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Sonntag, 18. Oktober 1925
2. Blatt.
^3* Druck der Fuldaer Ackteudruckerel, Fulda.
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Einladung
Eintritt 50 Pfg.
Eintritt 50 Pfg.
Für Schulkinder werden besondere Lichtbildervorträge in den Schulen gehalten, darum wird wegen Raummangel gebeten, Kinder nicht mitzubringen.
Der Geschäftsführer des Volksvereins.
Afrika waren bis jetzt zuverlässige Nachrichten nicht zu erlangen, und die Einwohnerzahl dieser Gebiete konnte deshalb nur schätzungsweise angegeben werden. Nach oberflächlichen Schätzungen betrug die Zahl der Erdbeoölkerung im Jahre 1924 etwa 1 Milliarde 800 Millionen Menschen gegen 1 Milliarde 680 Millionen im Jahre 1910; das beträgt also ein Mehr in 14 Jahren von rund 120 Millionen Menschen, trotz Krieg und Seuchen. Die Bevölkerungszisfer Europas wird auf etwa 450 Millionen Einwohner geschätzt.
* Todesopfer in friedlicher Zeit. Das Statistische Angaben über die verschiedenen U n gl ü ck s f ä l l e, welche im Jahre 1920 in Preußen tödlich verlaufen sind. Man erschrickt geradezu über die große Zahl dieser Fälle. Es waren genau 18006. Unter den Ursachen steht an erster Stelle Ertrinken mit 3966 Fällen, dann folgen Sturz 3377, Ueberfahren 3118, Verbrennen und Verbrühen 1601, Verschütten und Erschlagen 1455, Verletzung durch Maschinen oder elektrischen Strom 626, Erschießen und Explodieren 760, Ersticken 740, Vergiften 296, Schlag und Biß von Tieren 315, Stoß, Schlag und Anprall 26i. Erfrieren 166, Blitzschlag 186, sonstige Ereignisse 1133. Von den durch Sturz verursachten Todesfällen sind 62 auf eine Verunglückung mit dem Fahrrad zurückzuführen. Die meisten Fälle des Ueberfahrenwerdens wurden verursacht 1158 mal durch die Eisenbahn, 1042 mal durch Fuhrwerke, 465 mal durch Kraftwagen, 243 mal durch Straßenbahnen, 123 mal durch Feldbahnen, 11 mal durch Pflug oder Walze, 70 mal auf unbekannte Weise. Durch den elektrischen Strom verunglückten tödlich 183 Personen, durch Pilzvergiftungen 186. Bedenkt man, daß die Angaben sich nur auf Preußen erstreckten, so kann man im gleichen Verhältnis die Gesamtzahl für ganz Deutschland auf mindestens 35 000 annnehmen. Und rechnet man hinzu die Zahl der ermordeten Personen — rund 1200 — sowie die Zahl der Selbstmörder, fast 15 000, so kommt eine Gesamtsumme von 51220 heraus. Soviel 1
Präsidenten begeben sich in die Kabine, und in das silberne Band, das die Sonne durch den See zieht und das durch die Scheiben des Raumes glitzert, schneidet die linke Hand Briands mit nachdrücklichen Gesten. Es ist nicht zu verkennen, daß sie so- fort in medias res führt.
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Man hat einen Märtyrer nach Locarno gebracht. Die Geschichte seines Lebens ist voller Leiden. Seine eigene Mutter hat, als sie ihn noch unter dem Herzen trug, versucht, ihn aus dem Leben zu tilgen. Als er heranwuchs, stark im Streben und rein im Wollen, hat man ihm mit Gift und Dolch nachgestellt, weil er die Andern reizte, daß er am Leben war. Mächtige der Erde warfen ihn in Gefängnisse und beluden ihn mit Ketten. Doch er brauchte diese Ketten nicht zu zersprengen — sie fielen von ihm ab und die Tore der Gefängnisse öffneten sich von selbst, um ihm den Weg freizugeben. Denn Gottes Hand war schützend über ihn gehalten, er hatte eine Aufgabe in der Welt zu erfüllen und konnte deshalb nicht sterben, ehe diese Aufgabe vollendet war.
Das war heute ein übler Tag. Es kam auch eines zum andern, wie auf Bestellung. Oben auf dem Zimmer lösten sich die Tapeten von der Wand, trotzdem sie erst vor wenigen Wochen dort angeklebt worden sind, meine Uhr steht wieder einmal, trotzdem sie doch noch kürzlich beim Uhrmacher war, die elektrische Klingel funktioniert nicht — und nun fällt auch noch in dem schön gestrichenen Eßzimmer die Farbe ab, die vor fünf Wochen darangestrichen. Luderei! murmele ich leise zwischen den Zähnen. Wahrhaftig, so sagte mir neulich ein Engländer, der früher ein großer Lobredner Deutschlands war, das ist nicht mehr ihr altes Vaterland. Haben wir wirklich aufgehört, Männer der Pflicht zu sein? Glauben wir wirklich, es könne irgendeine der großen Weltkonferenzen etwas nützen, wenn wir nicht jeder in feinem Haus einmal eine kleine Konferenz berufen, wo wir überlegen, wie alles wieder ordnungsgemäß und im Frieden sauber gearbeitet wird? Unsere Jugend geht nicht mehr durch die Militärschule. So lernt sie nicht mehr jenen Schneid und jene Ordnung, die man früher an uns rühmte. Ich bin kein Militarist, aber wo kein Schneid ist und keine Disziplin, da fühle ich mich nicht wohl. Lieber so ein strammer Bursch und meinetwegen in Uniform, als so ein Marmeladenmensch, der nicht weiß, wo er seine dummen Gliedmaßen läßt und vor allem nickt weiß, was er will und soll. Darum lebe der edle Sport. Es ist wenigstens ein geringer Ersatz für fehlende Erziehung. Nm- darf's keine Svielerei werden. Es muß sozusagen ein ethischer Zug in der Sache sein.
Oft scheint es mir, daß man heute den Deutschen zu etwas macken will, was er von Haus nicht ist. Ich bin kein Rassefanatiker, aber darum habe ich doch Achtung vor deutscker Art. Lasten wir den Engländern ihre Frechheit, den Polen ihren Schlendrian, den Franzosen ihre Eleganz. Wir sind ein Volk der nüchternen Arbeit und des maßvollen Vergnügens. Was soll uns all das, was man uns zurzeit in Deutschlands Hauptstadt vorführt? Ich lese da in irgendeiner Zeitung langatmige Schilderungen. Es war wohl im Admiralspalast. Und ich lese: „Was hier in knapp zehn Minuten an Kostümpracht erscheint, reicht für einen ganzen Abend Provinzbühne. Und dann das Unerhörte. Heber eine breite Riesentreppe kommen in Kostümen von beispiellosem Glanz nacheinander: die Türme des Kreml mit dem russischen Ballett der Eugenie Eduar- dowa, Buddhas Heiligtum mit Sera Achmed, einer schlanken Javanerin, die Gärten der Messalina mit der schönen Endja Mogoul aus Paris, der Park von Schönbrunn, in dem die eigenartige Wienerin Cläre Bauroff tanzt, ferner die Perle des Nils mit den prachtvollen Russen Kniaseff und Drosdorff, die Alhambra mit einer Schlangentänzerin, endlich der Kölner Karneval. Zum Schluß ist die ganze Bühne ein unübersehbares Meer von Farben, Schimmer, kostbaren Stoffen, den schönsten Frauen . . . Ich setze aus dem folgenden nur noch Stichworte hierher: Riesenschlange von 54 Balletmädchen . . . Olympische Spiele. . . Marie Geburtslagstisch mit Konfekten, Strümpfen, Handschuhen, 'Schirmen, Handtaschen, Kämmen, Schals, Hüten, Parfüms, Pelzen, Blumensträußen . . . Parade der Lurus- schirme . . . Grotesktänze. Hellbraune Schwestern • • • Die dralle Lotte . . ." Ist Berlin denn verrückt? Will man sich lustig machen über die Armen im nördlichen Viertel? Oder ist das eine Parodie auf den Preissturz?
Man meint, etwas zu erleben, wenn man bei ber- äleicken dabei ist. Und doch wie kulturell unfruck' bar ist die Sensation! All das ist nur Oberflö uhd Rausch. Es ist unproduktivster Gebrauch der kostbar gewordenen Güter. Reinste Passiva! Und wenn die Sonnen der Tausende von Birnen noch so magisch darüber leuchten, sie gleichen dem Strahle der Herbstsonne, die freilich auch vergoldet, aber — welkes Laub.....Es scheint erst setzt die Stunde
gekommen, wo der Materialismus des Lebens die letzte Scham verliert. Der Arbeitslose rechnet mit feinen Paar Pfennigen, der kleine Beamte sucht die Schränke ab na ch abgetragenem Zeug für den Nachwuchs, der bedrängte Kaufmann schreibt sich die Finger lahm um Kredite, der blasse Hunger geht um, und diese Schmarotzer tanzen und jubeln! Diese
Lustindustrie, kann es etwas Unmoralischeres geben! Lebt sie nicht von den Bedürfnissen, die sie selber hervorruft? Braucht sie nicht gerade die Erregung der Genußsucht für ihr unsauberes Geschäft? Und füllt sie nicht ihren Bauch mit den Abgaben des Wahnsinns eines toll gemachten Volkes? Wer hilft da noch in so grauenhafter Lage?
Eine Geschichte habe ich gehört in diesen Tagen, die mich im Tiefsten ergriffen hat. Habt einen Augenblick Geduld, sie ist ja nicht lang. Wenn's zu ernst ist für eine leichte Plauderei, so könnt ihr ja auch hier schon Schluß machen, denn nachdem ich diese Geschichte erzählt habe, will ich kein Wörtchen mehr hinzufügen. Ich werde nicht sagen, daß diese heroischen Seelen vielleicht unvernünftig handelten. Ich will alle diese menschlichen Maßstäbchen beiseite lassen, denn es handelt sich um etwas, das mich einfach überwältigt hat. Irgendwo in dm Tiroler Bergen, die man den Welschen geschenkt, trotzdem echte Deutsche sie bewohnen, liegt auf hohem Fels ein einsames Kloster. Der Wanderer, der da hinauf klimmt, immer höher über den unten rauschenden Bergstrom hin, sieht es bald als ein altes Raubritternest, bald als eine Art Palast, bald als eine moderne Festung. Es ist aber ein Kloster deutscher Benediktinerinnen. Aus den ^dünn mit Erdreich bedeckten Flächen der Abhänge sind Laienschwestern an schwerer Feldarbeit. Dort wächst ein bißchen Mais, Weizen und Feldfrüchte. Aber welche Arbeit kostet es, dem harten winterlichen Klima der Höhe dies abzulocken? Und was tun die da oben? Sie opfern und befen und leben von der Armut. Mehr oder weniger krank sind sie alle, denn die Gaben finden nicht reichlich genug ihren Weg dorthin. Aber du siehst sie immer nur lächeln. Klagen kenni man dort nicht. Oeffnest du die Tore auch nach so weit, von diesen Täublein Gottes wird keines fori- fliegen. Wenn der Abend über die Firsten steigt, dann rauschen sie leise durch die finsteren Gänge. Licht gibt es nicht, außer daß eine Petroleumlampe oder zwei im Chor brennen, die eine oder andere vielleicht noch in irgendwelchen gemeinsamen Räumen. Eine jede Schwester geht mit ihrer Laterne durch diese ungeheure Einsamkeit, in der das Schweigen der Berge noch übertroffen wird von dem stummen gottinnigen Wesen der Menschen. Da oben haben sie den Krieg überdauert und den schmachvollen Frieden. Es ist, als dränge das alles nickt hinauf zu ihnen. Wie die Gipfel der Hochalpen nicht berührt werden dadurch, ob sie nun in deutscher ober in welscher Erde schlummern, so auch nicht diese in die Ueberzeitlichkeit erhobenen Seelen. Sie leiden am Ende darunter, aber sie verraten es nicht. Gewiß treten dort arme Mägdlein ein, aber auch solche, denen die Welt der Täler nichts vorenthalten hätte. Vor einiger Zeit starb da oben eine berühmte Sängerin, die ihr Lied nur noch vor Gott sang, vor dem Gott, der ihr keine Blumen dafür gab und keinen brausenden Beifall, sondern nur Hunger, Not und Armut. Sie ist dort begraben, und niemand von denen weiß darum, die einst ihre Kunst bewundert. Vielleicht blüht ein Edelweiß auf ihrem Grabe. Ich weiß es nicht. Wortlos stehe ich vor der Erscheinung dieses Berges. Es umweht mich etwas, was über den Menschen kommt am Strande des Meeres und im Eise der Gletscher. Alle Bewegung scheint hier ausgenommen in ein wunderbares gött- Uches Sein. So hoch ragt menschlicher Heroismus!
Ich will die Zeit nicht anklagen, in der es dergleichen noch gibt . . . Ich will niemals mehr klagen, nicht über Sturm und Wetter, nicht über Winterkälte und Dunkelheit, nicht über Krankheit und Einsamkeit, niemals mehr klagen, solange jene zarten Seelen da oben weilen und lächelnd beten vor dem Geheimnis ihrer Liebe ... Nur das weiß ich, wenn uns wieder Rettung kommen soll, bann kommt sie von solchen Höhen. Ja, und auch bas weiß ich, wenn sich die Vulkane der Tiefe nicht öffnen und ihre glühende Lava über die Venusberge unserer Großstädte schicken, dann ist es jener büßenden und betenden Gemeinde wegen, die Gottes Hand auf den Bergen hemmt, wo sie zürnend auf die j Crbe niederfallen will . . . Stille nun, ich höre im Seifte das Glöcklein klingen, und in tiefer Nackt schreiten sie zum Chor. Stille nun: lieber die Derae schwingt ihr Psalmenlied ....
DerMannimMonde.
Opfer fordert gewaltsam der Tod in friedlicher Zeit in ganz Deutschland!
* Eine orginelle Zeikungsreklame. Eine Berliner Tageszeitung, die mittags erscheint, ist auf em eigenartiges Mittel gekommen, ihren Absatz zu fördern. Ein Angestellter ging an 3 Tagen durch die Stabt unb gab bei Einkäufen auch einen Fünfmarkschein aus. Die Nummer bieses Scheines wurde jeweils am nächsten Tage in der Zeitung veröffentlicht und für Wieber-Herbeschaffung des betr. Scheines eine Prämie von 100 Reichsmark ausgesetzt. Natürlich kauften unendlich viele die Zeitung, um zu erfahren, welche Nummer gesucht wurde. Die Idee ist jedenfalls nicht übel und hat zu einem Erfolg geführt. Zumindest hat sie die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Zeitung gelenkt.
* 3n der Tschechoslowakei gibt es 131 Tageszeitungen, von denen die Mehrzahl, nämlich 67, in deutscher und nur 49 in tschechischer Sprocke erscheinen. Die übrigen sind madjarisch, ruthenisch unb polnisch. Auch von ben übrigen 2060 Zeitungen unb Zeitschriften, bie wöchentlich 1 bis 3 mal herauskommen, erscheint bie Mehrzahl in deutscher Sprache.
* Ein Hotel für Lanobeiniae. In einem New- Aorker Molkenkratzer-tzotel ist kürzlich ba$ 22. Stock- werk b?s Riesenbaues ausschließlich für langbeinige Gäste beiderlei Geschlechts e noerichtet worden. In Amerika ist es Sitte, daß Hotelbetten nicht länger als 1,75 Meter zu sein brauchen. Für viele Reisende ist aber ein größeres Bett erforderlich. Dem wurde nun Rechnung getragen.
Dies ist durchaus nicht eine symbolische Darstellung der Geschicke Deutschlands. Es ist die Geschichte eines Heiligen, der in der Chiesa Nuova zu Locarno seinen ewigen Schlaf schläft. Mer dieser Heilige San Germano!
Vermischtes.
* Wieviel Menschen gibt es? Seit dem Kriege ist man völlig im unklaren darüber, wieviel Einwohner eigentlich die Erde gegenwärtig hat. Vor dem Kriege wurden verschiedentlich Versuck-c angestellt, bie Bevölkerungsziffer ber Erde möglichst annäherend festzustellen. Eine genaue Schätzung war aber noch nicht möglich, weil gerade in Ge- bieten, bie besonders große Einwohnerzifjern auf- weisen, eine zuverlässige Statistik unmöglich war. Besonders aus China, Indien und Teilen von
Nach einer Weile rattert ein Auto heran. Eil- ?rtig entsteigen ihm zwei Herren, bie man bis auf /!e etwas stark gelichteten Scheitel als wohlkonfer- tert bezeichnen kann. Sie erklettern das Schiff unb färben mit großer Herzlichkeit begrüßt. Man drückt ick die Hände, das feine kluge Gelehrtengesicht u t Hers trägt eine neue Note in den Kreis dieser -"uchtgewaltigen Männer. DerAndere istStrefe - mann. —
Pnh3)ien-"9ior d'Arancio" setzt sich in Bewegung.
Cbambertain sucht im Kreise der Polen und ^Ichechen einen Platz an der Sonne, die Minister-
Bilder aus Locarno.
Herbst am Lago Maggiore. — Die strebsamen Locarnesen. — Eine historische Doolfahrk. —
Von Carl Bender.
Heber bas blühende Gottesland am Lago Maggiore ist ber Herbst gekommen. Der Taumel früchtereicher Ernte jauchzt aus blauroten Weinbergen, bie satt unb schwer ihre süßen Lasten tragen. In ber Luft hängen, ein unendlicher Frenbenruf, die Lieder der Mädchen, vier oder fünf Töne, von Jodlern wie von Arabesken umkränzt. Von den Sergen aber flammen die Fanale ber letzten heißen Herbstsonne aus ber Glut ber Kastanien und Nußbäume. Mögen südliche Gewächse, Palmen in auf- ° strebender Schlankheit, sinnverwirrende Häupter von Riesenblumen, schwarz verschleierte regungslose Zypressen vor weißen edlen Häusern — mögen sie nach so köstliche Märchen erzählen von den heißen Zonen, nach denen immer die Sehnsucht des Deutschen geht, sie täuschen doch nicht darüber hinweg, daß ber Winter kommen will. Der leichte Verwesungsgeruch, ber über dem Lanbe schwebt, bleibt doch bas Stärkste.
Zweierlei Dinge, außer ber Freude am Lachen, sind dem Tessiner ins Herz gewachsen: Die Liede zur Madonna und dis Freude an ber Politik. Sie nennen selbst ihre Heimat das Land der Madonna. Unzählige Stätten finden sich, an denen sich einst göttliche Wunder begeben haben. Da ist bie Madonna einem armen frommen Bauernmädchen ober einem Mönch, der sich in Askese verzehrte, erschienen. Dort rannen plötzlich heiße Tränen aus den Augen eines Marienbildes, weil ein Mädchen mit unreinem Herzen vor es trat. Dort gar erschien bas Antlitz der Gottesmutter auf einem Bilbe am Wege blutüberströmt, als ein Bursche im Zorn bar- über, baß er im Bocciaspiel nicht gewann, seine Kugel mitten in bas Gesicht ber Mutter Gottes warf. Und alle diese Orte sind heute noch lebendig im Her- 8en des Volkes. Cs wandert getreulich zu ihnen in allen Nöten des Leibes und ber Seele, gibt sich vertrauensvoll in die Hand der Mutter unb kehrt getröstet unb befreit in seinen Alltag zurück. Eine solche Wallfahrtsstätte, bas Kloster der Madonna del Sasso, erhebt sich kühn auf einem Felsen oberhalb Locarno. Fromme Spenden haben aus dem einst ärmlichen Ort eine prunkvolle Basilica Minor geschaffen; die Sinnesfreube der Barock feiert in der mit Gold überladenen Kirche ein rauschendes Fest, selbst oer Fuß schreitet über blau unb weißen Marmor. Aber wer die Seele des Volkes finden will, der geht an kostbaren Gemälden vorüber zu den kleinen primitiven Votivtafeln, die in der schlichten Sprache des Volkes von gestillten Schmerzen und seltsamen Wimbern erzählen.
Wenn bie Tessiner nicht beten, bann sprechen sie i von ber Politik. Sie halten sich für politisch sehr begabt unb nehmen manchmal auch etwas gemalt- fain die Gefluchte in Anspruch, um dies zu beit eifen. So behaupten bie Bewohner von Jutragna in ber Nähe von Locarno kühn, baß Gambetta aus ihrem Dorfs stamme. Man möchte ihnen dies nicht streitig machen, denn sie haben ein ehrliches Streben narf; oben in sich, was aus ber Tatsache erhellt, baß sie sich mit Vorliebe bem Saminfegerberuf widmen.
Wegen dieser Vorliebe für bie Politik ist Locarno auch so stolz darauf, daß man es als Sitz ber
- cherh^k-konf erenz erwählt hat. Die ..eme Stadt, die doch in schweren Kriegssturmen von langen Jahrhunderten grau geworden ist gebartet sich so aufgeregt wie ein junger Schausv'ieler «or seinem Debüt, lieber allen Fenstern blühen bie Farben der Fahnen, unb bie Locarnesen müssen immer wieder in die Türen rennen, um etwas .Heues M sehen oder zu hören. Autos rasen mit folcfcr Schnelligkeit durch bie Straßen, baß jedem Gendarm mit der Stoppuhr in der Hand das Herz mi Leibe lachen würde. Kinooperateure spähen nach $nr^rCs5 ^geheimnisvoll unb feierlich liegt bas portal des Justizpalastes, in dem bie Delegationen tagen. In bie großen Luxushotels find 'bie m-'t ernster Sachlichkeit unb gutem Willen durchtränkten Juristen-und Diplomatengesichter eingezogen. Sie ff.™ ,d> a; bie fragen, die das heutige Europa zcrqualen, solange zu kneten, bis der neu- ale Teig eines puristischen Fragenkomplexes bar- ®in ^mg ratlos aber steht bie ne Zarte Mabonna hoch über ihnen auf bem Felsen zwischen gotbenen Lichtern — die Seelen jener klugen Menschen aus allen Teilen ber Welt bleiben ihr fremd!
$n b?r Muße des Wartens, die anhebt, springen
em Sf°hbf-rh K5nner 'ns Auge, bie sich auf ™ C^Lb ^?e?‘ F°st alle schwarz, feurig unb
.u W ber elastische Benesch eifrig auf ..^’t^teber der polnischen Delegation ein. Es
aut auf, baß sie eine isolierte Gruppe hüben, unb 25? I01?* sich in Locarno zu, baß bie Polen unb ^djo.SmDaten entgegen bem Wunsch ber anoern letzt schon angereist gekommen sind unb des- iKUlCH vu
sind gedümpstarn Willkommen empfangen wor- | heißt: S
Am Kai des Seeufers liegt unter Dampf, festlick SS bHn"Sif0Jr d' Arancio", ein weißes Boo? eS X? © 9 schiert träge und schläfrig, wie
me satte Katze em untersetzter behäbiger Mann, onn 'st Serpstiigt und zerrissen
von der Leidenschaft eines Lebens, das ber Wille nnmer wieder nach oben getragen hat. Heber bie St-rn fallen wirre Haarbüschel. B r i a n d.
-»tit sparsamen Bewegungen, Lorb in ber ganzen
SIÄV6.' bQS Laufbrett bes Schiffes. Das daß das rt ^mJ° ’,ns T,ed)te Auge hineingewachsen. Mager 2'? e wäre es auch aus Glas.
Brianb "-rbmbltch ragt es über ben kleinen man lick r, lächeln sieht, freut
wemi Gesicht dieses Mannes ist so gut,
Pakt abschlstßen.^"" Wort mit ihm einen
zu dem am Sonntag, den 18. Oktober, abends 8 Uhr im Saale des
BBrgervereins
stattfindenden
liier Mag
„20 Jahre unter Menschenfressern in unserer Kolonie Neupommern“
von Pater Richard Schümm. 200 Lichtbilder eigener Aufnahme.
Rund um die Woche.
Luderei. — Ethischen Sport. — Rassen und deutsche Art. Im Admiralspalast. — Schmarotzer. Ein Wunder in Tirol.
Zeitschriften.
Wirtschaftliche Vierteljahrsheste. Heft 3 — Oktober 1925 —' Verlag Verband KKV, Essen. Freiliarathstr. 8. (Bezugspreis R.M. 3,— Halbs.) Im dritten Heft bringt Geheimrat Prof. Dr. Ludwig Ruhsand wertvolle @e« danken über das noch ungelöste Problem: „Mitbesitz der Arbeitnehmer". Der bekannte Icsuitenpater v. Nell- Breuning tritt auf Grund einer Entschließung des Verbandes KKV in Stuttgart von einer gänzlicb neuen Seite in die Frage des Soziallohnes heran. Eine !n- teresst wirtschaftswissenschaftliche Betrachtung über
die 5, unftsmöglicklleiten des geistigen Deutschlands hat Professt'' Dr. Gral D-genfcld o-stchrieben. Nicht weniger wertvoll sind Aufsätze von Dr. Franz Landmesser, über Arbeit und Ethik und Dr. Alois Bilz über „G^nß-Trusts in Deutschland." Das umfangreiche Heft weist sodann noch Beiträge auf von Dr. Eugen Lonske, Wien, über „das österreichische Problem als Wirtschafts, frage," Hans Greken zur Währungsfrage und Dr. Ri- chard Giesen: „Die Vermischung von Landwirtschaft und Industrie unter dem Gesichtspunkt der Volkswohlfahrt.
Gottesdienftordttun^.
Katholischer Gottesdienst.
Sonntag, 18. Oktober. Zulda. Dom. 1. Beicht. Gelegenheiten: Samstag morgens von ’Jsß Uhr ab, nach, mittags von 2—3 Uhr für Kinder; von 1 »5 Uhr ab für Erwachsene. Sonntag morgens von V26 Uhr ab. 2, Sonntagsnottesdienste: 1/>6, 6, */»7 u. 7 Uhr hh Messen. Vor und nach denselben jedesmal Spendung Ber hl. Kommunion. Um */,7 Uhr in der Marienkapelle Kommunion der Iunafrauen. Um 8 Uhr Pfarramt mit Umgang und Predigt. Nach derselben Spendung der hl. Kommunion. Um ‘/«IO Ubr Kathedralamt mit Predigt. '/.II Chr. f. d. Mnal. V.12 Uhr letzte hl. Messe mit Predigt. V,2 Uhr Andacht zu Ehren des allerheiligsten Altarssakramentes. '-.3 Uhr Versamml. der Jungfr.-Sod. m. Pr., Segen u. Neuaufnahme i. d. Marien'apelle. 4 Uhr Sakraments-Bruderschaft mit Predigt u. Segen. 7 Uhr Nosenkranzandacht mit Segen. 3. Werktagsgottesdienste: */s6, 6, '/?7 und I/.8 Uhr (Pfarrmesse) hl. Messen m. Spendung d. bl. Kommunion. An Montagen und Herz-Iesu-sfreitagen ist während der Pfarrmeffe Aussetzung des Allerheiligsten. Letzte hl. Messe um 9 Uhr, danach Spendung ber hl. Kommunion. An allen Abenden des Nosenkranzmonats abends V,8 Uhr Rosenkranzandacht m. Segen lSonntaas um 7 Uhr). — Stadtpfarrkirche. Beichtgelegenheit: Samstag nachmittag 3—7 Utz'-, 7*/i—8*/i Uhr und Sonntag früh 5Vi—7V» Uhr. öl. Kommunion: 5*/», 6, 6Vs, 7, 7*/i und 8V» Uhr. Gottesdienste: 58/. hl. Messe. 68/. HI. Messe und Kom. d. Jungfr. 8 erster Schulgd., Predigt und Kommunion des 6. Schuljahres. 9V-, Pfarramt u. Pred. 11 zweiter Schulgd. u. Pr. 9V« Chr. der Jüngl. i. d. Severikirche. 2'/- Bruderschaft vom hochwürd. Gut. 3V< Andacht f. d. Iungfrauen-Sod. An sämtlichen Werktagen abends 7'/« Uhr Rosenkranzandacht. — Pfarrkirche zum heiligen Geist. 7 Uhr Frühmesse u. Ansprache, 8 Uhr Hochamt m. Pred., danach Christenlehre, abends V-8 Uhr Rosenkranzandacht; desgleichen die ganze Woche. Beichtgeleaenheit: An den SamZtagcn von Vs4-6 Uhr abends; Sonntags von 61/« bis si41 Uhr; an den Werktagen V« Stunde vor dem Gottesdienst. — Sobalitöt. Morgens VslO Uhr. — Abteikstche ber Btnebihünerinnen. Sonntags 6 Uhr Conventamt, wochentags 3/46 Uhr stille Messe, '/,9 Uhr Conventamt, tätlich nach- mittags um 3 Uhr Vesper. — Kriebhofrstapelle am HranzosenwSldchrn. Sonntag 6Vt Uhr HI. Messe mit Ansprache und Kommunion-Austeilung. Dienstag vor- mittaoS 7 Uhr HI. Meffe m. Kommunion-Austeilung. — Levrrikirche. 7 Uhr hl. Messe. 8 Uhr Oberrealschulgottesdienst. (Jeden Dienstag 4 Uhr Segensandacht) — Herz-Jesu-Heim Vormittags V,9 Uhr Predigt u. Amt, nachmittags 2 Uhr Segensandacht. Werktags V,7 Uhl HI. Meffe. Mittwoch abends 7V« Uhr Seaensandacht. — Frauenberg. 6, V-6, 6, V>7 und 7 Uhr HI. Messen, 8 Uhr Eingmesse mit Predigt und liturgischen Gebeten, 9 Uhr Hochamt mit Predigt, nachmittags 2 Uhr Predigt und Umgang für die ünf-Wunden-Bruderschaft.