qulfcaer Zeitun
wasserfahrt. ”
Von Heinrich Heine.
Ich stand gelebnct «n den Mast Und zählte jede Welle.
Ave, mein schönes Vaterland!
Mein Schiff, segelt schnelle!
Ich kam schön Liedchens HauS vorbei. Die Fcnst-rs beiden blinken;
Ich guck' mir fast die Augen aus. Doch will mir niemand win'cn.
Ihr Tränen, bleibt mir auS dem Äug'. Daß ich nicht dunkel sehe! ■ .
Mein krankes Herze, brich mir nicht Vor allzu großem Wehe! s.
Das Herz am Rhein.
Dem Gedächtnis des Fuldaer Komponisten Wilhelm Sill.
Don Willi Beils.
Reich an Liedern ist der Fürst der deutschen Ströme, der rebenbekränzte Vater Rhein. Seit Jahrhunder ei erstrahlt sein Lob, und Dichter und Komponisten wer - eiferten in seinem Preise. Wer kennt nicht jene L>e , die mit dichterisch beschwingten Versen bezaubern e lodicn verbinden? Und wohl keinen Deutsch«» 8' '
der nicht m begeisterter Stunde das Rheindsd g s b, hätte, zu deffen Worten ein Fuldaer Landsmannl dw Weise sand: „Es liegt eine Krone im Srunen Rhein , gedichtet von H. I. Dippel aus Limburg a. d. Lahn, »ertönt von Wilhelm Hill aus Fulda. _ , .
Am 17. Mai dieses Jahres wurde an dem Geburts Hause Dippels zu Limburg zur Ermnerrmg an semen 100. Geburtstag (12. August 1825 ) eine Gcdachtms- lafel enthüllt mit der Inschrift:
In diesem Hause wurde geboren am 12. 8. 1825 per Dichter Heinrich Joseph D:ppel.
Ewig l-bi Dir, deutsch« Volk, sein Sang:
„Es liegt eine Krone im grünen Rhein. vertont von Wilhelm Hill.
Heben die Einweihungsfeier selbst hat ein Nachkomme Hills, Syndikus Wilhelm Hill, in der Fuldaer Zeitung berichtet (Nr. 122 vom 28. 5.). Mit Recht hat man auf der Gedenktafel auch den Namen des Kompo- niitcn verewigt. Denn wir seiner prachtvollen Melodie ist die weite Verbreitung des Liedes zu verdanken.
Als Sohn des Lehrers und Kantors an der evangelischen Schule zu Fulda Heinrich Hill wurde am 28. März 1838 Wilhelm Hill zu Fulda geboren. Sein Vater, gerühmt als Pädagoge und Musiker, stammte aus Schrecksbach bei Alsfeld. Sein trefflicher Charakter verschaffte ihm viele geachtete Chrenstellen. So war er lange Jahre Präsident des Bürgervereins und Dirigent mehrerer Gesangvereine. Seine Gattin stammte aus Fulda und war eins geborene Heßberger.
Schon in dem kleinen Kind offenbarte sich das Interesse an Musik beim Spiel der Militärkapelle. Watz- rend der Vaters pädagogische Einsicht die Einführung in die Musik mit Erfolg übernahm, blieb die wissenschaftliche Ausbildung recht dürftig. Denn die von dem Knaben besuchte Realschule zu Fulda ließ manches zu wün- scheu übrig. Noch später klagte Hill über seine recht lückenhaften Schulkenntniffe. Ilm so eifriger übte er Klavier- und Violinspiel; dazu gesellte sich bald eine ausgesprochene Begabung für Zeichnen und Malen. Wie bei vielen großen Männern lGerh. Hauptmann, Gottfried Keller u. a.) schwankte auch er lange zwischen der Malerei und seinem eigentlichen Beruf, bis er sich •für die Musik entschied. Und da in Fulda kein Lehrer wat, bet den begabten Knaben zur vollen Ausbildung hätte bringen können, dachte der Vater an Frankfurt cm Main, wo seit 1849 der Fuldaer Musiker Heinrich Henkel wirkte.
Von den beiden Männern, deren Hill seine technische Und theoretische Ausbildung verdankt, Henkel und Hauff, war sein Landsmann ohne Zweifel der Bedeutendere. Auch Henkel war der Sohn eines Fuldaer Kantors, der als Schüler des Schmakkalder Organisten Vierling, der bei einem Sohn Joh. Seb. Bachs gelernt hatte. Basch'fche Tradition pflegte. Durch den Marquis Armand de Cuttere, einem Schüler Chopins, der sich 1838 in Fulda niederließ, wurde der junge Henkel in Chopins Kunst eingeführt. Der Musiktheoretiker Andre erweckte in ihm die Siebe zu Mozart. Bach, Chopin und Mozart blieben Henkel allzeit unvergleichliche Vorbilder. Nach Andres Tod weilte Henkel einige Jahre in Fulda und lebte auch nach einem kurzen Aufenthalt in Leipzig wie- der in seiner Vaterstadt, wo er Unterricht und Konzerte gab. bis er 1849 endgültig nach Frankfurt übersiedelte. Hier verstand er es, sich durch fein aroßes Können eine angesehene Stellung zu verschaffen. Ueberanstrengt durch eine allzu umfangreiche Tätigkeit widmete er sich überwiegend dem musikalischen Lehrberuf. Noch durfte er £te große Blüte der von ihm gegründeten Musikschule erleben, ehe er, hochgeehrt und geachtet, am 10. April 1899 starb.
Zu diesem tüchtigen Musiker kam der junge Hill 1854 als Schuler. Henkels Scharfblick hatte bald das fchlum-
*) Der 17. Mai wurde mit Rücksicht auf den 78. ®e- burtstag des zu Limburg lebenden Neffen des Dichters gewählt. ' • ‘ * •
Zur Unterhaltung.
mernbe Talent erkannt und nahm sich des jungen Land- Mannes besonders an. Auf seine ®eran, .)°r„ Hill gute Orchestermusik, wozu ^'n,a \ ‘
heit gefehlt halte. Die knappen Mittel erlaubten ihm nur eine sehr bescheidene Lebensweise die für unsere heutige Jugend einfach unbegreiflich ist. So bitteter einmal fernen Vater bescheiden, L
Rock von sich -urccht machen y* lAn. um seine- em Ätaen schonen zu können. Große Ansprüche an das Le- bä, kiel te er nicht Seine einzige und größte Freude ben steu e $ Musik und das Durchmustern von Noten Eine unvergeßlich weihevolle Stunde für
5 ' _7° gl- Cr einem Klavierkonzert der Klara Schu- mon7 laufen durfte. Henkels Fürsorge für seinen Schüler 5 ng soweit, daß er ihm seine Freikarten zu inerten abtrat und ihn jedesmal zu häuslichen Musik- neranttalümsen einlud. Charakteristisch für den edlen nebrer ist auch seine liebevolle Bemühung, den unerfah- reuen MittelstäLter vor den Gefahren her Großstadt zu ^Eills^Ausbildung hatte inzwischen bedeutende Fortschritt-' oemachr. In einem Schreiben an den Vater rühmt fehl Lehrer Hauff: „Wilhelms Anlagen zur Kam- Position sind ganz augenscheinlich und berechtigen zu den besten Hoffnungen. Es läßt sich mit Gewißheit anneh. men, daß er mit seinem Talent noch Großes zu leisten verspricht/ (11. 10. 54.). Ein längerer Aufetrthalt in dem teuren Frankfurt schien bei der bereits recht starken künstlerischen Selbständigkeit Hills unnötig und so ver- brachte er 1855 einige Monate in feiner Vaterstadt Fulda. Hier komponierte er fleißig und trat auch zum erstenmal in Fulda öffentlich auf, wobei er Stücke von Mendelssohn und seinem Lehrer Henkel vortrug.
Herbst 1855 kehrte Hill nach Frankfurt zurück. Neben sorgfältigen theoretischen Studien, vor allem in der Harmonielehre bei Hauff, arbeitete er eifrig auf dem Gebiet der Komposition. Damals schon rühmte man die reiche Melodik, die allzeit Hills besondere Kunst war. Da sich allmählich auch die äußere Lage des jungen Künstlers durch reichlichen Privatunterricht besserte, kam eine Rückkehr in das billigere Fulda nicht mehr in Frage, und Hill blieb fortan stets in Frankfurt. Anfang 1858 trat er zum erstenmal in Frankfurt öffentlich auf und zwar in einem Kammermusikabend Henkels. Sein erstes selbständiges Auftreten erfolgte 1859 ebenfalls in Frankfurt. Damals wurde auch fein erstes Lied öffentlich gesungen. Groß war der Beifall, der sich dann auch in dem begehrten Privatunterricht praktisch auswirkte, und der Name des jungen Künstlers hatte in Frankfurt einen guten Klang. Dennoch hielt Henkel den Slufent« halt in einer anderen Großstadt für dringend geboten, damit Hill das enge Blickfeld, das ihm von feiner Vaterstadt her noch anhaftete, erweitere und eine größere geistige Regsamkeit gewänne. Hill wählte Leipzig. Doch war der Gewinn diese» Wechsels nicht der gehoffte. Denn aufs neue bedrückt von materiellen Sorgen und wesensfremd der neuen Umwelt, konnte die gewünschte künstlerische Entfaltung nicht gedeihen. Ende 1859 war er wieder in Frankfurt.
Eine interessante Episode des neuen Frankfurter Aufenthalts ist fein Unterricht im Hause Bismarcks, der damals Vertreter Preußens beim Bundestag war. Bismarcks Tochter Maria, die spätere Gräfin Rantzau, war seine Schülerin. Mit Frau von Bismarck spielte er öftere vierhändig. Beim Wegzug von Frankfurt bat die Gräfin Bismarck beim Dank für feinen guten Unterricht, unferen Musiker, sich an sie zu wenden, wenn er ihrer Hilfe bedürfe. Hills Bescheidenheit machte jedoch niemals Gebrauch von diesem Anerbieten.
Anfang bet 60er Jahr« lernte Hill den großen Sänger Karl Hill (nicht verwandt mit dem Komponisten) kennen. Durch ibn wurde das Lied berühmt, das den Namen des Komponisten in die weitesten Kreise trug: „Das .Herz am Rhein". So oft Hill dies Lied fang, wurde er stets vom jubelnden Beifall des Publikums um- brauft. Auch anderer Kompositionen Hills nahm er sich an, vor allem auch der schönen Balladen. Selten fang er „Das Herz am Rhein", ohne die letzte Strophe wiederholen zu muffen. Nachdem her Nachkomme dos Komponisten in Iserlohn die Originalhandschrift des berühmten Liedes gefunden hat (Faksimile-Veröffentlichung nn Stadt-Anzeiger zur „Köln. Ztg." 30. 5. 25), sind wir über die Cnfftebuna genau unterrichtet. Sie fällt auf den 31 Mai 1865. Das Lied konnte also dieses Jahr auf eine iechztgsäbrige Lebensdauer zurückblickett, wahrend der es eher an durchschlagender Kraft gewonnen hat. „Dos Herz am Rhein" kam zunächst nur in einer Ausgabe für Bariton und Mezzosopran heraus; später wurde es für mehrere Instrumente arrangiert. Es gab bald keine Musikkapelle, die das zündende Lied nicht spielte. Einer Ausnutzung dieses großen Erfolges auch für die Verbreitung seiner übrigen Kompositionen stand wieder die übergroße Bescheidenheit Hills im Wege. Nur in seinem Herzen lebte die stolze Freude über den Erfolg und die zahlreichen Ehrungen aller Art, die ihm bis zu seinem Tode zuteil wurden. Der Hillbiograph Schmidt, auf dessen Werk diese Arbeit fußt, erwähnt zwei charakteristische Fälle, welche die Beliebtheit dieses wahrhaft populären Liedes beweisen. So ost Hill mit feiner Frau zur Kur auf dem Plattig im Schwarzwald weilte, wurde es jedesmal mit einem Degrüßungsständ- chen gefeiert bei dem natürlich „Das Herz am Rhein" nicht fehlen durfte Daß das Lied aber auch den Weg aller populären „Schlager" ging, nämlich zum Repor- ioire jedes besseren Leierkastens gehörte, ist nicht weiter verwunderlich. Wie Schmidt berichtet, mußte Hill an
eigener Person erfahren, was es heiß,, „populär zu fein. „Spät abends kam er einst auf einer Reife mit feiner Frau in Kastel an. Ermüdet begaben sich die beiden in ihrem Hotel zur Nachtruhe. Aber, o Graus, mit dem Schlaf war es für di« erften Stunden nichts! Denn nebenan in einer Kneipe wurde fortwährend „Das Herz am Rhein" gespielt und gab dem gequälten Komponisten veranlastung, recht weidlich über die Leierkastenmusik im allgemeinen und über „Das Herz am Rhein" im besonderen zu schimpfen."
Es ist sehr bedauerlich, daß, trotzdem Hills Name weithin berühmt war, die übrigen Werke so wenig Beach- hing sanden. Und doch bergen doch sie durchweg gute Melodik. Aber die Rolle des Sängers Hill läßt den Grund dieser bedauerlichen Erscheinung erkennen. Es fehlten eben die oussührenden Kräfte, welche das Schaf- fen des Künstlers eindrucksvoll in die Veffentlichkeit brachten. Das Hindernis war auch hier Hills zurückhaltendes Wesen.
Die wenigen Aufführungen jedoch erfüllten den bescheidenen Mann mit inniger Freude, besonders der H i l l. A b e n d am 7. März 1879, den das „Museum" in F u l d a veranstaltete. Hill selbst saß am bekränzten Flügel, gerührt durch die reichen Ehrungen in feiner Vaterstadt, hocherfreut, daß auch sein alter Vater unter den Hörern saß. Hills Können kam in Komposition als auch in vollendete» Klaviervorträgen zur Geltung. Eine glänzende Besprechung in der Fuldaer Zeitung rühmte vor allem die Fülle hervarragender Melodien und Ma- tive sowie deren vorzüglicbe thematische und kontrapunkt- liche Bearbeitung.
In späten Jahren noch verheiratete sich Hill mit feiner Schülerin Mary Währing, einer Deutschamerikanerin (1887). Nur einige Jahre ungetrübten Eheglückes waren ihm vergönnt. Da ereilte ihn ein ähnliches Leiden rote Beethoven: eine schlimme Augenkrankheit zwang ihn, den Musikunterricht ganz aufzugeben. Der Zustand verschlimmerte sich so sehr, daß zum Schutz für das gefunbe Auge das kranke herausgenommen werden mußte. Zu dem körperlichen Leiden gesellte sich der seelische Druck, da nun auch die Arbeitslätigkeit stark behindert war. Nur vereinzelt konnte der von einem harten Geschick heimgesuchte Meister eine kleinere Komposition vollenden. Am 6. Juni 1902, während eines Kuraufenthaltes in Bad Homburg, nahm der Tod dem Meister die Feder endgültig aus der Hand. Seine Grabstätte auf dem Frankfurter Friedhof schmückt eine weiße Marmorbüste, die zu dem geistigen Weiterleben die Erinnerung an die irdische Erdenbahn festhält.
Reich und vielgestaltig ist Hills Lebenswerk. Zart empfundene Lieder, darunter mehrere von F. Stoltze und Hornfeck, zwei prachtvolle Balladen, zwei Mosellieder in der Art der „Krone", die humorvoll den Preis des Moselweines fingen, sowie eine Menge ungedruckter Lieder lassen die Kunst Hills, lyrische Schöpfungen in gefälliger Melodik und volkstümlicher Einfachheit zu schaffen, in hellstem Lichte leuchten. Eine Menge Kompositionen hat Hill für den Mannerchor geschrieben. Selbst ein Meister im Klavierspiel, hat Hill eine Fülle vortrefflicher Werke für Klavier geschaffen, unter denen die „Sechs Etüden" (Op. 16) und die „Tonbilder aus dem Taunus" (Op. 48) befonbers hervorragen. In feinem Ringen um die höchste Gattung der Komposition, nämlich die Oper, war Hill zu feinem großen Schmerz fein Erfolg beschieden. Don einer ersten Oper „Jolanthe", die nach einem Briese Hills fast fertig war, sind sehr kleine Bruchstücke erhalten. Handschriftlich fast vollständig laegt die zweite Oper „Alona" vor. Bei der Einweihung des Frankfurter Opernhauses (1879) wurde sie beim Preisausschreiben unter 50 eingereichien Opern als die zweitbeste ausgezeichnet und auch später aufgesührt. Doch gelang es dem Werke nicht, sich durchzufetzen. Schmidt hat das Vorspiel im Druck veröffentlicht.
Ein bescheidenes, arbeitsreiches Künstlerleben ist mit Wilhelm Hill dahingegangen. Er war keiner der Großen, kein Bahnbrecher im Reich der Töne. Und doch hat auch er Bedeutendes geleistet, am meisten bann, wenn er fein edles Menschentum in Töne ausgoß. Werke, die ein anderes Los verdienten als das der Vergessenheit. Ans liebvollem Verständnis hat fein gründlicher Kenner und Biograph die Charakterisierung Hills in die Worte gekleidet: „Hill war ein vornehmer Komponist. Die gründlkchen Studien, die er unter bewährter Leitung in der Jugend gemach! hatte, liehen ihn die Technik leicht und uneingeschränkt beherrschen. War ihn vor allen Dingen auszeichnet, ist seine Melodik. Wie Hill im Leben allem Aeußerlichen und Blendenden abhold war, so auch in feiner Kunst. Und wer ihn in diesen hervorstechenden Zügen seines Charakters und seiner Kunst kennen gelernt hat, der wird ihn immerbar lieben."
perlen in deutschen Flüssen.
Don Dr. S. Schmitz.
Im ®rünen Gewölbe zu Dresden, dieser märchenhaften Schatzkammer köstlicher Kleinodien, befinden sich zwei berühmte Perlenschnüre von erlesener Schönheit, die neben 228 orientalischen Perlen 177 prachtvolle Perlen enthalten, die aus der Effter stammen. Aus der Elster? wird mancher Leser erstaunt fragen. Werden denn Perlmuscheln auch in deutschen Flüssen gefangen? Es gibt in der Tat eine aame Anzahl deutscher Bäche und Flüsse, in denen die Flußperlmuschel, die Erzeugerin der heimischen Perlen, lebt. Da die Perlmuschel nur in kalkfreiem oder sehr kalkarmem Wasser gedeiht, be»
Nr. 228 com 3. Oktober <925.1 >
schränkt sich ihr Verbreitungsgebiet auf die Gewässer des Urgebirges, des Kambirums .Silurs und Buntsand- fteins. Sie lebt vor allem in den vom Fichtel- und Elstergebirge und vom Bayerischen Wald abfließenden Bächen, doch kommt sie auch im Gebiet des oberen Mains, der Fränkischen Saale und in der Kinzig, in der Steinach (Odenwald), im Spessart, in der Lausitz, im Riefengebirse, in der Lüneburger Heide, auf dem Huns- rücr, in der Eifel und im Hohen Perm vor. Seit 15. Jahrhundert wird die Perlmufchel in einzelnen, besonders geeigneten Gebieten planmäßig gehegt. Von manchen Landesfürsten rourbe die Perlfischerei zum Regal erhoben, auf dessen Verletzung drakonische Strafen wie Augenausstechen und HaNdabschneiden standen.
Die bis 14 Zentimeter lange Perlmuschel findet sich einzeln ober zu Kolonien vereint an geröll- und pftou- zenarmen Stellen der Gewässer im Sand. Jedes Perlmuscheln führende Gewässer ist in genau abgegrenzte Reviere eingestellt, deren sedes alle 12 bis 15 Jahre einmal abgefischt wird. Die Perlfischerei wird in den Monaten Mai bis August betrieben. Dabei werden die Muscheln in einem mit Wasser gefüllten Gefäß gesammelt, bann vom Fischer sorgfältig geöffnet und etwa vorhanbene Perlen mit einer besonderen Zange herous- genommen. Die untersuchten Muscheln werden meistens mit einem besonderen Zeichen versehen, wieder in das Gewässer gesetzt. Bei diesem Verfahren bleibt das Muscheltier am Leben, was wirtschaftlich von höchster Bedeutung ist, da sich unter 1000 Muscheln höchstens 4 dis 10 Perlenträgerinnen befinden. Wollte man in den deutschen Gewässern die beim Fang der Seeperlmuschel übliche Methode anwenden, bei der das Tier stets zugrunde geht, so würden die deutschen Muschel- kolonien bald verödet fein.
fiat der Fischer eine Perle gefunden, so nimmt er sie in den Mund, reinigt sie auf diese Weise von dem anhaftenden Schleim und übergibt sie dem ihn begleitenden Kontrolleur. Die einzelnen Perlen sind nach Größe und Güte natürlich außerordentlich verschieden, doch finden sich stets Stücke darunter, die keinen Vergleich mit den schönsten orientalischen Perlen zu scheuen brauchen. Der Ertrag der deutschen Perlenfifcherei fällt gegenüber den Mengen, die von den orientalischen Fangstätten tn den Welthandel kommen, kaum ins Gewicht. So liefern z. V. die oberfränkischen Gewässer jährl. im Durchschnitt nur eine Ausbeute von 1600 bis 1700 Perlen. Trotzdem verdient die deutsche Derlfischerei als kulturgeschichtliche Merkwürdigkeit mehr Aufmerksamkeit, als ihr im allgemeinen zuteil wird.
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BimU Zeitung.
— Die Well und das unendlich kleine. Wieviel Atome befinden sich in einem Tropfen Wasser? Auf einen Ouadratzentimeter können etwa 200 Grashälmchen stehen. Wenn man nun berechnen würde, wieviele Grashälmchen auf der ganzen Erde wachsen könnten, wird man zu feiner Ueberraschung feftfteöen müssen, daß diese Anzahl beinahe ebenso groß ist als die Anzahl der Atome in einem Fingerhut voll Wasser.
— Das Radio in England. Seit Beginn dieses Jahres bis Ende August ist in England die Zahl der Ra- dioanschlüsse an Privatpersonen, die von der Post verliehen werden, von 636 000 auf 1 387 000 gestiegen. In der Industrie, die sich mit der Herstellung von Hörapparaten usw. beschäftigt, sind etwa 35 000 Personen tätig. Man schätzt die Kosten der jährlich angebrachten Apparate auf 10 000 000 Pfd. Sterling.
— Die 43. Operation überstanden. Man sollte es nicht für möglich halten, daß der menschliche Körper 43 Operationen zu ertragen vermag. Das wenig beneidenswerte Opfer einer solchen Nervenprobe ist ein 35 Jahre alter ehemaliger Hilfsarbeiter in Newyork. Vor zehn Jahren fiel demselben ein Ziegelstein auf den Fuß, der die Zehen gnetschte. Cs entstand eine Blutvergiftung, deren Umsichgreifen die Aerzte durch eine Operation vor- jubeugen versuchten. Operation folgte auf Operation und der beklagenswerte Mann verlor zum Teil Hände und Füße, die man amputierte, um der Vergiftung Einholt zu gebieten. In den letzten Tagen unterzog sich nun der Patient feiner 43. Operation, die er ebenfalls glücklich überstand. — Als die Freunde und Nachbarn hiervon erfuhren, veranstalteten sie einen „Wohltätig- keitsball", deffen Ertrag dem Rekonvaleszenten zugeführt werden soll.
Reiferes.
Schmeichelhaft. Arzt: „Wenn ich nut ein wirksames Mittel gegen den verflixten Rheumatismus hätte!" — Frau: „Aber Mann, du hast doch fo viele Patienten an diesem Leiden behandelt, die wieder gesund geworden sind, da würde ich mich doch einmal bei diesen erkundigen, war sie dagegen getan haben!" (Gernütl. Sachse.)
kein Freund neuer Titel. Ein Musiker bestellte auf dem Standesamte fein Aufgebot. — „Was sind Sie?" fragte der Beamte. — „Tonkünstler." — „Ach was", entgegnete der Beamte, „ich bin kein Freund neuer Titel. Ich schreibe, wie es heißt: Töpfer."
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Scherzfragen. Welche Ware hat trotz der schlechten Zeit immer noch einen hohen Absatz? — Damenschuhe. Warum sterben fo viele Menschen? — Weil die Aerzte die Rezepte in Latein schreiben und Latein ist bekanntlich eine tote Sprache. (Brummbär.)
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