Anzeiger für die Stadt und den Kreis Fulda. Amkliches Kreisblakk.
Ua,eigen »«reise- Äleiiuett* (Tolonel) lokal 0.15 Goldoliarl
Samstag, 5. September 1925. ■““‘Üt-“" 52. Zahrg.
Nr. 204.
Sei Mederbolungen Rabatt- Bostickeckkonto Srattfinrf a. M. 41161.
BerantwortltS fit Nie Schristleitnns: Dr- Johanne« Kramer- «nreisenr 3 D ar,«Iler, Fulda. Rot«tw>Ävru« and Verlag der 9ulten »dirxNrrirm ti Butte. Fernivrecker Nr- 9.
WeeetUAer Seimeiuretti 1.50 «k.
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Hindenburg; Ruhr-Reis«.
Nach Meldungen au» Bochum wird di« any« kündigte Reise bei Reichrpräsideaten in da! befreite Ruhrgebiet mit dem Betuch Bochum! am 10. 9. beginnen. Bei einer öffentlichen Kundgebung auf der Terrasie des Parkhauses i»irb Reichspräsident v. Hindenburg eine Ansprache halte». Bon Bochum wird sich der Reichspräsident »ach Essen begeben.
Die Katastrophe der „Sternentochter".
Das amerikanische Marmelustschiff „Shenandoah" im Sturm vernichtet. — Einstellung der amerikanischen versuche mit Luftschiffen. — Das Zeppelinsystem und -a§ Unglück.
Der syrische M- el Krim.
wtb. London, 4. Sept. (Tel.). «Daily Expreß" berichtet aus Jerusalem, ein Berichterstatter, der aus dem Hauran-Geblet zurückgekehrt sei, teile mit, dcch Sultan Pascha Atrasch «der syrlscheAbdelkrlm" erklärt habe, er werde keineFriedensbedingnngen. die Ihm von den Franzosen unterbreitet würden annehmen, da er den Franzosen nicht traue. Der Sultan fordere völlige Unabhängigkeit nicht nur für Djebel- Drus, sondern für ganz Syrien. Er bereite eine große Offensive gegen die Franzosen vor und er» wartet einen Aufstand in Damaskus. Die Drusen verfügen über 10 000 Bewaffnete. Bisher halten sie, abgesehen von durch Bomben getöteten Frauen und Kinder 300 Mann Verluste, während die Iran» zosen 1300 Maua elugebüßt haben.
Das Bombardement der ttiffküste.
Havas meldet aus Tanger, daß die Vorbereitungen der französisch-spanifchen Generaloffen» sioe beendet sein soll. Der erste Akt bestehe in Beschießung der Küste südlich und östlich von Alhucenas, die seit über 48 Stunden im Gange sei. Man kündige in Tanger an, daß eine Landung von Truppen in der Durchführung griffen sei.
"td Paris, 4. Sept. (Tel.). Nach einer Havasmeldung aus Tanger bombardieren Geschütze und Flugzeuge die Rifküste. Das Bombardement macht einen sehr starken Eindruck auf die marroka- uische Devölkeung. Nach einer Blättermeldung aus Madrid, haben die Spanier ein aus 15 000 Mann bestehendes Landungskorps gebildet. Die Kolonne befindet sich bereite auf dem Meere. .
abgelegt, so erst vor kurzem bei der Ueberquerung des amerikanischen Kontinents, vom Atlantischen zum Großen Ozean.
Die Folgerung?
"tb London, 4. Sept. (Tel.) «Daily Expreß" berichtet aus Newyork, daß einer Washingtoner Meldung zufolge der amerikanische Flottensekretär Wilbur den Lhef der Flottenoperationen. Stdmiral Eberls, zur Veröffentlichung der Mitteilung auto- rifiert habe, daß infolge des Unglücks die amerikanische Flotte für eine unbestimmte Zeit die V e r - suchemitLuftschiffenaufgebe, die Station Lakehurst geschlossen und das Luftschifi «Los Angeles" für Handelszwecke verwendet werde.
Deutsches Verleib.
wtb Swampscott, 4. Sept. (Tel.) Der deutsche Votschafier, Freiherr v. M a l tz a n, stattete gestern dem Präsidenten Loolidge einen Besuch ab, um im Namen der Reichsregierung deren Beileid zu der Zerstörung der «Shenandoah" zum Ausdruck zu bringen. & 'M tft -
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Die „Shenandoah" war eine amerikanische Kopie der deutschen Zeppeline, auf die die Amerftaner ganz besonders stolz waren. Sie war von der Marine in Lakehurst gebaut worden, und sie war, trotzdem sie weniger Kubikinhalt hatte als die heutige geutschgebaute „Los Angeles" erheblich länger als diese. Sie hatte die bekannte Heliumgasfullung imd Motor«, die ihr bei 2000 PS. Leistung eine Geschwindigkeit von mehr als 30 Sekundenmetern gaben. Das Luftschiff war in den Vereinigten Staaten außerordentlich populär, da man dort nur daarn dachte, daß es in Amerika gebaut war und völlig vergaß ober vergessen wollte, daß es aus deutschem Geist gebaut war.
Das Schiff hak unzählig wohlgelungen« Fahrten durchgeführt, e? hat schwere Stürme mit leichten und auch schwereren Beschädigungen immer wieder überstanden, einmal verlor es die Derankerungs» kalotte am Bug und trieb mit abgestellten Motoren und reduzierter Besatzung ab und wurde doch wieder durch die Energie eines Deutschen, des Luftschifführers Heinen, nach stundenlangem Kampf gerettet und in den Hafen der Halle gebracht.
In Deutschland hat der Zeppelin im Frieden kein einziges Todesopfer gefordert, die toten amerikanischen Marinesoldaten sind also die ersten Pioniere des Zeppelinflugs, die ihre Mitarbeit im Frieden mit dem Tode bezahlten. Daß die Amerikaner, wie das obige Telegramm besagt, nun gleich die Flinte ins Korn werfen und die Versuche mit Luftschiffen aufgeben wollen, ist sehr unwahrscheinlich. Wir glauben es nicht.
* Der Danziger Poststreit. D« Senat der freien Stadt Danzig hat an dar ® eneralfe- Iretariat bei Völkerbundes ein Schreiben gerichtet, in dem er die Vorschläge der Völkerbund!» kommtssio» zur Festsetzung der Grenzlinien für das polnische Postgeoiet in Danzig zurückweist. Mit diesem Protest dürfte die Tatsache zusammenhangen, daß diese Frage frühestens mitte September vor dem Rat behandelt wird.
Sur Rriegrschuldfra-e.
Nach Schluß der Stockholmer Weltkirchenkonfe- fenz richtete derVorsitzendederdeutschen Delegation an den Fortsetzungsausschuß der konferenz folgendes Schreiben:
Im Auftrage der deutschen Delegation zur Stock- solmer Weltkirchenkonferenz beehre ich mich, dem kortsetzungsausschuß folgendes ergebenft zur tenntnte zu bringen: Die deutsche Delegation kann Stockholm nicht verlaffen, ohne sich einer ernsten bflicht entledigt zu haben. Als in Deutschland lefannt wurde, der Deutsche evangelische Kirchen- »und werde sich durch amtliche Vertreter an der löeltkonserenz beteiligen, wurde in unseren Kirchen veiterhin erwartet und in geradezu ergreifender Seife zum Ausdruck gebracht, daß von uns in Stockholm eine Frage aufgerollt werden müsse, die, olange sie nicht innerhalb der Gesamtchristenheit leklärt ist, auf unserer Seele lastet und die ökume- nsche Zusammenarbeit unsäglich erschwert: die frage nach der Schuld am Ausbruch des Weltkrieges.
Die Notwendigkeit einer rückhaltlosen allgemei- . ten Klärung dieser Frage empfinden auch wir h ihrem ganzen Gewissensernste. Sie ist uns wie mferem Kirchenvolk eine Frage vor allem der Wahrheit und Gerechtigkeit. Dennoch laben mir einmütig davon Abstand genommen, sie vährend der Tagung selbst aufzurollen. Eine ein- letzende Behandlung dieser Frage auf der mit Derleiebenen anderen Fragen bereits überreichlich be» chästigten Konferenz war ja völlig unmöglich. Ein stoßet formeller Widerstand gegen die Aufbürdung ter Schuld auf Deutschland war überflüssig, da alle Welt weiß, daß das deutsche Volke diese Aufbürdung nit Entschiedenheit ablehnt und daß wir in zahlreichen christlichen Ländern durch namhafte For- cher Zustimmung zu dieser Ablehnung in wachendem Maße gefunden haben. Ein formeller Protest hätte zudem bte von dem ernsten Willen ter Delegierten aller Länder getragene Sinmütig- leit der Konferenz und ihr hohes Werk stören fön- Ktt, ohne die Sache irgendwie zu fördern. Die teutschs Delegation bittet den Fortsetzungsausschuß, tiefe ihre Stellungnahme und ihre Motive, gleich- leitig aber auch den Ausdruck ernsten christlichen, ton der Zustimmung des gesamten evangelischen Deutschland getragenen Ueberzeugung zur Rennt» ris nehmen zu wollen, daß die Klärung der Schuld' Page ehre moralische Aufgabe ersten Ranges ist, sie tun ihrer selbst willen, aber auch im Hinblick Q besonders auf die künftige ökumenische Zu- enarbeit der Kirche als unabweislich dringend ^scheint.
Der Präsident der Delegation: gez. Dr. Äapler.
* Stegerwald Iber den Schritt Dr. Wirchs. Reichstagsabgeordneter Stegerwald erklärt tn dem christlichen Sewerkschaftsblatt „Der Deutsche" über den Austritt Dr. Wirths auS der Zentrums» ftaktio» bei Reichstag!: Menschlich verständlich, politisch falsch. Dr. Wirth habe von jeher den Standpunkt bertreten, daß der deutsche Wiederaus- bau im foiialen und demokratischen Leben nur mit Link! erfolgen könne. Der Zusammenbruch Deutsch-- land! fei jedoch zu groß, al! daß bet Wiederaufbau von ein und derselben Koalition «meistert werden tonnte. Politische Links- und Rechtskoalitionen müßten sich abwechselnd die Hörner ablaufen. Nur so laste sich allmählich die pontische Wiederanf- bauathmosphäre vorbereiten und schaffen.
* Auf dem Weltfriedenskongreß in Pari! wat am Mittwoch bei der Eröffnungsfeier Reichstags- pröstvent Loebe nicht zu dem Sorfrng der Rede, bereu Hauptpunkte hier ichon mitgeteilt worden sind, gekommen. Wie jetzt bekannt wird, hatten einflußreiche französische Regierungskreise unter Hinweis auf bte Rede, die Loebe kurz vorher in Wien für den Anschluß Oesterreichs an Deutschland gehalten hat, Schwierigkeiten gemacht. Der Zwischenfall wurde spater beigelegt. Am Donnerstag hat Loebe die Rede gehalten. Die Ansprache LoeveS würbe mit großem Beifall aufgenommeu.
Deutsches Reich.
* Der Reichsrak beschäftigte sich mit ber Derord- tung über bie Einfuhrscheine. Die Tiit- fiieber bes Reichsrates haben einer neuen Fassung ter Derorbmmg zugestimrnt. Sie unterscheidet ich von der ursprünglichen Verordnung dadurch, taß die Cinfuhrscheine auch auf Hülsenfrüchte aus- gedehnt werden. Dis Frist für bie Gültigkeit ber kmfuhrscheine soll jeweilig mit Zustimmung des neichsrates auf längstens neun Monate festgesetzt verden. Ferner sind die Uebergangsbeftimmun- EP worden, wodurch verhütet werden
joll, daß zollftet eingeführtes Getreide an den Der- pinfttgnngen der Einfuhrscheine teilnimmt. Die Äiu ^c, fotten atfo vom 1. Oktober ab in Linkspresse bekämpft den oeschluß des Reichsrats als „Liebesgabe an die ttgrarter .
* Der ReichLschulgefehenkwurf. Zu dem von nmgen Blättern veröffentlichten Entwurf eines sieichsschulgesetzes, der von amllicher Seite als noch licht abaeschloffen bezeichnet worben ist, erfährt das -Berl. Tagebl.". daß der betreffende Entwurf nicht rur dem Reichskabinett, sondern auch sämtli^n j Bänberregierungen zugegangen fei. Der Entwurf knthält Bestimmungen, bie von der Linkspreste hsf. 8g angefeindet werden.
* Die deutsch-französischen Handelsverkragsver- nindlunge«. Staatssekretär Dr. Trendelenburg ter Führer der deutschen Wirtschaftsdelegation', vird am 15. September in Paris ein treffen, um re demnächst wieder beginnenden deutsch-ftanzö- ftchen Handelsvertragsverhanblungen vorzuberei- nn. Die deuffche Delegation wirb alsbonn eben- tos nach Paris kommen.
* Zwangsansweisung von 50 Polen. Als Ant- wort auf bie gewaltsame Ausweisung von 50 deutschen Optanten aus Polen hat, wie bas „Berl. Sägeblatt" meldet, die preußische Regierung 50 pol- toche Optanten zum Verlassen Deutschlands veranlaßt. ____________________
Virtschastliche Kampfbewegungen.
— verLshnkonflikt Sri 6er Reichsbahn. Die Organ!« I Nationen der Sifenbahnarbeiter haben befchloflen, das I sieichSarbeitS«imsterium nochmal« zur Einleitung eine» I Schlichtungsverfahrens und zur Bestellung eines neuen I Schlichters zu ersuchen. Dem Vorwärts zufolge treffen I ^Ortsgruppen der Eifenbahner-Organisationen überall I
Reiche Vorkehrungen für den Streik, der, wie | Blatt erklärt, unvermeidlich ist, wenn nicht in | teilen DchlichtungSverhandlungen eine allgemeine Lohn- I tasbefferung herbeigeführt wird.
= Streik in den Wecklenknrgifchen ölickrrfahriken.
Stveik in der Wismarer Zuckerfabrik hat sich I nu<$) auf andere Zuckerfabriken iwi Lande ausgedehnt. I ?n den 7 Zuckerfabriken in Nlecklenburz sind jetzt I । J81 streik; nut eine ist noch im Betrieb. Der Spitzen- I betrug bisher 50 Pfg. pro Stunde. Der Schlichter j K-te eine Aufbesserung nm 7 Pfg. die Stunde zngeblLiet, I w ”°tt den Ärdelieru abgüehnt wurda, »
Aus New-Dork wird gemeldet: Da! Luftschiff „Shenandoah" wurde bei Cumberland im Staate Ohio vom Sturm zu Boden geschaudert und vollständig zerschmettert. Zwei Mitglieder der Besatzung Wurden getötet und sieben verletzt. Nachdem da! Luftschiff bereit! seit einer halben Stunde vergebe«! zu landen oder seine Fahrtrichtung wiebequgetotnnen suchte, wurde es plötzlich vom Sturm buchstäblich in zwei Teile gerissen Die eine Hälfte stürzte zu Boden, während die andere »om Orkan weitergeweht wurde.
Havak meldet auS Cumberland, bojj bie lieber« lebenden ber „Shenaudoah" in einem GutShos bei Cumberland untergcbrmbt sind. Die „Shenandoa" Hobe Donnerstag früh kurz nach 6 Uhr die Luft- schiffhalle in Lakehurst »etlaffen. Sie hätte 11 Staaten überfliegen müssen um nach Minnesota zu gelangen. 5um letztenmale wurde baS Luftschiff um 1SA Uhr früh über Elmgrove bei Wheeling (Ostvirginia) gesichtet in einer Hohr von 1000 Fuss. Die Besatzung soll 36 Mann, nach einer anderen Meldung 42 Mann betragen haben.
Wie sich nach späteren Meldungen herausstellte, ging die „Shenandoah" in drei Stücken nieder. Der Kommandant Leutnant LandSdowne und mindesten! 12 Offiziere und Mannschaften wurden getötet. Die Zahl der Verwundeten beträgt 15. Da! Luftschiff war in enter Höhe von 3000 Fuß in eine jener Sturmböen geraten, die bei den Luft- fahrern besonder! gefürchtet sind.
Dr. Eckener über die Lustschiffkatastrophe in Amerika.
Der „Berl. Lokalcmz." veröffentlicht eine Unterredung Dr. Eckeners mit einem Mitarbeiter des Blattes über die mutmaßliche Ursache der amerikanischen Luftschiffkatastrophe. Dr. Eckener erklärte, es erscheine ihm nicht wahrscheinlich, baß die „Shenandoah" in der Luft entzwei gebrochen fein soll. Er nehme an, daß das Schiff beim Landen von einer vertikalen Böe erfaßt und auf den Boden geschmettert worden ist. Dr. Eckener erinnerte weiter daran, daß bie „Shenandvah" schon einmal ihre Lufttüchtigkeit bei schwerstem Wetter bewiesen habe, nämlich bei ihrer Sturm- fahrt nach bem Losreißen vom Ankermast. Dr. Eckener wies bann noch barauf hin, baß man bas verunglückte Luftschiff nicht als Schwester- schiff besZR3 bezeichnen könne. Das Luftschiff, bas in Amerika erbaut fei, fei um 3000 Kubikmeter kleiner als bas beuilche und mit fünf amerikanischen Motoren ausgerüstet, während Z R 3 fünf Maybach-Motoren habe. Zum Schluß ber Unterredung gab Dr. Eckener feinem lebhaften Bedauern über bas Unglück Ausbruck. Gerade die Besatzung dieses Luftschiffes habe des öfteren Proben ihres Wagemuts und ihrer Geschicklichkeit
Beamtenfragen.
= Abfindung für aurscheldende Lehrerinnen. Der Aauptausjchutz deS preußischen Landtags nahm bei der Beratung deS KultuSetatS einen Antrag der Rechts- Parteien, de» Zentrums und der Demokraten an, wonach infeige Verheiratung freiwillig aus dem Schul- dienst scheidenden Lehrerinnen eine Abfindungssumme oder Rente gesichert werden soll.
* Eisenbahnunglück in England. Der Schnellzug Manchester—Sheffield fuhr bei Hoje in der Grafschaft Derby auf einen Güterzug. Eine Person wurde getötet, 15 wznden verwundet.
r Aufwertungsrecht.
Bon Dr. 66)etter, Landgeriihtsdirektor, M.d.R., Köln.
F. Die Auswertung der indirekten Kapitalanlagen.
Pfandbriefe, Sparkassenguthaben, versicheruags- ansprüche.
Den Dermögensanlage« dieser Art ist gemeintem und eigentümlich, daß.der Schuldner diese Verbindlichkeiten nicht für eigene Kreditbe- b ü r f n i f f e eingegangen ist, sondern daß er a l s Vermittler mit den ihm zur Verfügung gestellten Mitteln seiner Gläubiger fremde Kredit- b e d ü r s n i s s e befriebigjt hat. So stehen diese Vermittler fremden Kapitals als Aufwertungsschuldner und atufroertungsfltäubiger — aber nicht ohne eigenes Interesse — inmitten bes Ausgleichs ber Gelbentwertung, zwischen benen, die ihr Kapital angelegt und denen, die es letzten Endes genutzt haben. Wie also die SBermög|ensanlage eine indirekte gewesen ist, kann ber Gläubiger auch nur auf dem gleichen indirekten Wege flber seinen Kreditvermittler zu einer Auswertung.gelangen. Sein Aufwertungsanspruch richtet sich nach bem, was ber Vermittler selbst als Auswertung von seinen Schuldnern erhält. Geldvermittlungsgeschäfte dieser Art haben stets einer scharfen staatlichen Kontrolle unterlegen und die Sicherstellung bes Gläubigervermögens durch eine besondere Deckungsmasse wurde durch die Gesetzgebung gewährleistet. So war den Sparkassen vorgefchrieben, daß sie minbefteni ein Drittel ihrer SpargeDer in erststelligen Hypo> theken, ein Drittel in Wertpapieren, ein Drittel it! Forderungen an öffentliche Verbände anzulegen hätten; die Hypothekenbanken hatten nach einem besonderen Gesetz«^ für den Erlös ber von ihnen ausgegebenen Pfandbriefe in erftftelfrgen Beleihungen von Grundstücken Deckung unb in Schuldverschreibungen des Reiches und der Länder Ersatzdeckung zu suchen. Endkich war durch die Ber» sichern ngsaufsichits-Gesetzgebung dafür gesorgt, daß alle Unternehmungen einen Prä- mienreservefond zu bilbim hatten, ber eme federzeitige Sicherstellung ber Ansprüche der Dersiche» rungsglöubiger bedeutete.
I. Das Recht ber 2Lufroertung ber inbirelten Kapitalanlagen ist noch unfertig. Weil sich noch nicht'übersehen läßt;, wie für bie Deckungsmasse die Aufwertung der Hypotheken unb Anleihen tm einzelnen ausfällt, kann noch nicht gesagt werben, wieviel Aufwerttmg auf b en einzelnen P fandbrief, bas einzelne Sparkonto uni jede Versicherung entfällt. Die Deckung» mässe ist auch nicht ohne weiteres zur AusschüttiM! an bie Gläubiger geeignet, da die Hypotheken bfc 1932 fällig werden. Infolgedessen sind noch ausführliche Ausführungsverordnungen erforderlich, bie den Lich ridierungsprozeß erleichtern unb beschleunigen folleii. Das Aufwertungrgesrtz beschränkt sich beshalb darauf, die grundlegenden Bestimmungen zu treffen unb beauftragt mit der weiteren Durchführung bie Regierungen des Reichs unb ber ßänber. Gleichwohl finb unverbindliche aber wohl zutreffende Schätzungen angestellt worden, wieviel nach der reichsgesetzlichen Regelung bei Verteilung der Masse aus die einzelnen Anlagen entfällt. Nur hinsichtkich der Sparkassen ist den Landesregierungen auferlegt worden, daß der auf die Einlagen entfallende Betrag mindestens 12 % v. H. des Goldnmrkbetrages ber Sortierungen erreichen unb möglichst bem ülufmertungs- fatz entsprechen solle, brr sich für bie Anleihen d« Schuldners und seiner Garantm ergebe. Nach dem Rechte der St.N.V. wurde bei einer allgemeine« Aufwertung von 15 Prozent mit einem Satze von 2 bis 3 Prozent für Spareinlagen gerechnet. Nachdem nurnnehr ber Aufwertungesatz für Hypotheken auf 25 Prozent gesteigert und die Rückwirkung eingeführt ist, konnte bie ursprüngliche Schätzung erheblich erhriht werben. Wenn ober 12)4 Prozent als Mindestsatz vorgeschrieben sind, so folgt schon daraus, daß die Teilungsmasse diesen Satz nur herausbringen kann, wenn die Garanten erhebliche Deiträge aus ihrem Vermögen bei ft euer«. — Für die Pfandbriefe wurde das Aufwertungöergebnis nach der St.N.D. auf 7 b i s 8 P r o z e n t geschätzt, heute darf man — wie dem Verfasser aus seinen Besprechungen mit den führenden Hypothekenbanken bekannt ist — auf einen Satz von 14 bis 18 Prozent rechnen. An diesen Betrag werden die Dersicherungs- ansprüche wohl nicht ganz heranreichen, aber auch bei ihnen wftd eine erhebliche Steigerung über das nach der St.N.V. erwartete Maß erzielt werden.
* Ameifeuschwärme an der Loire. HavaS meldet ata St. Etienne: Ju der hiesigen Gegend ist ein starker Schwarm fliegender Ameisen ntebergegangen, der sich aus den Bäume« sestsetzte. Die Bewohner ber Gegend mußten Türen und Fenster geschlossen halten, um sich gegen da! Eindringen der Ameisen zu schützen. Die Ämeistnschwärme zogen bann läng! der Loire aufwärts.
* Faltbootunglück. Dm Dienstag abend ist auf der Rhone brr Schwiegersohn von Dr. August Forel, Dr. Braune! au! Karlsruhe, ertrunken. Er war auf bet Fahrt zu seinem Schwiegervater, bie er teil! in bet Bcchn, teil! im Faltboot zutück- legte. Bon Sitten au! fuhr er im Faltboot thone- abwäri!. Kurz vor b<tm Genfer See kenterte da! Boot. Seine Leiche konnte noch nicht geborgen werden. Man nimmt an, daß sie in den Genfer See getrieben wurde.
* Ueberschwemmun» in Japan. Die Bezirke Hiroshima und Aamatzuchi wurden von schweren Uebetschwemmungen h>eimgesucht. Eine Reihe von Häusern und Brücke« wurden zerstört. Mehrere Menschen kamen ums Leben; etwa 100 wurden verlebt. Der Verkehr ist lahmgelegt.