FuldaerZertung
Anzeiger für die Skadl und den Kreis Fulda. Amkliches Kreisblakt.
Nr. 234.
8etmrtteottlh6 iür Me Gdmftleihm: Dr- Jobanne« Kramer ««»eisen: A « otieUer, Fulda. Rotatmwtvrmk und Verlas der
Fuldaer ^c<i»»drv^»rki iw Fulda. PFrttitorwBet ihr- & V,flnotn#nr BerusSveeir: WM* Mk._____________
Samstag, 10. Oktober 1925.
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52. Zahrg.
Gute Fortschritte in Locamo.
Line dreistündige Sitzung. — Der Lösung näher. — Fortsetzung der Linzelbesprechungen der Minister.
Nächste volltzonferenz am Samstag, gischen Außenminister Dandervelde hatte. Die Besprechung galt jedoch, wie verlautet, keinen bestimmten Fragen, sondern befaßte sich generell mit der Dölkerbundsfrage. Immerhin ist auch für diese kurze persönliche Fühlungnahme zwischen Vertretern Deutschlands und Belgiens, die übrigens durch eine längere Begegnung zwischen Staatssekretär v. Schubert und dem belgischen Außenminister eingeleitet worden war, ebenso wie für die Unterredung Stresemann mit Chamberlain zu bemerken, daß die Einzelbesprechungen der Minister für die Förderung der Konferenzarbeiten von größtem Werte sind.
Ankunft des polnischen Kußen- ministers.
Der polnische Außenminister Skrzhnski ist em DonnerStaa in Locarno eingetroffen und hat im Parkhotel Wohnung genommen, während seine Begleiter im Hotel Metropole abgestiegen sind. In der gestrigen Vollsitzung der Konferenz wurde auch die Frage der Zulassung der polnischen Delegation zur Konferenz erörtert, wobei von beiden Seiten die Ansicht geäußert wurde, daß für dir Zulassung ein besonderer Beschluß der fünf zur Son« seren; eingeladenen Mächte notwendig sei.
Mussolini kommt int Flugzeug.
Der Berichterstatter des „Jntransigeant^ in Locarno will erfahren haben, der italienische Minister. Präsident treffe im Flugzeug entweder am Freitag oder Samstag in Locarno ein.
Kein deutschnationaler Abgeordneter in Loearno.
Die ,D. A. Zig.' Nr. 474 vom 8. Oktober berichtet ans Locarno, daß in Ententrkreisen mit großem Interesse erzählt werde, „der deutschnationale Abgeordnete von Lindeinrr-Wildau sei in der Nähe von Locarno eingetroffen und werde in den nächsten Tagen hierher (nach Lecarno) kommen." Von dem Vertreter der ZentrumSfroktion im Reichskabinett erfahren wir, daß eS sich hier um eines der vielen unwahren Gerüchte handelt, die im Zusammenhang mit der Konferenz von Locarno auftauchen, und daß die ReichSregrerung darin einig ist, daß eine einseitige Fühlungnahme unserer Delegation mit irgendeiner der die Regierung stützenden Parteien absolut ausgeschlossen ist. Sollt« eine solch« Fühlungnahme notwendig werden — bisher ist daS nicht der Fall — kann sie selbstverständlich nur gleich, zeitig mit allen beteiligten Parteien ausgenommen werden.
Blitzschlag in das Hotel der Deutschen.
Wie Sie Blätter auS Loearno melde», ging Soet gestern abend ein schweres Gewitter nieder. Dee Blitz schlug in daS Hotel Esplanade, wo die deutsche Delegation wohnt, ei«. ES wurde jedoch nur die elektrische Lichtanlage des Hau>eS »er- st'ört, sodaß die Delegationsmitglieder daS Absud, essen beim Kerzenfchei« einnehmen mutzte«. Auch die Lichtanlagen der Stadt wurden durch Blitz» schlag beschädigt, so datz die Stadt in vSlliges Dunkel gehüllt war. Ferner solle« die Telephon- leitunsen teilweise zerstört morde« sein.
man hier geworden ist, geht ja auch daraus hervor, daß zumeist die Engländer sich verschnupft zeigten, daß schon nach der ersten, lediglich formalistischen Sitzung durch die deutsche diplomatische Korrespondenz ein Gesamtbild der Problemstellung gegeben wurde. Darin wollte man eine unzulässige Beeinflussung der Pwblembetrachtung überhaupt sehen. Der Zwffchenfall konnte allerdings sehr leicht beseitigt werden, aber nunmehr ist die diplomatische Korrespondenz geradezu zur Untätigkeit verurteilt. Denn jedes Wort, was sie über di« nichtssagenden offiziellen (Kommunique, zu deren Abfassung man die Pressechefs von vier Län- der nötig hat, hinaus sagt, würde den möglichen Mißdeutungen unterliegen, da man diese Korrespondenz als Sprachrohr der deutsc^n Delegation betrachtet.
So wird man fürs erste sich mit Geduld wappnen müssen. Es liegen in der Tat sehr gewichtige Gründe dafür vor, daß der Paktentwurs in seinem wesentlichen Inhalt erst dann in das Licht der Oeffentlichkeit herangezogen wird, wenn sich die beteiligten Nationen über die Grundlagen und auch über die heute noch am meisten umstrittenen Einzelheiten im großen und ganzen einig sind. Denn man muß doch berücksichtigen, daß die Vertreter einer jeden Regierung, die hier in Locarno an den Beratungen teilnehmen, im eigenen Lande und in den eigenen parlamentarischen Kreisen mit sehr schweren Hemmungen und Widerstanden gegen die Paktpolitik zu kämpfen haben. Das gilt nicht nur für Deutschland, es gilt in vielleicht nochi höherem Maße für Frankreich, es gilt aber auch für England. Gerade in den beiden letzten Landern sind Parteikräfte am Werk, die ein Scheitern der Verhandlungen von Locarno geradezu herbeisthnen, um dis jetzt amtierende Regierimg zu Fall zu bringen.
So wird man asso mich weiterhin in Geduld der Dinge harren müssen. Die Situation st e h t n i ch t s ch l e ch t. Man hat nun endlich, und bas ist vornehmlich durch die schon erwähnte private Besprechung zwischen Luther und Briand geschehen, das Problem als Ganzes in den Kreis der Erörterungen gezogen und ist dabei naturgemäß auch schon auf die Cinzelfragen gestoßen, die man in den Generalbesprechungen bisher überhaupt noch nicht einmal andeutete. Diele Fragen sind französische Garantie, Völkerbund, Durchmarsch und Schiedsverträge. Es scheint, als wenn, noch der Aeußerung Driands zu urteilen, von all diesen Dingen die Völkerbundsfrage, also die Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund, wohl das schwierigste Problem sei. Sofort daneben steht aber die Frage des Artikels 16 des Völkerbundsstatuts, also des Durchmarschrechts bei einer Bundesexecutive. Dieser Punkt steht ja nun auch wieder in engem Zusammenhang mit der von Frankreich verlangten Garantie für die östlichen Abmachungen. Es scheint, daß man nun in dieser Angelegenheit einem Kompromiß zusteuert, wonach Frankreich die ursprünglich gestellte Forderung der unmittelbaren Garantie der östlichen Schiedsverträge zurürkstellt, ja ganz auf- gibt, während Deutschland eine autentische und von den beteiligten Mächten oerferttgte Interpretation über die Auslegung und Anwendung des Artikels 16 gegeben würde. Jedenfalls sind Bemühungen am Werk, um auf ein Einvernehmen auf dieser eben gekennzeichneten Grundlage hinzuwirken.
Unzulässige Treibereien.
Di« ersten Konferenztage, die naturgemäß «ach außen hin unfruchtbar bleiben mußten, da «8 doch zunächst sich lediglich darum handelte, mit der Gegenseite in Fühlung zu kommen, haben bereits ungeduldige Aktionen ausgelost. Gewisse Gruppen, namentlich bei den Rechtsradikalen, die aus der Konferenz von Locarno eht_ Parteigeschäft machen möchten, haben bereits empörte Briefe nach Locarno geschrieben, in benot sie sich darüber aufregen, warum nicht schon beim ersten Zusammentreffen Litcher und Stresemann die Kriegsschuldfrage wieder aufgeworfen hätten!
Aber auch sonst mehren sich hier in Locarno die Anzeichen, daß von gewisser rechtspolitischer Seite her unzulässige Beeinflussungsversuche unternommen werden. Es hat sich sogar ereignet, daß einzelne Parteipolstische Organisationen, nicht nur völkischen sondern auch deutschnationalen Charakters Resolutionen und Entschließungen nach Locarno schicken, mst denen nichts Geringeres bezweckt wird, als unter Drohungen einen Druck auf die Hallung der deutschen Delegierten auSzuüben.
Wir können demgegenüber indessen feststellen, daß die deutsche Delegation in all ihren Testen nicht im entferntesten daran denkt, sich von solchen Machen» schäften irgendwie beeinflussen zn lassen. Solche Emwirkungen werden darum auch bei den Ent» schließungen der Delegation vollständig wirkungslos bleiben. Die Delegation geht den chr durch die KobinettSbeschlüffe vorgezeichneten Weg, der überein» stimmt mit der politischen Linie, die die deutsche Volksvertretung selber durch ihre Erklärung über die Sng der deutschen Außenpolitik vorgezeichnet hat.
igen, die versuchen wollen, auf die deutsche Delegatwn irgendwie einen Einfluß auSzuüben, und die Tinge in eine den Agitatwnsbedürfnisien gewissen Parteipolitiker angrpaßte Richtung zu lenken, müssen es sich gesagt sein^lassen, daß alle diese Versuche vor der deutschen Delegation mit aller Entschiedenheit abgeschlagen werden.
3m» Stand der Verhandlungen.
Von unserem besonderen Vertreter. W
Mit der Besprechung zwischen Luther und Briand in einem bei Locarno liegenden kleinen Orte ist der Anfang gemacht für weitere Despre^m- gen solcher Art, deren nächste zwischen Chamberlain und Stresemann stattfindet. Inzwischen ist nämlich Locarno, das neben den von den beteiligten Delegationen offiziell angemeldeten etwa 150 Journalisten noch weiter 100 Pressevertreter beherbergt, zu einer großen Wandelhalle geworden, in der die Gerüchte und Sensattonsmachereien nur so gedeihen. Mangels unmittelbarer Informattonen durch die Delegationsmitglieder selber und zwar auf eine einheitliche Absprache hin, müssen sich die nach» ^ichtenhungrigen Berichterstatter auf alle möglichen Dinge stürzen und so wird auch gleich über diesen ober jenen Staatsmann eine großes Wesen ge« macbt „wie er sich räuspert und wie er sich spuckt!" bie Dinge zunächst ziemlich geheimnisvoll ^kMndelt werden, ist freilich kein befriedigender
• rl ?ber wie sehr alle Delegationen bis zur geme:nfchastli(j)en Klärung wenigstens der Grund- Verschwiegenheit bewahrt wissen wollen, daß eine Indiskretion von trauern-
Üalienisch«n Delegierten Grandi m Wut versetzte, daß er die italienischen S?uJna[^en 2u sich berief und ihnen kategorische Maßnahmen androhte, wenn sich solche Dinge wiederholen. Am meisten empört über diese Indiskretion, dte den Inhalt des Paktentwurfs betraf, waren di. Franzosen, die mit aller Schroffheit erklärten, daß die Stahener wohl saczistische Sitten einzuführen beliebten und daß das eine Warnung sei dafür, wenn Mussolini einmal den Wunsch haben sollte daß iir einer italienischen Stadt eine Konferenz tagen soll. Wie empfindlich
Die Konferenz der Außenminister am Donnerstag begann bereits um halb 3 Uhr nachmittags und dauerte bis gegen 6 Uhr abends. Sie war, die längste und wohl auch schwerste aller bisherigen Sitzungen der Dollkonferenz. Heber den Verlauf der Beratungen, von der sich Chamberlmn sowohl als auch Mitglieder der stanzösischen Delegatwn lehr befriedigt zeigten, wurde folgendes Kommunique ausgegeben:
»Die vierte Sitzung der Sonfereuz war der Beratung derjenigen Frage gewidmet, die sich durch die Teilnahme der eventuellen Unterzeichner des Sicherheit-pattes am Völkerbund ergeben. Diese Beratung gab Anlaß zu einer allgemeinen Aussprache, in welcher die Vertreter Deutschlands. Frankreichs. Belgiens, England:, und Italiens die Ansichten ihrer Regierungen darlegten. Die Konferenz vertagte sich danach auf Samstag den 10. Dttober und es wurde beschlossen, an diesem Tage zwei Sihnngen abznhalken, eine vormiklags- fihung um 10,30 Uhr und eine Rachmiklagssihung um 2.30 Ahr."
Bei der Donerstag-Zusammenkunft der Re- gierungsvertreter wurden zum zweiten Male wirklich schwere polltische Probleme angeschnitten, deren Umfang und Bedeutung in dem gemein- fam_tmsgegebenen Kommunique angedeutet sind. Eine große Rolle spielte Artikel 16 des Völkerbundspakts. Die Aussprache ließ auf allen Seiten den besten Willen erkennen, doch ist bei der außerordentlichen Schwierigkeit der angeschnittenen Fra- den noch keine für alle annehmbare ßöfungjrefun- den, vielmehr bestehen noch große unausgeglichene Gegensätze. Gutem Vernehmen nach kam bei der heutigen Beratung die Frage der Garantie der Ostschiedsverträge nicht zur Sprache. Auch ist die Aussprache nicht soweit fortgeschritten, daß etwa den sirristischkn Sachverständigen bereits nette Aufgaben zugewiesen werden konnten. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß die juristischen Sachverständigen, die übrigens ihre gutachtlichen Beratungen übet die ihnen gestern zugewiesenen Fraßen noch nicht abgeschlossen haben, sich später mit 5en heute zur Diskussion stehenden Problemen be- dassen müssen, obwohl die Entscheidung fast ausschließlich von politischen Gesichtspunkten aus und tzaher von den Delegierten persönlich getroffen werden muß. Jedenfalls ist mit dem heutigen Tag in eine tiefschürfende Diskussion großer miteinander verknüpfter Probleme eingetreten worden und es läßt sich heute noch nicht sagen, daß die von allen Parteien erstrebte Lösung gefunden worden sei.
Optimistische Auffassung.
wtb Prag, 8. Ott. ftkiq. Rundf.-Meld.) Der Berichterstatter des tschechoslowakischen Pressebüros meldet aus Locarno: Z» dem amtlichen Kommunique über die gestrige Konferenz kann noch hinzu- gesügt werden, daß vnmiktelbar nach der Sitzung der Lecker de, pofififaen Dienstes beim französi- M»en Außenministerium. Berkhelok. den Journalisten Informationen gab. die nicht anders aus- gelegt werden können, denn als lebhafte Hoffnung auf einen glatten Verlauf der Konferenz
°uf ihre erfolgreiche Veendümng. Berthelok deutete nämlich an. daß bereits Montag gemein- fam mit den Vertretern der T f ch e ch o f l o w a - ke, und Polen tue Verhandlungen über die Schledsgerichtsverträge zwischen diesen beiden Staaten mit Deutschland beginnen würden und daß die Konferenz Mittwoch oder Donnerslaa beendet werden könnte. Das würde bedenken, daß begründete Hoffnungen auf (Ebnung aller übrigen norfi vorhandenen Schwierigkeiten bestehen, tasbdonbere roas die neue für alle Teile annehmbare Formulie- rang der östlichen SchiedsgerichtsvertrSae be- tafff. Diesem Ziel, sowie der endgülttgen KlS- rnng der Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund solle der Freitag gewidmet sein, der mit keiner Formalflhung belastet ist.
wtb paris, 9. OH. (Gig. Rundf.-Meld.) Nach den Berichten des Vertreter, des »Journals" in Locarno herrsche dort ein sehr optimistischer Eindruck. Venn nicht ein unvorhergesehener Umschwung in der jetzt eingenommenen Haltung ein- Kete, scheine es beinahe sicher, daß dieJtonfe- teuj zu einem Abkommen führen werde.'
Unter vier Rügen.
Besprechungen zwischen den verschiedenen Ministern wurden heute vormittag durch eine Un- ®rrebung zwischen Stresemann und E h a m» J® r Iain fortgesetzt, lieber die Unterredung zwi- »hen Stresemann und Chamberlain wissen Berit- ter Blätter aus Locarno zu melden, daß Gegen- kanb der Besprechung der vielumstrittene Artikel b des Völkerbundsstatuts und die Frage der öst- «chen Schiedsoerträge gewesen fei. Der „Voss. Zei- zufolge soll die Unterredung bet Chamber- Wtben e*netI vorzüglichen Eindruck hinterlassen .Diel bemerkt wurde auch, daß am Schluß der ^nnerstag-Sitzung Reichskanzler Dr. Luther uva 10 Minuten eine Besprechung mit dem bei-
Caillaux über die vorläufige Schuldenregelung.
wfb Paris. 9. Oft. (Eig. Rundf.-Meld.) D« Sonderberichterstatter des „Petit Parisien", der sich an Bord des Dampfers „France" befindet, mit dem die Schuldenkommission auf der Hinreise begriffen ist, hat mit Finanzminister Caillaux eine Unterredung gehabt, in der dieser erklärte: Wir ha» den auf jeden Fall das Recht, uns zu beglückwün« schen, daß die Besprechungen von Washington einen außerordentlich versöhnlichen und entgegenkommenden Verlauf genommen haben. Weiter haben sie zu einer gewissen Annäherung des französischen und des amerikanischen Stand- punftes geführt. Auf die Frage, was geschehen werde, wenn die ftanzösische Regierung den ante» rikanischen Vorschlag nicht annähme, erklärte Call- laux, dann werde man eben weiter verhandeln.
Interparlamentarische Union.
Begrüßung der Delegierten durch den Präsidenten der Columbia-Universität.
wtb Newyork, 9. Oki. (Erg. Rundf.-Meld.) Di» Delegierten des Kongresses der interparlamentarischen Union wurden im Namen der Verwaltung der Carnegie-Stiftung vom Präsidenten der Co« lumbia-Universttät, Butler, begrüßt. Er führt» aus: Der Krieg sei die denkbar nachdrücklichste Erziehung zur Friedensidee gewesen. Der Bau bet Zivilisation sei nicht fest genug, einer zweiten berat tigen Erschütterung standzuhalten. Nur der allgemeine Wille zum Frieden könne einem neuen Krieg vorbeugen. Die interparlamentarische Union habe mit dazu beigetragen, diesem Friedenswillen eine feste Grundlage zu geben. Man solle sich, do wo sich Streitfälle ergeben, gegenüber der Politik eines anderen Volkes, aller billigen dramatischen Phrasen enthalten, denn sie verwunden nur den Stolz der andern. Sakai (Japan) sagte, Japan habe eingesehen, daß Krieg keinen Nutzen bringe. Er werde sich fernerhin an der Arbeit für bas große Derk des dauernden Friedens beteiligen.
Freiherr von Rheinbaben über Deutschlands Friedenswillen.
wtb Newyork, 9. Okt. (Gig. Rundf.-Meld.) Auf dem gestrigen Bankett, das die Carnegie-Stiftung für die Förderung des Weltftiedens zu Ehren der Releierten der interparlamentarischen Union veranstaltete, hielt der Reichstagsabgeordnete Freiherr von Rheinbaben eine Ansprache, m der er ausführte: Ich möchte ganz besonders die Tatsache hervorheben, daß die d e u t s ch e Regie» r un g im Einverständnis mit allen maßgebenden Parteien des Reichstags den ersten Schritt zu dem Friedenswerk getan hat, an dem man jetzt in Locarno arbeitet. Dies ist die klare amtliche Linie der deutschen Außenpolitik, die sich meines Erachtens tn vollem Einklang mit den letzten sehr be- achtlichen Ausführungen des Präsidenten Coolidge findet. Ich kann Sie versichern, daß das beutfebe Volk in feiner überwältigenden Mehrheit von gutem Willen beseelt ist unb ihn als die Orunblage der internationalen Beziehungen betrachtet. Wir haben die Zuversicht, daß unsere ehrlichen Bemühungen, unsere internationalen Verpflichtungen zur Sßieberberftenung von Frieden und Wohlfahrt in Europa zu erfüllen und gleichzeitig sobald als möglich ein freies und gleichberechtigtes Volk zu werden, in den Vereinigten Staaten und in der übrigen Welt verstanden werden wird.
Kuch Litauen bezahlt.
•tt 2o*be«, 9. Ott. (eigene Runds. Meld«.) Rach einet Washingtoner Meldung hat Litauen au die Bereinigten Staaten 6 Millionen Dollars in litauischen Bons bezahlt, womit seine Schuld an die vereinigte« Staaten ausgeglichen sei.
Baldwin über die ttohlenkrise.
wtb London, 9. Oft. (Eig. Rundf.-Meld.) In feiner gestrigen Rede in Drightan kam Bald- win auch auf die Kohlenkrise zu sprechen und erflärte über die Subventionierung der Koh- lenkrise: Ich bin ebenso sehr gegen alle Subventionen wie irgend jemand der hier Anwesenden. Die Regierung nähme es aber auf sich, eine unpopuläre und zu Mißdeutungen Anlaß gebende Maßnahme zu ergreifen, um dem Land einen Arbeitskampf großen Stils mit feinen katastrophalen Folgen für das Gefchäftsleben zu ersparen in der Hoffnung, daß die Vernunft sich durchsetzen würde und daß wir entgegen allen Erwartungen in diesem oder im nächsten Jahre imstande fein würden, aus der jetzigen Lage herauszukommen.
Neue Kämpfe in China.
wtb Peking, 9. Tut. (Eig. Runds. Meldg4 Zwischen de« Truppen von Kanton und de« Streitkräften nut« dem Kommando deS anti- bolschewistischen Generals Esche« Echium Ming ist eS bei Reischow und a« andere« Stelle« tn Kämpfe« gekommen. Die Regierung von Kauto« schickt starke Abteilungen zur Verstärkung ihrer Truppe«. __________________
* Hessischer Landtag. Der hessische Landtag nah« am Donnerstag in einer Dauersitzung die von 10 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags währte, die Gesetzentwürfe über die Amnestievorlage und über die Einstellung deS Perfonalab« baueS in Hessen an. Der Landtag hat sich sodann auf Mitte November vertagt.