Fuldaer Zeitung
aufgestellt. Eine weitere Einschränkung oder gar eine Einstellung des Wohnungsbaues ift aber aus aefundbeitlicken und sittlicken Gründen nicht möglich. Sie würde auch die K a p i t a l n o t der Wirtschaft nicht beseitigen; hierfür sind andere Maßnahmen nötig.
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JVs 253.
Sonntag, 1. November 1925
2. Blatt.
Druck der Fuldaer Acttendruckerei, Fulda.
Wohnungsbau und Wirtschaft.
Der Ministerialrat im Reichsarbeitsministerium, Lr. Eugen Imhoff, schreibt im Reichsarbeits- ölatt:
1. Die Aufwendungen für die Förderung des Wohnungsbaues waren bisher in den einzelnen Ländern durchaus verschieden. Durch das Reichsgesetz vom 10. August 1925 über die Aenderung des Finanzausgleichs zwischen Reich, Ländern und Gemeinden wurden deshalb die Länder verpflichtet, zunächst in den zwei Jahren vom 1. April 1926 bis 31. März 1928 jährlich mindestens 15—20 v. H. der F r i e d e n s m i e t e für die Förderung der Bautätigkeit auf dem Gebiete des Wohnungswesens zur Verfügung zu stellen. Die Aufwendungen aller Länder werden hiernach jährlich voraussichtlich 600 bis 700 Millionen Reichsmark betragen. Rechnet man für eine Wohnung ein Baudarlehen durch die öffentliche Hand von durchschnittlich 6000 Reichsmark, so kann mst diesen Mitteln die Erstellung von etwa 110000 Wohnungen gefördert werden. Notwendig ist, daß durch die Bauherren noch weitere 4—500 Millionen Reichsmark aufgebracht werden.
2. Aus Kreisen der Wirtschaft ist nun in der letzten Zeit als ungerechfertigt und unverantwortlich bezeichnet worden, daß aus einer Steuer gewonnene Gelder in Wohnungsbauten festgelegt würden, während die Wirtschaft den größten Mangel an Betriebskapital Habs; es sei vielmehr richtiger, diese Summe der Wirtschaft zuzuführen für die Verbesserung ihrer Produktionsanlagen und für die Wiederherstellung ihrer Konkurrenzfähigkeit mit dem Auslande, als sie für unproduktive Verbrauchsgüter zu geben.
3. Diese Einwendungen sind nicht zutreffend. Die Lage der heutigen Wohnungswirtschaft wird dabei völlig verkannt. Die Verhältnisse der Nachkriegszeit führten dazu, den Mieter gegen Verlust der Wohnung durch Kündigung und unberechtigte Steigerung der Miete zu schützen. Infolge der behördlichen Regelung blieb der Satz der gesetzlichen Miete erheblich hinter dem Betrage zurück, der für Verzinsung und Tilgung des Kapitals für den Neubau von Wohnungen nötig gewesen wäre. Diese Regelung und die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit führten, obwohl die Neubauten der Zwangswirtschaft nicht unterlagen, doch zu einer starken Hemmung der Neubautätigkeit; eine behördliche Förderung des Wohnungsbaues war deshalb unerläßlich. Diese Maßnahme ist auch heute noch nötig, vor allem wegen der Höhe der Baukosten und der Hypothekenzinsen. Di« Baukosten sind zurzeit etwa doppelt so hoch und die Hypothekenzinsen etwa zweieinhalbmal so hoch wie im Frieden. Um eine entsprechende Rente aus dem Da-ukapital zu ziehen, müßte die Miete also 2mal 2iL — 5malsohochseinwieim^rie- d e n. Solche Mieten sind aber für den größten Teil der Bevölkerung völlig untragbar.
Die M i t t e l für die Förderung des Wohnungsbaues werden durch bestimmte Zuschläge gitr Miete gewonnen, die der Hauseigentümer in Form der Steuer an Gemeinde oder Staat absührt und die für Gewährung von Baudarlehen dienen. Es werden also zwangsweise Mittel zur Kapitalbildung gesammelt, die sonst für irgendwelche Zwecke, aber wohl zum geringsten Teil zur Kapitalbildung verwendet worden wären. Es handelt sich also hier gar nicht um eine eigentliche Steuer zur Befriedigung von Staats- oder Gemeindebedürfnissen, sondern um einen Mietzuschlag, der infolge der behördlichen Mietregelung nötig ist und durch die öffentliche Hand der Förderung des Wohnungsbaues zugeführt wird.
4. Die behördlich geregelte niedrige Miete hat für die Wirtschaft den großen Vorteil, daß die Löhne und dementsprechend die Produktionskosten entsprechend niedriger sind und die Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Auslande gehoben wird. Dieser Betrag ist sehr erheblich, da eine Steigerung der Mieten um 10 v. H. im Reiche bereits eine Mehrbelastung von 500 Millionen Mark beträgt. Die freie Miete würde aber die gesetzliche Miete um einen wesenllich höheren Hundertsatz übersteigen.
5. Die für die Förderung des Wohnungsbaues aufgewendeten Beträge werden aber der Wirtschaft überhaupt nicht entzogen. Sie fließen dem Baugewerbe zu. Sie beleben nicht nur die eigentlichen Baubetriebe, sondern auch die Hilfsbetriebe, wie die Ziegel-, Kalk», Zement- und Sägewerke, die Fabriken für Baubeschläqe, Bauwerkzeuge usw. Zahlreiche Arbeiter erhalten Verdienst und dies wirkt wiederum belebend auf die verschiedenartigsten anderen Betriebe. Würde die Bautätigkeit längere Jahre brach liegen, so würde das Baugewerbe stark zusammenbrechen und die Bauarbeiter sich anderen Berufen zuwenden oder erwerbslos werden. Die Erhaltung eines gesunden Baugewerbes und Bauarbeiterstandes ist aber für den Wiederaufbau unserer Volkswirtschaft von der größten Bedeutung. '
6. Die Zahl der Wohnungen, die in den nächsten zwei Jahren erstellt werden sollen, ist aber im Verhältnis zur Wohnungsnot und zur Friedensbautätigkeit durchaus nicht übertrieben groß, wie vielfach angenommen wird. Es fehlen zurzeit mindestens 600 000 Wohnungen und der jährliche Neubau für den Zuwachs der Bevölkerung ist mindestens 150 000 Wohnungen. Wollte man also in sechs Jahren die Wohnungsnot beheben, so müßten mindestens 250000 Wohnungen jährlich erstellt werden. Vor dem Kriege wurden im Reiche jährlich etwa 150—200 000 Wohnungen gebaut. Mit Baudarlehen werden nur etwa 110 000 Wohnungen jährlich gefördert werden können. Diese Zahl bleibt also erheblich hinter dem Bedarf und hinter der Friedensbautätigkeit zurück.
7. Die W o h n un g s n o t hat sich in den letzten Jahren immer weiter verschärft. Es find Zustände eingetreten, die in gesundheitlicher, sittlicher und wirtschaftlicher Hinsicht höchst bedenklich sind. Zahlreiche Familien haben Wohnungen, die nicht den bescheidensten Anforderungen genügen; andere, namentlich die jüngeren, finden überhaupt keine Wohnung. Gerade die, die einen eigenen Haushalt gründen wollen, sind aufs schwerste in ihrer Entwicklung gehemmt. Der Ausfall des Zuwachses an Volkskraft wird später einmal bitter empfunden werden. Eine ra s ch e Beseitigung der ungeheuerlichen Mißstände wäre an sich dringend erwünscht, mit Rücksicht auf die allgemeine Vcr- ormuna ist aber nur ein beschränktes Bauoroaramrn
zum Grundsatz machen mögen, nicht aber Staaten, die entweder ehrlich ihre Schulden eingestehen oder aber sich selber zu Betrügern an ihren Untertanen machen.
Für meinen Teil hoffe ich noch das Beste von Locarno. Es ist am Ende doch der Anfang einer friedlichen Aera. Wer mutwillig hier den Fortschritt boykottiert, der möge sich überlegen, daß doch einmal die Zeit kommen muß, wo man nach Lo- carno geht, und es wäre auch ein Can o s s a • gang. Wenn ichs so bedenke: Wie langsam schreitet doch die menschliche Zivilisation voran. Kaum glaubt man den Handschuh der Humanität nun endlich über die Pfote des grausamen Menschentieres gezogen zu haben, da bricht die Tigerkralle schon wieder durch. Aber man soll die Hoffnung nicht verlieren. Dieser Tage führte mich der Weg auf die einsame Stube eines stillen Gelehrten. Er bewohnt ein Kabinett, in dem sowohl Faust wie Wagner sich hätten wohl fühlen können. Dort entdeckte ich eine Urkunde, die mir Schauder und Mut zugleich machte. Nachdem wir nämlich all die Merkwürdig- feiten dieses seltsamen Archivs betrachtet hatten, als da sind, verschiedenartige Buddhagestalten mit goldenen Schalen, aus denen man das Wasser vor ihnen ausgießt, tropische Pflanzen, Palmen und Kakteen, chinesische und japanische Malereien in ihrem wundersamen Farbenspiel, Mystiker aus allen Ländern und Zeiten, wurde endlich ein Pack dahingelegt, „Curiosa" genannt. Darunter befand sich zum Beispiel ein dickes Buch, in dem die Kunst gelehrt wurde, den Stein der Weisen zu finden. Ferner interessierte uns gewaltig ein ganzer Band, der die Frage behandelte, wie die verschiedenen Menschenklassen die Leute betrügen; besonders lehrreich darin war das Kapitel über die Betrügereien derHausfrauen, die sich ihre Taschengeld sichern. Etwas gräulich war ein anderes Buch, das ganz angefüllt war mit Teufelsgeschichten aus der Hexenzeit. Und dann eben dieses fürchterliche und doch trostreiche Dokument von nur vier Druckseiten. Cs war der TarifeinesS ch a rfrich- t e r s, ich glaube von Vechta. Als ob es sich handele um irgendwelche gutbürgerliche Garantierung, konnte man da lesen: Für das Abschlagen eines Kopfes mit dem Schwert: 10 Reichsthaler. Für einmaliges Köpfen mit dem Beil: 5 Reichsthaler. Für das Abhauen einer Hand: 3 Reichsthaler. Für Zerschlagen der Glieder und Spannen aufs Folterrad: 15 Reichsthaler. Für das Verscharren auf dem Schinder: 2 Reichstaler .... So ging es weiter und war obendrein vom Landesfürsten beglaubigt. Denkt man sich dazu eine Folterkammer, wie man sie heute noch sehen kann, so hat man wirklich genug. Noch kaum zweihundert Jahre trennen uns von den Zeiten solcher Barberei, und man muß doch gestehen, daß unsere Ansicht von derlei Dingen vornehmer und christlicher geworden ist.
Im übrigen ist mein Gemüt schon eine lange Zeit ganz erhaben über alle diese irdischen Dinge. Woher kommt das? Denk dir, lieber Leser, teuerste Leserin, ich habe einen herrlichen Brief bekommen von jenem Kloster, dem ich vor 14 Tagen einige freundliche Worte gewidmet habe. Im Einzelnen kann ich nichts verraten, aber ein Wort von solchen Bergen, das ist Kraft für ein paar Wochen mindestens. Es hebt einen empor in jene Gegend der ewigen Höhen, die immer rubia bleiben, weil sie den Sternen so nahe sind. Diese Menschen, in ihrem irdischen Dasein so elend, daß man meinen möchte, sie wären des Trostes bedürftig, sind doch so stark und reich im Innersten, daß sie uns jederzeit noch mitgeben können. So lächelt ja auch eine Mutter, wenn sie ihr weinendes Kindlein tröstet, mag es ihr dabei noch so schwer ums Herz sein. Die große Liebe macht es ... . Hab mirs zum Motto genommen: Habe immer noch eine größere Liebe als du Leid hast, dann wirst du das Leben meistern, dein eigenes und — weiß Gott — noch manches andere .... DerMannimMonde.
„Zeppelinfahrt ist not!"
Man schreibt uns:
. Trotz des sicherlich in weitesten Kreisen vorhandenen regen Interesses für den Erfolg der Zeppelin-Eckener-Spende begegnet man immer w.e- der Bedenken, die sich auf die Beantwortung der Frage beziehen: Was wird mit dem Gelds dec Zeppelin-Eckener-Spende, wenn die E n t e n t e den weiteren Dau von Zeppelin-Luftschiffen untersagt! Demgegenüber muß mit aller Deutlichkeit sestge- - stellt werden, daß durch das Londoner Abkommen vom August o. I. die generelle Bauerlaubni- für Zeppelin-Luftschiffe erteilt ist, wenn auch vorläufig nur für Schiffe bis zu 30 000 Kubikmeter >,u- halt. Was nun die technische Durchführbarkeit des Planes eines transkontinentalen Luftverkehrs an- belangt, so ist darauf hinzuweifen, daß sich bereits im Jahre 1921 eine Komitee gebildet hat, dem vom Zeppelin-Luftschiffbau die Dr. Eckener, Dr. Lem- pertz und Walter Scherz angehörten, sowie von spanischer Seite der verdienstvolle Förderer der äro- nautischen Bestrebungen, Commandante Herrera. Warum die Wahl gerade auf Spanien fiel? Selbst» verständlich muß di« Luftschiffahrt genau so wie der Seeverkehr darauf achten, daß Landungsplätze an denjenigen Stellen gewählt werden, die in meteorologÜcher Hinsicht als bevorzugt zu betrachten sind. Ein solcher Platz ist z. B. Sevilla in Südspanien, das wegen der günstigen atmosvhäri- schon Verhältnisse der Ausgangspunkt der hoffentlich zuerst betriebsfähigen Linie S e v i l l a - Süd- Amerika sein soll. Die obengenannte Kommission hat in langwierigen Beobachtungen festgestellt, daß, so begrüßenswert an sich die Anlage eines Lustschiffhafens in Deutschland wäre, angesichts der außerordentlich günstigen Wetterverhältnisse in Südspanien das Sevilla-Projekt befürwortet und in den Vordergrund gestellt werden muß.
Die Compania Transaeria Esvagnola, Colon, die enge freundschaftliche Beziehungen mit dem Luftschiffbau Zevpelin verbinden, wird nicht nur von der spanischen Regierung, insbesondere von Primo de Rivera, sondern auch von dem spanischen König selbst aufs wärmste unterstützt. Infolgedessen wird auch der spanische Staat sich an dem Bau des Zeppelinshafens in Sevilla finanziell beteiligen. Für die Wahl von Sevilla sprach auch noch der Gesichtspunkt mit, daß es ebenso Stützpunkt für jedweden anderen Luftschiffverkehr, so nach Nordafrika und den Mittelmeerländern fein kann. Der ursprüngliche Plan für die Südamerika-Linie war der, ohne Fahrtaufenthalt von Südspanien nach Buenos Aires durchzufliegen. Heute zieht man jedoch in Erwägung, besonders mit Rücksicht auf die weltwirtschaftlich so ungemein wichtige schnelle Postbeförderung, auch in brasilianischen Häfen Halt zu machen, so in Pernambueo und Rio de Janeiro, bezw. mindestens dort die für Brasilien bestimmte Post abzuwersen und auf der Rückfahrt Europa- Post mitzunehmen.
Allgemeines Interesse wird erwecken, daß die Fahrt von Sevilla bis Rio de Janeiro, für die die heutigen Schnelldampfer durchschnittlich 16 Tage gebrauchen, unter Ausnutzung der Passatwinde nur zweieinhalb Tage dauern wird, während für die Rückfahrt be» Gegenwind nur 4—5 Tage anzu- fetzen wären. Dr. Eckener hat ja während seines brasilianischen Aufenthaltes im Jahre 1921 selbst an Ort und Stelle schon grundlegende Vorarbeiten für die Realisierung dieses Proiektes geleistet, wobei er aufs tatkräftigste von dem Kommandanten Herrera unterstützt worden ist. Unsere Vläve haben erfreulicherweise mindestens die gleiche Unterftii= tzung wie in Svanien bei den südamerik"nischen Regierungen gesunden, so besonders bei Sem ar« aentinischen Präsidenten Dr. Aloear. In Buenos Aires und auch in Cordoba werden Landungsplätze geschaffen und ebenso in einigen wichtigen st'd- amerikanischen Handelsvlätzen zum mindesten Ankermasten errichtet werden, die ein sicheres Derweilen des Schiffes gewährleisten. Natürlich darf man nicht vergessen, daß der Luftschiffverkehr der Zukunft nicht mit ähnlichen festen Routen wie die Seeschiffahrt rechnen kann, da auf die atmosphärischen Verhältnisse Bedacht genommen werden muß.
Die Gefahr einer Konkurrenz zwischen Luftschiff und Dampfer besteht nickt, da mir im Sckffftbau heute die Geschwindigkeitsgrenze für die nächsten Jahrzehnte erreicht haben, soll der Schiffsverkehr rentabel fein. Außerdem können Luftschiffe immer nur eine begrenzte Zahl von Paffaaieren befördern. Ein großzügig anaelegter Luftschisfveckebr kann natürlich nur in engster Zusammenarbeit mit den übrigen Nationen erreicht werden. Die Voraussetzung hierfür ist und bleibt aber die Erhaltung der Zeppelin-Werft in Friedrichshafen, ohne die die Fortführung des Baues von Zsppelinluftschiffen unmöglich ist.
Technik und Verkehr.
= Luftschiffe mit MetallhüLe werden in Amerika projektiert, da der bisher verwendete gummierte Seiden- baut-Ueberzug für die Ballonsülluna r.Heliumgas oder Wasserstoff) nicht vollkommen undurchläsiia ist. Bei dem hohen Wert des Heliumaases und der Schwierigkeit des Ersatzes desselben hofft man, durch die Metallhülle, welche aus genieteten Aluminium-Platten von V« mm Dicke besteht und ebenso wie die frühere Hülle durch ein Gerippe aus Aluminium oder Aluminium-Legierung gestützt ist, den Gasverlust auf ein Zehntel herabmindern zu können. Mit diesen Luftschiffen, welcbe mit Motoren von 200 Pferdestärken ausgerüstet werden sollen, will man eine Geschwindigkeit von 110 Kilometer in ** Stunde erzielen.___________
Rus der Geschäftswelt.
--- Das Bankhaus L. Pfeiffer Deposiienkasie Fulda gibt im heutigen Inseratenteil bekannt, daß es vollkommen spesen- und prooisionsfreie Einlagekonten eingerichtet hat, auf welche Gelder als täglich fällige Einlagen oder mit einer zu vereinbarenden Kündigungsfrist eingezahlt werden können, deren Verzinsung sich je nach der Kündigungsfrist richtet. Guthaben ohne Kündigungsfrist können täglich in jeder beliebigen Höhe abgehoben werden, lieber die Emlagekonten können auch lieber* Weisungen an Dritte und Gutschriften von anderer Seite, beispielsweise Gehälter, verbucht werden. Der Kunde erhält kostenlos ein Einlagebuch ober eine Einlagekarte, worin die Zu- und Abgänge vermerkt werden, so daß er jeder Zeit über den Stand seines Kontos unterrichtet ist. Durch die Bearbeitung der Einlagekonten in einer besonderen Kaffe wird eine für das Publikum mit (einer lei Zeitverlust verbundener Abfertigung gewährleistet.
Locarno, liebliches, friedliches Locarno, eben noch Dorado internationaler Verständigung, wie bist du nun zum Zankapfel der Völker und' unserer heimischen Parteien geworden! Sahen wir nicht noch eben die Gewaltigen der Welt im Motorboot über den See gondeln? War nicht dabei ein entzückender Wetteifer im sanften Geschmeichel der sonnigen Wellen und der süßen Worte edler Diplomaten diesseits und jenseits der Bordwand? Und nun, welch ein Sturm hat die See aufgewühlt! Ich glaube, die Wellen verschlingen am Ende noch^ Schiffer und Kahn ; . . . War es nicht golden, das Zigarettenetui, das Briand dem geburtstagsfeiernden Engländer verehrte? Stresemann stand gewiß neidisch daneben, denn was hätte er auch schenken sollen? Vielleicht ein Stiefmütterchen aus dem polnischen Korridor oder die Bilanz der polnischoberschlesischen Industrie auf feinstem Büttenpapier oder ein enteignetes Stück Erde aus der Tschechoslowakei ober ein Edelweiß aus dem deutschen Südtirol, vielleicht auch einen deutschen Gruß aus Eupen und Malmedy .... Er tat es nicht. Nichts sollte die schöne Stimmung von Chamberkains Geburtstag stören. Mit verbindlicher Freundschaft erklärte man tagelang das Unverbindlichste. Alles sollte der holden Friedensgöttin geopfert werden. Und nun? Was wird denn nun? ... Steckt Tschitscherin dahinter, dessen Organe noch immerfort behaupten, in Locarno habe das hohe Geburtstagskind nichts getan als nur Garn gesponnen gegen den russischen Bären? Oder galt es die schöne politische Aufgabe, Frankreich von seinen Dftüchen Bundesgenossen abzudrängen, was wiederum England gestärkt hätte? Wer vermag hier klar zu sehen?
Was mir Leid tut, ist nur Eines. Man wünfckr in solchen Sagen feinem eigenen Volk feste Haltung und deutliche Richtung. Hat Deuffchland sie gezeigt? Ich weiß es nicht, aber es kommt mir so vor, als habe die Riesenjungfrau einmal gerade wieder in einem Augenblick, wo es um ihr Sein und Nichtsein ging, einen Anfall von Hysterie erlitten. Es ist ein altes deutsches Leiden, bekannt aus der preußischen Ostmarkenpolitik wie aus der Behandlung der Effaß-Lothringer. Wir in der Heimat empfinden das nicht mehr so. Wir wissen, daß derartige Anfälle von Zeit zu Zeit kommen und warten eben, bis sie vorüber, aber das Ausland!!! Was muß es von uns denken? Mit unberechenbaren Leuten macht man nicht gern Geschäft, bei denen man rechnen muß mit Stetigkeit und Sicherheit. Wie schneidig verläuft in politischen Dingen die Linie Frankreichs, wie zielbewußt ist die noch so krumme Straße Englands. Schlimm, wenn e i n e h y st e r i s ch e I u n g- frau in die Hände solcher Intellektuellen gerät!
Immer sollten wir bei großen Staatsaktionen an den Eindruck in der weiten Welt denken! Wie leicht wird etwas verschüttet! Und soviel hängt davon ab. So sagte mir vor einiger Zeit ein sehr angesehener Herr, der während unterer Auftver- tungsattionen in der Schweiz saß. Er meinte, daß man bei uns in her Heimat kaum eine Vorstellung davon habe, wie sehr wir gerade dadurch an Kredit verloren. Warum denn? Nicht wegen der Aufwertung, sondern weil man sie als etwas Endgültiges betrachtet wißen wollte. Der Ausländer sagte sich: Leihst du diesem Deutschen Geld, so macht er eines Tages, wenn er hi Not ist, ein Gesetz, daß die Schulden nicht bezahlt werden brauchen. Man hätte sagen sollen: „Liebe Leute, die ihr arm geworden, der Staat kann im Augenblick nickt alles begleichen. Geduldet euch und nehmt vorläufig das Wenige, was wir haben." Aber man hätte nicht handeln sollen wie der ungerechte Verwalter, der dem Schuldner sagte: Nimm deine Handschrift und schreibe die Hälfte! Gewiß hat der Herr diesen Verwalter gelobt, aber nicht, weil er ungerecht war, sondern weil er in feiner Art scklau gewesen. Wir hoben dieses Lob nicht verdient, denn es scheint, daß wir uns manchen Kredit durch ein Prinzip verdorben haben, daß sich Dieb und Kassenräuber wohl
Die wiederholt geforderte Aufstellung einer übersichtlichen Warnungstafel wurde noch nicht durchgeführt.
= tzslger. Bei Dreitscheid geriet ein Kraftwagen der Margarinefabrik „Schwan im Blauband" in Brand und brannte bis auf die Eisenteile nieder. Dabei zerflossen auch drei Zentner Margarine.
— Kastel. In der Nähe de« Hafens wurde eine männliche Leiche ans der Fulda gelänbet. Es bandelt sich um einen 18jährigen Kaufmanns- gehilfen. Die Tatbestandaufnahme ergab, daß Selbst- mord vorliegt.
— Großbartloff. Diebe, die in die Zigarrenfabrik Koch einbrachen, erbeuteten dort 5000 Zigarren. Die Spur der Diebe soll nach Küllstedt führen.
= Marktheidenfeld. Der hockbetagte Fischer Adam Hemmerich stürzte bei der Fahrt über den Main ans seinem Nachen und ertrank, ehe ihm Hilfe gebracht werden konnte.
— (Samberg. Der hochbetagte Kaufmann Enders wollte an seinem Hausdach eine schadhafte Stelle ausbessern. Er stürzte dabei von der Leiter ab und war auf der Stelle t o L
--- Oberursel. Bei einem Tanzvergnügen st ah l ein junger Mann einem Mädchen die Handtasche. Er entnahm aus der Tasche die Garderobennummer und ließ sich an der Garderobe die Kleidungsstücke, zwei neue Mäntel, geben. Dann setzte er sich in die elektrische Straßenbahn und fuhr nach Frankfurt. Inzwischen hatte aber schon der Fernsprecher gespielt. In Heddernheim wurde der Dieb, ein Frankfurter, mit seiner Beute festgenommenund dem Gerichtsgefängnis zugeführt.
— Rüdesheim. Der Streit zwischen den Binger Motorbootsbesitzern und der Mainzer Eisen- bahndirektion über das Recht des Fährenbetriebs auf dem Rhein zwischen Bingen und Rüdesheim hat schon viel Staub aufgewirbelt. Nunmehr fand hier ein Termin zwischen beiden streitenden Parteien statt. Die Binger Schiffer ersuchten die Mainzer Reichsbahnverwaltung, ihnen den einwandfreien Beweis zu erbringen, daß die Bahn das verbriefte und unantastbare Recht besitze, allein den Fährbetrieb zwischen Bingen unb Rüdesheim auszuführen. Dazu war die Reichsbahn nicht in der Lage. Die Sitzung wurde infolgedessen abgebrochen und auf unbestimmte Zeit vertagt
aus dem Nachbargebiet.
— Wirges. Beim Abschirren seines Pferdes geriet der schon betagte Bäckermeister Peter Michel unter das plötzlich anziehende Tier und wurde eine Strecke rnitgeschleift. Er wurde habet derart schwer verletzt, daß er nach qualvollem Leiden im Dern- bacher Krankenhause verstarb.
— Groß-Gerau. Zwischen Groß-Gerau und Klein-Gerau fuhren in einer her letzten Nächte zwei Landwirte mit ihren Wag-» über den Eisenbahnübergang der Strecke Groß-Gerau-Frankfurt. Als sie sich auf den Gleisen befanden, gingen die Schranken nieder, wobei ein auf einem Wagen sitzendes junges Mädchen schwerverletzt wurde. Mit Aufbietung aller Kräste jagten die beiden Gefährte durch hie rasch wieder hochgezogenen Schranken. In der nächsten Sekunde sauste der Schnellzug nach Frankfurt vorüber.
— Höchst a. M. Die Lage in Höchst nnd Griesheim ist vollkommen ruhig im Gegensatz zu den Krawallen der letzten Aussperrung vor mehreren Jahren. Die Beamten, die morgens an ihre Dienst- stellen in den Farbwerken gehen, werden nicht im mindesten behelligt. Die Aussperrung macht sich jedoch in der ganzen Stadt bereits empfindlich bemerkbar. Die Morgen- und Abendzüge, die sonst tausende von Arbeitern brachten oder Mitnahmen, sind leer. Viele Züge fahren nur mit einem Bruchteil her sonst üblichen Achsenzahl. Besonders schwer leiden die Geschäfte unter den Folgen der Aussperrung. Die Stadt wird zur Unterstützung her erwerbslos gewordenen Arbeiter vorerst 100000 Mark bereitstellen. Während bet Aussperrung dürfen auch keine öffentlichen noch privaten Lustbarkeiten statlsinven.
= Dillenburg. Auf dem durch feine gefährlichen Kurven berüchtigten Allendorfer Berg versagte die Steuerung eines Kölner Autos und raste in immer schnellerer Fahrt den Berg hinab. Er rannte schließlich gegen eine Steinmauer, durchbrach diese und blieb dann an einer Telegraphenstange hängen. Der Führer trug schwere Ouet Hungen, der Fahrgast einen Beinbruch davon.
Rund um die Woche.
Sturm um Locarno. — Ein Scharsrichtertaris. — Die Menschenbestie — Ein wundertätiger Bries.