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FuldaerZettung

Anzeiger für die Stabt und den kreis Fulda. Amtliches kreisblakk.

52. Zahrg

Donnerstag, 17. $epf. 1925

Ur. 214

MWerKonieren; om 6. Dktober in Luzern

Frankreichs Kampf gegen „Moskau"

"tb Paris, 16. Sept. (Sei.) AIS Folge der von der Polizei eingeleiteten Untersuchung über die auswärtigen Kommunisten in Frankreich hat der Polizeipräsekt gestern 13 Kommunisten ansgewiejen, darunter 10 Italiener, 1 Spanier und 2 Chinesen.

Am Dienstag Mittag hat der französische Bot­schafter de Margerie dem Reichsaußenminister Dr. Etresemann in persönlicher Audienz die Einla­dung der Alliierten zu einer Ministerkonferenz überreicht. Die Einladung hat die Form eines Memorandums. Es handelt sich um ein kur­zes Schriftstück.

Im Anschluß an den Besuch des französischen Botschafters suchte der englische Geschäftsträger Botschaftsrat Addissen den Reichsminister des Aeußern Dr. Stresemann auf und überreichte ihm namens der englischen Regierung die Einla­dung zu der Ministerkonferenz über den Sicher­heitspakt.

Die Veröffentlichung des Wortlautes des Me­morandums wird auf gegenseitige Vereinbarung hin in den Morgenblättern des Donnerstag erfolgen. In dem Schriftstück wird lediglich, wie auch aus verschiedenen Pressemeldungen ersichtlich war, festgestellt, daß nach Auffassung der alliierten Regierungen entsprechend ihrer früheren Anregung es wünschenswert sei, eine Ministerkonferenz statt­finden zu lassen. Der Ort für die Besprechung ist nicht genannt, lieber den Zeitpunkt enthält das Memorandum keine genauen Angaben, vielmehr erachten die Alliierten die Zeit gegen Ende September oder Anfang Oktober für ge­eignet und schlagen der deutschen Regierung diesen allgemeinen Termin vor.

Was die Antwort der deutschen Regierung angeht, so kann diese natürlich erst erfolgen, nach­dem sich der Kabinettsrat sowohl nach der materil- len wie nach der formellen Seite hin mit der Ange­legenheit beschäftigt hat. Der Kabinettsrat ist für Montag einberufen. Danach werden voraus­sichtlich auch der Auswärtige Ausschuß so­wie die Ministerpräsidenten der Län­der gehört werden. Dann erst wird die deutsche Antwort erfolgen, die wohl, wie bereits jetzt schon gesagt werden kann, zustimmend ausfall en wird.

Heber den Charakter der Konferenz läßt sich aus dem Memorandum der Entente nichts erschließen. Die Zusammenkunft wird als „M i n i ft ertön-

Verantwortlich lür die Schriitleituna: Dr. JobanneS Ätamet.

Ameisen: I. P mellet, Fulda. Rotationsdruck und Verlas der

Fuldaer ?etierdrrckerei in Fulda. Fernlvrecher Rr. 9.

Monatlicher VeruakvreiS: 1.50 Mk. _____

f er en 3" gekennzeichnet. Darunter kann man eine Zusammenkunft von Ministern jeglicher Art verstehen, sowohl eine kleinere als auch eine er­weitere Konferenz. Hierüber wird man sich wohl von beiden Seiten durch indirekte Sondierungen für die weiteren Schritte Klarheit verschaffen. Der „Matin" will wissen, daßzweiKonferenzen stattfinden sollen, eine, die sich mit dem Rheinpakt befaßt, und eine, die sich auf die Ostgrenzengarantie bezieht. *

Die „Boss. Ztg." bezeichnet auf Grund von In­formationen aus Berliner diplomatischen Kreisen als wahrscheinlicher Termin für den Zusammentritt der Sicherheitspaktkonferenz den 6. Oktober und erklärt, daß als Tagungs­ort von Schweizer Städten in erster Linie Luzern in Betracht komme.

Die „Tägliche Rundschau" (Stresemann-Organ) betont, daß die bevorstehende Ministerkonferenz nicht eine Entrevue der Außenmini- st e r, sondern eine Vollkonferenz der bevoll­mächtigten Minister fein werde. Was das Ver­handlungsprogramm anbetreffe, so weist das Blatt daraufhin, daß sich die Juristen in Lon­don ledialich mit dem Rheinvakt beschäftigt haben. Es sei daher ganz natürlich, daß auch die Ministerkonferenz ihre Arbeiten in derselben Weise abgrenzt. Die bevorstehende Ministerkonferenz werde also wobl den ganzen Komplex der Oft- fragen aus ihren Verhandlungen ausschel - den.. Damit dürfte auch die Frage beantwortet sein, ob P 0 l e n und dieTschecho-Slowakei auf dieser Konferenz vertreten fein werden. Den von der französischen Presse erörterten Gedanken einer gleichzeitigen Tagung von zwei Konferen­zen, von denen die eine den Rheinpakt, die andere die O st f r a g e n behandeln soll, bezeichnet das Blatt schon aus rein technischen Gründen als undurchführbar. Man müsse aber damit rech­nen, daß im Anschluß an die Konferenz über den Rheinpakt aus einer zweiten, zeitlich und wahr­scheinlich auch örtlich verschiedenen Konferenz die Ostfragen geregelt werden.

vom Kriegsschauplatz in Afrika. Schwierigkeiten der Spanier. — Die Franzosen verlieren einen wichtigen Berg.

wtb London, 16. Sept. (Id.) Tim« berich­tet ans Tanger über Schwierigkeiten der bei Morro Jlaeoo an der Alhncemas-Bucht gelandeten Spanier. 4 von den leichteren Schiffen feien durch stürmisches Detter stark beschädigt, Transport- Fahrzeuge und andere Schiffe durch das Feuer der Riff-Truppen gezwungen worden, sich außerhalb der Schußweite zu begeben, wodurch der ver­kehr mit dem Lande sehr schwierig werde. Die optimistische Beurteilung der Landung habe Besorgnissen Platz gemacht und das Prob­lem, die große Zahl der gelandeten Truppen mit Trinkwasser und Kriegs-Material zu versorgen, sei ernst geworden. „Daily Expreß" berichtet aus Fez, daß der 2500 Meter hohe Bibanberg, der seit Beginn der französischen Offensive mehrmals den Besitzer gewechselt habe und zuletzt in den Händen der Franzosen gewesen sei, von den Riffleu­ten zurückerobert worden ist.

Sozialer.

== Die Gemeinlast in der Krankenversicherung. Nach zahlreichen Berichten von den Oberversicherungs­ämtern erscheint die Durchführung der Bestimmungen über die Gemeindelast in der Krankenversicherung in der jetzigen Fassung unmöglich. Eine Aenderung ist infolge der Vertagung des Reichstags vor Ende des Jahres kaum zu erwarten. Daher bestimmt der Justiz. Minister in einem Erlaß an die Oberversicherungsämter, daß die rechnerische Verteilung der Gemeindelast zwar bis auf weiteres durchzuführen ist, dagegen eine Benach­richtigung der Krankenkassen und die Erhebung der Bei­träge vorläufig zu unterbleiben hat. Die eingekomme­nen Gelder sind zinstragend anzulegen. Den Stundungs­anträgen der Krankenkassen für die Verteilung der Ge­meindelast im ersten Vierteljahr ist zu entsprechen und von einer zwangsweisen Beitreibung noch ausstehender Beträge vorläufig abzusehen.

wirtschaftliche Kampfbewegungen.

= vaumwollarbeilerstreik in Indien. Aus B o m- day wird gemeldet: 30 000 Baumwollarbeiter sind we­gen Herabsetzung der Löhne in einen Prote st streik Betreten.

* Abwanderungsaufforderung an polnische Op­tanten. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Aufforderung an 348 mit Namen auf geführte polnische Optanten, daS Gebiet des Deutschen Re chrs bis spätestens zum 1. März 1926 zu verlassen.

— Die Geldbewegung bei der Reichshauplkasse. Nach der Uebersicht über die Geldbewegung bei der Reichshauptkasse im Monat August betrugen die Einzahlungen 557 821 332 Mark, die Auszahlungen 603 794 256 Mark, mithin der Zuschuß 45 962 924 Mark. Sie schwebende Schuld belief sich am 31. August 1925 auf 11127.2200

Au»eiae«-Preü: flleüuetle < To tonet» letal 0,16 Soldmar auswärts 0L0 «oldmark: Reklame,eile letal 0.60 »oldmart auswärts 0.80 Geldmart. r.

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Her sranzöWe und der preußische Kultusminister

Ve Monzies Besuch in Berlin.

Der französische Kultusminister de Monzie machte dem preußischen Kultusminister Prof. Becker einen Besuch und hatte eine etwa ein stündige Unterredung mit ihm, bei der die Schwierig­keiten für die i n t e r n a t i o n a l e Z u s a m m e n- arbeit der Gelehrten erörtert wurden.

An dem anschließenden Frühstück nahmen neben dem preußischen Ministerpräsidenten Braun, dem französischen Botschafter de Margerie und den Staatssekretären v. Schubert, Zweigert und Lam­mers namhafte Vertreter von Kunst und Wissenschaft, wie die Professoren v. Harnack, Wiegand, v. Falcke, Einstein, Bruns und Scheel teil. Kultusminister Becker hieß Monzie willkommen und sagte, mit Genugtuung begrüße er den Besuch des französischen Unterrichtsministers. Die W i s- s e n s ch a f t sei ihrem Wesen nach i n t e r n a 1 i o- n a l; aber der Mensch, der sie erzeuge, gehöre dem nationalen Boden an, in dem er wurzele. Daraus ergeben sich Schwierigkeiten für das inter­nationale Zusammenarbeiten der Gelehrten, wenn ihre Völker in Konflikt gerieten. So sei die Zu­sammenarbeit der Gelehrten in Assoziationen und auf Kongressen ohne deutsche Schuld nach dem Kriege nicht wieder oder nur vereinzelt ausge­nommen worden. Vielmehr sei nach dem Kriege eine Boykottbewegung gegen Deutsch­land eingeleitet worden. Umso freudiger begrüße er die vorurteilsfreie Initiative, die de Monzie ergriffen habe. Er hieße ihn als Vorkämpfer der geistigen Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland willkommen.

In seiner Erwiderung wies Minister de Monzie auf die Schwierigkeiten hin, die bis auf die letzcen Monate die Wiederherstellung des Kontaktes zwi-

schen den deutschen und französischen Gelehrten hin­ausgezögert hätten. Monzie zeigte durch eine Reihe von Beispielen, daß die französische Regierung sich lange vor dem Kongreß vom 2. Dezember 1924 bemüht habe, hinsichtlich der Beziehungen zwischen den Gelehrten und den Universitäten sich mög­lichster Objektivität zu befleißigen. Die Zusammenarbeit auf kulturellem Gebiete müsse be­stehen zum Austausch von führenden Köpfen der Wissenschaft, im Austausch der studentischen Jugend, und in wechselseitiger Beteiligung an den Ausstel­lungen für Kunst und Kimstgewerbe.

Hierauf ergriff der französische Professor Brunot das Wort. Er erklärte, man dürfe nicht gleich Massenwirkungen erstreben; vielmehr solle man an d i e Kreisx appellieren, in denen der Ge­danke an die wissenschaftliche Zusammenarbeit le­bendig geblieben fei. Die Mehrzahl der franzö­sischen Gelehrten verbeuge sich vor dem, was die deutsche Wissenschaft zum Forffchritt der Geister beigetragen habe. Niemals habe er selber ver­gessen, was er den deutschen Meistern der Wissen­schaft der romanischen Sprache verdanke. Cs würde für die Menschheit ein Unglück bedeuten, wenn die beiden größten Kulturvölker nebeneinander arbeiten wollten, ohne sich um gegenseitige Ergänzung zu bemühen. Als eines der ersten Werke der intellek­tuellen Werke nannte er die Schaffung einer ge­meinsamen Bibliothek. Dadurch würde, so erklärte er zum Schluß, das Werk des guten Willens wieder ausgenommen zum gemeinsamen Forffchritt und zur gegenseitigen Achtung.

De Monzie ist am Dienstag wieder von Berlin nach Paris zurückgekehrt.

* Ungarische Lustvertreter in Bersin. Zu den Luftfabrtverhandlungen sind als Vertreter der ungarischen Regierung die Ministerialräte v. Vall und Klagen in Berlin anwesend.

* Empfang der Asahi-Flieger in Berlin. Di« japanischen Asahi-Flieger,die heute früh von Königsberg nach Berlin starten, werden auf Tempelhofer Felde von dem Leiter der Luft­fahrtabteilung deS Reichsverkehrsministeriums, Ministerialrat Brandenburg, empfangen wer­den. Am Freitag gibt der Reichsverkehrsminister ihnen ein Frühstück, zu dem die japanische Botschaft sowie Vertreter des Reichs- und Staatsbehörden, der Presse, des Luftverkehrs und des Sports geladen sind.

fluslöltö.

• Attentat auf einen italienischen Gesandtschasts- attache. AnS Esch Luxemburg wird gemeldet: Von unbekannter Seite wurde auf einen Attache der italienischen Gesandtschaft ein Attentat verübt, in dem auf demselben mehrere Schüsse abgegeben wurden, die jedoch ihr Ziel verfehlten. Es soll sich um ein kommunistisch-anarchistisches Attentat handeln.

* Zusammenstoß in Rumänien. Meldung der Agentur Orient-Radio. Anläßlich einer Versamm­lung der christlich-nationalen Partei kam es in Baceci Roman zu einem Zusammenstoß zwischen einer Menschenmenge und der Polizei. Ein Bauer wurde durch eine verirrte Kugel schwer verletzt. Die Meldungen über antisemitische Unruhen sind falsch.

* AnS dem HedschaS. Die Haschinitische Nach­richtenagentur erklärt die Meldungen, nach denen die Wahabiten Medina eingenommen haben sollen, für falsch und betont, daß die Garnison den zahlreichen Angriffen gegen die Stadt Widerstand leiste. Die drahtlose Verständigung zwischen Medina und Dschiddah sei nicht unterbrochen.

* Ausweisung von Chinesen aus Amerika. Aus New-Jork wird gemeldet: Die Behörden haben mit Ausweisungen und Razzien im Chinejenviertel New-DorkS begonnen, um den blutigen Streitigkeiten zwischen den sich einander bekämpfenden chinesischen Organisationen ein Ende zu machen. Etwa 600 Chinesen wurden während einer Nacht verhaftet. 134 wurden ausgewiesen, da sie den Boden Amerikas ahne Erlaubnis betreten hatten.

Deutsch-französischer Handelsvertrag

Reue Verhandlunge«.

Wie Haoas zu der in Paris stattgehabten Un­terredung zwischen dem Staatssekretär Trende­te n b u r g und dem Handelsminister C h a u tn e t mitteilt, sei diese im Grunde genommen nur eine einfache Fühlung nähme gewesen, die übrigens beiderseits sehr herzlich gewesen fei. Beiderseits fei der Wunsch betont worden, zum Ziele zu ge­langen und zwar in möglichst kurzer Frist. Im Verlaufe der zweistündigen Unterredung habe man "uch die verschiedenen Fragen bezüglich des Ver­fahrens und die technischen Seiten der Fragen, die noch nicht geklärt seien, ins Auge gefaßt. Mittwoch nachmittag werde die eigentliche Besprechung auf­genommen werden und erst nach der zweiten Zu­sammenkunft werde man zweifelsohne über die Richtung, die die Verhandlungen nehmen» etwas sagen können.

= Der europäische Probefunk. Die Funkversuche der europäischenSendestationen zur Uebennit- tcfung einer neuen Wellenverteilung sind nach 14 Tagen Dauer beendet worden. Nach Mitteilung des Reichstelegraphen-Versuchsamtes ist festgestellt wor­den, daß mehrere Sender einander stören. Diese Störun­gen sollen aufgrund von internationalen Vereinbarun­gen abgestellt werden. Zunächst wird jedoch die alte Wellenverteiluuo. beibebalten werden.

Deutsche; Reich.

* Hanptausschntz des Preußischen Landtages. Im Hauptausschuß des Preußischen Landtages wurde der Etat angenommen. Die Beschlußfassung über die dritte Steuernotverordnung wurde zurück­gestellt, da eine Novelle zum tzauszinssteuergesetz dem Landtag vorgelegt werden soll. Der Finanz- Minister Dr. Höpker-Aichoff teilte noch mit, daß sich der Staat mit 12 Millionen Mark an dem Rhein- Ruhr-Elektrizitätswerk beteiligt und die Majorität der Siemensaktien erworben bat.

* Mandatsniederlegunq des hessischen Finanz- Ministers. Finanzminister Henrich hat sein Mandat als Landtagsabgeordneter niedergelegt. Al- Nachfolgerin tritt Frau Staatsrat Balser-Darm­stadt in die demokratische Fraktion ein.

* Um das Reichsschulgeseh. In Leipzig traten die Vertreter der Länderregierungen zusam­men, um in unverbindlicher Besprechung zu dem Reichsschulgesetz Stellung zu nehmen. Als Ergeb­nis des ersten Tages der Besprechungen weiß die „Voss. Ztg." zu melden, daß unter den Länder­vertretern kein Einverständnis über den Gesetz­entwurf herrscht. Die Vertreter mehrerer großer Länder-sollen sich gegen eine baldige Aenderung der bestehenden Ortsschulgesetzgebung im Sinne des Entwurfes ausgesprochen haben. — Der Kampf um die Schule hat damit begonnen.

* Die interalliierte Rheinland - Kornmision hat nach einem Telegramm ans Aachen die Beschlag­nahme sämtlicher Exemplare der Zeitung „Der Jnngdeutsche" im besetzten Gebiet' angeordnet,

Der deutsche Bankiertag.

Zur Preissenkungsaklicm. — Für die Erhaltung der stabilen Währung. — Gegen Ueberschuldung an das Ausland. — Deutschland braucht Kolonien.

Der 6. Allgemeine Deutsche Bankiertag trat am Dienstag tn seine sachlichen Beratungen ein. Von den offiziellen Gästen waren wieder Reichs­minister v. Schlieben und Dr. Neuhaus, sowie der preußische Handelsminister Dr. Schreiber und eine Anzahl führender Parlamentarier anwesend.

Auf das Begrüßungstelegramm des Reichskanz­lers wurde eine Antwort abgesandt, in der es nach einem Dank für die offizielle Begrüßung des Deut­schen Bankiertages u. a. heißt: „Die von der Reichs­regierung angestrebte Preissenkung auf allen Ge­bieten ist das Bankgewerbe im allgemeinen wie in feinem eigenen Interesse zu fördern bereit. Eine gründliche Prüfung der hierfür bestehenden Mög­lichkeiten wird der Bankiertag ebenso vornehmen wie eine Prüfung der keineswegs einfachen Be­ziehungen zwischen Kreditbedingungen und Waren­preisen."

Im Verlaus der Tagung führte der Präsident der Preußischen Staatsbank Schröder aus: Der Vorwurf, daß zuviel Gelder namentlich kurz nach der Inflatton in öffentlicher Hand gehalten worden sind, ist unberechtigt. Die Beträge sind erheblich überschätzt worden. Von einer Tesaurierungspolitlk kann keine Rede sein. Gegenwärtig stehen etwa 5 Milliarden Kredite zur Verfügung, während schä­tzungsweise 1200—1300 Millionen öffentlicher Gelder festliegen. Cs ist dem Reichsfinanzmini­sterium gelungen, die beteiligten Stellen des Reiches und der Länder zu verpflichten, für ihre Gelder 7*/z Prozent Zinsen nehmen. Lediglich die Post ist auf dem Zinssatz von 8 Prozent verblieben. Jetzt ist es die Aufgabe der Privatbanken, zu prü­fen, wie eine Verbilligung der Bankkonditionen zu bewerkstelligen ist.

Nach Schluß der Diskuffion wurde einftimmig eine Entschließung angenommen, in der se heißt: Die in Deuffckfiand wieder hergestellte stabile Wäh­rung zu stärken und vor erneuter Gefährdung zu schützen, ist das gemeinsame Interesse aller Wirt­schaftsstände. Der Bankiertag stimmt deshalb der vyn der Reichsbank durchgeführten Abwehr der Kreditvermehrung zu. Eine übermäßige Verschul­dung an das Ausland übt dauernd einen Druck auf unsere Währung aus. Die Verminderung dieses Druckes ist notwendig. Eine der wichtigsten Zukunftssorgen der deuffchen Währungspolitik ist die Vermeidung der Abhängigkeit unserer inbufhiel» len Produktion von der Einfuhr ausländischer Roh­produkte. Die Bestrebungen auf die Wiedererlan­gung geeigneten überseeischen Kolonialbesitzes müssen daher aufs Tatkräftigste unterstützt werden. Am Abend fand für die Teilnehmer des Bankier­tages ein Empfang in den Räumen der Börse statt. Im Namen des Deutschen Industrie- und Handels- tages begrüßte dessen Präsident Franz v. Mendels­sohn die zahlreich erschienenen Gäste. \

Tarifwesen.

— Der Tarif für Rechtranwait;- imb Votariatra«. gestellte. Die Hauptverhandlunpen mit dem Berliner Anwaltsverein sind, tote der Gewerkschastsbund der Angestellten mitteilt, zum Abschluß gekommen. Danach erhalten dre Rechtsanwalts- und NotariatSangestellteri Groß-BerlinS zu den in Geltung befindlichen Gehältern für den Monat August eine Zulage von 7 Prozenh ab September von 9 Prozent.

= Snnahme der «eichrarbeitertartfoertrager. Die am Tarifvertrag für die Reichsarbeiter beteiligten Gewerkschaften und Organisationen haben beschlossen, dem vom RerchSarbeitSministerium gefällten EchiedS- fpruch zuzufttmmen.___

Hus der Zentrumspartei.

= Nassauische Zentrum »Partei. Am heuttgen Mitt- woch findet in Limburg eine Sitzung deS LandeS- auSschusseS der Nassauischen Zentrums- Partei statt. Die Tagesordnung weist u. a. folgende Punkte auf: 1. Bericht über die polittsche Lage; 2. Beratung über die Kommunalwahlen; 3. Finanzlage der Partei. — Der Landesausschuh für Kurhessen tritt bekanntlich morgen, Donnerstag, in Fulda zu­sammen.

* Drei Kinder ein Opfer der Flammen. Am Montag früh brannte in Rathewalde in der sächsischen Schweiz ein Haus nieder. DreiKinder im Alter von l1/» bis 5 Jahren sind in den Flammen umgekommen. Wahrscheinlich haben die Kindei mit Zündhölzern gespielt.

* Nene Typhusepidemie in Pommern. Durch Schnitter sind in der vorigen Woche in die Arbeiter' baracken in Carpin Ruhr und ThPhuS einge- schleppt worden. Die Ruhrerkrankungen konnten schnell lokalisiert werden. Die Typhuserkrankungen haben aber auch auf die Ortschaft Eggesin überge­griffen. Bisher kamen in beiden Dörfern etwa A Typhusfölle zum Ausbruch, davon zwei mit tödlichem Ausgang. Die S ch u l e in Eggesin ist auf behördlich« Anordnung geschlossen worden. Ebenso wurden sämtliche öffentlichen Lustbarkeiten verboten.