Kabinetts Luther geschaffe­nen Lage auch die in Berlin anwesenden Führer der Zentrumsfraktion empfangen. Dabei wurde dem Reichspräsidenten der einstimmige Ent­schluß der Zentrumsfraktion des Reichstages und der ebenso einstimmig auf dem Kasseler Parteitag zutage getretene Wille dahingehend, die große Koalition zu schaffen und an dieser Auffassung fcstzuhalten, zur Kenntnis gegeben. Der Reichs­präsident hat selber diese Auffassung als die richtige anerkannt, indem er zum Ausdruck brachte, daß bei den jetzigen politischen und vorab wirtschaftlichen Verhältnissen möglichst viele ParteieninderRegierung vertreten sind. Hindenburg unterstützte persönlich die Gründe, welche die Zentrumsvertreter ihm unter Hinweis auf die ernste Zeitlage über die Notwendigkeit der Schaffung einer möKichst breiten Regierungsbasis darlegtsn.

Diese Gründe sind folgende: Dieselben Parteien die Locarno ermöglicht haben, müssen auch für die Ausführung Sorge tragen, und in der Innen- wie in der Außenpolitik versuchen, Locarno zur Geltung zubringen. Eine Störung in dieser politischen Linie würde verhängnisvoll sein und sich zu Ungunsten Deutschlands auswirken. Im übrigen ist es nach Zentrumsauffasftmg, die dem Reichspräsidenten zum Ausdruck gebracht wurde, notwendig, daß jetzt, nach­dem die außenpolitischen Probleme im großen und ganzen gewissermaßen stabilisiert sind, nun auf die innenpolitische Fortentwicklung der größere Wert gelegt werden muß. Das ist aber nur dann tunlich, wenn diese Entwicklung in Ruhe und Stetigkeit sich vollziehen kann, und das hinwiederum ist nur dann durchzuführen, wenn eine breite parla­mentarische Basis, die möglichst viele Parteien in sich vereinigt, vorhanden ist. Cs ist aber auch sehr wesentlich, daß dabei die Sozialdemokraten m'iwirken. Würden sie ausgeschaltet, dann ist Ge° fayr vorhanden, daß die radikalere Strömung in ihren Reihen obsiegt, und daß die Sozialdemokra­ten in ihrer Taktik und Politik immer mehr an die Seite der Kommunisten gedrängt werden. Gerade in den letzten Wochen hat vielfach, wohl verursacht durch die schwere Wirtschaftskrisis, deren Entwick­lung in den nächsten kritischen Wintermonaten noch nicht übersehen werden kann, eine erschreckende Zu­nahme des Radikalismus, ausgedrückt in der starken Steigerung der kommunistischen Stimmen, ergeben.

Die Schwierigkeiten für die Schaffung der großen Koalition liegen einerseits bei den So­zialdemokraten, weil sie aus parteitaktischen Grün­den dis Verantwortung bei dieser jetzigen Lage nicht übernehmen zu können glauben, andererseits aber auch bei der Deutschen Dolkspartei, die Bedenken imd Sorgen vor der Wirtschaftspolitik der Sozial­demokraten hat. Auf diese Partei wird nun ein­gewirkt werden müssen. Der Reichspräsident hat nun selbst den Zentrumsvertretern gegenüber den Wunsch ausgesprochen, daß das Zentrum seine Be­

mühungen mit den anderen Parteien fortsetze, und er hat ausdrücklich darauf hingewiesen, daß gerade das Zentrum als Mittelpartei für den Ausgleich zwischen rechts und links am geeignetsten wäre. Die Bereitwilligkeit, in diesem Sinne des Reichspräsidenten zu wirken, ist von Seiten der Zentrumsvertreter erklärt worden. Es wurde ;e- doch »andererseits daauf hingewiesen, daß die Ein­wirkungen, nachdem zwischenzeitlich sck>on eine ganze Reihe Versuche unternommen worden sind, öte nicht zum Ziele geführt haben, nun mich von der anderen Seite geschehen müssen. Der Reichspräsi­dent hat das bestätigt und seinerseits den Willen zu erkennen gegeben ,auf die übrigen Parteien, wobei namentlich die Deutsche Dolkspartei in Frage kommt, in dieser Richtung bin einzuwirken.

Für das Zentrum kommt bei der jetzigen Sach- läge die Schaffung der großen Koalition als ein­ziger erfolgversprechender Ausweg aus der Krise in Frage. Eine Minderheitsregierung, wie sie offenbar von verschiedenen Seiten geflissentlich betrieben wird, wübde von Haus aus mit zwei schwe- ren Bedenken belastet werden müssen. Einmal würde eine solche Regierung keine Dauer haben, sie würde bei der jetzigen innen- und außenpolitischen Situa­tion wahrfck)einlich in einer nach Wochen zu bemes­senden Frist aktionsunfähig werden, beim eine solche Negierung würde so stark, einmal von den Par­teien, die in ihr selbst vertreten sind, andererfeits aber auch von den rechts und links außerhalb stehen­den Parteien mit Agitationsanträgen behelligt, daß sie in jedem Augenblick sich vor die Frage gestellt sähe, ob sie noch die Verantwortung weiter führen könne. Zum anderen besteht ernste Veranlassung zu der Befiirchtung, daß eine Minderheitsregierung von denjenigen Kräften, die ein Interesie an der Anzettelung einer Parlamentskrise haben, dazu be­nutzt wird, um das ganze System in Mißkredit und möglicherweise zu Fall zu bringen, und daß die Deutschnationalen, die in der nächsten Regierung nach Lage der Dinge nicht vertreten sein können, sich mit dinier «solchen Minderheitsregierung die Türe offenhalten, um dann später, wenn also die anderen Parteien die Verantwortung übernommen und vollzogen hätten, wieder in die Regierung zu gelangen suchen.

Die Zentrumsfraktion des Reichstages sieht vor­läufig keinen Anlaß, in dieser Frage noch besonders Stellung zu nehmen. Die Willensmeinung in der Fraktion und der Partei liegt fest. Es steht nun bei den Sozialdemokraten einerseits und bei der Deuffchen Dolkspartei andererseits, in welchem Sinne sich die Dinge weiterhin entwickeln werden. Es ist aber nicht unnötig, der Gegenseite gegenüber zum Ausdruck zu bringen, daß das Zentrum an der von ihm aufgezeigten Linie festhält, und keiner Regelung zuzustimmen gewillt wird, die nicht den wirklichen politischen unb parlamentarischen Lebens­interessen entspricht. Eine Minderheitsregierung, wie sie geflissentiich zu lancieren versucht wird, könnte von dem Zentrum jedenfalls als geeignetes Mittel zur Lösung der gegenwärtigen Schwierig­keiten auf keinen Fall angesehen werden.

len am Ort, im Bezirk und über das ganze Reich."

Letztes Ziel aller Propagandatätigkeit in den freien Gewerkschaften ist dann die Schaffung der internationalen G e w er k scha f ts e i n - h e i t, umdie Gewerkschaften unter engster Ver­bindung mit dem revolutionären Proletariat Ruß­lands immer mehr zu einem festen unzertrenn­lichen Kampfblock aller Proletarier gegen das Ka­pital zu machen". Alle Kräfte sollen angespannt werden,um auch jeden ehrlichen sozialdemokra­tischen ober parteilosen Arbeiter zur Mitarbeit an der Erreichung dieses Zieles zu gewinnen. / Auch dem letzten Proletarier muß zum Bewußtsein kom- men, daß die von den Kommunisten angestrebte Einheitsftont kein Täuschungsmanöver ist, sondern der ernste Wille, der Arbeiierklasie fähig zu machen, die Offensive des Kapitals zurückzuschlagen und Den Sieg im proletarischen Befreiungskämpfe zu er­ringen."

Man wird gefpannt sein dürfen, wie die freien Gewerkschaften und die mit ihnen eng verbün­dete Sozialdemokratische Partei diese Absicht der KPD., die freie Gewerkschaftsbewegung innerlich auszuhöhlen und sich dienstbar machen, aufnehmen werden. Sollen durch die kommunistische Gewerk- schaftsarbeit doch nicht nur die Gewerkschaften in kommunistisches Fahrwasser geleitet, sondern auch der Partei ihre Anhänger abspenstig gemacht wer­den. Der Kommunismus ist auch in Deutschland noch nicht tot, wie die Sozialdemokratie glauben machen möchte, sondern er zeigt einen kräftigen Willen zum Leben.

* Theodor v. Möller f. Im Aller von 86 Jahren ist der frühere preußische Handelsminister Theodor b. Möller gestorben. Theodor v. Möller, wegen seiner Körpergröße derlange Möller" genannt, spielte als führende Persönlichkeit der Naltonal- liberaleu Partei in der Politik der Vorkriegszeit eine größere Rolle.

* Der hessische Minister des Innern von Bren­tano wird am nächsten Mittwoch seinen 7 0. Ge­burtstag begehen. Minister v. Brentano bi Tremezzo, der früher lange Jahre in Offenbach als Rechtsanwalt tätig war, ist feit dem Jahre 1890 Mitglied des Hessischen Landtags. Nach der Um­wälzung wurde er in die Nationalversammlung ge­wählt, später auch in den Reichstag. Minister ist er seit dem 21. Februar 1919; Zuerst stand er dem Justizminstierium vor, später übernahm er cmck das Innenministerium« >

Zur neuen TaMK der NPD.

Der Verlauf der Reichskonftrenz, die die Kom­munistische Partei Deutschlands im Herbst 1925 in Berlin abgehalten hat, bedeutet einen Bruch mit dem bisher vorherrschenden Radikalismus und dessenrussischen Methoden". Die gemäßig­tere Richtung hat sich durchgesetzt, die versuchen wird, mehr mit Güte Anhänger zu gewinnen, ohne jedoch ihre engen Beziehungen zu Sowjetrußland aufzugeben. Das Ziel, der internationale Korn- muismus unter dem Zepter Moskaus, bleibt das­selbe, nur mit den Methoden will man wechseln.

Das Schwergewicht der kommunistischen Pro­paganda soll demnächst in die Gewerkschaften und Betriebe gelegt werden. Eine Resolution der Reichskonferenz zur Gewerkschaftsarbeit (Rote Fahne" 1925, 257) gibt hierfür eine Reihe von Anweisungen. Mit Hilfe besonderer Werbe- ausschüsie soll eine breite Agitationskampagne durchgeführt werdenfür den Eintritt der Proleta­rier in die freien Gewerkschaften mit dem Ziel: 1. Zehn Millionen Mitglieder in den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund. 2. lOOprozenüge Organisierung der Arbeiter in sämtlichen Betrieben! Monatliche Kontrolle der Berbandsbücher in den Betrieben! 3. Restlose Organisierung der jugend­lichen Arbeiter. 4. Ueberführung der christlichen und Hirsch-Dunckerschen Arbeiter in die freien Ge­werkschaften. 5. Reinigung der Betriebe von saszistischen Zellen und allen gelben Elementen!"

Während der letzte Kongreß der freien Gewerk­schaften die Schaffung großer Jndustriever- bände abgelehnt und sich weiter für die beruf­liche Organisation ausgesprochen hat, bezeichnet die Resolution als besondere kommunistische Aufgabe denKampf für die Schaffung großer, sämtliche Proletarier einer Jndustriegruppe umfasienden In­dustrieverbände als wirksamste Waffe gegenüber den Trustorganisationen des Kapitals. Industrie» verband gegen Kapitalmonopole." Zu diesem Zwecke sollen insbekmbere auch die Betriebsräte durch die Gewerkschaften nach Industriegruppen u. Konzernen zusammengesaßt und eine ständige Verbindung aller einem Konzern angehörenden Betriebsräte her- gestellt werden,um die schärffte und wirkungs­vollste Kontrolle über das Konzernkapital zu er­kämpfen unb besten arbeiterfeindlichen Maßnahmen mit Erfolg entgegentreten zu können". Wenig be­baut fein werden die Gewerkschaften von derWie» derherstellung der gewerkschaftlichen BetriebsKentra-

Die deutsche Luftfahrt. l

wtb London, 8. Dez. (6ig. Runbf.-Meldz.) Der diplomatische Berichterstatter desDaily Tele­graph" schreibt: Die Prüfung der letzten deutschen Rote bezüglich der Beseitigung der alliierten Be- schräanknngen der deutschen Lustsahrl sowie bezögt, eines neuen Systems im internationalen Zusan,- menwirken im Luftverkehr von seiten der Botschaf­ter-Konferenz und von besonderen Sachverständi­gen schreitet rasch fort. Einige der deutschen Vorschläge werden, so erklärt der Berichterstatter, wahrscheinlich zum größten Teil die Zustimmung seitens der Alliierten erhalten.

Sozialdemokratie und Heidelberger Parteiprogramm.

Seit dem Jahre 1875, also rund 50 Jahren, ver- fügt die Sozialdemokratie über eigne Parteipro­gramme. Das erste, das sogenannte Gothaer Programm von 1875, ist entsprechend der Jugend der Bewegung noch recht dürftig unb geht über einige Leitsätze nicht hinaus. Dagegen ist das Er­furter Programm, das sich die Partei 1891 auf ihrem Parteitag gab, sorgfältig ausgearbeitet, so­wohl in dem grundsätzlichen theoretischen als auch in dem praktischen Teil. Die theoretischen, den Sozialismus aus angeblichen Entwicklungsgesetzen konstruterenden Ausführungen des Erfurter Pro­grammes erwiesen sich j^och schon bald angesichts des tatsächlichen Verlaufes der Dinge als nicht halt­bar. 1921 folgte, als Frucht dieser Einsicht sowie des Kriegserlebens, das G ö r l i tz e r Programm. Entwicklungsgeschichtlich als auch praktisch genom­men wuchs dieses Programm weit über den engen Rahmen des Erfurter hinaus; in ihm fand die Partei vor allem ihren Anschluß an den Volks­staat. '

Nun hat sich die Sozialdemokratie im September 1925 auf ihrem Parteitag ein neues Programm gegeben, jenes von Heidelberg. Vergleicht man dieses mit dem fortschritÜichen von Görlitz, so bleibt auch hier das Bekenntnis zum Dolksstaat unb ber Wille zu einer Zusammenarbeit innerhalb des­selben mit anbem Parteien bestehen. Politisch hat bie Sozialdemokratie also den Schritt von ber Sekte zur Partei, den sie in Görlitz getan hatte, beibehalien; wirtschaftlich betrachtet, hat sie dagegen den gleichen Mui bisher nicht aufgebracht. Sie ist hier (vgl. im einzelnen die eben erschienene Schrift: Dr. E. van den BoomDie Sozialdemo, kratische Partei Deutschlands im Lichte ber Partei­programme", M.-Gabbach, Volksvereins-Verlag, 56 Seiten), auf halbem Wege stecken geblieben und hat den Weg vom Rabikalismus weg zu einer ge« funben Realpolitik noch nicht gefunden. Das hat sie in den Sommermonaten 1925 mit ihrer lieber» trumpfungspolitik in sozialpolitischen Dingen, mit ihrem Versagen in der Steuer- und Handelspolitik gezeigt. Die Phraseologie des Heidelberger Pro­gramms verrät noch starke partelagitatorifche In­stinkte, die einer vernünftigen Wirtschaftspolitik wenig zuträglich sind. Auch hier muß di« Sozial­demokratie ihr Damaskus erleben; sie muß auch in dem theoretisch wirtschaftlichen Teil des Partei- progrannns mit beiden Füßen sich auf den Boden ber Wirklichkeit stellen unb den Willen zu einer Realpolitik bekunden. '

Aufgabe der positiv eingestellten Mehrheit in der Partei wird es fein müssen, die Mnderheit zu einer Staats- und Wirtschaftsauffassung zugleich zu erziehen, die auch hinsichtlich der letzteren bas Gefühl ber Schicksalsverbundenheit aller Schichten bes beutfchen Volkes weckt unb noch bie Zögernben ober gar in der Opposition Abseitsstehend«, den vol- len Anschluß an den Volksstaat unb bas Wirtschafts­volk gewinnen läßt. Diesen Prozeß können bie nicht sozialistischen Parteien dadurch erleichtern, baß sie die sozial-demokratische Bewegung politisch verkör­pernde Partei auch selbst als koalitionsfähig be­trachten und als solche behandeln, wo immer diese ehrlich und unter Ausscheidung aller parteitaktischen Nebenabsichten die gute Absicht zu einer Gemein­schaftsarbeit im Interesie des gesamten deuffchen Wirffchafts- und Staatsvolkes zu erkennen gibt.

Die Erziehungs- unb Bekehrungsarbeit in ber, eignen Reihen muß jeboch bie Sozialbemokratie selbst leisten. Diese mutz sich ober erschweren burch ein theoretisches Parteiprogramm, das den Willen zu einer positiven harten Arbeit auf dem Boden des Volksstaates unb einer vom Streben nach Wirtschaftsdemokratie erfüöten Volkswirtschaft zu fördern, infolge feiner Prophetie nicht geeignet erscheint. Ein solches Programm ist eben das Hei­delberger, bas mit feiner teilweisen Rückkehr zum Orihoboxismus und zur schicksalhaft bedingten Ent­wicklung den freien reinen vorwärtstreibenden Willen lähmt, wie er in der Linie des fort­schrittlichen Görlitzer Programms gelegen rocr.

Wir sind fest davon überzeugt, daß auf die Dauer das praktische Leben auch über den theore­tischen Gedankeninhalt des Heidelberger Pro­gramms hinweggehen und des Versuches spotten wird, die nie rastende, sich auf und ab bewegende Entwicklung in starre Formen mehr ober weniger marxistischen Denkens zu spannen. So lange das Heidelberger Programm aber in der Form besteht, wie wir es heute vor unseren Augen sehen, ist es kaum ein Mittel zu jener politischen und wirtschaft­lichen Gesundung, die allein zur Befreiung und Be­glückung des gesamten deutschen Volkes führt. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands hat deshalb alle Veranlassung. die Abbauarbeir, die sie in Görlitz begonnen hatte und jetzt in Heidel­berg wieder unterbrochen hat, unter Anpassung an den wirklichen Gang der Dinge und unter Ber- Meldung aller irrefühenden Prophetie möglichst bald wieder aufzunehmen und zu dem Ziele hinzuführen: I Das Vaterland über die Bartell _

Au; bem besetzten Gebiet.

Wtb Berlin, 8. Dez. (Eig. Rundf.-Meldg.) Wie wir hören, Hal der Oberbefehlshaber der fron- zösifchen Besahungslruppeu dem General-Delcgier- ien der Reichsvermögens-Verwaltung beim alliier- len Oberkommando in Mainz mitgeleill, daß er für den französischen Befelzungsabschnlll den Befehl er­lassen Hal, biszuml. April kommenden Jahres von jeder neuen Anforderung von Bäum- lichkeilen abzusehen.

Die Reichsvermögens-Verwatlung in Koblenz ifl angewiesen worden, bei der britischen und belgischen Armee auf Erlaß eines gleichen Befehles hinzu- wirken.

Deutsch-englischer Handels-Gegensatz.

wtb London, 8. Dez. (Eig. Rundf.-Meldg.). Times" hebt in einem Berliner Bericht hervor, daß die neue britische Zollabgabe dort mit Bitterkeit ausgenommen und als eine ungerechte unterschiedliche Behandlung deutscher Fabrikate an- gesehen werde. (Es handelt sich um Messer- Schmiedewaren und Gas-Glüh-Strümpfe).

Deutsche Kredite für die russische Lrz-Industrie.

Wtb rn o s f a u ,8. Dez. (Eig. Rundf.-Meldg.) Der Direktor des Südrussischen Erz-Trustes erklärte, daß die Frage eines von deutscher Seite der Süd- Erz-Jndustrie gewährten langfriftigen Kredites nach einem Besuch der Trust-Betriebe durch eine deutsche industrielle Delegation grundsätzlich gelöst sei. Der Kredit soll aus dem Erlös von Mangan- Erzen gedeckt werden. Denn die Kreditgewäh­rung bis spätestens März erfolgt, fei eine Produk- tlons-Steigerung um 30 Prozent bereits in diesem Jahre möglich.

Die Lage in Syrien.

wtb London, 8. Dez. (Eig. Rundf.-Meldg.) Moruingpost" meldet aus Beirut: Aus der Ge­gend von Damaskus werden ernste Kämpfe gemeldet. In Damaskus ist die Lage außerordent­lich gespannt, gelingt es doch den Aufftändischen, fast in das Innere der Stadt einzudringen. Zahl­reiche Einwohner verlasien die Stadt. I o u v e n e l wird, so heißt es in dem Blatt weiter, sich nicht eher nach Damaskus begeben, bis der Friede gesichert ist. Sobald dies geschehen ist, wird Syrien sowie Dschebet Drus eine Verfassung erhalten und allen, die die Waffen freiwillig niederlegen, soll sicheres Geleit versprochen werden.

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wtb London, 8. Dez. (Eig. Rundf.-Meldg.) Reuter meldet aus Beirut, daß einem ftanzösische« Bericht zufolge ein Trupp Beduinen ein Dorf, 30 Meilen ost-südöstlich von Homs an der Linie Homs-Palmyra-Bagdad, angegriffen und die englische Postenabteilung gezwungen hat, nach Palmyra zurückzugehen.

* Eröffnung bet Moskauer internationalen Eisenbahn-Konferenz. (Eig. Rundf.-Melbg.) In Moskau wurde die internationale Eisenbahn-Kon­ferenz, deren Aufgabe die Einrichtung eines burch- gehenden Verkehrs zwischen West-Europa und Ost- Asien über Rußland bildet, eröffnet. Die geplante direkte Strecke ist mit einer Länge von über 14 000 Kilometer die größte der Welt. Die Reisedauer Tokio-Paris wird ungefähr 14 Tage betragen. Die Vertreter Deutschlands und Lettlands traten dafür ein, daß die Linie über Riga gelegt werde. Die polnischen Vertreter sprachen für Warschau. Die Frage wurde einer Kommission überwiesen.

* Verhaftung wegen Spionageverdacht in Frank­reich. Vor einigen Tage wurde in Versailles ein Marineoffizier Lionel Miet unter dem Verdacht verhaftet, Uniform unb Drben unrechtmäßigerweise zu tragen. Aufgrund von Eingeständnissen des Ver- hafteten und Enthüllungen feiner Freunde wurde dann deren Freundin Marthe Mor^uil unter der Anschuldigung ber Spionage verhaftet. Sie soll, wie die Morgenblätter melden, bereits ein Geständ­nis abgelegt haben, daß sie für eine fremde Macht sich bemüht habe, Nachrichten über den französischen Flugzeugbau zu beschaffen. Am Dienstag wurden schließlich verhaftet der Engländer Leather, der ehe­malige Pole unb naturalisierte Engländer Tisher unb ber Engländer Philipp. Leather soll Leutnant, Philipp Unteroffizier in ber englischen Armee ge­wesen fein.

= St. Stanjislus und Mussolini. Aus R 0M wirs unS pefc6rieben: Zu der int nächsten Jahre stattfinden- den Siebenhundertjahrfeier des Heiligen Franz von Assisi hat Mussolini schon heute ein Rundschreiben an die italienischen Vertretungen im AuSIande gerichtet, zur Feier dieses Ereignisses auffordernd. Das Schreiben MuffoliniS sucht in erster Linie den Heiligen als ita. l i e ni s ch e n Heiligen hinzustellen den italienischsten aller Heiligen nennt er ihn und ihn gewiffermatzen zum Schutzheiligen deS FasziSmuS zu proklamieren, obgleich kein schneidenderer Gegensatz denkbar ist alS die Sanftmut und Demut deS Poverello und die Ver­herrlichung der Gewalt, wie Mussolini sie lehrt. Wohl kaum ein Heiliger tst in neueiier Zeit so mitzver- standen worden, wie St.FranzikuS, der zur Zeit ge­wiffermatzen Mode geworden ist. Auch der alternde Gabriele d'Annunzio ist ein Verehrer des Hei- ligen Franziskus und würde am liebsten theatralisch im Gewand deS Dritten Ordens sterben, wenn zur Nachfolge des Heiligen Franziskus nicht auch noch verschiedenes Andere gehörte.