Anzeiger für die Skadk und den Kreis Fulda. Amkliches Kreisblakk.
Nr. 277.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagenr .Illustrierte Beilage' und .BuchenblStter". Rotationsdruck und Verlag bet Fuldaer DctienLruüerei in Fulda. Fernlvrecher Nr. 9.
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Dienstag, 1. Dezember 1925.
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52. Zahrg.
DieUnterzeichnungderLocarno-Berträge
Reichspräsident v. Hindenburg unterzeichnet das deutsche Locarno-Gesetz.
Die Kbfahrt nach London. — Zur innenpolitischen Lage.
Amtlich wird aus Berlin gemeldet: Nachdem der Reichs rat mit 49 gegen 15 Stimmen beschlossen hat, auf den Einspruch gegen das Gesetz über die Verträge von Locarno und den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund zu verzichten, hat der Reichspräsident das vom Reichskanzler Dr. Luther und dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann gegen gezeichnete Gesetz aus gefertigt. Das Gesetz wird demgemäß mit Datum vom 28. 11. in dem am 30. d. MtS. erscheinenden Reichsgesetzblatt verkündet.
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Der Reichskanzler und der Reichsaußenminister haben Sonntag abend, begleitet von den Staatssekretären Kempner und Schubert, vom Lehrter Bahnhof aus die Reife nach London angetreten. Zur Verabschiedung hatten sich auf dem Bahnsteig der französische Geschäftsträger, Botschaftsrat Laboulaye, der belgische und der polnische Gesandte, Reichsminister Dr. Geßler, die Ministerialdirektoren Dr. Köpke und Dr. Kiep und eine große Anzahl anderer Mitglieder des Auswärtigen Amts, sowie der stellvertretende Polizei- vräsident von Berlin, Friedensburg, eingefunden. Auch zahlreiche Pressevertreter und Photographen waren anwesend.
Der Vertreter der Havasagentur glaubt mlt- keilsn zu können, daß dis in London anläßlich der Unterzeichnung des Sicherheitspaktes stattfindenden Verhandlungen wahrscheinlich alle in Locarno aufgeworfenen Probleme und besonders die Räumung der besetzten Gebiete betreffen würde. Die Entwaffnungsfrage könne gleichfalls geprüft werden. Man scheine in London der Ansicht zu sein, daß diese unter Bedingungen durchgeführt werden könne, daß man ungefähr auf den 15. Januar die Abreise der Interalliierten Militärkontrollkommission aus Berlin festsetzen könne. Der Havasvertreter will ferner erfahren haben, daß die Gegenstände, wie sie die in London vertretenen Staatsmänner zu verhandeln hätten, wichtig seien, aber die Zeit, über die sie verfügten, sei kurz. Es lei also möglich, daß die Unterhaltungen fortgesetzt würden, wenn in der kommenden Woche Chamberlain auf der Reise nach Genf Paris passieren würde. Es scheine, daß er es gerne sehen würde, daß Briand, wenn er Paris auf 48 Stunden verlassen könne, ihn dorthin begleiten würde. Chamberlain könne übrigens, wenn er Paris auf der Rückreise berühre, noch andere diplomatische Verhandlungen führen, sei doch in London die Möglichkeit einer Zusammenkunft Chamberlains mit Tschitscherin erörtert worden.
Die Räumung der Kölner Zone.
Reuter meldet aus Köln: Die Räumung der Kölner Zone beginnt am Montag, also einen Tag früher als ursprünglich vorgesehen.
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Zter. Berichterstatter der Havasagentur in Lon- von beschäftigt sich in einem längeren Telegramm mit der Frage der Herabsetzung der Stärke der Besatzungstruvpen in der zweiten unb dritten Zone. Nachdem er festgestellt hat, daß die Entscheidung über diese Frage nunmehr der Botschafterkonferenz überwiesen werden soll, erklärte er, die Engländer und Franzosen prüften gegenwärtig, unter welchen Bedingungen die effektiven Bestände unter die Alliierten aufgeteilt werden sollten. Diese Prüfung rufe keine beträchtlichen Schwierigkeiten hervor. Die Belgier würden ihre Truppen von 15 000 auf 7000 herabletzen, die Eng lä n d e r von 8900 auf 8000. Die Franzosen hätten im Rheinland insgesamt etwa 94 000 Mann stehen, davon 64 000 in der »weiten und dritten Zone. Wahrscheinlich würden die französischen Truppen auf 30—35 000 Mann nominell beschränkt werden, d. h. einschließlich der von den regulären Truppen unabhängigen Gruppen und den verschiedenen Diensten wie Sanitäts- j korps usw. auf ungefähr 45—50 000 Mann. Nach I der am Dienstag in London stattfindenden Be- lprechung der Außenminister werde die Frage wohl schnell weiter behandelt werden.
Aus parlamentarischen Kreisen wird uns geschrieben:
Mit der Entscheidung über das Werk von Locarno im Reichstag ist auch nach der Seite der Innenpolitik hin das Stichwort gefallen. Mit dieser Entscheidung ist auch formell die bisherige Regierungskoalition und damit die seitherige Regierung Helder erledigt.
Voraussichtlich wird am 4. Dezember, also unmittelbar nach der Rückkehr der deutschen Delegierten von der Unterzeichnung des Vertrages in London die Gesamtdemifsion der Reichsregierung erfolgen. An ihrer Annahme durch den Reichs- Präsidenten ist kein Zweifel. Technisch werden die Dinge wahrscheinlich so laufen, daß der Reichspräsident den bisherigen Reichskanzler Luther beauftragt-, mit seinen Ministern die Geschäfte bis zur Aufstellung einer neuen Regierung weiterzuführen.
Die Linien der neuen Regierung sind durch die Abstimmungen über Locarno im Reichstag gezeichnet. Für Locarno haben sich geschlossen eingesetzt die Deutsche Volkspartei, die Bayerische Volkspartei, das Zentrum, die Demokraten, die Sozialdemokraten und die Hannoveraner. Geteilt haben gestimmt der Bayerische Bauernbund und die Wirt»,,
' schaftspartei. In der Opposition befanden sich lediglich die Deutschnationalen, die Völkischen und die Kommunisten.
Aus dieser Tatsache müssen nunmehr die erforderlichen Konsequenzen gezogen werden. Locarno bedeutet eine neue Etappe in der Außenpolitik, aber auch in der Innenpolitik Deutschlands. In den Kundgebungen der Locarno bejahenden Parteien, ebenso wie in den offiziellen Regierungsfeststellungen, die durch den Mund des Reichskanzlers im Reichstag selber erfolgten, ist ausgesprochen worden, daß die Ausführung von Locarno nur in den Händen derjenigen Parteien liegen kann, die sich positiv für die Locarno-Politik und ihr jetziges Resultat eingesetzt haben.
Wollte man den Block von der Deutschen Dolks- »artei bis einschließlich Sozialdemokraten, der gc- chlossen für Locarno eintrat, zum Ausgangspunkt ür die Bildung der neuen Regierung nehmen, so tände man dergroßenKoalition gegenüber. Inb doch ist dies keine ausgemachte Tatsache, baß tatsächlich bte große Koalition im jetzigen Augenblick auch schon entsteht. Wir sagen ausdrücklich: imjetzigenAugenbliik! Es sind rechts wie links Hemmungen zu überwinden, vielleicht auch Mißtrauen auszuräumen, und bas geht nicht in ein paar Tagen ober Wochen, fonbern man muß sich erst wieder gegenseitig eingespielt haben Praktisch wird zweifellos die große Koalition demnächst in die Erscheinung treten, aber formell fürs erste wohl kaum. 1 1
Es kommt aber weniger auf diese Unterschiede als darauf an, welche Politik nach innen und außen nun künftig gemacht wird. Locarno legt die Außenpolitik in einer ganz bestimmten Linie für lange Zeit hinaus fest. Man muß schon Jahrzehnte zurück in den Blättern der deutschen Geschichte lesen, um einer Entscheidung zu begegnen von solcher Tragweite und von solcher wirklich weltwendenden Bedeutung, wie sie Locarno darstellt.
Die Völker der Erde sind durch die Erfindungen der Neuzeit, die nach immer weiterer Vervollkommnung trachten, kaum mehr von einander geschieden. In der Zeit des ganze Erdteile überquerenden Flugzeugs und Luftschiffes, des drahtlosen Verkehrs bestehen keine Distanzen mehr. Man gewöhnt sich mehr und mehr daran, in Kontinenten zu denken. Zerfleischende Kriege mit verheerenden Mordwaffen, .zu denen immer neue Erfindungen gerade auch auf chemischen Gebiet traten, mußte man deshalb auszuschalten trachten. Dazu wird Locarno zu seinem Teil beitragen. Die Völker der Erde sollen näher zueinander zusammenrücken. Europa, bisher in sich zerrissen, soll zu einer Einheit zusammengeschmolzen werden, die man als die Vorstufe . des bisher viel befpöttelten Gedankens der Vereinigten Staaten von Europa sehr wohl bezeichnen kann. Noch alle große), weltpolitischen Entwicklungen wurden in ihren ersten Anfängen als Utopien und Illusionen verlacht!
In der inneren Politik ergeben sich aus dieser Sachlage ebenfalls bestimmte Folgerungen. Wir müssen den Gedanken des National st aa» tes viel stärker betonen, wir müssen uns, wenn mir nach außenhin zur Geltung kommen und unsere eigenen Interessen im Rahmen der weltpolili- scheu Aufgaben und Ziele wahmehmen und durchsetzen wollen, innerlich festigen durch eine von einem möglichst großen Kreis des Volkes getrogene zielklare Innen- und Wirtschaftspolitik. Wir müssen dahin kommen, daß wir in außenpolitischen tragen eine geschlossene Front bilden und der Ner- iretiing unserer Interessen nach außenhin alle inner- politischen Meinungsverschiedenheiten unterordnen Andererseits müssen wir innenpolitisch die positiven Kräfte za sammeln und für die Erweiterung dieser Basis zu sorgen suchen, um uns von Innen heraus bereit zu machen für die Wahrnehmung unserer Aufgaben nach außen.
Das sind freilich große Ziele, die man nicht mit einem Wurf erlangen kann. Es wird jahrelanger angestrengter Arbeit bedürfen, um die innere Erziehungsarbeit im Hinblick auf dieses überragende Ziel zu vollziehen. Wir haben weder das politische, noch das wirtschaftliche, wir haben aber vor allem noch nicht einmal das moralische und seelische Gleichgewicht wiedererlangt, das unerläßlich ist, wenn wir die in unserem Volke lebendigen Kräfte wirklich nutzen wollen. Es wird darum die vornehmste Aufgabe aller politischen und parlamentarischen Faktoren sein, an dem gerechten Ausgleich der Ge- gensätze, an der Ueberwindung der sozialen Spannungen zu arbeiten, um sich freizumachen, alle unsere Fähigkeiten für das Polksganze, für die innere und äußere Größe unseres Vaterlandes einzusetzen.
Eine sonderbare Partei!
Das Verhalten der „Wirtschaftspartei* im Reichstag hat allenthalben berechtigtes Aufsehen erregt. Diese von Professor Bredt geführte Partei ist noch in den seltensten Fällen geschlossen aufgetreten. ES gibt kaum eine Gruppe im Reichstag, die so inner» lich von den verschiedensten Auffassungen, die fast samt und sonders nach Jnteressengesichtspunkten orientiert sind, zerrissen ist wie diese sogenannte WirtschaftSpartei.
Bei der jetzigen Locarno-Abstimmung ist diese Partei eigentlich in drei Gruppen zerfallen; eine, die sich enthalten, eine, die dafür, und eine, die dagegen gestimmt hat! Wie sich das alles mit der Wahrnehmung der besonderen wirtschaftlichen Auf
gaben verträgt, die nach den Wahlversprechungen von dieser Partei durchgesetzt werden sollen, ist freilich ein Geheimnis, das auch offenbar sehr sorgsam gehütet wird! Von einem politischen Willen, dec erst eine Partei zum politischen Faktor macht, ist jedenfalls bei der WirtschaftSpartei nicht da? geringste zu bemerken, und damit wird auch der Wille der Wähler, die für diese Partei seinerzeit eintraten, ebenfalls völlig auSgeschaltet.
Das Kabinett Vriand.
Das neue französische Kabinett, dessen Ministerpräsident und Außenminister Briand ist, hat sein Amt angetreten. ES weist alS Finanzminister Loucheur und als Kriegsminister Painlevs, den bisherigen Ministerpräsidenten als die bemerkenswertesten Persönlichkeiten auf und stützt sich auf daS Kartell der Linken mit Anschluß an rechts. Briand begibt sich am Montag nach London, kehrt am Mittwoch nach Paris zurück und tritt am Donnerstag vor das Parlament. Am Freitag soll die Diskussion des Budgets fortgesetzt werden und zu Beginn der darauffolgenden Woche wird der Finanzminister Loucheur seine Finanzierungspläne der Kammer unterbreiten.
Die Lage in Marokko.
wtb London, 30. Roo. (Eig. Rundf.-Meld.) »Times" meldet aus Marokko: Die Kälte ist sehr groß. Beinahe überall sind die Wege zu den französischen Linien unpassierbar und große Schwierigkeiten bestehen für die Versorgung der Lager und Vorposten. Die Rifleute beabsichtigen offenbar, die Offensive auf der ganzen Front wieder auszunehmen. Verschiedene Bosten sind bereits angegriffen worden.
* Der Friedensnobelpreis .Aftonbladet" meldete Es verlaute, daß der diesjährige Friedensnobelpreis dem amerikanischen Vizepräsidenten Dawes verliehen werden soll.
Flutkatastrophe im Mrttelmeer.
Rach einer Meldung der «Montagspost" wurden S ü d i t a l i e n und Sizilien von furchtbaren Unwettern heimgesucht. Der seit bereits zwei Tagen dort herrschende Sturm steigerte sich am Samstag nachmittag und in der Rächt zum Sonntag zum Zyklon, und der Regen wandelte sich zum Hagelschlag. Das Meer zwischen Sizilien und dem Festland und hinaus bis zum Golf von Reapel wurde durch Springfluten derartig ausge- peitscht, daß die Wellen an der Küste alles, was in ihren Bereich gelangte, zerstörten. Die Eisenbahnen und vor allem die Telegraphen- und Telephon- leitungen sind unterbrochen. In dem bei Reggio Calabria gelegenen Städtchen Bagnara wurden die Häuser'vom Sturm hinweggefegt. Die gesamte kleine Flottille im Hasen wurde gegen die Felsen getrieben und zerschellte. Die nach dem großen Erdbeben angelegten Häuser wurden fort- geschwemmt wie leere Kisten. Aehnliche Szenen werden aus pagli und Monte Leone gemeldet. Aus den kleineren Riederlassungen zwischen den größeren Zentren fehlt jede Rachricht. Man fürchtet. daß eine größere Zahl Menschen ums Leben gekommen ist. Auch Messina wurde vom Zyklon stark heimgesucht. Zahlreiche Menschen wurden durch Mauersteine und Dachziegel verletzt. Infolge Anterbrechung der elektrischen Leitungen liegt die Stadt im Dunkeln.
* Japanische Verstärkung durch die Mandschurei. Zum Schutze der japanischen Staatsangehörigen und ihres Eigentums werden nach der Mandschurei Verstärkungen abgeben. Japaner in der Mandschurei bilden zum Selbstschutz, Freiwilligen» verbände.
Die chinesischen wirren.
wtb London, 30. Roo. (Eia. Rundf.-Meld.) „Times" berichtet aus Peking, daß die ganze Intelligenz des Landes in die Campagne Eintritt mit dem Ziel bedingungsloser Tarif-Autonomie und Abschaffung der gesamten Verträge.
Die Kommunalwahlen in Preußen.
Die Wahlen zu Kreistagen und Provinzial- bzw. -Kommunallandtagen haben in Preußen einen ruhigen Verlauf genommen. Die Wahlbeteiligung war sehr gering. Freilich zeigt sich in den verschiedenen Provinzen und bei den verschiedenen Parteien ein mehr oder weniger hoher Grad von Wahlfaulheit. Die Wahlbeteiligung schwankt zwischen 28 und 50 Prozent.
An abschließenden Ergebnissen liegen außer den an anderer Stelle wiiedergegebenen heimatlichen Ergebnissen folgende vor:
Endgültiges Ergebnis der provinziallandtagswahl der Provinz Sachsen.
Aus Halle wird gemeldet: Es erhielten Soz. 34 Sitze bei 373 322 Stimmen, Kommunisten 17 Sitze bei 193 016 Stimmen, Demokraten 5 Sitze bei 59 447 Stimmen, Zentrum 5 Sitze bei 48 859 Stimmen, Vereinigung sachlicher Arbeit 46 Sitze bei 508 434 Stimmen, Völkischer Block 3 Sitze bei 28 922 Stimmen.
Vorläufiges Endergebnis der Brovinziallandlags- wahlen für Schleswig-Holstein.
Aus Kiel wird gemeldet: Es erhielten Stimmen: Wiederaufbaupartei 142 989 (19 Sitze), Sozialdemokraten 145 927 (19 S.), Demokraten 24 324 (3), Kommunisten 32 676 (4), Einigkeitspartei 6930 (1), Handwerk, Handel und Gewerbe 6170 (1), Klein -und Mittelbauern 13 951 (2), Landwirtschaft 56 473 (7), Wirtschaftspartei 11283 (2).
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Kommunallandtags - Wahlen in Hohsnzollern. Aus Hechingen wird gemeldet. Die Beteiligung an den Kommunallandtagswahlen in Hohenzollern betrug nur 33,04 Prozent. Von den 24 Sitzen entfallen auf das Zentrum 16 Sitze (bei den letzten Wahlen 18), Demokraten voraussichtlich 3 (3), Bürger-Partei 1 (2), Sozialdemokraten 1 (2) und Bauernbund 3 (0).
Gesamt-Resultat von Oberschlesien. Aus B e u t h e n wird gemeldet: Es erhielten Zentrum 195 854, Schwarz-weiß-rot 84 660, Sozialdemokraten 34155, Polen 29 228, Kommunisten 33 712, Demokraten 9245, Klein-Bauern 4484, Wirtschafts-Partei 9535, Arbeitsgemeinschaft 410. Mandats-Verteilung: 24 Sitze für Zentrum, 12 Schwarz-weiß-rot, 6 Sozialdemokraten, 4 Polen, 4 Kommunisten, 1 Demokrat. Obschon die Wirtschafts-Partei mehr Stimmen hat als die Demokraten, bleibt sie ohne Mandat, was eine Folge der Berrechnungsart ist.
VorläufigesErgebnisderProvin- ziallandtagswahlen für bte Pro» Ding Pommern: Deutschnationale 289184, Sozialdemokraten 154 485, Deutsche Volkspartei 43 258, Demokraten 18 722, Kommunisten 31657, Wirtschaftspartei 26 681, Aufwertungs- und Mittelstandspartei 24 461, Wirtschaftspolitische Lifte 10 867, Parteilose Braschwitz (Solberg) 629.
Grenzmark Posen • West preußen. Aus Scheidemühl wird gemeldet: Bei der Wahl des Prooinziallandtags in der Provinz Pofen-Weftpreußen wurden 126 779 Stimmen abgegeben. Davon erhielten die Dtn. 44 016, die D.V.P. 7933, D.-Völk.-Freih.-Partei 5771, Ratio- nale Vereinigung 3472, Völkisch. Vereinigung. 3719, Sozialdemokraten 17 827, Zentrum 34 052, Demokraten 1833. Kommunisten 3344, Polen 435, Wirtsch. P. 708 und Mittelstands-Part. 734. Von den 30 Sitzen im Landtag entfallen voraussichtlich
auf die Dtn. 11, Zentr. 9, Sozialdemokraten 5, D. Volkspartei 2, D. Völkisch. Freih. P. 1, Nationale Bereinigung 1, Völkische Vereinigung 1.
Der Kasseler Kommunallandtag.
Nach einem vorläufigen Ergebnis erhielten insgesamt im Regierungsbezirk Kassel: Hess.-Nass. Arbeitsgemeinschaft 116 236, Sozialdemokraten 114 812, Zentrum 51573, Demokraten 19 361, Kommunisten 23 228, Handwerk und Gewerbe 11217, Wirtschaftspartei des deutschen Mittelstandes 8882, Bürgerliche Gerechtigkeitsvereinigung 510, Allgemeiner Wirtschaftsbund für Steuerabbau und Sparmaßnahmen 361. Es stehen nur noch kleine Bezirke aus. Die Berechnung der Mandate ist, wie wir noch kurz vor Redaktionsschluß in Kassel festgestellt haben, an amtlicher Stelle noch nicht erfolgt. t
Der Wiesbadener Kommunallandtag
Der neue Kommunallandtag, dessen Mitglieder von 61 auf 52 reduziert wurden, fetzt sich wie folgt zusammen: (
Sozialdemokraten 16 (17), Zentrum 12 (13), Kommunisten 4 (1), Wirtschaftspartei des Mittelstandes 3 (0), Arbeitsgemeinschaft 8 (0), Deutsche Volkspartei 3 (11), Deutschnationale 3 (7), Demokraten 3 (6).
Im Hinblick auf die starke Herabsetzung der Mandatsziffern haben alle Parteien ihren Besitzstand behauptet. Die Rechtsparteien, die jetzt zum Teil unter anderem Namen erscheinen, zählten bisher 18 Mandate, jetzt 17.
Zentrums-Treue.
Die Wahl, am 29. November 1925 hat aufs Neue den Beweis erdacht, daß in unserer Heimat die Zentrumspartei über eine Wählerschaft verfügt, die sich der staatsbürgerlichen Wichten bewußt ist, die in der heutigen Lage des Vaterlandes den wahlberechtigten Männern und Frauen zufallen. In der Stadt und besonders auch in den Landgemeinedn des Kreises Fulda haben sich im Gegensatz zu der Anhängerschaft der anderen Parteien die Zentrums-Wähler durch die Ungunst der Jahreszeit, die Alte und Kranke ans Haus fesselt, nur zu einem verhältnismäßig geringen Prozentsatz abhalten lassen, der Wahlurne fernzubleiben. Die Zentrums-Wähler haben damit auch bewiesen, daß ihnen die Bedeutung der Körperschaften, um die es diesmal ging, klar ist und sie Wert daraus legen, auch in diesen Körperschaften ihre politische Ueberzeugung offen und folgerichtig vertreten zu sehen. Wir wollen nicht verhehlen, daß uns diese Tatsache mit großer Genugtuung erfüllt. Sie ist ehrenvoll für unsere Wählerschaft und tröstlich für alle, die im Kampfe für das Zentrum oft der unsachlichsten und häßlichsten Bekämpfung durch die hiesigen Gegner ausgesetzt sind. Die Wahl vom 29. November in Fulda aber bewies uns wieder, daß unsere Wähler nichts wissen wollen von Mischmasch von schönklingenden, aber nichtssagenden Deckfirmen, hinter denen sich dann alle möglichen Jntereffengruppen verbergen, deren Absichten vielfach mit Dienst am Gesamtvolr, dem doch die politische Tätigkeit gewidmet fein muß, auch gor nichts mehr zu tun haben. Sie beweist uns vor allem, daß die Fuldaer Katholiken für die Körperschaften, wo kulturelle und soziale Fragen zur Diskussion sieben, daran fest-