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uldaerZertung

Anzeiger für die Skadk und den Kreis Fulda.' Amkliches Kreisblakk.

Nr. 221.

Verantwortlich für die Echriitleitnns: Dr- JobanneS Kramer- Anzeigen: I. P arrrller, Fulda. Rotationsdruck und verlas de» Fuldaer Aetlevdruckerei in Fulda. Feruivrecker Nr- S.

Monatlicher BeruaSvreiS: 1.50 Mt.

Freitag, 25. September 1925.

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52. Zahrg.

Die Konferenzeinladung angenommen.

lieber das Ergebnis des Ministerrats am Mitt­woch wissen die Blätter zu melden, daß die An­nahme der Einladung zur Sicherheitspaktkonserenz, die am 5. Oktober beginnen soll, im Prinzip b e • schlossen worden sei. Der Konferenzort — laut „Täglicher Rundschau* hat Luzern jetzt wieder die meiste Aussicht — soll noch mit den Westmächten vereinbart werden. Als Hauptdelegierte seien Reichskanzler Dr. Luther und Reichs- außenminister Dr. Stresemann be­stimmt worden. Der unter dem Vorsitz des Reichs­präsidenten am Donnerstag zusammentretende Ka­binettsrat wird diese Beschlüsse zu sanktionieren ha­ben. Was die Richtlinie für die deutsche Delegation anbetrlfft, so basieren diese, wie die Blätter erfah­ren, auf der deutschen Note vom 20. Juli und auf den Erklärungen, die die Reichsregierung zur Pakt- polttik im Reichstage abgegeben hat. Ziel der Kon­ferenz soll fein, mit den Unterhändlern der West­mächte zu Vereinbarungen zu gelangen, die nach Genehmigung durch die Regierungen und die Par- lamente auf einer zweiten Konferenz unterzeichnet werden sollen.

Ueber die Beratungen der deutschnationalen Reichstagsfraktion, die Mittwoch abend wieder aus­genommen wurden, teilt der „Lokalanzeiger" mit, daß auch die deutschnationale Fraktion durchaus aus dem Standpunkte steht, daß die deutsche Note vom 20. Juli für die deutsche Paktdelegation bindend bleiben müsse.

(Ein wichtiger Schritt.

Von einer besonderen politischen Seite wird Uns geschrieben:

Die Entscheidung der Reichsregierung, die Ein­ladung der Gegenseite zu einer Konferenz über die Sicherheitsfrage und über die Grundlagen des von DeutMand angeregten Garantiepaktes mit Frank­reich anzunehmen, bedeutete einen wichtigen Schritt in der gesamten innen- und außenpolitischen Ent­wicklung der letzten Jahre.

Da-^Zief imferer Außenpolitik mußte schon von der Stunde des militärischen und politischen Zusam­menbruchs an darauf gerichtet sein, in zäher, wenn auch opfervoller Arbeit sich wieder Bewe­gungsfreiheit zu veiffchaffen. Durch den Ver­sailler Vertrag sind wir politisch und auch wirtschaft­lich in schwere Fesseln geschlagen, die uns immer wieder an der Entfaltung unserer Kräfte hindern. Die gegenwärtige betrübliche Lage unserer Wirt­schaft sagt doch gerade genug. Innenpolitisch ist es uns in etwa gelungen, zu einigermaßen stabi­len Verhältnissen zu kommen. Wirtschaftlich aber liegen wir noch in Ketten. Wir könnten uns nicht frei nach außen hin entfalten, wir sind auf Schritt und Tritt, sei es durch unsere eigenen, sei es durch fremde wirtschaftliche Entschließungen ge­hemmt. Auch der unter heftigen Parteikämpfen jüngst geschaffene Zolltarif kann solange nicht zu einem Verhandlungsinstrument werden, als nicht auch die politische Grundlage zu einem Einver­nehmen der bis dahin in Kampfstellung zueinander stehenden Völker geschaffen sind.

Nun sind wir auf dem Wege zu einer Ent­wicklung, die die Entscheidung darüber bringen soll, ob wir uns jetzt ein freieres Betätigungsfeld wringen können. Es ist richtig, daß die deutsche Reichsregierung mit dem Angebot eines solchen Paktes Bindungen und Opfer auf sich zu nehmen gewillt ist, die vielen unter uns materiell und vielleicht mehr noch seelisch untragbar erschei- nen. Und doch ist es gerade im jetzigen Augenblick nicht überflüssig, an das Wort zu erinnern, daß Politik nicht mit dem Herzen, sondern mit dem Verstände gemacht wird. Wir dürfen auch

Der Vatikan und Prag.

„Osiervatore Romano" bringt folgende No t e des Heiligen Stuhles als Antwort auf das Kommunique der tschechischen Regierung in der Angelegenheit der Abberufung gelegentlich der von der^ tschechischen Regierung abgehaltenen Johann

Der Heilige Stuhl lehnt jede Verantwortung für den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu dem Helligen Stuhl und der tschechischen Regierung ab. Die Verantwortung ist nur der genannten Regierung zuzuschreiben, da der Vatikan keinesfalls die Provokation einer rem antikatholischen Feier dulden kann. Durch diese antikatholische Festlichkeit und durch das Gesetz, welches bestimmt, daß sie jährlich stattfinden soll, sind auch die Gefühle der Katholiken schwer verletzt worden. Die Behaup­tung der tschechischen Regierung, daß die Gefühle der Katholiken respektiert würden, ist also unbegrün. bet. Der Vatikan teilt den Wunsch der tschechischen Regierung, eine befriedigende Lösung zu imiten.

Wirtschaftliche Kampfbewegungen.

_ == 3um Streift der franMschen post- und T'le- ^optenbeamten. Handelsminister Chaumet hat, wie der mitgeteilt wurde, wegen des am Montag er- iol0ten Demonstrationsstreiks der Postbeamten Straf- Abnahmen ergriffen. Sechs Beamte sind aus dem Aienst entlassen worden. Zehn wurden zur Disposition gestellt und eine weitere Anzahl an dem Streik Betei. Ugte sind strafversetzt oder mit Strafen belegt worden. Der Handelsminister erklärte, daß die Regierung eine ueue Unterbrechung des Dienstes in keiner *“-61 Le Dulden UJfilöe,

der Ueberzeugung sein, daß in den beteiligten Strei­fen mit aller Zähigkeit um das Endergebnis gerun­gen wird. Wir werden ohnehin nicht etwa glauben dürfen, daß die Dinge nun in rascher Folge sich abwickeln. Wir werden noch mit manchem wei­teren Zwischenspiel zu rechnen haben, wie wir uns überhaupt auf ein schweres Ringen um unsere Position gefaßt machen müssen.

Auch die kommende Ministerkonferenz wird noch nicht das letzte Wort sprechen können. Jndesien müssen wir den einmal eingetragenen Weg nun weitergehen und dürfen auf keinen Fall die Ver­antwortung für das Scheitern der Sicherheitsver­handlungen auf uns laden. Die Entschluß- und Handelsfreiheit der deutschen Regierung wird auf das Bestimmtest« In allen jetzt bevorstehenden Der- Handlungen verteidigt und gewahrt. Ehe die letzten Entschließungen fallen, werden auch die beteiligten politischen Faktoren ihr Urteil abgeben können. So bleibt vorläufig alles noch in der Schwebe. Aber wir müssen sehen, in der Frage, die tatsächlich den Ausgangspunkt unserer politischen Aktivität angeht, eine Klärung vor uns selber und vor aller Welt herbeizuführen.

Im Grunde ist die gegenwärtige Reichsregie­rung Luther im Hinblick auf ihre Außenpolittk in der glücklichen Sage, wohl über die stärk st e Parlaments rische Basis zu verfügen, die je einer anderen Regierung zuvor gegeben mar. Auch die in der Opposition stehenden Parteien billigen die Grundzüge der jetzigen Außenpoli-ik, von der sie geltend machen chaß es ja die Fort­führung der alten Linie fei. Von dem Zentrum, das der Regierung ja nicht in koalitionsmäßiger Bindung, wohl aber unterstützend zugehört, sind Schwierigkeiten in dieser Frage nicht zu erwarten, da die Herbeiführung einer derartigen Aussprache zu dem Zweck einer Verständigung schon immer in der Richtung der Außenpolitik der Zentrums­partei gelegen hat. Die Schwierigkeiten, die die Reichsregisrung jetzt findet, gehen vielmehr von der größten Regierungspartei aus. Doch mehren fidi die Anzeichen, daß die Realitäten auch hier eine stärkere Würdigung finden, als im agita­torischen Streit bisher zu erkennen war.

In der Tat muffen wir den ©ebritt, den wir einmal begonnen haben, nunmehr vollenden. Alle Welt soll e$ sehen und erfahren, daß es nicht an Deutschland liegt, wenn die europäische Wirtschaft und Polittk aus der ständigen Unruhe und Unsicher­heit nicht heraukkommt. Auch heute noch ist die Welt ausgefüllt mit einem maßlosen Mißtrauen und den Zustand, den man nicht mit Unrecht als Ver- trauensfrife bezeichnet hat, haben wir heute ht der gleichen, teilweise sogar noch in verstärkter Form wie früher. Aus diesem Zustand muffen wir heraus. Die Gegenseite selber fühlt die Notwendigkeit dazu vielleicht noch stärker als wir. Denn die gesamte europäische Wirtschaft ist heute doch enger in allen ihren Beziehungen verkettet, als diele politische Strafte hüben und drüben es wahrhaben wollen. Es sind viel weniger politische als wirtschaftliche Erwägungen, die dazu nötigen, das Problem einer Verständigung zu durchdenken und an seiner Lösung mitruarbeiten.

Mit der Annahme der Einladung der Alliierten zu einer Aussprache übet den Abschluß eines gegen­seitigen Garanttepaktes stehen wir schon nicht mehr am Scheidewege der auswärtigen Politik, sondern wir gehen damit den Weg in einer Richtung, die nicht mehr so leicht umgebogen werden kann. ES handelt sich dabei um keine Parteifache, sondern um eine nationale Angelegenheit, um eine Sache, die dar ganze Volk in seinen politischen und wirt­schaftlichen Existenzgrundlagen betrifft und bei einer solchen Sache der Allgemeinheit ist eS unser aller Pflicht, die Gedanken nur auf die Sicherung des Wohles von Volk und Reich zu richten. Partei­politische Geschäfte können dabei nicht gemacht werden.

Die Lage in Syrien.

wtb London, 24. Sept. (Lig. Kunbf.-TUelb.) .Times" berichtet ans Beirut: Die Vorhut der Truppen des Generals Gameliu find kaum 5 Mei­len von Sueida entfernt Mchrere Angriffe der Drusen sind znrückgefchlageu worden. Ls wird an­genommen. daß die Franzosen wahrfcheinlich noch heute in Sueida einrüden werden.

wtb Paris, 24. Sept. (Lig. Ruudf.-Meld.) tzavas berichtet aus Damaskus: Die Kolonne des Generals GameUn ist in Sueida eingerückt

* Explosion in einer Lackfabrik. In einer Ber­liner Lackfabrik hat sich Mittwoch nachmittag eine schwere Explosion ereignet, bei der zwei Arbeiter durch Stichflammen schwer verletzt wurden.

* Ein Asahiflieger in Hamburg. Auf Einladung des Deutschen Aerolloyd traf am Mittwoch mor­gen der japanische Flieger Kawachi auf dem Fuhlsdütterler Flugplatz bei Hamburg ein. Er wurde von Vertretern des Aerolloyd sowie vom Kommandeur der Luftaufsicht, Major v. H e i m • bürg, empfangen.

* Zwei Flugzeuge abgestürzt. Bei einer Lan­dungsübung stießen auf dem Flugplatz von Bristol zwei Flugzeuge zusammen und sttirzten aus einer Höbe von vierhundert Fuß ab. Beide Flieger­offiziere sind t o t.

* Anschlag chinesischer Banditen auf einen Eisen­bahnzug. In der Nacht zum Samstag feuerten chinesische Bandiien auf der Strecke Hongkong- Kanton auf einen Zug, in dem sich 16 amerika­nische Reisenden befanden. Die Amerikaner blieben unverletzt, dagegen würben vier Chinesen verwundet.

Deutsches Reich.

* Die Besprechungen über die Beamtenbesokdung vertagt Die Besprechungen übet die SBeamtenbe- soldung, die im Reichsfinanzministerium stattfinden sollten, mußten vertagt werden, weil der Reichsfinanzminister der Ministerbesprechung über den Sicherheitspakt beiwohnen mußte. Wie den Organisationsvertretern mitgeteilt wurde, soll in dennächstenTagenmit ihnen verhandelt werden.

* Der Streit i« der sächsischen Sozialdemokratie. Eine Versammlung der Sozialdemokraten von Groß- Leipzig faßte zu dem Beschluß des Heidelberger Pa-teitages über die Beilegung des Konflikts, in der sächsischen - Sozialdemokratie eine Entschließung, in der gegen die vom Heidelberger Parteitag getroffene Entscheidung schärfsten Protest erhoben wird. Die Parteigenossen werden aufgefordert, im Sinne der bisherigen Tattik der sächsischen Partei ihre Pflichten weiter vollauf zu erfüllen.

* Die künftige Landkagszusammensehung in Bay­ern. Nach der Gründung einer nationalsozialisti­schen Landtagsfraktion, über die berichtet wurde, hat sich das Stärkeverhältnis der im bayrischen Landtag vorhandenen Fraktionen verschoben. Da die völkische Fraktion nunmehr 13 Sitze inne hat, tritt in der Zusammensetzung des Landtags-Prä­sidiums ein Wechsel ein, indem der 2. Vizepräsident des Landtags, der völkische Abgeordnete Dörfler, fein Amt an die deutschnationale Fraktion ab geben muß. Der Landtag weist nunmehr folgende Frak- tionsstärken auf: Bayerische Volkspartei 45 Man­date, Sozialisten 24, Deutschnationale 14, Völkische 13, Bayerischer Bauernbund 11, Kommunisten R, National-Sozialisten 6, Freie Vereinigung 6, Frak- ttonslos 1. ___________

* Der preußische Landtag. In der Landtags- fitzung am Mitwoch führte das Haus, nachdem ver­schiedene Gegenstände den zuständigen Ausschüssen überwiesen waren, die Aussprache über den Skan­dal bei der preußischen Landespfandbriefanstalt weiter. Abg Ladendorf von der Wirtschaftlichen Vereinigung greift dabei den Wohlfahrtsminister Hirtsiefer äußerst schwer an. In feiner geschickten Erwiderung rotes der Wohlfahrtsminister die unge- r^fertigten Angriffe gebührend zurück. Das Haus vertagte sich nach weiteren Beratungen über den Etat des Wohlfahrtsministerium nach halb 5 Uhr aus Donnerstag.

Susland.

♦ Die polnische Wirtschaftskrise. Für August ist die Zahl der bei der Bank PolSki protestierten Wechsel infolge der allgemeinen Zahlungsschwie­rigkeiten gestiegen. Bei den Filialen der Bank von Polen waren in diesem Monat Wechsel für insge­samt 143 3 Millionen Zloty zahlbar; davon wurden Wechsel in Höhe von 6.7 Millionen Zloty, also 4.5 Prozent, zu Protest gegeben.

* Lebensmittelunruhen in Teheran. Wegen des Brotmangels erzwang eine Menschenmenge die Schließung deS Marktes in Teheran und zog vor das ParlamentSpebaude. Die Menge schlug die Türen und Fenster des Gcbäudes ein und richtete im Innern Zerstörungen an. Parlamentsmitglieder, die zu fliehen versuchten, wurden mißhandelt. Der Mili­tärgouverneur versuchte, die Menge zu beruhige«, jedoch ohne Erfolg Die Kundgebungen dauern an.

* Rückkehr des Schahs von Persien. Der Schah von Persin, der sich feit längerer Zsst in Frankreich aufhält, wird laut „Havas" Ende September nach P e r f i e n zurückkehövr.

• Laillaux in Amerika angekommen. „Havas" berichtet aus New Dark: Finanzminister Caillaux und die Mitglieder der Schuldenkommission sind hier eingetroffen. Bei seiner Ankunft er­klärte Finanzminister Caillaux gegenüber Pressevertretern: „Wir sind überzeugt, daß es uns dank der beiderseitigen Loyalität gelingen wird, zu einem gerechten und durch­führbaren Abkommen über die Kriegsschulden zu gelangen. Es kann nicht ausbleiben, daß die Bereinigten Staaten und Frankreich, die zweimal Sette an Seite auf dem Schlachtfelds gekämpft ha­ben, eine volle Verständigung auf der Grundlage des Friedens und der GereHigkeit erreichen wer- den." l ....;

Die amerikanischen Zlieger in Marokko.

wtb Vatis, 24. Sept. sEig. Runds. Meldg.f HavaS meldet ans Fez: Die amerikanischen Flieget haben beschlossen, auch setnethi« ttotz det ihnen zugegangenen Watnung aus Washington, Dienst in dem gegen Abd el Krim kämpfende« Heer zu leisten.

Zchiffsunglück auf der Weser.

wtb Bremen, 24. Sept. (Eig. Ruudf.-Rleld.) Gestern abend geriet der der Hapag gehörige 7000 Tonnen-Dampser „Vogtland" auf der Weser auf Grund. Bei dem Auslaufen wurde der den Dampfer schleppende Schlepper „Vega" vom Rord- deulschen Lloyd zvm Sentern gebracht und s a n k. Dabei sind 6 Wann ertrunken. Die „Vogt­land" wurde später wieder flott und setzte ihren Weg nach Bremen wieder fort.

Wbt Hamburg, 24. Sept. (Eig. Ruudf.- Meld.) Rach einer hier vorliegenden telegraphi­schen Meldung ist der Schlepper „Vega" dem Dampfer „Vogtland" bei Aebernahme der Schlepp­trosse vor den Bug geraten und dann gekentert. Die „Vogtland" hatte zur Zett des Unfalls nur sehr geringe jabrf, ' " 1 v " '

gufwettungrrecht.

Don Dr. Sche11er, Landgerichtsdirektor, M.d.R.. Köln, J. Die Ablösung der öffentlichen Anleihen.

Allgemeines.

Fortsetzung aus 219 der .Fuldaer Zeitung'.

X.

3. Die öffenttiche Meinung würde ein allzu gro­ßes Mißverhältnis zwischen Anleihe- unb Hypothekenauswertung nicht der­tragen. Nicht nur diejenigen würden unzufrieden fein, die ihre letzten Ersparnisse in der Not dem Vaterlande zur Verfügung stellten, sondern auch mit Recht diejenigen, die als Schuldner privater Forderungen 25 Prozent Aufwertung tragen müß­ten, als Staatsgläubiger aber nur einen Bruchteil des allgemeinen Aufwertungssatzes erhielten. Wollte man triefe Ungerechtigkeiten mindern, so mußt» das Streben dahin gehen, möglichst den all­gemeinen Aufwertungssatz von 25 Prozent zu er­reichen, auch da nicht, wo vielleicht eine Kommune zu voller Aufwertung in der Lage wäre, dagegen int Rahmen einer Aufwertung bis zu 25 Prozent des Goldmarkwertes zu staffeln. Diesen Gedanken hat das Ablöfungsgesetz Rechnung getragen. Wenn es nicht gelungen ist, den Normalsatz von 25 Pro­zent des Aufwertungsgesetzes zu erreichen, so liegt das ausschließlich an der Unzulänglichkeit der zur­zeit vorhandenen Mitteln und der Sorge, dem Reichsetat nicht Lasten aufzuerlegen, unter denen er zufammenbrechen müßte. Dafür ist andererseits das System des Ablösungsgesetzes so aufgebaut, daß es bei späterer günstiger Entwicklung dec Reichsfinanzen die Möglichkeit bietet, erheblich? Verbesserungen einzubauen.

4. Soziale Fürsorge. Der Staat tonnte sich der Einsicht nicht verschließen, daß ihm eine besondere Entschädigungspflicht gegenüber den un­glücklichen Jnflationsopfern obliege, die im Ver­stauen auf feine Zahlungsversprechungen in beste- ren Zeiten ihre Ersparnisse ihm für seine staat­lichen Aufgaben zur Verfügung stellten, die jetzt nicht mehr in der Lage sind, ihren Lebensunterhatt zu verdienen und durch die allgemeine Geldentwer­tung bedürftig wurden, vielfach auch einer Hilfe nicht bedürfen würden, wenn der Jnflationsstrom sie nicht ms Elend gerissen hätte. Die Zahl dieser vom Geschick Enterbten ist groß; so groß, daß der Kreis der bedüftigen Reichsanleihegläubiger mit einem Altbesitz von 2% Milliarden eingeschätzt wird. Es handelt sich dabei meist um alte Leute, die ihr für die Not des Alters erarbeitetes Vermögen zer- rinnen sahen und oft aus falscher Scham nicht den Mut finden, die öffentliche Fürsorge für sich V Anspruch zu nehmen.

Was zur Linderung ihrer Not durch das Ab- löfungsgefetz zur Verfügung gestellt wird, ist zwar nicht so viel, daß damit allem Elend abgeholfen werden könnte, aber immerhin recht beträchtlich, und halb so viel, als im übrigen zur Ablösung der gesamten Anleiheschulden des Reiches alljährlich überhaupt aufgebracht wird. Es war der Vorschlag gemacht worden, die Aufwertung der Anleihen nur nach sozialen Gesichtspunkten vvrzu- nehmen und alle diejenigen physischen und juristi­schen Personen mit ihren Ansprüchen auszufchlie- ßen, die ein gewisses Einkommen oder Vermögen hätten. Ein solches Verfahren hätte den Rechts, standpunkt völlig preisgegeben und wäre insbeson­dere auch dem Aulande gegenüber, mit dessen Kre­ditneigungen nur einmal zu rechnen ist, nicht ver­tretbar gewesen. So ist auch im Ablösungsgesetze das soziale und das Rechtsempfinden mit einander in Einklang gebracht worden und die P a r t e i e n, die für das Gesetz gestimmt haben, wissen sich von dem Vorwurf frei, nicht für alle Dolkskreise das Beste erftrebt zu haben.

Cholera in Manila.

wtb £ o n b o n. ((big. Rundf.-Meldg.) „Reuter" meldet ans Manila, daß während der letzten 24 Stunden 12 Cholerafälle festgestelll worden find, von denen einer tödlich verlief.

Tagung des Verbandes der Mitteldeutschen Industrie.

Im Schloßhotel zu Gotha fand am 23. September die Mitgliederversammlung der Mitteldeutschen Industrie unter großer Beteiligung statt. Don großem Interesse waren die Ausführungen des Staatsministers Dr. Sattler über das elektrowirtschaftliiche Pro­gramm der Thüringer Regierung.

DaS Programm läßt sich in den leitenden Gedanken zusammenfassen: Ausbau der Wasserkräfte Thüringens, Vereinheitlichung und wirtschaft- kicher Ausbau der Landeselektrizitätsversorgung und Verbindung dieser Versorgung mit den benach­barten großen Energie-ErzeugungSzentren.

Zur Verwirklichung dieser Pläne ist vorgesehen der Ausbau der Werrakräfte und der oberen Saale um die notwendigen großen Energieerzeugungsstellen zu schaffen. Der Versorgung des Landes mit Elektrizität, also der Weiterleitung deS erzeugten und aus anderen Kraftwerken: Städtische Elektri zitäts. werke Erfurt und Kraftwerk-Böhlen A.»G., Sächsische Werke übernommenen Stromes. Tas Thüringenwerk soll also reine Verteilerleitung sein.

Ein Ausbau dieser Werke würden bei Aufsaugung der kleinen unwirtschaftlichen Erzeugungsstellen die Verernheitlichunp der gesamten Thürin­gischen Stromversorgung mit sich bringen und eine wesentliche bedeutet die Abstellung mancher Mißstände. . ,r.

An dies längere Referat des StaatSmrnrsters schloß sich ein Vortrag des Dr. A. Web er» Berlin über .Die derzeitige Lage der deutschen In­dustrie-. a. , .

Der Abend vereinte die Gäste zu einem Bierabend im Schloßhotel»