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Anzeiger für die Stadt und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.

nr. 235.

BsranNvorlUch !ür die Schritilcuims: ®r- Jobanne» ftramer- « ureise«: I- «mellt«, Sulda. Rotationtvruck und Verlag der

8vldoer tdierfrrrctftfi in palfco. Nernidrelber Nr. 9.

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Sonntag, lL. Oktober I925.

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52. Zahrg.

Das Ringen in Locarno.

Lin sitzungsfreier Tag. — Persönliche Aussprachen der Delegierten. Der Kempf um den Artikel 16. — Reinigung der Atmosphäre.

Der sitzungsfreie Tag am Freitag wurde mit persönlichen Aussprachen einzelner -Leit’« gationsmitglieder untereinander ausgesiillt. So trat Sh um 11 Uhr vormittags Reichsaußenmimster r. ©trefemann mit dem französischen Dele­gationsführer B r i a n d im Palasthotel. Die Un­terredung dauerte über l1/« Stunden. Ferner empfing vormittags Staatssekretär v. Schubert den Besuch des belgischen Außenministers 93an« derv elde im Hotel Esplanade. Eine weitere Besprechung fand statt zwischen dem deutschen Reichsaußenmimster Dr. S t r e s e m a n n und Dr. Bene sch, die jedoch, wie von beiden Seiten er­klärt wird, ganz zufällig zustande gekommen fei und keinen politischen Charakter getragen habe. Weiter melden die Blätter, daß der britische Außen­minister Chamberlain dem Reichskanzler Dr. Luther einen Besuch abgestattet habe, den dieser bald darauf erwidert habe. Bei all diesen Unter­redungen soll der belgische Be r m i t t l u n g s Vor­schlag bezüglich des Art. 16 des Bölkerbunds- statuts eine Rolle gespielt haben und der „Lokal­anzeiger' weiß sogar zu melden, daß die Aussprache zu einer weiteren Klärung des Standpunktes der verschiedenen Konferenzteilnehmer geführt hätten, ohne daß man allerdings bereits von einer lieber- brückung der bestehenden Gegensätze in den Auf- fasiungen sprechen könne. Bandervelde soll am Nachmittag in seiner Unterredung mit dem Staats­sekretär ». Schubert seine Dermittlungsaktion in der Völkerbundsfrage fortgesetzt haben. Die Juri­sten der Konferenz, die gestern den ganzen Tag über berieten, sollen, wie die Blätter melden, zu einer Lösung der ihnen aufgetragenen Aufgaben gekommen sein. Sie werden heute den Delegierten darüber Bericht erstatten. Zu erwähnen ist noch eine Meldung der „Voss. Ztg.", die für S a m s t ag das Ende der Verhandlungen über den W e st p a. k t prophezeit, wenn nicht unvorherge­sehene Ereignisse eintreten. Am Montag sollen dann unter dieser Voraussetzung die Beratungen mit den Außenminister Volens und der Tiche- cho slow äFel begiru»«»Marren.

Ueber die allgemeine Stimmung der Entrevue ein einheitliches Bild zu geben, ist außerordentlich schwierig. Die übereinstimmende Empfindung die im übrigen auch mit dem tatsächlichen Sach­verhalt in diesem Fall weitgehend in Einklang stehen dürfte, geht dahin, daß die Zusammenkunft in diesen Tagen ein sehr wichtiges Stadium durch­macht. Optimistische und pessimistische Auffassungen wechseln in rascher Folge miteinander, während die generelle Tendenz auf Sellen der fremden Sele» gationen vorwiegend hoffnungsvoller ist, als bei der deutschen Delegation. Dieser Optimismus recht­fertigt und erklärt sich vielleicht eher aus der fort­schreitenden persönlichen Fühlungnahme als aus den bereits erreichten praktischen Ergebnissen der Ver­handlungen. - KMWW

Entente - Optimismus.'

Rach der Unterredung, die Dr. Stresemann mit vriand hatte, erklärte der französische Außenmini­ster französischen Journalisten, daß alle noch offenen «tragen jetzt in einer Weise zur Erörterung kämen, die einen guten Abschluß erhoffen ließen. — Auch Chamberlain äußerte sich englischen Journalisten gegenüber mit großen Optimismus über die Arbei­te in Locarno, der, wie die „Voss. Ztg." erklärt, offenbar absichtlich von dem englischen Außenmini- iter zur Schau getragen werde. Chamberlain be­tonte, er müsse sagen, daß er Hindernisse, die ganz- lich unübersteigbar erschienen, heute nicht mehr sehe.

-in dem Havasbcricht über die Freitag statt­gefundene Unterredung zwischen Driand und Stresemann heißt es, der deutsche Reichsaußen- minister habe, als er Briand verließ, die Miene wirklicher Befriedigung gezeigt. Man verstehe übrigen» das Interesse, das diese erste private Un­terredung mit dem französischen Außenminister für Stresemann haben konnte, dem die Initiative für bte Politik der französisch-deutschen Annäherung Momme, die man sich in Locarno bemühe, in die

um^etzen. Selbstvsrständlich würde keine b,as über dieser Begegnung liegende G.heinmis aufdecken können. Man sei daher auf -Vermutungen angewiesen. Wegen des Tempera- mentes der beiden in Frage kommenden Perfön- uchkellen sei es zweifelhaft, daß sie sich im kleinen c fi e redaktionellen AÄderungen unter- galten hüllen; da, fei vielmehr das Werk der Juristen. Die beiden Staatsmänner hätten sicherlich U'^terbl'ckrnd die Gesamtheit der politischen und wirtschaftlichen Fragen behandelt, die nicht nur in den beiden Ländern, sondern in ganz Europa in­teressierten. Der Weltkrieg habe in der Tat die Organisstion Europas in einer Weise umgestoßen, daß man unmöglich Abhilfe schaffen könne ohne die Mitarbeit aller Nationen, die noch an den Folaen des Krieges litten. Dies gelte umsomehr von be­nachbarten Völker» rote Deutschland und Frankreich beren natürliche Reichtümer und Bedürfnisse sich er- gönzten. Diese machtvolle Jnteresiengemeinschast müffe die beiden Regierungen zu wirtschaftlicher und politischer Solidarität veranlassen. Auf diesem Gebiets höherer politischer Philosophie hätten Vriand und Stresemann sich leicht nähern können. Cs handele sich nur noch darum, ihren gemeinsamen 0uten Willen in die Tat umzusetzen.

Dresseempsang bet Skrcznnkki und Scia-osa.

Die Schweizerische Depeschenagentur meldet: : Der noMilche Minister des Aenkern hatte am Frei- I

tag einen Presseempfang veranstaltet, auf welchem er erklärte, er fei auf Grund einer Verständigung zwischen verschiedenen Staaten, die an den Polen betreffenden Verhandlungen teilnehmen, nach Lo­carno gekommen. Polen halte auch weiterhin an den Grundsätzen des Genfer Protokolls fest. Es fei gewillt, jeden Krieg als ein internationales Ver­brechen auszufchließen und alle Fragen der Schieds­gerichtsbarkeit zu unterstellen. Die zukünftige Po­litik Polens werde darin bestehen, unter Ausschluß der Gewalt friedliche Lösungen für alle Streitfragen Zu suchen.

Aus die Frage, ob Skrczynski in Locarno dar­auf bestehen werde, daß die Schiedsgerichtsverträge, die von den Oststaaten abgeschlossen werden könn­ten, garantiert werden, antwortete der Minister: Wir sind nicht hierhergekommeri, em auf irgend etwas zu bestehen, sondern vielmehr, um ein koya- les Kompromiß zwischen den berechtigten Forde­rungen Deutschlands und der strikten Durchführung der Verträge zu finden.

Der italienische Delegierte, Senator S c i a l o ja, hatte ebenfalls am Freitag eine Besprechung mit den Pressevertretern, denen er seine Eindrücke über die Konferenz folgendermaßen mitteilte:

Wir sind an einem Scheidewege angelangt, in­dem wir den schwierigsten Teil des Paktes ange­schnitten haben. Vorläufig liegt aber nichts Ab­schließendes vor. Ein großer Schritt ist getan, in­dem jeder seine Gesichtspunkte über diese Frage bargelegt hat. Die Tatsache, daß die Sitzung auf Samstag vertagt wurde, möge also beweisen, daß kein Beschluß gefaßt wurde, sondern die Diskus­sion erst begonnen hat und daß die Hoffnung, etwas zu erreichen, bei allen Teilnehmern fort« besteht. Wenn diese Hoffnung nicht bestünde, wäre es nicht nötig gewesen, länger hier eine Lösung abzuroarten. Im Geiste aller besteht die Möglich­keit einer Verständigung fort; wenn Gewißheit be­stünde, wäre die Konferenz schon zu Ende. Alles ist noch in der Schwebe; nichts ist verloren, aber auch nichts Endgültiges entschieden. Alles strebt mit besten Kräften eine Lösung an, die wir zu er­reichen hoffen. ■—-----

lieber die besondere Haltung Jt a l i e n s be­tonte Scialoja, es werde einen allgemeinen Pakt unterzeichnen. „Wir befinden uns in der glei­chen Lage wie England sowohl gegenüber dem Rheinpakt, als gegenüber den östlichen Schiedsver­trägen, im Unterschied zu den Vorverhandlungen mit den alliierten Ministern in Genf, als wir uns die vorläufige Beobachtung ausbedungen hatten.

Polen und die französische Garantie.

wtb London. 10. Oft. sCig. Rundf.-Meld.) Der „Times"-Vertreter in Locarno meldet: Es besteht guter Grund zu der Annahme, daß die polnische Delegation zu der Ueberzenguna gelangt ist, der ffanzösischen Garantie der östlichen Schieds- vsrträge fei in der kranzösischen und polnischen Presse eine Wichtigkeit beigemeffen worden, die sie nicht verdiene. Die Frage dreht sich jetzt vielmehr nm Deutschlands Eintritt in den Völkerbund. Man glaubt, daß wenn Deutschland in den Bund eintrete, unter der Bedingung, die Satzungen des Bundes ohne Vorbehalt anzunehmen, und wenn Artikel 16 unverändert bleibe, zusammen mit den Rechten und Pflichten Frankreichs gemäß diesem Artikel, dann könne Polen ohne Gefahr auf die französische Garantie verzichten und sogar auf eine Verbindung der Ostverträge mit dem Westpakt. Aber in diesem Falle fordere der polnische Stand- vunkt, daß der französische Vertrag und die Rechte und Pflichten Frankreichs gemäß Artikel 16 der Bundesfatzung in Kraft bleibe. Der tsche­choslowakische Standpunkt scheint ähnlich zu fein.

5m Anschluß hieran sagt „Times" in einem Leit­artikel: Der Eintritt Deutschlands in den Völker­bund wird eine aroße Veränderung in der aanzen Atmosphäre des Völkerbundes bedeuten. Cs ist selt­sam, daß die deutsche öffentliche Meinung sich noch nicht genügend die großen Vorteile klar gemocht hat, die die Mitgliedschaft in dieser internationalen Institution bedeutet. Es ist unter den bestehenden Verhältnissen nahezu undenkbar, daß Deutschland zögern oder eine Auenahmeverhandlung verlangen sollte.

wtb Parks, 10. Off. (Gig. Rrmdf.-Meld) Dss Problem der französischen G a r a n k i e ln den deutsch-polnischen und den deutsch-lschechoslowocki- schen Schiedsgerichtsverträgen scheine gestern abend aus dem Wege des Fortschritts ernstlich roeifer- gcfüf«rf worden zu fein. Gewisse Formeln seien von den Juristen geklärt worden, über die sich die Konferenz heule zu enffcheide« habe. Es sei übri­gens mögsich, daß der heutige Tag nicht genügen werde, um einen endgültigen Tag festzusehsn. Aber man müsse schon seht als eine wichtige Taffachs, dis geeignet fei, die Verständigung zu erleichtern, die Erklärung anfehen, die der polnische Außen­minister gestern abend gegeben habe.

ttonferenzschlutz Mitte nächster Woche

wtb. Paris, 10 Oktober (Äig. Runds. Meld.) Grumbach berichtet im „Ouotidien" aus Locarno: Der allgemeine Eindruck gestern nbeud fei ge- dali wenn ein plötzlicher ziemlich unwahr­scheinlicher Meinunssumschwung seitens Deutsch, land nicht eintrete, die Konferenz Mitte nüchsterWoche mit einem vollkommenen Erjolg zu Ende gehen werd». *

Zum Tode von dr. preuß.

Beileidstelegramme der Regierung.

Der Reichsarbeitsminister hat namens der Rcichsregierung an Frau Preuß folgendes Te­legramm gerichtet:

Zu dem schweren Derlust, der Sie und Ihre Söhne durch das unerwartete Ableben Ihres Gatten und Va­ters betroffen hat, spreche ich Ihnen namens der Reichs- regierung mein aufrichtigstes Beileid aus. Ter Ver­storbene Hot in feiner langen, oierdienstoollen Tätigkeit als Lehrer der akademischen Jugend, als Abgeordneter und vor allem als Neichsminifter des Innern dem Dater- lanbe feine besten Kräfte gewidmet und ihm unter Hingabe seiner ganzen Persönlichkeit gedient. Als Schöpfer unserer Verfassung wird der Der- blichene in der Geschichte des deutschen Volkes und des Reiches unvergeßlich fortleben.

Gleichzeitig richtete der Reichsarbeitsminister an den Vorstand der Reichstagsfraktion der Deut­schen Demokratischen Partei ein Beileidstelegramm. Ebenfalls hat der preußische Ministerpräsident an Frau Preuß und an die Landtagsfraktion der Deutschen Demokratischen Partei Beileidstele­gramme gerichtet, ebenso hat der preußische Mini­ster für Handel und Gewerbe der Witwe telegra­phisch jein Beileid übermittelt.

Beisetzung nächsten Dienstag.

Die Trauerfeier für den verstorbenen Reichs« Minister d. D. Dr. Preuß findet am 13. Oktober, vormittags 10 Uhr, in der Wandelhalle deS Preußi­schen Landtags statt. Im Anschluß an die Feier findet die Einäscherung tm Krematorium in der Ge­richtsstraße statt.

Hugo Preuß, der Schöpfer der Weimarer Verfassung, wurde am 28. Oktober 1860 in Berlin geboren. Rach eingehendem Studium der Rechts­und Staatswissenschaft in Heidelberg und Berlin, ließ er sich im Jahre 1889 als Privatdozent für öffentliches Recht an der Universität Berlin nieder. 1906 wurde er zum Professor an der Berliner Handelshochschule ernannt. Durch seine literarische Tätigkeit wurde er schon früh, wenn auch nur in engerem Kreise bekannt. Bekannt ist vor allem sein Werk über das deuffche Städiewefsn. Auch als Journalist betätigte sich der Gelehrte eifrig und rollte hauptsächlich verfassungsberechtigte Fra­gen auf. Im Jahre 1910 wurde er als Vertreter der Fortschrittlichen Volkspartei unbesoldeter Stadkrat der Stadt Berlin. Dieses Amt behielt er, bis er am 15. Nov. 1918 zum Staatssekretär des Innern ernannt wurde. Im Januar 1919 erschien sein „Entwurf einer vorläufigen Reichs- uerfaffung*, der den Beratungen der Nationalver­sammlung zu Grunde lag. Diese Schrift machte Hugo Preuß in allen Streifen bekannt als einen führenden Verfassungsrechtler der Welt. Als am 6. Februar 1919 das Koalitionsministerium ge­bildet wurde, fiellihm als Reichsminister des Innern die wichtige Aufgabe zu, die Formulierung der Neichsverfaffung zu leiten, so daß man ihn den Vater der Reichsverfassung nannte. 1919 und 1921 wurde er für den Wahlkreis Berlin als Vertreter der Demokraten in den Preußischen Land­tag gewählt, dem er bis zuletzt angehörte.

Lord Grey über die 5rcherheiLs- verhandlungen.

wtb London, 10. Okt. (Eig Rundf.-Meld.) In einer Rede vor der Völkerbunds-Union in Sa- lisburp sagte gestern abend Lord Grey, er stimme dem Gedanken, der den Sicherheitsver- h a n dl u n g e n in Locarno zugrunde liege, von Herzen zu. Chamberlains Wunsch, daß man das Vergangene begraben möchte, gelte als ausge­zeichnet für die im Gange befindlichen Verhandlun­gen. Es bestehe kein Grund, die Kriegsschuldfrage in die Beratungen einzubeziehen. Auch diejeni­gen, die der Ansicht seien, daß der preußische Mili­tarismus im Jahre 1914 den Ausbruch des Krie­ges gefördert habe, sollten daran denken, daß die ganze Verfassung Deutschlands sich geändert habe. Man möge aber im Auge behalten, daß tiefer als die Frage, welches Land für den Krieg verantwort­lich fei, die allgemeine Stimmung zu werten fei, die vor dem Kriege in Europa bestand. Wenn Europa wie damals wieder in zwei Lager geteilt werden sollte, so würde es wiederum Krieg geben. Großbritannien dürfe in Zukunft nur aus zwei Gründen in den Krieg gehen: 1. wenn es tatsächlich angegriffen werde und 2. nicht zu dem Zweck, um irgend ein bestimmtes Land oder Ge­biet ober eine bestimmte Grenze zu verteidigen, sondern um den Grundsatz des Schiedsgerichts auf­recht zu erhalten. Wenn der Sicherheitspakt zu­stande komme, dann sollte eine Verminderung der Rüstungen eintreten. Deutschland würde dann Mit­glied des Völkerbundes werden. Sollten die Ver­handlungen fd>eitern, würde Deutschland nicht in den Völkerbund eintreten und die Rüstungen, die ein Symptom feindlicher Gesinnung seien, würden fortbauern. lieber Mofful sagte Lord Grey: Wenn die Maschinerie des Völkerbundes nicht bestanden hätte, so würde setzt wahrscheinlich Großbritannien und die Türkei im offenen Kampfe miteinander stehen. ____

Der deutsch-tschechische Zchiedsvertrag

Lorarno, 9. Oktober. Benesch hat, wie in tschechischen Kreisen verlautet, einen fertigen Entwurf für einen deutsch-ffchechischen Schiedsgerichtsvertrag mitgebracht. Dieser Entwurf, der bisher natürlich der deutschen Delegation nicht vorliegt, war die erste Fühlungnahme eines rein zutälligenZusammentreffens des deutschen und deS tschechoslowakischen Außen­ministers bei Tffch in einem dritten Hotel. Er toll sich an den zwischen der Tschechoslowakei und Polen bestehenden SchiedsgerichtSvertrag aulehnen.

Marokko.

französischer Fronlberichf.

Wie Havas aus Fez meldet, unterwerfen sich an sämtlichen Frontabschnitten weitere bisher aus Abd el Krims Seite kämpfenden Stämme. Di« Gesnaja feien vollständig unterworfen. Sei einem Streifzug einer Abteilung gegen Deraber kam e« mit einer Rifabteilung zum Kampfe, wobei die Franzosen ein von den Risteuten erobertes spani­sches Geschütz und verschiedene andere Aus­rüstungsgegenstände erbeuteten. Die Risleute fal­len sich auf Targlt zurückgezogen haben. Reguläre französische Abteilungen an der Ostfront ständen am Cned Ain Schra. Kavallerietrvppen hätten Suk et Sebt, 12 Kilometer nordöstlich von Syah, erreicht und die Verbindung mit den Spaniern hergestellt. Ansammlungen von Rifleuten am Uned Gis, 26 Kilometer von seiner Mündung entfernt, wurden beschossen.

wtb paris, 10. Oki. (Eig. Rundf.-Meld.) Havas berichtet aus Fez vom 9. Okt., daß im mitt­leren Frontabschnitt französische Artillerie am 8. Oktober östlich von Dibcne und dem Messaud« Massiv die feindlichen Stellungen bombardiert habe. Die Rifabtellung, die am 4. Oktober bei Sof Ze­rtrat, südlich von Ain Maatus geschlagen wurde, hätte äußerst schwere Verluste erlitten. An der Front des 19. Korps habe die Abteilung, die am 7. Okt. den Streifzug gegen Deraber durchfuhrts, den Dfchebel Rador ohne Schwierigkeiten und ohne Verluste erreicht.

Fortsetzung der Beschießung Tetuans.

Nach Blättermeldungen aus Tanger fetzen btt Rifleute die am 30. September begonnene Be­schießung von Tetuan fort. Man nimmt an, daß das unsichtbare Geschütz etwa 12 Kilometer südöstlich von der Stadt steht. Seit einigen Tagen wird das Feuer auf den Wohnsitz des Oberkommis- iars gerichtet. Die spanischen Offiziere und Beam­ten schicken ihre Familien nach Ceuta ober S pa­ri i e n.

Die „patis“ schwer beschädigt.

Wie der Marseiller Korrespondent des „Jntran- figeant" mitteilt, ist der Kreuzer „Paris" von Ma- rokko kommend heute in Toulon schwer beschä­digt eingelaufen. Im Verlauf der militärischen Operationen hat er etwa 15 Granattreffer erhalten und muß in Reparatur gehen.

Die Kämpfe in Syrien.

Havas berichtet aus Beirut: Die Hauptabtei­lung der mobilen Truppen des Generals G a m e « lin hat gestern vormittag, nachdem sie von Taal» aufgebrochen war, die Wasserstellen bei Mozraa und Sojen erreicht, an denen die Abteilung des Generals M i ch a u d in der Nacht zum 3. August gelagert hatte. Die Franzosen haben dabei eine starke Drusenabteilung zurückgeworfen, die vergeb­lich versuchte, sich ihrem Vormarsch entgegenzu­setzen. In Nordsnrien haben französische Flieger die Zeltlager von Beduinen beschoffen. Wie es in dem Bericht weiter heißt, hätten die Beduinen versucht, gegen die Eisenbahn Aleppo—Damaskus vorzustoßen. Auch in Südsyrien seien an verschie­denen Orten Ausrnhrbewegungen zu verzeichne». Die betreffenden Orte seien beschoffen worden.

Polnischer Terror in Gberschlesien wtt Venthen, 10. Okt. (Eiaene Rundfunkmeldungs. Die Ostdeutsche Morgenpost" meldet au» Laura« Hütte, daß die Verwaltung der vereinigten König- und Saurabütlen sämtlichen in den Gruben deS Rübniker Reviers beschäftigten deutschen Beamten gekündigt habe. De« Beamten sei aber sreigeftellt worden, als Arbeiter weiter tätig zu lein. — In einem weiteren Telegramm tnt8 Lanrabütte berichtet das Blatt von neuerlichem polnischen Terror gegen deutsche Optanten. Verschiedene Bürger, die ihre Option für Deut'chland ausgeübt haben, hätten einen Drohbrief erhalten, in dem sie aufgefordert werden, polnisch Oberschlefien binnen 48 Stunden zu verlassen. Falls sie der Aufforderung nicht Folge leisten, würden sie von der Bildfläche verschwinde«.

* Neuer Handwerksdertreter im ReichSwirtschasiS' rat. An Stelle deS verstorbenen LandtagSabgeord- neten Noack ist auf Vorschlag M ReichsoerbandeS deS deutschen Handwerks der 2. Vorsitzende deS SubmissionSamteSTifchlerobermeifterA ngustOliaS in Dresden in den vorläufigen ReichSwirtschaftS» rat berufen worden.

* Das Ergebnis des Strafverfahrens in bet Matteottiaffäre. Die Staatsanwaltschaft hat den Angeklagten in der Matteottiaffäre das Ergebnis bei Strafverfahrens mitgeteilt: Gegen Cesare Roffi, Marinelli und Filipelli, die als Anstifter des Morde» angeklagt waren, wird in Anwendung der letzten Amnestie da» Strafverfahren eingestellt; dagegen werden die Täter Bonlpi, Malaeri, Dumm und Povernomo wegen Mordes unter erschwerenden Um­ständen vor ein Schwurgericht gestellt.

* Verbot fremder Sprachen in der italienischen Justiz. Ter Justizminister hat dem Ministerrat einen Gesetzentwurf über die Anwendung der Sprache in den Juflizämtern dorgelegt. In allen Civil- und Strafverfahren muß die italienische Sprache an» gewendet werden. Alle Akte der Justiz, die m einer anderen als der italtenischen Sprache verfaßt seien, seien als vollkommen ungültig zu betrachten.

wirtschaftliche Kampfbewegungen.

— Die Verhandlungen im Gastwirksgcwerbe ge­scheitert. Die Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Lohnabkommens im Gastwirtsgewerbe find heute wiederum gescheitert, sodaß die Gefahr eines Streiks der Angestellten lxjteht.