FuldaerZertung
Anzeiger für die Stabt und den kreis Fulda.
Nr. 208.
Berantwortlicb für die Schriftleitung: Dr. Johannes »tarnet. Anreisen, I. V arrellet. Fulda. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Setieudruckerei in Fulda. Fernsvrecher Nr- 9.
Monatlicher BerugSdreiS, 1.50 Mk.
Donnerstag, 10. Sept 1925.
Amtliches kreisblakk.
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52. Zahrg.
Neue tlbriistuiMkonferenz?
Wtb 3t e ro 9 o 11, 9. Sept. (Tel.) Nach einer Meldung aus Swampkscokt Hai Präsident Loo. l i d g e die Absicht, eine zweite Abrüstungskonferenz eiazuberufen, sobald die Umstände es gestatten. Der Präsident widersetzt sich auch nicht der von Painlevä ausgesprochenen Ansicht, daß die Initiative vom Völkerbund ausgehen solle. Jede Konferenz, die zu praktischen Ergebnissen führe, sei Loolidge recht. Die Dahl des Konferenz - O r k e s fei eine Frage zweiter Ordnung.
Der Handelsvertrag mit Frankreich.
Der Leiter der deutschen Delegation für die deutschfranzösischen Wirtschaftsverhandlungen, Staatssekretär Dr. Trendelenburg, begibt sich entsprechend den mit dem französischen Handelsminister Chaumet am 11- Juli getroffenen Abmachungen zum 15. Sept, nach Paris. Er wird begleitet von den Herren Ministerialrat Mathies vom Reichswirtfchafts- Ministerium und Geheimrat Woermann vom Auswärtigen Amt. Die beiden Delegationsführer werden vereinbarungsgemäß die Lage zwecks weiterer Verhandlungen prüfen. Zu welchem Zeitpunkt die beiderseitigen Delegationen die Verhandlungen über ei» deutsch-französisches Handelsvertragsprovisorium wieder aufnehmen werden, wird von dem Ergebnis Lieser Vorbesprechung abhängen.
Gegen die Bolschewisten in England.
'"n wtb ßonbon, 9. Sept. (Tel.) «Daily Mail" zufolge hat der Polizeipräsident von London in allen Polizeibezirken Instruktionen zur Verhaftung derjenigen Personen erteilt, welche in dem Verdacht stehen, an einer kommunistischen Verschwörung gegen den Staat und insbesondere an dem Plan, in der Marine, der Armee und unter den Luststreikkräfien Unzufriedenheit zu erregen, beteiligt zu fein.
Der schwere Kampf in Nordafrika.
wtb London, 9; Sept. (Tel.) «Times" meldet aus Tanger: Ein vom Hauptquartier Abd et Krim's herausgegebener Bericht meldet: daß die Versuche der Spanier, bei Dad Lau Truppen zu landen, znrückgeschlagen worden feien. Hier feien 7 Schiffe der Spanier versenkt worden. Der Derichkerstatler teilt mit, daß eine Bestätigung der Meldung in Tanger nicht zu erlangen sei. Nach Aussage von Nifanhängern seien an der ganzen Küste von den Rifkriegern Minen gelegt worden.
Die Nachrichten aus französischen und spanischen Quellen lauten günstiger für den Fortgang der spanisch-ftanzösischen Offensive.
Deutsches Reich.
* Der Reichspräsident v. Hindenburg ist von Dietramszell kommend am Dienstag abend 8.48 Uhr wieder in der Neichshauptstadt einge- troffen.
* Abreise Dr. Wirths nach Amerika. Der frühere Reichskanzler Sr. Wirth ist am Dienstag an Bord des Norddeutschen Lloyddampsers „Stuttgart" nach N e w y o r k abgereist, um an der am 1. Oktober in Washington beginnenden Konferenz der Interparlamentarischen Union, deren Verhandlungen im Kapitol stattfinden werden, teilzunehmen. Eine Anzahl anderer deutscher Parlamentarier wird ihm im Laufe dieses Monats dorthin folgen.
* Der Prozeß gegen Bartels und Holzmann Nach einer Blättermeldung wird der Prozeß gegen den ehemaligen Leiter der Berliner Fremdenvolizei Regierungsrat Bartels und den Kaufmann Michael Holzmann voraussichtlich in den ersten Tagen des Oktober verhandelt werden. In der Verhandlung werden insbesondere die Angaben eine Rolle spielen, die HolMann über die Geschäftsverbindung zwischen Kutisker und der Preußischen Seehandkung dem Untersuchungsrichter gemacht hat.
* Auslandsreise des Kreuzers „Berlin*. Der Berliner Oberbürgermeister Böß begech sich mit einem Flugzeug nach Kiel, um der Ausfahrt des Kreuzers „Berlin", der eine neunmonatliche Auslandsfahrt antritt, beizuwohnen.
Soziales.
— Nurwandererstatistik. Neber die Auswanderung Im 1. Vierteljahr gibt „Wirtscbaft und Statistik' einige nicht uninteressante Zahlen. Nach Uebersee wanderten über deutsche Häfen aus 14845 Deutsche gegen 18768 im 1. Vierteljahr 1924 und 16076 hn letzten Vierteljahr 1924. Wir haben also eine langsame Abnahme der Auswanderer festzustellen, auf das Jahr umgerechnet kamen auf 100000 Einwohner 95 Auswanderer, von denen 54 männlichen und 41 weiblichen Geschlechtes waren. Geber Vs dieser Auswanderer gehören den befferen Ständen an, denn so viele und mehr haben die 1. und 2. Schiffsklaffe benutzt. Etwa Vs der Auswanderer war berufslos, von den übrigen kam rund Vs aus der Industrie, der 5. Teil aus der Landwirtschaft, der 6. aus dem Handel und Verkehr, der 7. ans der Gruppe häusliche Gruppe und Verwandtes. Von den Teilen des Reiches waren am stärksten beteiligt die landwirtschaftlichen Provinzen (Grenzmark Posen- Westpreuhen, Schleswig-Holstein, Hannover-, ferner die Länder Württemberg, Baden, Oldenburg und Waldeck.
* Viviani wird auf Staatskosten beigeseht. Wie Havas mitteilt, wird die Beisetzung Bivianis auf Staatskosten stattfinden.
Ier Zusammentritt -er Mmsterkoliserenz.
Nun wird es ernst mit der viel besprochenen Zusammenkunft der Außenminister. Der Vertreter Deutschlands auf der Londoner Juristenkonferenz, Ministerialdirektor Gauß, ist nach Berlin zu- rückgekehrt. Es wird gemeldet, daß er am Mittwoch in Begleitung des Staatssekretärs von Schubert nach Norderney fährt, um dort dem Reichsaußenminister Stresemann über das Ergebnis der Londoner Besprechungen der juristischen Sachverständigen Bericht zu erstatten.
Nach Meldungen der „Vossischen Zeitung" und des „Vorwärts" aus Genf soll der deutschen Regierung alsDatumfür denZufammentritt der Ministerkonferenz über den Sicherheitspakt der 2 9. September vorgeschlagen worden sein. Im übrigen sei im Auswärtigen Amt eine offizielle Einladung noch nicht eingetroffen.
lieber die Londoner Iuristen- konferenz.
Der Sonderberichterstatter der Havasagentur in Genf hatte eine Unterredung mit dem belgischen Sachverständigen Rollin, in der dieser u. a. erklärte:
Die aus London verbreiteten Nachrichten, denen zufolge bei den Sachoerständigenverhandlungen Belgien die deutsche These unterstützt hätte, sind völlig aus der Luft gegriffen. Tatsache ist, daß die Londoner Beratungen sich von Anfang bis zu Ende in einer Atmosphäre der Herzlichkeit abgespielt haben, die man vielleicht noch niemals, selbst nicht in Genf, angetroffen hat. Wenn ich mich nicht gegen die englischen oder französischen Vorschläge habe zu wenden brauchen, so hatte das darin seinen Grund, daß zwischen dieser und den deutschen Vorschlägen die Differenzen bedeutend weniger ausgeprägt waren, als man hätte glauben können. Wir haben in unserem deutscheuKol- legen Gauß einen Unterhändler gefunden, der von dem konziliante st en Geiste beseelt war und das erklärt vielleicht, daß wir recht gute Arbeft verrichtet haben, lieber die genauen Ergebnisse unserer Arbeit kann ich Ihnen nichts sagen. Ich kann indeffen versichern, daß wir glauben, den Boden für die demnächstigen Verhandlungen in nützlicher Weife vorbereitet zu haben. Gauß kannte seine Partner bei den Londoner Verhandlungen bereits, denn er hatte schon bei früheren Besprechungen an dem Sicherheitspakt mitgearbeitet. Es ist vielleicht nicht übertrieben, zu behaupten, daß die früheren Zusammenkünfte zwischen Fromageot und Gauß zu der Annäherung beigetragen haben, die bei den Londoner Besprechungen erreicht wurde.
Zweifellos bleiben noch große Schwierigkeiten zu überwinden. Unser Eindruck ist indessen günstig. Wir sind glücklich, nach der Fühlungnahme mit den Außenministern feststellen zu können, daß sie unsere Gefühle teilen.
Italien und der Sicherheitspakt.
Aus unterrichteten italienischen Kreisen verlautet, daß die italienische Regierung noch keinen Entschluß in bezug auf die Teilnahme an einem Sicherheitspakt gefaßt hat. Italien bleibe bei den gegenwärtigen Verhandlungen in der Rolle eines Beobachters.
Gegen Stresemann.
Ein Vorstoß des Alldeutschen Verbandes gegen den Außenminister des Rechkskabiuekts Dr. Luther.
In Detmold fand unter starker Beteiligung der Alldeutsche Verbandstag statt. Nach verschiedenen Referaten über die politische Lage wurde einstimmig folgende E nt s ch l i eß u n g angenommen:
„Der Alldeuffche Verband erhebt von neuem durch seine Hauptversammlung Widerspruch gegen den von Reichsautzenminister Stresemann den Feinden unterbreiteten Vorschlag eines Sicherheitsvertrages. Er sieht diesen Vorschlag durch die Lösung der Bedingung, die die Reichsregiervng vor Eintreten in eigentliche Verhandlungen seitens der Feinde erfüllt wissen wollte, als erledigt an und erwartet von der Reichsregierung die ausdrückliche Zurückziehung des Stre- femannschen Vorschlags. Des weiteren erinnert der Alldeutsche Verband daran, daß der vom Kabinett am 29. August 1924 beschlossene Widerruf des Kriegsschuld- anerkenntnisies noch nicht erfolgt ist; der Verband erklärt es als eine Ehrenpflicht der Regierung, daß sie dies Versprechen endlich einlöst. Schließlich verurteilt der Bet» bandstag die Absicht des Kabinetts, nach Erfüllung der gestellten Bedingung in den Völkerbund einzutreten und erwartet, daß die Regierung die feindliche Forderung der Einlösung aufs neue zurückstellt.
Die Mitglieder des Alldeutschen Verbandes werden dringend gebeten, bei der Aufklärung der öffentlichen Meinung in diesem Sinne mitzuwirken. An den Reichspräsidenten wurde ein Begrüßungstelegramm abgesandt.
Man kann gespannt sein, wie sich dieser Sturm der Alldeutschen in der Deutschnationalen Volkspartei austoben wirb, wenn zu der bevorstehenden Außenministerkonferenz nicht nur Stresemann, sondern auch Schiele reifen würde. Heber diesen Wunsch Stresemanns haben wir gestern schon berichtet. Die „Germania" stimmt dem Wunsche Stresemanns zu. Bei einer so weittragenden Entscheidung könne die Basis der Verantwortlichkeit gar nicht groß genug sein.
Ausland.
* Auflösung des Wiener „Faschistischen Komitees". Aus Wien wird gemeldet: Die Polizei hat das aus radikalen Jugendlichen bestehende sogenannte „Faschistische Komitee* aufgelöst, das bei den Krawallen am 1. August auf dem Praterring und bei der Tötung des deutschen Turner Mohapl eine große Rolle gespielt hat.
* Der internationale Demokratenkongreß. In Luxemburg wird der fünfte internationale Demokraten-Kongreß für den Frieden unter dem Vorsitze des luxemburgischen Kammerpräsidenten Prüm eröffnet. Als deutscher Vertreter nimmt Profeffor Qnidde teil.
* Die Arbeitslosigkeit in England. Die Zahl der Arbeitslosen betrug in England am 31. August 1354100 und zeigt damit im Vergleich zur vergangene« Woche eine Erhöhung um 10362 und zum vergangenen Jahre um 191220.
* Die amerikanische Einwanderungsstatistik. Die soeben veröffentlichte Einwanderungsstatistik zeigt, daß das neue Einwanderungsgesetz in wirksamer Weise den Zustrom der Ausländer zurückhielt. In dem mit dem Juni endigenden letzten Eimvan- derungsjahr sind nach der Statfftik 294000 Personen eingewandert. Dies bedeutet gegenüber dem Vorjahre einen Rückgang von 6800 Personen. 92 000 Personen sind in ihre alte Heimat wie- der /UxrücfnefebrL
* Kein Einrrisevcrbot mehr nach Indien. Die indische Regierung gibt bekannt, daß die allgemeinen einschränkenden Bestimmungen für die Einreise von den ehemals feindlichen Staaten angehörigen Fremden noch Indien aufgehoben werden,
China.
wtb' Paris, 9. Sept (Tel.) Nach einer ha- vasmeldnng aus Peking haben jetzt alleMöchke, die den Vertrag von washinrston unterzeichnet haben, die E i n l a d u n g Chinas zu der vorgefchla- genen Zollkonferenz angenommen.
von -en Hochschulen.
— ®eotg v. Mayr -f. Der bekannte Statistiker Prof. Georg v. Mayr ist im 85. Lebensjahre in Tutzing om Starnberger See gestorben. Mayr, ein geborener Würzburger, habilitierte sich 1866 an der Münchener Universität. 1879 ging er als Unterftaatssekretär und zwar_ als Vorstand der Abteilung für Finanzen und Domänen in den elsaß-lothringischen Dienst über. 1887 wurde er in den einstweiligen Ruhestand versetzt. 1898 wurde er als Nachfolger Riehls als Profeffor für Sta- tistik, Finanzwiffenfchaft und Nationalökonomie nach München berufen. Seine Schriften und Aussätze find außerordentlich zahlreich. Sein Hauptwerk ist „Statistik und GesellschaMehre". Er gab bis zum Jahre 1879 die Zeitschrift des königlich bayrischen Statistischen Amtes heraus und gründete das allgemein statistische Archiv, v. Mahr war ein wohlwollender schlichter Gelehrter, dem seine vielen Schülern da» beste Andenken bewahren werden» Dr. K.
Vie unsichere französische Eisenbahn.
wtb p a t i s, 9. Sept. (Tel.) Wie der «Malin" meldet, sind infolge Nachgebens der Schienen in der Gegend des Dorfes Formens drei mit Material beladene Wagen eines Güterzuges entgleist. Der Sachschaden ist bedeutend. Personen sind nicht verletzt.
Erst kürzlich wurde darauf hingewiesen, daß die Zahl der Eisenbahnunfälle m Frankreich ungewöhnlich groß ist.
* Zwei deutsche Gelehrte aus der „schwimmenden Universität". Die Universität New York sendet, wie gemeldet wird, etwa 450 Studenten und 50 Dozenten auf einem als Hochschule eingerichteten Schiff auf eine Weltreise. Eine Anzahl von Regierungen sind eingeladen worden, Gelehrte zu Vorträgen an der Weltreise-Universität zu entsenden. Die deutsche Reichsregierung hat zu GastprofessorL» der schwimmenden Universität die Nationalökonomen Wiedenfeld-Leipzigund Alfred W e b e r - Heidelberg ernannt.
* Todesopfer eines Taifuns. AuS Manila wird gemeldet: Bei einem Taifun sind in der Nähe der Insel Eavalan 35 Schiffer ertrunken.
wirtschaftliche Uarnpfbewegungen.
= Der englische Leemanntstrelk. Reuter meldet aus Kapstadt: Im SeemannSstreik ist insofern hier eine bedeutende. Wendung eingetreten, als daS Schiff „Goatb- land', das eine für Europa bestimmte MaiSladung an Bord hat, mit der Mehrzahl seiner ursprünglichen Be- satzung in See gegangen ist. Der größte Teil der Besatzung ist unzufrieden, daß sich der Streik solange hinzieht und die Führer eine so unversöhnliche Haltung einnehmen. Man erwartet, daß das Verhalten der Besatzung der „Goathland" auf die Besatzung der anderen tyier im Hafen liegenden Maisschiffe zurückwirken wird.
— Oesterreich kauft Gold. Die österreichische Nationalbank hat zum ersten Male seit ihrem Bestehen Goldbarren gekauft, und zwar einen Betrag in Höhe von 334 Mill. Schilling auf dem Londoner Markt.
— Polnische Ernteaussichten. Die diesjährige Ernte in Polen wird beträchtlich größer fein als im Vorjahr. Und zwar schätzt man bei Weizen ein Mehr von 58 Proz., bet Roggen 66 Proz., bei Gerste 14 Proz., bei Hafer 20 Prozent.
— Rußland führt die mitteleuropäifchen Maße ein. Die Kulturabteilung/der russischen Regierung hat bestimmt, daß vom Herbst ab in allen Schulen nicht mehr die alte Maß. und Gewichtseinteilung gelehrt wird, son- dern nur noch das mitteleuropäische System. Die Werst. Arsimen, Desstatinen, Puds usw. werden also den Kilometern, Quadratkilometern, Kilos usw. Platz machen.
— Braunkohlenfunde ht Rußland. Der russische Gev- löge Prof. Tschernow hat im Petschora-Gebiet auf einer Fläche von 4V» Quadrat-Kilometer in einer Dicke von 2 bis 8 Meter Braunkohlen entdeckt. Es haben sich außerdem in den nördlichen Tundragegenden der Petschora Anzeichen für dar Vorhandensein anderer Braun- kohlen gezeigt.
Vie neue StäMeorönung.
Der Landtagsausschuß für Städteordnung hatte sich mit einer Denkschrift der Regierung über die Verwaltungsreform zu beschäftigen, die Innenminister Severing vorlegte.
Das ganze Reformwerk würde danach bestehen aus:
1. Stadt- und Landgemeindeordnung mit folgenden Hauptgesichtspunkten-, einfache Organisation, Regelung der nachbarlichen Verhältnisse, Beschränkung der Staatsaufsicht in materieller Beziehung, Übertragung der Kommunalaufsicht über Städte bis 10 000 oder 5000 Einwohnern auf den Landrat und den Kreisausschuß.
2. K r e i s o r d n u n g mit folgenden Haupt- gesichtspunkten: Ermöglichung der Dezentralisation innerhalb des Kreises, Regelung des Verhältnisses von Kreis und kreisangehörigen Gemeinden.
3. Provinzialordnung mit folgenden Hauptgesichtspunkten: Regelung des Verhältnisses zwischen Provinz und Kreisen, Vermeidung eines überflüssigen Verwaltungsausbaues der Provinzial- oerwaltung.
4. Land es Verwaltungsgesetz mit folgenden Hauptgesichtspunkten: Regelung des Verhältnisses der selbständig bleibenden Lokalbehörden zueinander, Betonung des Grundsatzes, daß die Lokalinstanz im Zweifel entscheidet, Zusammenfassung der Mittelinstanz unter dem Oberpräsidenten, Einbau der Beschlußbehörde in die Provinzial» regierung.
5. Verwaltungsgerichtsordnung mii Organisation der Verwaltungsgerichte, Kreisaus- schuß, Stadtverwaltungsgericht, Provinzialverwal» tungsgericht, Oberverwaltungsgericht, ferner Erweiterung des Verwaltungsrechtsschutzes.
6. Schulunterhaltungsgesetz mil Übertragung der Schulunterhaltung auf die Stadt« und Landkreise unter Ueberroeifung entsprechender Generaldotationen. Unberührt bleibt die ausschließliche Befugnis des Staates zur Regelung der inneren Schulangelegenheiten.
7. Dienststrafordnung mit Angliederung der Disziplinarkammern an die Provinzialverwar- tungsgerichte, gleiches Berfahrungsrecht für mittelbare Beamte.
8. Finanzausgleichsgesetz mit Berücksichtigung der Neuregelung der Schul- und Wegelasten.
9. Mantelgefetz, in welchem die für eine Dezentralisation und Dekonzentration nötigen Novellen enthalten sind, und Aenderung der Kreisgrenzen. Dieses Mantelgesetz würde das bisherige Zuständigkeitsgesetz ersetzen.
10. Gesetz über eine Herabminderung der Zahl der Landtagsabgeordneten und der Mitglieder des Staatsrats."
Hmunöfen kauft ein italienisches Luftschiff.
wtti Rom, 9. Sept (Tel.) Die Blätter melden. daß Amundsen zu seinem nächsten Nordpolflug im kommenden Frühjahr das halbstarre Luftschiff Nr. 1 von dem ikalienischen Fiskus gegen günstige Bedingungen angekauft hak. Die neue Nord- polfahrk soll im nächsten Frühjahr wohl unter not- wegischer Flagge, aber mit italienischem Personal erfolgen. Dieses Luftschiff ist 108 Meter lang, besitzt 3 Mokore mit je 245 PS., die ihm eine Geschwindigkeit von 77—105 film, in der Stunde geben.
Erdbeben.
wtb Paris, 9. Sept. (Tel.) Nach einer Agentur- Meldung aus Konstantinopel sind in der Gegend Sinoa heftige Erdstöße verspürt worden, durch die drei Dörfer vollständig zerstört worden find. Da die Einwohner sich rechtzeitig in Sicherheit bringe» konnten, find Verluste a« Menschenleben nicht zu beklage».
= Protest gegen den Knrfchlutz deutscher Gelehrten. Der „Mondo" polemisiert m einem längeren Artikel gegen die Machenschaften französischer und belgischer Gelehrtenverbändr, welche bis 1931 Deutschland von allen wissenschaftlichen internationalen Zusammenkünften auSschließen wollen. Das Blatt nennt es vor allem unerhört, daß die deutschen Chirurgen vom internationalen Aerztekongreß, der im nächsten Jahre in Rom tagen soll, ausgeschlossen bleiben sollen.
* Explosion in Mülhansen. Havas berichtet aus Mülhausen, daß in einer Wer kzeugfabrit aus noch nicht festgestellren Gründen eine Explosion entstanden ist, die gewaltigen Schaden anrichtete. Zwei Arbeiter wurden getötet, sieben schwer verletzt.
* Die Typhus-Epidemie in Langenbielau (Schlesien) Hai sich der „Schlesischen Zeitung" zufolge weiter ausgebreitet. Während bis Mitte August vom Beginn des Jahres 58 Fälle gemeldet worden waren, ist die Zahl der Fülle nach amtlicher Auskunft nunmehr auf 92 gestiegen. Bis Mitte August waren drei Personen an Typhus gestorben. Die Zahl der Gestorbenen beträgt jetzt neun. 50 Personen sind gegenwärtig noch krank. Die Bevölkerung hat sich gegen Typhusimpfen lassen.
* Plötzlicher Tod eines Delegierten der Welt- kirchenkonferenz. Auf der Rückreise von der Welt- kirchenkonfereuz in Stockholm erlitt der amerikanische Delegierte Glutz im Eisenbahnzuge einen S ch l a g a n - fall. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, wo festgestellt wurde, daß der Tod bereits eingetreten war.