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Anzeiger für die Lkadk und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

Nr. 209.

Verantwortlich für die Schriftleitmig: Dr- Johannes Kramer. Anreisen: I- B arrrller, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Tetiendruckerci in Fulda. Fernsprecher Nr- 9.

Monatlicher Berngsvreis: 1.50 Mk.

Freitag, 11. September 1925.

Anreigen-Preikei SM einseile (Colonel) lokal 0,15 Soldmart auSwürts 0,20 Sold mark: Reklamereile lokal 0,60 Soldmark auswärts 0L0 Goldmark. ;;

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52. Zahrg.

Line Kommunistenbank in Paris.

wtb Paris, 10. Sept. (Tel.) Unter dem 7. Sept, ist int Pariser Handelsregister ein kommunistisches Bankinstitut, die Arbeiter» und Bauernbank, mit einem Kapital von 8 Millionen Franken, eingeteilt in 1600 Aktien, eingetragen morde«.

Die Wer ZesprechutM über Die Sicherheitssrage. Die Einladung an Deutschland ist beschlossen. — Ungewißheit über die Stellungnahme Mussolinis. — Msendung der Einladung nach Klärung der italienischen Standpunktes. — Um die Teilnahme Stresemanns.

hörte dem „Feurigen Kreuz" an. Es ist als sicher anzunehmen, daß die Mordtaten, die im Anschluß an den mißglückten Küstriner Putsch sich ereigneten, non Mitgliedern des Ordens ausgeführt wurden. Man nimmt an, daß die Ermordung des Leutnants Sand, der in Döberitz als Leiche aufgefunden wurde, von dieser völkischen Feme verübt wurde. Der obengenannte Klapproth wurde gerade verhaftet, als er im Begriffe stand, von Wesel aus im Auto über die holländische Grenze zu fliehen. Bei Klapproth wurde wichtiges Ma­terial beschlagnahmt.

Wie die Blätter zu der Aufdeckung der Geheim­organisation des Ordens vom „Feurigen Kreuz" noch mitteilen, handelt es sich bei den drei ameri­kanischen Gründern um einen Studenten namens Gray aus Chicago, der vor drei Wochen in sein Vaterland zurückgekehrt ist und um zwei Deutsch- Amerikaner, Vater und Sohn, namens Strohfein,, die in Schlesien verhaftet worden sind. Nach einer Mitteilung der „Vossischen Ztg." sollen die drei Genannten politische Hochstapler sein, die sich die Leichgläubigkeit Zahlloser zunutze gemacht haben, um sich die Taschen zu füllen. Di« Aufnahme in den Bund sei sehr leicht gewesen, wenn der um den Eintritt Ersuchende nur die er­forderlichen Gelder habe aufbringen können.

Dem „Berk. Tagebl." zufolge habe das Ver­schwinden eines jungen Mannes in Berlin zu der Entdeckung des Bundes geführt. Bei einer Haus­suchung in der Wohnung eines Mitgliedes seien von der Polizei Papiere gefunden worden, die auf das Bestehen einer Ku-Klux-Klan- Organisation in Berlin hingewiesen haben. Außer in Berlin sollen auch in Hamburg, Jena, Dortmund und Kassel ähnliche Bünde bestehen. Der Leiter der polizeilichen Aktion gegen den Ge­heimbund hat den Blättern zufolge den amerikani­schen Botschafter in Berlin von der Verhaftung der beiden Amerikaner in Kenntnis gesetzt.

Ueber die letzten Vorgänge bei den Genfer Ver­handlungen über den Sicherheitspakt wird aus zu­verlässiger italienischer Quelle bekannt, daß tatsächlich am Montag nachmittag in Aix-les-Bains beschlossen worden ist, eine Einladung an Deutsch­land zu einer Ministerkonferenz über die Si her- heitsfrage abzusenden, die nach Auffassung Eng­lands und Italiens angesichts der unentschiedenen Haltung Italiens nicht mehr in einer italienischen Stadt, sondern in Lausanne stattfinden soll.

Auf Grund dieser Vereinbarung forderte Cham­berlain von dem italienischen Mitglied des Völker­bundes, Scialoja, zwecks Klärung der Frage der weiteren Teilnahme Italiens an den Verhandlun- gen eine bindende Erklärung, ob Italien dem Sicherheitspakt bei trete ober ni t)t. Scialoja wird diese Frage dringend an die italienische Re­gierung weitergeben und sich die Antwort bis zum Eintreffen weiterer Weisungen aus Rom Vorbehal­ten. Man rechnet damit, daß die Antwort der ita­lienischen Regierung in zwei bis drei Tagen in Genf eintreffen wird. Es wird hinzugefügt, daß dis Ab­sendung der Einladung an Deutschland v o m E i n- treffen der italienischen Antwort ab- hängt. In der erwähnten Frist wird, wie weiter verlautet, von englischer Seite versucht werden, auch die Besprechungen mit Benesch (TDechoflo- wakei) und dem Grafen Skrzynski (Polen) zu Ende zu führen.

Der östliche Zichsrbeitspakt.

wtb London, 10. Sept (Tel.) Die „Tttor- vingpost" meldet aus Genf: 3m Zusammenhang mif der Sicherheiksfrage sei eine schwierige Lage entstanden, die besonders in britischen Kreisen Befürchtungen errege. Es verlautet, daß die kleine Entente unter der Führerschaft von Benesch und Skrcynski über die Schaffung eines östlichen

Bestehen einer Ku-Klux-Klan Geheim-Grganisation in Deutschland. — Ku-Klux-Klan, bekannt durch seine Gewalttaten gegen Katholiken, stützt sich in Deutschland auf völkische Organisationen.

Gewerkschaftliches.

— Sieg des Nuten Flügels auf dem englischen Ge­werkschaftskongreß. Der englische Gewerkschaftskongreß hat mit starker Mehrheit eine Entschließung angenom­men, in welcher die Forderung des Miteigentums der Arbeiter an den Betrieben als ungenügend verworfen wird und die Arbeiter aufgefordert werden, starke Betriebsausschüsse zu bilden, die eine Waffe sein sollen, um die Kapitalisten zum vollständigen Verzicht auf die Beherrschung der Industrie zu zwingen. Die Opposition bezeichnet diese Entschließung als den unverhüllten Versuch, den Kongreß^ auf kommu- nistische Grundsätze festzulegen.

nähme handeln sollte, so wäre die Sachlage keine andere, denn auch solche vorbereitenden Besprechungen führen bekanntlich immer zu Bindungen, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können." Wie ge­sagt ist dieser "Standpunkt sehr vernünftig und wird auch von uns geteilt.

Umso unverständlicher ist es, daß der „Vor­wärts" Stresemann wegen dieser seiner Haltung und Bedenken bekämpft. Er tut dies in seiner Nummer 209 vom Dienstag, den 8. September unter der Ueberschrift: „Stresemann sucht einen Kugelfang, dafür ist Schiele wie geschaffen? Das sozialdemokratische Organ geht dann nach einigen spitzen gegen Stresemann ge­richteten Einleitungen auf die Ausführungen der „Täglichen Rundschau" ein und schreibt dazu:

„Der Sinn dieser Ausführungen ist nicht mißzuver- stehen. Herr Stresemann verspürt keine Neigung, e t n zweiter Nathenau zu werden. Er ist zwar ein großer Vorkämpfer der Koalition mit den Deutschnatio- nalen gewesen aber seine Sympathie für die deutschna­tionale Politik hört da auf, wo rechtsradikale Revol­verkugeln zu fliegen beginnen. Sollte man wirklich von Herrn Stresemann, der weder ein charakterfester noch ein republikanischer Minister ist, verlangen, daß er sich von „nationalen" Helden totschießen lasse, nur weil et Rathencm'sche Erfüllungspolitik in höchster Potenz fort­setzt? Soviel Edelmut und Selbstlosigkeit kann man von einem Nationalliberalen wirklich nicht verlangen. Deshalb sucht Stresemann nach einer Rücken- und Vauchdeckung gewissermaßen nach einem Kugelfang. Er würde sich zur Not mit dem Reichskanzler Luther begnügen, aber noch lieber wäre ihm ein waschechter Deutschnationaler wie Schiele. Daher der unmißoet- stündliche Wink an die Entente, möglichst noch diese bet- den Herren einzuladen und als Unterzeichner jene» Sicherheitspaktes herbeizuziehen, durch den von Deutsch- land auf ewig auf Elsaß-Lot bringen und den Revanchekrieg verzichtet wird."

Man versteht wirklich diele dauernde Bekämpfung der Stresemannschen Politik nickt, die doch auch ganz im Sinne der Sozialdemokraten ist. Das haben die letzten großen außenpolitischen Aus­sprachen ergaben. Gerade die Sozialdemokraten könnten aus der Vergangenheit, wo sie selbst an verantwortlicher Stelle in der Regierung saßen, gelernt haben, wie not es tut, in diesen außen­politischen Fragen eine feste Phalanx zu bilden. So fragt man sich kopfschüttelnd: Wozu das?

Deutschland und Kmerikakritit.

wtb London, 10. Sept. (Tel.) Der diplo­matische Berichtersiatler des „Daily Telegraph" mel­det, am Mittwoch habe in London eine private, aber bedeutsame Zusammenkunft im Zusammenhang mit dem Dawes-Blau und den englisch-amerikanischen Krediten in Deutschland skattgefunden. Anwesend waren die Gouverneure der Bank of England und der Föderal-Reserve-Dank von Amerika sowie 2Ran- tague Norman, Streng, Reichsbankpräsi­den k Dr. Schacht und der Generalagent für die Reparationszahlungen Barker Gilbert.

wtb London, 10. Sept. (Tel.) Die „Mor- ningpoft" meldet die Ankunft des Direktors Bonn von der Deutschen Bank in London, der aber erklärt, seine Reise nach London sei pri­vater Hatur und hänge nicht mit dem Dawes- Bian zusammen.

Deutschland und Polen.

Am die Wiederaufnahme der deutsch-polnischen Handelsverkragsverhandlungen.

Der deutsche Bevollmächtigte für die deutsch - polnischen Handelsvertragsverhandlungen Dr. Lewald benutzte seine vorübergehende Anwesen­heit in Genf, um mit dem polnischen Au­ßen m i ni st e r G r a f e n Skrzynski im Hin­blick auf die für den 16. September verabredete er­neute Zusammenkunft mit den polnischen Handels­vertragsbevollmächtigten die Grundlagen zu er­örtern, auf denen sich eine Verständigung erzielen ließe. Der deutsche Bevollmächtigte hob hervor, daß ohne ein Entgegenkommen in der Frage des Niederlassungsrechtes und in der Bindung der Zoll­sätze eine Verständigung ausgeschlossen erscheine, da beides wesentliche und unerläßliche Erfordernisse jedes Handelsvertrages seien. Auch würden die be­vorstehenden neuen Verhandlungen kaum zu einem Erfolg führen, wenn nicht die durch die O p t a n - tcnausweisungen und andere gegen das Deutschtum gerichtete Maßnahmen der polnischen Regierung belastete politische Atmosphäre eine Auf­hellung erfahre. Der polnische Außenminister wies in seiner Erwiderung vorzugsweise auf die Bedeu­tung des Abschlusses einer Veterinärkonvention hin I und stellte in Aussicht, bei seiner Rückkehr nach I Warschau die erörterten Fragen einer Prüfung zu | unterziehen. ' I

* Ministerrücktritte in Aegypten. Aus Alex an I °pia wird gemeldet: Der König richtete an die |

Minister Tewsik Bcy Roß und Mohamed

-lst das Ersuchen, ihre Tätigkeit noch einige Zelt betzubehalten, bis er sich über die von ihnen I emgereichten Rücktrittsgesuche schlüssig geworden fei. Gleichzeitig mit den Rücktrittsgesuchen der beiden Minister hatte auch der Premierminister seine Demission eingereicht, die jedoch vom König nicht angenommen 8 wurde. i

Wissenschaft und Forschung.

— Dr. Sacher gestorben. Aus Prag wird gemeldet: Nach langem qualvollen Leiden ist der Vorsteher der Olmützer Landeslrankenanstalt, Dr. 'Rudolf Bacher, im 48. Lebensjahre gestorben. Dr. Bacher war einer der hervorragendsten Röntgenologen der tschechoslowakischen Rupublik, und ein berühmter Diag. nostiker. Er war einer der ersten Aerzte, die sich p r a k. tisch mit der Röntgenologie befaßten, zu einer Zeit, als die Gefahren der Röntgen-Strahlen noch nicht bekannt waren. In diesen Jahren zog sich Dr. Bacher das Leiden zu, dem er jetzt erlegen ist.

Kurland.

♦ Die Bodenreform in Polen. Die bereinigten Senatskommissionen berieten über die Bodenreform­vorlage und stimmten über* die ersten sechs Artikel des Gesetzes ab. Zu Artikel 4, der den Maximal­grundbesitz bestimmt, wurden Abänderungsanträge angenommen, die den Höchstbesitz an Grund und Boden in Industriegegenden und Vorstadtorten von 60 auf 180 Hektar, in den Ostgebieten von 30fl auf 400 und in einigen anderen Gegenden von 180 aus 300 Hektar erhöhen. Von den Bauernabgeord­neten und den Linksparteien wurde angesichts dieses Beschlusses das Eingreifen der Regierung gefordert. Als ihr Antrag abgewiesen wurde, verließen die Vertreter der genannten Parteien den Saal.

Der neue Nordpolflug.

wtb 0 s I o, 10. Sept. (Tel.) In der General­versammlung des norwegischen Lufisahrvereins gab Bremierleulnank Larsen an Stelle des erkrankten Roald Amundfen Aufschlüsse über die geplante neue Bolarfahrk. Amundsen habe mit der italieni­schen Regierung einen Kontrakt abgeschlossen und zwar über den Ankauf eines sogenannten Halb­starren Luftschiffes. Die Besatzung besteht aus 16 Mann. Außer Amundsen, der der Leiter des Vo­larfluges bleibt, wird der Konstrukteur des Schif­fes, der Oberstleutnant Nobile zusammen mit Lar­sen das Schiff führen. Gleich nach Reujahr wird mit den Brobeflügen in der Gegend von Rom be­gonnen werden. Fallen diese nicht günstig aus, so braucht Amundsen das Schiff nicht zu überneh­men. Ende März soll der Flug von Rom nach der Singsbay unternommen werden, wo das Luft­schiff zum Bolarflug ausgerüstet wird, der auf dem gleichen Wege erfolgen soll, wie im vo­rigen Jahre. Die Fahrt wird VA bis 2 Millionen Kronen kosten.__________

* Die Nutznießer der Amnestie. Der Gerichts­hof zum Schutze der Republik hat laut „Boff. Ztg." auf Grund der Amnestie beschlossen, das Verfahren gegen Trebitsch - Lincoln, den Pressechef der Kappregierung, einzustellen. Trebitsch, dessen bewegtes Abenteuerleben ihn nach dem Zusammen­bruch des Kapputsches nach Wien, Prag, Rom und China geführt hatte, war zuletzt politischer Ratgeber Wupeifus und Organisator der england- feindlichen Propaganda in China. — Nach einer Meldung des „Vorwärts" aus Magdeburg ist auf Grund der Amuestieverorduung das Verfahren gegen den Redakteur der in Straßfurt erscheinenden Völkischen Zeitung „Mitteldeutsche Presse" Rot­haardt eingestellt worden. Rothaardt war in Magdeburg wegen Verleumdung des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert zu drei Monaten Gefäng­nis verurteilt worden. Das Urteil war aber noch, nicht rechtskräftig. — Die Amnestie wird auch in weiteren zahlreichen Fällen politischen Beleidigern und Verleumdern Rettung vor Strafe bringen.

* Eisenbahnunglück in Donauwörth. Ein von Ulm kommender Militärzug stieß im Bahnhof Donauwörth auf eine Wagengruppe auf, wodurch der Zug entgleiste. Drei Personen wurden ge­tötet, vier schwer und zehn leicht verletzt.

pakk anzuhängen sei oder der zu gleicher Zeit wie dieser angenommen werden müsse. Die Engländer sind demBerichterstatter zufolge enkschieden gegen irgend welche Vereinbarungen, welche die Ost- f r o n k umfassen, durch die das Rheinabkommen bedrohk werden könnke.

Allein oder mit anderen?

Wie soll Stresemann zur Ministerkonferenz in die Schweiz fahren? — Dr. Luther und Schiele sollen mitsahren.

Der Konferenz der Außenminister allein stehen deutscherseits gewisse Bedenken entgegen. Die bom auswärtigen Amt inspirierten „Deutschen diplo­matischen Politischen Korrespondenzen" hatten Ende dc: vorigen Wocke diesem Gedanken schon Ausdruck ll.^den. Die „Tägliche Rundschau", die in poli- Fragen, besonders in außenpolitischen, als £ r/'t; in 6et »Zeit" Stresemann sehr nabe fteift, begründete die Bedenken am letzten Sonntag noch deutlicher: „Wir würden es begrüßen, wenn dte Einladung der alliierten Minister nickt nur an den deutschen Außenminister, sondern auch noch an «n oder zwei andere Mitglieder des Kabinetts, viel- fercht den Reichskanzler Dr. Luther und den Reichs- rnnenmtnister Schiele gerichtet würden. Die Agitation der rechtsradikalen Presie wird auch bei einer solchen Vertretung des deutschen Reiches bei erner Mtnlstcrkonserenz nicht unterbunden, aber sie wurde doch entgiftet werden, da man dann doch wohl den bet uns so beliebten Persönlichen Kampf etwas dampft und nicht noch einmal den Versuch machen könnte, dem deutschen Volke vorzureden, daß nicht etwa die deutsche Regierung und der deutsche Reichstag, sondern ein einzelner es zu einer unwür- dtgen Knechtschaft fuhren wolle."

Die Gründe finden in dem größten Teil der deutschen Preße lebhafte Zustimmung und zwar sowohl auf der Rechten wie auf der Linken. Das „Berliner Tageblatt" stellt sich dabei auf feiten der Regierung:

»Wir halten es nicht für richtig, nur die Außenmini­ster zusammen za berufen, die doch wieder ihren Ka­binetten berichten müßten und eine neue Zwischenstation scheint uns überflüssig zu fein. Es ist Sache der Bot­schafter, um mehr Licht zu bitten, als es auch in den Londoner Unterhandlungen nicht gelungen ist, alle Zwei­fel zu zerstreuen. Eine Konferenz hat nur dann einen praktischen Sinn, wenn sie etwas beschließen kann und sie kann nur beschließen, wenn die Vertreter jedes be­teiligten Staates überzeugt fein dürfen, daß der Segen oller Regierungskollegen und aller Regierungsparteien auf ihrem Haupte ruht. Was die deutschnationale Presse täglich auf den lockigen Scheitel des deutschen Außen- Ministers Stresemann und auf die Paktpoliti? aus- schüttet, ist weniger kSegen als Fluch. Auch wenn StTefemann in Lausanne, in Zürich oder Brüssel wie die Schlldwache Wilhelm Hauffs singen müßte: „Steh ich in finstrer Mitternacht so einsam auf der stillen Wacht!" dann würde er die nationalen Dolch- stoße von hinten zu spüren bekommen Darum meinen wir, daß es besser wäre, ihn in Begleitung von Lu­ther und Schiele reisen zu lassen . . ."

Auch die „Kreuzzeitung" stellte sich auf den Stand­punkt der „Täglichen Rundschau" durch folgende Ausführungen: „Man wird den Darlegungen der »Täglichen Rundschau" in diesem Punkte zustimmen müssen. Die von ihr angeführten Gründe, die gegen me alleinige Entsendung Dr. Stresemanns zu der bevorstehenden Konferenz sprechen, sind zutreffend, ^uch wenn es sich bei der von der Gegenseite ge­planten Konferenz auch nicht um abschließende Ver- laudlungen, sondern mehr um eine Stellung-

Die Klu-Klux-Klan-Vewegung in Amerika ist uns vor allem bekannt geworden durch ihre fana­tische und hemmungslose Verfolgung der ka­tholischen Kirche un.b ihrer Anhän­ger. Es ist nun nicht erstaunlich, daß eine solche Organisation auch in den völkischen Kreisen Deutschlands Freunde finden kann. Denn an Feindseligkeit gegen die katholische Kirche lassen sich die Völkischen in Deutschland, in Berlin und auch anderswo, nicht übertreffen. Beweismittel stehen dafür in größtem Umfang jederzeit zur Ver­fügung. Freilich werden sich nach den Erfahrungen diejenigen, die Beweise überhaupt noch nötig haben, auch durch die stärksten Beweise nicht dafür gewin­nen lassen, die Front der Abwehr gegen katholiken­feindliche Treibereien verstärken zu helfen. Im Gegenteil!

In Berlin ist laut „Achtuhr-Abendblatt" eint geheime Organifattori von der Polizei auf- gedeckt worden, die sich in Anlehnung an die For­men und Gebräuche des amerikanischen Ku- Klux-Klan unter Führung von einigen Deutschamerikanern gebildet hat. Die Mitglieder der Organisation nennen sich „Ritter des feurigen Kreuzes". Der Zweck der Organisation wird als eine überpartelliche Zusam­menstellung" von Männern bezeichnet, die entschlos­sen sind, die „Freiheit des Vaterlandes zu erkämp­fen" und „unterBekämpfungdesJuden- t u m s" Deutschland von den sogenannten Schädlin­gen zu befreien. Die Organisation stehe in Be­ziehung mit den Mitgliedern des Frontkämp­ferbundes und des W i k i n g b u n d e s. Die Mitglieder müssen unbedingten Gehorsam schwören und einen Eid leisten, daß sie einen martervollen Tod auf sich nehmen, falls sie Verrat üben. Die Vereidigung soll nach Angabe von Mitgliedern der Organisation auf eine schwarz-weiß-rote Fahne mit Hakenkreuz, nach Mitteilungen anderer Beteiligter auf die amerikanische Fahne erfolgt sein. Es sind eine Reihe von Haussuchungen vorgenommen wor­den, bei dc en der Polizei umfangreiches Material in die Hände fiel. Soweit bis jetzt sich übersehen läßt, erstreckt sich der Kreis dieser wegen Geheim­bündelei Verdächtigen ausetwatausend Per- fönen.

Eine weitere Meldung des „W.T.B." besagt:

Wie zur Aufdeckung des „Orden des feurigen Kreuzes" sich nennenden deutschen Ku-Klux-Klan noch bekannt wird, setzte sich diese Geheimorgani­sation in erster Linie aus Mitgliedern völ­kischer Organisationen, u. a. der „deutsch-sozialen Partei", zusammen. Die maßgeblichen Führer, besonders die drei ge­flüchteten amerikanischen Mitbegründer, konnten noch nicht dingfest gemacht werden. Die Gründung der Organisation reicht bis in das Jahr 1923 zurück. Als damals eine Reihe völkischer Organisationen aufgelöst wurde, taten sich ihre Führer zur Grün­dung eines Geheimbundes zusammen, der „die Be­freiung Deutschlands vom äußeren Feinde und von den Fremdstämmigen" erstrebte. Einem gewissen Klapproth oblag die Gründung von Ortsgruppen. Außer ihm war in Berlin noch Oberleutnant a. D. Hildenbrandt und Dr. Hübner tätig, die eine mehr untergeordnete Rolle spielten. Die „Ritter des feu­rigen Kreuzes" traten in Berlin mit drei Ameri­kanern in Verbindung, die in der amerikanischen Ku-Klux-Klan-Bewegung eine Rolle spielten und auch sonst nicht unerheblich Einfluß besitzen. Die genannte Organisation war an dem Sü ft rin er Putsch nicht unbeteiligt. Der damalige Letter des Küstriner Unternehmens Major Buchrucker ge-