Anzeiger für die Stobt und ben Kreis Fulda.
fir. 245.
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Freitag, 23. Oktober 1925.
Amtliches kreisblatl.
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52. Zahrg.
Luther mü Aresemann oertckige« Locarno.
Das Urteil der Zentrumspartei über die Lage. — Vie Ministerpräsidenten. Die Deutschnationalen lehnen ab?
In Berlin herrscht jetzt wieder reges politisches Leben, lieber die Besprechung d er 91h e 1 n ° lander mit der Regierung und mit dem Reichspräsidenten wurde hier schon berichtet, lieber ue am Mittwoch abgehaltene Besprechung der Ministerpräsidenten der deutschen Länder wird halbamtlich mitgeteilt: »Nach der Berichterstattung durch den Reichskanzler und den Reichsminister des Auswärtigen fand em eingehender Gedankenaustausch über die mit dem Werk von Locarno zusammenhängenden Fragen statt. Insbesondere wurden die für die besetzten Gebiete zu erwartenden Rückwirkungen ausführlich erörtert. Die Erschienenen sprachen den deutschen Delegierten für die im Interesse der Sicherung des Weltfriedens und der Verständigung der Völker in Locarno getätigten Arbeiten ihren Dank aus, gaben jedoch übereinstimmend der Ueberzeugung Ausdruck, daß das Vertragswerk erst dann als endgültig abgeschlossen angesehen werden könne, wenn insbesondere in den besetzten Gebieten Maßnahmen erfolgten, die dem verkündeten Geist des Friedens entsprächen und den berechtigten Erwartungen des deutschen Volkes Rechnung trügen."
Am Donnerstag berät der Auswärtige Ausschuß des Reichstages.
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Die Zentrumsfraktion beabsichtigt, wie wir hören, nicht die Einberufung einer besonderen Fraktionssitzung, um zu den Abmachungen von Locarno Stellung zu nehmen. Die ursprünglich in Aussicht genommenen Dispositionen, die dahingingen, daß Anfang November, etwa am 4. oder 5. eine Fraktionssitzung im Reichstagsgebäude in Berlin stattfinden soll, werden deshalb eingehalten werden können. In zentrumsparlamentari- f ch e n Kreisen hält man es für richtig, daß zunächst einmal die Regierung die ihr erforderlich scheinende Fühlungnahme und Orientierung, namentlich auch im Auswärtigen Ausschuß, vollzieh!. Die Linie der Zentrumspolitik ist so klar vorgezeichnet, daß es unnötig erscheint, überhaupt noch in Auseinandersetzungen darüber einzutreten. Was in Locarno geschehen ist, bewegt sich durchaus in der von der Zentrumspartei feit Jahren geführten außenpolitischen Linie, die auf eine Verständi - g u n g als Grundlage für den europäischen Frieden hinzielte. Das schließt natürlich nicht aus, daß auch die Zentrumspartei die Abmachungen von Locarno sehr eingehend, namentlich auch in bezug auf die Rückwirkungen für die besetzten Gebiete nachprüfen wird, ehe sie zu einer endgültigen Stellungnahme kommt. In der Zentrumspartei ist man aber auch der Auffassung, daß diese Dinge erst ausreifen müssen, und daß es unangebracht wäre, eine politische Entscheidung in diesen Fragen irgendwie zu überstürzen.
Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volksparte ist auf Dienstag, den 27. d. Mts., zur Beratung des Vertrags von Locarno einberufen worden.
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< Aus Berlin wird mitgeteilt:
Don deutfchnationaler Seite wird offensichtlich der Versuch gemacht, die Entscheidung über die letzte Entschließung von Locarno förmlich davon abhängig zu machen, was die Deutschnatio- nalen beschließen. So heißt es im deutschnationalen „Lüg": „Es ist anzunehmen, daß.....die
^Fraktionsberatungen der Deutschnationalen auf die -weiteren Entschließungen des Kabinetts von Einfluß find."
Gegen die Anmaßung, die daraus spricht, muß mit aller Entschiedenheit und rechtzeitig Stellung genommen werden. Das sieht ja gerade so aus, als wenn die Vereinbarungen von Locarno unter die Spezialaufsicht der Deutschnationalen gestellt werden müßten, von deren Gnade oder Ungnade es dann abhängt, ob sie angenommen werden oder nicht. Man muß den Deutschnationalen recht deutlich zu Gemüte führen, daß sie hier keine andere Einwirkungsmöglichkeiten haben, als die, die jeder anderen Partei des Reichstages zustcht. Die Regierung, die den Vertrag von Locarno zustandebrachte, ist eine maßgeblich von dcn Deutschnationalen beherrschende Regierung, in welcher vier der Deutschnationalen Panei nahestehende oder ihr direkt zugehörende Minister sieb befinden. Die Deutschnationalen sind zudem die stärk st e Regierungspartei und haben demgegenüber auch ein entsprechende Verantwortung zu übernehmen, die ihnen diesmal ganz bestimmt nicht abgenommen wird. Sie werden sich klar und deutlich mitJa oderNei n entscheiden müssen und es wird ihnen nicht mehr erlaubt werden, wie damals bei dem Dawesobkommen, wo sie es bis zum letzten Augenblick verstanden, ihre cno- gültige Stellungnahme zu verschleiern. Es wird sich keine Partei, auch keine andere Regierungs- cder hinter der Regierung stehende Partei bereit» finden zu einer endgültigen Entschließung, bevor nicht die Deutschnationalen als stärkste Regierungspartei, nachdem sie bisher alles darauf angelegt haben, sich die Vorteile dieser Position zu verschaffen, sich auch eindeutig über ihre Stellungnahme erklärt haben.
Aber gerade darum muß auch mit aller Entschiedenheit dagegen Einspruch erhoben werden, wenn letzt von deutschnationaler Seite so getan wird, als
läge es an ihrem Stirnrunzeln, ob das Kabinett den Vertrag annähme ober nicht.
Im übrigen kann man jetzt schon bemerken, daß die Deutschnationalen ihre Taktik umstellen, so zwar, daß sie geradezu damit brüsten, daß es eine von ihnen beeinflußte Regierung sei, die dieses Werk von Locarno zustanbegebracht hat. Man braucht ja nur darauf hinzuweisen, daß gerade die Deutschnationalen sich alle Mühe gegeben haben, um die Politik, die in Locarno, nachdem sie von > Zentrumsregierungen und Zentrumskanzlern unter • schwersten Bekämpfungen gerade von deutschnaiio- naler Seite vorbereitet wurde, zu sabotieren. Im übrigen freuen wir uns über jeden Sünder, der Buße tut, und besonders darüber, daß die Deutschnationalen jetzt die gleiche, viel geschmähte Verständigungsvolitik betreiben wollen, die sie uns lange Zeit als Vaterlandsverrat angekreidet haben und die so manchen unter uns tatsächlich und moralisch zur Strecke gebracht hat.
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Wie die „Deutsche Tageszeitung" mitteilt, kam am Mittwoch die deutschnationale Reichstagsfraktion bei ihren Beratungen über bas Ergebnis non Locarno zu einem Beschluß, der in dem am Donnerstag um 10 Uhr vormittags zufcimmentretenden Auswärtigen Ausschuß des Reichstags bekannt- gegeben werden soll. Wie das Blatt bemerkt, entspircht der Beschluß der bekannten grundsätzlichen Stellungnahme der Partei.
Siehe Neuestes!
Vorbereitungen zur Unterzeichnung.
„Evening Standard" zufolge werden bei der formellen Unterzeichnung des Paktes von Locarno in London alle alliierten und die deutschen Vertreter und Sachverständigen, die an der Konferenz von Locarno teilgenommen haben, anwesend fein.
Englischer Lobredner Deutschlands.
Aus Landon wird gemeldet:
Lord Parmoor betonte in einer Rede vor der League of Nations der Union in Chelmsford, daß Deutschland der eigentliche Urheber her ne neu 21 e r a der internationalen Freundschaft sei. Er sagte: Der Hauptfaktor, der die Zukunft des Völkerbundes unmittelbar berührt, ist zweifellos der Pakt von Locarno. Ich habe keinerlei Wunsch, eine kritische Haltung einzunehmen. Die vereinbarten Bedingungen scheinen den überragenden Einfluß des Völkerbundes in internationalen Angelegenheiten anzuerkennen und in Uebereinftimmung mit der in den Sitzungen der Völkerbundsversammlung »on 1924=25 ausgedrückten Völkerbundspolitik zu sein. Wenn der Pakt angenommen ist und Deutschland in den Völkerbund mit den vollen Rechten eintritt, so wird dies ein bemerkenswertes Ereignis in der Geschichte des Völkerbundes fein. Keine Aktion kann wirksamer fein, sowohl als für die Stabilisierung der Autorität des Völkerbundes, als auch für die Vermehrung feines Einflusses als Förderer und Wächter eines Weltfriedens. Der Eintritt Deutschlands wird zeigen, daß die Zeit gekommen ist, wo verfluch fr »5 Kriegesvergeben und vergessen roerben soll. Soweit ich in der Lage gewesen bin, d>e Bestimmungen des Paktes zu prüfen, erfüllen sie die in der Völkerbundsverfamm- lung in Genf mitgcteilten Bedingungen und haben die Völkerbundspolitik sowohl des Jahres 1924 als auch 1925 in ein weiteres Stadium gebracht. Lord Parmoor schloß: Der Pakt scheint nichts zu enthalten, wogegen der Völkerbund einen Einwand erheben sollte und er besteht in einer Völkerbunds- yolitik, die alle Freunde des Bundes nach der Ratifizierung unterstützen können.
Nachlese in Locarno.
Unter diesem Titel finden wir viele Glossen in der „Germania", von denen wir folgende vermerken möchten:
Eine Anekdote: Als Staatssekretär Kempner aus Berlin nach Locarno zurückgekehrt war, erzählte man sich in der Halle des Hotels Esplanade, Reichs- Präsident von Hindenburg stimme dem Pakt zu, er werde ihn aber nicht mit seinem Namen zeichnen, sondern mit der Nummer, die er in der Auslieferungsliste unserer Kriegsgegner führe.
Als die Persönlichen Entrevuen zwischen Luther und Briand, Otrefemann und Chamberlain, von Schubert und Vandervelde, Gaus und den Juristen, Kiep und den anderen Pressechefs, Luther und Mussolini u. s. f. sich häuften, hieß cs in Locarno schließlich: Ter Pakt werde endgültig unterzeichnet werden, wenn auch - och eine persönliche Zusammenkunft staltgefunden habe zwischen Luther und Stresemann.
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Beobachter aller Nationen stimmen darin überein, daß nach den zahlreichen Zusammenkünften, Banketten und privaten Essen, Ausflügen und Bootsfahrten, gemeinsamen photographischen Aufnahmen, Reden und Scherzen zwischen den Ministern, Diplo- maten, Juristen, Politikern und Journalisten der ehemals feindlichen Völker ein Fortbestand der psychischen Atmosphäre, die seit 1914 ge« herrscht hat, eine Unmöglichkeit sei. Tie in Locarno vollzogene menschliche Annäherung ist mehr als ein Shmp.'om für das bisher Erreichte, sie ist ein weiterer großer Schritt vorwärts.
Entwaffnung und Kölner Zone.
Bekanntlich soll die von der Entente auf Grund des Versailler Vertrags lediglich mit der Entwaffnungsfrage in Verbindung gefetzte Frage der Räumung von Köln aus der mit Locarno in Verbindung stehenden Fragen f ö r m l ich herausgehalten werden, lieber den Stand der Räumungsfrage bringen Berliner Blätter jetzt Meldungen, wonach die deutsche Regierung in Kürze die letzte Entwaff- nungsnote der Botschafterkonferenz beantwor- t e n wird. Gleichzeitig oder kurz darauf werde der Bericht der interalliierten Militärkon- troHfommiffion an die Botschafterkonferenz erstattet werden. Die Kabinette in London, Brüssel und Paris werden sich bann mit den beiden an die Botschafterkonferenz adressierten Dokumenten beschäftigen, und es sei, wie das „Berl. Tageblatt" schreibt, zu erwarten, daß die Beschlüsse entsprechend der von Chamberlain in Locarno übernommenen moralischen Bürgschaft für eine entgegenkomm end e und befriedigen de Lösung ausfallen werden. Der Botschasterkonfe- renz würde dann die Rolle zufallen, Deutschland von der getroffenen Entscheidung zu unterrichten. Die lange verzögerte Räumung der Kölner Zone könne dann zum't e ch ni s ch frühest möglichen Termin erfolgen.
Konferenz über -re deutsche Entwaffnung.
Im Verlaufe einer Konferenz, die unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Painleve in Anwesenheit des Außenministers Briand, des fron» Sen Delegierten bei der Rheinlandkommission
d, des Gencralstabschefs der französischen Armee General Debeney, des Befehlshabers^ der französischen Besatzungstruppen General Guillau- mat, des Generalstabschefs des Marschalls Foch General Desticker und des Chefs des Militärkabinetts im Kriegsministerium stattfand, wurden, wie Havas meldet, die B e r i ch t e der M i l i t ä r k o n -- trollkommission und der Stand der Erfüllung der Entwaffnungsbestimmungen, wie sie die Botschafterkonferenz ausgestellt hat, geprüft. Es ist festgestellt worden, daß die deutsche Regierung in einer gewissen Anzahl von Punkten, insbesondere was die Zerstörung von Kriegsmaterialien und Werkzeugen betrifft, befriedigende Maßnahmen getroffen hat.___________________
* Der ungarische Unterrichtsminister Graf Kleesberg weilte in Berlin und nahm bei verschiedenen Ehrungen Gelegenheit, seine herzlichen Gefühle für Deutschland zum Ausdruck zu bringen.
* Im preußischen Landtag, in dem die Beratung des Justizetats fotgeführt wird, findet am Donnerstag die Abstimmung über die Mißtrauens- a'nträge gegen ©ebering und über die Gehaltstitel des Haushalts des Innern statt.
Der Auswärtige Ausschuß.
VDZ Berlin, 22. Off. ((Eifl. Rundf.-Meld. 3m Reichstag fraf heute vormittag um halb 11 Uhr der Auswärtige Ausschuß unter dem Dor- sih des Abgeordneten h er g t zusammen. Don der Reichsregierung waren mit dem Reichskanzler auch sämtliche Minister, mit Ausnahme des Reichswehr- mipisters Geßler, schon zu Beginn der Sitzung erschienen. Der Reichsaußenminister war begleitet von Staatssekretär von Schubert und Ministerialdirektor Dr. Gaus. Außerdem waren zahlreiche andere Vertreter der einzelnen Restarts zugegen. Mit dem preußischen Ministerpräsidenten Braun waren auch viele andere Vertreter der Länder aus dem Reichsrat vertreten. ,Die Sitzung wurde mit den Darlegungen des Reichsaußenministers übe' den Vertrag von Locarno eröffnet.
Polen und die Optanten.
Das „Berliner Tageblatt" will erfahren haben, daß Reichsaußenminister Dr. Stresemann am Mittwoch eine längere Besprechung mit dem polnischen Gesandten in Berlin über die Frage der Optantenausweisungen gehabt habe, in deren Verlauf Dr. Stretemann betont habe, daß Polen keinen stärkeren Beweis seines Friedenswillens geben und nicht besser dem Geist von Locarno entsprechen könne, wenn es der juristisch vielleicht berechtigten, aber moralisch nicht zurechtfertigenden Ausweisungspolitik ein Ende mache.
* Unterschlagungen bei der Germaniawerft. Bei der Kruppschen Germaniawerft in Kiel sind große Unterschlagungen entdeckt worden, in die eine Anzahl von Angestellten verwickelt sind. Bisher wurden neun Verhaftungen vorgenommen. Ueber den Umfang der Veruntreuungen war noch nichts zu erfahren.
wirtschaftliche Nampfbewegungen.
— Das Berliner hochbalmpersonal lehnt einen Schiedsspruch ab Tas Fahrpersonal bet Berliner Hoch, und Untergrundbahn lehnte am Mittwoch in einer Urabstimmung mit überwältigender Mehrheit den Schiedsspruch ab, der die Giltigkeitsdauer des Manteltarifs um ein Jahr verlängert.
— Drohender Konflikt in der chemischen Industrie. Die Lohnverhandlungen in der chemischen Industrie in der Provinz Hessen»Naffau und im Freistaat Hessen sind gescheitert. Die Gewerkschaften beabsichtigen, Kampfmatznahmen zu ergreifen. Wie die „Volksstimme' meldet, hat Die Tarifkommission der Arbeitnehmer beschloffen, noch im Laufe dieser Woche in einigen Betrieben die Arbeit niederzulegen und je nach Lage der Sache das Kampfgebiet zu erweitern.
Aus den Wetterwinkeln der Weltpolitik
Erklärungen painlevös über die Operationen in Marokko und Syrien.
Der französische Ministerpräsident Painleve. hat, dem vor acht Tagen ausgesprochenen Wunsche nachkommend, vor der Finanzkommission der französischen Kammer und in Anwesenheit des Vorsitzenden der Heereskommission der Kammer Aufklärungen über die Operationen in Marokko und Syrien gegeben. Das amtliche Kommunique erwähnt, daß Painleve erklärt habe, er werde beim Wiederzusammentritt der Kammer Zusatzkredite anfordern, um die durch Dekret während der Parlamentsferien eröffneten Kredite für Marokko und Syrien auszugleichen. Im übrigen führt das amtliche Kommunique die Tatsache an, daß der Ministerpräsident über die Zahl der in Marokko und in Syrien eingesetzten Truppen, über ihre Verluste und über die gemachten Ausgaben Bericht erstattet hat, ohne daß das amtliche Kommunique Ziffern nennt. Havas jedoch erfährt, daß die Zahl der im Laufe der Marokkooperationen Getöteten sich auf 1285 beläuft, darunter 8 Offiziere und etwa 300 französische Soldaten aus der Heimat. Die Zahl der Verwundeten beläuft sich auf 5306, darunter 160 Offiziere und 1330 französische Soldaten aus der Heimat. Außerdem beziffern sich die Verluste in der Zeit der großen Operationen, also vom 1. August bis 15. Oktober auf 891 Tote .darunter 31 Offiziere und 293 französische Soldaten aus der Heimat und 2991 Verwundete. Unter der Rubrik „französische Soldaten aus der Heimat" sind auch die Verluste der Fremdenlegion aufgeführt.
In Syrien hatten die Franzosen in den ersten sechs Monaten des Jahres 1925 39 Tote und in der Zeit vom 1. Juli bis 1. Oktober 585 Tote zu verzeichnen gehabt.
Die Gesamtausgaben für Marokko sollen sich auf ungefähr 950 Millionen Franks belaufen. Die Ausgaben für die Ausübung des französischen Mandats über Syrien, die sich vom Jahre 1920 bis zum Jahre 1924 auf 2162 Millionen beliefert, sollen für die Zeit vom 1. Juli 24 bis 1. Juli 1925 197 Millionen betragen. Die für militärische Ausgaben für die Zeit vom 1. Juli 1925 bis 31. Dezember 1925 vorgesehenen Kredite betragen 106, die für die zivilen Ausgaben in der gleichen Periode vorgesehenen Kredite 17 0 Mill. Franks. Alle diese Ziffern werden als nicht offiziell und abänderlich bezeichnet.
Line neue spanische Offensive?
Der Korrespondent des „Temps" in Madrid berichtet, die Zeitung „A. B. C." kündige in einer offiziösen Mitteilung Operationen in großem Umfange an, die unverzüglich in Marokko beginnen würden. Es werde sich darum handeln, den Frontabschnitt
von Ajdir mit der Front von Melilla zu verbinden, was durch die Besetzung des Kap Quilates und der Küste von Tensauman, das an der Sidi Aris liege, geschehen werde. Außerdem werde die spanische Armee während des Winters nicht in Ruhestellungen gehen. General Sanjurjen werde diesen Plan durchführen, da General Primo de Rivera Ende des Monats sogleich nach der Proklamation des neuen Kalifen Muley Hoffan Marokko verlassen werde. General Primo de Rivera habe kürzlich erklärt, man dürfe Marokko nicht aufgeben. Das sei nicht mehr möglich, den ein Rückzug würde zu viel Blut kosten.
Der neue Generalresident von Marokko.
Der neue Generalresident vos Marokko, Steeg, hat hat sich an Bord eines Torpedobootszerstö-ers, begeben, der ihn an Bord des Kreuzers „Voltaire" brachte, mit dem Steeg sich nach Casablanca begebe» wird.
Die Lage in Aegypten.
Wie Reuter aus Kairo meldet, macht sich gleichzeitig mit der erfolgten Ankunft des britischen Oberkommissars ein Zunehmen der politischen Bewegungen bemerkbar. Der Führer der Rationa- lfftenpartei habe erklärt, ein englisch-ägyptisches Einvernehmen sei unmöglich, solange noch nicht der letzte britische Soldat Aegypten verlassen habe.
Auf Ersuchen des amerikanischen Konsuls in Beirut wurde zwei Zerstörern der Auftrag erteilt, sich nach Alexandrien zu begeben, um den Schutz des amerikanischen Lebens und Eigentums gegen die Angriffe der syrischen Aufftändischen zu übernehmen.
China.
Wie Reuter aus Peking meldet, haben die Streitkräfte der Gegner Tschangtsolins Suchausu ge- genommen. Die Zahl der abgeschnittenen Truppen Tschangtsolins beläuft sich nur auf einige hundert Mann.
Trotz der Gerüchte über Truppenbewegungen bestehen die Behörden daraus, daß die Tarifkon- f erenz wie geplant am 26. Oktober stattfinden wird.
Valkan.
Griechisches Ultimatum an Bulgarien.
Die griechische Regierung hat aus Anlaß eines Zwischenfalls an der griechisch-bulgarischen Grenze an die bulgarische Regierung ein auf 48 Stunden befristetes Ultimatum gerichtet, in dem sie eine Entschädigung von zwei Millionen Franken, die Uebermittlung einer Erklärung des Bedauerns und die Bestrafung der verantwortlichen Offiziere fordert.