FuldaerZertung
Anzeiger für die Sfabf und den kreis Fulda. Amtliches kreisblakk.
Nr. 281.
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Samstag, 5. Dezember 1925.
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52. Zahrg.
Vie Rückwirbllngen.
2lm die Verminderungen der Besetzungs-Lasten.
wtb Paris, 4. Dez. (Eig. Rundf.-Meld.) »Echo de Paris" zufolge soll General Guillaumal ersucht worden sein, zur Verminderung der Lasten der rheinischen Bevölkerung dafür zu sorgen, daß nur ein gewisser Prozentsatz von Offizieren und Anteroffnzeren des Desahungsheeres verheira- f e t sein dürfen.
Vandervelde über die Londoner Verhandlungen.
wtb B r ü f f e l (Agence Beige), 4. Dez. ((Eig. Runbs.-Meld.) Vandervelde erklärte nach seiner Rückkehr aus London Pressevertretern, die Deutschen hatten in London versucht, für die beseht bleibenden Gebiete eine wirkliche Erleichterung der Besehungslasken zu erhalten. Er habe den Eindruck, daß Briand geneigt sei, darauf einzusehen.
Die Engländer in Wiesbaden.
>vtb V i e s b a d e n, 4. Dez. (Tel.) heute vormittag sind die ersten englischen Truppe n auf dem hiesigen Bahnhof eingelroffen. Der größte Teil derselben wurde in Richtung höchst—Königstein weikergeleitet. 3n Königstein sind 500 Alami des Manchester-Regiments untergebracht worden. Eine Abteilung von etwa 100 Mann wurde in Wiesbaden ausgelaben und nach der requirierten Kaserne gebracht. Die Eng- tauber richten das alte Museum für Bürozwecke ein, in dem sich gegenwärtig jedoch noch das Wohl- fahrlsamk befindet. Weiter werden die englischen Befahungsbehörden eine Reihe von Pavillons des städtischen Krankenhauses requirieren. Das Wohnungsamt hak einen Aufruf an die Einwohner erlassen, gegen Vergütung Villen, möblierte und unmöblierte Wohnungen, Läden. Garagen usw. den Besahungskruppen zur Verfügung zu stellen.
Vriands Erfolg.
Nach einer Dauersitzung der französischen Kammer wurde bei der Gesamtaystimmung über das Finanzgesetz mit 257 Stimmen dafür und 229 Stimmen dagegen das Gesetz durchgebracht. Jetzt muß im S e n at ein gleicher Beschluß gefaßt werden. Der Finanzausschuß des Senats hat bereits über den Finanzgesetzentwurf Loucheurs beraten. Ministerpräsident Briand und Finanzminister Loucheur wurden vom Ausschuß angehört. Briand und Loucheur sollen, wie Havas berichtet, erklärt haben, wenn der Entwurf nicht angenommen würde, würde es keine lebensfähige Regierung mehr geben. Der Ausschuß habe diesem Gesichtspunkte Rechnung getragen und mit allen gegen drei Stimmen den Text des Gesetzentwurfes, wie er von der Kammer verabschiedet "worden fei, angenommen.
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fittnos meldet aus Washington, man erkläre rrPie«“P amerikanischen Schatzamt, die franzö- lMe Botschaft habe Schatzsekretär Mellon eine Mitteilung von Finanzminister Loucheur 'zugehen lassen, in der er den Wunsch und die Hoffnung aus- georuckt hat, die Verhandlungen wegen der Schuldenregelung sobald cils möglich wieder aufzunehmen, und in der weiter erklärt wird, daß die Wiederaufnahme der Verhandlungen in weitem Maße von der Wiederherstellung der' Stabilität der Regierung abhänge. Finanzminister Loucheur habe versichert, daß die Frage der französischen Schulden bei den Vereinigten Staaten an erster Stelle die Aufmerksamkeit des französischen Kabinetts, sobald es sicher fundiert sei, in Anspruch nehmen werde.
Hus den Parlamenten.
5m Reichstag wurde am Donnerstag die erste Beratung des demokratischen und des kommunistischen Gesetzentwurfes über die Abfin - dung der Fürstenhäuser durch die Ueber- weisung der beiden Entwürfe an den Rechisaus- fchuß erledigt. Dann wurde ohne große Debatte der Etat des Reichstages in dritter Beratung bewilligt. Dazu wurde ein Antrag angenommen, der für einen Erweiterungsbau des Reichstages die Mitkei zum Grundstückankauf zur Verfügung stellt. Es handelt sich dabei um Räume, die in dem jetzigen Gebäude der Japanischen Botschaft eingerichtet werden sollen. Die dritte Beratung des Haushalts des Ministeriums für Ernährung und Landwirt- schaft wurde begonnen und die Weiterberatung aus nächsten Mittwoch 2 Uhr nachmittags vertagt.
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Heber den Kommunisten - Alarm im Preußischen Landtag wurde schon berichtet. Das Haus führte die zweite Beratung des Haushalts der allgemeinen Finanzverwaltung zu Ende und stimmte dem Etat in zweiter Lesung nach Annahme der Ausfchußbeschlüsse zu. Aus der Fülle der einzelnen Vorlagen, deren Erledigung der Landtag noch vornahm, fei die 2. und 3. Beratung des Gesetzentwurfes zur Aenderung der Feld- und Forstpoli- zeigefetze hervorgehoben. Ferner fei noch erwähnt eine große Anfrage der Sozialdemokraten über die für die Knappschaftsinvaliden im Ruhrrevier erfolgten Lohnkürzungen und sonstige Unterdrückungsmaßregeln der Zechenbesitzer, die m der Regierungsantwort zurückgewiesen wurde. Die Besprechung dieser Interpellation wird das Haus in feiner nächsten Sitzung vornehmen, die am 9. Dezember stattsindet und auf deren Tagesordnung i außerdem dis dritte Beratuna des Haushaltes steht.
Die ungeklärte in
Die Rückkehr der 1
Aus dem Reichstag wird uns von einem par- larmentarischen Mitarbeiter geschrieben:
Die Rücktrittserklärung der Reichsregierung steht jetzt bevor, aber die Lage bezüglich dessen, was nun kommen soll, ist noch v o l l st ä n - d i g ungeklärt. Ja, es hat nach dem Schicksal, das die unverbindlichen Verhandlungen erfahren haben, den Anschein, als wenn wir uns wieder einer jener berüchtigten Regierungs- und parlamentarischen Krisen nähern, deren wir schon mehr als ein Dutzend erlebt haben.
Die durch die Initiative des Zentrums insbesondere des Abgeordneten Fehrenbach zugleich mit Unterstützung der Demokraten vorgenommenen Verhandlungen mit denjenigen Parteien, die geschlossen bie- Annahme der Locarno-Gesetze ermöglicht Haden, führten zu keinem Ergebnis. Die Sozialdemokraten einerseits und die Deutsche Volkspartei andererseits lehnen, bis jetzt wenigstens, die Schaffung der Großen Koalition ab. Man muß es allerdings aussprechen, daß die Sozialdemokraten Ansprüche stellen und gegenwärtig in den Ausschüssen des Reichstages mit Anträgen hervortreten, die gar nicht anders als agitato- ri f ch bezeichnet werden können. Obwohl ihnen die Loge der deutschen Finanzwirtschaft wie der Allgemeinwirtschast durchaus bekannt ist, stellen sie Forderungen, die auch mit dem besten Willen gar- nicht befriedigt werden können, weil andere materiellen Voraussetzungen dafür fehlen. Bei einem solchen Verhalten der Sozialdemokraten ist die Besorgnis gerechtfertigt, daß ihre wirtschaftlichen und finanzielle Forderungen, die sie für sie eine Beteiligung an der Großen Koalition in Aussicht gestellt haben, eine ersprießliche Arbeit gerade zugunsten der Hebung unserer Wirtschaft a u s s ch l i e h e n. Und so herrschen namentlich bet der Deutschen Volkspartei Befürchtungen darüber, daß die Sozialdemokraten die Wirtschafts- und Finanzpolitik des Reiches in eine Richtung zu drängen suchen, welche keine Entlastung der gegenwärtigen Situation, fort-,, dern nur noch eine Vermehrung der Schwierigkeiten bedeutet.
So war es nicht möglich, die Vertreter der Deutschen Dolkspartei und der Sozialdemokraten zu engeren Verhandlungen untereinander zu bringen, und die Bemühungen des Zentrums um die Schaffung der Großen Koalition haben bis jetzt kein Ergebnis gezeitigt. Gewisse Schwierigkeiten, die sich durch die letzten politischen Ereignisse erklären, liegen auf der Seite der Bayerischen Volkspartei, die ebenfalls erhebliche Bedenken hinsichtlich der Schaffung der Großen Koalition geltend macht.
Reichskanzler Luther, der die Parteien ersuchen ließ, bis zu feiner Rückkehr aus London wenigstens die Vorbereitungen für die Neubildung der Regierung zu treffen — ein Ersuchen, das übrigens von dem Reichspräsidenten durchaus gebilligt wurde — wird somit eine vollständige ungeklärte Lage finden. Die Parteien setzen jetzt ihre Erwartungen auf den direkten Einfluß Luthers und namentlich S t r e s e m a n n s, von dem man glaubt, daß er auf seine Fraktion im Sinne einer Zusammenfassung der Locarno-Parteien zur künf- tigen parlamentarischen Arbeit einwirkt. Das hat naturgemäß zur Voraussetzung, daß die Sozialdemokraten eine andere Einstellung vollziehen, als das bisher der Fall war. Es hat sich ohnehin bei den letzten parlamentarischen Verhandlungen namentlich in den Reichstagsausschüssen gezeigt, daß auf die Abwesenheit des verantwortlichen Chefs der Negierung geradezu gesündigt wurde. Man hat Anträge von den verschiedensten Seiten eingebracht, denen aber eine verantwortliche Regierung garnicht ftattgeben könnte. Es ist ein Unding, solche Anträge zu stellen in einem Zeitpunkte, in welchem eine voll amtierende Regierung nicht mehr besteht, hier ist die Mahnung zu einer Selbstzucht in ge- roilfen parlamentarischen Kreisen dringend nötig, und diese Mahnung muß die Oeffentlichkeit mit allem Nachdruck unterstützen.
Es verlautet in parlamentarischen Kreisen, daß Luther, wenn bis zu feiner Rückkehr nichts PoM- ves bezüglich der Neubildung der Regierung erreicht fei, die Absicht habe, die durch den Austritt der deutschnationalen Minister freigewordenen Po- sten einfach mit Beamten zu besetzen. Naturgemäß regt sich gegen einen solchen Plan eine scharfe Opposition. Man macht geltend, daß es gerade jetzt notwendig fei, eine feste politische und parlamentarische Basis zu schaffen, daß wir uns mit einem Uebergangsfabinett teils Beamter, teils Parlamentarier nicht begnügen könnten. Man verweist des ferneren auf die früheren nach dieser Richtung hin gemachten und stets fehl- geschlagenen Versuche. Gerade die in nächster Zeit der deutschen Volksvertretung m Auswirkung von Locarno harrenden innen- und außenpolitischen Aufgaben bedingen, wenn sie erspießlich gelöst werden sollen, eine geschlossene und ausreichende parlamentarische Mehrheit. Es ist daher kaum anzunehmen, daß Luther mit diesen Absichten erfolg hat. Er könnte sie auch nur bann durchführen, wenn e- der Unterstützung der Deutschnationalen sicher wäre, falls es zu einem parlamenrarifchen Kampf tarne. Aber einmal wird Luther es keineswegs dazu kommen lassen können und dürfen, die Sozialdemokraten, die soeben dazu die Außenpolitik seiner Regierung mit unterstützt haben, in schroffe Opposition zu drängen, und andererseits hat Luther ja selbst erklärt, daß die künftige
renpolitische Lage.
rndoner Delegation.
Politik von denjenigen Parteien geführt werden müsse, welche Locarno ermöglicht haben.
So ergibt sich eine gegenwärtig noch recht unerfreulich ansehende Situation. Die Aussichten für die Schaffung einer Großen Koalition sind jedenfalls augenblicklich bis auf ben Nullpunkt gesunken. Es gibt natürlich noch eine Reihe von parlamentarischen Möglichkeiten, welche biese Krisis beenden könnten, aber immer wieder erheben sich einmal die Schwierigkeiten der zu schmalen Unterfunbamentierung solcher politischer unb parlamentarischer Konstruktionen unb zum anderen die Gegensätzlichkeiten, die hüben und drüben bezüglich der Lösungsmöglichkeiten der heutigen schwierigen Verhältnisse im Einklang mit den wirtschaftlichen und finanziellen Kräften des Reiches bestehen. Was sich nach der Abstimmung über Locarno ziemlich einfach ansah, wird, wenn es nun an die praktische Ausführung geht, sich schwieriger zu meistern erweisen als vieles andere zuvor.
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Von einem geplanten Besuch Strefemanns in Paris ist vielfach die Rede. Daß Dr. Stresemann den Gedanken erwägt, durch einen Besuch in Paris die eingeleiteten politischen Verbandlungen zu fördern, ist zutreffend. Zunächst allerdings wird erst die Frage der Kabinettsbildung in Deutschland gelöst werden müssen.
Dr. Geßler amlsmüde?
Einer Korrespondenzmeldung zufolge soll Reichswehrminister Dr. Geßler dem Reichspräsidenten miigeteilt haben, daß er bei der Neubildung des Kabinetts nicht mehr mit einem Amt betraut werden wolle. *"
Nach einer Rundfunkmeldung bestätigen sich die Riicktrittsabsichten des Reich sw ehr Ministers Dr. Geßler nicht.
Deutschnationale und Volkspartei.
Auf ■b»e4SrtiäiM’tg bee Hamburger Deutsch nationalen, die Deutsche Volkspartei sei eine „internationale Linkspartei" erwidert das Volks» parteiliche Organ, der »Hamburgische Korre spondeull u. a.:
»Wir stehen diesem Dokument gebildeter Erwachsener, an Amt und Erfahrung reicher Mitbürger fassungslos gegenüber. Man mag unS darüber schelten, aber dies übersteigt die Grenzen unseres Intellekts. Wir lehnen es daher ab, dem Zeugnis einer völligen politischen Verwilderung mit dem schweren Rüstzeug sachlicher Gegenargumente zu begegnen, denn solche Dinge kann man nurnochpsychopathisch nehmen."
Nochmals: O jerum!
Sur Loearno-Rbstimmung.
Es ist interessant, die amtlichen Listen über die namentlichen Abstimmungen beim Abschlüsse der Locarno-Verhandlungen im Reichstage nach- zuprüfen. Wohl noch niemals war die Präsenzziffer so hoch, als an diesem denkwürdigen 27. November. Von den 493 Erwählten des deutschen Volkes waren nur 19 nicht zur Stelle. Die Z e n • trumsfrattion wies bei den letzten Abstimmungen nur einen einzigen Fehlenden auf. Sie stimmte auf der ganzen Linie geschlos- f e n.
Sechsmal mußte namentlich abgestimmt werden, und zwar: 1. über Artikel 1 des Gesetzes, 2. über den Abänderungsantrag der Deutschnationalen zum Artikel 2 betr. Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, 3. über Artikel 2 selbst, 4. die Schlußabstimmung über das ganze Gesetz, 5. über den völkischen Antrag betr. Aussetzung der Verkündigung des Gesetzes und 6. über das deutschnationale Mißtrauensvotum.
Die Deutschnationalen, von denen der württembergische Staatspräsident Bazille und der Abgeordnete Fürst Bismarck fehlten, waren bei den ersten vier Abstimmungen geschlossen. Bei der fünften, der Abstimmung über den völkischen Antrag betr. Aussetzung der Verkündigung des Gesetzes um zwei Monate, übten sie mit Ausnahme von 9 Unentwegten, die für den völkischen Antrag votierten, Stimmenthaltung aus und brachten damit diesen Antrag zu Fall. Sie waren also in ihrer Haltung keineswegs konsequent bis zum Aeußersten.
Entsprechend der schwierigen Position, in der sich die Bayerische Volkspartei befand, sonderte diese sich in mehreren Fällen von der Mehrheit ab. Drei ihrer Mitglieder enthielten sich sogar bei der Schlußabstimmung über das ganze Gesetz ihres Votums. Die übrigen Fraktionen stimmten einheitlich: nur die Wirtschaftliche Bereinigung bot in den sechs Abstimmungen wieder ein äußerst buntscheckiges Bild. Von den 21 Abgeordneten dieser Fraktion fehlte der bayerische Bauernbündler Eisenburger. Wenn man die übrige Fraktion in die drei Gruppen zerlegt, aus der sie sich zusammensetzt, ergibt sich, daß nur die bayerischen Bauernbündler einheitlich abgestimmt haben, daß dagegen die vier Hannoveraner mehrmals und die 16 Wirtschaftsparteiler öfters auseinanbergegangen sind. Nur bei der letzten I Abstimmung war die Fraktion einheitlich in der Stimmenthaltung. Ob es von politischem Zielstre- ben zeugt, sich bei solchen Abstimmungen von entscheidender Bedeutung, stets weder kalt noch °,r,m 3U Zeigen, mag die Fraktion mit ihren Wählern abmachen.
* Eröffnung der Albanischen Bank. Havas be- richtet aus Belgrad: Nach einer Meldung ans Tirana hat die Privilegierte Albanische Bank ihre Tätigkeit eröffnet.
Die deutsche Mrischastruot.
Line Erforschung der Ursachen als Voraussetzung für die Abhilfe wird von der Zenlrumsfraklion gefordert.
Der Wirtschaftspolitische Ausschuß der Zen- trumsfrattion des Reichstages hat sich mit der Notlage der gesamten Wirtschaft beschäftigt. Die Zentrumsfraktion machte nunmehr diese wichtige Frage zum Gegenstand der nachfolgenden Interpellation:
„Die allgemeine wirtschaftliche Notlage ist in dauern, dem Steigen begriffen. Die Zahl der Erwerbslosen und Kurzarbeiter, der Konkurse und Geschästsaufsichten wächst. Die Landwirtschaft ist in Gefahr, zur extensiven Wirtschaft übergehen zu müssen.
Als Gründe treten besonders hervor: Kapitalmangel und Kreditnot. Belastung mit Steuern und Reparationszahlungen. Absatzschwierigkeiten wegen allge- meiner Verarmung, Dumping- und Subventionsmaßnahmen anderer Länder.
Ist die Reichsregierung bereit, den vom 21. Ausschuß bereits im Sommer vorgeschlagenen Ausschuß, bestehend aus Sachverständigen des Reichstags und der Wirtschaft zur Untersuchung der allgemeinen Wirischasts- not und deren Ursachen sofort einzuberufen?"
Der Zweck dieser Interpellation liegt darin, die nur schleppend vorwärts kommenden Vorberei- tunge nzur Einsetzung des vom handelspolitischen Ausschuß des Reichstages bereits im vergangenen Sommer geforderten Untersuchungsausschusses zu beschleunigen.
Die Zentrumsfraktion legt Wert darauf, daß in den Rahmen der wirtschaftspolitischen Untersuchungen die von Jahr zu Jahr immer drückender werdenden Saften und Auswirkungen aus unseren Reparationsverpflichtungen und unserer gesamten finanziellen Belastung hineinbezogen werden, um sowohl dem Inland "als auch dem Ausland gegenüber eine völlige Klarheit über den Stand unserer Wirtschaft im Zusammenhang mit der gesamten finanziellen Belastung zu geben.
Englischer Kredit für Belgien.
qiM Brüssel (Agenee Beige) 4. Dez. (Eig Runds. Meldg.) Der Finanzminister erhielt in LMdon Die zur Stabilisierung der Währung noiwendigen Kredite.
Die Neuordnung in Spanien.
Nach der Beseitigung der Militärdiktatur haben der neue Ministerpräsident General Primo de Rivera und der stellvertretende Ministerpräsident vor dem König den Eid auf die Verfassung geleistet.
Die Blätter veröffentlichen eine amtliche Erklärung, die besagt, weder das Direktorium noch die ihm folgende Regierung werde jemals daran denken, die Prefsezensur aufzuheben oder sie auch nur milder zu gestalten, weil ihre Aufrechterhaltung unbedingt notwendig sei, wenn Spanien den Weg zu seiner Rettung aus ben früheren verhängnisvollen Zuständen weiter verfolgen wolle. Nur durch eine strenge Zensur sei es bisher möglich gewesen, positive und lohnende Arbeit zu leisten.
Nach einer „Havasmeldung" ist der neue spanische Minister für auswärtige Angelegenheiten, Panguas, Mitglied des Staatsge- richtshofes unb ber spanischen Delegation beim VA« terbunb. ,
Das chinesische Reich.
Havas berichtet aus Tokio, bie japanische Regierung habe zum Sonderkommissar für die Untersuchung der Lage Ehinas den chinesischen Sachverständigen im Außenministerium Tatsuichiro Pa- natan ernannt. Die Regierung werde seinen Bericht abwarten, bevor sie ihre Haltung gegenüber China bestimme.
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Wtb Peking, 4. Dez. (Eig. Runbf. Melb.) General Feng Hju Slang wirb eine Konferenz einberufen, auf ber bie Vertreter ber hauptsächlichen Milikärfiihrer über bie B e e n b i g u n g ber militärischen Unternehmungen unb über eine Teilung bes Gebietes beraten sollen. $är bie Zwischenzeit schlägt er ein Koalitions-Kabinett vor. Rach ber Konferenz würde man bie Stellung bes Präsidenten ber Republik, ber bis dahin im Amte bleiben soll, unb über bie Schaffung eines verantwortlichen Kabinetts beraten können.
* Reichslagsabgeordneter Fürst Bismark bei Coolidge. (Eig. Runds. Meldg.) Der Reichstags- Abgeordnete Fürst Otto von Bismark wurde am Mittwoch in Gegenwart des deutschen Botschafters vom Präsidenten Coolidge in einer längeren Privat-Audienz empfangen.
* Geh. Jnstizrat Dr. v. Gordon ch. In Berlin flarb der Geh. Justizrat Dr. v. Gordon. Er war einer der angesehensten Verteidiger und hat als solcher in mehreren großen Strafprozessen eine Rolle gespielt, z. B. als Verteidiger des Grafen Moltke gegen Maximilian Harden unb als Vertreter Erz- bergerS gegen Helffrich.
* Erhöhung der Ministergehälter in Italien. Die neue Gesetzvorlage, die dem Senat vorliegt, erhöht die Bezüge und Gehälter der Minister und Unterstaatssekretäre, die bisher auf Grund des Gesetzes von 1859 gezahlt worden. Ein Minister soll 80000 statt bisher 37 310, ein Unterstaatssekretär 40000 Lire erhalten.
* Die Volkszählung in Japan. (Runds. Meldg.) Die Volkszäslung in Japan am 10. Okt. ergab eine Bevölkerungszahl von 51736000 Einwohnern, also eine Vermehrung um 3 777000 in den letzten 5 Jahren.