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Anzeiger für die Stadl und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.
Jlr. 205
Sonntag, 6. September 1925,
52. Zahrg
Ir.SlreseMN über bieWieberanllähermg derVölker
was eigentlich ge-
Das Problem der interalliierten Schulden
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des §13 des,Statuts aus der Oraanllation gesperrt.
* Die Räumung Kölns beschlossen? Nach einer Meldung des Vorwärts aus Genf soll im Verlaufe der alliierten Ministerbesprechungen die Räumung der Kölner Zone grundsätzlich vereinbart worden sein. Der Beschluß der Räumung soll in drei Monaten erfolgen; eine raschere Räumung sei angeblich aus militärische» Gründen unmöglich.
Zur Katastrophe der »Zternentochter*.
Der Flugzeugsteuermann Tobin, der sich in dem Hauptteil der Shenandoah befand, erzählt: Ich befand mich in dem Kielrveg der Shenandoah, als ich
. * Zach Ruth Fischer Rost Wolfstein. Laut „Ro- ker Fahne ist die kommunistische Land- ra gsa b geordnete Rost Wolfstein, die dem ^entralverband der Angestellten seit vielen Jahren «gehörte, auf Beschluß des Hauptoorstandes auf
Eifen, er müsse vor allem einen . . 'offen, damit die Welt eine neue Sittlichkeit im Zusammenleben der Völker erlangt. Wenn die Jugend sich von neuen Idealen leiten lasse, so werde der Menschheit auch die Verwirklichung des großen Ideals des Völkerfriedens gelingen.
Der der Schlußsitzung des Kongresses des Inter« natlonalen Hochschulverbandes für den Völkerbund erklärte Painleve in einer Ansprache, es sei Auf- gäbe der Jugend, das vereinigte Europa zu schaffen und die Wiederkehr neuer Tragödien zu verhindern. Der Völkerbund habe nach seiner Auf- fassung nicht nur Verträge zu registrieren und in Konflikten eins------" "
Die Pistole im politischen Streit.
wtb p 0 r i s, 5. Sept. (leL) Rach einer „2Ha- fin“-2Relbung aus Mexiko hat der Abgeordnete Wacip heute seinen Kollegen Perec in der Rahe des Abgeordnetenhauses im verlauf eines Streites über die Agrarfrage erschossen.
Berarttworilick für bie Swriitleituna: T>r Johanne» Kramer- Anreisen.- I. P arreller, Fulda. Rotationrdrnck und verlas der Fuldocr »rtimbtnttwei in ?«lbo. Fernivreter Rr- S.
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Gefahr in Marokko?
wtb Paris, 5. Sept. (leL) wie dem „Journal" aus Madrid gemeldet wird, ist General primodeRivera. der gestern abend nach Sevilla abgereift war, Hals über Kops nach Fez zu- rückgekehrt, weil die Lage an der spanischen Westfront sich plötzlich verändert habe und in den letzten 24 Stunden außerordentlich ernst geworden fei.
ausgeschlossen worden. Es sollen auch noch andere Ausschlüsse von Kommunisten aus dem Ver- bande erfolgt sein. — Die wilden Damen scheinen schnell aus der Mode zu kommen.
Die Konferenz der Außenminister.
wtb p a r i s, 5. Sept. (Tel.) Rach einer Agenturmeldung aus Rom veröffentlichen die Bläffer eine Information, in der versichert wird, daß die Konferen z der Außenminister über die Sicherheitsfrage unter Beteiligung Mussolinis stattfinden werde.
Das Ende der IuristenKonferenz.
Wtb London. 5. Sept. (Tel.) „Daily Mail" meldet, daß die juristischen Sachverständigen gestern nachmittag ihre Beratungen so gut wie 6 e e n & e f haben. In den in Betracht kommenden technischen punkten sei volle 11 e b e r e i nff i m - m u n g festgestellt worden. Die Aufgabe der Iu- risten hätte nicht die Erwägung größerer politischer Fragmi eingeschlossen. Der nächste Schritt sei. wie erwartet wird, die geplante Zusammenkunft der Außenminister der 5 in Betracht kommenden Staaten. wahrscheinllch irgendwo in der Schweiz.
U)o will Italien hinaus?
~ . • Don einem unserer außenpolitischen Mitarbeiter: hm,nieÄÄe Sendung des Rechtssachverstän- »ha" durch die italienische Regierung hat "derrascht. Man fragt sich sowohl in Ä« m französischen Kreisen, aber auch m Deutschland: Was will Mussolini mit d-e- bezwecken? Selbst die italienische Presse Aufgabe des Rechtssachoerständigen von Italien bei der letzigen Beratung des Sicherbests- ^uristen-Konferenz als schwierig
Italien ist bekanntlich schon bei Beginn der Garantiepaktverhandlungen zur Teilnahnie einqe- S» mroDrben' b°t aber bisher abgelehnt und zwar «E-N SÄ’1 -"".»m-nd'-LZK ^'cht heraus, um sich erst über die JSr@ero^L®eft0ltUnr9 tiefes Sicherheitsver- E L 3U verschaffen. Diese Haltung 'l "un plötzlich geändert worden, und der italienische Vertreter jetzt auch vor äufiq LÄ s7d°ck lL- ibeobachtung in London er^
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n£P0‘Än Sreife wie auch die Presse selbst 'ledig- lich auf Vermutungen angewiesen. Diese Vermutungen laufen in der verschiedensten Mästung Einmal bringt man den Schritt Mussolinis mit der Schuldenfrage in Zusammenhang, weil er eine belfere Behandlung auf diesem Gebiete erwartet lo» [emer ®tI9Iani|5 Politik unterstützt. Jedenfalls hat den Anstoß zu Mussolinis Schritt wohl die lebte Besprechung zwischen E h a m b e r l a i n und B r j. and gegeben, die, wenn auch noch manches aus dem Wege zu räumen ist, doch ein grundlegendes ~'u’ejmanÖni5 über den Sicherheitspakt gezeitigt hat. Mussolini hat sich dadurch überzeugt, daß die ^vage des Abschlusses des Paktes doch aus dem
anlaßten bereits das Kabinett Herriot und nunmehr den Finanzminister des Kabinetts Painleve, Faillaux, in Washington und London bestimmte Vorschläge zu machen. Der Druck Amerikas auf alle Schüldnerstaaten ist heute außerordentlich stark. Bei Frankreich und Italien kommt hinzu, daß beide ©taten eine erschütternde Währung haben und diese ohne amerikanische Hllfe nicht in Ordnung bringen können.
Bei der Betrachtung des Gesamtproblems sind nun aber zwei Arten von Verschuldungen auseinanderzuhalten, die Schulden sämtlicher europäischer Alliierten an Amerika und die Schulden Frankreichs, Italiens und Belgiens ufro. an England. Nebenbei bemerkt bezifferte sich die gesamte Kriegsverschuldung der Alliierten (mit Rußland) 1923 auf 118 616 Millionen Goldmark. Jeder Schuldner Amerikas ist zugleich englischer Schuldner. Vov allen Schuldnern hat England seine Pflicht zuerst begriffen und nach Amerika einen Schritt zur Regelung getan. Es hat mit Amerika im Jahre 1922 eine Schuldenregelung getroffen, die man das ogenannte Baldwin-Abkommen nennt. Die englische Regierung hat sich hiernach auf die Dauer von 62 Jahren zu einer jährlichen Zahlung von rund 169 Millionen Dollar ---- 650 Millionen
Zinn Preisabbau.
Eine Negierungsumfrage über die wirtschaftlichen Wirkungen der neuen Gesetze.
Die .Tägliche Rundschau' meldet: Eine begrenzte Anzahl führender Persönlichkeiten des Wirtschaftslebens ist von Negierungsseite aufgefordert worden, sich über die mutmaßliche Auswirkung der neuenSteuer-, Zo11-und Aufwertungsgesetze auf die Wirtschaft zu äußern. Es liegt die Vermutung nahe, so heißt es in dem Blatte weiter, daß diese Umfrage in innerem Zusammenhang steht mit der von der Regierung weitergeführten Preisabbauaktion.
. Reichsaußenminister Dr. Stresemann hat cmer Sondernummer der Zeitschrift „Das Hotel", die aus Anlaß der in Scheveningen beginnenden 50. Generalversammlung des internationalen Hotel- I besttzerverems herausgegeben worden ist, em Ge- leitwort gewidmet, in dem es heißt:
® u r 0 P a droht unter einer militärischen ■R l.V‘ u f 9 5 [ q ft zusammenzubrechen, die wett gefährlicher, weil größer ist als 1914, und das alles nur, weil feine Völker vor Argwohn und Mißtrauen gegeneinander beherrscht werden. Angesichts dieser Entfremdung hat das wichtigste Ziel einer vernünftigen Abbaupolitik zu fein, eine Wiederannäherung der Geister, eine Entgiftung der europäischen At- m o s p h ä r e herbeizuführen. Das läßt sich ober am schnellsten und nachhaltigsten erreichen, wenn die Völker wieder in e n g st e n p e r s ö n l i ch en K o n- lakt zueinander treten. Hier sehe ich eine überaus fruchtbare und erfolgverheißende Aufgabe des internationalen Fremdenverkehrs. Deutschland ist, wie die Verhandlungen mit den ver- fchiedenen Staaten zeigen, bestrebt, die Regelung des Verkehrs über feine Grenzen so frei und unbehindert wie nur möglich zu gestalten.
Gebiete der Utopie in das der Wahrscheinlichkeit gerückt ist. Italien, das schon immer um seine Stellung und sein Ansehen als Großmacht im Kreise der Entente gekämpft hat und noch kämpft, will sich nun in dieser Frage nicht isolieren lassen. Wir erleben wir denselben Schachzug Mussolinifcher Po- litik wie seinerzeit gegenüber dem Völkerbund. Auch damals hat Italien sich durchaus zurückhaltend, ja fast ablehnend dem Völkerbund gegenüber verhalten, bis plötzlich die Korfu-Frage die italienischen Interessen stark berührte und Mussolinis großes Interesse für den Völkerbund hervorrief und er nunmehr mit allem Eifer für eine genügende Vertretung Italiens im Völkerbunde eintrat.
Es war schon vor einiger Zeit davon die Rede, daß die italienische Regierung insofern Interesse an einem Sicherheitspakt zeige, als sie auf diese Weise auch ihre Grenzen geschützt wissen wollte. Daß diese Frage auch heute eine bedeutende Rolle mit« spielt, steht außer Zweifel. Hier könnten aber unter Umständen die Interessen Italiens und Englands doch einigermaßen kollidieren, da England es abgelehnt hat, weitergehende Sicherheiten als ledig- lich für den Westen zu übernehmen. So fehr man es englischerseits begrüßen wird, Italien mit als Garanten des Westpaktes zu sehen, und so sehr dies auch der englischen Regierung die Vertretung dieses Paktes vor ihrem Volke erleichtern würde, well bann nicht mehr die Gefahr des Schutzes gegenüber Frankreich auf ihr allein lastet, so sehr liegt aber auf der anderen Seite die Gefahr für Englanv, daß es über den Rheinpakt hinausgehende, auch auf den Osten sich erstreckende Verpflichtungen übernehmen müßte. Wenn man bedenkt, welchen Sturm das Genfer Protokoll im letzten Jahre in der englischen Oeffentlichkeit hervorrief, wie es allgemein in England Ablehnung erfuhr, klingt es nur zu glaubwürdig, daß die englischen Konservativen gegen zu weitgehende Forderungen Frankreichs zu einem Sicherheitspakt sind, und daß sie den Pakt I lediglich dahin aufgefaßt haben wollen, daß er nicht für den Besitzstand feste Normen schafft, sondern lediglich die Sicherung gegen einen überraschenden Angriff in Frage kommt. In Frankreich ist man durch den italienischen Schritt außerordentlich beunruhigt, und das französische Mißtrauen ist in er- höhtem Maße erwacht. Man weiß nicht, wohin man Mussolinis Pläne stecken soll, und so beutet man seinen Schritt dahin, daß er auf englische Einladung gehandelt habe, um England im Kampfe gegen allzu hohe französische Forderungen zu un- terstützen. Ja man geht sogar soweit — und hier spricht vielleicht das französische schlechte Gewissen mit, das sich auch in seinen enormen Rüstungen immer wieder gegenüber der Außenwelt verrät — daß Mussolini durch feine Unterstützung der englischen Politik für sich ein anglo-italienisches Bündnis herausschlagen will, um die gegenseitigen Interessen beider Länder im Mittelmeer und im Osten zum Nachteil der französischen Interessen allerdings zu wahren. Es beginnt deshalb gewissermaßen der Kampf um Mussolinis Seele. Die französische Presse, die der Regierung nahesteht, weißt deshalb auf das gemeinsame Interesse hin, Iras die Beteiligung Italiens an den Paktverhandlungen für Frankreich, Polen und die Tschechoslowakei bedeutet, nämlich zugleich die Wahrung der Interessen Italiens am Brenner und damit die Verhinderung des Anschlusses Oesterreichs an Deutschland. ■ »
„Es wird jedenfalls nicht so leicht fein, die Wünsche der drei großen Ententeländer unter einen Hut und sicherlich noch schwerer, sie mit den berechtigten deutschen Ansprüchen und Forderungen in Einklang zu bringen.
painlevtz für ein vereinigtes Europa
Deutsches Reich.
. * 3ur Preußenfrage. Von zuständiger Steile wirb im Hinblick auf die Gerüchte erklärt, daß Neuwahlen zum preußischen Landtag für den 25. Ok- »? r2*en Ia9 ber Kreistagswahlen, nicht in 4usfid)t genommen sind. Der preußische Ministerpräsident ist allerdings nach wie vor entschlaf- V\n' '"der durch die preußische Verfassung ge- botenen Form im Einvernehmen mit dem Landtags-und Staatsratspräsidenten den Landtag a u f- 3ulOfen, wenn sich bei seinem Wiedrzusamineii- tritt em gedeihliches Zusammenwirken nicht ergeben sollte. Würde das in der ersten Woche der neuen parlamentarischen Arbeitsperiode geschehen Io wäre doch der Termin des 25. Oktober viel zu l k u h.
In den verschiedenen Hauptstädten ber alten und ber neuen Welt werden zurzeit Verhandlungen über Ablösunng und Tilgung der alliierten Kriegsschulden geführt. Chamberlain und Briand haben nach Meldungen der Tagespreffe bei ihrer Zusammenkunft in London über dieses Thema gesprochen. Caillaux steht vor der Fahri nach Amerika, Italien führt aus demselben Grunde zurzeit Verhandlungen mit den Bereinigten Staaten. Belgien hat soeben ein Abkommen mit den Bereinigten Staaten getroffen. Das Problem ist alfo im Rollen.
Den Anstoß zur Erörterung des alliierten S hul- denproblems hat die Regelung der deutschen Reparationen durch das Dawesabkommen gegeben. Die deutsche Berschuldung ist ja im Grunde genommen nur ein Teil ber allgemeinen Weltverschuldung. Nach erfolgter Regelung der Repara- tionsfrage mußte folgerichtigerweise auch das ®e- samlprvblem einer Lösung zugeführt werden. Frankreich und die kleineren europäischen Alliierten, Italien, Belgien ufro. widersetzten sich lange Zeit ernsthaften Verhandlungen. Energische Versuche des englischen Ministerpräsidenten Bonar Law zu Anfang des Jahres 1923 auf einer Konferenz zu Paris, die interallierte Schuldenfrage kräftig anzupacken, scheiterte an dem Widerstand Frankreichs (Poincare) und Italiens. Erft die zunehmenden eigenen Finanzschwierigkeiten, vor allem aber ber zunehmenbe Druck der Vereinigten Staaten, insbesondere ein drastischer Appell des Senators Borah an Frankreichs Anstandsgefühl („Frankreich müsse sich auf feine elementarsten An- standspflichten besinnen") riefen einen gründlichen Stimmungsumschwung in Paris hervor und ver
ein zischendes Geräusch hörte und das Luftschiff zerbrach. Der Teil des Luftschiffes, in dem ich mich befand, stürzte so rafch, daß ich mich, bevor ich sehen konnte.
* Antideutsche Schulpolitik j» der Tschecho- Slowakei. Nach einem von Prager Blättern ver- öffentlichten Artikel des deutschen Abgeordneten Kostka wurden feit dem Umsturz in der Tschecho-Slowakei 24% des deutschen Schulwesens vernichtet. Insgesamt wurden von 11747 deutschen Schulen 2189
schehen war, auf den Gipfel eines Baumes befand. Als ich mich daran machte, hinabzuklettern, wurde ich von den Tauen und Drähten des Luftschiffteiles erfaßt und 1000 Fuß weit mitgeschleift, bevor ich freikam. Ein anderer Ueberlebenber desselben Lustschiffteiles erklärte, in der Dunkelheit habe er zuerst garnicht sehen können, daß die Spitz«! des Luftschiffes fehle.
Der Flugzeugbauer Glenn Martin äußerte sich dahin, der Unglücksfall ber Shenandoah beeinträchtige die glänzenden Aussichten der „leichter als Luft" Luftschiffe in keiner Weise. Die Shenandoah sei nach seiner Ansicht z u l e i ch t gewesen. Die Zukunft gchöre Luftschiffen von ungeheurer Größe.
Präsident Coolidge sprach die Ansicht aus, da? Marinedepartement werde den Wunfch haben, die Shenandoah durch ein für militärische Zwecke verwendbares Luftschiff zu ersetzen. Coolidge bcz nete die Katastrophe als schrecklich wegen des 2' lustes an Menschenleben, gab aber der Mein Ausdruck, daß der Verlust von Luftschiffen ' nicht von der Zerstörung eines Kriegsschiffes un. scheide, die immer wieder ersetzt würden.
* Reginald Banderbilt gestorben. AuS Amer k wird gemeldet: Reginald C. Banbetbitt, Sohn vo Cornelius Banderbilt und Enkel deS Gründers dr Vanderbilt'schen Vermögens, einer der bekanntesten SportSleute Amerikas, ist gestorben.
Mark verpflichtet. Das ist selbst für bas englische Bubget eine recht ansehnliche Belastung, entspricht diese Summe doch zwei Drittel der derzeitigen englischen Flottenausgaben. England hat aber zugleich in Washington die Zusage erhalten, daß kein, anderer Schuldner Amerikas besser behandelt wird.
Betrachten wir nun die Schulden Frankreichs und Italiens. Frankreich schuldet den Vereinigten Staaten rund 3 Milliarden Dollar ohne die rückständigen Zinsen, die sich Ende 1925 auf nicht weniger als 800 Millionen Dollar belaufen werden. Zurückgezahlt sind bisher nur 64 Millionen. An Groß-Britannien schuldet Frankreich 619 Millionen Pfund Zinsen bis Juli 1924 (die „wirtschaftlichen" Schulden Frankreichs mitgerech- net). In ber Geschichte ber französisch-englischen Schulbenregelung spielt eine große Rolle bie Sogenannte Balfour-Note vom August 1922, in der England seine Bereitwilligkeit erklärte, nicht mehr von Deutschland und seinen Verbündeten zusammen zu fordern, als es selbst an die Vereinigten Staaten zu zahlen hätte. England wollte also gewissermaßen seine Schuldenleistung an Amerika garantiert haben. Nach sachverständiger Berechnung würde der Schuldbetrag Frankreichs und seiner kleineren Verbündeten an England bei Anrechnung des englischen Anteils an den Daweszahlungen (8 Milliarden Mark) immer noch auf 6 Milliarden GoLmark sich belaufen. Dazu erklärte sich Frankreich außerstande. Nun wird es an Caillaux fein, neue Vorschläge zu machen.
Italiens Schuld an England betrug Ende März 1925: 14691 Millionen Lire, an die Bereinigten Staaten 8537 Millionen Lire (Zinsen einbegriffen). Bei Herabsetzung ber italienischen Schuld auf die Hälfte, müßte Italien jährlich 250 Millionen Goldlire für die interalliierten Schulden aufbringen. Belgien hat soeben von Amerika ein Moratorium zur Amortisierung feiner Kriegsschulden im Gesamtbeträge von 171 Millionen Dollar in 62 Jahren erreicht. ;r
Man hat nun daran gedacht, die Regelung der übrigen interalliierten Schulden auf der gleichen Basis wie der englischen vorzunehmen. Dann müßte Frankreich jährlich mindestens 250 Millionen Dollar 65 Jahre lang an England und Amerika abführen. Rechnet man so alle interalliierten Schul- den zusammen, auch die englidje Schuld an Amerika (160 Millionen Dollar), dann kommt man zu einer jährlichen Gesamtschuld der Alliierten von 450 Millionen Dollar — rund 2 Milliarden Goldmark. Die Uebertragung solcher gewaltiger Geldsummen an die Gläubiger-Länder (Transfer) bringt natürlich dieselben Schwierigkeiten mit sich, wie bei den Uebertragungen der deutschen Geldsummen. Aus diesem Grunde hat man auch schon eine Verrechnung sämtlicher Schul- den der Alliierten mit den Reparationszahlungen Deutschlands und deren unmittelbare Abführung an Amerika vorgeschlagen. Die Vorteile dieser Methode gegen bie Nachteile abzuwägen, ist hier nicht der geeignete Ort.
Zu den österreichisch-ungarischen Verhandlungen. Da die durch mehrere Monate hindurch fortgesetzten Verhandlungen mit Ungarn über die zwilchen beiden Staaten schwebenden finanziellen Fragen grundsätzlicher Natur, die sich ans der Liquidation der österreichisch-ungariSchen Monarchie ergaben, zu keiner Einigung geführt haben, wird nunmehr auf Wunsch der ungarischen Regierung das nach dem Artikel 6 des burgenländischen Schieds- Vergleichs »om 26. Februar ' vorgesehene Schiedsgericht M entscheiden haben.
* Der Kulturkampf in der Türkei. Havas meldet aus Angora: Ein unter dem Vorsitz von Mustapha Kemal Pascha bis spät abends tagender Ministerrat hat beschlossen, daß in Zukunft auf dem Gebiet der türkischen Republik keine Ordensgemeinschaften mehr anerkannt werden. Die Ehrenzeichen und Uniformen der religiösen Orden werden abgeschafft. Es soll lediglich den Ulemas (den muhamedanischen Vorbetern) die Genehmigung erteilt werden, den Turban und die vorschriftsmäßige Tracht gnzulegen. Die staatlichen Beamten außer denen des Heeres, der Marineverwaliung und der Behörden, denen eine Uniform vorgeschrieben ist, werden jetzt Zivilkleidung tragen, rote in allen europäischen Staaten.
* ThphuSsälle im Wiener Wald. Wie die Blätter aus Wien melden, sind in den letzten 14 Tagen in dem von Sommerfrischlern viel besuchten Ort Gießhübel etwa? 20 Typhusfälle vorgekommen, von denen vier tödlich verlaufen sind. Die Sanitätsbehörden haben alle Vorkehrungen getroffen, um eine Ausbreitung ber Krankheit zu verhüten.