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uldaerZertung

Anzeiger für die Stadl und den kreis Fulda. Amtliches kreisblakk.

* 52. Zahrg

Zreitag, 18. September 1925

Nr. 215

7. Dez. 1924 Stimmen Proz.

. 26 866 103

. 7 802 496

1851815 .17191792

7

64

30 283 986

7 880 963

98 909

2 708 345

19 595 869

1925 Proz.

29

16

17 1

4

1

2

1

1

6 0

0

1 0

5

1

3

1 0

1

45 000 sozial"

Gültige Stimmen . .

S. P D.......

Unabhängige . . .

Kommunisten. . . , Bürgerliche Parteien

Dazu kamen nicht weniger als demokratische Gemeindevertreter.

Das ist immerhin eine ganz außerordentlich starke organisatorische Kraft, die die sozialdemokra­tische Partei entfalten kann. Aber sie wird doch nicht bei weitem den Wünschen und Hoffnungen dieser Partei gerecht. Tatsächlich fühlen sich die Sozialdemokraten durch die Kommunisten auf dos äußerste bedrängt, auch wenn deren Stimmen von 3,9 Millionen am 4. Mai 1924 auf 1,8 Millionen am 22. März 1925, also von dreizehn auf nur sie­ben Prozent gesunken sind. Die sozialdemokratische Partei ist beute eine Pufiervartei. die sich

Proz.

20,5

0,9

12,6

66,0

Deutscher Reichstag. . . Preußen........

Bayern........

Sachsen........

Württemberg......

Baden.........

Thüringen.......

Hessen.........

Hansestadt Hamburg . . Mecklenburg-Schwerin. . Oldenburg.......

Braunschweig.....

Anhalt.......

Hansestadt Bremen . . . Lippe-Detmold.....

Hansestadt Lübeck . . . Mecklenburg-Strelitz . . Waldeck........

Schaumburg-Lippe . . .

zwischen der gemäßigten und der radikalen Linken befindet und die trotz ihrer Stärke ihren Platz sich erst noch behaupten muß. Die Werbekraft der hemmungslosen Opposition ist der Sozialdemokratie nicht mehr eigen, da sie danach trachten muß, die neuen staatsrechtlichen Verhältniffe zur Festigung ihrer politischen und parlamentarischen Macht zu benutzen. Immerhin ist die Sozialdemokratie die stärkste politische Partei auf der Linken, deren Wir­kung und Betätigung die allergrößte Aufmersam- keit der bürp^lichen Parteien finden muß

De Monzie über feine Berliner Helfe

Wtb Paris, 17. Sept (leL) Minister de Moazie ist gestern abend nach Paris zurück- gekehrt. Heber seine Reise nach Berlin äußerte er einem Vertreter des „Malin" gegenüber, er glaube, daß sogar P a l n l e v e und B r i a v d von seiner Reise befriedigt seien, was wichtiger sei. als wenn er selbst befriedigt sei; trotzdem bedauere er, daß er Dr. Stresemann nicht gesehen habe.

Anreigen-Breiks Äleimeile (Colonel) lokal 0.16 Goldmar 0,20 Doldmark: Reklame,eil« lokal 0.60 (Soldmarl

Deutsch-polnische Vorbesprechungen.

Beiderseitige Versiandigungswünsche über die Handelsbeziehungen.

Gemäß der im Juli ds. Js. getroffenen Ver­einbarung wurden die Verhandlungen über den Abschluß eines deutsch-polnischen Han­delsvertrages in einer gemeinsamen Sitzung der beiderseitigen Delegationen im Auswärtigen Amt in Berlin wieder ausgenommen.

Beide Seiten wünschten bald zu einer V e r st än- d i g u n g zu gelangen, wobei der deutsche Bevoll­mächtigte Dr. Lewald betonte, daß auf deutscher Seite der Abschluß eines definittven Handelsver- träges angestrcbt werde, während der polnische Be­vollmächtigte Pradzynski den Abschluß eines Pro- v i s i o r i u m s als Vorstufe zum definitiven Han­delsvertrag vorschlug. Schließlich wurde vereinbart, vor Beginn der offiziellen Kommissionssitzungen im Wege unverbindlicher Besprechungen zwischen se zwei von beiden Bevollmächtigten ernannten Ver­tretern das aus den früheren Verhandlungen vor­liegende Material zu prüfen und eine Klärung der bestehenden Differenzpunkte vorzubereiten.

Deuksch-norwegifches Abkommen.

Das am 11. 4. 25 in Berlin unterzeichnete Ab- kommen zwischen dem Deutschen Reich und bet königlich-norwegischen Regierung wegen der Ein­führung eines Vertragszollsatzes für ge- wisfe norwegische Fischkonserven in Oel (Reichs­gesetzblatt Tell 2, Seite 813) ist ratifiziert worden. Die Uebergabe der Ratifikationsurkunde hat am 5. September 1925 in Berlin stattgefunden.

* Mandatsniederlegunq hessischer demokratischer Landtagsabgeordneter. Im Zusammenhang mit der Mandatsniederlegung des hessischen Finanz­ministers Henrich hat nun auch Ministerialdirektor Urstadt, der ebenfalls der demokratischen Partei angehört, den gleichen Schritt getan. Die beiden Abgeordneten haben diesen Schritt in vollem Ein­verständnis mit der Partei und Fraktion unter­nommen, damit die an und für sich kleine Fraktion durch neue Kräfte gestärkt werden kann. Als Nach­folger von Dr. Urstadt tritt Dr. Büchner in die demokratische Landtagsfraktion ein.

* Di« Beschlagnahme der Marieubader Bäder. Nach einet Meldung aus Prag hat der deutsche Senator Dr. Ledebour in Genf dem Sekretariat des Völkerbundes ein Memorandum der deutschen Par­teien in der Tschecho-Slowakei übergeben, in welchem gegen die widerrechtliche Beschlagnahme der Marieubader Bäder durch das tschechische Bodenarnt Beschwerde geführt wird.

Stimmen

Gültige Stimmen . 29 708 765

S. P. D....... 6 008 713

Unabhängige .... 261 559

Kommunisten ... 2 693 139

Bürgerliche Parteien 19 745 354

Mrche und Stahlhelm.

Das Fürstbischöfliche Verordnungsblatt der Diö­zese Breslau veröffentlicht folgenden Beschluß der Fuldaer Bischofskonferenz vom 19. August 1925 in Sachen des Jungdeutschen Ordens, des Stahlhelms und ähnlicher Vereinigungen von Jung- fingen, Jungmännern und weiblichen Jugendlichen, liebet einzelne sogenannte vaterländische Verbände Wird vom Episkopat zur Klärung von Wßverständ« mffen öffentlich bekannt gegeben:

„Wenn der Episkopat seine Bedenken gegen solche sogenannten vaterländischen Verbände ausgesprochen hat, so bedeutet das nicht eine neutrale Stellung, nähme, sondern eine direkte Warnung. Der Episkopat kann es nicht dulden, daß Geistliche in diesen Verbänden sich betätigen."

Die Fuldaer Konferenz richtet erneut an den hochwürdigen Klerus die dringende Aufforderung, der Ausbreitung und Wirksamkeit der katholischen Jugend- und Jungmanner- vereine freudige Mitarbeit zu widmen, spricht auch der Deutschen Jugendkraft Anerkennung aus sowohl für ihren engen Anschluß an den kath. Jugendverband wie für die Befolgung der bischof- lichrn Leitsätze zur Sittlichkeitsfrage.

Die Schulden.

Caillaux Abreise nach Amerika.

Der französische Finanzminister Caillaux und die Mitglieder der französischen Finanzkom­mission sind nach Le Havre abgefahren, um sich dort nachRewyorkeinzuschisfen. Die französi­sche Delegation wird in Rewyork nicht Halt ma­chen, sondern direkt nach Washington Weiter­reisen. Man nimmt an, daß die Verhandlungen mit der Schuldenfundierungskommission Amerikas etwa acht Tage in Anspruch nehmen werden und daß Finanzminister Caillaur und die übrigen Mit­glieder der Delegation am 10. Oktober wieder in Paris sein werden.

Vor der Abfahrt übermittelte der Finanzmini­ster folgende Erklärung: Ich reife nach den Ver­einigten Staaten nicht mit der Absicht, den Ameri­kanern die abgedroschene Frage zu wiederholen. Frankreich leugnet seine Schulden nicht. Ich werde ihnen vielmehr sagen, Frankreich sei b e - reit, seine Schulden zu regeln. Ich reise mit der Ueberzeugung ab, daß unsere Freunde senseits des Ozeans sowohl aroßherzig genug, als auch ge­nügend oute Geschäftsleute fein werden, um eine gerechte Regelung anzmiehmen. Ich habe die auf- ricbfige Hoffnung, daß die Verhandlungen unter diesen Bedingunaen gelingen werden, was ' den Kredit Frankreichs zu festigen und den Vereinigten Staaten Gelegenheit geben wird, wieder einmal den tradition-cklen angelsächsischen Geist des Fair play zu beweisen. * __...........

Der bekannte amerikanische Senator Bor ah, der Vorsitzende des auswärtigen Ausschusses des amerikanischen Senats, erklärte, Frankreichs Zasi- l'ingsfähigkeit sei g r ö ß e r als bieienige En-siands. Er werde daher in einer Unterredung mit Coolida- demnächst den Standpunkt vertreten, Frankreich nicht liberaler zu behandeln als Großbritannien.

Die rumänischen Schulden.

Rach einer „Temvs"-Meldung ans Bukarest hat Finanzminister Bratianu nach seiner Rückkehr aus Genf erklärt, daß Rumänien vor der E n t s e n- dung einer Schuldenregelungskom- missionnachWashinatonmit feinen übri- aen Gläubigerstaaten, England, Frankreich und Italien Fühlung nehmen werde. Er hoffe eine be­deutende Herabsetzung der Schulden bei Frankreich und England durchsetzen zu können, und rechne auch damit, daß die Zahlungen an Amerika wegen des verhältnismäßia aerinaen Betrages der Schuld schließlich auf nur 45 Millionen Dollar sich belaufen würden. Rumänien, so erklärte er, habe feine Zahlungsfähigkeit noch nicht fest st eilen können, denn die Entschädigungen, die es von Oesterreich und Ungarn zu erhalten habe, seien noch nicht festgestellt.

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8

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Aus diesen Ziffern zieht der sozialdemokratische Vorstand den Schluß, daß „der tiefste Punkt der politischen Entwicklung Deutschlands überwunden ist und daß die Parteikraft der sozialdemokratischen Partei in den breiten Kreisen der Bevölkerung sich in stetem Zunehmen befindet." Von besonderer Selbsteinschätzung, aber auch von einer besonderen Bescheidenheit zeigt dieser Satz allerdings keine Spur.

Richt minder bemerkenswert ist die Darstellung der Stärke der Sozialdemokraten in den gesetz­gebenden Körperschaften des Reiches und der Län­der. Am 1. Juli 1925 verfügten die Sozialdemo­kraten über folgende Abgeordnetenziffern:

Abg. darunter Frauen

Die Sozialdemokraten.

Die sozialdemokratische Partei hat aus Anlaß des Heidelberger Parteitages einen Rechenschafts­bericht über ihre Tätigkeit und über ihre gegen­wärtige Verfassung gegeben. In diesen Mittei­lungen ist ein reiches Material enthalten, das auch für die bürgerlichen Parteien von der allergrößten Bedeutung ift für die Beurteilung der parlamenta­rischen Kräfteverhältnisse nicht nur, sondern auch für die Kenntnis der parlamentarischen Vorgänge überhaupt.

Der Bericht gibt die gesamte Mitgliederzahl der sozialdemokratischen Partei auf zur Zeit 850 000 an, davon etwas über 150 000 Frauen. Die sozial­demokratische Partei kennt ja das Prinzip der ein­geschriebenen Mitglieder. Darum kann auch Ge­winn und Verlust rechnerisch nachgewiesen werden. So ergibt sich, daß im letzten Jahr die Zahl der eingeschriebenen männlichen Mitglieder um nicht weniger als 100 000 gesunken ist, dagegen haben die weiblichen Mitglieder um 5000 zugenommen. Das ist überaus bemerkenswert, namentlich auch, wenn man hört, daß die sozialdemokratischen Frauenvertretungen insbesondere auch in den Ge­meinden, in den Kreis- und Provinziallandtaaen ständig heruntergegangen sind. Don den 32 Be­zirksorganisationen haben nur sieben eine Zu­nahme der männlichen Parteimitglieder zu ver­zeichnen und zwar Berlin, Breslau, Hessen- Nassau, Hessen-Kassel, Niederrhein, Oberbeuern« Schwaben und Vaden. In allen anderen Bezir­ken sind die Mitgliederziffern heruntergegangen. In vierzehn Bezirken sind auch bie. weiblichen Mit­gliederziffern heruntergegangen, in den übrigen ergibt firfi jedoch eine Zunahme, wie oben erwähnt, von 5000.

Dennoch haben die Sozialdemokraten bei den letzten Wahlen nahezu a ch t M i ll i o n e n S ti m- m e n aufgebracht. Daraus ergibt sich, daß die Zahl der eingeschriebenen Mitglieder, die nur etwa ein Zehntel dieser Summe ausmacht, keinen Anhalts­punkt für die Beurteilung der organisatorischen und agitatorischen Kraft dieser Partei geben kann. Das ist ja auch der Hauptgrund, warum nament­lich die bürgerlichen Parteien auf das System der eingeschriebenen Mitgliedschaft bis jetzt immer wie­der verzichtet haben.

Von allgemeinem Interesse sind auch die Zu­sammenstellungen, die der Bericht des sozialdemo­kratischen Parteivorstandes über die Vertretung der Sozialdemokraten in den Parlamenten gibt. Es sind zusammengestellt die Ergebnisse der letzten beiden Reichstagswahlen vom 4. Mai und 7. Dez. 1924 und der Präsidentenwahl vom 29. März 1925. Die Ergebnisse der zweiten Präsidentenwahl vom April 1925 können im einzelnen ja parteimäßig nicht festgelegt werden, weil sich damals bestimmte Gruppierungen von Parteien gebildet hatten. So zeigt sich parlamentarisch nach den Stimmziffern

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Das Einladungsschreiben.

Der französische Botschafter de Mar­ge r i e hat, wie gemeldet, am 15. September dem Reichsminister des Auswärtigen ein Memorandum übergeben, das im Einverständnis mit den Alliier­ten die deutsche Regierung einlädt, spätestens in den ersten Tagen des Monats Oktober an einer Konferenz über die Sicherheitsfrage teilzunehmen. Das Memorandum hat folgenden Wortlaut:

„Bei Uebergabe der Note vom 24. August d I- an Herrn Stresemann war der französische Bot­schafter beauftragt worden, dem Minister der Aus­wärtigen Angelegenheiten mitzuteilen, daß die fran­zösische Regierung in Uebereinftimmung mit ihren Alliierten es für zweckmäßig halte, im Falle einer günstigen Aufnahme der bezeichneten Note durch die deutsche Regierung den Abschluß der eingelet- teten Verhandlungen durch eine Zusammenkunft juristischer Sachverständiger und weiterhin durch eine Begegnung der Außenminister der beteiligten Staaten zu beschleunigen. Nach den nunmehr abgeschlossenen Besprechungen der Juri­sten in London glauben die französische Regierung und ihre Alliierten, daß die in Frage kommenden Staaten ein gemeinsames Interesse daran haben, die Verhandlungen nicht in die Länge zu ziehen, und daß der Augenblick gekommen ist, um einen Zeitpunkt für die geplante Zusammenkunft sest- zusetzen. Für diesen Zweck dürste das E n d e d e s Monats September oder spätestens die ersten Tage des Monats Oktober eine geeignete Zeit fein. Die Konferenz würde auf neutralem Gebiet, zweckmäßigerweise in der Schweiz, stattfinden, und zwar an einem Ort, über den sich die Regierungen noch zu einigen hätten. Die fran­zösische Regierung und ihre Alliierten hoffen zu­versichtlich, daß die Vorschläge den Wünschen der deutschen Regierung entsprechen, und daß diese in der Lage ist, ihnen alsbald ihre Zustimmung mitzuteilen."

Die von dem englischen Geschäftsträger, Bot­schaftsrat Addison, übergebene Note stimmt dem Wortlaut nach mit diesem Text vollkommen über­ein.

Zusammentritt des Auswärtigen Ausschusies.

Am Mittwoch, den 23. September, vormittags 10 Uhr trat der Auswärtige Ausschuß des Reichstages zusammen. Auf der Tagesordnung stand die außenpolitische Aussprache.

Churchill über die

Befriedung (Europas.

wtb London, 17. Sept (TeL) Schahkanzler Winston Churchill erklärte in einer gestern gehaltenen Hebe, der ohne Mißverständnis ausge- drückke Wunsch der britischen Ration gelte einer Politik des Friedens und der Verständi­gung. Diese Politik würde darauf abzielen, die Bedingungen zu schaffen, welche die besten Aus­sichten für die allgemeine Erholung, Beruhigung und Gesundheit der Delk bildeten. 3n den aus­wärtigen Angelegenheiten bestehe die Politik in einer sehr drastischen Bemühung, den Streit zwischen Frankreich und Deutschland zv beenden und mit Hilfe Großbritanniens die Großmächte des Westens zu dauernder und harmonischer Zusammenarbeit zu bringen, nicht nur auf politischem Gebiete, sondern auch, wie er hoffe, in höherem Maße auf w i r t - schafklichem Gebiet. Eine solche Außenpolitik werde von den Anhängern aller Parteien als e r st e Garantie für die Verhinderung eines neuen schrecklichen Krieges angesehen.

Beranttoortlid) für die Sckrittleituna: Dr. Jobannes Kramer.

Anreisen! I. P arreller, Fulda. Rotationsdruck und verlas der ''ndrvckerei in pul da. FernNfrecber Nr- 9-

Dona.'-cher BeruaSvreiS: 1.50 Mk. ____________

Strefemanns Ziel.

Das „Hamburger Fremdenblatt" veröffentlicht einen Leitartikel über Deutschlands Pakt­politik, von dem man annimmt, daß er vorn Reichs­außenminister Dr. Stresemann stammt. In diesem Artikel wird vorerst die Sicherheitsfrage be­sprochen im Zusammenhang mit den Angriffen, die von deutschnationaler Seite gegen die Pakl- politik erhoben worden sind und darauf hinge­wiesen, daß der deutsche Sicherheitsvorschlag nichts anderes fei, als eine Wiederholung des Angebots des Reichskanzlers Dr. Cuno, dessen Außenpolitik bekanntlich sehr stark von Dr. H e l f f r i ch gemacht worden ist- Die Angriffe der deutschnationalen Volkspartei gegen die reichs­deutsche Außenpolitik sei daher völlig auf Abwege geraten. Im übrigen wird in dem Artikel gejagt, daß Deutschland keine andere Politik treiben könne, da es infolge seiner Abrüstung völlig wehrlos fei. Daraus ergebe sich aber zugleich die Methode der deutschen Außenpolitik. Sie brauche nicht aktiv zu fein, und sie brauche nicht ziellos oder Verzichts­politik zu fein. Die Aufgaben der deutschen Außen­politik bestehe zunächst darin, die agressive frai> zösifche Politik zu bekämpfen und durch Bundes­genossen gegen französische Invasionen, Sanktionen und Angriffe auf Deutschlands Integrität feine Un­abhängigkeit und Gleichberechtigung sicherzustellen.

Das Ziel der deutschen Außenpolitik muß weiter fein das Hinstreben auf die Revision der O st­ör e n z e n, deren Unmöglichkeit heute von allen Seiten anerkannt wird. Es muß weiterhin darin bestehen, Deutschlands Anspruch auf die Kolonialbetätigung durchzusetzen und wieder Kolonialbesitz zu erhalten.

Beschränkt wird diese Außenpolitik auf diele Ausgaben, so wird sie nicht allein stehen. Ein Vorwärtsschreiten auf dem Gebiete dieses außen­politischen Zieles bedingt keine kriegerischen Mittel, die Deutschland fehlen. Es bedingt aber ein Z u- fammenroirfen und eine Verständigung mit den Mächten, deren Entscheidung über diese Frage heute maßgebend für ihre Erreichung ist. Es bedingt aber endlich auch die tatsächliche Beschränkung auf diese Ziele und damit das Auf­geben einer Politik, die gegen alle zugleich vorgehen will. Es bedingt also vor allem die Anerken­nung der Unversehrtheit der West- grenzen und ein Eingehen auf die Ideen, die im Sicherheitspakt begründet liegen. Daß dieser Sicherh-itspakt ein gegenseitiger sein muß, ist selbst­verständlich.

In dem Artikel wird sodann Bezug genommen auf den Bericht, den Ministerialdirektor Gauß erstattet hat, und indirekt wird zugegeben, daß England die gegenseitigen Garantien für die Westgrenze übernommen hat. Im Augenblick eines Friedensbruches durch Frankreich, so heißt es, würde bann nicht nur die englische Hilfe als solche, sondern auch die durch England mögliche deutsche Bewaff­nung eine Rolle spielen.

Politisch würde damit die Einigkeit einer gegen Deutschland gerichteten Entente ihr Ende erreicht haben. England wäre nicht mehr der Bundes­genosse Frankreichs, sondern der Garant der französischen Grenzen, der dem Reich mit Waffengewalt zu Hilfe zu kommen hätte, wenn je­mand die Grenzen verletzt. Daß damit eine ganz wesentliche Umgruppierung der heutigen Lage ver­bunden ist, unterliegt wohl feinem Zweifel.

In dem Artikel wird sodann die Frage des EintrittsDeutschlandsindenVölker» bunt) besprochen und bejaht und dann auf die bestehende Sicherheitskonferenz eingegangen. Es heißt dann, daß mündliche Verhandlungen unbe­dingt notwendig seien. So unklug werde hoffent­lich keine ihrer Verantwortung bewußte Partei fein, den Gegnern die von ihnen so die erwünschte Möglichkeit zu schaffen, durch Ablehnung von Ver­handlungen Deutschland als die hinterhältige Macht hinzustellen, die zwar von Frieden und Verständi­gung spricht, sich aber ernsten Verhandlungen ent­zieht. Erst in den Verhandlungen wird sich zeigen, ob auf beiden Seiten der Wille vorhanden ist, Europa den Frieden zu geben, den alle Nationen brauchen.

London war die Lösung der Reparitionsfrage, die nächste Konferenz muß die Lösung der Si ch e r» beitsfrage sein, daran wirb unb muß sich bie wirtschaftliche Verständigung der großen Industrie- Nationen Europas anschließen und darüber hinaus etwas wie ein Gebilde einer europäischen Gemeinschaft gegenüber dem heutigen System, das ein Europa geschaffen hat, bas an bas alte Deutschland mit seinen Dutzenden von Staats- und Zollsystemen erinnert.

Präsidentenwahl.

29. März Stimmen

folgendes Bild:

Reichstagswablen.

• 4. Mai 1924

• Die Bespitzelung des Zentrums. Die deutsch- nationale Presse schweigt noch immer zu dem be­rüchtigten Spitzelbrief des dentschnationalen ^bg. Bachem. Den Grund dafür teilt dje „Voss. Ztg. mit Wie dieses Blatt aus zuverlässiger ^uelle er­fährt, hat die deutschnationale Parteileitung tatsäch­lich ein Rundschreiben an die lokalen Par 1er- organisationen des Rheinlandes abgehen lasten, in welchem diese, der Anregung des tüchtigen Herrn Bachem gemäß, aufgefordert werden, Mate­rial über „nichtnationale Steuerungen oder Hand­lungen des rheinischen Zentrums beizudringen." Das genügtt