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Samstag, 14. Novem cr 1925

Fuldaer Zeitung

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Acii-ndruckerei. Fulda

• Die Reparationsbien«« in Frankreich. Unter den Tieren, die Frankreich nach dem Kriege auf Reparationskonta bezog, befanden sich auch 30000 Bienenvölker, die hauptsächlich aus dem norddeutschen Heidepebiet gewählt wurden, weil dort die Bienen­zucht seit alter Zeit in Blüte steht. Die Franzosen bedachten dabei aber nicht, daß die Heidebiene sich durchaus nicht in asten Gegenden bewährt. Sie haben denn auch keine Freude an diesen Reparation?- bienen erlebt, denn aus Frankreich wird gemeldet, ,bak kein einziges dieser Völker mehr am Leben ist.

Zum Reichrpakteitag.

Von Prälat Universitätsprofessor Dr. Georg Schreiber« M. d. R.

k Die großen Zusammenkünfte der Zentrums­partei sind Tage der Rechenschaft, der besinnlichen Auffassung, der ernsten Prüfung. Aber es sollen auch Tage der Krastentsaltung sein. Sie seien wie Energiezentralen, aus denen lebendige Ströme der Anregung, der Fragestellung und der Vertiefung ins Land hinaus gehen. Man rücke diese Kon­ferenzen also in die Linie des organischen Wachs­tums und der Fruchtbarkeit.

Es wäre sehr einseitig, diese Zusammenkünfte lediglich im Zeichen der Tagespolitik zu sehen. Es wäre noch verkehrter^ vorzugsweise persönlichen Stimmungen und Verstimmungen Raum zu geben. Merdings, eine umfassende Aussprache soll getätigt werden und offener Freimut findet keine Freistatt! Die Bäche und Wildwasier, die hochgemut aus den Bergen zum Tal drängen, brauchen des klärenden Stausees^ um in lebendig wirksamer Kraft, tn dauernder Energie und in weite Fernwirkung überführt zu werden. So muß also die Aussprache von dem rein tagesmäßigen rein persönlichen und rein stimmungshaltigen vordringen zur großen grundsätzlichen Erörterung.

Hier sind es die Linien der christlichen Sozialethik, die sichere.Richtung weisen und gleichzeitig unverrückbar sind. Sie bezeichnen nicht bloß Bindungen, sondern gleichzeitig positive Kraft­quellen; sie sind auch eigentlich nie auszuschöpfen und nicht bloß auf ein einziges Säkulum eingestellt. Nur Kleinmut kann annehmen, daß der Ideengehalt der christlichen Sozialethik den Anforderungen der Tagespolitik nicht gewachsen fein könne. Stets wird das ethische Prinzip die Antwort auf die Fragestellungen der Kasuistik und Praxis zu geben vermögen. Sonst wären Politik und Moral ge­trennt; diesen unglückseligen Dualismus der „Chri­stentums feindlichen Realität" aber lehnen wir auf das Entschiedenste ab. Für uns ist das ethische ,Prinzip die beherrschende Norm. Nur muß man 't& kennen und muß es entfalten. An der Ent- faltung der sittlichen Grundsätze aber muß jedweder Berufene mit Ernst, mit Eifer, mit Ausdauer Mit­arbeiten. Freilich verlangt das ethische Prinzip sorgsamste Hingabe und nicht ein lediglich die Ober­fläche streifendes Erfassen. Freilich baut es nicht auf Gefühlserwägungen auf, sondern auf den Grundlagen der Logik, Kausalität und der Ziel­stellung. Es schafft den kategorischen Imperativ einer christlich verankerten Pflichtenlehre gegen den Nächsten, gegen den Staat, gegen die Kirche, gegen sich selbst. Sozialethik ist im letzten Grunde tiefstes Weltanschaungsbekenntnis und drängt auf sittliche Tat. Daß Politik ein sittliches System von Grund­sätzen und gleichzeitg angewandten sittlichen Han­delns ist: gerade unsere Partei muß sich zu diesem Leitmotiv ihres politischen Strebens bekennen.

So diene dieser Parteitag der Vertiefung und Festigung des grundsätzlichen Sehens. Er werde zum Ausgangspunkte einer fruchtbaren literarischen ^MSkIkf!?t.sts7V' MldS"zu einer Auseinandersetzung mit den großen Vorstellungskreisen und Trägern des politischen Lebens. Dahin gehören: die Per­sönlichkeit und die Genossenschaft, die Gesellschaft und der Staat, Familie und Volkstum, Arbeit und Wertschöpfung, Deutschtum und Menschlichkeit. Er strebe nach der Synthese einer starken idealen Grundeinstellung mit einem tiefen Wirklichkeits­sinne, er fordere die Aussprach« differenzierter Auf- Fassungen und sammle sie zu einer Bilanz zutiefst einheitlicher Grundanschauungen. Er wahre das bewährte Alte, und er schaffe gleichzeitig koloni­sationsfähiges Neuland. Er vereinige die Erfah­rungen sturmerprobter früherer Zeiten und schließe in sich den Iugendmut neuen Entdeckens und Suchens!

1 Vor allem pflege er den starken Willen zur Cinheit und Geschlossenheit. Noch nie­mals war dem Reich die Zentrumspartei notwen­diger, denn jetzt! In den Tagen eines demokrati­schen Selbstbestimmungsrechtes des deutschen Volkes brauchen wir dringlicher als früher jene kräftige M i t t e l p a r t e i, die den alten goldenen Grund­satz der Ethik „in medio virtus" zur lebensstarken und fruchtbaren Wirklichkeit macht.

Die außenpolitische Linie unseres Landes ist nur dann auf die Dauer mit innerer Wahrhaftig­keit durchzuhalten, wenn sie wesentlich von der Zen- trumspartei mitgestaltet wird. Dieser Partei wohnt die Auffassung eines ebenso vornehmen wie weit­herzigen christlichen Universalismus inne, welcher die Entspannung der Athmospäre des Giftes und des Hasses unter den Völkern als eminent christ­liche Aufgabe erfaßt.

1 Andererseits kann die Nation in ihrem Werde­gang wiederum die Zentrumspartei nicht entbehren, oie immer ein verbindendes Glied zwischen jenen politischen Parteien darstellt, die den Gefahren einer Extrementwicklung ausgesetzt sind.

Zum anderen hält gerade das Zentrum die Grenzwacht im Osten und Westen und Süden des Reiches und wächst damit stärker in den Gedanken der Völkerverständigung und des christlichen Abend- landes hinein. Zudem führen gerade durch uns zahlreich Wege zum Auslandsdeutschtum und zur Verwirklichung des großdeutschen Gedankens.

Und wiederum schafft gerade die soziale Auf­fassung des Zentrums die Ueberwindung des berufs- ständischen und klassenkämpferischen Egoismus, aber sie wird auch zur ernsten Pflichtenlehre, den sozial Mühseligen und Beladenen zu helfen. Nur im Zeichen der hilfsbereiten Nächstenliebe erwächst eine wahrhaft große Kultur des Geistes und 6er Seele.

So werde denn dieser Parteitag zu einem vollen Erlebnis der großen grundsätzlichen Linien, die unsere Politik tragen und bestimmen!

Die Vereinigten Staaten von Europa.

Von Dr. Weber-Fulda.

Seit den Tagen von Locarno hört man immer lauter und offener die Frage aufwersen, die vor Jahren von wenigen nur erwogen wurde rrnd als Hirngespinst verschrobener Utopisten hingestellt wurde, die Frage, ob es für das Abendland nicht besser, ja nicht geradezu eine gebieterische Notwen­digkeit ist, sich zu einem S t a at e n v er b a n d zu­sammenzuschließen, den nationalen Haß zu begraben und statt sich rm Kampf aufzureiben, Schulter an Schulter neben- und aneinander den Existenzkampf in der Welt auszufechten.

Nachdem sich im Weltkriege die abendländischen Völker 4 Jahre lang bis auf den Tod bekämpft und den nationalen Haß bis aufs äußerste gesteigert hatten, erstand in dem gesamten Abendland — von einigen neutralen Staaten abgesehen —, ein natio­nales Bewußtsein gestützt auf nationalen Haß, das die Völker zu einem wahren Frieden nicht kommen ließ. Dazu trat eine gegenseitige Absperrung, chine- fische Mauern wurden aufgerichtet, schlimmer als in den schlimmsten Zeiten des Merkantilismus.

Am größten war der Gegensatz oder vielmehr die Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich, die während des Ruhrkampfes bis zur Siedehitze ge­steigert wurde.

bezeichnend für die Stellung Deutschlands zu Frankreich war eine Bemerkung, die jetzt wieder bei dem bevorstehenden Eintritt Deutschlands in den Völkerbund bekannt wurde: Als Oesterreich in den Völkerbund eintreten wollte, fragte Frankreich ganz besorgt, ob mit der engen Verbindung Deutsch­lands mit Oesterreich dieses nicht ersuchen könnte, mit Hilfe seines alten Bundesgenossen sich Eingang in den Völkerbund zu verschaffen.

Die schweren Krisen, die inzwischen England und Frankreich durchgemacht haben, haben diese Länder aber überzeugt, daß sie auf falscher Bahn gewandelt sirch. Deutschland hatte zwar schon längst auf der be- vorstebenden Untergang Europas bingewiesen, aber seine Warnungen waren nicht beachtet worden. Namentlich in Paris sonnte man firf) in dem schwer errungenen Siegesgefühl und träumte von dem Milliardensegen, der von Deutschland zufließen würde. Man zerschlug das mittlere Europa, er­richtet« eine Unmenge von kleinen Staaten, ohne zu bedenken, daß in dem heutigen Machtringen nur große Staaten bestehen können, und freute sich über die Vorherrschaft im „balkanisierten Europa".

Heute bat eine starke Ernüchterung überall Platz gegriffen. Spenglers epochemachendes Wer! über den Untergang des Abendlandes ist in allen abendländischen Sprachen übersetzt und hat unter dem Druck der Realitäten des Lebens manchen siegesberauschten Volitiker und vor allem Wirtschaft­ler aufhorchen lassen.

Man bat es allgemein am eigenen Leibe ver­spüren müssen, daß man ein Volk von 60 Millionen, das mitten im Herzen Eruopas liegt, das aber über große Erdschätze verfügt, eine doch entwickelte Industrie besitzt und geistig in führender Reihe stand, nicht einfach aussckalten oder vernichten kann, sondern daß man bei der heutigen inneren Ver­flechtung der Volkswirtschast gegenseitig ausein­ander angewiesen ist, daß der Untergang Deutsch­lands zum Untergang des Abendlandes führen muß, diesen Satz, den die Deutschen schon lange auf» aestellt haben, hoben allmähliq auch die Völker jen­seits der Grenzpfäble begriffen.

Der Heer der Arbeitslosen hat sich in England auf über l1/« Millionen Arbeiter vermehrt, die scheinbar so fest gefügte Kolonialmacht der Fran­zosen hat in Marokko und in Syrien schwere Schläge erhalten.

Amerika hat während des Krieges die besten Geschäfte gemacht, über 500 Milliarden sind dortbin abgeflossen. England fühlt sich in Asien vor allem nicht mehr sicher. Die Regierung von Angora mit ihrem immer stärker werdenden Nationalgefühl, des wiederermachten Islam, bedrohen den Bestand des stolzen britischen Inpriums in Arabien, Meso- votamien und Indien. Die Wellen des Nil rau­schen imm-^lauter und offener von der Forderung der ägyptischen Nationalisten.

So sehen wir als Ergebnis des Weltkrieges das Erwachen der afrikanischen Völker, die Sammlung des Islams, das wirtschaftlich erdrückende lieber» gewicht Amerikas und das zersplitterte, wirtschaft­lich zerrüttete Europa.

Schon feit einiger Zeit waren deshalb bekannt» Führer der Wirtschaft in den verschiedensten Staa­ten für eine Ueberbrückung der nationalen Gegen­sätze eingetreten. Aber der starke nationale Haß, namentlech zwischen Franzosen und Deutschen, aber auch zwischen englischen Konservativen und dem preußischen Geist (man sprach immer noch gern von den Bo-Russen) schien eine unüberwindliche Drücke darzustellen. Es ist noch nicht lange her, daß ein französischer Unteroffizier auf deutsche Arbeiter schießen ließ, deutsche Idealisten standrechtlich er- schossen wurden, schwarze Truppen deutsche Frauen schändeten.

Sollten wirtschaftliche Erwägungen den seit Jahrhunderten bestehenden und nun neu geschürten Nationalhaß überwinden können?

Es schien unmöglich, und trotzdem arbeiteten in allen Staaten die wirtschaftlichen Verhältnisse an diesem Ziele. Der Londoner Vertrag war schon eine richtige Etappe auf dem Wege dahin.

Der Umschwung in der feindlichen Einstellung gegen Deutschland war zuerst in England erfolgt, wo ja stets der kühle Verstand geherrscht hat, die Regierung stets ein feines Auge für die wirtschaft­liche Lage besaß. Dazu sah Loyd George allmäh- lich ein, daß feine Politik nach dem Kriege durch­aus verfehlt war, daß er Deutschland zwar beseitigt hatte, dafür aber einen viel gefährlick>eren Kon­kurrenten sich jenseits des Kanals groß gezogen hatte, der mit seiner Artillerie und seinen Flug­zeuggeschwadern England beherrschen konnte.

Aber auch in Frankreich gab es eine starke Unterströmung, die der großen Politik ihrer Führer nicht ohne Bedenken folgte. Sie war zwar durch, dnmgen von der Richtigkeit der ihr unablässig ein» gehämmerten Stichworten dieser Politik „Repara­tion" und „Sicherheit", sah aber doch mit Schrecken die W'rkung in der wachsenden Gegnerschaft in der Wett, in der abnehmenden Loyalität ihrer Ver­bündeten und in der sich immer schärfer abzeichnen­den G-sährdung ihrer Wirtschaft. Der Uebergang der Macht von Poincar- auf Herriot war der Niederschlag dieser Erkenntnis. Zwar konnte dec sozialistische Präsident sich nicht lange behaupten^

aber nicht außenpolitisch« Momente waren es, die ihn stürzten. In der äußeren Politik sind seine Nachfolger dieselben Wege gewandelt, zumal da der Franken immer wieder fiel u.dieKolomen dem kriegs- müden und wirtschaftlich zurückgehenden Lande immer größere Schwierigkeiten bereiteten.

So folgt auf die Haßära im Abendland die „Verständigungswelle", und der Gedanke erfüllt die öffentliche Meinung Europas immer mehr, eine Annäherung der französischen Staaten herbeizu­führen. Man erstrebt eine „Sektion Europas im Rahmen eines universellen Dolksbundes".

Di« Tage von Locarno haben diese Idee mächtig gefördert, und heute hört man gerade in Frankreich für die Idee der Vereinigten Staaten von Europa eine starke Propaganda machen. Führende Politiker wie Loucheur, die Zeitungen fast aller Parteien reden davon.

Daß gerade in Frankreich heute eine so starke Strömung für diese Idee vorhanden ist, ist leicht erklärlich Eaillaux hat auf seinem Gange nach Washington sich dazu verstehen müssen, die fran» zösischen Schulden anzuerkennen und einen Zah- lgungsplan vereinbaren müßen. Das hat Frank­reich die starke Abhängigkeit von der führenden Geldmacht wieder empfindlich fühlen lassen und als Gegenmitel sucht man bi« europäischen Staaten zu vereinen.

Eefühlspolitik entscheidet nicht in einem so wich­tigen Akte wie den Zusammenschluß der europäi­schen Staaten, die Wirtschaft bildet in unserem Jahrhundert die wichtigsten Voraussetzungen für einen solchen Schritt.

Die Möglichkeiten für wirtschaftliche Jnteresfen- verflechtungen sind vorhanden. Sie liegen zunächst an sämtlichen politischen Grenzlinien, welche die Friedensverträge neu geschaffen haben. Im Be­reiche des früheren deutschen Wirtschaftsgebietes würde eine solche zusammenheilende Tätigkeit also in erster Linie an den Bruchstellen anzufetzen haben, die das oberschlesische, das ost- und westpreußisch«, sowie das rheinische Wirtschaftsgebiet durchziehen. Im Raums der alten Donaumonarchie hätte sie ihrs Arbeit an den Grenzen der Nachfolgestaaten zu beginnen. Darüber hinaus gilt es, die gesamte abendländische Wirtschaft allmählich bewußt zu planmäßiger Zusammenarbeit zu bringen. Die wirtschaftlichen Energien nach einheitlichen Gesichts­punkten zusammenzufassen und so weiteren Bestand der europäischen Wirtschaft und somit des Abend­landes sicher zu stellen.

Gigantisch ist diese Aufgabe, gigantisch wi« die ganze heutige Zeit, die der Weltkrieg heraufgeführt hat!

Nach denselben Grundsätzen, nach denen die bin« nenwirtschaftlichen Verhältnisse aufgebaut werden, müssen auch die zwischenstaatlichen Beziehungen der Volkswirtschaften aufgebaut werden.

Wir unterscheiden zunächst in Europa Agrar- unb Industriestaaten: Polen, Ungarn auf der einen Seite, England, Belgien, Deutschland und Frank­reich auf der anderen Seite. Wie diese Staaten sich gegenseitig ergänzen können, liegt auf der Hand. In den Industrieländern haben wir wiederum zahl­reiche Abstufungen. Ein« Gruppe umfaßt die Län­der, deren industrielle Bedeutung daraus beruht, daß sie die im eigenen Wirtschaftsaebiete gewon­nenen Rohprodukts zu Halb- und Fertigfabrikaten weiter verarbeiten und die über den eigenen Be­darf übsrfchüeßenden Mengen exportieren. Da­neben suchen sie durch Einfuhr von Rohstoffen und Halbfabrikaten Umfang und Intensität ihrer Industrie zu steigern, wie Deutschland. Andere Län­der wie Italien verfügen nicht über nennenswert? Rohstoffe. Ihrs Industrie besteht darin, daß sie Rohstoffe und Halbfabrikate einführen und weiter verarbeiten.

So entsteht allo ein zwischenstaatlicher Kreislauf zwischen den Ländern die Rohstoffe und Halbfertig­fabrikate erzeugen, und denen, die sie verarbeiten und die Fertigfabrikate auf dem Weltmarkt ab­setzen und schließlich denjenigen, die die Fertig- fabrikate aufnehmen. Die Voraussetzungen zu wirt, schaftlichsn Vertikalkombinationen sind also gegeben.

Bei reinen Fabrikaterportl ändern wie Deutschland, England und Frankreich sind Diffe­renzierungen möglich. England führt hochwertige Fabrikate aus, Deutschlands Fabrikation hatte durch ihre hervorragende wissenschaftliche und orga­nisatorische Schulung eigene Gebiete errungen (Chemie, Elektrizität), daneben war es bestrebt, eine gute und billige Exportware auf den Welt­markt abzusetzen, die französische Erportindustrie war vorwiegend durch Ausfuhr von Luxusfabrika­tion gekennzeichnet. Durch den Erwerb Lothrin­gens hat sich allerdings diese Sage verschoben. Trotzdem bieten diese Differenzierungen Möglich­keiten einer Planwirtschaft.

Daneben aber — und das ist das Wichtigste! — ist es möglich, daß Produkte verschiedener Industrie­länder in vertialem zwischenstaatlichem Aufbau zur Zufammenarbeit führen können. Am bekanntesten ist die Verbindung der Ruhrkohle mit dem franzö­sischen Eisen. Soweit die aus Kohls und Erz in Lothringen gewonnenen Halbfabrikate nicht dort verarbeitet werden können, wandern sie rheinab­wärts nach der Ruhr. Da ober die deutsche Kohlenindustrie mit der eisenverarbeitenden Indu­strie Deutschlands verknüpft ist, und in Frank­reich die Verhältnisse ebenso liegen, so ist durch die vertikale Verbindung der deutschen Kohle mit dem französischen Erz die Untermauerung der deutschen wie französischen Eisenindustrie gegeben. Der so entstehende deutfch-französische Montanblock hat seine Kohlenfundamente — Kokskohle — in Deutschland, die Erzbasis vor- wieaend in Frankreich. Ein Beitritt der luxembur- oiichen und belgischen Schwerindustrie zu diesem Block vergrößert das europäische Wirtschaftsnetz.

Eins ähnlich« Möglichkeit ergibt sich für bis deutsche und italienische Schwerindustrie. Die deut­sche Kohlen und Halbzeugfabrikation kann die ver- fifale Untermauerung der weiter verarbeitenden Industrie Italiens abgeben.

Eine mitteleuropäischer Kohlenkonzern ist schon längst gevlant, der die Koblenvorräte Deutsch-, Pol­nisch- und Tschechisch-Schlesiens, sowie Nordböhmens, Westaaliziens u. des Dombrovabezirks umfassen soll.

Weitere Verbindungsmöglichkeiten liegen in der deutsch-französischen Kaliindustrie.

Auch die zwischenstaatliche Verbindung der chemischen Industrie ist von großer Bedeutung.

Auf diesem Gebiet lagen früher sck,°n Dereinbaruy gen zwischen deutschen und französischen Farben fabritaten, zwischen dem deutschen Farbenkonze. und der englischen Farbstoffinbustrie vor.

Im Bereich des Verkehswesens kann man a eine Vereinheitlichung der europäischen Eisenbahn« denken an den Ausbau wichtiger Wasserstraß« wie des Rhein-Main-Donau-Kanals zu einem eure päifchen Wasserbienst, einem einheitlichen Lup

Agrarländer könnten bedeutend ertragsfäh! ger gestaltet werden, wenn ihre bedeutende Land und Forstwirtschaft von dem hocyentrmcketten Laub bau Deutschlands profitieren könnten. Deutschlan müßte Ungarn z. B. diejenigen Fabnkationse.il richiungen und Maschinen liefern, die es zur S)ei stellung von Fleisch- und Gemüsekonserpen, zu Weiterverarbeitung seiner tierischen Produkte, w, Häute, Knochen. Wolle, Horn und Sait, 3ur Ver arbritung von Flachs und Hanf, zu einer mtensivei Bearbeitung bes Bodens bedarf. Wir müssen be denken, baß es in Ungarn noch Güter von ubs 1 Million Hektar gibt, bie natürlich nur extenso bewirtschaftet werden und einen doppelten uiti mehrfachen Betrag abwerfen könnten.

So gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, rot sich die europäische Volkswirtschaften zwischenstaat lich aufbauen und zusammenführen könnten.

Ob es von der Möglichkeit zur Tatsache kommt ob gar noch ein einheitliches Zollgebiet, ein ftaat licher Zusammenschluß entsteht, die Frage _ lieg noch in weiter Ferne. Es ist heute unmöglich dieser Entwicklung ein Horoskop zu stellen.

Zunächst ist man jetzt zu eifrig am Werke, em europäische Planwirtschaft vorzubereiten. Stad einem Drahtbericht des W. T. D. von Paris von 21. Oktober plant Loucheur. der schon während bei Dölkerbundstagung bie Einberufung cinsi internationalen W ir t s ch af t s k o nf e renz norgefchlagcn hatte, bie europäischen Der treter ein und derselben Industrie zu vereinigen um bie verschiedenen Fragen zu prüfen, von benei der Industrielle und der Handelsausgleich in Eu­ropa abhängen. Dieser Vorschlag Loucheurs ff im wesentlichen von den Vertretern der franzö fischen Wirtschaft gebilligt worden.

Der Dölkerbundsrat, das politische Organ diese! wirtschaftlichen Vereinigung, wird durch den Beitrit Deutschlands ein anderes Gesicht erhalten. Es gib dann nicht mehr Alliierten und Besiegte, fonden Gleichberechtigte europäische Rationen.

Rußland wird bei dieser Frage abfeit! gehen. Dis Entwicklung der jungen irufsischen Kultur ist nicht so sehr von dem Abendland abhängig, wie man gemeinhin annahm. Der rufff sche Sozialismus ist auch wesentlich anders, als bei abendländische. Seine Kultur trägt asiatische Züge

Obschon die wirtschaftliche Verbindung zwische, Rußland und dem Abendland ungeahnete Entw'ck lungsmöglichkeiten bietet — namentlich Deutschlan! ist "auf Warenaustausch mit Rußland unbedingt angewiesen, — wird hierdurch der Zusammenschlus unterbunden werden. Es zeigt dies erneut, das bie Geschichte nicht allein von der Wirtschaft ab­hängig ist, sondern auch geistige Ideen neben bei Persönlichkeit eine wichtige Rolle spielen, was di« materialistische Eesichtsauffassung immer leugnete

Daß Rußland einen Eintritt Deutschlands in bei Abenbländischen Konzern befürchtet, zeigt bas ge­heimnisvolle Auftauchen Tschitscherins in Berlin ar Vorabend von Locarno.

Deutschland bildet infolge feiner geographische-. Sage bie Verbindung zwischen dem Halbasiatischei Otten und dem übrigen Abendland. Die Konstell» tion ist ähnlich wie zur Jahrhundertwende, wi es zwischen dem russischen Koloß und dem englische, Imperium levierte. Damals hat es den richtige. Weg mangels geeigneter Persönlichkeiten nickt fin­den können. Wird es jetzt den richtigen Führet haben?

von der kathol. Sd)ulorgantfafton

In diesen Tagen sand im Franz Hitze-Hause ii Paderborn die Jahresversammlung bes Lanbes- ausschusses Preußen der katholischen Schulorga- n i s a t i o n statt. Den Vorsitz führte der ver­diente Gründer der Organisation Reichskanzlei a. D. Marx, lieber 80 Teilnehmer hatten sich ein­gefunden nicht nur aus Preußen, sondern aud einige aus Süddeutschland. Die Verband hingen, welche in verschiedenen Ausschüssen bera­ten und bann in den Vollversammlungen zur all­gemeinen Erörterung kamen, förberten eine solch« Fülle des Materials zutage, baß selbst erfahren, Fachmänner über die gewaltige Aufgabe erstaun ten, welche bie Schulorganisation bei uns zu löse, hat.

Nicht bloß um das Volks schulwesen, fonbere auch um das höhere und um die Berufs- schulen handelt es sich heute. Selbstverständlick stand das Reichsschulgesetz dabei im Vor­dergrund, aber auch die Kondukation in den ver­schiedenen Schularten, bie Sehrerbilbung, bei Stand unserer Privatschulen, für welche in der Noi der heutigen Zeit die Kommunalisierung ober Ver­staatlichung verlangt wirb ohne Beachtung der ban aus enoachsenben Folgen boten eine Menge vo> beachtenswerten Gesichtspunkten.

Gerabe frappant waren bie Berichte über bi« Verfchiebenartigkeit des Verhaltens der B e h ö r - d e n zu dem Abbau der Vorschulen. Ueberal empfiehlt es sich hier, keinen wichtigen Schrick z, tun ohne vorherige Fühlungnahme mit der Schub Organisation. Auch bie Frage der Sicherstel­lung der privaten Lehrkräfte und die Be­deutung der bischöflickenSeitsätze zu Sitt- lichkeitsfragen für bas Schulturnen fand eine sach­verständige Darlegung. Die Bedeutung der Ver­handlungen fand ihren sichtbaren Ausdruck darin daß der Hochwürdige Herr Bischof Dr. Klein ihnen seine Anwesenheit lieh. An die Jahresver­sammlung schloß sich noch ein mehrtägiger Uebungs- kursus für bie Mitarbeiter der Schulorganisa­tion an.

Wissenschaft unö Forschung.

— Drahtlose Untersuchung bet Erdkruste. Sir Stö­bert Kotze, der Staatsingenieur der südafrikanischen Goldminen, unternimmt jetzt Versuche, eine Methode zu finden, mit Hilfe der Radiostrahlen „in das Innere der Erde zu schauen" und aus diese Weise metallische Adern, vornehmlich Gold, zu suchen. Zweifellos werden f?:ne Versuche Erfolg haben, ist es doch schon geluna-E drahtlose Weise r -t Hilfe von Telei'vn-Anlagei? . Erde hineinzusprechen, auch in den Tiefen zw«W den sich durch die Erde hindurch drahtlos zu mtH^.- und hierbei zufolge Störungen geologische für die Fortpflanzung der Wellen sestzustell-« -