M 265.
Sonntag, 15. Novem er 1925.
Fuldaer Zeitung
Dem Parteitag zum Trutz.
Von Abgeordneten 31 n ä r e • Stuttgart.
Mit Gott fang an. Mit Gott hör auf, Das ist der beste Lebenslauf,
Es steckt oft viel Lebensweisheit in einem so Einfachen Spruch. „Mit Gott" soll die Kasseler Tagung beginnen, und dann wird sie auch einen dem Volke und Staate dienenden Verlauf nehmen.
Wenn wir Schwaben zusammenkommen, begrüßen wir uns mit einem ebenso schönen wie herzlichen „Grüß Gott". Dieses „Grüß Gott" gilt auch dem Zentrumsparteitag, weil auch er die Aufgabe hat, Gott zu dienen und dem Vaterlande zu nützen. Was wir heute, und für die Zukunft notwendig brauchen, das ist eine in sich einige und geschloffene, Zentrumspartei imd Zentrumsfrnk- tion im Reichstag. Diese Einigkeit muß der Kasseler Parteitag wieder bringen.
I Vertrauenskrise? Wie ost hörte und las '5d) in letzter Zeit dieses Wort. An und für sich ist es vielfach nichts wie eine hohle Verlegenheits- Phrase, die diejenigen Kreise unter Verbrauch von vielem Hirnschmalz erfunden haben, um ihre eigene, sachlich wenig begründete Einstellung gegenüber der Fraktionsarbeit zu bemänteln und zu verschleiern.
Der Reichstag ist nun einmal Nicht nur ein politischer Diskutierklub, sondern das vom Volk berufene Organ der Reichsgesetzgebung. Die Abgeordneten sind in erster Linie berufen, gesetzgeberische Arbeiten zu leisten, und sie haben nicht nur die Aufgabe, allen möglichen Theorien nachzujagen. • Bei allen Auseinandersetzungen über die Krise der Zentrumspartei hat nun merkwürdiger Weise dle praktisch geleistete gesetzgeberische Arbeit die ge- ringste Rolle gespielt. Die Anklagen gegen die Fraktionspolitik sind kaum faßbar oder feststellbar, um so mehr wird aber mit Gefühlseinstellungen aller Art, falschen Voraussetzungen und unbegründeten Verdächtigungen persönlicher und sachlicher Art gearbeitet. So kann und darf es nicht weitergehen!
' Erste Voraussetzung für die innere Gesundung der Zentrumspartei muß fein, daß die jenigen, die zur Führung berufen sind, Selbstdis- gipfln zeigen und den Massen der Parteiange- chörigen ein gutes Beispiel geben. Mit der Einigung der Führer in grundsätzlicher und taktischer -Beziehung ist schon weitgehend das Problem der ^Wiederherstellung der Einigkeit in der Partei gelöst. «Werden aber die Führer nicht einig, dann geht der innere Zersetzungsprozeh solange weiter, bis der deutsche Katholizismus sich selbst als mitbestlm- mender Faktor im öffentlichen Leben unseres beut» Bien Vaterlandes ausgeschaltet hat. Wer dafür die erant^ortung übernehmen will, der mag es tun! Die Einigung der Partei ist daher nicht eine Frage der Könnens sondern des Wollens, der geistigen .Einstellung der berufenen Führer!
I Zweite Voraussetzung für die Herbei- sübrung einer einigen Zentrumspartei ist die Mitarbeit der Zentrumspresse im Sinne der von der Zentrumsfraktion vertretenen und verfolgten Politik. Selbstverständlich hat auch die Presse, wie jedes Parteimitglied, das Recht der Kritik. Auch die Zentrumsfraktion des Reichstages mag ihre Mängel und Schwächen haben. Gegen eine ehrliche und sachliche Kritik, die sich nicht in nebelhafte Eesilde verliert oder vielfach von ganz falschen Voraussetzungen ausgeht, ist an und für sich nichts jeinzuwenden. Darüber aber, wie die Fraktions- Politik geführt wird, haben nicht Einzelpersonen und Einzelorgane, sondern hierüber hat die Fraktion selbst zu entscheiden. Ist deren Politik falsch, ifo mag die Zentrumspartei andere Abgeordnete zvählen.
Dieselben Bemängelungen meinerseits gelten tzruch für einen Teil des Iungzentrums. Bei ffittcr Freundlichkeit, mit der ich besonders der Jugendbewegung gegenüber stehe, muß ich doch sagen, daß ich für die Haltung mancher Windthorstbunds- Mitglieder alten und neuen Schlages kein Verständnis habe. Ich sehe vielfach unsochlickn Kritik gegenüber der Fraktion: politische, soziale und sonstige Erfolge aller Art werden überhaupt nicht aner- Tannt. Das sind alles „Selbstverständlichkeiten", «über die man nicht spricht! Dagegen werden aber ändere Fragen, wie z. B. Stellunanahme zum Reichsbanner, zur Demokratie und ähnlick>cn Dingen in der ausführlichsten Breite immer wieder behandelt. Weil die Zentrumsfraktmn solches nun nicht auch tun kann, weil sie wichtige praktische Arbeit zu leisten hat, wird sie angegriffen, als ob fte der politischen und sozialen Reaktion Vorschub leiste. Daß hieran kein Mensch in der Fraktion denkt, bedarf keiner Erörterung und keiner Beweisführung.
$er Kasseler Parteitag muß zu diesen und ähnlichen Fragen Stellung nehmen; sonst verfehlt er cIP.en, Zweck. Offen, klar und wahr muß die Tätigkeit der Fraktion und die „Vertrauenskrise"
«^ben. Rur so wird es möglich sein, mit vielseitigen Mißtrauen aufzuräumen und e'ner ,n®ue Atmosphäre gegenseitigen Ver- Sa! 3q Waffen. Wer mithilft, die ruhmbedeckte Bm^n^^^vmspartei zu zerstören, der ist ein
£aron arbeitet, die Zentrums- M-L^a ^/ckung und möglichster Beseiti- w^der zusammenzuführen, v achter ®o(fsrreunb. Wer anders sagt, ist em Streber oder Bolksverführer ober Barteiaeaner' Wahrheit und Klarheit tLtVJtl 'Ä rote’ uns m Wundenheilenbe Kritik
ist zeitgemäß! Wer zum Parteitag nach Kassel reift, bringe den Willen zur Einigunq der Zen- irumspartei mit. Dann wird „Kassel" ein Seaen für die Partei, für Volk und Vaterland werden
- * 400 000 Dollar für 140 000 Kilometer Fußmarsch. Der ungarische Weltreisende Jrme F s- finger, der schon feit 1908 sich unterwegs befindet, ist in La Rochelle angekommen und geht »on dort weiter nach Bordeaux, um sich nach England und von dort nach Amerika eistzuschifsen. Wenn er 1928 in San Franzisko ankomml, dll er 400 000 Dollar erhalten, die von einem Sportklub dafür ausgeworfen find. Der Weltret- sende muß 140 000 Kilometer zurücklegen, wovon tr schon 129 000 Kilometer hinter sich har. Er tragt 10 Kilogramm Gepäck bei sich und lebt vom Ser. saus von Ansichtskarten«
Rund UM die s.
oche.
Nebelbilder. — Mussolini, Matteoiti und Andreas Hofer. — Die Kamele von Damaskus. — Ein Schachspiel. — Noch ist Pole» nicht verloren. — Die sieben fetten Kühe. — Eine Geburtstagsrede
Allerseelenmonat . . . Die ganze Welt ist mit Nebel verhängt. Die liebe Sonne scheint für immer den Schleier genommen zu haben und singt offen- bar in der ungeheueren Einsamkeit des Himmelsraumes fanfte Klagelieder, weil nun alle ihre Blumenkinder gestorben. Die Krähen drüben krächzen endlos miferere, Miserere.... Blauer Rauch kommt aus den Kaminen und wirbelt ums Haus herum, wie wenn der Pastor mit dem Weihrauchfaß um eine Tumba fchritte . . . Und die Morgenglocken wimmern, als wäre jeder Ton eine arme Seele . . .
Nebel, Nebel . . . Alle Dinge rücken in die Ferne und wachsen ins Grau. Gespensterhaft werden die Gestalten. So sehe ich in einem fort Mussolini auf hohem Roß die Straße zum Brenner hinaufreiten. Hinter ihm die Schwarzhemden, wie man heute die „Katzelmacher" des Weltkrieges nennt. Dahinter fluten die Roten und die Loge sinnt heimlich auf den Tag der Rache. Wie er nun die Paßhöhe bald erreicht hat, da sehe ich auf einmal die alten Kaiserjäger hervorbrechen. Sie fingen:
Solang Tiroler Schützen.
Am Throne schimmernd stehn, Solang die Stutzen blitzen Und unsre Banner wehn: Sie sollen sie nicht haben, Des Brenners Scheidewand . . .
Und die Stutzen blitzen. Andreas Hofer erscheint auf einmal auf der Höhe, riesengroß. Da wird Mussolini wild. Aber nur einen Augenblick. Dann wechselt seine Farbe ins Aschfahle. Denn plötzlich setzt sich ihm hinten aufs Roß ein fürchterlicher Reiter, und alles schreit: Das ist Matteotti . . . Nebel, Nebel, man sieht es nicht genau. Aber das ist ja auch schon genug.
Im Dunkel, sagt man, sind olle Katzen grau. Aber ein Kamel kennt man doch noch heraus. Und das sind wahrhaftig Kamele, die da im seltsamen Aufzuge durch das alte Damaskus trotten. An ihren Hals find gebunden die Leichen erschlagener Drusen. Heilige Stadt der ersten Christenheit, was treiben dock die Christen heute in dir ein Wesen! Alles ist Saat und Ernte. Die Wahrheit sehe ich selbst im Nebel noch. Wie sagt doch der Dreizehnlinden-Dichter?
Hinkt sie auch, es kommt die Rache.
Schleicht sie auch, es kommt die Sühne, Menschentrotz, der Turm von Babel, Ward zur schaurigen Ruine ...
Tatsächlich, im Nebel wachsen alle Dinge in’) Menschen. So groß habe ich den neuen Schah von Persien noch nie gesehen, wie heute. Und so komisch: Ich sab ibn an einem Schachbrett sitzen mit Lenin. Nun ist ja Lenin längst tot, aber es war dock Lenin. Sie konnten einander nickt matt setzen, und nun springen sie aus. Die Felder des Schackbretts wachsen zum Schlachtfeld Europas. Der Selsmoaraph von London meldet drobendes Erdbeben. Abwarten. Was wissen wir? Kaum die nächste Straßenecke kann ich im Nebel unter- scheiden. Dahinter aber beginnen gleich die Geheimnisse. Und das ist, denke ick immer, das Reich des lieben Gottes. In jedem Geheimnis sehe ich ihn und bleibe ganz ruhig dabei. Was auch kommt, er wird dabei fein. Ohne feinen Willen fällt kein Sperling vom Dach. Verzeihung, da bin ich in den Ton gekommen, in dem meine fromme Mutter immer von Politik spricht. Darum irrt sie auch niemals: denn es kommt gewiß, wie Gott es will.
Da ein neues Bild. Vierhundertta'isend Arbeitslose sehe ick flehen in einer langen Reihe von Lodz bis Krakau. Blasse Gesichter und o->r- zweifelnde Mienen. So batten sie es sich doch »licht gedacht. Wie kann nur die böse Welt dem frommen Polen die Kredite verweigern? Und wie ist es rnöalich, daß in einem so ckristlicken Lande so viel gestohlen wird, daß man kein Budget mehr berechnen kann? Da, einige beginnen die Mar
seillaise zu singen. Bald wird es nur ein einziger, düsterer Chor. Bleiche Frauen und hungernde Kinder kreischen wie irrsinnig dazwischen. In Warschau ober begräbt man mit vielem Pomp den „Unbekannten Soldaten". Es muß doch eine Stelle im Lande sein, an der fremde Gesandte ihre Kränze niederlegen können. Und bann ist ein kriegerischpompöses Requiem doch eine feine Sache. Chormäntel und Fahnen, Ornat und Uniform, Weih- rauchwedel und Kriegersäbel, Bischofsszepter und Marschallstab, die stille Glocke der Wandlung und die böllernden Kanonen, Choral und Militärmusik, Ministranten und Kavallerie, das ist schon ein wundervolles Ensemble. Würde der unbekannte Soldat wieder wach, er würde groß die Augen auf« schlagen. Hätte doch nicht gedacht, daß er das noch erleben sollte. Durch die Straßen der jubelnden Hauptstadt aber braust das Lied:
Ieszcze Polska nie zginela . . . Roch ist Polen nicht verloren .
Zwischen den Strophen in den kleinen Pausen aber höre ich abwechselnd den Chor der Arbeitslosen und die flüsternden Verhandlungen der Bankiers. Ein Engländer und ein Amerikaner. Beide machen sehr schweigsame Gesichter. Dann fällt der Nebel so dicht, daß ich nichts mehr sehe.
Muß mich also ans Naheliegende halten. Was ist denn das für ein Untier, das sich so krokodilhaft, der Midgardschlange der Sage vergleichbar, durch deutsches Land ringelt? Tatsächlich, wie ein hungriges Krokodilsmaul reckt es sich von Zeit zu Zeit aus der Tiefe. Das geschieht jedesmal, wenn ein Minister in die Nähstkommt. Ah so, denke ich, bas ist die „schleichende Krise" ... Sie hat Appetit auf Minister. Einer sagt erschrocken: Hier stehe ich — und kann auch anders . . . Wieder einer ruft verzweifelt: I a. Und die ganze Presse wiederholt: I a. Er hat wirklich I a gesagt. Da« läßt sich nicht leugnen. Es war sogar ein lautes Ja. Zwar kein unwiderrufliches, aber doch ein Ja. Dann fragt man wieder jemand: Hat er nun auch wirklich Ja gesagt? Ja, er hat Ja gesagt. Wie geistvoll das alles ist! Das Krokodilsmaul aber öffnet weit seinen Nachen . . . Zwischendurch blitzen die Schönen. Welche Aussichten für die kommende Saison: „Schuhe, ganz aus Diamanten, Strümvfe mit echten Gold- und Silbermaschen, für jedes Modehaus ein eigenes Parfüm . . ." Wenn nur die 45 Prozent nicht wären, um die die Lebenshaltung feit eimm Jahr teurer geworden ist. Und auch das versinkt im Nebel . . „ .
Dafür aber lächelt plötzlich ein Kindergeflcht daraus hervor. Ei, du liebe Kleine, wie heißt du denn? . .. Am 9. November waren es sieben Jahre . . . Aber Kind, dann hast du doch eigentlich Ge- burtstaa heute. Da will ich doch aleich meine Fahne heraushävaen, denn ein guter Staatsbürger freu! sich der F»ste, rote sie fallen , . . Da taucht auch fckon ein Mann im Znlinder auf. Es ist her Versammlungsredner. Und er svricht: Du Sch'cklals- kind aus schwerer Zeit. Das ckaus, wo deine Wiege stand, war ein Trümmerhaufen. Unter Blut und Tränen lagen zerbrochen Krone und Reifen.. Deine Amme war her Hunger und dein Verwalter der Bankerott. Und doch ist deutsches Land in diesen sieben Jahren wieder blühender geworden. Soll man nicht hoffen, daß nach den sieben mageren Jahren nun die sieben fetten kommen? Im alten Aegnvten war es zwar umgekehrt. Aber wenn die sieben mageren vorbei sind, freut man sich darüber, daß es gerade umgekehrt sein soll... Und ich sehe den heiligen Strom. Und, o Wunder, dunkle Riesengestalten steigen ans trockene Ufer. . . S'nd es die fetten Kühe? . .. Der Nebel fällt. Ich sehe gar nichts mehr.
Und weiß doch: Hinter dem Nebel ist die Sonne. Menn sie auch nicht am Himmel sichtbar wird, sie ist dock da. Sie steht und feuchtet in meiner Seele. R-ckel hin, Rebel b-r. Krächzt nur weiter, alte Krähen. Die Sonne ist halt doch da, und sie kommt auch wieder....
Der Mann imMonde.
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Einheitspreis: Sitzplatz Mk. 1.— (ausserdem werden eine kleine Anzahl nummerierte Plätze zu Mk. 2.— ausgegeben). Nach Beendigung des Spieles Zuganschlüsse nach allen Richtungen bequem zu erreichen. Vorverkauf ab Freitag, den 13. November, in der Maier’schen Buchhandlung. Ausserdem sind Karten vor den Spielen am Saaleingang zu haben.
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Samstag, den 11. toemüer : Sonntag, den 15. Ilomider.
Beginn nachmittags 3'/i Uhr. — Ende 6*/i Uhr. — Kassenöffnung um 2l/a Uhr.
2 Nachmittags-Spiele als grosse Volksvorstellungen
Mysterienspiel
St. Franziskus von Erich Eckert Fulda, grosser Stadtsäal.
2. Blatt.
Druck der Fuldaer Acttsndruckerei, Fulda.
Kus aller Welt.
Vrarrdepidemie in Pommern.
Die Brände in der Provinz Pommern, namentlich auf dem Lande, haben sich in der letzten Woche in geradezu erschreckender Weise vermehrt. In den meisten Fällen sind die Verluste an Getreide sehr groß; aber auch viel Vieh ist in den Flammen umgekommen. Bei dem. Gutsbesitzer Pfadt in Kordeshagcn bei Köslin brannte die Scheune und der angebaute Viehstall ab. 37 Kühe, 2 Pferde und etwa 170 Stück Kleinvieh kamen in den Flammen um. In Solberg brannte es in der Nackt zum Donnerstag zum vierten Male in dieser Woche. Das zum Wohnhaus um gebaute Mündener Schulhaus ist nicbergebrannt. 4 Familien sind obdachlos geworden. Die Bewohner des ersten Stockwerks konnten nur über Leitern im letzten Augenblick gerettet werden. Tags zuvor sind in einem Kornspeicher der Firma Rusch u. Hübner in Solberg 2 000 leere Exportsäcke und größere Mengen von Getreide und Kleie verbrannt. In Ueckermünde brannte in der Nacht zum Mittwoch die Scheune des Ziegeleibesitzers Kruppe mit 500 Stiegen Getreide nieder.
* Ein enaMckks U-Root vermisst. Die Admiralität gibt bekannt, daß das Unterseeboot M 1, da? heute am frühen Morgen an einer Gefechtsübung teilnabm, vermißt wird. Es wurde zuletzt 15 Meilen südlich seines Anslaufbasens in Devon- shire beobachtet, als es im Begriff war, zu tauchen. Seitdem ist eS nicht mehr gesichtet worden. Es werden alle Anstrenoungen gemacht, um den Verbleib des Bootes ausfindig zu machen und mit ihm in Verbindung zu treten. — Nack einer Rundsunk- ntelbung ist von dem vermißten U-Boot bisher trotz aller Nachforschungen keine Spur entdeckt worden. Das gesuchte U Boot, ein fanenanntar Unter« see-Monikor, sollte nach Gibraltar gehen. Es gehörte zu der von Unglücksfallen besonders heimgesuchten K-Klasie, die nach einem letzthin gesoßten Beschluß auf der Liste der Seestreitkräfte gestrichen werden sollten.
* Ein Papagei als Propagandist bei den Wahle». Bei den in England vor wenigen Tagen ftattgefun« denen Gemeinderatswaklen ließ in Hüll jemand aus einem Speicherzimmer heraus einen großen blauen Papagei frei fliegen. Er setzte sich auf eine in der Nähe befindliche Telegraphenstange nieder und rief fortdauernd: „Weg mit den Sozialisten und den Roten." Alle Ver uche, mit Steinen den Papagei von seinem Sitz zu verjaaen, waren vergeblich, und das gut abaerichtete Tier fetzte seine Propaganda unter dem Gelächter der Menge fort.
* Nattenkrieg in Indien. Der Schaden, den die Natten in vielen Teilen Indiens anrichten, ist so enorm, daß man sich entschlossen hat, endlich einmal einen energischen Kampf gegen die „Deichen" zu fühten. Man schätzt ihre Zahl auf mindestens 800 Millionen und den Schaden, den sie allein in den letzten vier Jahren verursacht haben, auf mindestens die'elbe Höhe wie die ganze Nationalschuld! Das Schlimmste ist aber, daß einer Berechnung zufolge jährlich etwa eine halbe Million Menschen an den von den Ratten verbreiteten Krankheiten herben!
* Sladifluchk in Amerika. Nach einer Mitteilung des amerikanischen Census-Bureau hat es das Auto und auch das Radio nicht vermocht, die Flucht der bäuerlichen Bevölkerung nach den Städten aufzuhalten. In den letzten fünf Jahren wurden 75 735 Bauernhöfe aufgegeben, deren Besitzer sich in die Stadt „zurückzogen". Diese Ziffern bringt die Gesamtzahl der im ganzen Lande bisher aufgegebenen Gutshöfe auf die beängstigende Höhe von 6 372 608.
* Reue Heliumfelder in Amerika. Da das von der amerikanischen Regierung betriebene Petrolia- feld von dem Versiegen steht, ist es von großer Bedeutung, daß den bisherigen Gasfeldern für Heliumgewinnuns in Texas, Oklahoma, Kansas und Ohio jetzt das Raeanafeld zugefügt wird. Nach Jngenieurberichten soll dieses Feld ergiebig genug fein, um Heer und Flotte für 20 Jahre mit Helium zu versorgen. Dazu liegt das Nacanafeld näher an der Verwertungsstelle des Heliums als das Petroliafeld.
* Die Bereinigten 5fernten das Land der Rascher. Cs gibt wohl kein Land auf der Welt, in dem eben« soviel Naschwerk produziert und konsumiert wird wie in den Vereinigten Staaten. Der Wert des jährlich bergestellten Nosckwerks b-zisfert sick nämlich auf 300 Millionm Dollar, das sind 1260 Millionen Mark. 200 Millionen Dollar werden allein für Eiscreme ausgegeben und 100 Millionen für Schokolade und Kokosnußfabrikate. 100 000 Personen sind in der Feinzuckerwareninduftrie beschäftigt. Namentlich seit der Trockenlegung ist der Konsum von Sckokolade bedeutend gestiegen. Volle 40 Millionen Pfund gezuckerter und eine Million ungezuckerter Schokolade werden alljährlich konsumiert, 30 Millionen Pfund Nußschokolade und eben- soviel Milchschokolade verbraucht, im ganzen etwa 180 Millionen Pfund. In Philadelphia ist die Produktion von Schokolade und Kokosnußfabrikation am größten, die besten Erzeugnisse kommen am Boston. ____________________
Reise und Wanderung.
= Der Reifeverkehr zwischen Deutschland und ballend hat in der letzten Zeit eine starke Zunahme erfahren. Er betrua im Juli dieses JabreS 61 Pro-,ent, im Äuaust 28 Prozent mehr als im Vorjahre Die holländische Eisenbahnverwaltung geht jetzt dazu über, auf verschiedenen strecken durch Eintegun \ einer Reihe von Züaen die Verbindungen zu verbessern. Allem auf der Strecke Haarlem-Dmuiden verkehren zehn Züae mehr in jeder RichtunAuch die Neueinrichtung von Haltestellen ist von der holländischen Eisenbahnverwaltung beabsichtigt,
Technik und verkehr.
— Ein neuer Baustein. Wie aus Schweden ge. meldet wird, soll es dem schwedischen Ingenieur Streh» lenert in Nol gelungen sein, einen neuartigen, mit außerordentlichen Vorteilen in der Anwendung verbundenen Baustein zu erfinden. Er besteht aus Sägespänen, Lehm und Sulfitlauge und hat von dem Erfinder den Namen „Ligninftcin" erhalten. In Schweden und Amerika ist er bereits patentiert. Er braucht als Bindematerial keinen Mörtel, sondern einen besonders zusammengesetzten, einfach herzustcllenden Leim, der ein völliges Zusammenwachsen der Berbundstellen herbeiführt. Weitere Vorteile sollen sein, daß der Stein stark isolierend wirkt und keinen Verputz weder von innen noch außen braucht. Die Außenfarbe kann unmittelbar auf dem Stein angebracht werden, und ebenso lassen sich die Tapeten innen auf den Stein kleben. Wie der Er. sinder mittcilt, hat er sieben Jahre gebraucht, um die Erfindung bis zu der heutigen Vollkommenheit zu brinaen.