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FuldaerZeüung
lr. 216.
Anzeiger für die Skadk und den Kreis Fulda. Amkliches Kreisblakk.
Samstag, 19. September 1925
52. Zahrg
Verantwortlich lüt die 6d>riftiettiutg: Dr Johanne? gramer. Anzeigen: I. Varzeller, Fulda. Rotationrvrnck und Verlag de,
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Kundgebungen im befreiten Ruhrgebiet. Reichspräsident v. Hindenburg, Reichskanzler Dr. Luther, Ministerpräsident Braun und Minister Zevering bereisen die besatzungsfreien Städte. — Dankeskundgebung der Bevölkerung für die zielbewutzte vefreiungs- politik der letzten Reichskabinette.
Was will England?
Die letzten Franzosen und Belgier sind nun seit Wochen aus dem Ruhrgebiet, wo sie in den ersten . Wochen und Monaten des Jahres 1923 unter dem . Kabinett Dr. Cuno mit gewaltigem Kriegsgetöse ; eingezogen waren, zur herzlichen Freude der deut- ; schen Bevölkerung verschwunden. Reichspräsident । und Reichsregierung, ferner die Vertreter der | preußischen Regierung sind jetzt in das befreite Ge- , biet gefahren, um mit dem Volk an der Ruhr,in seiner großen Masse ein Industrie-Arbeiter - D o l k, das vaterländische Ereignis der Be- freiung zu würdigen. Wer die Seele des Industriegebiets kennt, nicht nur etwa aus schwungvollen Festberichten seine Kenntnisse über Land und Leute im Gebiet der Gruben und Zechen zieht, weiß, daß in Bochum, in Essen und in den anderen ’ Industriezentren kein Platz ist für phrasenreichen ; Byzantinismus. Dort wird Wahrheit erwartet und ; Wahrheit entgegengebracht. Der ehemalige Arbeiterführer, jetzige Oberpräfldent von Westfalen, Granowski, hat an der Provinzgrenze, in Hamm, den Reichspräsidenten, den Minister für das besetzte Gebiet Frenken, den preußischen Minister- * Präsidenten Braun und den Innenminister Seve- ring willkommen geheißen. (Reichskanzler Dr. ' Luther begab sich im Flugzeug von Berlin gleich 1 nach Bochum). Vorher hatte ein Sängerchor sich hören lassen. Granowski sagte: „Die westfälischen 1 Sänger haben Ihnen, Herr Reichspräsident, soeben mit schlichten Worten ihren Gruß entboten. Ebenso schlicht soll mein Willkommen im Lande der roten Erde zwischen Kohlenhalden und Z e - chentürmen, im Lande der Arbeit und des Gewerbefleißes, fein. Herzlich willkommen Herr Reichspräsident im Westfalenland!"
Es bat einen ganz hervorragenden Eindruck gemacht, daß Reichspräsident Hindenburg den Ton des Sprechers aufgriff. Hindenburg verließ den Salonwagen und betrat unter Begleitung aller Herren den Bahnsteig und rief den int Bahnhof spalierbildenden Eisenbahnern sowie anderen zu: „Ihr hattet schwere Tage, aber wir wollen alles tun, damit die Zukunft bester werde!", worauf die Antwort ertönte: „Gott gebe es!" Der Reichspräsident brachte dann ein begeistert aufgenommenes Hoch auf das Vaterland aus.
In Bochum fand später eine gewaltige öffentliche Kundgebung statt. Hier gedachte Oberpräsi- dnt Gronowski des ersten Besuches des ersten Reichspräsidenten in Westfalen, am 18. März 1923, der dem Zweck diente, die nationale Opferbereitschaft der Bevölkerung zu stärken. „Zum zweitenmal," so fuhr der Oberpräsident fort., „war der Reichspräsident Ebert am 1. August v. I. in unserer Provinzialhauptstadt Münster. Es waren die Tage, als der Reichskanzler Marx, Außenminister Strefemann und der damalige Reicksfinanzminister Luther in London Mittel und Wege suchten, um für uns die Freiheit wiederzuerlangen. Wir drücken allen, die an diesem B e- freiungswerk gearbeitet haben, dankbar b i e Hände. Heute wissen und erkennen die meisten deutschen Staatsbürger, daß nur diese vor etwa fünf Jahren eingeleitete Auslandsvolitik es uns möglich macht. Sie, Herr Reichsvräsident, und die Herren Ihrer Begleitung hier heute aufrichtig und herzlich zu begrüßen. — Granowski brachte ein Hoch auf den Reichspräsidenten aus. Während Minisiernräsiden Braun gleichfalls unter Hinweis auf die Befreiungstat des Kabinetts Marx in seiner
vom Marokko-Kriegsschauplatz.
Gefahrenzulage.
Die französische Regierung hat beschlossen, den fn Marokko'kämpfenden Truppen eine tägliche Sonderzufuge von 73 Centimes für den t in f o d) e n Soldaten und bis zu 5 Franken für den Offizier zu gewähren, die rückwirkend ab 1. September 1925 gezahlt wird.
Kopfpreis für Abd el Krim.
wtb Paris, 18. Sept (Tel.). Wie dem »Journal" aus Rielida berichtet wird, hak der Sul- kan INulay Justus in einem Aufruf, den er an alle Stämme, auch an die unterworfenen, verkeilen läßt, auf seinen Bruder Abd el Krim, tot oder lebendig, einen Sopspreis von einer Million aus- gefeht. M d
ümland.
• Entwaffnungsforderungen der Alliierten an Oesterreich. Wie' die „Neue Freie Presse" erfährt, hat der Botfchasterrat in Paris den Beschluß gefaßt, die österreichische Regierung austusorbern, 7000 der Erzeugung von Waffen und Munition dienende Maschinen, die üch noch im Besitze der Privaiindustrie befinden, auf Grund der Bestimmungen des Berf träges von St. Germain der Zerstörung zuzuführen. Die „Neue Freie Presse" bemerkt hierzu, daß es in Oesterreich keine Waffen- und Munitions- erzeugung mehr gebe und daß- es sich also nur um Maschine.n handeln könne, die seit längerem auf die Erzeugung von Produtten der Friedensindustrie umgestellt seien.
* Auflösung des indischen Staatsrats Aus Siem la wird gemeldet: Der Bizekönig hat den Mdilckev SitiAtSrat aufgelöst»
Ansprache erklärte, daß alles Menschenmögliche geschehen solle, um der Not des Ruhrgebiets zu steuern und den Wiederaufbau der Wirtschaft zu erleichtern.
Reichspräsident v. Hindenburg dankte dem Oberpräsidenten für den liebevollen Empfang. Er erklärte:
Wir nehmen den Willkommensgruß der Bevölkerung gern entgegen als die Bekundung Ihrer Treue zu Staat und Reich, als das Zeichen unverbrüchlicher Zusammengehörigkeit.
Sie haben das Bekenntnis zu unlösbarer Volks- ge m e i n s ch a f t in harter Zeit durch die Tat abgelegt. Dessen gedenke ich bewegten Herzens mit allen Deutschen in tiefster Dankbarkeit und Anerkennung. Ihre Treue zu Heimat und Vaterland ist im Feuer der Not gehörtet und gestählt worden und wird, dessen sind wir über- zeugt, auch in aller Zukunft standhalten Oftmals in den vergangenen, für Sie so schweren Zeiten haben wir Ihnen aus der Ferne unseren Gruß, unsere freudige Anerkennung und unseren innigen Dank zugerufen und Ihnen Treue um Treue gelobt.
Heute sind wir hierher gekommen, um Ihnen Auge in Auge und Hand in Hand persönlich diesen Dank zu bekunden. Mit Recht betonten Sie, Herr Oberpräsident, daß das Volk W e st f a l e n vor dem R i ch t e r st u h l der Geschichte gut bestehen wird. Was es geleistet hat im stillen Dulden und tapferen Ausharren, wird uns und späteren Geschlechtern ein Beispiel und eine Mahnung treuer und hingebender Liebe zum Vaterland sein Dieser Mahnung gedenkend lassen Sie uns rufen: Unser geliebtes deutsches Vaterland, es lebe hochl"
In Essen sprach bei der dort später veranstalteten Feier Oberbürgermeister Dr. Bracht, der das Reichsoberhaupt als Ehrenbürger und Gast der Stadt Esten bewillkommnete und für die ziel- bewußte Befreiungspolitik der Reichsregierung dankte. Nach ihm ergriff Reichskanzler Dr. Luther das Wort:
Alles, was politisch in den letzten Jahren geschehen ist, ist doch stets geschehen im Hinblick auf die Frage: „Bekommen wir endlich das gegen Recht und Gesetz und Vernunft besetzte Ruhrgebiet wieder frei?" Wir werden unsere großen internationalen Aufgaben immer nur sehen können im Lichte der Gesichtspunkte des besetzten Gebietes: Für das Ruhrgebiet ist mit der Räumung die Schwierigkeit nicht behoben. Die unlösbare Schicksalsgemeinschaft zwischen dem Ruhrgebiet und dem deutschen Volke ist uns meistens in neuer Gestalt noch deutlicher vor Augen getreten. Wir sehen setzt in voller Klarheit, daß im Ruhrgebiet die Hochentwicklung industriellen Lebens überhaupt unmöglich ist auf der Grundlage eines gesunden deutschen Wirt- schastsleben im allgemeinen. Das Schicksal, welches das Ruhrgebiet getragen hat, die ungemeinenSchwierigkeiten, die das Rnbraebiet jetzt erduldet in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht, werden von Berlin nickt etwa gleichgültig und nebenfäcklich angesehen, wie das von manchen im Ruhrgebiet behauptet wird. Für mich als alter Ellener Bürgermeister ist es eine besondere Genugtuung, daß ich Sie bitten darf, Herr Reichspräsident, meint Herren, mit mir zu rufen: „Der ganze Ruhrbezirk Glück auf!"
Bei der Essener Veranstaltung nahm der Reichspräsident Gelegenheit, in Gesprächen mit den überaus zahlreich erschienenen führenden Männern des rheinisch-westfälischen Industriegebiets ihre Wünsch kennen zu lernen. I?
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In Bochum hat der Reichspräsident v. Hindenburg anläßlich seiner Anwesenheit an den Gräbern der im Ruhrkampf Gefallenen L o r- beerkränze mit Schleifen fn den Reichsfarben schwarz-rot-gold niederlegen lassen.
Wahlsieg der englischen Arbeiterschaft
wtb London, 18. Sep. (Tel.). Bei der par- lamenlsersahwahl in Stockforlh wurde der Arbeile r k a n d i d al mil 20 219 Stimmen gewählt. Der konservakive Kandidat erhielt 17 899, der liberale 11 296 Stimmen. E.:
Deutscher Reich.
* Gesandter von Below gestorben. Der Gesandte a. D. von Below ist im Alter von 66 Jahren gestorben. Below, der 1886 in den auswärtigen Dienst einge« treten war, war in führenden Stellungen in Paris, Ungarn und in der politischen Abteilung des Auswärtigen Amts tätig. 1907 trat er aus Gesundheitsrücksichten in den ’ Ruhestand. In verschiedenen wichtigen Stellungen, die er inne hatte, leitete er dem Reiche hervorragende Dienste.
* Otto Mugdan f. Der frühere freisinnige Reichslagsabgeordnete Dr. Otto Mugdan ist in Berlin im Alter von 63 Jahren gestorben. Dr. Mugdan halte dem Reichstag von 1903 bis 1911 alio Vertreter des Wahlkreises Görlitz angehört. Auch im Landtag besaß er ein Mandat. Nach der Revolution schloß er sich zunächst der Demokratischen Partei an, ging dann aber mit Dr. Wiemer zur Deutschen Volkspartei über. Dr. Mugdan war auch in der ärztlichen Standesbewegung hervorgetreten.
t Preiskontrolle durch die Wucherpolizei. Wie das „Berl. Tagebl." meldet, wird die Wucherpolizei im Zusammenhang mit der Preissenkungsaktion der Reichsregierung eine Kontrolle in den Berliner Lebensmittelgeschäften vornehmen, um nachzuprüfen, ob die Ladenbesitzer die vorgeschriebene Preisspanne zwischen Groß- und Kleinhandelspreisen einhalten.
Das Auftreten des engsifchen Außenministers Chamberlain in Genf hat zu mehr oder minder tiefgründigen Untersuchungen in der ganzen internationalen Presse über Englands Absichten in der Gestaltung der weltpolitischen Dinge der nächsten Zeit geführt. Und doch ist nichts einfacher, nüchterner und klarer als Englands weltpolitisches ' !el.
Es ist jahrhundertelange Tradifton der englischen Politik, im eigenen Lande alle politischen und sozialen Unruhen zu vermeiden, dafür aber den Kontinent in steter Bewegung und in dauernder Unruhe zu erhalten. Je mehr die Völker Europas mit Gegensätzlichkeiten und Realitäten insbesondere wirtschaftlicher Art beschäftigt waren, um so besser erging es England und um so leichter war ihm die „Kolonisation" derjenigen Stamme und Gebiete geworden, die es sich im Laufe der Zeit botmäßig gemacht hatte. Und aus diesem Verhalten resultiert auch der andere Grund der englischen Außenpolitik: auf dem Festlande stets diejenige Macht zu bekämpfen, die jeweils die stärkste war. Wie Englands Streben darauf hinausging, Deutschlands Aufstieg als Militär- und Flottenmacht und damit als ernsten Konkurrenten auf dem Weltmarkt auszuschaten und wie darum England sofort an die Seite Frankreichs bei Ausbruch des Krieges trat, so hat es jetzt ein Interesse, den hochfahrenden französischen Aspirationen auf die europäische Vorherrschaft entgegenzutreten. Das Verhältnis zwischen England und Frankreich ist kühl bis an das Herz hinan. England braucht immer einen festländischen Degen. Gegenwärtig spielt diese Rolle Frankreich, wie ffie in früheren Jahrzehnten Deutschland gespielt hat. So ergibt sich der dritte seit Jahrhunderten feststehende Grundsatz der englischen Außenpolitik. England führt seine Kriege niemals selbst, sondern läßt sie andere ausfechten! Aus alledem ergibt sich, daß die Haltung des englischen Außenministers in Genf zu der Frage des Genfer Protokolls wie zu der Frage des Sicherheitspaktes und alledem von unerbittlicher Konsequenz ist. Der Vertreter Englands lehnt einmal ein einheitliches Schema für die Behandlung aller Streitfälle rundweg ab. Er weist aber auch ein solches Schema für die Behandlung aller Fragen, die mit dem Friedensproblem Zusammenhängen, zurück. Mit anderen Worten: England behält sich in jedem Falle freie Hand.
Diese Taktik führt dazu, daß England nicht von vornherein sich mit der Vornahme von Sanktionen als Strafen einverstanden erklären kann. Cs ist gewiß etwas englischer „cant", typisch engl. Heuchelei, dabei, wenn Chamberlain nun erklärt, wichtiger als die Bestrafung einer unrechtmäßigen Handlung sei deren Verhütung. Dieser Satz, angewandt auf die englische Politik feit Jahrhunderten, würde zu merkwürdigen Schlußfolgerungen und Ergebnissen führen. Andererseits bedeutet dieser Satz freilich eine scharfe Verurteilung der französischen Sanktionspolitik der letzten Jahre. Es ist nichts anderes als eine höfliche Verbeugung vor dem Völkerbund, wenn der Vertreter Englands in Genf erklärt hat, daß der Völkerbund moralische Urtelle zu fällen berechtigt und zuständig fein soll und daß eventuelle Sanktionen in erster Linie moralischer Natur fein sollen.
Die englische Politik ist also dahin zu umschreiben, daß England sich nach keiner Seite hin festlegen und daß es sich niemanden gegenüber binden will. Auf die gegenwärtigen Verhandlungen, um die Schaffung eines Sicherheitspaktes, übertragen, bedeutet es, daß England es ablehnt, weder zugunsten Frankreichs, noch zugunsten Deutschlands, noch irgend jemanden anderem gegenüber sich f e ft 3 u I e g e n, daß England sich vielmehr selber seine Entschließungen vorbehält, wie, wann und in welchem Maß es seine Macht auf dem Kontt- nent in die Wagschale wirft. Daraus ergibt sich aber auch weiter, daß England nicht bereit ist, den französischen Wünschen zu folgen, welche den Abschluß eines Sicherheitspaktes im Westen von einer Klärung und Entscheidung der politischen Situation i m O st e n abhängig machen wollen. Und nicht zuletzt zeigt sich Englands Streben nach Wahrung
Heue Krife in der englischen Rohlenindustrie.
wtb London, 18. Sept (Tel.). Den Blättern zufolge ist der vor sechs Wochen in der Kohlenbergbau-Industrie abgeschlossene Waffenstillstand bedroht Die Bergleute beschweren sich darüber, daß die Bedingungen, unter denen die Regierung Beihilfe an die Industrie gewähren solle, verletzt worden seien. Der Arbeitsminister hak mit den Bergleuten vereinbart, daß demnächst eine Z u- sammenkunsk zwischen dem Bollzugsäusschntz und dem Premierminister abgehalten werden soll.
* Japan und die chinesischen Eisenbahner. Zu der Meldung, daß die Sowjetregierung beabsichtige, eine Eisenbahn durch die Mongolei und Mandschurei zu bauen, erfährt Reuter, das Japan nicht die Absicht hat, irgendwelche Maßnahmen zu ergreifen, vorausgesetzt, daß japanische Interessen, die durch die Südmandschureibahn sichergestellt sind, nicht verletzt werden.
* Rätselhafter Selbstmord dreier Geschwister. Wie eine Zeitungskorrespondenz ans Rovereto meldet, stürzte sich der Tribunalrat Dr. Sertt in die Etsch und ertrank. Am gleichen Tage ertränkte sich seine Schwester im Ledrosee und sein Bruder iw Gardasee. Die Gründe sind unbekannt.
feiner politffchen Selbständigkeit in der Behandlung des d e u t l ch -österreichischen Problems und der Forderungen, die in Bezug hierauf von Frankreich und namentlich von Italien gestellt werden. Es wird noch einen erbitterten Kampf, gerade auch über diese Dinge, geben, denn hier ist ein kritischer Punkt der englischen Position im Süden Europas gegeben. England kann sich seine politische und vielleicht mehr noch seine wirtschaftliche Position nach dem Balkan und nach dem Orient, zu dem der Balkan ja nur noch die Brücke bildet, nicht beeinträchtigen lassen und darum hat es ein Interesse daran, die Dinge in jenen Gebieten möglichst in Bewegung zu halten, sie nicht zur Ruhe kommen zu lassen und vor allen Dingen niemanden zu gestatten, sich Hier als Herrn und Herrscher aufzuspielen und zu betätigen.
So wird die Umschreibung des englischen Standpunktes, wie sie Chamberlain in Genf vollzogen hat, den Anlaß bieten zu recht heftigen Auseinandersetzungen in den Kabinetten der verschiedensten Länder Europas und die unmittelbare Folge wird sein, daß die kommenden Verhandlungen über den Sicherheitspakt nur noch mehr erschwert werden.
Belgiens Einladung.
Der Berliner belgische Gesandte Everts suchte am Donnerstag den Staatssekretär Dr. o. Schubert auf und übergab ihm im Anschluß an dem Schritt des französischen Boffchafters und des eng lischen Geschäftsträgers ein Memorandum, das namens der königlich belgischen Regierung die C ladung zu einer Konferenz über den Sicherheit pakt enthält. Das Memorandum stimmt infjaiti ' völlig mit der französischen und der englischen Role überein.
Deutschnationale und Pakt.
Im Anschluß an die Ausführungen des Fr^ tionsvorsitzenden, Minister a. d. Hergt wurde laut „B. Z.", in einer Versammlung des Waft kreisverbandes Ostsachsen der Deutschnationalen Volkspartei folgende Entschließung einstimmig angenommen:
Die Zustimmung zum Abschluß eines Vertrages, durch den fteiwillig in irgend einer Form deutsches Land preisgegeben wird, oder zum Eintritt in den Völkerbund „derzeitiger Gestaltung", ist für eine deutschnationale Partei unmöglich, weil die Aufgabe der Partei ist, durch ihre dazu berufenen Vertreter Vertragsannahme und Eintritt in den Völkerbund zu verhindern und besonders durchzusetzen, daß eine Außenministerzusammenkunft überhaupt nicht beschickt wird, wenn nicht vor. her die Erfüllung der wirklich unverzichtbaren Forderungen der Deutschnationalen (Rede des Grafen Westarp) durch bindende Zusage der Entente zu» ftanbetommen und sichergestellt ist. Können die Deutschnationalen dieses Ziel nicht erreichen, Jo verlangen Selbstachtuna und Selbsterhaltungstrieb der Partei in gleicher Weise wie der Gedanke an die Zukunft des deutschen Vaterlandes einen Austritt aus der Reichsregierung.
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Die Entschließung findet in der Presse naturgemäß größte Beachtung. Wollen die Deutschnationalen wirklich aus der Regierung heraus? Drückt der Zwang zu verantwortlichem Handeln zu sehr auf parteipolitische Hoffnungen und Entwürfe? Mit Spannung erwartet die politische Welt ein Schauspiel, das für die politische Aufklärung des deutschen Volkes von nachhaltigstem Einfluß fein wird.
Luzern als Tagungsort.
wtb Paris, 18. Sept (Tel.) Havas berichtet aus Genf: Man erkläre in alliierten Kreisen der Bölkerbundsversammlnug, daß sehr wahrscheinlich endgültig Luzern der Sitz der deutschalliierte« Konferenz zur Schaffung eines Sicherheitspaktes gewählt werde.
Resolution in Bolivien?
wtb L ondo n. 18. Sept (Tel.). Rach einet Reutermeldung aus Buenos Aires soll in Bolivien eine Revolution ausgebrochen sein. Der Belagerungszustand fei verhängt worden.
* Cosel und die tschechischen Hafenansprüche. Die Tschechoslowakei führt zur Zeit private Verhandlungen zur Erlangung eines Geländes am Coseler Hafen. Zu dieser Angelegenheit wird von unterrichteter Seite mitgeteilt: Nach dem Versailler Vertrag haben auch merkwürdigerweise die Tschechen Anspruch auf gewisses deutsches Schiffsmaterial. Gleichzeitig wollten sie auch einen Teil des Coseler Hafens zugesprochen haben. Nun ist der Ode r- ftrom erstaunlicherweise mit der Bevölkerung internationalisiert worden, daß er der Tschechoslowakei angeblich den Zugang zum Meere geben solle. Wenn man sich die Landkarte betrachtet, erkenn! man sofort das Widersinnige dieser Internationalisierung und der dazu gegebenen Begründung. Der amerikanische Schiedsrichter Mister Hains hat dann auch den tschechischen Wunsch glatt abge- lehnt und der Tschechoslowakei lediglich ein noch näher zu bezeichnendes Stück Gelände im Oppelner Hafen zugesprochen. Nun laufen tue Bemühungen der Tschechoslowakei dahin, e t n Privatgrundstück im Coseler Hafen zu erwerben.